'Die Farbe Blau' - Kapitel 27 - Ende

  • Und wieder einmal habe ich ein Buch beendet und bin doch etwas "erschlagen" vom gelesenen. Tausendundein Gedanke gehen mir durch den Kopf und ich versuche Ordnung in meinem Gehirn und meiner Gefühlswelt zu schaffen. Die Gefühlslage ein paar Minuten nachdem man das Buch zugeklappt hat ist doch immer wieder etwas spezielles. Gehts euch auch so?


    In den vergangenen zwei Tagen bin ich leider nicht dazu gekommen den letzten Leseabschnitt zu lesen. Heute Abend habe ich mir nun die nötige Zeit für den Schluss genommen. Und ich habe folgende Fragen an Jörg:


    Wer sind die Gerardisten und wieso finde ich im Internet nichts über diese "Gruppe"? Sie berufen sich auf den Mörder Balthasar Gerard vom Prolog deshalb der Name, aber sonst? Erfunden vom Autor oder gab es sie tatsächlich?


    Weshalb wird denn nun das Geheimnis der Farbe Blau nicht gelüftet? Ist der Schluss des Nachworts wirklich alles, gibt es gar nichts zu lüften? Keine bewusstseinsverändernde Droge (chemisch oder biologisch) die der Farbe beigemischt wurde? Das grosse Thema und Rätsel des Buches bleibt also unbeantwortet. :gruebel Bloss ein Hirngespinst und Phantasterei?


    Kurz zum Gesamteindruck: So ab Seite hundert nimmt die Geschichte fahrt auf und Jörg Kastner drückt aufs Tempo und das bleibt zum Schluss sehr hoch. Dies dürfte die Leser die aus der Ecke Krimi/Thriller kommen zufriedenstellen aber für mich als Leser der immer wieder Historische Romane liest bietet es zu wenig "Historische Atmosphäre". Für meinen Geschmack hätte das Handlungstempo zwischendurch etwas gedrosselt werden können um mir als Leser mit Beschreibungen das Ambiente und Flair des Amsterdam des siebzehnten Jahrhunderts näher zu bringen. Gefühlt fand ich deshalb, trotz des holprigen Einstiegs, den ersten Leseabschnitt am besten.


    Im Moment bin etwas enttäuscht vom Schluss und deshalb etwas quengelig. Ich denke, ich lass die Geschichte sich noch weiter setzen und schau mal was die anderen Eulen zum Schlussteil zu sagen haben. :grin

  • Hi sapperlot,


    es gab natürlich auch historische Gruppierungen, die gegen den Protestantismus gekämpft haben. Aber wie du schon vermutest, die Gerardisten in "Die Farbe Blau" sind von mir erfunden - es sei denn, meine Erinnerung spielt mir hier einen Streich.


    Was das Geheimnis der Farbe Blau betrifft: Ich hielt es der Geschichte und den Charakteren gegenüber für angemessener, hier nicht bis zum letzten i-Tüpfelchen alles zu erklären. M.E. wirkt ein Geheimnis besser, wenn es ein bißchen geheimnisvoll bleibt. Letztlich ist es für den Ausgang der Geschichte und das Schicksal der Charaktere auch nicht von Belang.

  • Ich hab es doch tatsächlich heute noch geschafft den letzten (wieder sehr rasanten) Abschnitt zu lesen.


    Mir hat gerade das ständig sehr hoch gehaltene Tempo der Handlungsstänge sehr gut gefallen und mich in einen regelrechten Lesesog gezogen. (Oder hat mich da etwa die Farbe blau auf dem Cover beeinflusst? :grin) Leider mußte ich mich aus Zeitgründen in den letzten Tagen von diesem Sog fernhalten, aber heute hat es mich dann wieder gepackt.
    Gerade diese "thrillermäßige" Tempo hat mir, im Gegensatz zu sapperlot, am besten gefallen. Aber ich muß auch dazu sagen, dass ich eher aus dem Krimi/Thriller Bereich komme und noch nicht so viel historisches gelesen habe. Ich fand aber schon, dass das Flair Amsterdams zu dieser Zeit (wie ich es mir vorstelle) gut rüber kam.
    Ich glaube für einen Histo-Krimi-Autor ist es immer schwer hier alle Bereiche abzudecken. Es wird immer wieder "Nörgler" geben (nicht bös gemeint :knuddel1) denen "ihr" Bereich zu kurz kommt.



    Im letzten Abschnitt war ich ja noch skeptisch in Bezug auf den Glaubensbund der Gerardisten, aber da hast du lieber Jörg (für meinen Geschmack) gerade nochmal die Kurve gekriegt - es ist nicht so ausgeufert wie ich es befürchtet hatte. :knuddel1


    @Sapperlot: Das Ende stimmt dich unzufrieden? :gruebel
    Also ich mag Bücher, die etwas "offener" ausgehen und bei denen ich meine eigene Phantasie noch etwas weiter spinnen kann. Es wäre doch absolut nicht passend gewesen, wenn wirklich alles aufgeklärt worden wäre. Es ging hier ja auch eher um die Mystischen Kräfte als um die chemische Zusammensetzung der Farbe bzw. der Früchte. Und Mystisches und Übersinnliches wird nun einmal immer Geheimnisvoll bleiben...
    Außerdem liefert uns Jörg noch ein Happy End - was will Frau mehr :kiss


    Auf jeden Fall hat Jörg erreic ht, dass ich mich wohl nie nahe an Rembrandt´s Bilder heran trauen werde. :lache


    Er hat uns auch dazu bewogen nach den Gerardisten zu googeln, was m. M. nach schon zeigt, dass der Autor das Interesse des Lesenden geweckt hat.
    Ich habe auch nach der Farbe blau gegoogelt und siehe da: Blau ist die Farbe des Friedens :wow Tja für alle Jörg Kastner Leser wird Blau wohl künftig die neue Farbe des Todes sein ;-)


    Eine kleine Anmerkung hätte ich noch: Amtsinspektor Katoen ist mir mit seiner ausgeklügelten Art sehr ans Herz gewachsen. Er war mein "Liebling" in diesem Roman... also werd ich wohl an der *Tulpe des Bösen* nicht vorbei gehen können :-)

  • Sonnschein, es freut mich, daß dir "Die Farbe Blau" gefallen hat.


    Letztlich ist es wohl wirklich eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob ein Buch viel Atmosphäre oder zu wenig aufweist, viel Spannung enthält oder ein wenig langatmig ist, ausgefeilte oder zu wenig ausgefeilte Charaktere porträtiert. Jedenfalls ist das die Erkenntnis, die ich daraus gewonnen habe, daß mich zu ein und demselben Buch oft die unterschiedlichsten Kritiken erreichen.


    Die Farbe Blau hat ja viele Bedeutungen, gute wie schlechte, aber etwas Schlechtes und Böses ist für einen spannenden Roman natürlich dankbarer.


    Jeremias Katoen ist nicht nur dir, sondern auch vielen anderen Lesern ans Herz gewachsen. Und da ich den Mann auch sehr mag, war es keine schwere Entscheidung, ihn bei "Die Tulpe des Bösen" in den Mittelpunkt der Handlung zu stellen.


    Dann wünsche ich dir, Sonnschein, viel Spaß mit dem Tulpenwahn!
    :wave

  • Hallo Sonnenschein


    Ich habe dein Posting mit Interesse gelesen und es hat mir gut gefallen. Man sieht, wie ein Roman auf die Leser verschieden wirken kann, je nach Erwartungen welche dieser vor Lesebeginn an das Buch hat.


    Nach dem ersten Abschnitt, so nach ca. hundert Seiten, war für mich die grosse Frage was es mit dem Bild und der Farbe Blau auf sich hatte. Zu diesem Rätsel habe ich schlussendlich keine schlüssige Antwort erhalten und da ich halt eher ein nüchterner und bodenständiger Mensch bin, der mit mystischem und übersinnlichem eher wenig anfangen kann, wäre es mir lieber gewesen, ich hätte eine Erklärung erhalten wie das ein Pulver aus einer Pflanze oder die Keime Pilzes oder weiss Gott was der Farbe beigemischt wurde und so die Halluzinationen hervorgerufen wurden.


    Mittlerweile google ich zu den meisten Büchern die ich lese Sachen die ich nicht verstehe oder genauer wissen will, so wie hier die Gerardisten. Dies erhöht natürlich auch die Anforderungen an die Autoren ihre Recherche minutiös und bis ins letzte Detail zu erledigen. Für den Leser ist es dank Internet schnell und problemlos möglich Fakten nachzuschlagen.


    Ich denke für den Nachfolgeroman „Tulpe des Bösen“ dürften sich genügend Interessenten für eine Leserunde finden lassen.

  • Ok, auch hier poste ich einfach meine Gedanken zum letzten Abschnitt ohne die anderen Beiträge vorher gelesen zu haben.


    Hier nimmt die Geschichte noch einmal ordentlich Fahrt auf.


    Amüsant fand ich die Situation im Musico, als Suythof die Möbel zerschlägt und Robbert Cors und seine Männer für Ruhe sorgen.
    Das Bild von Titus in dem Becken fand ich dagegen eher ekelig. Wahrscheinlihc hat van Zelden selbst zuviel blaue Farbe geschnüffelt, um auf solche Gedanken zu kommen. :lache
    Laut gelacht habe ich allerdings als Katoen und seine Musketiere und Suythof sich auf den Weg zur Swaluw gemacht haben und die Männer alle über der Reling hängen. Als wenn man Seekrankheit auf Knopfdruck abstellen könnte :pille Katoen brüllt seinen Männern zu, sie sollen aufhören zu kotzen.


    Mir hat das Ende sehr gut gefallen und im Nachwort sind meine nächsten Fragen gleich beantwortet worden. So wie ich es von Kastners gewohnt bin :-] Ich bin mal wieder voll zufrieden.

    :write "Wenn die Menschen nur über das sprächen, was sie begreifen, dann würde es sehr still auf der Welt sein." -Albert Einstein-


    :lesend

  • Zitat

    Original von sapperlot
    Ich denke für den Nachfolgeroman „Tulpe des Bösen“ dürften sich genügend Interessenten für eine Leserunde finden lassen.


    Schaut mal in den LR Archiven. Als das Buch rausgekommen ist gab es dazu eine und Jörg war damals auch dabei, soweit ich mich erinnern kann. Ist das letztes Jahr gewesen? :gruebel

    :write "Wenn die Menschen nur über das sprächen, was sie begreifen, dann würde es sehr still auf der Welt sein." -Albert Einstein-


    :lesend

  • Die letzten Kapitel sind fast an mir vorbeigeflogen - ich wollte einfach nur noch wissen, wie es weitergeht!


    Jeremias Katoen war für mich auch eine der Lieblingsfiguren - ich bin also auf jeden Fall bei der Tulpe des Bösen dabei!


    Mit dem Ende ging es mir so wie Sapperlot. Es war mir einfach zu "offen" und ich hätte gerne mehr gewußt über die blaue Farbe gewußt. Der Epilog hat mir sehr gut gefallen und ich weiß jetzt auch, wo Batavia liegt.... :chen


    Vielen Dank für dieses spannende Buch Jörg und die Begleitung der LR! :anbet

  • Hallo Zusammen,


    ich bin durch mit diesem Roman. Und mein erster Eindruck hat sich auch am Ende bestätigt, das Buch war und ist gut !


    Ich habe schon sehr viele historischen Romane gelesen und tue es noch und dieses Buch hat mich in der Hinsicht nicht enttäuscht. Klar hätte man noch näher auf das damalige Amsterdam eingehen können, dann wäre das Buch halt 50Seiten länger gewesen, jedoch hat es der Geschichte keinen Abbruch getan.
    Der Epilog hat mir sehr gut gefallen, erfuhr man hier doch wie es mit Cornelis und Cornelia weitergegangen ist. Freut mich für die Beiden und hat mich mit den wenigen offenen Fragen versöhnt !
    Auch ich hätte gerne noch eine genauere Erklärung zu der blauen Farbe bzw. der Pflanze aus der sie gwonnen wurde bekommen.


    Bei einer Wiederauflebeung der Leserunde zu die "Tulpe des Bösen" wäre ich auch dabei. :-)



    Auch ich möchte mich auf jeden Fall bei Jörg bedanken für die Leserunden-Begleitung. :knuddel1

    liebe Grüsse melanie


    Wenn man Engeln die Flügel bricht, fliegen sie auf Besen weiter !
    :keks


    :lesend )

  • Ich hab das Buch gestern Abend fertig lesen müssen! Heute morgen hatte ich dann Schwierigkeiten bim Aufstehen. Aber die Handlung war noch soo spannend, daß ich das Buch nicht mehr weg legen konnte! :wave


    Der Schluß war ja echt spannend gemacht, wobei mich auch die Hintergründe interessieren würde zu der Farbe Blau.


    Ich denke auch van Zelden und seine Kumpanen haben zuviel des Pulvers erwischt, um noch klar denken zu können. Katoen selbst war mir auch wieder sehr sympatisch, wen er auch keine so grosse Rolle gepsielt hat, wie im zweiten Buch.


    Ich denke doch, eine neue Leserunde hiermit wird gehen, ich glaub, das es nicht das Erste ist, das wiederholt wird! - ich habe geschaut: 1984 z.B. war auch schon das 2.Mal dran!


    Es war wieder einmal schön ein Buch in Begleitung des Autors zu Lesen, das macht die LR nochmal so gut! Danke schön, Jörg! :anbet

    Gruss Hoffis :taenzchen
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    :lesend Der fünfte Tag - Jake Woodhouse
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  • Gern geschehen, Hoffis! Und natürlich freut es mich, daß dir "Die Farbe Blau" gefallen hat.
    :-]


    Wie ich gestern in einem Gespräch mit einem Redakteuer der Hannoverschen Neuen Presse gesagt habe (Beitrag kommt in der Wochenendausgabe, und buechereule.de wird auch erwähnt): Eine Leserunde ist auch für den Autor immer interessant, weil da oft Fragen und Anmerkungen zu Punkten auftauchen, an die man beim Schreiben gar nicht dachte.
    :lesend


    Manchmal ist es auch umgekehrt wie beim Ende dieses Buches, das ja nicht alle zufriedenstellt. Da hatte ich mir - zusammen mit meinem literarisch sehr erfahrenen Agenten - viele Gedanken gemacht. Folglich stehe ich voll und ganz hinter dem, wie es geworden ist.


    :wave