'Samstagabend im Lakeside Supper Club' - Seiten 305 - Ende

  • Mariels Dad Gustav starb bereits, als sie auf dem College war. Seit sie und Ned sich Anfang der 90er Jahre entschieden, wieder schwanger werden zu wollen, stand auch fest, dass dieses Kind seine Großmutter nie kennenlernen würde. Ich finde es trotz allem, was passiert ist, schwierig, selbst nach über 10 Jahren noch keinerlei Vergebung zuzulassen.


    Nach über zwei Monaten holt Mariel ihre Mutter endlich an der Kirche ab :grin , dazwischen hat dies ja für ordentlich Aufruhr gesorgt. Eine richtige Aussprache findet in meinen Augen zwar nicht statt, dennoch spürt man, dass sie ihrer Mutter zögerlich verzeiht. Schön fand ich die Szene, in der Florence weint, als sie die kleine Julia zum ersten Mal im Arm halten darf. Und inzwischen – nach wohl 15 Jahren – kann auch Mariel endlich wieder über Gus sprechen.


    Mit Julia kommt meines Erachtens ein völlig neuer Ton in die Geschichte: für alle Generationen vor ihr war das Lakeside der beherrschende Ort ihrer Leben: erst wurde es aufgebaut, dann zu einer florierenden Gastwirtschaft gemacht und später zu einem Ort, den man an die nächste Generation weitergeben kann.


    Doch Julia weiß schon früh, dass sie das Lokal nicht will. Und sie hadert damit, da sie weiß, dass ihre Mutter Mariel, die viel zu früh an Lungenkrebs stirbt, als sie noch keine 5 Jahre alt ist, sich nichts mehr gewünscht hat, als dass ihre Tochter das Lakeside ebensosehr liebt wie sie selbst. Eine schwierige Entscheidung, aber letztlich muss Julia ihr eigenes Leben leben und nicht den Traum ihrer Mutter weiterleben.


    Schön fand ich hier auch, dass wir auch „Drumherum“ erfahren, wie die Zeit verstreicht und das Leben weitergeht: Kyle, der seine koreanischen Wurzeln entdeckt und später mit einem Mann verheiratet sein wird. Brenda, die Krankenpflegerin lernt und später Florence betreut. Ich konnte mir die Szenen lebhaft vorstellen, wenn die beiden zusammen unterwegs sind und irgendwo einen schlechten Service erhalten... :lache


    Schön fand ich die Szene mit dem Foto von den beiden alten Männern im Kanu. Sind Archie und Floyd also letztlich doch wieder ein Paar geworden. Ich hatte das Gefühl, dass Florence das nun nach all den Jahren auch versöhnlich finden kann.


    Auch den Geschenkkorb, den Ned Julia zum Abschied ins Haus stellt – diese Szene hat mich auch berührt. Er ist ja gegen ihre Pläne, unterstützt sie aber dennoch in allem, was sie tut. Hier hat mich Florence sehr mit ihrem „Willst Du etwa die Träume erfüllen, die Deine Mom für Dich hatte? Mach, dass Du weg kommst“ überrascht. Auf ihre alten Tage ist Florence doch noch zu einem einigermassen liebenswerten Mensch geworden. Ich habe mich im letzten Abschnitt halbwegs mit ihr ausgesöhnt.


    Julias frühere Äußerung „ich werde das Lokal abreissen und ein paar Bäume darauf pflanzen“ hatte mich erst schockiert. Das Lakeside ist schließlich ein Ort mit Geschichte, in dem beinahe 100 Jahre lang Mitglieder der Familie ihr Leben verbracht haben und ebenso lange auch viele Einwohner von Bear Jaw. Sowas planiert man doch nicht einfach. Dass Julia das Lakeside sofort zum Verkauf anbietet, fand ich dennoch nicht gut. Auch wenn einige der langjährigen Mitarbeiter schon in Rente sind, ihr eigener Vater z.B. ist es noch nicht. Da hat man doch noch Verantwortung. Sie hätte es ja auch noch ein paar Jahre weiterlaufen lassen können, bis auch er sich zur Ruhe setzt. Dennoch fand ich es sehr schön, dass sie es letztlich an Mary Sands verkauft, die ihr indigenes Lokal „Three Sisters“ daraus macht. Hier hat man ja auch noch mal von Carla gehört, zu der all die Jahre kein Kontakt mehr besteht.


    Ned empfand ich anfangs ja als langweiligen Schluffi – aber ich denke mir, letztlich konnte ihm nichts Besseres passieren, als von seiner Familie weg zu kommen und ein eigenes Leben im Lakeside zu führen. Dort machte er auf mich nicht mehr so einen nutzlosen Eindruck wie zuvor. Es tat ihm sicher gut, endlich einen Platz zu habe, an dem man nicht nur "Sohn von..." ist, sondern wirklich gebraucht wird. Ein Platz mit echten Menschen und nicht nur karrieregeilen Speichelleckern.


    Ein bißchen irritiert haben mich erst etliche Szenen, in denen Julia ihre Mutter nicht fühlt, sie scheint sie nicht mehr zu „spüren“. Ich dachte mir, warum sollte sie das hier und da auch? Aber letztlich macht es einen Sinn, dass sie endlich, als sie sich in den Wäldern und mit ihrem Hund selbst gefunden hat, auch den Geist ihrer Mutter wieder spüren kann. Ein versöhnliches Ende, finde ich.

    Lieben Gruß,


    Batcat batsmile.gif


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Ichfinde es trotz allem, was passiert ist, schwierig, selbst nach über 10 Jahren nochkeinerlei Vergebung zuzulassen.

    So etwas ist mir auch fremd, aber wer weiß, wie man reagieren würde. Wenn die Fronten so verhärtet sind und die Verletzungen so groß, ist es vielleicht manchmal das Beste, wenn man Abstand hält.

    Mit Julia kommtmeines Erachtens ein völlig neuer Ton in die Geschichte: für alleGenerationen vor ihr war das Lakeside der beherrschende Ort ihrerLeben:

    So habe ich das auch empfunden. Es ist so, als wäre sie von all den Verletzungen und Ereignissen unbelastet, vielleicht weil ihr nicht alles erzählt und dann ausgewertet wurde.

    Schön fand ichdie Szene mit dem Foto von den beiden alten Männern im Kanu. SindArchie und Floyd also letztlich doch wieder ein Paar geworden. Ichhatte das Gefühl, dass Florence das nun nach all den Jahren auchversöhnlich finden kann.

    Darüber habe ich mich gefreut. Ich glaube, dass Florence davon nichts hören will, denn es stellt die Ehe ihrer Eltern in Frage.


    Hier hat man ja auch noch mal von Carla gehört,

    Ich hätte Ned und Carla gewünscht, dass es für sie noch einen Neuanfang gegeben hätte. Sie waren sich so nah, und ich fand am Anfang, vor Gus' Tod, dass Carla ihrem Bruden gut tat.

    Manche Scherben kann man wohl nicht kitten, und manche Wege gehen weit auseinander.

    Es tat ihm sicher gut, endlich einen Platz zu habe, an dem man nicht nur "Sohn von..." ist, sondern wirklich gebraucht wird. Ein Platz mit echten Menschen und nicht nur karrieregeilen Speichelleckern.


    Nein selber hätte sicher am allerwenigsten gedacht, dass er mal am glücklichsten hinter einem Tresen sein könnte. Seine "Sozialkompetenz" war eine schlummern Fähigkeit. Obwohl, ich denke da an seine Zeit als zeitweilige Chef im Unternehmen der Familie, als er mitjjedem Angestellten zu Mittag essen gegangen ist, um sie und ihre Probleme /Vorschläge kennenzulernen. Das hat er auch gut gekonnt.


    Mit dem "ihre Mutter spüren" hatte ich auch meine Probleme (sie war drei, als Mariel starb) aber nun ja, es rundet den Roman ab.

    Ich habe mir den Roman gern vorlesen lassen und war wirklich gut unterhalten.

  • Clare

    Bei Ned und Carla hatte ich einfach das Gefühl, ihrer beider Lebenswege laufen nun einfach auseinander, es gibt keine Berührungspunkte mehr. Schade, aber manchmal entwickelt sich das so.


    Mit dem "ihre Mutter spüren" - da dachte ich mir auch: was genau willst Du da spüren? Du kannst Dich doch kaum mehr an sie erinnern? Was sollte sie dir "mitteilen" wollen. Aber ja, mit der Szene am Ende konnte ich auch gut leben, sie war glücklicherweise recht geerdet und nicht so schwülstig, wie man es auch schreiben hätte können.

    Lieben Gruß,


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    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Mariels Wunsch schwanger zu werden geht dann doch in Erfüllung, leider kann sie das Mutter sein nicht lange genießen, denn sie stirbt, als Julia 4 ist, an Lungenkrebs. Passivrauchen ist eben mindestens so tödlich wie aktiv.

    Aber die Szene, wie sie da vor dem Haus am Boden liegt und weiß, im Haus ist ihre Tochter, das ist schon eine Art Abschied, als wüsste sie, dass sie sterben wird. Auch Julia in ihrem zarten Alter hält Wache am Bett ihrer Mutter, das hat mich sehr berührt. Genauso wie die Szene, als Mariel das Neugeborene in Florence Arme legt.

    Auch wenn es nicht ausgesprochen wurde, die beiden haben sich am Ende doch ausgesöhnt, was dem Buch sehr gut getan hat.


    Ich fand es eigentlich logisch, dass Julia da Lokal verkauft, so findet die Geschichte der Frauen im Lakeside ein rundes Ende, das mit Betty und Florence angefangen hat. Und sie hat ja da ein gutes Gespür für die Nachfolger gehabt. Und ihr Vater ist anscheinend auch zufrieden mit seinem Angestelltenverhältnis. Nicht mehr verantwortlich zu sein, dass das Geschäft läuft, dass Gehälter bezahlt, Personal gefunden wird. Das war ja vorher schon nicht so seines.

    Und Julia wird irgendwas finden was mit Natur, Wald und Tieren zu tun hat.