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    Buchmeinung zu Belinda Pollard – Verschollen in der Poison Bay


    „Verschollen in der Poison Bay“ ist ein Kriminalroman von Belinda Pollard, der 2017 bei Small Blue Dog Publishing in der Übersetzung von Maren Feller erschienen ist. Der Titel der australischen Originalausgabe lautet „Poison Bay“ und ist 2014 erschienen. Die ist der Auftakt der Wild Crimes Serie.


    Zum Autor:

    Belinda Pollard ist eine preisgekrönte ehemalige Journalistin mit einer Schwäche fürs Bergwandern – trotz Höhenangst und kaputter Knie. Sie arbeitet seit Jahrzehnten als Autorin und Lektorin. Sie lebt in Brisbane in Australien.


    Klappentext:

    „Die Maori nennen diesen Ort Ata Whenua – das Land der Schatten.“Fernsehreporterin Callie Brown ist ein Stadtmensch mit einer Vorliebe für guten Kaffee. Dennoch lässt sie sich darauf ein, mit einer Gruppe alter Freunde durch die unwirtliche Wildnis von Neuseeland zu wandern, in der Hoffnung, über eine zerbrochene Beziehung hinwegzukommen.Was sie nicht weiß: Jemand hat es auf sie alle abgesehen.Verloren in einer der entlegensten und rauesten Gegenden Neuseelands und nicht nur den Elementen ausgeliefert, setzt der Überlebenstrieb bei den Wanderern ein. Jeder von ihnen trägt seit zehn Jahren sein eigenes Geheimnis mit sich. Callie muss sich entscheiden, wem sie vertrauen kann, damit sie nicht die Nächste ist, die stirbt ...

    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich in vielerlei Hinsicht positiv überrascht. Eine Gruppe von acht jungen Leuten begibt sich auf eine Bergwanderung in einem abgelegenen Naturschutzgebiet. Als sie nicht planmäßig zurückkehren, reist Callies Mutter zur Startstation der Wanderung, weil sie ein schlechtes Gefühl hat und Druck ausüben will, um eine Suche in Gang zu setzen. Abwechselnd werden Szenen aus der Wandergruppe und aus der Bergstation beschrieben. In der Wandergruppe geschehen seltsame Dinge und der Wanderführer stirbt. Dann kommt es zu einer Schlechtwetterlage und zu einer weiteren Toten. Die Lage spitzt sich dramatisch zu und es entsteht der Eindruck, dass ein oder mehrere Gruppenmitglieder involviert sein könnten. Auf der Station geht es erst eher ruhiger zu, denn verspätete Heimkehrer gibt es immer wieder. Aber dann zeitigt der Einsatz von Callies Mutter Früchte und es werden Ermittlungen aufgenommen, die zu beunruhigenden Ergebnissen führen.

    Die Figuren sind mit Ecken und Kanten gestaltet und die Beschreibung der Natur und der Naturgewalten ist sehr eindringlich. Man fiebert mit Callie mit, die sich in ungewohnter Umgebung in einer Ausnahmesituation zurechtfinden muss. Sie erkennt, dass eine Tote ermordet wurde und muss nun entscheiden, wie sie damit umgeht. Einerseits wird jedes Gruppenmitglied gebraucht, aber andererseits gibt es diese Toten. Man fühlt die Schwere der Entscheidungen, die Callie treffen muss. Die Atmosphäre in der Wandergruppe ist bedrohlich und es geht um das nackte Überleben. Währenddessen nimmt auch die Unruhe auf der Station zu, auch weil es weiterhin keinerlei Informationen über den Verbleib der Gruppe gibt. Dann passieren auch hier seltsame Dinge.

    Die Roman zeichnet sich durch grandiose Naturschilderungen und extrem große Spannung aus. Und als es Hoffnung auf eines glückliches Ende gibt, hat die Autorin noch einen Pfeil im Köcher.


    Fazit:

    Dieser Roman hat mich durch die grandiose Naturbeschreibung, einer komplexen Handlungsgestaltung und durch extreme Spannung mirgerissen. Nach einem ruhigen Beginn wurde es immer dramatischer. So kann ich nur fünf von fünf Sternen (95 von 100 Punkten) vergeben und eine klare Leseempfehlung aussprechen.

    Buchmeinung zu Eva Almstädt – Ostseeangst


    „Ostseeangst“ ist ein Kriminalroman von Eva Almstädt, der 2019 bei Bastei Lübbe erschienen ist. Dies ist der vierzehnte Fall für die Kieler Kommissarin Pia Korittki.


    Zum Autor:

    Eva Almstädt absolvierte eine Ausbildung in den Fernsehproduktionsanstalten der Studio Hamburg GmbH und studierte Innenarchitektur in Hannover. Ihr erster Roman Kalter Grund wurde zum Auftakt der erfolgreichen Serie um die Lübecker Kommissarin Pia Korittki. Die Autorin lebt mit Mann und zwei Kindern in Schleswig-Holstein.


    Klappentext:

    Während eines Ausflugs finden Jugendliche eine menschliche Hand. Die Lübecker Mordkommission ermittelt. In der folgenden Nacht verschwindet die Gruppenleiterin aus der Jugendherberge spurlos. Bei der Suche wird in einem nahe gelegenen Stall ein abgetrennter Unterarm gefunden, doch er gehört nicht zu der verbrannten Hand. Zur gleichen Zeit gerät Kommissarin Pia Korittkis Leben nach dem Tod ihres Freundes immer mehr aus den Fugen. Als ein Konflikt mit Kollegen eskaliert, rät Pias Vorgesetzter ihr zu einer Auszeit. Aber dann bergen Taucher in einem See weitere Leichenteile ...

    Meine Meinung:

    Nach den tragischen Ereignissen im Vorgängerband geht es diesmal etwas ruhiger zu. Pia hat den Tod ihres Lebenspartners noch nicht ganz überwunden und sie stürzt sich in die Ermittlungen des neuen Falls. Wie gewohnt wechseln sich private und berufliche Passagen ab. Hierbei gelingt es der Autorin ein ausgewogenes Verhältnis zu halten. Ihr Verhältnis zum Chef ist abgekühlt, nachdem sie die Leitungsfunktion ausgeschlagen hat. Er empfiehlt Pia, eine Auszeit zu nehmen. Pia kämpft aber mit der Unterstützung ihrer Kollegen um ihre Beteiligung am Fall. Pia ist keine Superpolizistin, der alles zufliegt, aber sie ist eine akribische Arbeiterin, die auch nachdenkt. Sie kann gut zuhören und entwickelt dann ihre eigenen Ideen, manchmal auch etwas außerhalb der Regeln.

    Die Figuren haben Ecken und Kanten und sind gerade deshalb glaubwürdig. Dann betreten auch noch Kollegen des LKA die Bühne, die zuerst recht überheblich wirken. Aber dann raufen sich beide Einheiten zusammen und bringen es zu einer vernünftigen Zusammenarbeit. Gerade dies gefällt mir, weil es einfach normal ist. Die Grundstimmung ist wieder recht trübe, weil viele der beteiligten Personen mit mehr oder weniger vielen Problemen zu kämpfen haben, die sie recht unglücklich erscheinen lassen. Der Fall selber ist kompliziert und es gibt eine Reihe falscher Fährten. Die sympathische Ermittlerin bleibt aber am Ball. Auch im privaten Umfeld gibt es kleine Fortschritte, aber auch den ein oder anderen Rückschlag.

    Die Autorin reißt viele Themen an, die nicht alle zu Ende diskutiert werden. Die heile Welt ist nicht das Thema der Autorin, eher zerrüttete Familien und Menschen mit Beziehungsproblemen. Trotzdem habe ich mich mit dem Buch gut unterhalten gefühlt. Der weitgehende Verzicht auf spektakuläre Szenen passt sehr gut zum Stil des Buches. Dafür punktet das Buch mit viel Atmosphäre und einer Hauptfigur, die allen Widrigkeiten zum Trotz ihren eigenen Weg geht. Auch bleibt es durchgehend spannend, weil man wissen möchte, wie es weitergeht.

    Fazit:

    Ein atmosphärisch dichter Krimi mit einer sympathischen Hauptfigur und einer interessanten Geschichte. Im Mittelpunkt stehen die kleinen Dinge und das Beziehungsgeflecht der beteiligten Personen. Mir hat das Buch gut gefallen und ich vergebe vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten). Wer ruhige und atmosphärisch dichte Krimis mag, wird mit diesem Buch gut bedient.

    Buchmeinung zu Alexander Oetker – Zara und Zoe: Rache in Marseille


    „Zara und Zoe: Rache in Marseille“ ist ein Kriminalroman von Alexander Oetker, der 2019 bei Droemer TB erschienen ist.


    Zum Autor:
    Alexander Oetker wurde 1982 in Berlin geboren. Er ist Fernsehjournalist und Autor. Vier Jahre leitete er das Pariser Korrespondentenbüro für die Fernsehsender RTL und n-tv, ist profunder Kenner von Politik und Gesellschaft in Frankreich und berichtete von dort über alle Terroranschläge der vergangenen Jahre. Seit 2012 berichtet er für RTL als politischer Korrespondent aus Berlin. Alexander Oetker lebt in Berlin und verbringt viel Zeit des Jahres in Frankreich.


    Klappentext:
    Kommissarin Zara von Hardenberg ist die beste Profilerin bei Europol. Weil sie sich alles merkt, alles entdeckt und alles voraussieht. Das Dumme ist nur: Sie kann keine Regeln brechen. Als sie ein junges Mädchen bestialisch ermordet in der Felsenlandschaft Marseilles finden, spürt sie, dass das Verbrechen auf eine drohende Katastrophe hinweist. Sie kennt nur eine, die diese noch aufhalten kann: ihre Zwillingsschwester Zoë – eine Killerin der korsischen Mafia, deren einzige Grenze sie selbst ist. Das Aufeinandertreffen der verfeindeten Schwestern wird zum Kampf um Leben und Tod. Und dann erst beginnt der eigentliche Showdown im nächtlichen Marseille.


    Meine Meinung:
    Bei diesem Buch hat mich das fulminante Tempo überzeugt, während die Charaktere eher klischeehaft gestaltet waren. Die so unterschiedlichen Zwillinge Zara und Zoe hassen sich, finden dann aber doch zusammen und keiner merkt es. In diesem Buch wird ein Marseille geschildert, das so gar nicht den Tourismusinformationen entspricht. Die agierenden Figuren sind knallhart und konsequent. Es wird deutlich, wie das Leben in den einzelnen Stadtbezirken funktioniert, in denen der Staat so gut wie keinen Einfluss hat. Zara und Zoe sind hier aufgewachsen, aber als Jugendliche haben sich die Wege getrennt. Beide können das Leben des jeweils anderen eigentlich nicht akzeptieren. Dann erkennt Zara, dass es mit ihren Methoden nicht funktioniert, ein großes Unglück zu verhindern und sie sucht Kontakt zu Zoe, die ziemlich skrupellos auf der dunklen Seite agiert. Hier kommt der als politische Journalist tätige Autor in gefährliches Fahrwasser. Wo rechtstaatliche Methoden versagen, wird halt Gewalt angewendet, denn der Zweck heiligt hier die Mittel. Das Dumme daran ist, dass ich fürchte, dass der Autor recht haben könnte. Eine Verknüpfung der Themen Gewalt in den Vorstädten, zwielichtige Politiker und Investoren, korrupte Polizisten, hoffnungslose Jugendliche, organisierte Kriminalität und Terrorismus bringt die Probleme einiger südfranzösischer Städte auf den Punkt.
    Diese Dystopie wird in einem atemberaubenden Tempo serviert, das nur selten von ruhigeren Passagen unterbrochen wird. Diese explosive Mischung läßt auch die Beteiligten nicht unverändert zurück. Zoe und Zara mischen das Ganze auf sehr unterhaltsame Weise auf, aber Profil gewinnen sie dabei nur selten.
    Die Kapitel werden jeweils aus der Sicht einer Person geschildert, und die Sprache wechselt genauso. Bei Zara ist es eine ruhige gediegene Sprache, während in den Abschnitten aus Zoes Perspektive eine raue Gangart dominiert. Der Stil erinnert mich an viele Romaneaus dem hardboiled Bereich, aber die Figuren sind nur zum Teil typisch für dieses Genre. Zoe passt ohne Zweifel, aber Zara ist ungewöhnlich. Seltsamerweise war Zoe für mich der sympathischere Teil dieses Duos.
    Es gibt mehrere Handlungsstränge, die scheinbar wenig miteinander zu tun haben, aber der Autor führt sie dann doch überzeugend zusammen.


    Fazit:
    Eigentlich gibt es einige Gründe keine Topwertung zu vergeben, aber das fulminante Tempo und die mitreißenden Figuren der Zwillinge lassen mich zu fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) greifen. Für die Freunde von hardboiled Krimis kann ich eine klare Leseempfehlung aussprechen.

    Buchmeinung zu Rolf Uliczka – Campermord in Bensersiel


    „Campermord in Bensersiel“ ist ein Kriminalroman von Rolf Uliczka, der 2019 im Klarant Verlag erschienen ist. Dies ist der sechste Band um die Kommissare Bert Linnig und Nina Jürgens.


    Zum Autor:

    Rolf Uliczka ist geboren und aufgewachsen am Rande der romantischen Holsteinischen Schweiz und lebt mit seiner Frau seit einigen Jahren im Saterland. Menschen in all ihren Facetten und ihre Geschichten haben ihn schon immer fasziniert. Auch das Schreiben war und ist eine seiner größten Leidenschaften. Ostfriesland, das Land der Leuchttürme, des Wattenmeeres, der grünen Landschaften mit seinen geheimnisvollen Mooren und Inseln, wo jährlich Millionen ihren Urlaub verbringen, bietet ihm viel Stoff für das Unerwartete. Genau das macht auch die Spannung seiner Ostfrieslandkrimis aus.


    Klappentext:

    Tödliche Schatten liegen über dem ostfriesischen Küstenort Bensersiel. Im Yachthafen schwimmt die Leiche des ermordeten Saisonkellners Gernot Kaldenbach, der auf dem nahe gelegenen Campingplatz wohnte. Fast zeitgleich verschwindet die verführerisch attraktive Saisoncamperin Anna, viel deutet auf eine Entführung hin. Die Kommissare Bert Linnig und Nina Jürgens von der Kripo Wittmund stoßen auf ein Geflecht aus Eifersucht, Leidenschaft und Gier. Der Campingplatz offenbart sich als ein Ort der Geheimnisse, und mehrere der Bewohner geraten unter Verdacht. Hat Annas Mann Manuel womöglich ein Verhältnis seiner Frau mit dem selbstbewussten Kellner nicht ertragen? Doch es gibt auch Spuren, die auf ganz andere Zusammenhänge schließen lassen. Je mehr die Ermittler über das Mordopfer erfahren, desto zwielichtiger erscheint der Mann. Hat er das organisierte Verbrechen an die ostfriesische Küste gebracht? Die Kommissare ermitteln in alle Richtungen, als plötzlich eine unerwartete Nachricht eintrifft …

    Meine Meinung:

    Gut und leicht bin ich in das Buch hereingekommen, die Atmosphäre auf dem Campingplatz war gut getroffen. Die meisten Figuren waren mir sympathisch, aber sie waren alle recht oberflächlich gestaltet. Eindeutig zu kurz kamen mir die Kommissare Bert Linnig und Nina Jürgens, die beide leider blass blieben. Die Hauptrolle übernimmt die verschwundene Camperin Anna, deren Weg hauptsächlich geschildert wurde. Gerade die Beschreibung ihres Schicksals hat mich sehr enttäuscht. Ihr Leidensweg wurde mir viel zu positiv geschildert. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, dass sie auf einer Urlaubsreise unterwegs sei, obwohl sie sich doch in den Händen von Kriminellen befand. Die Schilderung der Geschehnisse auf dem Campingplatz war durchaus spannend, auch weil das ein oder andere Geheimnis aufgedeckt wurde. Überraschungen gab es bei der Lösung der Kriminalfälle, die logisch erklärt wurden. Aber der dominierende Eindruck war die unsägliche Beschreibung des Schicksals Annas. Dies führt zu einer klaren Abwertung.


    Fazit:

    Der Genuss eines in Teilen durchaus lesenswerten Krimis wird durch die unpassende Beschreibung eines Frauenschicksals massiv gestört. So kann ich nur zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten) vergeben und keine Leseempfehlung aussprechen.

    Buchmeinung zu Hanna Caspian – Gut Greifenau. Morgenröte


    „Gut Greifenau. Morgenröte“ ist ein Roman von Hanna Caspian, der 2019 bei Knaur TB erschienen ist. Dies ist der dritte und abschließende Band einer Trilogie um die Bewohner des fiktiven Gutes Greifenau, die von 1913 bis 1919 spielt.


    Zum Autor:

    Hinter Hanna Caspian verbirgt sich eine erfolgreiche deutsche Autorin, die ihr Herz ans Rheinland verloren hat. Ihre historischen Liebesromane behandeln spannende Themen der vergessenen deutschen Geschichte. Dabei verwebt sie akribisch tatsächliche historische Begebenheiten mit dem Leben fiktiver Figuren. Hanna Caspian studierte Literaturwissenschaften und Sprachen.

    Mit ihrem Mann wohnt und arbeitet in unmittelbarer Nähe zum Rhein.


    Klappentext:

    1918 ist der Frieden mit Russland in greifbarer Nähe.

    Nach einem Mordanschlag ist es fraglich, ob Konstantin das noch erleben wird. Immerhin pflegte die Dorflehrerin Rebecca ihn aufopferungsvoll. Graf Adolphis indes ist verzweifelt. Durch den Kauf von Kriegsanleihen ist das Gut hoch verschuldet.

    Gräfin Feodora drängt Katharina zur Hochzeit mit dem Scheusal Ludwig, einem Neffen des Kaisers. Diese Verbindung wird zur Überlebensfrage für Gut Greifenau. Doch Katharinas Herz schlägt für den Industriellensohn Julius. Kurz vor der Hochzeit flieht sie. In Berlin gerät sie mitten in die Wirren der Novemberrevolution.

    Der Krieg ist zu Ende und der Kaiser selbst geflohen.

    Meine Meinung:

    Vieles, was ich zu den ersten beiden Teilen geschrieben habe, kann ich nur wiederholen. Ich habe mich in und mit diesem Buch wohlgefühlt. Die Figuren sind erfrischend und zum Teil in erstaunlicher Tiefe mit Ecken und Kanten beschrieben. Wieder geht es um die Liebesgeschichten der beiden Grafenkinder, Themen aus der Welt der Bediensteten, aber auch Entwicklungen, die sich aus dem Kriegsende ergaben. Politische Ereignisse spielen weiterhin im Leben der Bewohner kaum eine Rolle, wohl aber der allgegenwärtige Standesunterschied und immer noch Versorgungsengpässe, die nach Kriegsende verstärkt auftreten. Es gibt immer noch viele Geheimnisse um die Bewohner des Gutes, die nach und nach an die Oberfläche gebracht werden und auch die ein oder andere Figur taucht wieder auf, die das Gut zwischenzeitlich verlassen hatte. Albert Sonntag bleibt meine Lieblingsfigur, auch wenn sich seine Rolle wieder etwas wandelt. Er hat eine Frau gefunden, die er liebt, und einen Vater, der ihn nicht als Sohn kennt. Und dann ist da noch das Ziel seiner Rachegedanken, Pastor Wittekindt.

    Katharina, die schon im letzten Band von einem jungen Mädchen zu einer selbstbewußten jungen Dame geworden ist, arbeitet weiter an der Realisierung ihrer Träume. Viele in ihrem Umfeld sind von der Hartnäckigkeit und der Kompromisslosigkeit der jungen Frau beeindruckt. Überhaupt sind es weiterhin die kleinen Dramen und Erfolge, die dem Roman Würze verleihen. Manche Figuren sind etwas einseitig gestaltet, aber sie passen dennoch in die Geschichte. Das Leben auf dem Gut wird glaubhaft und realistisch beschrieben und von Zeit zu Zeit passiert etwas aufregendes. Und diesmal werden alle wesentlichen Erzählstränge zu einem gemeinsamen Ende verwebt. Nach vielen dramatischen Ereignissen endet die Geschichte mit der ersten freien Wahl, bei der auch Frauen abstimmen durften. Dies ist ein überaus passender Abschluss der Geschichte.

    Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd und bei der Vielzahl der Figuren findet sich für jeden Leser etwas. Mit einigen Figuren fiebert man mit, anderen wünscht man weniger Erfolg. Der Leser lernt die Auswirkungen des Krieges auf die Bewohner des Gutes kennen und die kleinen Dramen wirken präsenter als die auch vorhandenen Glücksmomente. Viele der Figuren entwickeln sich weiter und überraschen mit neuen Eigenschaften. Nikolaus und Anastasia, die beiden anderen Grafenkinder, spielen eine größere Rolle als bisher, aber auch für die bekannten Figuren stehen Entwicklungen an, die diese fordern und manchmal auch überfordern. Es gibt viel Leid, aber auch für die ein oder andere Figur eine Portion Glück.


    Fazit:

    Die Autorin hat sich noch einmal gesteigert und die Geschichte hat mich mitgenommen, wie ich es kaum erwartet hatte. Fast immer war die Entwicklung der Ereignisse glaubhaft und es war durchgehend spannend und mitreißend. So vergebe ich fünf von fünf Sternen (95 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung für diese faszinierende Familiensaga aus.

    Buchmeinung zu Mac P. Lorne – Das Banner des Löwen


    „Das Banner des Löwen“ ist ein historischer Roman von Mac P. Lorne, der 2019 bei Knaur TB erschienen ist. Dies ist der vierte Band der Robin-Hood-Reihe.


    Zum Autor:

    Mac P. Lorne ist Jahrgang 1957.

    Aufgewachsen in der ehemaligen DDR studierte er aus politischen Gründen statt Geschichte und Literatur Veterinärmedizin.

    Im Frühjahr 1988 gelang ihm die Flucht in die Bundesrepublik.

    Gemeinsam mit seiner Familie baute er einen Reit-und Zuchtbetrieb in Bayern auf, aus dem sich auch Olympiareiter ihren Nachwuchs sicherten.

    Heute lebt er zu Füßen einer mittelalterlichen Burg in einem der größten Waldgebiete Europas.

    Er ist Co-Autor mehrerer Fach- und Sachbücher aus den Gebieten Veterinärmedizin und Pferdezucht.

    Englische Geschichte ist die große Leidenschaft des Autors und seine Romanreihe rund um Robin Hood begeistert zahlreiche Leserinnen und Leser.


    Klappentext:

    Dem ehemaligen König der Diebe ist auch im Jahre 1218 kein beschauliches Leben vergönnt: Kaum aus England zurückgekehrt auf sein Landgut in der Gascogne, wird Robin Hood Zeuge, wie die Schergen Simon de Montforts ein Dorf niederbrennen. Im Auftrag des Papstes befehligt de Montfort den Kreuzzug gegen die Katharer, der mit äußerster Brutalität geführt wird – und mehr als ein politisches Ziel verfolgt. Gemeinsam mit seiner Frau Marian, seinem Freund Charles d’Artagnan und den alten Gefährten aus dem Sherwood Forest stellt Robin Hood sich erneut auf die Seite der Verfolgten

    Meine Meinung:

    In diesem Buch wird der Kreuzzug gegen die Katharer thematisiert. Da Marian ihr Landgut in der Gascogne nicht mehr missen mag, bleibt auch Robin dort und plant ein ruhiges Leben. Robin muss miterleben, wie Kreuzfahrer in einem Dorf, in dem auch Katharer gewohnt haben, gehaust haben. Robin greift ein und bestraft einige der Übeltäter und schon ist es mit dem ruhigen Leben vorbei. Zeitweilig wird sogar sein Landgut besetzt. Diesmal nimmt auch Marian an den Kampfhandlungen teil.

    Wie gewohnt geht es sehr spannend zu und Robin muss mit seinen Getreuen etliche Gefahren überstehen. Unterstützt wird er diesmal wieder von einigen alten Bekannten aus dem Sherwood Forest und von seinem Ziehsohn Falke. Auch wenn Robin etwas ruhiger agiert als in den Vorgängerbänden, so bleibt doch Raum für die ein oder andere Tat, die seine Fähigkeiten erstrahlen lassen. Mit einer gehörigen Portion Humor mildert der Autor die Grausamkeiten der Geschichte nachhaltig. Er bleibt der, zwar in die Jahre gekommene, sympathische Held, der unerschrocken für die Unterdrückten eintritt. Fast im Vorübergehen wird geschichtliches Wissen vermittelt. Man lernt einige Zeitgenossen, teils auch in Nebenrollen agierend, kennen. So zum Beispiel den Gründer des Dominikanerordens, der recht positiv geschildert wird, auch wenn der Orden später maßgeblich an der Inquisition beteiligt war. Die meisten Figuren sind vielschichtig gestaltet und leider gibt es auch Verluste im direkten Umfeld Robins. Es gibt mehr ruhige Momente als in den Vorgängern, und das tut dem Roman gut. Wie gewohnt gibt es als Beiwerk Karten, Zeittafeln, ein Personenverzeichnis und aufklärende Worte des Autors zur Geschichte. Er erläutert, was historisch belegt und was fiktiv ist, und auch, wann er korrigierend eingegriffen hat. Mich hat dieses Werk noch mehr als die Vorgänger überzeugt.


    Fazit:

    Wieder eine aufregend gestaltete Abenteuergeschichte mit sympathischen Helden und unglücklich agierenden Bösen. Die Mischung aus Historie und Fiktion ist erneut gelungen. Der etwas ruhigere Grundton hat mich vollends überzeugt. Deshalb vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Buchmeinung zu Robert Fabbri – Vespasian: Der falsche Gott

    „Vespasian: Der falsche Gott“ ist ein Historischer Roman von Robert Fabbri, der 2019 bei Rowohlt Taschenbuch in der Übersetzung von Anja Schünemann erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „False God of Rome“ und ist 2013 erschienen. Dies ist der dritte Band um Vespasian. Ich bin der ungekürzten Lesung von Erich Wittenberg gefolgt, die im Audiobuch Verlag erschienen ist.

    Zum Autor:
    Robert Fabbri, geboren 1961, lebt in London und Berlin. Er arbeitete nach seinem Studium an der University of London 25 Jahre lang als Regieassistent und war an so unterschiedlichen Filmen beteiligt wie «Die Stunde der Patrioten», «Hellraiser», «Hornblower» und «Billy Elliot – I Will Dance». Aus Leidenschaft für antike Geschichte bemalte er 3 500 mazedonische, thrakische, galatische, römische und viele andere Zinnsoldaten – und begann schließlich zu schreiben. Mit seiner epischen historischen Romanserie «Vespasian» über das Leben des römischen Kaisers wurde Robert Fabbri in Großbritannien Bestsellerautor.

    Klappentext:
    Das Jahr 34 n. Chr.: Vespasian dient am Rande des Imperiums, bis er endlich nach Rom zurückkehren darf. Unerwartet ereilt Kaiser Tiberius der Tod, und Caligula ergreift die Macht – doch die leuchtende Hoffnung Roms verkommt zu einem unkontrollierbaren Despoten, der sich als Gott huldigen lässt. Verschwenderische Bauten, endlose Spiele, ein verängstigter Senat verblassen neben Caligulas gewagtestem Plan: eine Brücke über die Bucht von Neapel, über die er dekoriert mit dem Brustpanzer Alexanders des Großen reiten will. Kein anderer als Vespasian soll die legendäre Rüstung rauben …

    Meine Meinung:
    Selten habe ich von einer Hauptfigur gelesen, der so viele schlechte Eigenschaften zugeordnet wurden. Vespasian ist Offizier in der römischen Armee und ist im Osten des Reiches unterwegs. Der Autor serviert einen sehr eigenen Blick auf die ersten Christen und Paulus wird als hasserfüllter Prediger gegen das Christentum dargestellt. Vespasian bremst ihn aus, auch um die Ruhe in den Städten wiederherzustellen. Vespasian wird vom Krieger Magnus unterstützt, der das Verhalten seines Chefs immer wieder erklären darf. Vespasian dehnt seine Möglichkeiten immer weiter aus, muss dabei aber feststellen, dass er immer wieder über de Tisch gezogen wird. Politisch vertritt er das Lager Antonias und wenn ein Mord zur Erreichung der Ziele notwendig ist, dann wird es halt gemacht. Noch hat Vespasian Gewissensbisse, aber die vergehen mit der Zeit. Als dann auch noch Caligula die Macht übernimmt, lernen wir einen ängstlichen, ja furchtsamen Vespasian kennen, der zu allem ja sagt, um seine Haut zu retten. Und doch hat mich diese Figur fasziniert. Auch wenn Vespasian viele Mängel hat, so sind die herrschenden Politiker doch noch um ein gutes Stück übler. Die Sprache ist recht derb und die Schilderung der Taten ist oft mehr als deutlich. Am Anfang ist es vor allem ein Abenteuerroman mit vielen auch grausamen Kampfszenen. Aber gerade dies verdeutlicht die glaubhafte Einstellung der Krieger. Als es nach Rom geht, wird es etwas ruhiger, aber die Welt der politischen Intrigen ist noch weitaus gefährlicher als ein Schlachtfeld. Wir lernen in Rom auch einen in eine Sklavin verliebten Mann kennen, der aber nach einer angemessenen Partnerin für eine Familiengründung sucht. Die Schilderung der Ausschweifungen unter Caligula lässt an Deutlichkeit keine Zweifel aufkommen und Caligula findet Gefallen daran, andere Leute zu demütigen. Beachtlich ist, dass Fabbri dabei im Rahmen der historischen Fakten bleibt. Manchmal ist es mir aber zu laut und zu sehr auf Außenwirkung ausgerichtet.

    Sprecher:
    Mein erster Eindruck war, dass es der Vorleser etwas theatralisch angeht. Dies führt oft im Auto zu Verständnisproblemen. Doch meine Befürchtungen erwiesen sich als grundlos und der Vortrag war nicht nur gut zu verstehen, sondern er war auch noch pointiert. Chapeau für Herrn Wittenberg.

    Fazit:
    Eine spannende auf Abenteuer ausgerichtete Geschichte, die doch sehr auf Effekte ausgerichtet war. Der Autor präsentierte auch eine ungewöhnliche Sicht auf die Geschichte des Christentums. Die oft derbe Sprache passt aber zur Handlung. Die Hauptfigur Vespasian erfüllt kaum ein Klischee eines Helden und doch hat sie mich überzeugt. Auch der Vortrag Erich Wittenbergs führt zu einer positiven Bewertung mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten).

    Buchmeinung zu Kirsten Wilczek – Ist, werde, würde unantastbar sein

    „Ist, werde, würde unantastbar sein“ ist eine Kurzgeschichte von Kirsten Wilczek, die 2019 bei booksnacks.de erschienen ist.

    Zum Autor:

    Kirsten Martha Wilczek, Autor/in/um, lebt und schreibt im niederrheinischen Nebel, macht beruflich irgendwas mit Recht, damit andere es behalten dürfen.

    Klappentext:



    Was wäre, wenn Sie gerichtlich bestellter Gutachter mit dem Auftrag wären, die Verhandlungsfähigkeit eines ehemaligen SS-Mannes festzustellen, der inzwischen hochbetagt ist und in einem Pflegeheim lebt? Wie begegnen Sie diesem Greis, gegen den die Indizienlage erdrückend ist, der Ihnen nun ebenso zerbrechlich und hilflos wie offen und freundlich gegenübersitzt? Spüren Sie die Blicke seiner Opfer im Nacken? Geraten Sie in Versuchung, Ihren Auftrag tendenziös auszuüben, damit eine lange zurückliegende Schuld endlich gerichtlich geahndet werden kann? Werden Sie die Würde jemandes wahren, der die Würde anderer hundertfach und mehr mit Füßen getreten hat? Kurzum: Werden Sie es schaffen, Ihren Auftrag korrekt zu erledigen? Das sind die Fragen, vor denen der Psychologe Auer steht, der Ernst Escher, ehemaligen Scharführer der Waffen-SS, zu begutachten hat.


    Meine Meinung:

    Im Klappentext wird die Situation des Sachverständigen beschrieben. Mit einem Foto gefundener Leichen macht er sich auf in das Gespräch mit dem ehemaligen Unteroffizier der Waffen-SS. Dieser leugnet seine Taten nicht, ist sogar stolz, seinen Auftrag wie befohlen ausgeführt zu haben. Aber darum geht es gar nicht. Ist er verhandlungsfähig oder nicht. Diese Frage bewegt den Gutachter und dann auch mich als Leser. Damit ist ein wesentliches Merkmal einer guten Kurzgeschichte erfüllt. Sie hat mich zum Nachdenken gebracht. Es ist schwierig, wenn nicht unmöglich, die Frage der Verhandlungsfähigkeit unabhängig zu klären. Kann der Gutachter überhaupt die richtige Entscheidung treffen? Das Wissen um die Tat ist eher belastend und dem Gutachter schwant, dass die richtige Entscheidung auch immer die falsche sein kann. Ich möchte nicht mit ihm tauschen.


    Fazit:

    Diese Kurzgeschichte spricht ein heikles Thema an und hat mich zum Nachdenken angeregt. Von mir gibt es vier von fünf Sternen (8o von 100 Punkten) und eine klare Leseempfehlung.

    Buchmeinung zu Anthony Horowitz – Ein perfider Plan


    „Ein perfider Plan“ ist ein Kriminalroman von Anthony Horowitz, der 2019 im Insel Verlag in der Übersetzung von Lutz-W. Wolff erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „The Word is Murder“ und ist 2017 erschienen.


    Zum Autor:

    Anthony Horowitz, geboren 1956 in Stanmore, gehört zu den erfolgreichsten Autoren der englischsprachigen Welt, in Deutschland ist er vor allem durch seine Jugendbuchreihe um Alex Rider bekannt. Neben zahlreichen Büchern hat Anthony Horowitz Theaterstücke und Drehbücher zu verschiedenen Filmen und Fernsehserien (unter anderem Inspector Barnaby) verfasst. Seit seiner Jugend ist er Sherlock-Holmes-Fan. Anthony Horowitz lebt mit seiner Familie in London.


    Klappentext:

    Keine sechs Stunden, nachdem die wohlhabende alleinstehende Diana Cowper ihre eigene Beerdigung geplant hat, wird sie in ihrem Haus erdrosselt aufgefunden. Ahnte sie etwas? Kannte sie ihren Mörder?

    Daniel Hawthorne, ehemaliger Polizeioffizier und inzwischen Privatdetektiv im Dienst der Polizei, nimmt die Spur auf. Aber nicht nur den Fall will er lösen, es soll auch ein Buch daraus werden, und dafür wird Bestsellerautor Anthony Horowitz gebraucht. Der wiederum sträubt sich zunächst, ist jedoch schon bald unrettbar in den Fall verstrickt. Fasziniert von der Welt des Verbrechens ebenso wie von dem undurchsichtigen Detektiv und dessen messerscharfem Verstand.

    Ganz im Stil von Holmes und Watson begeben sich Hawthorne und Horowitz auf die Suche nach dem Mörder einer scheinbar harmlosen älteren Frau, in deren Vergangenheit allerdings schon bald dunkle Geheimnisse auftauchen. Eine atemberaubende Jagd beginnt …


    Meine Meinung:

    Der erste Eindruck und der Klappentext waren vielversprechend. Ganz im Stil von Holmes und Watson wird der Fall aus der Sicht eines bekannten Autors geschildert, nämlich aus der von Anthony Horowitz. Daniel Hawthorne ist der geniale Detektiv, der den Schriftsteller gewählt hat, um zum Fall ein Buch zu schreiben. Der Autor war einverstanden und so kommt es zur Zusammenarbeit. Allerdings ist es in der Praxis schwerer als in der Theorie, gemeinsam zu agieren. Grund dafür sind vor allem fehlende Kommunikation und eine gewisse Antipathie der beiden Hauptfiguren. Die Erzählperspektive ist die Sicht des Schriftstellers auf die Dinge, Hawthorne gibt eher rätselhafte Andeutungen von sich und rügt gerne seinen Partner. Gerade auch Informationen über Hawthorne sind von geringer Aussagekraft, da dieser gerne im Hintergrund agiert. Es werden äußere Merkmale beschrieben, der Charakter bleibt im Verborgenen. So agiert der Detektiv mal freundlich, mal aggressiv und Horowitz kann nicht erklären, warum dies so ist. Die Gedanken des Detektivs bleiben unbekannt. Dafür erfährt man etwas mehr über den erfolgreichen Schriftsteller und seine Arbeitsweise. Er ist wie im richtigen Leben auch als Drehbuchautor tätig und trifft bekannte Persönlichkeiten. Man erfährt einiges über seine Wünsche und beruflichen Hoffnungen. Auch er merkt, dass die Zusammenarbeit mit Hawthorne besser sein könnte, erwägt sogar die Zusammenarbeit zu beenden, aber ihn hat der Fall dann doch gefangen genommen.

    Der Fall selber ist durchaus interessant und die Auflösung plausibel. Und doch war ich enttäuscht, weil mir die Figuren nicht nahe gekommen sind. Sie agierten als ob sie auf einer Bühne auftreten würden. Sie wirkten einfach nicht lebendig. Dafür entschädigen auch die zahlreichen Informationen aus dem Medienbereich nicht.


    Fazit:

    Trotz eines interessanten Kriminalfalles war ich enttäuscht, weil mir die Figuren fern blieben. Meine Erwartungen wurden nicht erfüllt. So vergebe ich nur zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten) und spreche keine Leseempfehlung aus.

    Jetzt bin ich auch durch und wie so oft bei historischen Romanen empfinde ich das Ende als zu positiv.

    Fast alles wendet sich zum Guten, nachdem es in diesem Band wirklich knüppeldick über die Beteiligten gekommen ist. Etwas gestört hat mich das Wiederauftauchen von Nikolaus, das es nicht gebraucht hätte. Anastasia, Feodora und Nikolaus stehen einer ungewissen Zukunft in einer Welt gegenüber, die so gar nicht mehr ihre ist. Ihr Weltbild und ihre Wertvorstellungen liegen in Trümmern, aber sie waren auch die Unsympathischen. Beim Rest hatte ich schon mal das Gefühl, dass die Feder dem Dampfhammer die Regie überlassen musste. Bei Katharina, Julius, Alexander, Rebecca und Konstantin wurde ihr Leiden mit einer Glück versprechenden Zukunft belohnt. Gerade Julius hat in wenigen Tagen seine ganzen Ansichten über die Rolle der Frau komplett überarbeitet, ganz im Sinne von was interessiert mich mein Gerede von gestern. Gefallen hat mir die Unterstützung seines Vaters, die er dabei erfahren hat. Gerade dieser achtet Katharina besonders.

    Für das Gesindehaus ist das Positive vielleicht eine Nummer kleiner, aber doch haben sie alle eine Aussicht auf eine glückliche Zukunft. Gerade meiner Lieblingsfigur Albert habe ich diese Entwicklung von Herzen gegönnt. Leider hat es Otto noch in den letzten Kriegstagen erwischt und die beiden Briefe an einem Tag zu erhalten ist schon tragisch.

    Besonders gefallen haben mir viele Kleinigkeiten und Details, wenn etwa Katharina das Schild am Hauseingang der Urbans entsorgt oder der Spaziergang nach der Hochzeit, weil dann Cläre doch nicht im Automobil fahren sollte. Und dann arbeitet Albert ja weiter an der Destabilisierung des Pastors. Gut gemacht, Herr Sonntag. Aber die Autorin hat es auch gut gemacht.

    Nun kommt es für die meisten noch einmal knüppeldick. Katharina findet endlich Julius und dank der finanziellen Kraft der Familie geht es mit ihm aufwärts. Katharina hält ihr Wort und gibt weiterhin das Kindermädchen und die Köchin, obwohl sie in die Villa der Urbans ziehen könnte. Dann macht ihr Julius einen Heiratsantrag und schildert das zukünftige Leben seiner Angetrauten so, wie er es sich vorstellt. Katharina ist entsetzt und lehnt dankend ab. Sie will Medizin studieren und kein Hauspüppchen sein. Das kann Julius momentan noch nicht nachvollziehen, denn er ist doch der Mann im Haus.

    Auf dem Gut stellt Konstantin entsetzt fest, dass er das Gut aus eigener Kraft nicht retten kann, auch weil die Banken keine neuen Kredite vergeben. Diese Nachricht muss er nun allen Bewohnern des Gutes beibringen, die umso ahnungsloser sind, je höher sie gestellt sind.

    Die politische Entwicklung ist rasant und als Höhepunkt gibt es freie und gleiche Wahlen auch für Frauen. Es gibt aber auch jede Menge Extremisten, die die Macht mit Gewalt anstreben. Dazu kommt ein Friedensvertrag, der den Keim eines neuen Krieges in sich trägt, aber auch die Deutschen sind im Osten ähnlich verfahren.

    Allein bei Albert scheint es sich zum Guten zu wenden. Ida ist nun frei und gewillt, seine Frau zu werden. Was der Wittekindt da macht ist einfach nur erbärmlich, aber ich verstehe auch nicht, warum Albert nicht an einem anderen Ort heiratet. Aber so gibt es noch einen Machtkampf und meine Sympathie ich einseitig. Jemand muss diesen Pastor bremsen. Albert erfährt auch die Achtung Konstantins, der ihn als Gutsverwalter einsetzt. Wenn Konstantin Glück hat findet er nach dem Verkauf des Gutes eine ähnliche Stelle. Es gibt derzeit viele, deren Träume und Erwartungen bitter enttäuscht wurden.

    Nun kommt es für die meisten noch einmal knüppeldick. Katharina findet endlich Julius und dank der finanziellen Kraft der Familie geht es mit ihm aufwärts. Katharina hält ihr Wort und gibt weiterhin das Kindermädchen und die Köchin, obwohl sie in die Villa der Urbans ziehen könnte. Dann macht ihr Julius einen Heiratsantrag und schildert das zukünftige Leben seiner Angetrauten so, wie er es sich vorstellt. Katharina ist entsetzt und lehnt dankend ab. Sie will Medizin studieren und kein Hauspüppchen sein. Das kann Julius momentan noch nicht nachvollziehen, denn er ist doch der Mann im Haus.

    Auf dem Gut stellt Konstantin entsetzt fest, dass er das Gut aus eigener Kraft nicht retten kann, auch weil die Banken keine neuen Kredite vergeben. Diese Nachricht muss er nun allen Bewohnern des Gutes beibringen, die umso ahnungsloser sind, je höher sie gestellt sind.

    Die politische Entwicklung ist rasant und als Höhepunkt gibt es freie und gleiche Wahlen auch für Frauen. Es gibt aber auch jede Menge Extremisten, die die Macht mit Gewalt anstreben. Dazu kommt ein Friedensvertrag, der den Keim eines neuen Krieges in sich trägt, aber auch die Deutschen sind im Osten ähnlich verfahren.

    Allein bei Albert scheint es sich zum Guten zu wenden. Ida ist nun frei und gewillt, seine Frau zu werden. Was der Wittekindt da macht ist einfach nur erbärmlich, aber ich verstehe auch nicht, warum Albert nicht an einem anderen Ort heiratet. Aber so gibt es noch einen Machtkampf und meine Sympathie ich einseitig. Jemand muss diesen Pastor bremsen. Albert erfährt auch die Achtung Konstantins, der ihn als Gutsverwalter einsetzt. Wenn Konstantin Glück hat findet er nach dem Verkauf des Gutes eine ähnliche Stelle. Es gibt derzeit viele, deren Träume und Erwartungen bitter enttäuscht wurden.

    Bahnsteigkarten, die Zeit hab ich verpasst. Und ich weiß, dass ich früher schon immer irritiert war, in alten Filmen, dass man sich so eine Karte holen musste. Wusste erst gar nicht, was damit gemeint war.

    Habe ich auch verpasst. Damals bin ich noch nicht Bahn gefahren. Aber bei manchen U-Bahnsteigen ist das Betreten nur mit Fahrkarte gestattet.

    Es geht rasant weiter. Julius bleibt verschwunden und Katharina ist froh, eine Stelle als Kindermädchen und Königin bei einem Arzt zu finden. So langsam denkt sie praktisch. Am freien Tag sucht sie weiter nach Julius. Sie kann nun auch die Zeichen der Straße deuten und weiß, wie man sich in Sicherheit bringt.

    In Greifenau tauchen Arbeiter- und Soldatenräte auf und es drohen russische Verhältnisse. Das ist zu viel für Adolphis, der wie schon einige Figuren vorher Selbstmord begeht. Bei Feodora fürchte ich ähnliches, aber noch hält sie durch. Sie lebt nun in einer Welt, die nichts mehr mit der zu tun hat, in der sie aufgewachsen ist.

    Wittekindt nimmt Feodora die Rolle des Bösewichts ab. Er hetzt Soldaten auf Albert, der nur mit Mühe und dank Eugens Eingreifen überlebt. Es wäre auch zu traurig gewesen. Jetzt sucht er nach Ida,

    Als Wittekindt von der Hochzeit von Rebecca und Konstantin erfährt, betreibt er die Entlassung der Dorflehrerin. Sie und Konstantin widersetzen sich, aber es nutzt ihnen nichts. So kommt es zur Idee, einige Waisenkinder aufzunehmen.

    Konstantin muss sich nun um das Gut kümmern und er erkennt, wie schlimm die Lage wirklich ist. Zur Beerdigung versammeln sich alle gräflichen Kinder bis auf Katharina, selbst Nikolaus und Alexander finden zurück. Konstantin muss unangenehme Gespräche führen, aber die Lage wirkt trostlos.

    Katharina ergreift wieder die Flucht und ist diesmal besser vorbereitet. Es zeigt sich aber, dass sie nachrichtentechnisch total abgeschnitten gelebt hat. Auch ist sie weiterhin zu vertrauensselig. Aber was für eine Enttäuschung ist ihre Begegnung mit dem Vater von Julius. Im Bestreben nach dem Besten für ihr Kind ähnelt er Feodora. Seine Meinung von Katharina ist sehr schlecht und Katharina erlebt in wenigen Tagen einen sozialen Abstieg sondergleichen. Wo ist Julius abgeblieben?

    Für Adolphis und Feodora kommt es knüppeldick. Tochter weg, Konstantin wieder da, aber mit einer Bürgerlichen verheiratet. Das ist Zuviel für dieses tragikomische Paar. Konstantin enterben und aus dem Haus werfen. Alles wieder gut. Dann taucht Ludwig auf, um Katharina zu heiraten und mit ins Exil des Kaisers zu nehmen. Da brechen Welten zusammen! Ludwig will Rache üben, wird aber durch einen Unfall aufgehalten. Trotz aller Bedenken wegen Hedwig versucht Albert, ihn zu retten. Aber ist es Gerechtigkeit oder nur Zufall. Kutscher und Pferde können gerettet werden, Ludwig nicht.

    Im Gesindebereich wird die Abdankung verspätet wahrgenommen, aber bedeutsamer ist der Entfall der Gesindeordnung, die das Gesinde in sklavenartigen Verhältnisse gebracht hat, zwar bezahlt, aber sonst fast rechtlos. Wie lange wird die Freude anhalten, denn das Gut ist ohne Heirat bankrott und alle stehen vor einer ungewissen Zukunft, egal welchen Standes sie sind.

    Es ist erstaunlich, wie schnell sich Gesellschaftsstrukturen in Kriegszeiten ändern können.