Beiträge von wampy

    Solide und bodenständige Krimikost mit sympathischen Figuren


    Buchmeinung zu Gisela Garnschröder – Dünen, Diebe, Dorfgeplänkel


    „Dünen, Diebe, Dorfgeplänkel“ ist ein Kriminalroman von Gisela Garnschröder, der 2020 bei Midnight erschienen ist. Dies ist bereits der neunte Fall für die beiden ermittelnden Schwestern Steif und Kantig.


    Zum Autor:

    Gisela Garnschröder wurde im Oktober 1949 in Herzebrock in Ostwestfalen geboren, aufgewachsen ist sie dort auf dem elterlichen Bauernhof. Viele Jahre war die Autorin als Verwaltungsangestellte in einer Justizvollzugsanstalt tätig. Immer war das Schreiben ihre Lieblingsbeschäftigung. Seit 1984 veröffentlichte sie Gedichte, Kurzgeschichten und Kriminalromane in verschiedenen Verlagen.


    Klappentext:

    Endlich Urlaub! Das denken sich nicht nur Isabella Steif und Charlotte Kantig, als sie auf Langeoog ankommen, sondern auch Hauptkommissar Meier, der ebenfalls an der Nordsee weilt. Doch nach einem Glas zu viel wacht der Polizist eines Morgens in einem Strandkorb auf: Dienstausweis, Handy, Geld und Uhr sind weg. Nicht nur ärgerlich, sondern auch peinlich, weil ausgerechnet Steif und Kantig ihn dort finden. Noch schlimmer: Als am Tag darauf eine Leiche in den Dünen entdeckt wird, sind die beiden Seniorinnen auch nicht weit. Währenddessen geht in Oberherzholz auch noch eine Betrügerbande um. Die örtlichen Dorfpolizisten haben alle Hände voll zu tun. Zum Glück steigen Isabella und Charlotte mit Balu direkt in die Ermittlungen ein. Doch jede Spur scheint ins Leere zu laufen und die Verbrecher zeitgleich überall zu sein …


    Meine Meinung:

    Dies ist meine erste Begegnung mit den beiden Schwestern Isabella und Charlotte, die als pensionierte Lehrerinnen im Münsterland leben. Der Schreibstil passt zum Münsterland, er hat einen Hauch von steif und kantig. Viel Raum wird den Alltagsaktivitäten der beiden rüstigen Seniorinnen gewidmet. Sie kaufen ein, gehen mit dem Hund Balu spazieren und beobachten die Umwelt aufmerksam mit neugierigen Augen. Ein weiterer Strang ist Burghard Meier, dem Leiter der örtlichen Polizeidienststelle, gewidmet. Er ist im Urlaub auf Langeoog ausgeraubt worden und den beiden Schwestern im leicht verwirrtem Zustand begegnet. Und schon ermitteln die beiden Schwestern. Das Tempo der Handlung ist gemütlich und der Leser ist den Ermittlern immer ein Stück voraus, weil sich die Schwestern und der Kommissar nicht über die Ergebnisse austauschen. Die drei Hauptfiguren wirken sympathisch, haben kleine aber liebenswerte Macken und sind keine Superermittler. Es gibt einige falsche Spuren und als eine der Schwestern in Gefahr gerät wird es dramatisch.


    Fazit:

    Ein angenehm zu lesender Krimi mit sympathischen Figuren, beim dem sich die Geschichte ruhig und gemächlich entwickelt. Es ist solide Krimikost, die ich mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten) bewerte. Ich kann das Buch als entspannte Wochenendlektüre empfehlen.



    ASIN/ISBN: B08L69K11W

    Ein ungewöhnlicher Actionthriller, der mit vielen Gegensätzen überrascht


    Buchmeinung zu David Gordon – Blutige Rache


    „Blutige Rache“ ist ein Thriller von David Gordon, der 2019 im dp Verlag in der Übersetzung von Tobias Eckerlein erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „The Bouncer“ und ist 2018 erschienen. Die ungekürzte Lesung durch Dietmar Wunder ist 2020 bei dp audiobooks erschienen.


    Zum Autor:

    David Gordon hat einen Abschluss in englischer und vergleichender Literaturwissenschaft und kreativem Schreiben von der Columbia University. Damit war er unter anderem in den Bereichen Film, Mode, Verlagswesen und Pornografie tätig.

    Sprecher:

    Dietmar Wunder hat mich wieder einmal begeistert. Seine Stimme ist einzigartig und wenn es zur Sache geht, erhöht er das Lesetempo ein bisschen und sorgt für zusätzliches Tempo.

    Klappentext:

    Joe Brody ist nur ein ganz normaler hochgebildeter Ex-Militär und jetzt Türsteher in einem New Yorker Striptease-Club, der von seinem besten Freund und Mafiaboss Gio Caprisi geleitet wird. Alles läuft super für Joe - bis er im Zuge einer Drogen-Razzia im Stripclub verhaftet wird. Nach seiner Freilassung überschlagen sich die Ereignisse, denn in der Unterwelt gab es einen folgenschweren Raub, für den sich nicht nur die CIA interessiert, sondern der auch zu einem Plan gehört, der ganz New York ins Chaos stürzen könnte...


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich in weiten Teilen überrascht. Es ist einerseits – wie erwartet – ein Actionthriller und andererseits hat es genreuntypisch viele Nebenhandlungen. Joe Brody war beim Militär in einer Sondereinheit und leidet an psychischen Störungen, die er mit Drogen bekämpft. Meist wirkt er freundlich und sucht Konflikte friedlich zu lösen, aber er kann auch anders. Er ist seit Jugendtagen mit Gio, einem der New Yorker Mafiabosse, befreundet und arbeitet für ihn. Joe wird nicht wirklich tief charakterisiert und seine Kampfeigenschaften sind wesentlich für den Roman. Joe steht aber bei all den Bösewichten auf der guten Seite, wenigstens meist. Aber auch sein Freund Gio überrascht als treusorgenden Ehemann und Vater mit einem pikantem Geheimnis. Dann ist da noch Donna Zamora, die FBI-Agentin, die Joe einerseits verhaften möchte, sich aber auch von ihm angezogen fühlt. Auch Joe hat Gefühle für Donna. Manchmal spielt der Autor mit typischen Zutaten, wenn zum Beispiel Gio von seiner Frau verfolgt wird und Donna, die dies bemerkt, von ihrem Exmann. Es gibt viel Personal, eine komplexe Haupthandlung und diverse Nebenhandlungen. Meist dienen diese auch der Beruhigung nach einer furiosen Actionszene. Neben extrem gewalttätigen Szenen gibt es gefühlsbetontes Familienleben, dem verräterischen Komplizen steht der unbedingte Zusammenhalt anderer Figuren gegenüber. All diese Gegensätze vereinigen sich auch in der Hauptfigur Joe Brody. Vielleicht sind es diese Gegensätze, die ihn sympathisch wirken lassen. Zudem gelingt es dem Autor, den Spannungsbogen auch in den ruhigen Abschnitten hoch zu halten.


    Fazit:

    Mich hat dieser Thriller mit all seinen Gegensätzen ausgezeichnet unterhalten und die herausragende Leseleistung von Dietmar Wunder passt dazu. Trotz manchmal heftiger Gewaltdarstellung vergebe ich deshalb fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten). Eine Hör- bzw. Leseempfehlung kann ich aber nur für Personen aussprechen, die mit der Gewaltdarstellung zurecht kommen.


    ASIN/ISBN: B08L5C81TL

    Nach ordentlichem Auftakt wurde es ärgerkich


    Buchmeinung zu Ole R. Börgdahl – Alles in Blut


    „Alles in Blut“ ist ein Kriminalroman von Ole R. Börgdahl, der 2014 bei neobooks Self-Publishing erschienen ist. Dies ist der Auftakt zur Serie um die Ermittler Bruckner und Halls.


    Zum Autor:

    Ole Roelof Börgdahl wurde am 23.05.1971 in Skellefteå, Provinz Västerbottens, Schweden, geboren. Er wuchs in Skellefteå, Malmö und Lübeck auf.


    Klappentext:

    Er liegt auf dem Bett in einem Hotelzimmer. Er ist nackt und er ist tot. Es gibt keinen Namen, kein Motiv, keine Täter. Kriminaloberkommissar Kurt Bruckner erhofft sich bei diesem acht Jahre alten Cold Case Hilfe vom ehemaligen US-Profiler Tillman Halls. Anstatt aber die Ermittlungen entscheidend weiterzubringen, beschert Halls der Hamburger Kriminalpolizei eine weitere Leiche, die zudem auch noch verschwunden ist. Können Bruckner und Halls das Rätsel dieses ungewöhnlichen Falles lösen?


    Meine Meinung:

    Am Anfang hat mich das Buch positiv überrascht. Das Setting ist ungewöhnlich und die Figuren entwickeln sich. Alles wird aus der Sicht des Immobilienhändlers Tillman Halls erzählt, der früher US-Profiler war. Der Schreibstil ist angenehm und Tillman Halls wirkt glaubwürdig. Kurt Bruckner ist der Polizist, der die Laufarbeit im Hintergrund verrichtet und der seltsam leblos bleibt. Auch Halls wird kaum charakterisiert, der Leser folgt nur seinen Handlungen. Schon das Zusammentreffen von Bruckner und Halls ist eher zufällig und die Zufälle nehmen im weiteren Verlauf überhand. Als sich die Handlung unter die Oberfläche verlagerte wurde es aus meiner Sicht unterirdisch. Was für Spannung sorgen sollte, nahm mir das Lesevergnügen. Ein roter Faden war nicht zu erkennen und die Handlung empfand ich nur noch als ärgerlich.


    Fazit:

    Nach ordentlichem Beginn ging es total daneben. Für mich war kein Plan erkennbar und deshalb gibt es nur einen von fünf Sternen (30 von 100 Punkten). Da war sicherlich mehr drin.

    Sehr düster, mit überzeugenden Figuren


    Buchmeinung zu Judith Arendt – Helle und der falsche Prophet


    „Helle und der falsche Prophet“ ist ein Kriminalroman von Judith Arendt, der 2020 bei Atlantik erschienen ist. Dies ist der dritte Fall für Kommissarin Helle Jespers.


    Zum Autor:

    Judith Arendt schrieb Drehbücher für deutsche Fernsehserien und sieht umso lieber amerikanische. Ihre Leidenschaft gilt dem Kriminalroman, insbesondere dem skandinavischen und britischen. Judith Arendt lebt mit ihrer Familie seit einigen Jahren in der Nähe von München. Ihre beiden ersten Bücher "Unschuldslamm" und "Sündenbock" drehen sich um eine Schöffin in Berlin, die neue Krimireihe um die Polizistin Helle Jespers spielt in Dänemark.


    Klappentext:

    Es ist Oktober und Helle Jespers ist im Urlaub. Doch selbst Pastis, Zigaretten und südfranzösische 18 Grad Lufttemperatur können die dänische Polizeikommissarin nicht davon ablenken, dass es zu still in ihrem Leben zugeht. Hätte sie nach Fredrikshavn zur Polizeibehörde gehen sollen? Zur Mordkommission nach Kopenhagen? Stattdessen hat sie es sich in Skagen zwischen den Dünen in ihrer kleinen Polizeistation gemütlich gemacht.

    Plötzlich klingelt aber mitten im Urlaub Helles Handy. Ihr Kollege Ole hat eine erschütternde Nachricht: Eine enge Freundin ihres Sohnes wurde tot am Strand aufgefunden. Steht die Leiche in Zusammenhang mit einem jungen Paar auf der Flucht in Zusammenhang, das eine Schneise der Verwüstung bis nach Kopenhagen zieht?

    Helle ist klar: Diesen Fall übernimmt sie selbst. Sie steigt in den nächsten Flieger zurück nach Dänemark und beginnt mit den Ermittlungen. Was sie nicht ahnt: dieser Mord war erst der Anfang, und er wird das Leben ihrer Familie betreffen…


    Meine Meinung:

    Es ist keine einfache Geschichte, die hier erzählt wird. Sie ist geprägt von einer düsteren Grundstimmung und erzählt vom Schicksal diverser Menschen im Umfeld und im Einzugsbereich einer Sekte. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, meist folgt der Leser dem Tun und den Gedanken eines Beteiligten. Es gibt viele fallbezogene Handlungsstränge und zusätzlich noch weitere Nebenhandlungen im privaten Bereich der Kommissarin Helle Jespers. Helle ist eine sympathische Frau, die mitten im Leben steht. Sie ist anpackend und vertraut auch ihrem Gespür. Sie ist ausführlich beschrieben mit ihren Stärken und Schwächen. Auf zwei weiteren Schienen wird die Handlung vorangetrieben. Niklas war lange Sektenmitglied und ist zusammen mit einer jungen Frau geflohen. Beide haben lange Zeit in der abgekapselten Welt der Sekte zugebracht und wirken wie aus einer anderen Welt. In einem weiteren Strang begleiten wir Willem, der von seiner Sektenvergangenheit eingeholt wird, der aber den Kampf gegen den Sektenchef Hiob aufnimmt. Obwohl er Polizist ist, teilt er seine Informationen nicht.

    Helle ist eine faszinierende Figur, die durch Hartnäckigkeit und Willen überzeugt. Sie übernimmt auch unangenehme Aufgaben und findet auch Zeit zum Nachdenken. Manchmal wird sie durch ihre Vorgesetzte eingebremst, schafft sich aber auch immer wieder einen gewissen Freiraum. Die Geschichte ist komplex und der Spannungsbogen hat mich überzeugt.

    Manchmal hatte ich das Gefühl, dass zu viele Punkte in den Roman gepackt waren, die dann auch nicht alle abgearbeitet wurden.


    Fazit:

    Ein komplexer Kriminalroman mit einer düsteren Grundstimmung, der vor allem mit seinen Figuren punktet. Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

    Temporeich mit viel Atmosphäre


    Buchmeinung zu Alexander Oetker – Baskische Trägödie


    „Baskische Trägödie“ ist ein Kriminalroman von Alexander Oetker, der 2020 bei Hoffmann und Campe erschienen ist. Dies ist der vierte Fall für Luc Verlain.


    Zum Autor:

    Alexander Oetker, geboren 1982, war langjähriger Frankreichkorrespondent für RTL und n-tv und ist profunder Kenner von Politik und Gesellschaft der Grande Nation. Alexander Oetker lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Berlin.


    Klappentext:

    Jürgen Schäfer, schwäbischer Oberkommissar und Vereinsmitglied seit seiner Kindheit, fiebert auf den 34. Spieltag hin.An den Stränden des Aquitaine werden massenhaft Pakete angespült, gefüllt mit reinstem Kokain. Ein kleines Kind probiert davon - und fällt ins Koma. Commissaire Luc Verlain ermittelt in dem Fall, bis ihn eine geheimnisvolle Nachricht aus dem Baskenland erreicht.

    Luc macht sich auf den Weg gen Süden und findet sich plötzlich auf der anderen Seite wieder. Er wird verhaftet, ausgerechnet wegen des Verdachts auf Drogenschmuggel - und wegen dringendem Mordverdacht. Wer spielt dem Commissaire böse mit? Nach seiner Flucht vor der Polizei über die spanische Grenze hat Luc keine Wahl: Er muss das Spiel eines altbekannten Psychopathen mitspielen. So beginnt in den engen Gassen San Sebastiáns und auf dem stürmischen Atlantik eine teuflische Schnitzeljagd. Um den Plan des Mannes zu durchkreuzen, der um jeden Preis Rache nehmen will, muss Luc alles auf eine Karte setzen.


    Meine Meinung:

    Mehr noch als in den Vorgängerbänden steht der charismatische Luc Verlain im Zentrum der Geschichte. Weitgehend wird die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt. Es entwickelt sich ein Geplänkel zwischen Luc und einem Kriminellen Mastermind, dem es nach Rache dürstet. Ohne Frage ist die Handlung spannend und mit viel Tempo erzählt. Atmosphärische Passagen aus San Sebastian sorgen für Auflockerung und werben gleichzeitig für den Besuch dieser Stadt. Der Autor lässt viele Informationen aus seinem Hauptberuf in die Handlung einfließen. Man fiebert mit Luc mit und Rückblenden auf den damaligen Fall mit seinem Widersacher machen deutlich, dass es für beide Kontrahenten um alles geht. Obwohl Luc schon übermenschlich wirkt, scheint er einen aussichtslosen Kampf zu führen. Zum Ende hin wird das eh schon hohe Tempo noch einmal angezogen und es kommt zum unvermeidlichen Showdown. Eine Stärke des Werks ist die bildhafte Darstellung, fast schon wie im Kino.

    Die Technik des Autors, mit Rückblenden Informationen, aber auch Bewertungen einzufügen, hat mir nicht immer gefallen. Manchmal sind mir Informationen einfach vorsätzlich vorenthalten worden.


    Fazit:

    Rasante Handlung auf einer realen Basis liefert tolle Unterhaltung, aber sie ist leider mit Schwächen in der Figurenzeichnung verbunden. Deshalb vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für Freunde temporeicher Thriller aus.

    Die Ermittler blieben mir fern


    Buchmeinung zu Marta Donato – Schnee vom Gardasee


    „Schnee vom Gardasee“ ist ein Kriminalroman von Marta Donato, der 2020 bei edition tingeltangel erschienen ist. Dies ist bereits der vierte Fall für die Ermittler Antonio Fontanaro und Georg Breitwieser.


    Zum Autor:

    Marta Donato, Germanistin und Kunsthistorikerin, geboren in München, arbeitet seit Jahren für ein Medienunternehmen und als Autorin. Ihre zweite Heimat ist der Chiemgau und ihren Urlaub verbringt sie mit ihrer Familie fast ausschließlich in Italien. Schauplätze für ihre Romane findet sie dort reichlich.


    Klappentext:

    Stille liegt über dem See. Maurizio Bosco lauscht. Er späht in die Nacht, kann nichts Verdächtiges entdecken. Gut. Er dreht sich um und blickt in die Mündung einer Pistole.

    Maurizio Bosco hat beste Espressobohnen geladen, edle Naturkosmetik und feinstes weißes Pulver zur Stimmungsaufhellung. Doch die Lieferung an eine Wohlfühloase am Chiemsee wird nicht ankommen.

    Greta van Holsten, Spross einer Hamburger Kaffeeimporteur-Dynastie, ahnt Schlimmstes: Ist Maurizio, ihr Verlobter, Opfer des eigenen Familienclans geworden? Und wer wird der nächste sein?

    Während den Kommissaren in Verona und Traunstein bei ihren Ermittlungen Steine in den Weg gelegt werden, überschlagen sich die Ereignisse.


    Meine Meinung:

    Das Buch beginnt sehr spannend und wirft von Anfang an viele Fragen auf. Der Schreibstil ist direkt und klar. Die Figurenzeichnung fand ich nicht so gelungen, denn zu beiden Kommissaren wollte sich bei mir keine Bindung einstellen. Sicherlich sind sie in ihr Umfeld eingebunden, aber dennoch fehlt da etwas, denn beide blieben lange Zeit unterkühlt. Bei Greta van Holsten war es umgekehrt, sie wirkte auf mich psychisch überdreht. Die Kriminellen und ihre Familien waren mir zu negativ gezeichnet. Bei ihnen zeigte sich kaum ein positives Häppchen. Erst im weiteren Verlauf der Geschichte brachten sich die Mitarbeiter der Kommissare ein. Ich hatte das Gefühl, dass sich die Autorin erst spät warm geschrieben hatte. Positiv fand ich den kapitelweisen Wechsel zwischen Italien und Deutschland. Auf italienischer Seite sorgte das Auftreten des Chefs der Drogenabteilung und des römischen Staatsanwalts für einige Auflockerungen. Auf deutscher Seite füllten diese Rolle die charmante Staatsanwältin und die Mutter des Kommissars aus. Die Spannung nahm zum Ende hin deutlich zu und die Auflösung war stimmig.


    Fazit:

    Nach einem guten Start fehlte es eine Zeitlang an Überraschungen, aber das Ende fand ich okay. Meine Bewertung lautet drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten), aber ich sehe Potential für mehr.


    ASIN/ISBN: B08JCH9FCT

    Angenehm, aber fast ohne Ecken und Kanten


    Buchmeinung zu Marlene Averbeck – Das Lichtenstein: Modehaus der Träume


    „Das Lichtenstein: Modehaus der Träume“ ist ein Roman von Marlene Averbeck, der 2020 bei dtv erschienen ist. Die leicht gekürzte Lesung durch Sandra Voss ist 2020 im Audiobuch Verlag erschienen.


    Zum Autor:

    Marlene Averbeck studierte Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Sie arbeitet als freie Autorin und Rechercheurin für Film und Fernsehen und lebt mit ihrer Familie in Berlin

    Sprecher:

    Sandra Voss macht einen guten Job.

    Klappentext:

    1913: Im Herzen Berlins bietet ""Das Lichtenstein"" ein breites Sortiment, vor allem aber solide Damenkleidung. Das kleine Warenhaus ist ein vielfältiger Mikrokosmos, in dem unterschiedlichste Menschen aufeinander treffen: Das Ladenmädchen Hedi taucht in die Welt der Mode ein, die Näherin Thea hingegen hat nur Augen für Ludwig. Er, der jüngere Sohn des Hauses, will den Status Quo wahren. Sein Bruder Jacob hat wiederum große Pläne, wie er das Lichtenstein gegen die nahezu übermächtige Konkurrenz der Stadt in die Zukunft führen kann. Gegen alle Widerstände beginnt er, seine Ideen umsetzen. Dann geht das Lichtenstein in Flammen auf und damit die Existenz aller Angestellten und der Inhaberfamilie


    Meine Meinung:

    Der Einstieg fiel mir leicht und die beiden jungen Damen Hedi und Thea wirken sehr sympathisch. Der Schreibstil ist flüssig und gefühlsbetont. Insgesamt fehlen mir aber die Grautöne und dadurch fehlt es an Überraschungen. Auch dreht sich alles lange Zeit nur um das Modehaus und Menschen, die direkt damit zu tun haben. Auch hier klingt es eher nach Friede, Freude, Eierkuchen. Politische Entwicklungen werden kaum geschildert. Zwei große Ereignisse bringen dann Spannung ins Buch – das Feuer im Lichtenstein und der erste Weltkrieg. Alles wirkt weichgezeichnet, bis dann Hedis Mann aus dem Krieg zurückkehrt. Das waren harte Wechsel, aber nur für kurze Zeit. Dann wird es wieder recht vorhersehbar. Der Vortrag der Sprecherin ist sehr gut und angenehm zu verfolgen. Auch die Geschichte bleibt angenehm trotz einiger dunklen Passagen.


    Fazit:

    Diese Geschichte war vor allem angenehm zu konsumieren, aber überzeugt hat sie mich nicht. Deshalb bewerte ich das Buch mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: 3958625800

    Eine Wanderung über Genregrenzen


    Buchmeinung zu David Gordon – Tödlicher Coup


    „Tödlicher Coup“ ist ein Thriller von David Gordon, der 2020 im dp Verlag in der Übersetzung von Tobias Eckerlein erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „The Hard Stuff“ und ist 2019 erschienen.


    Zum Autor:

    David Gordon hat einen Abschluss in englischer und vergleichender Literaturwissenschaft und kreativem Schreiben von der Columbia University. Damit war er unter anderem in den Bereichen Film, Mode, Verlagswesen und Pornografie tätig.


    Klappentext:

    Joe Brody, ehemaliger Experte für verdeckte Operationen beim Militär und jetziger Strip-Club-Türsteher, hat sich noch nicht von seinem letzten Auftrag erholt, da bekommt er schon den nächsten Anruf: Die Mafia-Bosse brauchen seine Hilfe, um eine Gruppe Dealer zu betrügen. Mit deren Erlösen des Drogenhandels soll die Terror-Organisation Al-Qaida unterstützt werden. Zusammen mit Joe muss der Mafia-Allianz nun ein komplizierter Coup in New Yorks Diamond District gelingen. Auf dem Spiel stehen dabei allerdings nicht nur ihre Geschäfte, sondern die Sicherheit der ganzen Welt …


    Meine Meinung:

    So recht passt das Buch nicht in eine einzige Form. Natürlich ist es vor allem ein Thriller mit den üblichen Merkmalen eines sympathischen Helden mit besonderen Qualitäten, den man den ein oder anderen, auch größeren, Gesetzesverstoß verzeiht. Ungewohnt für dieses Genre ist eine recht umfangreiche Rahmenhandlung und auch diverse Grautöne bei den Figuren. Auch Beziehungen, die über reinen Sex hinausgehen, werden beschrieben. Dadurch habe ich mehr Empathie für einzelne Figuren entwickelt. Auch waren dies Zeiten der Erholung für die teils sehr harten Actionszenen. Geärgert habe ich mich über die Verharmlosung mancher Aktivitäten der vermeintlich „Guten“. Die Actionszenen sind rasant und spannend beschrieben, die Verbindungsstücke sind durchaus interessant. Gefallen haben mir Beschreibungen aus dem Leben der kriminellen Bosse, in denen ein fast normales Privatleben mit Sorgen und Nöten gezeigt wird. Trotzdem ist der Spagat zwischen Krimi und Actionthriller nicht immer gelungen.


    Fazit:

    Der Spagat zwischen Actionthriller und Kriminalroman gelingt nicht immer, ist aber recht unterhaltsam. Ich vergebe drei von fünf Sternen (65 von 100 Punkten) mit der Tendenz nach oben. Ich werde diese Serie weiterhin verfolgen, denn die Grundidee bietet Potential für mehr.


    ASIN/ISBN: B08D3Y88J8

    Das Leben in einem Dorf während des ersten Weltkriegs


    Buchmeinung zu Petra Durst-Benning – Die Fotografin: Die Stunde der Sehnsucht


    „Die Fotografin: Die Stunde der Sehnsucht“ ist ein Roman von Petra Durst-Benning, der 2020 bei Blanvalet erschienen ist. Dies ist der vierte Band der Fotografinnen-Saga.


    Zum Autor:

    Petra Durst-Benning wurde 1965 in Baden-Württemberg geboren. Seit über zwanzig Jahren schreibt sie historische und zeitgenössische Romane. Fast all ihre Bücher sind SPIEGEL-Bestseller und wurden in verschiedene Sprachen übersetzt. In Amerika ist Petra Durst-Benning ebenfalls eine gefeierte Bestsellerautorin. Sie lebt und schreibt abwechselnd im Süden Deutschlands und in Südfrankreich.


    Klappentext:

    Münsingen, 1914. Mimi und Anton sind inzwischen Geschäftspartner geworden, die sich erfolgreich auf der Schwäbischen Alb etabliert haben. Während auch Mimis Freunde Bernadette, Corinne und Alexander voller Tatendrang sind, verschärft sich das politische Klima in Deutschland zunehmend. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges zerstört jäh ihre Träume, und auf einmal ist nichts mehr, wie es war. Während die Männer an die Front ziehen müssen, ist in Münsingen die Stunde der Frauen gekommen, die das verwalten, was die Männer hinterlassen haben. So werden Corinne und Mimi gar zum einzigen Rettungsanker für ihr Dorf, und ein weiteres Mal ist der starke Zusammenhalt zwischen den Frauen gefragt. In dieser dunklen Zeit erkennt nicht nur Mimi, was zählt im Leben und für wen ihr Herz wirklich schlägt ...


    Meine Meinung:

    Auch als Quereinsteiger hatte ich keine Verständnisprobleme, aber natürlich habe ich die mögliche Weiterentwicklung der Figuren nicht zur Gänze nachvollziehen können. Auf der Schwäbischen Alp läuft alles in geregelten Bahnen, auch wenn es den ein oder anderen Problempunkt gibt. Aber dann kommt der Krieg und alle Männer wollen unbedingt dabei sein. Die Euphorie ist riesengroß und alle glauben an den Sieg noch vor Weihnachten. Dann sind die Männer weg und Bernadette ersetzt den Bürgermeister. So rücken die Frauen mehr und mehr in typische Männerpositionen. Die Frauen erleben Hunger und Leid, aber der Zusammenhalt unter ihnen wächst. Anton ist Sanitäter und bekommt das Leid der Verwundeten aus erster Hand mit. Seine Schilderungen sind ein Appell für Menschlichkeit und gegen den Krieg. Corinne ist schwanger und erfährt vom Tod ihres Mannes. Nur mühsam gelingt es Mimi, Bernadette und Corinne die Zeit der Not zu überstehen. Am Beispiel des Künstlers Paon wird deutlich, dass es auch Menschen gibt, die vom Krieg nicht belastet werden.

    Der Schreibstil ist empathisch und lässt das Leid der Menschen spüren. Es gibt aber auch kleine Lichtblicke, die den Menschen viel bedeuten. Auch in Zeiten wie diesen bleiben Liebesbeziehungen ein Thema. Die Autorin zeichnet ein beeindruckendes Bild von starken Frauen und ihrem Zusammenhalt, aber die beeindruckendste Figur ist für mich Anton. Ein bisschen getrübt wird der gute Eindruck für mich durch fehlende Grautöne bei den Frauen.


    Fazit:

    Ein starker Roman über die Auswirkungen des Krieges auf ein Dorf und seine Bewohner, dem ich gerne vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) gebe.

    Ein gelungener Cosy-Krimi, der als Hörbuch noch gewinnt


    Buchmeinung zu Rhys Bowen – Tödliches Idyll


    „Tödliches Idyll“ ist ein Kriminalroman von Rhys Bowen, der 2005 im btb Verlag in der Übersetzung von Barbara Häusler als „Tödliche Idylle“ erschienen ist. Die überarbeitete Neuauflage ist 2018 bei dp DIGITAL PUBLISHERS erschienen. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Evans Above“ und ist 1997 erschienen. Das ungekürzte Hörbuch wird von Omid-Paul Eftekhari gesprochen und ist 2020 bei dp audiobooks erschienen.


    Zum Autor:

    Rhys Bowen wurde in Bath, England, geboren, studierte an der London University, heiratete in eine Familie mit historischen königlichen Verbindungen und verbringt nun ihre Zeit im Norden von Californien und Arizona. Zunächst schrieb sie Kinderbücher, doch auf einer Reise in ihre malerische walisische Heimat fand sie die Inspiration für ihre Constable-Evans-Krimis. Diese Kriminalgeschichten sind mittlerweile Kult und wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.

    Sprecher:

    Omid-Paul Eftekhari macht einen wunderbaren Job und verdient fünf Sterne für seinen Vortrag.

    Klappentext:

    Ruhe und Beschaulichkeit sind alles, was sich Constable Evan Evans wünscht, als er sich in das kleine walisische Dorf Llanfair versetzen lässt. Das schlimmste Verbrechen, das dort jemals begangen wurde: der Raub eines Apfelkuchens. Doch dann verunglücken zwei Touristen in den malerischen Bergen tödlich. Während alle an einen Unfall glauben, ist sich Constable Evans sicher, dass die beiden ermordet wurden. Nur von wem?

    Milchmann-Evans, Tankwart-Roberts und Mrs Powell-Jones haben es manchmal faustdick hinter den Ohren. Genau wie Betsy, die im Pub Red Dragon arbeitet und dem Constable schöne Augen macht. Obwohl Evan nicht glauben möchte, dass jemand von den liebenswert-kauzigen Bewohnern Llanfairs der Mörder ist, nimmt er seine Ermittlungen auf...


    Meine Meinung:

    Der Auftakt zur Serie um den walisischen Dorfpolizisten Evan Evans hat mich von Anfang an überzeugt. Die Charaktere sind eher kauzig als tief gezeichnet. Evan hat sofort meine Sympathie gewonnen. Er ist Junggeselle und wird von Betsy aus dem Pub und von der Dorflehrerin auf unterschiedliche Art umworben. Er ist durch und durch mit seiner Heimat und der dortigen Natur verbunden. So glaubt er nicht an die Unfalltheorie als ein Toter in den Bergen gefunden wird. Er ist hartnäckig, spricht mit den Bewohnern und kann vor allem zuhören. Es gibt eine Reihe von Personen, die nicht das sind, was sie vorgeben zu sein. Dazu kommen einige dörfliche Überreaktionen und Evan soll sich nach Ansicht mancher Bewohner um örtliche Probleme kümmern. Evan nimmt eine Spur auf und in den Bergen kommt es zum Showdown mit dem Täter.

    Bis dahin lebt die Geschichte von der dörflichen Atmosphäre, kleinen Zwischenergebnissen und örtlichen Ereignissen. Jederzeit spürt man die Liebe, mit der die walisischen Figuren beschrieben werden. Auch der Mix zwischen Nebenhandlungen und Kriminalfall passt. Der Kriminalfall wird vollständig aufgeklärt. Das Erzähltempo ist eher gemütlich und die Spannung überschaubar.



    Fazit:

    Mich hat dieser Cosy-Krimi nit seiner gelungenen Mischung gut unterhalten und der Vortrag des Sprechers ist ein Genuss. Deshalb bewerte ich das Hörbuch mit sehr guten vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde ruhiger Erzählungen aus, besonders das Hörbuch ist ausgezeichnet.


    ASIN/ISBN: B089C5744V

    Die Faszination der Vorgänger fehlt


    Buchmeinung zu Ulrike Renk – Träume aus Samt


    „Träume aus Samt“ ist ein Roman von Ulrike Renk, der 2020 im Aufbau Verlag erschienen ist. Dies ist der vierte Teil der Seidenstadt-Saga.


    Zum Autor:

    Ulrike Renk, Jahrgang 1967, studierte Literatur und Medienwissenschaften und lebt mit ihrer Familie in Krefeld. Familiengeschichten haben sie schon immer fasziniert, und so verwebt sie in ihren erfolgreichen Romanen Realität mit Fiktion.


    Klappentext:

    August, 1940. Amerika soll für Ruth Meyer und ihre Familie das Land der Freiheit werden. Endlich haben sie es geschafft, aus Europa zu fliehen. Doch wird man sie als deutsche Juden in der Fremde willkommen heißen? Die Zeichen stehen zunächst nicht zum Besten. Kaum am Hafen angekommen fällt Ruths Vater auf Betrüger herein. In Chicago, der vorerst letzten Station ihrer Odyssee, versucht Ruth sich einzurichten und Arbeit zu finden. Immer sind ihre Gedanken bei ihren Verwandten, die in Deutschland zurückbleiben mussten. Bald aber hat sie noch andere Sorgen. Ein junger Mann wirbt um sie – leider ist er Soldat und muss in die Hölle des Krieges, der sie gerade entkommen ist.


    Meine Meinung:

    Die Fortsetzung der Geschichte um die jüdische Familie Meyer spielt fast ausschließlich in den USA. Ereignisse in Krefeld werden nur kurz gestreift. Vielleicht ist das der Grund, warum mir dieser Teil weniger gut wie die Vorgänger gefallen hat. Weitgehend wird die Geschichte aus der Sicht Ruth Meyers erzählt. Sie ist der direkten Bedrohung entkommen und leben sich nun in ihrer neuen Heimat ein. Es wird deutlich, dass sie in Chicago auf niedrigem Niveau durchstarten müssen. Ruth gelingt dies besser als ihren Eltern, die Sicherheit und Anerkennung bei jüdischen Familien finden, die bereits einige Zeit vorher in der neuen Welt angekommen sind. Gerade von Ruth und ihrer Schwestern werden Opfer für die Familie eingefordert. Ruth bewegt sich anfänglich auch in fremden Kulturen, empfindet diese aber als oberflächlich. Dann lernt sie ihren zukünftigen Mann kennen, der als Soldat unterwegs ist. Die Beziehung entwickelt sich sehr zögerlich und zieht sich lange als treibende Kraft durch das Buch. So sehr ich der gebeutelten Ruth diese Liebe gegönnt habe, so sehr ändert diese aber auch den Fokus der Handlung und dies hat mir nicht gefallen. Der Schreibstil passt sich auch in diese Richtung an. War Ruth bisher die treibende Kraft der Familie und hat dafür ohne Kompromisse gekämpft, so wird sie nun zur Getriebenen der Familieninteressen. Auch in Ruths Auftreten und Aussagen wird dies deutlich. Das hat mir weniger gefallen, weil Ruths unbedingter Wille verloren gegangen scheint. So wird aus einer kraftvollen Erzählung eine eher biedere Liebesgeschichte.


    Fazit:

    Die Faszination der ersten Teile hat sich bei mir nicht mehr eingestellt und deshalb bewerte ich das Buch mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).

    Düster, ruhig und süchtig machend


    Buchmeinung zu Tom Finnek – Rauchland


    „Rauchland“ ist ein Kriminalroman von Tom Finnek, der 2020 bei beTHRILLED erschienen ist. Dies ist der vierte Band der Münsterlandreihe um Heinrich Tenbrink und Maik Bertram.


    Zum Autor:

    Tom Finnek (Pseudonym des Autors Mani Beckmann) wurde 1965 in Westfalen geboren und lebt als Filmjournalist, Drehbuchlektor und Schriftsteller in Berlin. Unter dem Namen Mani Beckmann erschienen neben einigen Berlin-Krimis seine historischen Moor-Romane, die im Münsterland angesiedelt sind. Unter dem Pseudonym Tom Finnek schreibt er seit 2009 historische London-Romane und Münsterland-Krimis. Tom Finnek/Mani Beckmann ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.


    Klappentext:

    In einer kalten Rauhnacht, nahe der niederländischen Grenze: Ein alter Bauernkotten steht lichterloh in Flammen, und die Leiche des Bauern liegt ­mit eingeschlagenem Schädel vor dem Haus. Oberkommissar Maik Bertram und seine Kollegen können den vermeintlichen Mörder bald fassen: Schultewolter, der vor Jahren auch den inzwischen pensionierten Heinrich Tenbrink niedergeschlagen hat. Doch Zeugen haben gesehen, wie Schultewolter den Toten aus dem brennenden Haus gezerrt hat. Warum würde ein Mörder sein Opfer retten wollen?


    Meine Meinung:

    Auch dieses Buch überzeugt wie die Vorgänger durch die gelungene Mischung zwischen Kriminalfall und Weiterentwicklung der Figuren. Auch wenn das Buch für Neueinsteiger verständlich bleibt, so ist die Kenntnis der Vorgänger von Nutzen. Die beiden Hauptfiguren sind tief gezeichnet und haben die ein oder andere Macke. Einige Aspekte werden aufgegriffen und weitergeführt. Dabei schont der Autor seine Helden nicht, gönnt ihnen aber auch erholsame Passagen. Einige typisch münsterländische Traditionen und Verhaltensweisen sind gelungen in die Handlung integriert. Der Fall kommt erst langsam in Bewegung und Bertram und Tenbrink nähern sich ihm auf recht unterschiedlichen Wegen. Der pensionierte Tenbrink sucht Gespräche auch an ungewohnten Orten, während Bertram eher auf klassische Polizeiarbeit setzt. Beide tauschen sich aber aus und so entflechten sie das Dickicht. Über große Strecken wird der Roman von dunklen Themen beherrscht, die nur sparsam von viel Atmosphäre und gelegentlichen amüsanten Episoden aufgelockert werden. Die Figuren bieten aber weiterhin Raum für Überraschungen und ich glaube, dass die Geschichte der beiden ungleichen Ermittler noch nicht auserzählt ist.


    Fazit:

    Mich haben Tenbrink und Bertram wieder in ihren Bann gezogen. Dazu gibt es viel Atmosphäre, einen durchaus ansprechenden Kriminalfall und etliche Überraschungen in der Entwicklung der Figuren. Gerne vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Buchmeinung zu Saskia Louis – Mordsmäßig verkatert


    „Mordsmäßig verkatert“ ist ein Kriminalroman von Saskia Louis, der 2019 bei dp DIGITAL PUBLISHERS erschienen ist. Das ungekürzte Hörbuch wird von Tanja Lipinski gelesen und ist 2020 erschienen. Dies ist der fünfte Fall für Louisa Manu.


    Zum Autor:

    Saskia Louis lernte durch ihre älteren Brüder bereits früh, dass es sich gegen körperlich Stärkere meistens nur lohnt, mit Worten zu kämpfen. Auch wenn eine gut gesetzte Faust hier und da nicht zu unterschätzen ist... Seit der vierten Klasse nutzt sie jedoch ihre Bücher, um sich Freiräume zu schaffen, Tagträumen nachzuhängen und den Alltag einfach mal zu vergessen.

    Sprecher:

    Tanja Lipinski überzeugt.

    Klappentext:

    In Louisa Manus Wohnzimmer liegt eine Leiche. Das ist gleich doppelt problematisch, denn Lou wird nicht nur zu spät zum Sonntagsbrunch kommen, sie steht auch urplötzlich unter Mordverdacht. Leider fällt es ihr schwer abzustreiten, die Frau getötet zu haben, da sie sich partout nicht daran erinnern kann, was am vergangenen Abend passiert ist. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als ihre Unschuld selbst zu beweisen. Zur Sicherheit zieht sie vorübergehend aus dem Tatort aus und bei Kommissar Rispo ein … und das bringt ganz eigene, nervenaufreibende Probleme mit sich.


    Meine Meinung:

    Auch dieses Buch versucht den Spagat zwischen Humor und Kriminalfall. Dies gelingt über eine gewisse Strecke ganz gut, zumindest wenn man den eher brachialen Humor mag. Leise Töne und ruhige Ermittlungsarbeiten sind nicht Gegenstand dieses Werks. Die Hauptfigur Louisa Manou ist eine Chaotin, die sympathisch wirkt. In ihrem Umfeld wimmelt es von skurrilen Figuren, die alle nur grob charakterisiert sind. Dafür folgen die Figuren meist konsequent ihrer ersten Idee, auch wenn dies zu Problemen führen muss. Der Kriminalfall hat auch etwas zu bieten und dann gibt es tatsächlich ein Zwischenspiel mit leiseren Tönen. Ein Highlight liefert aber der Vortrag der Sprecherin Tanja Lipinski, der mir sehr gefallen hat.


    Fazit:

    Louisa Manou und der brachiale Humor konnten mich im Gegensatz zur Sprecherin nicht überzeugen. Dank Tanja Lipinskis Vortrag vergebe ich dennoch drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B089DLKSZ6

    Aus "unserer" Sicht sind sie natürlich fies, aber ganz ehrlich - was denken die sich denn? Sie haben gegen diese Menschen Krieg geführt, wollten sie umbringen und halten sie nun gefangen. Was war ihr Verbrechen? Nichts anderes als das, was die Deutschen auch tun. Und dann sollen sie auch noch für sie knechten? Also ich kann die Menschen schon verstehen und finde das ganze Konzept von Kriegsgefangenschaft menschenverachtend.

    Klar, es trifft Bernadette in diesem Moment sehr hart, weil es ihre letzten Kartoffeln waren. Aber dennoch hat diese Geschichte wirklich zwei Seiten.

    Gerade Kriegsgefangenschaft ist nicht menschenverachtend, denn was ist die Alternative? Umbringen? Frei lassen, damit sie wieder in den Krieg ziehen?

    Die Gefangenen werden nach den Genfer Konventionen behandelt, haben sogar eine sinnvolle Beschäftigung und dann das. Die Gefangenen erwarten ja auch eine angemessene Verpflegung und sabotieren ihre Grundlagen. Zudem durften sie sich frei bei ihrem Arbeitseinsatz bewegen. Als Lutz von Strafmaßnahmen sprach hatte ich die Befürchtung, dass es zumindest einen Toten geben würde.

    Das Gleichgewicht zwischen Fall und Nebenhandlungen wird erst spät gefunden


    Buchmeinung zu Jan Jacobs – Die Tote in der Gracht


    „Die Tote in der Gracht“ ist ein Kriminalroman von Jan Jacobs, der 2020 im Knaur Verlag erschienen ist. Dies ist der zweite Band um die eigenwillige Kommissarin Griet Gerritsen.


    Zum Autor:

    Jan Jacobs (*1975) ist in den Niederlanden aufgewachsen und hat dort studiert. Er arbeitete als Journalist und betreute als Verlagslektor Kriminalromane und Thriller, bevor er sich als Schriftsteller selbständig machte. Privat ist er von Gesetzeshütern umgeben, seine Schwägerin und sein Nachbar sind Polizisten. Familienurlaube führen ihn fast immer an die Strände oder auf die Inseln seiner zweiten Heimat Holland. In seiner Freizeit segelt er am liebsten auf dem Ijsselmeer.


    Klappentext:

    In Holland hält ein Winter Einzug, wie es ihn seit Jahrzehnten nicht mehr gab: Die Windmühlen stehen still, Schnee bedeckt das weite Land, und auf den Grachten bildet sich eine dicke Eisschicht. Ist das seit 1997 die erste Gelegenheit für Hollands nationalen Mythos, den Elfstädtelauf? Das längste und härteste Schlittschuh-Rennen der Welt auf Natureis führt über 200 Kilometer gefrorene Grachten.

    Noch während das Planungskomitee darüber streitet, ob die Eisdecke wirklich sicher ist, wird in einer Gracht eine tote Reporterin entdeckt – vergiftet, wie sich herausstellt. Die Ermittlungen führen Kommissarin Grit Gerritsen und ihr Team zu einer Gruppe von Verdächtigen, die alle in die Organisation des Elfstädtelaufs eingebunden sind. Und sie haben noch etwas gemeinsam: Jeder von ihnen nahm am letzten Rennen 1997 teil.

    Was ist damals geschehen, das keinesfalls ans Licht kommen soll?


    Meine Meinung:

    Meine erste Begegnung mit Griet Gerritsen verlief nicht störungsfrei, wurde aber im Laufe der Handlung entspannter. Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig und ändert sich sprachlich. Sind zu Beginn noch ganze Sätze oder längere Ausdrücke auf friesisch oder niederländisch, so sind es bald nur noch einzelne Worte. Die Verständlichkeit des Textes ist aber gegeben. Anfänglich werden friesische Besonderheiten ausführlich besprochen und vor allem die Bedeutung des Wasser wird hervorgehoben. Das Land ist von vielen Kanälen und Wasserstraßen durchzogen, die auch für Wohnboote genutzt werden. So wird auch die Bedeutung des Elfstedentocht, eines Schlittschuhrennens über die zugefrorenen Kanäle, verständlich.

    Griet und ihre Kollegen Pieter und Naomi bilden ein eingespieltes Team, sind aber durch persönliche Probleme eingeschränkt. Griet soll sich um ihre Tochter kümmernund ist damit überfordert. Pieter ist ein Familienmensch und gerade dies bringt ihn in Schwierigkeiten. Er bleibt aber der Sympathieträger des Teams. Die Figurenzeichnung der Polizisten ist mit etlichen Grautönen ansprechend.

    Der aktuelle Fall basiert auf Vorgänge in der Vergangenheit während des letztes Rennens, also vor mehr als zwanzig Jahren. Der Fall entwickelt sich nur langsam, nimmt aber zunehmend Fahrt auf. Zum Ende hin werden die Ermittler noch persönlich involviert, aber diese Idee gefiel mir nicht besonders. Der Fall wird nachvollziehbar abgeschlossen und auch die privaten Probleme werden geklärt. Griet blieb mir die meiste Zeit fremd, da sie ihr Dasein gern abgeschottet von der Umwelt fristet. Sie scheint immer noch nicht so richtig in Friesland angekommen zu sein. Pieter muss als Integrationsfigur viel Arbeit leisten.


    Fazit:

    Lange Zeit stimmt die Gewichtung zwischen Fall und persönlichen Problemen nicht. Dies ändert sich erst in der zweiten Buchhälfte, die ich gelungen fand. Trotzdem vergebe ich nur drei von fünf Sternen (65 von 100 Punkten), werde dem Folgeband aber eine Chance geben, da es nach meinem Geschmack in die richtige Richtung geht.


    ASIN/ISBN: B07ZPW6K5D

    Anton erlebt noch einmal Schreckliches nach Kriegsende, als er sieht, was aus dem blühenden Land von Fang des Krieges geworden ist. Doch er hat überlebt, ist nicht verletzt, außer den Wunden an seiner Seele. Die Engländerin hat recht. Die Lieben zu Hause verstehen nicht, was der Krieg an der Front bedeutet. Aber auch die Heimkehrer können wohl nicht nachvollziehen, wie schwer es die Frauen hatten.

    Gerade diese Langzeitwirkung finde ich besonders schlimm. Kaputte Sachen lassen sich wiederaufbauen, aber bei "defekten" Menschen ist das viel schwieriger und von öffentlicher Seite gab es so gut wie keine Unterstützung.

    Das Verhalten der Kriegsgefangenen bei der Aussaat fand ich niederträchtig, aber es ist auch ein Zeichen der Verrohung der Menschen durch den Krieg. Die Geste der armen Dorffrauen war beeindruckend und endlich gab es Anerkennung für Bernadettes Einsatz im Krieg.

    Bei der Rückkehr der Soldaten von der Front gibt es viele Probleme und beide Seiten wissen nicht so recht, wie sie miteinander umgehen sollen. Auch die Eingliederung der entwurzelten Soldaten macht Probleme, auch wenn sie äußerlich unversehrt wirken. Dann kommen auch ein paar Beziehungen zustande und man gönnt es den gebeutelten Menschen. Auch Alexander löst sich endlich von Mylo und das finde ich gut.

    Der Ausblick auf den nächsten Band macht Lust auf mehr.

    Die Anhänge der Autorin habe ich verschlungen, weil sie viel über das Buch verraten. Die Fotos mit den Kindern in Uniformen wirken ernüchternd, aber in Sachen Publicity war das Militär seiner Zeit voraus.

    Buchmeinung zu M.C. Beaton – Agatha Raisin und der tote Auftragskiller


    „Agatha Raisin und der tote Auftragskiller“ ist ein Kriminalroman von M.C. Beaton, der 2020 bei Bastei Lübbe in der Übersetzung von Sabine Schilasky erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Agatha Raisin and the Deadly Dance“ und ist 1993 erschienen.


    Zum Autor:

    M.C. Beaton ist eines der zahlreichen Pseudonyme der schottischen Autorin Marion Chesney. Nachdem sie lange Zeit als Theaterkritikerin und Journalistin für verschiedene britische Zeitungen tätig war, beschloss sie, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Mit ihren Krimi-Reihen feiert sie bis heute große Erfolge in über 17 Ländern. M.C. Beaton lebt abwechselnd in Paris und in den Cotswolds.


    Klappentext:

    Für Agatha Raisin ist es an der Zeit, ihre Tätigkeit als Amateur-Detektivin zur Profession zu machen, und sie eröffnet ihr eigenes Detektivbüro. Ihre neue Nachbarin Emma Comfrey bewirbt sich bei ihr als Sekretärin und wird, aufgrund ihres Durchsetzungsvermögens und detektivischen Geschicks, kurzerhand eingestellt. Der erste Fall des Detektivbüros ist eine vermisste Katze. Immerhin ein Anfang, aber mit viel Luft nach oben. Als dann eine junge Frau, die eine Todesdrohung erhalten hat, beschützt werden soll, ist Agatha endlich voll in ihrem Element. Damit nehmen allerdings auch so einige Verhängnisse ihren Lauf, die dafür sorgen, dass Agatha nicht nur in ein Fadenkreuz gerät ...


    Meine Meinung:

    Mir gefällt die Hauptfigur Agatha Raisin ganz besonders, weil sie eine Reihe unschöner Eigenschaften hat und man dennoch mit ihr fiebert. Mit Emma scheint erstmals eine ebenbürtige Gegnerin in ihrem Umfeld aufzutauchen. Die Schilderung der Gedanken der beiden Protagonistinnen ist unterhaltsam, aber sie ist auch entlarvend. Beide suchen nach Anerkennung und dabei sind ihnen viele Mittel recht. Es gibt mehrere Handlungsstränge, die auf fast schon absurde Weise ineinander greifen. Die Polizei spielt eine Nebenrolle und das Highlight in diesem Band war das Einfordern der Anerkennung für diverse Freundschaftsdienste. Ob Agatha aber den Wink mit dem Zaunpfahl auf Dauer berücksichtigt?

    Der Gegensatz zwischen dem Landleben und dem Leben in den Städten spielt eine Rolle und neue skurrile Figuren tauchen auf. Dann gibt es wieder knallharte Übeltäter und irgendwie muss sich Agatha ihrer erwehren. Der Schreibstil ist ansprechend, die Charaktere sind eher flach, aber doch auch interessant. Manche Entwicklung kann man nicht sinnvoll hinterfragen und doch ist der Unterhaltungsfaktor hoch.


    Fazit:

    Weder Figuren noch die Handlung genügen höheren Ansprüchen und doch ist der Mix ausgesprochen unterhaltsam. Deshalb vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B07ZQ8JLKF

    In diesem Abschnitt fallen mir die Gegensätze besonders ins Auge. Da ist die Feierorgie am Bodensee versus des Hungerns auf der schwäbischen Alp, die Postkartenidylle versus der Behandlung der Versehrten, die Kälte vieler Menschen versus der Wärme, die von den Hilfeleistenden ausgeht. Anton kommt der englischen Bildhauerin näher, deren Masken Schwerstversehrten ein Leben in der Öffentlichkeit ermöglicht. Sein spezieller Schützling Michel fällt einer perfiden Hundebombe zum Opfer. Ich warte schon auf die Folgen des Gaskrieges für die Lazarette.

    Alexander ist mit seinem Leben in Saus und Braus nicht mehr zufrieden und möchte etwas Meues machen. Mylo macht Druck und endlich vergrößert sich die Distanz zwischen Alexander und ihm. Ich denke, dass Mimi Alexander einige Denkanstöße gegeben hat, aber auch umgekehrt liefert er Mimi Bestätigung für ihre künstlerischen Fotografien.

    Nach dem Tod von Michel klingt an, welche Probleme auf die Soldaten nach dem Ende des Krieges zukommen werden. Und kümmern tut sich von offizieller Seite niemand.

    Buchmeinung zu Anne Stern – Fräulein Gold: Scheunenkinder


    „ Fräulein Gold: Scheunenkinder“ ist ein historischer Roman von Anne Stern, der 2020 im Rowohlt Verlag erschienen ist. Das leicht gekürzte Hörbuch wird von Anne Thalbach gelesen und ist 2020 im Argon Verlag erschienen.


    Zum Autor:

    Anne Stern wurde in Berlin geboren, wo sie auch heute mit ihrer Familie lebt. Nach dem Studium der Geschichte und Germanistik promovierte sie in deutscher Literaturwissenschaft und arbeitete als Lehrerin in der Lehrerbildung.

    Sprecher:

    Anna Thalbach stand bereits mit sieben Jahren das erste Mal für einen Kinofilm vor der Kamera. Seitdem arbeitet sie gleichermaßen erfolgreich für Theater, Film und Fernsehen. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme ist Anna Thalbach eine der gefragtesten Hörbuchsprecherinnen.

    Klappentext:

    Berlin, 1923. Hebamme Hulda Gold wird zu einer Geburt ins Scheunenviertel gerufen. Die jüdische Familie lebt nach ihren ganz eigenen, strengen Regeln, aber Hulda gewinnt das Vertrauen der jungen Mutter. Und als das Neugeborene nach wenigen Tagen verschwindet, wird sie unvermittelt in die rätselhafte Suche verstrickt. Denn wie kann ein Kind in dieser engen Gemeinschaft einfach so verschwinden? Bald zeigt sich, dass auch die Berliner Polizei nach Kinderhändlern fahndet. Kann Kommissar Karl North helfen, das Neugeborene zu finden? Als sich der Judenhass der Berliner Nazis in einem Pogrom entlädt, gerät Hulda selbst in höchste Gefahr.


    Meine Meinung:

    Wie schon der erste Band vermittelt auch dieses Buch viel Atmosphäre und zusammen mit der Sprecherin werden die Figuren lebendig. Die Charaktere sind mit vielen Grautönen gezeichnet und bieten deshalb auch viele Überraschungen. Berufsbedingt ist Hulda recht selbstständig und kommt viel in ihrem Viertel herum. Sie hat ein Auge für ihre Umwelt und führt selbst auch kein sorgloses Leben, aber es reicht immer noch und das ist mehr als bei vielen anderen Berlinern. Diesmal hat sie auch im Scheunenviertel zu tun, in dem die Not vieler Menschen mit osteuropäischer Abstammung noch großer ist, Als das Kind der von ihr betreuten Mutter verschwindet und niemand etwas unternimmt, wird Hulda aktiv. Wieder ermittelt auch ihr Bekannter, der Kommissar Karl North, in einem ähnlichen Fall. In privaten Dingen läuft es für Hulda eher durchwachsen. Sie und Karl führen eine unregelmäßige Beziehung mit etlichen Aufs und Abs, weil beide wohl eine feste Beziehung fürchten. Hulda findet in der Apothekerwitwe Elli eine neue Freundin, die sich vor allem über die zu gering geschätzte Rolle der Frauen austauschen. Auch der wachsende Einfluss der Braunhemden wird deutlich, nicht nur auf der Straße sondern auch im Hintergrund.

    Die Erzählung ist lebendig und vermittelt viel Atmosphäre. Sorgen und Nöte der Menschen kommen zu Wort, aber auch Momente der Freude. Hulda wirkt überaus sympathisch und fast bedauernd nimmt man die Entwicklung der persönlichen Verhältnisse zur Kenntnis. Fast alle Figuren sind tief gezeichnet mit vielen Grautönen und bieten Raum für überraschende Entwicklungen. Der Kosmos um Hulda Gold hat mich eingefangen.


    Fazit:

    Das Berlin der 20-er Jahre wird auch in diesem Buch lebendig und wieder dient ein Kriminalfall als Bindeglied. Spannende Figuren und eine interessante Handlung sorgen für einen Lese- und Hörgenuss. Die Vorleserin Anna Thalbach macht einen ausgezeichneten Job. Deshalb vergebe ich fünf von fünf Sternen (100 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus. Ich fiebere der Fortsetzung entgegen.


    ASIN/ISBN: 3839818133