"Neonregen" von James Lee Burke

  • Buchmeinung zu James Lee Burke - Neonregen


    „Neonregen“ ist ein Krimi von James Lee Burke, der 1991 bei Ullstein erschienen ist. Meine Rezension bezieht sich auf die e-book-Version, die 2014 bei EDEL eBooks erschienen ist.


    Klappentext:
    Die Warnung kommt aus der Todeszelle. »Passen Sie auf«, sagt kurz vor seiner Exekution ein Mafia-Killer dem Polizisten Dave Robicheaux von der Mordkommission in New Orleans, »die Kolumbianer wollen Ihren Kopf.« Und prompt muß Robicheaux wieder an das tote Negermädchen denken, das er jüngst aus einem Tümpel gezogen hat.


    Meine Meinung:
    Der Auftakt der Serie um Dave Robicheaux war für mich ein Erdbeben. Streak, wie Dave Robicheaux wegen seiner hellen Haarsträhne von Kollegen genannt wird, ist ein vielschichtiger und nicht immer sympathischer Polizist bei der Mordkommission in New Orleans. Er ist trockener Alkoholiker und Vietnamveteran, setzt schon mal mehr Gewalt ein als nötig, hat mit Clete einen Partner, der vielleicht noch ein bißchen verrückter als er selber ist und verbringt seine Freizeit gerne beim Angeln in den Sümpfen. Er ist also ein tougher Polizist ist einer dreckigen und korrupten Stadt. Alles nicht wirklich neu, aber wie James Lee Burke diese Sachverhalte in Worte fasst, das ist großes Kino. Man hat das Gefühl direkt dabei zu sein, man spürt die schwüle Hitze und ist versucht, nach den Fliegen und Mücken zu schlagen. Bei den Landschaftsbeschreibungen wird der Autor im besten Sinne poetisch. Und nur wenige Seiten später brennt er ein Actionfeuerwerk ab, dass seinesgleichen sucht. Ähnlich ist es mit der Figur Dave Robicheaux. Er ist knallharter Cop und ist trotzdem verletzlich und wenn es nicht mehr anders geht, dann greift er zur Flasche und versackt völlig. Wie eine echte hardboiled Figur, läßt er sich nicht einschüchtern oder unterkriegen und tut das, was nach seiner Meinung getan werden muß – komme, was da wolle. Es ist dieser Spagat zwischen harten Actionszenen und poetischen Landschaftsbeschreibungen, die niemand so gekonnt verbindet wie James Lee Burke.


    Fazit:
    Der Serienauftakt hat mich zum Fan von James Lee Burke und Dave Robicheaux gemacht. Trotzdem kann das Buch nicht jedem empfohlen werden. Empfindsame Personen werden bei den genreüblichen harten Szenen sicher nicht zufrieden gestellt werden. Aber wen dies nicht stört, der wird in den Genuß eines herausragenden Kriminalromans kommen. Von mir gibt es die volle Punktzahl!

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  • Dave Robicheauxs erster Fall „Neonregen“ beginnt so, als hätte es schon etliche Bände davor gegeben. Der Lieutenant besucht einen Mafia-Killer in der Todeszelle, den er selbst dahin gebracht hat. Der Todgeweihte allerdings will nicht seine Unschuld beteuern, sondern warnt den Polizisten, dass jemand hinter ihm her ist. Danach dauert es nicht lang und Robicheaux muss tatsächlich um sein Leben fürchten. Zwangsweise beginnt er deswegen zu ermitteln. Den meisten Teil davon läuft er den Geschehnissen allerdings trotz intensiver Bemühungen nur hinterher – bis es dann am Ende zur Genre-üblichen Auflösung kommt. Die Geschichte um den leidgeplagten Bullen mit der Alkoholiker-Vergangenheit ist düster, dreckig und mit jeder Menge Hardboiled-Charme versetzt. Dazu mischt sich viel Politisches (über Süd- und Lateinamerika) in die Handlung. Vieles davon spielt auf Sachen Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre an und ist heutzutage nur noch bedingt nachvollziehbar. Das fällt zum Glück nicht zu sehr ins Gewicht. Leicht verdaulich ist der schwermütige „Neonregen“ nicht, aber durchaus empfehlenswert.