'Im Land des Korallenbaums' - Seiten 001 - 111

  • Zitat

    Original von Tabea
    Da muss sie die Fahrt alleine bewältigen (zu der damaligen Zeit stelle ich es mir nicht so einfach vor als junge Frau auf sich alleine gestellt zu sein) und dann kommt sie in Argentinien an und alles ist schlimmer als vorher in Deutschland.


    Ja, nichts ist so, wie sie es erwartet oder erhofft.
    Ihr Mann todkrank ( ich spinne im Geiste ja schon die Möglichkeiten durch, die sich dadurch - leider - ergeben ;-) ). Leider wegen Kaleb, er wird sehr sympathisch beschrieben.


    Die beiden Bösewichte vom Schiff sind ja ganz schnell am richtigen Platz gelandet. Da ist noch Raum für viele, viele Ereignisse.

  • Zitat

    Original von Deichgräfin
    In der heutigen Zeit wird aber auch noch zuoft weggesehen.



    Aber auch damals. Schon damals - so lesen wir gerade in diesem Buch wieder - lebten ihr Leben und scherten sich überwiegend einen feuchten Kehricht um die anderen.
    Zum Glück gibt es bei uns heute das soziale Netz, auch wenn die Löcher immer größer werden. :cry

    Don't live down to expectations. Go out there and do something remarkable.
    Wendy Wasserstein

  • Zitat

    Original von Lesehest
    Ich sehe es genaus so wie dyke.


    Wäre Anna weggelaufen, um Hilfe zu holen, wäre sie eh zu spät zurück gekommen.
    Ausserdem hätte man ihr damals evtl nicht mal gelaubt. Hätte man ihr geglaubt und wäre jemand mit ihr gekommen, dann hätte sie Piet und Michel beschuldigt, ohne Beweise - das hätte für sie sehr gefährlich sein können.


    Ich bin zwar noch immer für Hilfe holen, aber ich sehe auch ein, dass es vielleicht nicht funktioniert hätte. Was ich allerdings nicht verstehen kann, dass man sich dann darüber überhaupt keine Gedanken mehr macht und zum Alltag übergeht. Anna hat kein schlechtes Gewissen, obwohl sie ja eigentlich an dem Mord mit Schuld hat. Der arme Kerl wird überhaupt nicht mehr erwähnt. Ich persönlich hätte echte Probleme damit zu leben, ich hätte furchtbare Schuldgefühle und mir ging das nicht mehr aus dem Kopf.

    Liebe Grüße
    Helga :wave


    :lesend???

    Lesen ist ernten, was andere gesät haben

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  • Anna ist dazu vielleicht nicht emotional genug...sie ist ja eher tatkräftig und pragmatisch und legt Gefühlsschwankungen eher als Schwäche aus, von der sie sich nicht einfangen lassen will.
    Mich persönlich allerdings (sehr emotional) würd das Geschehene über alle Maßen berühren, ich hätte bestimmt Albträume deswegen und würde es ewig mit mir rumschleppen.



    Was ich noch mal fragen wollte: Ist Kaleb eigentlich ein alter deutscher Name? Er klingt für mich so fremd, allerdings klingt Weinbrenner dafür schon sehr deutsch.

  • Ja, bei Anna kann ich mir vorstellen, dass sie das Erlebnis irgendwie "abhakt" oder verdrängt und somit ihren Weg weiter gehen kann.


    Über den Namen Kaleb habe ich auch nachgedacht.
    Das ist ja ein alter jüdischerZ/biblischer Name, soviel ich weiss.


    Mit ist er ein Begriff seit ich das erste Mal "Jenseits von Eden" gesehen habe.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Jenseits_von_Eden_(Film)

  • Zitat

    Original von Deichgräfin
    In der heutigen Zeit wird aber auch noch zuoft weggesehen.


    Habe ich das eigentlich falsch im Kopf, oder gibt es nicht auch heute immer wieder Gerüchte, dass mancher blinde Passagier einfach überbord geht?


    Was Anna angeht, denke ich schon, dass sie Gewissensbisse hat - allerdings kämpft sie natürlich auch (und ich weniger) um ihr "Überleben".


    Schlumpfinchen
    Ich bin sehr froh, dass es keine Geruchsbücher gibt. :lache


    LG


    Solas

  • Zitat

    Original von Nordstern
    Anna ist dazu vielleicht nicht emotional genug...sie ist ja eher tatkräftig und pragmatisch und legt Gefühlsschwankungen eher als Schwäche aus, von der sie sich nicht einfangen lassen will.


    Das klingt logisch und passt auch zu der Anna, die wir im weiteren Verlauf noch kennenlernen. :-)

  • Zitat

    Original von Nordstern
    Anna ist dazu vielleicht nicht emotional genug...sie ist ja eher tatkräftig und pragmatisch und legt Gefühlsschwankungen eher als Schwäche aus, von der sie sich nicht einfangen lassen will.


    Bei einem Mord zusehen und keine Emotionen haben, wie muss man da drauf sein? Und von tatkräftig und pragmatisch kann ja wohl auch keine Rede sein, wenn sie nicht einmal Hilfe holt. Ich kann doch nicht sagen, ich darf keine Gefühle zeigen und lasse lieber den Jungen ermorden.


    Ich bin ja fast fertig mit dem Buch und ich muss gestehen diese Szene macht mir am meisten zu schaffen. In diesem Abschnitt kann ich aber nicht mehr dazu sagen. :wave

  • Zitat

    Original von Helga
    Bei einem Mord zusehen und keine Emotionen haben, wie muss man da drauf sein? Und von tatkräftig und pragmatisch kann ja wohl auch keine Rede sein, wenn sie nicht einmal Hilfe holt. Ich kann doch nicht sagen, ich darf keine Gefühle zeigen und lasse lieber den Jungen ermorden.


    Werden nicht Emotionen nach traumatischen Erfahrungen oftmals verdrängt? Und bei einem Mord zuzusehen ist sicherlich ein traumatisches Ereignis.


    Ehrlich gesagt, weiß ich nicht ob ich in ihrer Situation nicht auch wie erstarrt gewesen wäre. Das ganze ging doch so schnell, sie hatte doch kaum Zeit sich zu einem Handeln durchzuringen.

  • Zitat

    Original von Tabea


    Werden nicht Emotionen nach traumatischen Erfahrungen oftmals verdrängt? Und bei einem Mord zuzusehen ist sicherlich ein traumatisches Ereignis.


    Ehrlich gesagt, weiß ich nicht ob ich in ihrer Situation nicht auch wie erstarrt gewesen wäre. Das ganze ging doch so schnell, sie hatte doch kaum Zeit sich zu einem Handeln durchzuringen.


    Vielleicht ging wirklich alles zu schnell, als dass Anna das Leben des Jungen noch hätte retten können. Was mich allerdings etwas verwundert hat, war die Tatsache, dass dieses Ereignis danach nie wieder im Buch erwähnt wurde. Kein kurzer Rückblick, kein kurzer Gedanke zurück an das doch schlimme Erlebnis, nichts. Das hat Anna für mich doch etwas negativ darstellen lassen.

    Gelesene Bücher/Ebooks 2022: 0/2
    Aktueller SuB/Ebooks: 106/122 (End-SuB 2021: 106/99)


    :lesend Der Heimweg - Sebastian Fitzek :sekt

  • Vielleicht hat sie das Ereignis an sich völlig verdrängt. Wie gesagt, das ist doch gar nicht mal selten.


    Vielleicht wurde es von der Autorin auch einfach nicht mehr erwähnt, weil es für die weitere Handlung keine Rolle mehr spielte.

  • Zitat

    Original von Tabea
    Werden nicht Emotionen nach traumatischen Erfahrungen oftmals verdrängt? Und bei einem Mord zuzusehen ist sicherlich ein traumatisches Ereignis.


    Genau, als Schutzreaktion des Körpers, was aber letztendlich zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen kann, mit entsprechend unterschiedlichen Ausprägungen. Das ist wie wenn jemand nach einem Trauerfall über Monate hinweg keine Emotionen spürt/auslassen kann und irgendwann dann plötzlich zusammenbricht.


    Für mich war die Szene, um solche Hintergründe zu berücksichtigen, auch viel zu kurz abgehandelt, noch dazu anschließend in keinem Wort mehr erwähnt. Eine Nebenszene quasi, von dennoch großer Bedeutung. Vielleicht hat die Protagonistin es aber doch auch besser ausgeblendet als man meinen könnte, auch als Form von Schutz.

  • Jupp, die Stelle hat mich auch geschockt.
    Ein 'über die Geschichte möchte ich nicht reden' hätte es auch getan, oder?


    :grin

    Anna Karenina (LR), Der blinde Mörder (LR), Alias Grace (LR), Die Bücherdiebin (LR), Das Rosenholzzimmer (LR), Töchter des Nordlichts

  • Ich hab auch endlich den ersten Abschnitt beenden dürfen. Ihr seit wahrscheinlich schon alle durch mit dem Buch. Und ich fang erst an. :grin


    Mein erstes Buch über die Gegend Argentinien sowie dieser Autorin.


    Ins Buch bin ich ebenfalls relativ leicht gekommen. Die Schriftgröße gefällt mir und die Kapitel sind auch genau richtig. Das Cover kann ich ebenfalls nur loben.


    Anna kam mir auch direkt von Anfang an symphatisch vor. Ebenfalls Julias. Über Viktoria konnte ich mir noch kein richtiges Urteil bilden.


    Ich glaube schon das Anna hier noch immer an das Geschehene denken wird, es aber auch ausblendet. Die Szene war für uns sicher länger als sie tatsächlich war. Wer hätte ihr hier schon glauben geschenkt. Und wie es ja bereits geschrieben wurde, der Junge wird von niemanden vermisst. Es fällt also auch nicht auf das er fehlt.


    Anna hat sich das Leben in der neuen Welt anders vorgestellt. Dann erfährt sie auch noch das ihr Mann Kaleb schwer erkrankt ist. Schade das der Vater sich so sehr hängen lässt. Wenn Anna, gemeinsam mit ihrer Schwester, es schon schafft Arbeit zu finden. Warum sollte er dann nichts finden? Das mit den beiden Brüdern fand ich natürlich nicht so toll. Die beiden Ganoven vom Boot sind ja an die richtigen gelangt. Ich bin gespannt was wir von ihnen noch zu lesen bekommen.


    Heut Abend wird direkt weiter gelesen. :grin

  • Zitat

    Original von Helga
    Ein Mal wird Anna noch auf diese Schiffsfahrt angesprochen, aber auch da wird sie von Anna als "alte, unwichtige Geschichte" abgetan. :yikes


    Was? Das hat meine Anna gesagt? :yikes
    Ich hatte immer das Gefühl, dass sie die Sache verdrängt, zurückweist, weil es zu schlimm war. Nein, so herzlos ist sie nicht.


    Willkommen, Abendsternchen!


    LG


    Solas

  • Ich komm leider hinterher wie die alte Fastnacht :-( Aber leider war ich die letzten beiden Wochen ziemlich Land unter.


    Ich habe das Buch schon vor einigen Wochen gelesen und frische meine Erinnerungen gerade wieder über das zugehörige Hörbuch auf, das übrigens sehr gelungen ist.


    Ich finde, sowohl mit Cover und Pseudonym hat Kirsten wirklich Glück gehabt. Beides ist sehr ansprechend und so ist es für mich nur konsequent, daß ich das Buch in einigen Buchhandlungen schon sehr gut platziert gesehen habe.


    Auswandererromantypisch startet das Buch mit der Überfahrt nach Argentinien. Man könnte sagen - wie immer. Ich finde diesen Start aber sehr wichtig, nicht nur weil wesentliche handelnde Personen vorgestellt werden, sondern weil ihre Erwartungshaltungen und ihre Grundhaltungen erkennbar werden. Beides ist aus meiner Sicht sehr wichtig, für die Eindringlicheitkeit mit der wir Leser die folgenden Geschehenisse erleben. Und wer will kann bereits seine Identifikationsfigur finden.


    Obwohl dieser Auswandererroman sicherlich nicht mit Deinen bisherigen historischen Romanen vergleichbar ist, zeigen sich für mich schon zu Beginn zwei Stärken. Zum Einen die unverwechselbare Sprache, die ich als zurückhaltend kraftvoll bezeichnen würde (ich weiß, das klingt bescheuert, aber es fällt mir sehr schwer zu beschreiben, wie eindringlich Kirsten beschreibt, ohne daß die Sprache zum Selbstzweck wird und damit zu dominant wird). Des Weiteren finde ich die Personenzeichnungen einfach sehr realitätsnah.


    Anna ist für mich eine Figur, die weiß, wo sie im Leben steht und die eher ihre Schwierigkeiten hat, sich außerhalb der als "Ihr" Umfeld identifizierten Gesellschaft oder Umgebung zu bewegen. Daß sie nicht eingegriffen hat, als die Gauner Claas über Bord warfen, mag zwar in einer Welt, in der erwartet wird, daß jeder ein Held ist feig erscheinen, ist aber aus meiner Sicht in diesem Fall einfach lebenserhaltend und realistisch. Mit der gedankenlosen, scheinbar flatterhaften Viktoria hatte ich einige Minuten meine Probleme. Viel länger allerdings nicht, kenne ich doch einige Viktorias. Den guten Julius kann man ja nur mögen. Kaleb hat mir wirklich leid getan.

  • Zitat

    Original von Solas


    Was? Das hat meine Anna gesagt? :yikes
    Ich hatte immer das Gefühl, dass sie die Sache verdrängt, zurückweist, weil es zu schlimm war. Nein, so herzlos ist sie nicht.


    Solas


    Dann hat dich Anna also auch überrascht. ;-) ( Seite 662 ).


    Und auf Seite 698 sagt sie dann, dass sie wohl heute auch nicht anders handeln würde ( da ging es darum, ob sie die beiden anzeigen würde ).