Rostige Flügel - Manfred Wieninger

  • Ein kleines Nest, ein unbedeutender Fall und ein noch viel unbedeutenderer Detektiv, der sogar bei der Beschattung eines Halbblinden Mist baut. Dazu gesellen sich dann die Mafia und ein paar bitterböse gezeichnete Polizisten einer österreichischen Kleinstadt. Die "rostigen Flügel", die man sich bei "Kottan" geborgt hat, passen ganz gut. Hier wie dort lacht man gerne über die Dummheit der anderen.


    Mich hat das Buch sehr an die Texte von Wolf Haas erinnert. Ebenso wie Wolf versteht Manfred es, mit witzigen und stellenweise auch herrlich absurden Vergleichen zu punkten. Für Unterhaltung ist in diesem Buch gesorgt und ich finde es kann mit Silentium gut mithalten. Der Vorteil bei "rostige Flügel" ist allerdings, dass man für sein Geld auch ganze Sätze bekommt :-)


    Wer keine Adjektive mag (es gibt ja derzeit so einen Modetrend: Gegen die bösen Adjektive!), ist hier eindeutig falsch. An einer Stelle fand ich vier unmittelbar hintereinander - das war dann auch mir zu viel.


    Der Krimi selbst ist nicht übertrieben spannend und plätschert ebenso dahin wie das Leben von Diskont-Detektiv Miert. Aber genau das macht ihn sehr angenehm und unterhaltsam zu lesen. Man lacht eben mehr und das ist ohnehin gesünder.


    Auch die Moral kommt in dieser Geschichte nicht zu kurz und mitunter fand ich die Beschreibungen (die Situation während der Schubhaft) fast beklemmend.


    Für Nicht-Österreicher ist der Text sprachlich sicher eine kleine Herausforderung und auch ich hatte bei einigen Ausdrücken so meine "Aha-Erlebnisse".


    Fazit: Gute Unterhaltung in einem Buch mit Tiefgang, wenngleich es zu dem Preis (gemessen an der Seitenzahl) sicher kein Schnäppchen ist.

  • Melange mit Esprit


    Manfred Wieningers Roman "Rostige Flügel" ist ein weiterer Marek-Miert-Krimi. Er setzt sich bewusst von den aktuellen Krimis ab. Sein Inhalt ist nicht angefüllt mit "literarischer Blutsäuferei" (S. 47).
    Die Handlung wird aus der Sicht des liebenswürdigen, kauzigen Privatdetektivs Marek Miert erzählt. Er wohnt, wie gehabt, in einem abrissreifen Haus im Rotlicht- und Migrantenmilieu in der fiktionalen österreichischen Kleinstadt Harland. Der Autor charakterisiert Marek Miert (wie auch alle weiteren handlungsbezogenen Personen - alles Individuen, die nicht irgend welchen Trends folgen) detailliert, wenn nicht sogar pingelig, wobei er zunächst die körperliche Erscheinung und die Bekleidung betont. Privatdetektiv Miert kommt erst in die Gänge, wenn er des Morgens seine Melange konsumiert hat; des Tages Arbeit beschließt er mit einem Quantum Rotwein.
    Weitere beispielhafte Attribute für den kultigen Marek Miert sind "Hände wie Klodeckel", "Anzuggröße Minivan", "italienische Importschuhe, handgefertigt aus Lederimitat und einem bisschen Spucke" usw.
    Doch nicht nur hierbei kann der Leser sich an Wieningers Sprachvermögen ergötzen. Immer wieder spielt er mit einem anderen sprachlichen Stilmittel, nämlich dem Paradoxon. Wer kennt nicht die absurde Ballade vom Auto, das, als es dunkel war, aber der Mond helle schien, blitzeschnelle langsam um die Ecke fuhr? Und diese Klaviatur beherrscht auch Manfred Wieninger perfekt und virtuos: "Stille, laut wie Weihnachten", "Meeresschildkröte ohne Flossen"; dazu witzige Wendungen wie "ein Ende mit Schnecken", "mit der Kirche ums Kreuz fahren".
    Es ist Februar, der Monat der Depressionen und anderer Katastrophen, als Marek Miert, der eigentlich immer pleite ist, zwei Arbeitsaufträge erhält.
    Bei dem ersten verfolgt er Herrmann Frischauf, einen Buchhändler. Er pirscht ihm in den Auen bei Harland nach, bis beide etwas ungeschickt und von Marek Miert unbeabsichtigt zusammenstoßen. Frischauf hält sich schon über einen längeren Zeitraum in diesem Gebiet auf, wo er die Überreste eines Zwangsarbeiterlagers entdeckt hat.
    Der zweite Fall verwickelt Marek Miert in eine Prügelei, die ihn auf direktem Wege in die Untersuchungshaft bringt. In seiner Zelle lernt er den Afghanen Dr. Achmed Adin kennen. Dies gibt dem Autor die Gelegenheit, ausgiebig zu politisieren und Österreichs Asylpolitik zu kritisieren. Ich persönlich finde so einen Krimi keine passende Plattform dafür - das vorherige Lachen bleibt mir im Halse stecken -, verstehe aber des Autors Anliegen.
    Trotz dieses kleinem persönlichen Missfallens möchte ich dieses Buch weiterempfehlen. Es wird allen Lesern, die Spaß an ironischen, alternativen, regional gefärbten Krimis haben, gefallen.