'Die Blutsäule' - Kapitel 08 - 14

  • Das Buch erscheint mir wie eine gelungene Mischung von Folletts "Säulen der Erde" und Ecos "Name der Rose".
    Leider kam ich heute nach 8 Uhr wie gestern schon wieder nicht ins Forum und muss gleich weg.
    Aber ich tippe mal, dass die Säule mit irgendwas eingeschmiert ist, aber von wem und warum? Und: Ich mag den Thomas! Den Käferexperimenten stehe ich allerdings etwas skeptisch gegenüber :grin
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Dass du den Thomas magst, freut mich. Ich habe viel Zeit mit ihm verbracht, er hat viele Ecken und Kanten, aber ich habe einen gehörigen Respekt vor ihm. zum Glück hatte ich es hier nur mit dem jungen Thomas zu tun. :-)


    Was die Käfer angeht: Man hat auch damals schon derartige Beobachtungen angestellt. Wenn Kinder Maikäfer in Weckgläser sperren, ist das auch nicht unbedingt im Sinne des Tierschutzes ... :grin

  • Ich kann den Thomas noch nicht so richtig einschätzen, ein bißchen seltsam finde ich ihn und die Sache mit den Käfern, hm... wo soll das denn hinführen, ein kleiner Exkurs, oder tatsächlich etwas von Wichtigkeit? :gruebel


    Liebe Iris, generell mag ich deinen Schreibstil ja sehr gerne, aber ganz ehrlich, wenn sich noch mal ein Lächeln in Mundwinkel gräbt, dann muß ich schreien. Diese Wendung auf wenigen Seiten gleich ein paar Mal in unterschiedlichen Variationen war mir ein wenig zu viel. :lache

  • Das mit den angegrabenen Mundwinkeln ist mir bisher eigentlich gar nicht so aufgefallen - ich werde die Mundwinkel aber im Auge behalten! :grin

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Der Albert gräbt offenbar immer mal gerne in seinem Gesicht herum, beim ersten Mal fand ich das auch noch ganz nett, aber dann irgendwann dachte ich, ist ja gut, ich hab ja verstanden, das er ein Lächeln zu unterdrücken versucht... :lache

  • Mir fällt so was normalerweise nur ganz selten auf, aber die "eingegrabenen Mundwinkel" sind mir auch ein bisschen zu häufig aufgetaucht.


    Ich mag beide, Thomas und Albertus, gerne, gerade das Käferexperiment macht mir Albertus sehr sympathisch, eine solche, schon fast kindliche Wissbegierde bei einem erwachsenen Mönch finde ich toll.

  • Ich lese ja grad zweigleisig. Die Säule und einen Krimi, grad war dann wieder die Säule dran und ich mußte feststellen, dass in meiner Vorstellung immer Thomas der Ältere und Weisere ist und Albert sich mehr wie ein etwas überalterter Lausbub liest. Ob ich das so gut finde, weiß ich noch nicht.
    Heute Abend geht's weiter...


    Auf Seite 203 graben die Mundwinkel schon wieder, Iris, gib's zu du wolltest testen, wie oft du die Wendung straflos unterbringen konntest... Lach!

  • Wie unterschiedlich doch die Wahrnehmungen sind ...


    Ich habe gerade mit der Suchfunktion die PDF der Druckdaten durchkämmt. "Mundwinkel" kommen insgesamt (in unterschiedlichen Wendungen!) auf den knapp über 463 Seiten Text 25 Mal vor, davon 6 Mal in Verbindung mit "graben".


    Wer sucht, der findet. :chen :kiss

  • Zitat

    Original von Iris
    Wie unterschiedlich doch die Wahrnehmungen sind ...


    Ich habe gerade mit der Suchfunktion die PDF der Druckdaten durchkämmt. "Mundwinkel" kommen insgesamt (in unterschiedlichen Wendungen!) auf den knapp über 463 Seiten Text 25 Mal vor, davon 6 Mal in Verbindung mit "graben".


    Wer sucht, der findet. :chen :kiss



    Zu den grabenden Mundwinkeln:
    Da sind die Wahrnehmungen aber wirklich sehr unterschiedlich. Hätte man mich gefragt, wie oft denn der Begriff "Mundwinkel" insgesamt auftauchte, hätte ich die Zahl 6 eher vermutet als die 25.


    "gerade das Käferexperiment macht mir Albertus sehr sympathisch" (zwergin)


    :help :lache

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Mich haben die Mundwinkel nicht gestört, ich hatte allerdings im ersten Teil eine Formulierung, die mir aufgefallen ist, aber offensichtlich nicht allzu negativ, sonst wüsste ich sie ja noch.
    Die beiden Mönche gefallen mir auch. Warum war es unschicklich, die Unterarme nicht zu bedecken?
    Gerwich scheint ja von einem Unglück ins nächste zu rennen. Das tut mir ein bisschen leid für ihn.

  • Vielleicht sind unbedeckte Unterarme "zu nackt"?
    Ja, Gerwich kann einem leid tun. Manchmal hat man aber auch im realen Leden das Gefühl, alles und jeder hätte sich gegen einen "verschworen"...

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Die Ordenskleidung war vorgeschrieben. Hände und Unterarme verborgen zu halten, war lange Zeit Bestandteil nahezu aller Habite, aber auch in der Mode verbreitet (man denke an die weiten Trompetenärmel der burgundischen Mode des späten Mittelalters). Mit Moralvorstellungen hat das weniger zu tun als damit, dass "aufgekrempelte Ärmel" (und Hosenbeine) in vielen Kulturen mit harter körperlicher Arbeit verbunden werden, also auch mit geringem Ansehen, mit Not und Hilfsbedürftigkeit. (Das gleiche galt für gebräunte Haut, das kam erst durch die Reformbewegungen Ende des 19. Jhs. auf und erst nach dem 2. Weltkrieg so richtig in Mode.)


    Von einem Mönch, erwarteten damals die Menschen, dass er beständig für die ganze Welt, d.h. auch für sie betete, nicht dass er hart arbeitete (was viele Mönche hinter den Klostermauern nichtsdestotrotz taten!). Von daher wäre es für ihn unschicklich (= unpassend) gewesen, in der Öffentlichkeit "hemdsärmelig" daherzukommen. Dann hätte er ja keine Zeit für seinen wichtigsten Dienst an den Menschen.


    Hinzu kommt selbstverständlich eine Scheu vor Nacktheit, die bei asketischen Lebensweisen sehr häufig ist. Mit "Verklemmtheit" in unserem Sinne hat das allerdings nicht unbedingt etwas zu tun.


    Dass man hinter allem und jedem fast ausschließlich Sexuelles mutmaßt, ist erst in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. aufgekommen und so richtig populär erst durch Sigmund Freud geworden. Heutzutage wird halt gerne rückprojiziert und behauptet, die hätte das damals bloß nicht kapiert - sprich: vor Freud seien die Menschen zu dumm gewesen, um ihre eigenen Regeln zu verstehen. :lache

  • Danke, Iris, das ist ja echt interessant. Dazu hätte ich noch einiges zu kommentieren, aber ich komme momentan nicht einmal dazu, zum letzten Teil etwas zu schreiben, wie ich eigentlich vorhatte, als ich eben einloggte.
    Eine lange pn harrte einer Antwort. Aber ich hole es schnellstmöglich nach - versprochen. Und ganz lieben Dank, dass du dir trotz anderweitiger Terminforderungen, die du ja erwähntest, als du die Leserunden-Begleitung zusagtest, die Zeit nimmst, diese aus den verschiedensten Ursachen recht "auseinanderfleddernde" Leserunde so nett und interessant zu begleiten! :knuddel1 :anbet :wave



    sooo, aaaber jetzt! :grin


    Also, was Freud betrifft, stimme ich dir mit meinen bescheidenen Kenntnissen auf diesem Gebiet schon mal 100% zu!
    Das mit der vornehmen Blässe wusste ich auch.
    Aber dass man von den Mönchen nur Beterei erwartete, hätte ich wirklich nicht gedacht. Meine erste bewusste Begegnung mit Mönchen war in einem Buch von einem gewissen RIEM (oder so): Ulf, der Grenzlandjunge,
    das wurde in unserer Familie über Generationen weitergereicht, es hatte die typische DeutschesBlutLobhudlei von vor 100 Jahren, war aber sonst toll geschrieben und spannend zu lesen. Ein mit Kaiser Otto befreundeter Markgraf Gero hatte Stress mit den Slawen oder Wenden, so genau weiß ich das nicht mehr. Jedenfalls waren da die Mönche arme Wesen, die in die Wildnis zogen, dort ein Kirchlein bauten und einen Garten anlegten, wo sie u. a. Heilkräuter heranzogen, denn sie missionierten und heilten. Sie haben von ihrer Hände Arbeit gelebt. Aber jetzt, während ich dies schreibe, erinnere ich mich, dass Ulfs Familie in die Wildnis gezogen war, weil sie den Zehnten ans Kloster nicht mehr zahlen konnten, ans reiche Kloster... Und in der Wildnis trafen sie dann die armen und hart arbeitenden Mönche. Dann passt es ja doch mit dem zusammen, was du geschrieben hast... :-) :-]

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von maikaefer ()

  • Dazu gibt es einiges zu sagen, aber ich möchte die Leserunde auch nicht mit Infodumpings überfrachten ...
    Ich kriege ziemlich oft die Krise, wenn ich die üblichen Klischees und Vorstellungen lese, weil die Dinge in der Realität nicht so einfach sind, wie man sich das denkt.


    Es gab immer Konvente, also Mönchsgemeinschaften, die als Pioniere in fremde Gebiete vorrückten, sich dort niederließen und unter enormen Strapazen ein Kloster aufbauten. Christliche Mission war keineswegs permanente Schwertmission. Der Erfolg des Christentums lag nicht in der Gewalt, sondern darin, dass gerade solche Gemeinschaften eine enorme Vorbildhaftigkeit entwickelten: Da waren Leute, die sich als Gemeinschaft durchkämpften, sich um die Armen und Kranken kümmerten, teilten und über Hoffnung und Rettung aus der Not predigten. Verkündigung und Predigt waren dann nicht bloß leere Worte, sondern wurden tatsächlich vorgelebt.


    Das gilt nicht für alle Klöster, aber für die "Pioniere" auf jeden Fall.


    Dass es auf der anderen Seite auch reiche Klöster gab, die je nach Klosterleitung ihre Pächter schlecht behandelten, ist ebenso klar, wie es immer Besitzende gab und gibt, die die von ihnen Abhängigen wie den letzten Dreck behandeln.


    Der Zehnte war damals allerdings nicht das Problem, sondern die Pachtzahlungen für klostereigenes Ackerland.

  • :write Die "Wildnismönche", die waren auch in meinem Buch genau so wie von dir beschrieben. Auch, was das reiche Kloster und den von mir vermuteten Zehnten angeht, hast du bestimmt recht. Wie gesagt, es ist lange her, dass ich es las. Irgendwie hatten sie sich fast in einer Art Leibeigeschaft befunden, mussten bezahlen, damit das Kloster ihnen in einem Notfall, der aber nie eintrat oder vielmehr erst durch das Kloster bzw. dessen die Forderungen herbeigeführt wurde, beisteht. Und weil sie sich das nicht mehr leisten konnten, kamen sie der Zwangsräumung zuvor und zogen in die wilden Gebiete, die der Markgraf besiedeln wollte. Da ist es dann zur Begegnung mit den "Wildnismönchen" gekommen.
    Aber ist ja auch egal, ich lese es irgendwann noch mal und schreibe dann vielleicht eine Rezi dazu.
    Es bleibt aber dabei, um wieder zur Blutsäule zurückzukehren, dass es mich überrascht hat, dass die Leute wirklich dachten, die Mönche beten die ganze Zeit. Beten ist doch was, was sie selbst auch tun könnten. Aber es ist nach ihrem Glauben wahrscheinlich "wirksamer", wenn ein Mönch betet.

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Zitat

    Original von maikaefer
    Es bleibt aber dabei, um wieder zur Blutsäule zurückzukehren, dass es mich überrascht hat, dass die Leute wirklich dachten, die Mönche beten die ganze Zeit. Beten ist doch was, was sie selbst auch tun könnten. Aber es ist nach ihrem Glauben wahrscheinlich "wirksamer", wenn ein Mönch betet.


    Nein, nach christlicher Vorstellung gibt es da keine Unterschiede in der "Wirksamkeit". :lache
    Es ist in der Tat eher ein pragmatischer Ansatz, dass ein Teil der Menschen für den Rest ein solches Leben auf sich nimmt, sozusagen eine "Arbeitsteilung" im gemeinsamen Streben nach einem gottgefälligen Leben.


    Das klösterliche Stundengebet ist eine extrem zeitaufwendige Angelegenheit, denn es wurde ja rund um die Uhr gebetet - auch nachts! Das "Pensum" bestand aus den Psalmen (immerhin 150 Stück, die zumindest innerhalb einer Woche, zeitweilig sogar täglich! gebetet wurde), sowie Hymnen, Antiphonen, Responsorien und anderen Grundgebeten (Vaterunser, Magnificat, Benedictus), verbunden mit Fürbitten; zum Abschluss des Tages kam ein Schuldbekenntnis mit Vergebungsbitte hinzu.
    In der Wikipedia gibt es einen informativen Überblick im aktuellen Artikel dazu: KLICK
    Man darf nicht vergessen, dass obendrein Messen gelesen und gehört und die Mönche und Novizen von den Patres unterwiesen wurden. Der Aufwand ist ebenso hoch wie in buddhistischen Klöstern. :-) In beiden Traditionen wurden im 20. Jh. die Ordnungen etwas gelockert.


    Es würde zu weit führen, das hier komplett auszubreiten, aber es ist eine bemerkenswerte Tradition, die sich bis ins 3. Jh. zurückverfolgen lässt. (Nur im Buddhismus sind die entsprechenden Traditionen noch wesentlich älter, da sie von Buddha (~560 - ~480 v.Chr.) selbst gestiftet worden sein sollen.)

  • "Nein, nach christlicher Vorstellung gibt es da keine Unterschiede in der "Wirksamkeit"."


    Wieder was dazugelernt! Ich meinte nämlich, mich an irgendeine Szene erinnern zu können, real erlebt, gelesen oder im TV gesehen, in der sinngemäß gebetet wurde:
    "Heilige XY, bete/bitte für mich
    Heiliger YZ, bitte/bete für mich..."
    und hatte das immer in dem Zusammenhang gesehen, dass sich da jemand "höherer" Unterstützung beim Beten/Bitten versichern wollte.
    Aber, obwohl ich schon die Existenz irgendeiner höheren Institution für nicht ausgeschlossen halte und sogar gelegentlich eine Kirche aufsuche - vorzugsweise eine katholische während eines Urlaubsaufenthaltes in Gefilden südlich des Weißwurstäquators - bin ich da ziemlich unwissend.
    Danke für den link! Hab ihn vorhin schon mal überflogen und auch einige Querverweise angeklickt, aber das ist etwas, was man wirklich in Ruhe machen muss...

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)