Beiträge von wampy

    Buchmeinung zu Arturo Perez-Reverte – Der Preis, den man zahlt


    „Der Preis, den man zahlt“ ist ein Roman von Arturo Perez-Reverte, der 2017 in der Übersetzung von Petra Zickmann im Insel Verlag erschienen ist. Der spanische Originaltitel lautet „Falco“ und ist 2016 in Spanien erschienen.


    Zum Autor:

    Arturo Pérez-Reverte, geboren 1951 im spanischen Cartagena, ist einer der erfolgreichsten Autoren Spaniens. Sein Werk wurde in 41 Sprachen übersetzt, sein Roman Der Club Dumas ist ein Weltbestseller und wurde von Roman Polanski mit Johnny Depp in der Hauptrolle unter dem Titel Die neun Pforten verfilmt. Arturo Pérez-Reverte arbeitete 21 Jahre als Kriegsreporter. Seit 2003 ist er Mitglied der Real Academia Española.


    Klappentext:

    Der Spion Lorenzo Falcó ist charismatisch, mit allen Wässerchen gewaschen und steht vor der waghalsigsten Mission seines Lebens. Es ist das turbulente Jahr 1936, und er hat den Auftrag erhalten, im südspanischen Alicante einen hochrangigen politischen Gefangenen zu befreien und vor dem sicheren Tod zu retten, eine kriegsentscheidende Aktion. Falcó hat drei Mitstreiter, darunter die undurchsichtige Eva Rengel. Man ist sich nie zuvor begegnet, muss sich aber absolut aufeinander verlassen können. Und während sie sich immer weiter in eine scheinbar bodenlose Situation aus Grausamkeit und Täuschung verstricken, kommen Falcó und Eva sich nahe. Gefährlich nahe, denn schon sehr bald wird deutlich, dass alle Beteiligten ein Doppelspiel betreiben.

    Meine Meinung:

    Lorenzo Falco ist ein überzeugter Spion, aber nicht wegen seiner Überzeugungen, sondern wegen der Möglichkeiten, die ihm dieser Beruf bietet. Er ist ein Opportunist und moralische Hemmungen hat er nicht. Wenn es so sein soll, dann tötet er Menschen, weil es der Auftrag erfordert oder auch nur, weil diese zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Er arbeitet für die Nationalen im spanischen Bürgerkrieg, aber es könnte auch die andere Seite sein. Das interessiert ihn nicht besonders. Er ist ein Profi und fühlt sich den Idealisten, mit denen er es zu tun hat überlegen. Seine Sicht auf die Dinge ist schonungslos und doch nachvollziehbar. Die Idealisten auf beiden Seiten bringen Gefühle und Hass ins Spiel. Für jeden eigenen Toten, muss ein Anhänger der Gegenseite sterben. Dies ist für den kalten Profi sinnlos. Er weiß, dass sein Beruf jederzeit zu seinem Tod führen kann und er akzeptiert das. Für ihn ist sein Leitoffizier fast so etwas wie eine Vaterfigur, der man allerdings nicht immer vertrauen kann. Verrat gehört zum Job und es kann auch ihn jederzeit erwischen.

    Eine Stärke des Buches ist die atmosphärisch dichte Beschreibung der Zustände im bürgerkriegsgeplagten Spanien. Allgegenwärtig sind Leid und Tod und der Freund von gestern kann schon heute dein größter Feind sein. Falco ist wie gemacht, um in diesen Sumpf zu überleben. Er ist ein Scheusal und doch kann man ihn akzeptieren. Durch sein besonderes Verhältnis zu seinem Leitoffizier erhält man auch einen Einblick in die Angelegenheiten der Führungsoffizierre. Sie sind vielleicht noch verkommener wie die einfachen Spione und mit Eva ändert sich für Lorenzo Falco einiges.

    Dem Autor gelingt es bei mir sogar so etwas wie Sympathie für seine Hauptfigur zu wecken, auch wenn diese kurze Zeit später einer harten Prüfung unterzogen werden muss. Und tatsächlich handelt Lorenzo für mich nachvollziehbar. Man fiebert mit ihm mit und merkt, dass nicht Alles, war er tut, von ihm für gut gehalten wird. Sehr gefallen haben mir die Stellen, an denen Lorenzo über die Verhältnisse in Spanien nachdenkt und seine Sicht der Dinge offenbart. Auch gelingt es dem Autor Mechanismen zu beschreiben, die im Bürgerkrieg wohl nicht vermeidbar sind. Und der Autor zeigt, dass in einem Bürgerkrieg beide Seiten behaupten, die Guten zu sein und doch das Böse tun.

    Die Sprache ist einfach und klar, so als ob eine belanglose Geschichte erzählt wird. Die steht im Gegensatz zu den geschilderten Gräueltaten und passt doch vorzüglich.


    Fazit:

    Dieser Roman hat mich von Anfang an gefangen genommen. Die charismatische Hauptfigur, die atmosphärisch dichte Darstellung und die schonungslose Darstellung der Abläufe machen es zu einem Highlight. Ich vergebe fünf von fünf Sternen (10 von 10 Punkten) und spreche eine dicke Empfehlung für den historisch interessierten Leser aus.

    Buchmeinung zu Roxann Hill – Dunkel Land


    „Dunkel Land“ ist ein Kriminalroman von Roxann Hill, der 2017 bei HarperCollins erschienen ist.


    Zum Autor:

    Roxann Hill hat ihren Debütroman im Sommer 2012 veröffentlicht. Seitdem sind ihre Bücher regelmäßig auf den ersten Plätzen der E-Book-Charts sowie auf der BILD-Bestsellerliste zu finden, und wurden auch in weitere Sprachen übersetzt.


    Klappentext:

    Gut Wuthenow, ein altehrwürdiges Anwesen im Havelland; hier soll sich Verena Hofer die nächsten drei Monate um den Neffen der Hausherrin kümmern. Überrascht stellt sie fest, dass ihr Schützling der geniale wie arrogante Dr. Carl von Wuthenow ist. Der Kriminalist wurde erst kürzlich angeschossen und leidet seitdem unter Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. Carl lehnt den Plan seiner Tante strikt ab. Verena, die das Geld dringend braucht, geht einen Deal mit ihm ein: Er lässt sie ihren Job machen, sie hilft ihm bei der Ermittlungsarbeit. Und schon ihr erster Fall hat es in sich: Eine übel zugerichtete Leiche wird auf einem Berliner Bauplatz gefunden und die Spuren weisen in die rechte Szene …


    Meine Meinung:

    Dieses Buch lebt von und leidet an der Hauptfigur Verena. Diese ist zu Beginn schüchtern und verschlossen, nimmt im Laufe der Geschichte eine außergewöhnliche Entwicklung. Sie ist die dominante Figur, die dem angeschlagenen Kriminalisten Carl glatt an die Wand spielt. Mehr und mehr übernimmt sie die Führungsrolle bei den Ermittlungen und verzieht keine Miene bei Besuchen in der Pathologie und beim Bordellbetreiber. Die Geschichte wird aus Verenas Perspektive erzählt und der Leser ist ihren Gedanken immer ganz nah. Sie entwickelt Gefühle für Carl, wie auch umgekehrt, aber weder Carl noch Verena trauen sich, diese zu offenbaren.

    Die Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft wird immer besser, und auch hier zeigt Verena ungeahnte Fähigkeiten. Dabei schießt die Autorin schon mal übers Ziel hinaus, zum Beispiel wenn Verena und Carl einem Verwandten die Todesnachricht überbringen. Neben den Ermittlungen findet Verena noch Zeit und Muße, die Zustände auf Gut Wuthenow aufzubessern. Die Geschichte liest sich flüssig, enthält auch humorvolle und gefühlvolle Stellen. Allein die Figurenzeichnung ist unbefriedigend. Bis auf Verena sind alle Figuren sehr flach dargestellt und haben nur positive oder nur negative Eigenschaften. Der Fall selber ist durchaus nicht harmlos und leider wird er eher zufällig gelöst.


    Fazit:

    Dieses Buch hat Stärken in der Erzählweise, aber auch auffällige Schwächen in der Figurenzeichnung. Die Hauptfigur Verena ist mir zu sehr Superfrau, so dass meine Bewertung drei von fünf Sternen (6 von 10 Punkten) lautet.

    Buchmeinung zu Jo Nesbo – Durst


    „Durst“ ist ein Kriminalroman von Jo Nesbo, der 2017 in der Übersetzung von Günther Frauenlob bei Ullstein als Hardcover erschienen ist. Die norwegische Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel „Torst“. Dies ist der elfte Fall für Harry Hole.


    Zum Autor:

    Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Er gehört zu den renommiertesten und erfolgreichsten Krimiautoren weltweit. Sein Roman Der Schneemann wird von Martin Scorsese verfilmt. Jo Nesbø lebt in Oslo.


    Klappentext:

    Ein Serienkiller findet seine Opfer über die Dating-App Tinder. Die Osloer Polizei hat keine Spur. Der einzige Spezialist für Serientäter, Harry Hole, unterrichtet an der Polizeihochschule, weil er mehr Zeit für seine Frau Rakel und ihren Sohn Oleg haben möchte. Doch Holes alter Chef Mikael Bellmann setzt Hole unter Druck. Die schlimmsten Befürchtungen werden wahr, als tatsächlich eine weitere junge Frau verschwindet, ausgerechnet eine Kellnerin aus Holes Stammlokal. Und der Kommissar kann nicht länger die Augen davor verschließen, dass der Mörder für ihn kein Unbekannter ist.

    Meine Meinung:

    Dies ist mein zweiter Harry Hole und es hat mir Schwierigkeiten bereitet, das Buch zu Ende zu lesen. Der Einstieg fiel mir noch leicht und das Setting um den Täter, der seine weiblichen Opfer auf der Dating-Plattform Tinder findet, klang vielversprechend. Jo Nesbo ist ein erfahrener Autor, der sein Handwerk versteht und technisch saubere Romane schreibt. Dazu gehören viele Perspektivwechsel und fast zu jedem Kapitelende ein Cliffhanger. Und doch fand ich keinen richtigen Zugang zu den Figuren. Sie sind durch die Bank überzogen dargestellt und Harry Hole ist lange Zeit der normalste Mensch in diesem Buch. Weder zu ihm noch zu einer anderen Figur fand ich Zugang. Alle Figuren wirken klinisch steril und gekünstelt. Spannung kommt nur in kleinen Dosen auf und wird durch mehrere Nebenhandlungen immer wieder unterbrochen. Auch der Figurenzeichnung fehlt die Tiefe. Vieles wirkt stereotyp und nicht ausgegoren. Als ich glaubte, dass der Fall gelöst wäre und das Ende erreicht sei, gab es einen Twist und das Buch zog sich weiter hin. Beim nächsten Showdown war es dann besser und das Buch zu Ende. Dort zeigte sich, dass der Autor weitaus mehr kann, als er sonst gezeigt hat. Was mir vom Buch in Erinnerung bleiben wird, ist die Affenfalle. Das sagt schon viel.


    Fazit:

    Ich hatte viel erwartet und wurde sehr enttäuscht. Sowohl Handlung als auch Figurenzeichnung wurden dem großen Ruf des Autors nicht gerecht. Nur an wenigen Stellen schimmerte das Talent des Autors durch. So kann ich nur zwei von fünf Sternen (4 von 10 Punkten) vergeben.

    Diesen Abschnitt habe ich als sehr spannend empfunden, gerade weil keine Super-Lisbeth domonierte. Nun erfährt man vieles über die Untersuchungen an Zwillingen und es stellt sich die Frage, ab welchem Punkt die Untersuchungen kriminell werden.
    Das Zusammentreffen der Brüder mit Rakel geht voll in die Hose und beide Brüder sind in Rakels Hand. Auf Leo würde ich keinen Cent setzen, aber auch Dan hat schlechte Karten, aber er scheint ja Leos Position eingenommen zu haben. Leo ist von der Bildfläche verschwunden und wahrscheinlich tot. Beim Gespräch mit der trinkfreudigen Psychologin frage ich mich schon, wie sie trotz des Alkohols noch so sauber erklären kann.
    Um zum Abschluss des Leseabschnitts wird Lisbeth entführt. Aber aus den bisherigen Bänden wissen wir ja, dass das ein Fehler ist. Friede der Asche ihrer Entführer!

    Das Tempo legt weiter zu und die Story um die Zwillinge Leo und Dan ist angsteinflössend. Aber ich störe mich immer mehr an der Figur "Lisbeth Salander". Sie steckt die Schläge von einem deutlich schwereren Mann weg, als ob es kaum was wäre und dann donnert sie seinen Schädel ein paar mal auf den Tisch. Es ist mir einfach zu viel Superheldin. Und nebenbei hantiert sie noch im Internet. Sie kommt noch übertriebener rüber als in den Vorgängerbänden, während die Figuren um sie herum mehr und mehr verblassen oder sogar wegsterben. Das Thema ist sicherlich interessant und wichtig, aber dieses Superweib macht vieles kaputt.

    Nun nimmt die Geschichte Fahrt auf. Merkwürdigerweise gefallen mir die Teile bisher mehr, in denen Lisbeth nicht beteiligt ist.
    Für mich erfolgen die Wechsel teilweise zu schnell, so dass der Lesefluss schon beeinträchtigt wird. Insbesondere wenn zwei Begebenheiten sich gegenseitig unterbrechen, empfinde ich das als störend.
    Faria hat ein hartes Schicksal erlitten, aber das ihres Freundes ist noch schlimmer. Er hat seine Ansichten mit dem Leben bezahlt, während Faria unter dem Einfluss der Familie steht, die ihre Tochter / Schwester für ihr besseres Leben verschachern. Vielleicht gibt ihr Lisbeths Verhalten Kraft, sich mehr zur Wehr zu setzen.
    Die Vernetzung verschiedener krimineller Organisationen ist ja schon lange ein Thema, während die Vernetzung bei den Ermittlungsbehörden nicht so recht voran kommt. In den USA ist es zwischen den Behörden eher ein Konkurrenzkampf als Zusammenarbeit und ich vermute, dass es in Europa auch so ist. Und Daten sammeln bringt da auch nicht viel, es sei denn Lisbeth Salander macht es.
    Gespannt bin ich auf die Geschichte von Leo Mannheimer.

    Nun habe ich es doch noch geschafft, den ersten Abschnitt zu lesen. Irgendwie bin ich noch nicht in einen Fluss gekommen. Das Fräulein Salander finde ich so überzogen dargestellt, dass es schon fast weh tut. Natürlich war sie dies auch schon in den Vorgängerromanen, aber diesmal stört es mich. Legt sich ohne irgendwelche Hemmungen mit der Königin der Gefangenen an und ohne weitere Probleme liegt diese mehr als nur leicht angeschlagen im Krankenhaus. Schon seltsam, dass ihre Soldaten nicht eingegriffen haben. Auch der Herr Palmgren leidet so sehr, dass es kaum auszuhalten ist. Der Seitenhieb auf das überlastete Pflegepersonal muss wohl sein, und Michael Blomquist gibt den Frauenheld und kommt auch noch nicht in die Pötte. In meiner Erinnerung wechselten die Schauplätze nicht so schnell und so häufig wie in diesem Band. Diesmal finde ich die Wechsel zu häufig und sie schaden zumindest meinem Lesefluss. Auch der Finanzmensch ist angeschlagen und ich kann kaum glauben, dass er eine Spitzenfunktion in einem Topunternehmen der Finanzwelt inne hat. Mal schauen, wie es weiter geht.

    Auch ich konnte endlich starten, aber bisher habe ich noch keine Bindung zur Geschichte gefunden. Nach wenigen Seiten bin ich der Geschichte überdrüssig und ich kann nicht sagen, woran es liegt. Rein erzähltechnisch gibt es zwischen Larson und Lagercrantz keine signifikanten Unterschiede. Was mir bei den Vorgängern gefallen hat, interessiert mich hier kaum. Es wirkt wie zu lange warm gehaltener Kaffee. Ich werde es nach dem Wochenende erneut versuchen. Vielleicht geht es dann besser. :-(

    Buchmeinung zu Gregoire Hervier – Vintage


    „Vintage“ ist ein Roman von Gregoire Hervier, der 2017 bei Diogenes in der Übersetzung von Alexandra Baisch und Stefanie Jacobs erschienen ist. Das französische Original erschien 2016 unter dem Titel „Vintage“.


    Zum Autor:
    Grégoire Hervier, geboren 1977 in Villeneuve-Saint-Georges, hat eine Schwäche für Rockmusik, Science-Fiction-Filme und Karate. ›Vintage‹, in dem wahre Fakten in eine raffinierte Erzählung hineinverwoben sind, ist sein dritter Roman.


    Klappentext:
    Einem jungen Gitarristen und Journalisten bietet sich der große Deal und die Story seines Lebens: eine Million, wenn er beweisen kann, dass die ›Gibson Moderne‹, die legendärste Gitarre aller Zeiten, tatsächlich existiert hat. Auf seiner Suche begegnet er besessenen Musikliebhabern, leidenschaftlichen Sammlern, zwielichtigen Gestalten und sagenumwobenen Instrumenten. Eine faszinierende Reise quer durch Amerika und die goldenen Jahre von Blues und Rock. Ob Freak oder Liebhaber, Vintage ist eine Geschichte, bei der in jedem eine Saite erklingt.


    Meine Meinung:
    Dieses Buch zerfällt für mich in zwei Teile. In dem einen Teil geht es um Musik, Instrumente und Obsession.Dort liegen zweifelsfrei die Stärken des Werkes. Gregoire Hervier vermittelt eine Begeisterung, die den Leser gefangen nimmt. Man erfährt vieles über elektrische Gitarren und ihren Einfluß auf die Musik. Die Figur des Li Grand Zombi hat eine unglaubliche Ausstrahlung. Er ist schlecht ausgebildet, aber er setzt eine Vision um. Er erfindet eine Art Mehrspurtechnik und ist nur daran interessiert, seine musikalische Visionen zu realisieren. Es ist ihm völlig egal, ob die Musik seinen Zuhörern gefällt. Man fiebert mit Thomas Dupre mit, wenn er mit Unterstützung einer amerikanischen Studentin versucht, das Geheimnis um diese Musik und der verwendeten Gitarre zu lösen. Man merkt, dass der Autor sich auf diesem Gebiet auskennt und wohlfühlt. Doch leider gibt es einen zweiten Teil, der einen Kriminalfall um diese Geschichte strickt. Diese Passagen haben mir überhaupt nicht gefallen. Die Spannung im Buch ging einzig von der musikalischen Spurensuche aus, die Krimi- und Thrillerelemente waren dagegen fad und langweilig. Auch das Ende passte nicht zur Geschichte des Musikers Grand Li Zombi.


    Fazit:
    Die musikalische Spurensuche hat mich voll und ganz überzeugt, doch der Gesamteindruck wird durch die konstruiert wirkende Krimihandlung deutlich getrübt. Auch das Ende fand ich unpassend. Zusammenfassend vergebe ich drei von fünf Sternen (6 von 10 Punkten). Trotzdem kann ich das Buch wegen seiner spannenden musikalischen Spurensuche empfehlen.

    Buchmeinung zu Anne B. Ragde – Sonntags in Trondheim


    „Sonntags in Trondheim“ ist ein Roman von Anne B. Ragde, der 2017 in der Übersetzung von Gabriele Haefs bei btb erschienen ist. Das norwegische Original erschien 2017 unter dem Titel „Alltid tilgivelse“.


    Zum Autor:
    Anne B. Ragde wurde 1957 im westnorwegischen Hardanger geboren. Sie ist eine der beliebtesten und erfolgreichsten Autorinnen Norwegens und wurde mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt mit dem Norwegian Language Prize und dem Norwegischen Buchhandelspreis. Mit ihrer Serie »Das Lügenhaus«, »Einsiedlerkrebse« und »Hitzewelle« schrieb sie sich in die Herzen der Leserinnen und Leser; ihre Romane erreichten in Norwegen eine Millionenauflage. Anne B. Ragde lebt heute in Trondheim.


    Klappentext:
    Neues von den Neshovs
    Blut ist dicker als Wasser. Das lässt sich zwischen Sonntagsbraten und Familienquerelen leicht aus den Augen verlieren. Bei den Neshovs ist das nicht anders. Einst auf einem Schweinezüchterhof in Tondheim zu Hause, lebt die Sippe inzwischen weit verstreut. Margido widmet sich mit fast religiöser Hingabe seinem Bestattungsunternehmen und tröstet sich mit Saunabesuchen über seine Personalprobleme hinweg. Sein Bruder Erlend, ein schwuler Schaufensterdekorateur, ist zwar seit Jahren glücklich in Kopenhagen verheiratet, aber ein wenig hysterisch, was problematisch wird, als sein stark übergewichtiger Lebensgefährte eines Tages zusammenbricht. Torunn wiederum, die Nichte der beiden, vergeudet ihre Zeit mit einem Mann, der Schlittenhunde züchtet – zu denen sie eine bessere Beziehung unterhält als zu ihm. Als Torunn jedoch an einem Sonntagmorgen beschließt, Margido einen Besuch abzustatten, setzt sie damit ganz erstaunliche Entwicklungen in Gang ...


    Meine Meinung:
    Die Autorin führt die Familiengeschichte der Neshovs fort. Der schwule Erlend lebt mit seinem Mann in Dänemark und die beiden haben mit einem lesbischen Paar drei Babys. Eindrucksvoll werden ihre Erlebnisse, ihre Sorgen und auch ihre Hoffnungen dargestellt. Sie leben finanziell unabhängig und sehr bewußt. Man fiebert mit Erlend mit und wird von seiner Liebe zu Krumme und den Kindern einfach gefangen genommen. In Rückblicken wird auf ganz normale Situationen während der Schwangerschaft eingegangen, die sich aber auf sein normales Leben auswirken. Was geschieht ist wenig spektakulär, aber es ist doch interessant erzählt.
    Erlends Bruder Margido lebt ein einsames, aber auch zufriedenes Leben als Bestatter. Sein Leben verläuft in geregelten Bahnen und die Bestattungsfirma steht im Mittelpunkt. Er lebt diesen Beruf mit Haut und Haaren und versucht das Beste für seine Kunden zu erreichen. Auch hier gefällt die Auswahl der beschriebenen Situationen. Sie verdeutlichen wie sehr Margido in seinem Beruf aufgeht.
    Seine Nichte Torunn lebt in einer unglücklichen Beziehung und beschließt aus dem Nichts heraus, ihr Leben von Grund auf umzukrempeln. Sie kehrt auf den Stammhof der Familie zurück, von dem alle Familienmitglieder irgendwann geflohen sind. Geschickt vermischt die Autorin starke Emotionen mit ganz banalen Tätigkeiten. Man fiebert mit Torunn und wünscht ihr, dass der Neubeginn gelingen wird. Unterstützt wird sie dabei von Margido, dessen Leben dadurch aus den festen Abläufen herausgerissen wird und der sich auch als ein Mensch erweist, der sich öffnet und Gefühle entwickelt.
    Obwohl wenig Spektakuläres geschieht und meist nur ganz banale Dinge beschrieben werden, hat mich das Buch gefangen genommen. Die Gefühle der Personen werden sehr deutlich, da alle Familienmitglieder als Ich-Erzähler auftreten und der Erzählstil sehr eindringlich ist. Die Figuren werden sehr detailliert beschrieben und einzig ihre Entwicklung hält den Leser bei der Stange.


    Fazit:
    Anne B. Ragde zeigt in diesem Buch, dass sie eine gute Erzählerin ist. Man verfolgt gerne und interessiert die Geschehnisse um die einzelnen Personen, die wenig Außergewöhnliches bieten und doch fesseln. Ich bin sehr gut unterhalten worden und vergebe viereinhalb von fünf Sternen (9 von 10 Punkten), die ich gerne aufrunde. Ich kann das Buch all jenen empfehlen, die einfach einer gut erzählten Geschichte folgen wollen.

    Buchmeinung zu Bernhard Stäber – Kein guter Ort


    „Kein guter Ort“ ist ein Thriller von Bernhard Stäber, der 2017 bei beTHRILLED by Bastei Entertainment erschienen ist. Dies ist der dritte Band um den Psychologen Arne Eriksen.


    Zum Autor:
    Bernhard Stäber, geboren 1967 in München, lebt und arbeitet im norwegischen Telemark. Er kann bereits auf mehrere Bücher zurückblicken, die er unter Pseudonym veröffentlicht hat, und lässt im vorliegenden Roman seine Erfahrungen als Auswanderer facettenreich einfließen.


    Klappentext:
    Spannender Norwegen-Krimi um ein verlassenes Hotel
    Arne Eriksen ist nach seinem letzten Fall nach Südnorwegen gezogen und arbeitet dort als Psychiater an einer Klinik. Hier hört er auch von den mysteriösen Morden im Hotel Rabenschlucht. Damals hat ein Unbekannter ein junges Mädchen vor den Augen seiner Schwester umgebracht. Doch nicht erst seit dieser Tat gilt die Rabenschlucht als ein Ort, an dem seit jeher schlimme Dinge geschehen. Der Ort und die Geschehnisse lassen den Psychologen nicht los und Arne stellt auf eigene Faust Nachforschungen zum tragischen Tod des jungen Mädchens an. Und muss feststellen, dass ihn sein Leben in Norwegen verändert hat: Er lässt sich immer mehr von seiner Intuition und den uralten Riten der Samen leiten - und kommt damit dem Täter so nah, dass er selbst in tödliche Gefahr gerät...


    Meine Meinung:
    Arne Eriksen ist Psychologe und hat einige Zeit bei der Volksgruppe der Samen zugebracht. Dort hat er erfahren, dass es Grenzbereiche gibt, die allein mit der klassischen Wissenschaft nicht erklärt werden können. So haben auch Orte eine Ausstrahlung, die er zu gewissen Zeiten wahrnehmen kann. In diesem Buch geht es um einen ungeklärten Todesfall nahe einem Hotel an der Rabenschlucht. Auch dieser Ort hat eine ungute Ausstrahlung. Mir waren die dauernden Hinweise auf die ungute Ausstrahlung des Ortes irgendwann zu viel. Die Hauptfigur ist sehr detailliert beschrieben, auch auf eine eine seiner Patientinnen wird näher eingegangen. Weiterhin spielt eine Polizistin, die er schon aus den vorherigen Fällen kennt, eine größere Rolle. Arne ist etwas zu glatt geraten. Er macht fast alles richtig und setzt sich auch privat für sein Umfeld ein. Seine Macken sind belanglos und ich empfand ihn als recht langweilig. Auch bei der Polizistin sind viele positive Eigenschaften zu erkennen, einzig seine Patientin ist nicht „weich gespült“. Sie hat mir von allen Figuren am besten gefallen. Es gibt recht viele Handlungsstränge, bei denen ich nicht immer den Nutzen für die Gesamthandlung erkennen konnte. Dadurch fällt die Spannung immer wieder ab. Zum Ende hin steigt die Spannung deutlich und der Autor präsentiert eine überraschende, aber auch eine fundierte Auflösung. Hier zeigt der Autor, was er kann. Insgesamt ist das Buch leicht lesbar und die Handlung wird aus mehreren Perspektiven betrachtet.


    Fazit:
    Leider hat mich dieses Werk nicht wirklich überzeugt. Den Figuren fehlte eine Prise „Schlechtigkeit“ und bei den vielen Nebenhandlungen hat sich der Autor etwas verzettelt. Beim Showdown zeigt er aber, dass er es besser kann. Meine Wertung lautet drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).

    Buchmeinung zu Arto Paasilinna – Weltretten für Anfänger


    Die Originalausgabe erschienen 1986 unter dem Titel „Vapahtaja Surunen“, die deutsche Ausgabe erstmals 2016 in der Übersetzung von Regine Pirschel bei Ehrenwirth. Ich habe die gekürzte Lesung von Jürgen von der Lippe gehört, die 2017 bei Lübbe Audio erschienen ist.


    Autor:
    Arto Paasilinna wurde 1942 im lappländischen Kittilä/Nordfinnland geboren. Er ist Journalist und einer der populärsten Schriftsteller Finnlands. Er wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Inzwischen hat er rund 40 Romane mit großem Erfolg veröffentlicht, von denen einige verfilmt und in verschiedene Sprachen übersetzt wurden. Auch bei uns erwarten die Fans jedes Jahr ungeduldig eine neue skurrile Geschichte vom finnischen Kultautor.


    Klappentext:
    Alles muss man selber machen! Der Finne Surunen bricht auf, um in Mittelamerika den politischen Gefangenen Lopez zu befreien. Sonst macht es ja keiner. Die erste Etappe führt ihn jedoch nach Moskau, wo er die wodkareiche Gastfreundschaft des Pinguinforschers Lebkov genießt. Als er dann im zentralamerikanischen Diktaturstaat ankommt, hält man ihn für einen kommunistischen Terroristen. Ein Land namens Finnland existiere doch gar nicht. Surunen lässt sich nicht beirren und befreit Lopez schließlich aus der Haft …


    Meine Meinung:
    Surunen ist bei Amnesty und hat beschlossen einen politischen Gefangenen zu befreien. Dieser Idee folgt die ganze satirische Geschichte. Surunen ist durch und durch sympathisch, hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ist ein Mann der Tat. Er geht überlegt und konsequent vor, hat aber auch ein Leben neben der Aktion. Er findet Freunde und feiert gerne mit ihnen. So hat er jede Menge Kontakte und Anlaufstellen. Da es für einen einfachen Bürger nicht so einfach ist, Personen aus einem Hochsicherheitsgefängnis oder einer geschlossenen Anstalt zu befreien, zeichnet der Autor die „Bösen“ oft als etwas einfältig und dem Bürokratismus ergeben. Surunen erweist sich als Meister im Ausnutzen dieser Schwächen. Die Personen, die er befreien will, sind natürlich harmlos und zu Unrecht verfolgt, und nicht selten sogar sympathisch. Auf dem Weg zur Befreiung begleiten Surunen glückliche Zufälle und jede Menge humorvoller Episoden. Bei einigen dieser Szenen kann dem Hörer bei genauerem Nachdenken aber das Lachen im Halse stecken bleiben. Besonders gekonnt widmet sich der Autor dem Amtsschimmel und dem Glauben an Obrigkeiten, während ihm bei der Schilderung der eigentlichen Befreiung schon mal der Gaul durchgeht. Aber es bleibt amüsant und es muss ja für Surunen weiter gehen. Es gibt auch Seitenhiebe auf Gruppen wie Tierschützer oder Politiker, die schon grenzwertig sind, aber der Autor bleibt seinem Stil treu.


    Zum Sprecher:
    Jürgen von der Lippe wurde 1948 als Hans-Jürgen Hubert Dohrenkamp geboren. Er ist ein deutscher Fernsehmoderator, Entertainer, Schauspieler, Musiker und Komiker. Sein Vortrag verleiht den Figuren einen Charakter, weil er nicht nur vorliest sondern auch noch „schauspielert“. Dies hilft beim Kopfkino, ist manchmal aber akustisch nicht leicht zu verstehen, z. B.bei Betrunkenen. Insgesamt werden die Figuren durch seinen Vortrag lebendiger.


    Fazit:
    Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen und der Autor bedient fast jede Art des Humors von feinsinnig bis derb. Dies wird durch den Sprecher sehr schön unterstützt, der ein Talent hat, den Figuren Leben einzuhauchen. Vor allem aber regt die Geschichte zum Nachdenken an. Obwohl der Schreibstil des Autors der flüssig und leicht lesbar ist, sollte man sich die Zeit zum intensiven Zuhören nehmen. Mir hat das Hörbuch sehr gut gefallen und ich vergebe gern fünf Sterne (9 von 10 Punkten) und kann das Buch all jenen empfehlen, die nachdenklich stimmenden Humor mögen.

    Buchmeinung zu Mac P. Lorne – Der Herr der Bogenschützen


    „Der Herr der Bogenschützen“ ist ein historischer Roman von Mac P. Lorne, der 2017 bei Knaur TB erschienen ist.


    Zum Autor:
    Mac P. Lorne ist Jahrgang 1957.
    Aufgewachsen in der ehemaligen DDR studierte er aus politischen Gründen statt Geschichte und Literatur Veterinärmedizin.
    Im Frühjahr 1988 gelang ihm die Flucht in die Bundesrepublik.
    Gemeinsam mit seiner Familie baute er einen Reit-und Zuchtbetrieb in Bayern auf, aus dem sich auch Olympiareiter ihren Nachwuchs sicherten.
    Heute lebt er zu Füßen einer mittelalterlichen Burg in einem der größten Waldgebiete Europas.
    Er ist Co-Autor mehrerer Fach- und Sachbücher aus den Gebieten Veterinärmedizin und Pferdezucht.
    Englische Geschichte ist die große Leidenschaft des Autors und seine Romanreihe rund um Robin Hood begeistert zahlreiche Leserinnen und Leser.
     
    Klappentext:
    Vom enteigneten Sohn eines Verschwörers zum Kommandanten der englischen Langbogenschützen: John Holland, der spätere Duke of Exeter, ist eine schillernde Figur im 100-jährigen Krieg zwischen England und Frankreich. Mac P. Lorne lässt uns seine Ausbildung bei den walisischen Bogenschützen ebenso hautnah miterleben wie seine Kriegsgefangenschaft und sein mehrfaches Aufeinandertreffen mit einer verblendeten und fanatischen jungen Frau, die einmal als Jeanne d'Arc in die Geschichte eingehen soll und der es gelingt, einen fast beendeten Krieg wieder aufflammen zu lassen – und deren Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen er am Ende nicht verhindern kann, obwohl er ahnt, dass so eine Märtyrerin geschaffen wird …



    Meine Meinung:
    John Holland, die Hauptfigur des Buches ist ein starker Sympathieträger, den der Leser von früher Kindheit an begleitet. Von Beginn an erleidet er großes Unrecht und kämpft entschlossen gegen seine Widersacher. Manchmal kam er mir wie ein Heiliger vor, weil er kaum eine Schwäche zeigt, Rückschläge unverzagt in Kauf nimmt und zudem der nette junge Mann bleibt. Auch ungewollt geniest er eine gute Allgemeinbildung, die nicht nur militärische Dinge umfasst. Vor allem lernt er auch planvolles Vorgehen und das es sinnvoll ist, sich das Wissen anderer Leute zu Nutzen zu machen und im Idealfall zu übernehmen. Aber trotz aller historischen Elemente ist es auch ein Abenteuerroman.Es ist faszinierend John auf seinem Weg zu begleiten, sei es im Kampf auf dem Schlachtfeld, im Verlies oder auf glattem diplomatischen Boden. Ein zweiter Erzählstrang spielt in der französischen Provinz und dreht sich um die Familie Darc. Sehr eindringlich wird die Entwicklung der späteren Jungfrau von Orleans geschildert, deren Schicksal tief berührt. In beiden Erzählsträngen folgt der Autor historischen Begebenheiten und verzichtet weitgehend auf fiktive Figuren. Hier wird die umfangreiche Recherchearbeit des Autors deutlich. Seine Figuren wirken lebendig und aus dem Leben gegriffen. Auch der militärische Aufstieg John Hollands ist belegt. Besonders eindrucksvoll ist der Spannungsbogen. Immer wieder steigt die Spannung, um dann für kurze Zeit zurückgenommen zu werden. Dabei sind es nicht nur Kampfszenen, die ein Ansteigen der Spannung bewirken sondern oft auch Szenen, in denen John Neuland betritt, sei es sein Zusammentreffen mit König Henry oder seine ersten Schritte auf diplomatischer Ebene.
    Das Buch wird adäquat abgerundet durch ein Glossar, eine Zeittafel und ein umfangreiches Nachwort des Autors, in dem er auch erklärt, was in diesem Buch Fiktion und was der Realität entspricht.


    Fazit:
    Ein überaus fesselnder Roman, der mich von Anfang an gefangen genommen hat. Er besticht sowohl durch Nähe zur historischen Realität als auch durch eine spannende Handlung. Der Leser wird von der überaus sympathischen Hauptfigur John Holland gefesselt, die nicht nur auf sondern auch neben dem Schlachtfeld überzeugt. Im Gegensatz dazu steht das traurige Schicksal der Jungfrau von Orleans, das mir so nicht bewusst war. So habe ich neben einer spannenden Handlung auch noch etwas lernen können. Gerne vergebe ich fünf Sterne (10 von 10 Eulenpunkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Zitat

    Original von maikaefer


     :write :lache :wave


    Ob die Demokraten es besser machen würde, bin ich mir auch nicht sicher. Das Auseinanderbrechen der amerikanischen Gesellschaft hat aber nicht Trump gemacht, das waren schon seine Vorgänger.
    Aber auch in Europa gibt es genug Pappnasen. Ist doch toll, so'n Brexit zu initiieren und dann in den Ruhestand zu gehen!
    Oder Ungarn oder Polen oder Österreich oder oder oder ....

    Nun habe ich auch das Buch beendet. Das Verhalten und die Entscheidungen der meisten Befehlshaber in diesem Krieg sind teilweise so absurd, dass ich mich frage, welche Qualifikation so ein Anführen vorweisen konnte. Außer Geburt und vielleicht frühere Erfolge sehe ich da nichts. Aber am Ende des hundertjährigen Krieges haben sich doch die Franzosen durchgesetzt, auch wenn sie keinen John Holland in ihren Reihen hatten.
    Was mich immer wieder erstaunt ist der weltliche Reichtum und der Einfluss, den Kirchenfürsten in eigentlich ganz Europa gehabt haben. Zwar mag ihr Reichtum und die oftmalige Verwandtschaft mit weltlichen Herrschern eine Rolle spielen, aber oft gab es unterschiedliche Interessen.
    Sehr interessant fand ich, dass nur Gegner, die Lösegeld versprachen, geschont wurden und der Rest einfach umgebracht wurde. Der ritterliche Umgang galt wohl nur für seinesgleichen.
    Das Nachwort, die Zeittafel und die Erläuterungen, nach welchen Überlegungen du das Buch geschrieben hast, haben mich überzeugt. Du sagtes zu Beginn, dass es vor allem ein Abenteuerroman sein solle, der sich an historischen Vorgaben orientiert. Das ist voll und ganz gelungen. Ich habe mich ausgezeichnet unterhalten gefühlt und werde mich wohl in absehbarer Zeit, mit weiteren Werken des Autors beschäftigen.

    Auch wenn ich sie nicht mag, aber eine beeindruckende Ausstrahlung geht von Jehanne Darc schon aus. Auch ihre Schmerzunempfindlichkeit ist sehr ungewöhnlich. Sie gibt den Franzosen etwas, was ihnen aufgrund ihrer dauernden Niederlagen abhanden gekommen ist: Zuversicht und Selbstbewußtsein.
    Die Diskussion, ob ohne sie weniger Menschen gestorben wären, ist nicht relevant. Die Engländer hätten ja auch in England bleiben können oder einfach das Angebot der Bürger und Soldaten aus Orleans annehmen können, sich dem Herzog von Burgund zu ergeben.
    John Holland ist ja ein echtes Stehaufmännchen. Immer, wenn er vermutlich in aussichtsloser Lage sterben wird, findet sich ein Weg für ihn, das Ganze nahezu unbeschädigt zu überstehen.
    Für mich ist es kaum nachzuvollziehen, dass er Hemmungen hat, die Jungfrau von Orleans zu töten, wenn er andererseits Bürger mit Pfeilen belegt, die unbewaffnet einen Pionierauftrag erledigen. Für jemanden, der sich nach Frieden sehnt, bringt er schon viele Gegner um und bemüht sich auch, auf diesem Felde effizient zu sein.