Beiträge von wampy

    Spannender Fall um einen übergroßen Ermittler


    Buchmeinung zu Arvid Heubner – Totenruhe


    „Totenruhe“ ist ein Kriminalroman von Arvid Heubner, der 2021 im dp Verlag erschienen ist. Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des 2018 bei Droemer Knaur erschienenen Titels Alina.


    Zum Autor:

    Sein ausgeprägtes Interesse für die Abgründe der menschlichen Psyche lässt Arvid Heubner Thriller schreiben, die die Grenzen unserer gesellschaftlichen Moral sprengen. Neben der Musik gilt seine Leidenschaft den Werken französischer und osteuropäischer Schriftsteller sowie skandinavischen Fernsehserien von Forbrydelsen bis Borgen. Arvid Heubner ist Preisträger des NEOBOOKS Bestseller Awards. Er lebt in Bremen.


    Klappentext:

    1975: In den Bergen der Sierra de Cebollera in Spanien wird die Leiche der siebenjährigen Alina gefunden. Die Polizei von Alfarnatejo vermutet hinter der Tat ein sexuelles Gewaltverbrechen. Der Fall wird nie aufgeklärt und der Täter nie gefasst.

    Vierzig Jahre später führen Ermittlungen Tinus Geving und sein Team von EUROPOL nach Alfarnatejo. Wieder ist ein siebenjähriges Mädchen verschwunden. Ihr Name: Alina. Handelt es sich um einen Nachahmungstäter oder hat der Täter von einst erneut zugeschlagen? Für den Kriminalhauptkommissar ist klar: Das Verbrechen kann nur aufgeklärt werden, indem der Fall von damals neu aufgerollt wird. In einem Wettlauf gegen die Zeit, stoßen Geving und sein Team auf eine Verschwörung, die bis in die Spitze der Regierung reicht …


    Meine Meinung:

    Tinus Geving ist ein vielschichtiger Charakter, der immer noch unter traumatischen Störungen leidet. Er ist ein Perfektionist, der ausflippt, wenn seine Zuarbeiter keine perfekte Arbeit abliefern. Seine Schwächen im Umgang mit Kollegen sind eher größer geworden. Auch seine Kollegen von Europol sind angeschlagene Typen. In vielen Punkten ist er mir zu perfekt. Wenigstens hat er diesmal einen adäquaten Gegenspieler, der eine tiefschwarze Vergangenheit sein eigen nennt. Manche Szenen wirken verstörend und der Blick in die spanische Vergangenheit ist erschreckend. Politiker sind wie schon bei Totenstill machtbesessene Menschen mit wenig Moral, die um des eigenen Vorteils handeln. Tinus Geving wirkt nicht sympathisch, weil er zu groß dargestellt wird. Einzig sein unbedingter Wille verlangt Respekt ab. Dabei scheut er auch keine persönlichen Risiken.

    Die Geschichte selbst ist hart bis an die Grenze des Erträglichen. Am Ende spielt der Zeitdruck eine immer größere Rolle. Die Spannung steigert sich im Laufe der Geschichte, auch wenn der Leser in Einschüben über die Zusammenhänge informiert wird, selbst wenn es meist bei Andeutungen bleibt. Am Ende gibt es einen filmreifen Showdown, der positive Eigenschaften der Hauptfigur hervorhebt.


    Fazit:

    Dieses Buch ist in Teilen überzeichnet und es ist eine harte Geschichte, die aber spannend erzählt wird. An der Hauptfigur kann man sich ohne Zweifel reiben, aber sie ist Stärke und Schwäche zugleich. Mir gefiel dieser Band weniger als „Totenstill“ und deshalb gibt es drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B0955G5GW9

    Spannende Unterhaltung, die zum Nachdenken anregt


    Buchmeinung zu Sunil Mann – Das Gebot


    „Das Gebot“ ist ein Kriminalroman von Sunil Mann, der 2021 im Grafit Verlag erschienen ist. Dies ist der zweite Fall für Marisa Greco und Bashir Berisha.


    Zum Autor:

    Sunil Mann wurde als Sohn indischer Einwanderer im Berner Oberland geboren und gilt als einer der renommiertesten und vielfältigsten Autoren der Schweiz. Zwanzig Jahre lang hat er als Flugbegleiter gearbeitet, seit einigen Jahren ist er freischaffender Autor. Er schreibt Kriminalromane, Kinder- und Jugendbücher. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet.


    Klappentext:

    Marisa Greco und Bashir Berisha haben nach monatelanger Auftragsflaute endlich wieder einen neuen Job: Sie sollen Erich Bodmer finden, den seine Eltern jahrelang auf einer Weltreise vermuteten – bis er mit seiner Kreditkarte in Zürich Geld abgehoben hat. Nachforschungen ergeben, dass der junge Mann gemeinsam mit Freunden nach Syrien reiste, um dort für den Islamischen Staat zu kämpfen. Während einer der Freunde dabei unter mysteriösen Umständen öffentlich hingerichtet wurde, führt Erichs Spur zurück in die Schweiz. Dennoch bleibt er unauffindbar. Dann erhalten die beiden Privatermittler Hinweise auf ein geplantes Attentat – während des Sechseläutens, mitten in Zürich. Schlagartig wird die Suche nach dem radikalisierten Rückkehrer zu einem lebensgefährlichen Unterfangen.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich von Anfang an gefangen genommen. Spannend erzählte Fiktion, bei der mir mein Gefühl sagt, dass sie nah an der Realität ist. Etliche Perspektivwechsel erhöhen das Tempo und führen zu einer Betrachtung aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die beiden Hauptfiguren Marisa Greco und Bashir Berisha sind mit diversen Grautönen gezeichnet, bleiben aber jederzeit sympathisch. Beide haben mit privaten Problemen zu kämpfen, arbeiten aber kompetent und konsequent an ihrem Fall, der kontinuierlich größere Schatten wirft. Der Autor findet genügend Zeit Hintergründe zu behandeln, aber auch dabei bleibt es spannend. Auffällig ist es, dass der Autor gerade bei Gewaltszenen nur andeutet und die Details der Vorstellung des Lesers überlässt. Auch mit tiefschwarzem Humor wird Gewalt erträglich erzählt. Die Handlung ist komplex aufgebaut und diverse Nebenhandlungen haben mich gefesselt. Auch hier sind viele der Nebenfiguren mit Grautönen gezeichnet. Der abschließende Showdown ist ein echter Höhepunkt, der auch noch manche Überraschung bietet. Insgesamt hat mich die Mischung aus informationsgeprägten Elementen und spannender Handlung voll überzeugt. Zusätzlich hat es mich zum Nachdenken über das Thema angeregt. Was will man mehr?


    Fazit:

    Dieses Buch hat meine Erwartungen in jeder Hinsicht übertroffen und mir ein Lesehighlight beschert. Deshalb bewerte ich es mit fünf von fünf Sternen (95 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde spannender Literatur aus.


    ASIN/ISBN: 3894257741

    Nervige Überzeichnungen


    Buchmeinung zu Tabea Petersen – Mord in Port St. Pedroc


    „Mord in Port St. Pedroc“ ist ein Kriminalroman von Tabea Petersen, der 2021 im dp Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Tabea Petersen wurde 1979 in Halle an der Saale geboren. Nach dem Abitur siedelte sie nach Dänemark über. Dort absolvierte sie eine Ausbildung zur Diplom Kultur- und Sprachmittlerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Graasten nahe der dänisch-deutschen Grenze. Sowohl ihrer alten als auch ihrer neuen Heimat ist sie innig verbunden. Seit 2010 veröffentlicht sie Romane und Kurzgeschichten.


    Klappentext:

    Die alljährliche Qualitätsprüfung bringt für die junge Sekretärin Charlotte Cunningham und ihre Kollegen bei Webster & Co. Gas Valves die nervenaufreibendsten Stunden des ganzen Jahres, schließlich hängen vom Urteil der Prüfer letzten Endes ihre Arbeitsplätze ab. Umso größer ist der Schock, als ausgerechnet die Leiterin der Prüfungskommission die Leiche eines Mitarbeiters entdeckt – der noch dazu keines natürlichen Todes gestorben ist. Die strenge Dame ist „not amused“, die örtliche Polizei tappt im Dunkeln und die rüstige Mrs Maggie Webster, Mutter des Seniorchefs ist überzeugt, dass sie und Charlotte diesen Fall gemeinsam aufklären müssen, um den Ruf der Firma zu retten. Was bleibt Charlotte da anderes übrig, als sich in die Ermittlungsarbeit zu stürzen und dabei mehr als nur ein dunkles Geheimnis ans Licht zu bringen …


    Meine Meinung:

    Die Geschichte wird aus der Sicht der Hauptfigur Charlie beschrieben. Charlie arbeitet als Sekretärin in einem Maschinenbaubetrieb, der kriselt, und versorgt noch ihren jungen Bruder, der erste Liebeserfahrungen erlebt. Die Autorin schreibt humorvoll und beschreibt die Landschaft Cornwalls sehr anschaulich. Auch die Hauptfigur wirkt sympathisch. Es gibt eine Reihe humorvoll beschriebener Szenen, aber leider fand ich es bald als übertrieben. Gerade Charlie kann jedem helfen, der sie um Hilfe bittet, und doch bekommt sie nicht mit, welche Probleme ihre Kollegen haben. Bezeichnend ist, das sie mit jemandem flirtet, dessen Verlobung wenige Minuten später bekannt gegeben gibt. Fast alle Figuren sind ohne Grautöne gezeichnet und die übertriebenen Darstellungen beeinträchtigten mein Lesevergnügen. Dazu kam kaum Spannung auf, weil der Todesfall zur Nebensache wurde und die Fortschritte in den Ermittlungen durchweg zufallsgetrieben waren. Dazu wurden auch noch viele Klischees bedient.


    Fazit:

    Flache Figuren und häufig überzogene Darstellungen überschatten die durchaus vorhandenen guten Ansätzen. Dies führte dazu, dass ich sogar die sympathische Hauptfigur nur noch als nervend empfand. Deshalb kann ich das Buch nur mit zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten) bewerten und keine Leseempfehlung aussprechen.


    ASIN/ISBN: B08YCX7PX7

    Mehr eine Zeitreise als ein Kriminalroman


    Buchmeinung zu Margherita Giovanni – Adria mortale - Bittersüßer Tod


    „Adria mortale - Bittersüßer Tod“ ist ein Kriminalroman von Margherita Giovanni, der 2021 bei Lübbe erschienen ist.


    Zum Autor:

    Margherita Giovanni ist ein Pseudonym der Autorin Brigitte Pons. Sie lebt in der Nähe von Frankfurt/Main, schreibt Romane und Kurzgeschichten und ist immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Als Isabella Esteban erzählt sie in einer Krimireihe von ihrer Lieblingsstadt Barcelona, ihre Odenwald-Krimireihe um Ermittler Frank Liebknecht erscheint bei be-THRILLED.


    Klappentext:

    Aufregung in einem kleinen Küstendorf an der Adria in den 1950er Jahren: Auf einem abgelegenen Pfad wird ein Mann tot aufgefunden. War es ein Unfall oder Mord? Und falls es Mord war: Wer hat den unbeliebten Lehrer, der sich gegen den zunehmenden Tourismus einsetzte, umgebracht? Fragen, für die sich auch die Pensionswirtin Federica brennend interessiert. Zusammen mit dem extra angereisten Commissari Pellegrini und zwei ihrer deutschen Urlaubsgäste begibt Federica sich unter der warmen Sonne der Adria auf Mörderjagd.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist eine interessante Mischung aus Zeitreise in die 1950er Jahre und Klärung eines Todesfalls. Der Autorin gelingt es, Figuren aus jener Zeit zum Leben zu erwecken und mediterranes Flair zu vermitteln. Dabei stört es nicht, wenn das ein oder andere Klischee bedient wird. Stehen zu Beginn noch zwei junge Damen im Fokus, die sich mit einem Roller nach Italien gewagt haben, so rücken später die verwitwete Pensionswirtin Federica und der Kommissar Pellegrini in den Mittelpunkt der Erzählung. Ihre Gedanken und Wahrnehmungen sorgen für wechselnde Perspektiven und emotionale Momente. Das Beziehungsgeflecht im Dorf ist komplex und der Kommissar und die Pensionswirtin tun sich schwer bei dessen Entwirrung. Erst als die beiden Figuren zusammenarbeiten geht es voran. Liebevoll gezeichnete Nebenfiguren, manchmal auch recht klischeehaft, beleben die Geschichte ebenso wie kleine Nebenhandlungen. Auf diesen Bereich verwendet die Autorin viel Zeit, so dass der Todesfall in den Hintergrund gerät. Auch die Spannung leidet deutlich. Die Aufklärung am Ende überrascht, ist aber glaubhaft und nachvollziehbar. Der Showdown ist angemessen und passt zum Erzählstil.


    Fazit:

    Diese Geschichte ist mehr ein Zeitreise- als ein Kriminalroman. Ein ansprechender Schreibstil, liebevoll aber schlicht gezeichnete Figuren sowie viel Atmosphäre haben mich gut unterhalten. Gerne vergebe ich gute drei von fünf Sternen (65 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde einer atmosphärischen Zeitreise aus.

    Wundervolles Buch mit einem saublöden Showdown


    Buchmeinung zu Tom Hillenbrand – Montecrypto


    „Montecrypto“ ist ein Kriminalroman von Tom Hillenbrand, der 2021 bei KiWi-Paperback erschienen ist.


    Zum Autor:

    Tom Hillenbrand studierte Europapolitik und war Ressortleiter bei Spiegel Online. Seine Krimis um den Luxemburger Koch Xavier Kieffer ("Teufelsfrucht", "Rotes Gold", "Letzte Ernte", "Tödliche Oliven", "Gefährliche Empfehlungen", "Bittere Schokolade") sind Bestseller.

    Für seine Scifi-Thriller "Drohnenland" und "Hologrammatica" wurde Hillenbrand mit dem Friedrich-Glauser-Preis, dem Kurd-Laßwitz-Preis, dem Bremer Krimipreis sowie dem Deutschen Science-Fiction-Preis ausgezeichnet. Er lebt in München.


    Klappentext:

    Sein Geld hat der spleenige Start-up-Unternehmer Gregory Hollister größtenteils in der Kryptowährung Bitcoin angelegt. Als er bei einem Unfall ums Leben kommt, beginnt die Suche nach seinem Privatvermögen. Das hat der paranoide Kalifornier gut versteckt. Wo befindet sich der digitale Schatz, den die Medien bereits Montecrypto nennen? Hollisters Schwester beauftragt den Privatdetektiv Ed Dante, das verschwundene Geld aufzuspüren. Dante recherchiert und stellt bald fest, dass etliche Personen hinter Montecrypto her sind. Das ist angesichts der kolportierten Summe von mehreren Milliarden Dollar nicht weiter verwunderlich – aber die anderen Interessenten sind keine gewöhnlichen Schatzsucher. Warum interessieren sich ausländische Geheimdienste, das FBI und die Mafia für den Schatz? Dante erkennt, dass Hollisters Vermächtnis aus mehr besteht als aus einem Haufen digitaler Münzen. Möglicherweise ist Montecrypto der Schlüssel zu einem immensen Finanzskandal, der die gesamte Weltwirtschaft in den Abgrund reißen könnte. Wird es Dante gelingen, das Geheimnis von Montecrypto zu lüften, bevor der digitale Schatz in die falschen Hände gerät? Eine weltweite Suche beginnt, die von Los Angeles über New York und Frankfurt bis nach Zug führt, ins sogenannte »Crypto Valley« der Schweiz.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich zu Anfang vor allem mit seinem Wortwitz und seinen verdeckten Anspielungen auf Personen und Bücher begeistert. Die beiden Hauptfiguren sind mit vielen Grautönen gezeichnet und bieten Raum für Überraschungen. Ed Dante ist ein fähiger Wirtschaftsdetektiv, der aber zu viel trinkt. So konnte man neben Informationen über Kryptowährungen auch etliche Cocktailrezepte kennenlernen. Ed kennt sich als ehemaliger Banker im klassischen Finanzwesen ab. Er wird von der Journalistin Mercy Mondergo unterstützt, die Computerwissen sowie Kenntnisse und Kontakte zur Kryptocommunity beisteuert. Sehr interessant fand ich die Informationen zum gesellschaftlichen Hintergrund der Kryptogemeinde. Die Geschichte wird aus der Sicht Ed Dantes erzählt und man kann seinen Gedankengängen gut folgen. Scheint es sich zu Beginn um eine Schnitzeljagd mit besonders hohem Preisgeld zu handeln, so beschleicht Dante und damit auch dem Leser bald das Gefühl, dass da mehr dahintersteckt. So wird die Spannung hoch gehalten. Man leidet mit den sympathischen Ermittlern mit und nähert sich über etliche Umwege der Lösung.

    Leider wird der Gesamteindruck durch einen Showdown in bester James Bond Manier eingetrübt, der so gar nicht zum Stil der Handlung passen will.


    Fazit:

    Eine in weiten Teilen überragende Erzählung zu einem interessanten Thema, die leider durch den Showdown deutlich entwertet wird. So vergebe ich nur vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten), spreche aber eine klare Leseempfehlung aus.

    Wichtige Themen gehen zu Lasten der Spannung


    Buchmeinung zu Christine Cazon – Lange Schatten über der Côte d'Azur


    „Lange Schatten über der Côte d'Azur“ ist ein Kriminalroman von Christine Cazon, der 2021 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.


    Zum Autor:

    Christine Cazon, Jahrgang 1962, hat ihr altes Leben in Deutschland gegen ein neues in Südfrankreich getauscht. Sie lebt mit ihrem Mann und Katze Pepita in Cannes, dem Schauplatz ihrer Krimis mit Kommissar Léon Duval.


    Klappentext:

    Die Ermittlungen zu seinem achten Fall führen Kommissar Léon Duval diesmal in die Vergangenheit, in die Zeit des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung. Hat das, was dort begann, womöglich Auswirkungen bis heute? Einmal im Jahr, zu den Gedenktagen im November, polieren die Franzosen die Gedenksteine der Familiengräber und schmücken sie mit Chrysanthemen, Astern und Alpenveilchen. So auch in Cannes, auf dem historischen Friedhof Le Grand Jas. Auf einem der Gräber im israelitischen Feld aber liegt in einer blutroten Lache ein toter junger Mann. Duval übernimmt die Ermittlungen und erfährt schon bald, dass der junge Mann Jude war. War es eine antisemitisch motivierte Tat? Duvals Vorgesetzte wollen davon nichts wissen. Und doch schließt Duval diese Spur nicht aus, und seine Suche im Leben und Umfeld des jungen Mannes lässt eine Vergangenheit wieder aufleben, die manche lieber vergessen wollen. Aber auch privat hat Duval einiges auszustehen: Familienneuzugang Julie bekommt Zähne, und Freundin Annie hat Probleme, Kind und Beruf unter einen Hut zu bringen.


    Meine Meinung:

    In diesem Buch behandelt die Autorin gleich mehrere schwierige Themen wie durch Franzosen verübte Verbrechen während der deutschen Besatzung, die Furcht vor der Existenz antisemitischer Verbrechen in der Gegenwart und die Diskussion über die Rolle Leons bei der Betreuung seiner kleinen Tochter Julie. Die Autorin lässt ihre umfassende Recherche gekonnt in die Entwicklung der Geschichte einfließen und der Leser erkennt, dass die Aufarbeitung dieser Zeit nicht nur in Deutschland noch nicht abgeschlossen ist. Leon Duval muss mühsam herausfinden, wie die alten Geschichten in den aktuellen Mordfall hineinspielen. Leon ist etwas komplexer gezeichnet als die übrigen Figuren, wirkt sympathisch und kompetent, bietet aber auch Spielraum für Entwicklungen. Leons Team bleibt meist im Hintergrund, leistet aber gute Arbeit. Lange Zeit bezieht der Roman seine Spannung aus der Klärung alter Vorgänge. Der aktuelle Mordfall gerät fast in Vergessenheit und wird dann eher durch einen Gedankenblitz des Kommissars gelöst. Das hat mir weniger gut gefallen, auch wenn die Lösung vollständig und nachvollziehbar war. Ein angemessener Showdown begleitet die Überführung des Täters. Das besondere Flair Cannes spielt bei diesem Fall eher durch seine historischen Komponenten eine Rolle. Hier hätte es gern etwas mehr sein dürfen.


    Fazit:

    Ein Kriminalroman um wichtige Themen, der aber den aktuellen Mord vernachlässigt. Auch die Figurenzeichnung könnte ausgeprägter sein. So vergebe ich nur drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten). Ich spreche ein Leseempfehlung für diejenigen aus, die sich für den geschichtlichen Hintergrund interessieren.


    ASIN/ISBN: B08MCTKCKM

    gelungene Satire mit einem genialen Sprecher


    Buchmeinung zu Moritz Matthies – Der Wald ruft


    „Der Wald ruft“ ist ein Roman von Moritz Matthies, der 2021 bei dtv erschienen ist. Das gekürzte Hörbuch wird von Christoph Maria Herbst gesprochen und ist 2021 im Argon Verlag erschienen.


    Zum Autor:

    Moritz Matthies ist das Pseudonym eines Autoren-Duos.

    Hans Rath, Jahrgang 1965, studierte Philosophie, Germanistik und Psychologie in Bonn. Seine Romane sind regelmäßig auf den Bestsellerlisten, zwei wurden bereits verfilmt. Edgar Rai, 1967 geboren, studierte Musikwissenschaften und Anglistik in Marburg und Berlin. Er hat mehrere erfolgreiche Romane veröffentlicht. Beide Autoren leben in Berlin und haben gemeinsam die Bestsellerserie um die Erdmännchen Rufus und Ray geschrieben.

    Sprecher:

    Christoph Maria Herbst verkörperte u.a. die Titelfigur in der Serie "Stromberg", für die er den Deutschen Fernsehpreis, den Grimme-Preis, den Bayerischen Fernsehpreis und siebenmal den Deutschen Comedypreis erhielt. Als Hörbuchsprecher ist er eine Klasse für sich.

    Klappentext:

    So kann es gehen: Der Berliner Zoo braucht Geld, und Zoochef Windhoeck verhökert kurzerhand den Clan der beliebten Erdmännchen an ein Gartencenter im eiskalten Oslo. In letzter Sekunde gelingt dank Ray und Rufus die Flucht. Völlig erschöpft und mit nichts als dem felligen Leben landet der Clan nach langer Irrfahrt in einem lauschigen, Sicherheit verheißenden Wald.

    Doch die Idylle trügt, denn die Waldbewohner, allen voran Keiler Herrmann, sind alles andere als begeistert von den Neuen. Als ausgerechnet Rufus sich in eine Häsin verguckt, Ray einen Discoschuppen aufzieht und ein paar junge Erdmännchen mit halluzinogenen Früchten experimentieren, eskaliert der Konflikt zwischen den alten und neuen Waldbewohnern...


    Meine Meinung:

    Vorneweg ein Sonderlob für den Sprecher Christoph Maria Herbst, der einen herausragenden Job macht. Wie er den Tieren Leben einhaucht, den Gefühlen Gewicht verleiht und doch jederzeit verständlich bleibt – das ist überragend. Er ist die Idealbesetzung.

    Nun zur Geschichte selber. Um eine Abschiebung ins kalte Oslo zu vermeiden, fliehen die Erdmännchen unter Lebensgefahr durch die Kanalisation und landen in einem Stück reinster Natur – einem ehemaligen Truppenübungsplatz. Der Autor nutzt ein breites Spektrum des Humors. Zwischen Satire und Slapstick ist alles vertreten. Auch ist den Erdmännchen kein menschliches Laster fern und dies wird von den alteingesessenen Mitbewohnern mit Argwohn verfolgt. Manches erinnert an die menschliche Flüchtlingsdiskussion. Bei mancher Pointe kann einem das Lachen nachträglich schon mal im Halse stecken bleiben. Gerne verfolgt man die Geschicke der Erdmännchen und fiebert mit ihnen mit. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Politikern unter den einheimischen Tieren ist natürlich nicht beabsichtigt und doch glaubte ich den ein oder anderen schon im Fernsehen begegnet zu sein. Bewundernswert finde ich den Ideenreichtum des Autors und es gefällt mir besonders, wenn Rai auf die Stärken und Schwächen seiner Familie zu sprechen kommt. Der Mix aus Lachern und ernsten Themen ist gelungen und hat mich blendend unterhalten.



    Fazit:

    Die Projektion menschlicher Probleme in die Tierwelt verleiht dem Buch Tiefe, doch bleibt der humorvolle Grundton bestimmend und garantiert großes Lesevergnügen. Gerne vergebe ich deshalb fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Hörempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 3839818079

    Kommt langsam aber gewaltig


    Buchmeinung zu Mathias Berg – Der Preis der Rache


    „Der Preis der Rache“ ist ein Kriminalroman von Mathias Berg, der 2021 bei Knaur erschienen ist.


    Zum Autor:

    Mathias Berg kam 1971 unter romanreifen Umständen zur Welt – genau 17 Tage zu früh, da der Nachbar tags zuvor seine Frau erschoss.

    Lust auf das Lesen und Schreiben machte ihm seine Mutter, die Tochter eines Polizisten aus Stuttgart. Nach dem Abitur in Ulm studierte er Soziologie in Bamberg und London, jobbte als Radiomoderator und arbeitete als Werbetexter und Marketing-Redakteur. Mathias Berg lebt in Köln.


    Klappentext:

    Gleich an ihrem ersten Tag beim LKA Düsseldorf wird die junge forensische Psychologin Lupe Svensson mit einem besonderen Fall konfrontiert: Als Praktikantin des erfahrenen Ermittlers Otto Hagedorn soll sie den Fund eines fast 30 Jahre alten Skeletts untersuchen, dem ein Fuß fehlt. Otto hatte bereits 1975 in drei Mordfällen ermittelt, bei denen den Opfern jeweils ein Fuß abgetrennt worden war, zu einer Verhaftung war es damals nicht gekommen. Kann der Cold Case nun doch noch gelöst werden?

    Die Ermittlungen führen Lupe und Otto zurück in eine faszinierende Ära der jüngeren deutschen Vergangenheit und zu einer ungewöhnlichen Mordserie …


    Meine Meinung:

    Lupe Svensson und Otto Hagedorn sind zwei Figuren, die mich von Anfang an gefangen genommen haben. Meist wird die Geschichte aus der Sicht der jungen Praktikantin Lupe Svensson erzählt, die es mit dem erfahrenen Ermittler Otto Hagedorn zu tun bekommt. Beide haben zu Beginn ihre Probleme mit dem jeweils anderen, kommen sich aber mit der Zeit näher. Der aktuelle Fall hat mit einer Mordserie zu tun, in der Otto Hagedorn als junger Kommissar ermittelt hat und keinen Täter überführen konnte. Beide Hauptfiguren haben Geheimnisse und verhalten sich nicht immer einwandfrei. Andererseits bringen beide Ermittler auch ihre Stärken ein und es kommt zu Fortschritten bei der Aufklärung. Otto lässt Lupe viel Spielraum bei den Ermittlungen und man fragt sich warum. Beide gehen ihren Weg und lassen sich dabei nicht beirren. Allerdings hält der Autor einige Informationen zurück oder enthüllt sie nur scheibchenweise. Bei den Rückblenden in die 70-er Jahre gelingt es dem Autor, diese Zeit lebendig werden zu lassen. Man spürt mit Otto Hagedorn, wie diese Zeit erlebt wurde.

    Die Spannung baut sich sukzessive auf, auch wenn der Leser lange Zeit im Dunkeln tappt. Zum Ende wird es dramatisch und der Showdown ist gelungen.

    Stärken des Buches sind die mit Grautönen gezeichneten Ermittler, deren sich langsam voranschreitende Annäherung eindrucksvoll beschrieben wird. Beide Ermittler wirken sympathisch und verlieren mit der Zeit einige ihrer Geheimnisse. Auch die Rückblenden haben mich überzeugt. Der Kriminalfall ist durchaus komplex und wird vollständig aufgelöst.

    Fazit:

    Ein Kriminalroman, der recht unscheinbar beginnt und mich immer mehr gefangen genommen hat. Figuren und Handlung harmonisieren sehr gut und haben mir viel Lesevergnügen bereitet. Deshalb vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für Freunde eher leiserer Töne aus.

    ASIN/ISBN: 3426525003

    Eine Geschichte mit Potential, aber mit zu wenig Spannung


    Buchmeinung zu Theresa Prammer – Lockvogel


    „Lockvogel“ ist ein Kriminalroman von Theresa Prammer, der 2021 im Haymon Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Auf dem Papier, der Bühne, vor der Kamera und dahinter: Theresa Prammer weiß, wie man Geschichten inszeniert und Leben in Figuren bringt. Sie ist Schauspielerin, Regisseurin und Autorin. Mit ihren Kriminalromanen um Lotta Fiore hat sie zahlreiche Leser*innen vor Spannung in Schockstarre versetzt und für Wiener Totenlieder (2015) den Leo-Perutz-Preis eingeheimst.


    Klappentext:

    Toni ist pleite und ihr läuft die Zeit davon

    Toni hat praktisch keinen Euro mehr in der Tasche. Nicht, weil die Schauspielschülerin ihren Allerwertesten nicht hochbekommt, sondern weil sich ihr Freund Felix mit ihren Ersparnissen auf und davon gemacht hat. Geld weg, Freund weg (Oder Ex-Freund? Betrüger? Was zur Hölle ist er denn nun?), dafür werden die unbezahlten Rechnungen immer mehr. – Toni hat einen riesigen Berg besonders saurer Zitronen vorgesetzt bekommen. Nur: Was macht sie daraus? Zuerst einmal: Durchatmen, Limonade machen auf später verschieben und schleunigst Felix zur Rede stellen. Dafür wendet sie sich an Privatdetektiv Edgar Brehm. Der könnte Felix aufspüren. Doch wie soll sie ihn bezahlen?

    Ein Fall von #metoo? – Undercover als Lockvogel

    Auch Sybille Steiner findet den Weg in Brehms Detektei: Die Ehefrau eines Starregisseurs hat beunruhigende Post erhalten. Einem anonymen Tagebuch zufolge soll ihr Ehemann vor Jahren gegenüber einer jungen Schauspielerin seine Machtposition ausgenutzt haben. Sind die Anschuldigungen wahr? Wer ist die Verfasserin? Hat damit gar der Tod eines Mannes auf einer von Steiners High-Society-Partys etwas zu tun? Möglichst schnell, bevor die Presse Wind davon bekommt, muss Brehm genau das herausfinden. Wie praktisch, dass gerade eine Schauspielschülerin bei Brehm aufgetaucht ist, die ihn nicht bezahlen kann: Toni wird als Lockvogel engagiert. Welche Gefahren warten auf sie in der Filmbranche, die für Machtgefälle und Intrigen berüchtigt ist?


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mir in einigen Bereichen gut gefallen. Die Hauptfiguren Toni und Edgar sind interessant und sympathisch und beide haben erhebliche Probleme. Um diese zu lösen finden sie ein Arrangement, mit dem beide leben können. Toni arbeitet für Edgar als Ermittlerin und Edgar soll Tonis (Ex-)Freund und das unterschlagene Geld auftreiben. Toni ist bemüht aber eine geborene Ermittlerin ist sie nicht und Edgars Agentur hat die besten Tage hinter sich. Beide kümmern sich aber umeinander und entwickeln Verständnis und Sympathie. Die Geschichte wird aus mehren Perspektiven erzählt, aber meist folgen wir der recht chaotischen Toni. Der Roman wirkt vor allem überzeugend, wenn er Einblicke in die Bereiche Schauspiel und Film gewährt. An diesen Stellen merkt man die Erfahrungen der Autorin in diesen Bereichen. Gerade die Abhängigkeiten von Regisseuren und Schauspielern, sowie zwischen Ausbildern und Auszubildenden werden deutlich. Im Gegensatz dazu wirkt der Kriminalfall eher blass und kann mich nicht überzeugen. Der Schreibstil gefällt mir mit seinem humorigen Grundton und der gelungenen Beschreibung der Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren. Zudem habe ich oft mit Toni mitgelitten und ihre Sorgen geteilt.


    Fazit:

    In den Nebenhandlungen und mit den Hauptfiguren kann das Buch punkten, aber der blasse Kriminalfall trübt den Gesamteindruck. Deshalb bewerte ich das Buch auch nur mit drei von fünf Sternen (65 von 100 Punkten), sehe aber Potential für mehr in der Grundkonstellation.

    In weiten Teilen überzeugend


    Buchmeinung zu Angela L. Forster – Heidejagd


    „Heidejagd“ ist ein Kriminalroman von Angela L. Forster, der 2021 bei CW Niemeyer erschienen ist.


    Zum Autor:

    Die Hamburgerin mit bayrischen Wurzeln, Angela L. Forster, ist in Hamburg-Fischbek aufgewachsen. Heute lebt und arbeitet sie mit Ihrem Mann in der Nähe zum Alten Land, in der auch viele Geschichten ihrer ersten Krimireihe mit der bayrischen Kommissarin Petra Taler entstanden sind.


    Klappentext:

    Bei einem nächtlichen Paintballspiel im Wald am Lopausee in Amelinghausen wird ein siebzehnjähriges Mädchen von einem grauenhaften Untier angefallen. Sie flieht und stolpert auf der Seebrücke über die Leiche eines Mannes.

    Als Hauptkommissarin Inka Brandt und ihr Team einen riesigen Fußabdruck und das mit Blut gemalte Zeichen der Wolfsangel neben dem Toten entdecken, gibt es für die Jäger in der Lüneburger Heide kein Halten mehr. Eine Jagd auf die Bestie bricht aus, die immer mehr Neugierige anlockt. Sehr zum Ärger von Inka Brandt und ihrem Team.

    Dann wird ein zweiter Toter gefunden …


    Meine Meinung:

    Meine erste Begegnung mit Inka Brandt und ihrem Team hat mir einige Überraschungen gebracht. Ich finde Inka Brandt einerseits sympathisch und andererseits auch kompetent. Der Schreibstil ist angenehm und weckt Lust auf einen Urlaub in der Heidelandschaft. Besonders die Szenen mit ihrer Schwester, die bei Bedarf in der Kinderbetreuung einspringt, haben mir gefallen. Die mittäglichen Eintöpfe klingen verlockend. Der krimitechnische Teil macht deutlich, dass ein Großteil des Jobs in Laufarbeit und Gesprächen besteht und dass Inka Brandt gut in diesen Dingen ist, weil sie zuhören kann. Einige Perspektivwechsel geben der Geschichte mehr Tempo und lassen auch die Gefühle Betroffener deutlich werden. So weit, so gut, aber die Passagen um ihren Partner und seiner Jagd auf ein Ungeheuer haben mich sehr gestört. Es gibt einerseits zu wenig Informationen und Entwicklungen in diesem Bereich, um es verstehen zu können. Gerade das Bedrohungspotential für Inka und ihre Familie wirkte aufgesetzt und für mich wenig überzeugend. Dafür gibt es einen Stern Abzug.


    Fazit:

    Ich fand das Buch in weiten Teilen überzeugend, aber die Passagen um ihren Freund kosten ein Stern. Deshalb vergebe ich nur drei von vier Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B08X4YJ9T5

    Fühlte mich von den vielen Informationen erschlagen


    Buchmeinung zu Kristin Lukas – Das Letzte, was du siehst


    „Das Letzte, was du siehst“ ist ein Kriminalroman von Kristin Lukas, der 2017 bei Grafit erschienen ist.


    Zum Autor:

    Kristin Lukas, geboren 1976 in Hagen, studierte Architektur in Berlin, Paris und Zürich, bevor sie an der Universität St. Gallen ihre Dissertation schrieb. Parallel zu ihrer Beratungstätigkeit in der freien Wirtschaft arbeitet sie als Professorin für Immobilienmanagement und Projektentwicklung.


    Klappentext:

    Expolizistin Marie Wagenfeld hat zur IT-Beraterin für Immobilienfonds umgesattelt. Eines Abends entdeckt sie die brutal zugerichtete Leiche eines Kollegen, dem der Kopf abgesägt wurde. Schnell zeigt sich, dass der Tote alles andere als eine weiße Weste hatte. Unlautere Geschäftspraktiken, Kontakte in die SM-Szene und Erpressungsversuche kommen ans Licht. Aber wen genau hat er erpresst? Und womit? Gemeinsam mit Kommissar Kellermann taucht die eigentlich nur als Zeugin vernommene Marie immer tiefer in die Ermittlungen ein. Als Verbindungen zu alten Fällen auftauchen, wird zunehmend klar, dass ein Serienmörder am Werk ist. Und das schon seit Jahren …


    Meine Meinung:

    An einigen Stellen zeigt die Autorin, dass sie durchaus spannend schreiben kann. Auch die Charaktere gefallen mir, weil sie komplex gestaltet sind. Trotzdem hat mir dieses Buch nicht gefallen, weil ich von der Ausführlichkeit und Detailliertheit der Informationen zu Projektgeschäft, Finanzsystemen und Kunst regelrecht erschlagen wurde. Die grausigen Beschreibungen der Kunstwerke taten dann ein Übriges. Selten konnte ich die Gedanken der Hauptfigur Marie Wagenfeld nachvollziehen und gerade ihre Abstecher in den Club und ihr dortiges Verhalten empfand ich als abstrus für eine ehemalige Polizistin. Auch Kommissar Kellermann konnte völlig losgelöst von organisatorischen Zwängen agieren und vor allem fehlte mir sein nicht vorhandener Partner.


    Fazit:

    Auch gute Ansätze konnte mich kaum positiv stimmen, denn die übertriebene Informationsflut hemmte mein Lesevergnügen sehr. Deshalb bewerte ich das Buch auch nur mit zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten). Empfehlen kann ich dieses Werk leider nicht.


    ASIN/ISBN: 3740781416

    Viele klassische Elemente und eine besondere Sprache


    Buchmeinung zu Stephen Mack Jones – Der gekaufte Tod

    „Der gekaufte Tod“ ist ein Kriminalroman von Stephen Mack Jones, der 2021 bei Tropen in der Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann erschienen ist. Der Titel der amerikanischen Originalausgabe lautet „August Snow“ und ist 2017 erschienen.


    Zum Autor:

    Stephen Mack Jones, geboren in Lansing, Michigan, arbeitete mehrere Jahre in der Werbe- und Marketingbranche, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. Seine Lyrik und Dramatik wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. »Der gekaufte Tod« ist sein erster Thriller und wurde sowohl mit dem Nero Award als auch mit dem Hammett Prize for Crime Fiction ausgezeichnet.


    Klappentext:

    August Snow kehrt mit zwölf Millionen Dollar Schadenersatz zurück in das Viertel seiner Kindheit. Genug Geld für den Ex-Polizisten, um seinen alten Humor wiederzufinden und ein neues Leben zu beginnen. Doch er hat die Rechnung ohne seine Feinde gemacht: Kurz nach seiner Rückkehr wird eine der mächtigsten Unternehmerinnen der Stadt tot aufgefunden. Snow setzt sich auf die Fährte des Mörders – und gerät in einen gefährlichen Strudel, der ihn in Detroits dunkelste Winkel hinabzieht. Die zwölf Millionen stammen aus einem Prozess gegen den korrupten Polizeiapparat der Stadt. Mit dem Geld will Snow, Sohn eines afroamerikanischen Polizisten und einer mexikanisch-amerikanischen Malerin, den Stadtteil seiner Kindheit wieder aufbauen. Da bittet ihn die Großunternehmerin Eleanore Padget, verdächtige Vorkommnisse in ihrer Bank aufzuklären. Snow lehnt ab. Kurz darauf wird die Frau tot aufgefunden. Selbstmord, lautet die Diagnose der Polizei. Snow hat Zweifel und begibt sich auf die Suche nach dem Mörder.


    Meine Meinung:

    Vieles an diesem Buch wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Die Hauptfigur August Snow, Sohn eines schwarzen Polizisten und einer Mexikanerin, kämpft für Gerechtigkeit und scheut dafür keine Konfrontation. Er sehnt sich nach seinem Heimatort und möchte ihn wieder zu einem Ort machen, an dem man sich wohlfühlt. Natürlich gibt es jede Menge Zeitgenossen, die andere Interessen haben. Snow hat einige wenige gute Freunde und viele Feinde. Er erkennt gute Menschen, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht so aussehen. Aber seine netten Eigenschaften vergisst er, wenn er zum gewaltbereiten Kämpfer für seine Ideale wird. Er wechselt ohne Schwierigkeiten zwischen Lyriker und Rambo. Er ist ein großer Kämpfer mit Herz, der einiges einstecken kann und muss. Alle anderen Figuren sind nur skizziert und lassen sich problemlos in Gut oder Böse einordnen. Es gibt nachdenklich wirkende Momente und knallharte Action. In den Actionszenen wird Snow schon mal übermenschlich. Das kennt der Leser aus vielen amerikanischen Romanen. Zuweilen gibt es auch humorvolle Szenen mit einer großen Portion Schwärze. Mein Liebling ist die Danksagung des Profikillers für das gute Gespräch nachdem er seinen Job erledigt hat.

    Der Spannungsbogen ist gekonnt gezeichnet und nach recht ruhigem Beginn legt das Tempo mehr und mehr zu. Die Sprache ist gut verständlich und passt sich dem Tempo der jeweiligen Szene an. Actionszenen werden spannend und mitreißend erzählt, so dass ich mit Snow mitgefiebert und mitgelitten habe. In ruhigen Passagen übermittelt der Autor die Sehnsucht nach Geborgenheit mit vielen Bildern aus guten Zeiten, auch mit lyrischen Elementen. So bleibt Snow auch in Zeiten als Kampfmaschine sympathisch, weil seine Gegenspieler ja abgrundtief böse sind.


    Fazit:

    Es bleibt ein Roman, der längst nicht so ungewöhnlich ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Überdurchschnittlich ist allerdings die sprachliche Gestaltung. Deshalb vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

    Die Hauptfigur gefiel mir überhaupt nicht


    Buchmeinung zu Marcus Wächtler – Erzfieber


    „Erzfieber“ ist ein Kriminalroman von Marcus Wächtler, der 2019 bei Edition Elbflorenz erschienen ist.


    Zum Autor:

    Aufgewachsen im wunderschönen Freiberg hat Marcus Wächtler seinen Wohnsitz nach dem Politik- und Geschichtsstudium ins beschauliche Dresden verlegt. Neben der Arbeit in seiner kleinen Eventagentur findet er genug Muße, um sich mit geschichtlichen, gesellschaftlichen und politikwissenschaftlichen Themen zu befassen. Als Kind dieses Studiums entstehen seine Geschichten voller Magie, Witz und Unterhaltung.


    Klappentext:

    Eine anonyme Millionenspende und das Verschwinden des Stadtkämmerers halten ganz Freiberg in Aufregung. Eine Leiche bringt zudem das Leben der jungen Freiberger Arzthelferin Ariane Itzen vollkommen durcheinander. Eigentlich wollte sie nur etwas Gutes tun. Stattdessen findet sie sich in einem Strudel aus Intrigen, Verschwörung und Mord wieder. Alle sind hinter neu entdeckten Erzvorkommen her. Nur sie hat die Chance, das mörderischer Verbrechen aufzuklären.


    Meine Meinung:

    Die Geschichte wird fast ausschließlich aus der Sicht der Hauptfigur Ariane Itzen erzählt. Mit der Hauptfigur hatte ich von Anfang an meine Probleme. Sie ist eine junge Frau, agiert aber zuweilen wie ein nerviger Teenager. Sie ist recht sprunghaft und ich konnte ihr Verhalten oft nicht nachvollziehen. Gerade ist sie noch verängstigt, da nimmt sie die Verfolgung eines Verdächtigen auf. Zudem entstand bei mir der Eindruck, dass sie ihre Mitmenschen oft ausnutzt, egal ob beruflich oder privat.

    Die Grundidee des Falles hat etwas, aber die Geschichte wird von vielen Zufällen getrieben. Wenn Spannung aufkam, dann war es meist mit einer überraschenden Aktion Arianes verbunden.


    Fazit:

    Bei mir wollte während des gesamten Buches kein Lesevergnügen aufkommen. Weil mir aber die Grundidee gefallen hat, bewerte ich das Werk mit zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B07VLNV38G

    Sehr unterhaltsam und voller Atmosphäre


    Buchmeinung zu Emmi Johannsen – Mordseestrand


    „Mordseestrand“ ist ein Kriminalroman von Emmi Johannsen, der 2021 bei Lübbe erschienen ist.


    Zum Autor:

    Emmi Johannsen ist das Pseudonym von Christine Drews. Ihre Romane, Thriller und Krimis konnten bereits etliche Leser im In- und Ausland begeistern. Mit ihren Borkum-Krimis erfüllt sie sich einen besonderen Traum: Inspiriert von ihrer liebsten Urlaubsinsel schreibt sie nun als Emmi Johannsen eine humorvolle Krimireihe um Caro Falk und Jan Akkermann, die gemeinsam auf Borkum Verbrecher jagen.


    Klappentext:

    Hochsommer auf Borkum, am Strand tummeln sich die Feriengäste. Auch Hobbydetektivin Caro Falk freut sich auf einen sonnigen Tag am Meer, da schreckt ein schriller Schrei die Urlauber aus ihren Strandkörben auf. Ein kleiner Junge steht knietief im Wasser und brüllt wie am Spieß - in seinem Eimer schwimmt ein abgetrennter Finger. Als wenig später die dazugehörige Leiche auftaucht, ist Caros Neugier geweckt. Der tote Wattführer war ein engagierter Umweltschützer, der auf der Insel einige Feinde hatte - und noch mehr Geheimnisse verbarg ....


    Meine Meinung:

    Caro Ackermann und ihr Sohn Justus sind auf Borkum angekommen. Sie arbeitet im Kiosk des Flughafens und wohnt bei ihrem Schwiegervater Hinnerk, obwohl sie sich von dessen Sohn Nils getrennt hat. Sie hat etliche Freundschaften geschlossen und ist auf der Insel gut vernetzt. Sie ist mir sehr sympathisch, ebenso wie ihr Sohn, ihr Schwiegervater und der etwas undurchsichtige Türsteher Jan. Meist wird die Geschichte aus Caros Perspektive erzählt und der Leser merkt schnell, dass Caro sehenden Auges durch die Welt geht. Der Schreibstil ist angenehm lesbar, humorvoll und überträgt viel Atmosphäre. Der Mix aus Nebenhandlungen und Kriminalfall ist gelungen und der Schwerpunkt verschiebt sich im Laufe der Geschichte in Richtung Kriminalfall. Die Handlung ist gut aufgebaut und hat mich an manchen Stellen überrascht. Die Auflösung ist gelungen und beantwortet alle Fragen. Etliche meiner Mutmaßungen durfte ich im Laufe der Zeit begraben. Mir hat dieser Band besser gefallen als der Vorgänger, auch wenn die von mir erwartete Liebesgeschichte zwischen Caro und Jan einfach nicht in Schwung kommt.


    Fazit:

    Mich hat diese Geschichte sehr gut unterhalten, weil der Mix aus Neben- und Krimihandlung stimmt und die Inselatmosphäre voll zum Tragen kommt. Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde ruhiger und gut erzählter Geschichten aus.


    ASIN/ISBN: B08LZQRSGJ

    Nach anfänglicher Action wird es merklich ruhiger


    Buchmeinung zu Peter Mohlin und Peter Nyström – Der andere Sohn


    „Der andere Sohn“ ist ein Kriminalroman von Peter Mohlin und Peter Nyström, der 2021 bei HarperCollins in der Übersetzung von Max Stadler und Ursel Allenstein erschienen ist. Der Titel der schwedischen Originalausgabe lautet „Det sista livet“ und ist 2020 erschienen.


    Zum Autor:

    Peter Mohlin ist Journalist. Er ist genau wie sein Coautor und bester Freund Peter Nyström in der Nähe von Karlstad in Schweden aufgewachsen. Die beiden sind seit Kindheitstagen befreundet und schrieben bereits mit zehn Jahren ihre erste Kriminalgeschichte.

    Peter Nyström ist Drehbuchautor und Regisseur. Mit seinem besten Freund und Coautor Peter Mohlin verbindet ihn die Liebe zum Verbrechen. Beide haben sich nun entschieden, wieder an die schriftstellerischen Anfänge ihrer Schulzeit anzuknüpfen und gemeinsam zu schreiben. Das Ergebnis ist Der andere Sohn, der erste Kriminalroman der Karlstad-Reihe.


    Klappentext:

    Vor zehn Jahren ist in der schwedischen Kleinstadt Karlstad eine junge Frau spurlos verschwunden. Ihre Leiche blieb verschollen, den einzigen Verdächtigen Billy musste man laufen lassen. Doch die Tat ist nie vergessen worden, die Schuldzuweisungen sind nie verstummt. Nun wird der Cold Case neu aufgerollt. Als sich der amerikanische FBI-Agent John Adderley nach einem missglückten Undercover-Einsatz in Baltimore eine neue Identität zulegen muss, ist für ihn sofort klar: Er will nach Schweden zurückkehren, zu seinen Wurzeln. Denn John hat noch eine alte Schuld zu begleichen. Billy ist sein Halbbruder und hat John schon früher angefleht, ihm zu helfen. Er sei unschuldig und die Provinzpolizei damals wie heute nur auf der Suche nach einem Sündenbock, beteuert er. Trotz des Risikos, dass Johns Verfolger aus Baltimore ihm in seine alte Heimat folgen, reist er nach Karlstad und wird Teil des Ermittlerteams. Das bringt nicht nur ihn in tödliche Gefahr.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich begeistert, enttäuscht und dann doch wieder begeistert. Es fängt mit viel Tempo und Action an, aber das war es auch in dieser Hinsicht. Es wechseln Kapitel, die aus der Sicht des Ermittlers geschrieben sind, mit solchen, die aus der Sicht eines reichen Vaters, dessen Tochter verschwunden ist. Die Kapitel aus der Sicht des Vaters stecken voller Emotion, während die anderen Kapitel eher emotionsarm sind. Keine der Figuren ist besonders sympathisch, auch weil man Motive erkennt, die sie zur Durchsetzung ihrer Ziele nutzen. John Adderley leidet in Stresssituationen unter Panikattacken, ist aber sonst ein kompetenter Ermittler. Unverständlich blieb für mich, wie vielen Menschen er seine wahre Identität offenbarte. Ein weiteres Manko ist seine Neigung, Grenzen zu überschreiten oder Regeln zu missachten.

    Der Fall selber ist komplex mit einigen Überraschungen. Fast alle Figuren sind nur grob skizziert, einzig John und der Vater der verschwundenen jungen Frau sind ausführlicher charakterisiert. Es gibt einige gelungene Auflockerungen wie den Streit um den Kaffeedienst der Ermittler oder John Treffen mit der taffen Anwältin bei einer Thai-Massage. Ich fand den Schreibstil der Autoren gelungen und konnte mich immer mehr in die Hauptfigur hineinversetzen. Die Auflösung war nachvollziehbar und der trocken dargebotene Cliffhanger am Ende hat mich fasziniert.


    Fazit:

    Ein Kriminalroman, der mich in weiten Teilen begeistert hat, dessen Hauptfigur aber zu oft Regeln missachtet, die er selbst für vernünftig erachtet. Deshalb gibt es von mir nur vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten). Ich spreche eine Leseempfehlung für Krimifreunde aus, die kein Actionspektakel erwarten.


    ASIN/ISBN: 374990121X

    Ein Cosy-Krimi mit Herz und Hunor


    Buchmeinung zu Heike Beardsley – Kaffee, Kuchen, Diamanten


    „Kaffee, Kuchen, Diamanten“ ist ein Kriminalroman von Heike Beardsley, der 2021 im dp Verlag erschienen ist. Dies ist der zweite Fall um die rüstige Rentnerin Lotte Meisner.


    Zum Autor:

    Heike Beardsley erblickte 1976 in Augsburg das Licht der Welt. Lesen spielte schon von Kindesbeinen an eine große Rolle in ihrem Leben und ist bis heute ihre große Leidenschaft geblieben. Die wunderschöne Pfalz inspirierte sie für ihre beiden Werke. Gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester verfasste sie den Historienroman Keltensonne, der am Donnersberg spielt. Kurz darauf erschien ihr erstes Cosy-Crime-Werk Tödliche Töne, das in der Vorderpfalz angesiedelt ist.


    Klappentext:

    Große Aufregung im Weindorf Ganzenheim. Lotte Meisners beste Freundin Agnes und einige andere Seniorinnen haben eine Einladung zu einer luxuriösen Kaffeefahrt erhalten, auf der es ein ganz besonderes Schmuckstück zu erwerben geben soll. Doch die rüstige Rentnerin Lotte glaubt nicht an das Sonderangebot und begleitet Agnes kurzerhand zusammen mit ihrer Hundedame Käthe. Ziel ist das „Chalet Jagdgrund“ mitten im Pfälzerwald, das sich aber als heruntergekommener Gasthof erweist und so gar nicht zu dem Hochglanzfoto auf der Einladung passen will. Unter den Reisegästen befinden sich allerhand skurrile Persönlichkeiten, und auch die Veranstalter verhalten sich seltsam und planen Ausflugstouren, die sich als Reinfall erweisen. Lotte spürt, dass da irgendetwas faul ist, und beschließt dem Treiben auf den Grund zu gehen …


    Meine Meinung:

    Dieses Buch besticht durch die sympathisch gezeichneten Figuren mit kleinen Macken. Der Kriminalfall ist eher ungewöhnlich und steht erst spät im Mittelpunkt. Lotte Meisner, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, ist um das Wohl ihrer Freundin Agnes besorgt, die an einer mehrtägigen Kaffeefahrt teilnimmt. Zusammen mit ihrer Hundedame Käthe wird sie aktiv. Sie begegnet auf der Kaffeefahrt alten Bekannten und neuen Figuren, die meist sehr skurril daherkommen und bewusst überzeichnet wirken. Es findet sich auch Zeit für ein bisschen Romantik und zu guter Letzt bekommt der Kommissar seinen Auftritt. Der Schreibstil ist angenehm und leicht verständlich. Die Spannung ist durchaus gegeben, bleibt aber auf niedrigem Niveau. Lotte und ihre Bekannten wirken durch die Bank sympathisch und gerne folgte ich ihrer Geschichte. Es ist nicht spektakulär aber zu jeder Zeit unterhaltsam und mit Humor, Beobachtungsgabe und Lokalkolorit gewürzt.


    Fazit:

    Wenig spektakulär aber humorvoll und unterhaltsam präsentiert sich der zweite Band um die sympathische und energische Rentnerin Lotte Meisner. Gerne vergebe ich knappe vier von fünf Sternen (70 von 100 Punkten) und eine Leseempfehlung gibt es dazu.


    ASIN/ISBN: B08V8VVBGM

    Herausragende Figurenzeichnung


    Buchmeinung zu C. S. Harris – Die Tote von Brighton


    „Die Tote von Brighton“ ist ein historischer Kriminalroman von C. S. Harris, der 2021 im dp Verlag in der Übersetzung von Katharina Radtke erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „When Gods Die“ und ist 2006 erschienen.


    Zum Autor:

    C. S. Harris, auch bekannt als Candice Proctor und C. S. Graham, ist die USA-TODAY-Bestsellerautorin von mehr als zwei Dutzend Romanen, darunter die historische Krimi-Bestsellerserie rund um Sebastian St. Cyr. Als ehemalige Akademikerin mit einem Doktortitel in europäischer Geschichte hat Candice einen Großteil ihres Lebens im Ausland verbracht und in Spanien, Griechenland, England, Frankreich, Jordanien und Australien gelebt. Heute wohnt sie zusammen mit ihrem Ehemann, dem pensionierten Armeeoffizier Steven Harris, in New Orleans, Louisiana.


    Klappentext:

    Brighton, England, 1811. Die schöne Frau eines alternden Marquis wird tot aufgefunden – ausgerechnet in den Armen des Prinzregenten. Ein Skandal für die englische Krone! Doch der Fall wird noch verstrickter. Um den Hals der toten Frau befindet sich eine mythische Halskette, die ausgerechnet auf Sebastian St. Cyr, Viscount Devlin deutet. Schon wieder sieht Sebastian sich damit in einen Mordfall verwickelt. Verfolgt von seiner Vergangenheit untersucht er sowohl den Tod der Marquise als auch seine eigene mögliche Verbindung dazu – und stößt dabei auf ein komplexes Gerüst aus Lügen und Täuschungen.

    Mit Hilfe seiner Geliebten Kat Boleyn und einem ehemaligen Straßenjungen kommt Sebastian dem Mörder immer näher. Und als ein Mord nach dem nächsten geschieht, sieht er sich mit einer Verschwörung konfrontiert, die seine eigene Identität bedroht ... und die Monarchie selbst in Gefahr bringt.


    Meine Meinung:

    Auch der zweite Band aus dieser Serie hat mich bestens unterhalten. Als herausragend empfinde ich die Figurenzeichnung und das Setting dieser Reihe. Viele der Figuren sind komplex gezeichnet und haben dunkle Flecken. Eine wesentliche Rolle spielt das Aufeinandertreffen zwischen verschwenderischem Reichtum der Oberklasse und großer Armut in weiten Teilen der Bevölkerung. Typische Verhaltensweisen der besseren Kreise werden erläutert und man versteht, wie es zu Heiraten von alten Männern mit jungen Damen der Gesellschaft kommt. So ist auch Kat aus Sicht der Familie keine angemessene Ehefrau für Sebastian, den Viscount Devlin. Die Hauptfigur ist eine gelungene Mischung aus Sherlock Holmes und James Bond. Auch wenn er über ein sehr gutes Gehör und eie sehr gutes Nachtsichtvermögen verfügt ist er kein Supermensch. Er weis sich aber zu wehren und schreckt auch vor tödlicher Gewaltanwendung nicht zurück. Kat Boleyn und Sebastian lieben sich innig, aber gerade deshalb lehnt sie seine Heiratsanträge immer ab. Kat, der Straßenjunge Tom, mittlerweile als Tiger in Diensten des Viscounts, und der Wundarzt Gibson, dem Sebastian aus seiner Soldatenzeit verbunden ist, bilden das Ermittlerteam. Eine besondere Rolle spielt Lord Jarvis, der im Hintergrund die Fäden im Staat zieht. Lord Jarvis ist überaus mächtig und versucht Vieles unter den Teppich zu kehren, wenn es ihm zu Pass kommt. Der Fall ist komplex und bringt auch die Ermittler in Gefahr.

    Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt und auch die Gedanken der handelnden Personen werden deutlich. Auch wenn diverse Nebenhandlungen mit der Geschichte verquickt werden, bleibt die Spannung durchweg auf hohem Niveau. Der Schreibstil ist flüssig und eindringlich. Anmerkungen der Autorin zur historischen Einordnung runden das Werk ab.


    Fazit:

    Auch der zweite Fall für Count Devlin hat mich begeistert. Figurenzeichnung und Setting sind überragend. Deshalb vergebe ich fünf von fünf Sternen (95 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 3968176138

    Ein überaus unterhaltsamer Wohlfühlkrimi


    Buchmeinung zu Tatjana Kruse – Der Club der toten Sticker


    „Der Club der toten Sticker“ ist ein Kriminalroman von Tatjana Kruse, der 2021 im Haymon Verlag erschienen ist. Dies ist bereits der achte Fall um den stickenden Ex-Kommissar Siggi Seifferheld.


    Zum Autor:

    Die Krimiautorin Tatjana Kruse, Jahrgangsgewächs aus süddeutscher Hanglage, lebt und meuchelt in Schwäbisch Hall. Ihre Krimis sind schräg, komisch und immer mit einem Augenzwinkern geschrieben.


    Klappentext:

    Stickende Männer leben gefährlich!

    In Schwäbisch Hall fällt ein Männerstickkränzchenmitglied nach dem anderen tot um, gemeuchelt mit einer Präzisionsschleuder. Wer tut sowas? Ein Stricker mit rrr, also einer aus dem gegnerischen Lager? Oder ein Traditionalist, der es nicht erträgt, wenn Männer diese ehemalige Frauen-Domäne für sich erobern? Und wird er erst aufhören, wenn auch Siggi Seifferheld, der prominenteste unter den Männer-Stickern, tot ist? Oder ist Siggi selbst größenwahnsinnig geworden und will die Konkurrenz ausschalten?

    Von Letzterem gehen leider die Ex-Kollegen von der Mordkommission aus, weil: Alle Indizien sprechen gegen Siggi. Herrje! Da muss er den Täter wohl wieder einmal selbst aufspüren …


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist ein humorvoller Kriminalroman, in dem viele Humorvarianten vertreten sind. Von Slapstick bis Wortwitz hat jede Variante ihre Zeit. Der Kriminalfall tritt zeitweilig in den Hintergrund, kommt aber immer wieder zum Tragen. Bei der Beschreibung der Figuren und der Handlungsorte spürt man jederzeit die Liebe der Autorin zu ihrer Heimat. Meist wird die Handlung aus der Sicht des Ex-Kommissars Siggi Seifferheld beschrieben, dem die ein oder andere kleine Schwäche gegönnt wird, was ihn überaus sympathisch macht. Zudem ist seine Marianne auf Reisen und es ist überaus vergnüglich zu lesen, mit welchen Tricks er ihr eine heile Welt vorgaukelt. Aber ohne Frauenpower aus der Familie geht es nicht. Diesmal eilt seine große Schwester dem angeschlagenen Rentner zu Hilfe. Da auch sein Hund Onis mit Problemen zu kämpfen hat, braucht es mehrere Anläufe bis Siggi auf die richtige Spur kommt.

    Der Schreibstil der Autorin ist bildhaft und leicht verdaulich. Mein Kopfkino lief auf Hochtouren.


    Fazit:

    Ein vergnüglicher Kriminalroman, der durch Humor und liebevoll gezeichnete Figuren punktet. Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 3709979188

    Eine überzeichnete Liebesgeschichte im Deckmantel eines Kriminalromans


    Buchmeinung zu Christine Zilinski – Mord im Weinberg


    „Mord im Weinberg“ ist ein Kriminalroman von Christine Zilinski, der 2021 bei neobooks erschienen ist. Dies ist der vierte Band in der Serie um die Redakteurin Charlotte Bienert und Kommissar Paul Jankovich.


    Zum Autor:

    Christine Zilinski ist hauptberuflich Medizinjournalistin, doch das fachliche Schreiben ist der Autorin nicht genug. Seit 2014 schreibt sie Cozy Mysteries, in denen sie die junge Redakteurin Charlotte Bienert als Hobbyermittlerin zur Aufklärung von Mordfällen losschickt. Begleitet und unterstützt wird Charlotte von Kommissar Paul Jankovich - dem ihre Schnüffeleien gar nicht passen. Da Charlotte jedoch hartnäckig an den Fällen dran bleibt, bilden die beiden ein Ermittlerduo wider Willen - und das recht erfolgreich. Die Romane spielen allesamt in Stuttgart, der Heimat der Autorin.


    Klappentext:

    Charlotte soll einen Reportage-Scoop landen - steht doch die Zukunft der Weinstadt Woche und somit ihre eigene auf dem Spiel! Aber wie soll sie ihrer Arbeit nachgehen, wenn sie beim Spaziergang schon wieder über einen kaltblütigen Mord stolpert? Auch Kommissar Jankovich erkennt die Brisanz der Todesumstände und will mit aller Kraft verhindern, dass die junge Reporterin Leib und Leben riskiert. Doch ist Charlotte Bienert im Umfeld des medienscheuen Weinfachwirts Nikolas Paulsen, über den sie die Reportage schreiben soll, wirklich sicher?


    Meine Meinung:

    Dieses Buch firmiert als Kriminalroman, war für mich aber eher eine Liebesgeschichte um das ungleiche Ermittlerpaar. In Sachen Gefühle hat die Autorin nicht gekleckert sondern geklotzt. Beide Gefühlswelten wirkten derart überzeichnet, dass es schon groteske Züge annahm. Der kriminalistische Aspekt überzeugte durchaus. Ermittlungen und Motiv waren nachvollziehbar, traten aber immer wieder in den Hintergrund. Auch die Charakterisierung der beiden Hauptfiguren litt unter diesem Umstand. Da beide Hauptfiguren abwechselnd in die Rolle des Erzählers schlüpften, kamen ihre Gefühle zueinander immer wieder in den Fokus. Ebenso wurde wiederholt geschildert, dass sich beide mit ihren aktuellen Partnern in einer Beziehungskrise befanden. Das war nicht das, was ich lesen wollte.


    Fazit:

    Vielleicht kann man das Werk als Liebesroman mit kriminalistischen Einschüben beschreiben, aber als Kriminalroman fand ich es schlicht enttäuschend – Liebesroman wäre eher korrekt gewesen. Deshalb bewerte ich es nur mit zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B08VS67YS6