Beiträge von wampy

    Ich hatte mit das Leben in der DDR eher normaler vorgestellt. Meine Großeltern hatten einen Bauernhof im der Nähe von Wismar, der dann in die örtliche LPG eingegliedert wurde. Meine Oma ist noch ein paar Jahre dort geblieben, dann aber zu uns in den Westen gekommen. Sonst hatten wir nur Ostbesuche von Rentnern, die sich weitgehend mit dem Staat arrangiert hatten. Sie haben nie so klar die schlechte Versorgungslage und die Repressalien geschildert. Einen Schock fürs Leben habe ich erst bekommen, als ich mit meinem Vater und zwei seiner Schwestern sein Geburtshaus besucht habe. Da haben Menschen in einem Haus gelebt, in dem man stellenweise durch die Decken gucken konnte. In dem kleinen Ort gab es nur eine junge Familie, der Rest waren Rentner oder Leute, die kurz vor der Rente waren und nicht mehr wegziehen wollten.

    Der Ausreiseantrag seiner Eltern kann auch Marcus nicht ruhig lassen. Er muss mit weiteren Repressalien rechnen. Die geschilderte Entwicklung in der DDR muss ja für alle Beteiligten deprimierend gewesen sein. Nicht nur die Bewohner sondern auch die politische Führung müssen verzweifelt gewesen sein. Das es nicht besser wurde, muss ja jeder gemerkt haben. Menschen wie Gorbatschow müssen ja lebensbedrohend gewirkt haben. Die Ablehnung seiner Gedanken durch die Staatsführung kann ich nachvollziehen.

    Die Gefühlslage von Markus beschreibt der Gedanke an eine offene Konfrontation, um sich einsperren zu lassen und dann auf eine Freikaufaktion zu hoffen, sehr eindringlich. Dann die Flucht in den Westen in der Hoffnung auf eine spätere Familienzusammenführung, sicherlich auch ein Zeichen der Verzweiflung. Auch ich denke, dass es mit Marcus in der DDR nicht mehr lange gut gegangen wäre.

    Die Idee ist ja nun grundlegend gescheitert. Am absurdesten finde ich, wie sich die Eigentümer zum Volkseigentum verhalten haben. Alles, Maschinen, Betriebe, Wohnungen, Werkzeuge, Ställe, Möbel in Schulen usw.usw. gehörte ja, zumindest auf dem Papier, den Werktätigen. Aber wie wurde damit umgegangen? Nicht pfleglich behandelt, Material, was nicht oder schlecht zu bekommen war, wurde "umgelagert"...Wenn Jedem alles und keinem etwas gehört, verliert es wohl an Wert und auch Wertschätzung.

    "Was des Volkes Hände schaffen, ist des Volkes Eigen!" und so. Ein paar hatten Teil am Reichtum und die Anderen mussten sich mit dem begnügen, was nicht in den Export ging und es bis in die Läden schaffte(oder unter die Ladentische).

    Du hast Recht: Kommunismus funktioniert nicht mit Menschen.

    Da muss ich dir leider zustimmen. Ähnliches erlebe ich in meinem Berufsleben zunehmend in Bezug auf Firmeneigentum oder zum Beispiel bei Gemeinschaftsräumen wie Kaffeeküchen.

    Hallo Clare,

    mein Beitrag über die Intoleranz ging nicht gegen dich oder einen anderen Teilnehmer der Leserunde, sondern gegen die vor allem im Internet gelebte Intoleranz. Aber auch viele politische Meinungsträger entwickeln sich in diese Richtung. was die Fronten verhärtet und Diskussionen unterdrückt.

    Ich finde nicht, dass wir uns vorrechnen müssen, wer der beste, bewussteste und schon immer oppositionelle Mensch war in diesen Zeiten.

    Das denke ich auch. Jeder macht es so, dass er damit zurecht kommt.

    Mir stößt es momentan auf, dass manche 'Leute glauben, es gäbe nur eine akzeptable Meinung zu bestimmten Punkten, wie z. B. Umweltschutz. Ihre Toleranz geht gegen null.Wenn man über Themen nicht mehr ergebnisoffen diskutieren kann, dann ist bei uns was schief gelaufen.

    Buchmeinung zu Bernard Cornwell – Der Erzfeind


    „Der Erzfeind“ ist ein Historischer Roman von Bernard Cornwell, der 2007 bei Ullstein in der Übersetzung von Claudia Feldmann erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Heretic“ und ist 2003 erschienen. Ich habe die ungekürzte Lesung durch Frank Stöckle gehört, die 2019 im Audiobuch Verlag erschienen ist. Dies ist der dritte Band zur Serie „Die Bücher vom Heiligen Gral“.


    Zum Autor:
    Bernard Cornwell wurde 1944 in London geboren. Nach seinem Geschichtsstudium arbeitete er als Reporter für die BBC. 1980 folgte er seiner Frau in die USA, und weil er keine Arbeitserlaubnis erhielt, begann er, historische Romane zu schreiben. Bernard Cornwell lebt auf Cape Cod, USA.


    Klappentext:
    In einer blutigen Schlacht erobern die Engländer 1347 Calais - der lange Krieg mit Frankreich scheint beendet. Nur für Thomas von Hookton gibt es keine Rast. Seine Suche nach dem Heiligen Gral geht weiter. Sie führt ihn in die Gascogne, zum Schloss von Astarac, das einst seinen Vorfahren gehörte und heute Guy Vexille, dem Mörder seines Vaters. Genau an diesem Ort ist der Gral zum letzten Mal gesehen worden.
    Als Thomas das Schloss erreicht, wird er Zeuge einer Tragödie: Eine junge Frau soll als Ketzerin verbrannt werden. Thomas kann sie vor dem Scheiterhaufen bewahren, und sie fliehen - durch ein blutgetränktes Land, einer Schlacht entgegen, die nicht nur über Leben und Tod entscheiden wird, sondern auch über die Zukunft der Christenheit.


    Sprecher:
    Frank Stöckle arbeitet als Musiker, Schauspieler und Sprecher. Als Hörbuchsprecher versteht er es, Lesungen gekonnt und fein moduliert in Szene zu setzen. Er spricht dieses Buch ausgezeichnet. Seine Lesung bekommt fünf von fünf Sternen.


    Meine Meinung:
    Auch jn diesem Buch geht es gewohnt rau und blutig zu. Im Gegensatz zu dem Vorgängerband gibt es aber wieder mehr Handlung neben den Schlachtenbeschreibungen. Ein französischer Kardinal mischt nun bei der Gralsuche mit und er hat so seine eigenen Ideen, wie man den Gral findet. Thomas befreit eine verurteilte Ketzerin und dies führt zu einem ernsthaften Konflikt mit seinem schottischen Freund und Waffenbruder Robbie, der ebensfalls ein Auge auf die schöne Frau geworfen hat. Es gibt neue Bösewichte, aber auch neue Freunde für Thomas. Ein besonderes Augenmerk liegt diesmal auf umherziehende Räuberbanden, die aus geflüchteten Zivilisten mit Frau und Kind gebildet werden. Ihnen bietet sich keine andere Möglichkeit, um zu überleben. Der technische Fortschritt hält Einzug mit Geschützen und Kanonen, deren Nutzung Bernard Cornwall gewohnt akkurat beschreibt. Im Süden Frankreichs kommt es dann zum Zusammentreffen von Thomas mit seinem Vetter, dem schwarzen Ritter Guy Vexille. Zeitgleich zieht eine Pestepidemie über das Land und findet in den geschwächten Bewohnern leichte Opfer.
    Bernard Cornwall findet in diesem Band wieder zur Bestform und glänzt auch mit überraschenden Wendungen und faszinieren Kampfschilderungen. Diesmal kommt aber auch die Motivation der Beteiligten zur Sprache. Diese eher ruhig angelegten Abschnitte bereichern das Buch deutlich. Im Showdown zieht er noch einmal alle Register und es wird deutlich, dass die Welt ohne Gral besser dran ist.


    Fazit:
    Der Abschluss der Trilogie ist auch ihr Höhepunkt. Gerne vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für all diejenigen Leser aus, die mit reichlich Gewalt gut zurechtkommen.


    ASIN/ISBN: 3958625096

    Was die Behandlung junger Soldaten angeht, so kann ich aus meiner Bundeswehrzeit als W15-er (1976/77) sagen, dass es nicht so schlimm wie bei der NVA war, aber es schon Hierarchien und Rituale (oder wie immer man das nennen mag) gegeben hat. Ab und zu kommen ja noch heute solche Missstände an die Oberfläche, meist auch noch bei "Eliten".

    Und wieder habe ich eine Menge erfahren, von dem ich vorher nichts wusste. Ich habe gewusst, dass es Strafmaßnahmen gab, aber nicht wie weit diese gegangen sind. Auch von der Macht der Stasi hatte ich gehört, aber auch da war mir der tatsächliche Einfluss nicht bewusst.

    Die mangelhafte Arbeitseinstellung scheint mir aber auch ein Problem von Großbetrieben zu sein. Etliche glauben, dass ihr Einsatz nicht von Nöten ist und arbeiten entsprechend. Und die positive Bewertung von sozialer Gesinnung ähnelt der Vetternwirtschaft.

    Manchmal scheint mir Marcus ziemlich verbohrt zu sein, weil er in gewissen Dingen keinerlei Zugeständnisse macht. Dann ist er einerseits beim Aufbau der Reitsportgruppe sehr aufmerksam, während er bei der Vorführung der Kabarettisten ziemlich blauäugig agiert. Manchmal scheint es mir wie ein Ritt auf der Rasierklinge. Als brauche man diese Gefahr, um seine Fähigkeiten voll nutzen zu können. Oder ist es das Symbol des Widerstandes, den es zum Leben braucht?

    Wie soll man einen Staat, der mit Panzern gegen seine demonstierenden Bürger vorgeht, sie bespitzelt und einsperrt denn sonst nennen? Auch wenn der Westen oft viel zu schnell zu den Waffen gegriffen hat ( und auch heute noch greift) um seine außenpolitschen Interessen durchzusetzen, das kann man mMn nicht vergleichen.

    Schau Dir aber auch mal an, wie westliche Länder mit sogenannten Befreiungsgruppen umgegangen sind, z. B. Nordirland, Korsika, Baskenland, Molukker in den Niederlanden. So etwas vergessen wir leicht. Bei uns sind es dann ganz schnell Terroristen geworden. Der Unterschied zwischen Befreiern und Terroristen ist oft nur der, wer gewonnen hat. Schau dir z. B. nur die Entwicklung und Entstehung Israels an.

    Oder die "Berufsverbote" für potentielle Lehrer, wenn sie an falschen Demos teilgenommen hatten.

    Für mich ist es eine neue Welt. Ich lebe ganz im Westen Deutschlands, war in Berlin erst nach dem Mauerfall und war mit der Schule einmal in Prag. So habe ich nie Ostfernsehen geschaut, auch wenn mein Vater in der Nähe von Wismar aufgewachsen ist.

    Es ist kaum zu glauben, dass die obersten Chefs keine Ahnung vom wahren Zustand hatten, aber natürlich hatten die untergeordneten Stellen ein Interesse an diesem Eindruck.

    Für die Familie Leipold war es tragisch, einen Tag zu spät fliehen zu wollen. Aber die Beschreibung der Zustände an jenem 13. August zeigt auch, dass niemand mit dem Mauerbau gerechnet hatte. Es ist schon eine Leistung, so etwas wirklich geheim gehalten zu haben.

    Die Bevorzugung bestimmter Sportvereine ist mir schon vorher zu Ohren gekommen. Es muss gerade auch für die Betreuer ein Riesenproblem gewesen sein, mit ungeeignetem oder sogar gefährlichen Geräten zu hantieren. Das Schicksal des Jungen ist schon schlimm. Aber fast noch mehr hat mich die Szene beim Zoll getroffen.

    Generell empfand ich die DDR nicht als Unrechtsstaat, zumindest nicht mehr als die übrigen Ostblockstaaten. Mag sein, dass für mich auch einige westliche Staaten Unrechtsstaaten waren, die ihre Interessen ungehemmt mit Waffengewalt durchzusetzen versuchten. Andererseits war die DDR ein anerkannter Staat wie z. B. auch Ungarn und Bulgarien. Von daher hatte ich in jungen Jahren nie das Bedürfnis nach einer Wiedervereinigung, die ich mir nicht einmal im Traum vorstellen konnte.

    Interessant fand ich die beidseitige Ablehnung von Staat und Kirche, die mir sehr einleuchtete.

    Ein Mann, ein Haus, ein Kind


    Buchmeinung zu Brigitte Riebe – Wunderbare Zeiten


    „Wunderbare Zeiten“ ist ein Roman von Brigitte Riebe, der 2019 bei Wunderlich erschienen ist. Dies ist der zweite Teil der Trilogie um die Schwestern vom Ku'damm.


    Zum Autor:

    Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und arbeitete zunächst als Verlagslektorin. Sie hat mit großem Erfolg zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen sie die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte lebendig werden lässt. Ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in München.

    Klappentext:

    Berlin, 1952: Man muss das Leben tanzen, das war schon immer Silvie Thalheims Motto. Während für Schwester Rike das Kaufhaus am Ku'damm an erster Stelle steht, will Silvie nach der dunklen Zeit des Krieges nur eins: das Leben in vollen Zügen genießen. In den Wirtschaftswunderjahren laufen die Geschäfte ohnehin bestens, das Kaufhaus Thalheim bietet die neueste Mode an. Petticoats und Nylonstrümpfe, dazu feine Kollektionen aus Italien. So träumt Silvie ihren eigenen Traum: als Rundfunkredakteurin beim RIAS Karriere zu machen.

    Doch seit ihr Zwillingsbruder aus dem Krieg heimgekehrt ist, hat sich die Dynamik in der Familie verändert. Oskar soll das Unternehmens leiten, gibt sich aber lieber dem Rausch durchfeierter Nächte hin. Als dann auch noch ein verhasster Konkurrent die Geschäfte torpediert und den Thalheims alles zu nehmen droht, wird Silvie klar, dass sie Verantwortung für das Kaufhaus und ihre Familie übernehmen muss…


    Meine Meinung:

    Erstaunt habe ich festgestellt, dass mich Romane mit Familiengeschichten immer wieder gefallen. So ist es auch im zweiten Band um die Familie Thalheim. Die Mischung aus realen historischen Elementen mit einer fiktiven Familiengeschichte übt einen starken Reiz aus. Die Autorin lässt in einem wunderbar leicht zu lesenden Schreibstil ein halbes Jahrzehnt vor dem Leser dahin fliegen, ohne dass es einen Moment langweilig wird. Im Mittelpunkt steht diesmal die selbstbewusste Silvie Thalheim, die sich aus der Familie gelöst hat und als Radiomoderatorin sehr erfolgreich ist. Diese Selbstbestimmung gerät in Gefahr als die Familie mehr Einsatz für das Modekaufhaus fordert. Zusätzlich wird sie vom klassischen Frauenbild mit Mann, Haus und Kind eingeholt. Schicksalsschläge und hoffnungsvolle Entwicklungen stehen im Fokus der Geschichte und Silvie muss ihr Leben immer wieder neu ordnen. Aber auch andere Familienmitglieder werden begleitet und auch ihre Sorgen, Nöte, Hoffnungen und Erlebnisse kommen nicht zu kurz. Ein Gefühl für die Zeit erhält man durch eingestreute Liedtexte, Nachrichten über politische Entwicklungen in Berlin, aber auch im Ostblock. Man verfolgt das Auseinanderdriften zwischen Ost und West, gerade auch in den Auswirkungen auf einzelne Personen. Es ist wunderbar erzählt und doch hat es mich nicht so gefesselt wie der erste Teil. Vielleicht ist Aufbau einfach interessanter als Weiterentwicklung.

    Die Figuren sind interessant gestaltet mit Ecken und Kanten und sie entwickeln sich weiter. Es gibt Zeiten der Reflektion und Zeiten des Handelns. Die Atmosphäre einer aufstrebenden Stadt ist jederzeit spürbar und ich habe mich mit den Figuren gefreut und auch mit ihnen gelitten. Eine Zeittafel mit wichtigen und interessanten Ereignissen vervollständigt das positive Leseerlebnis. Ich freue mich schon auf den dritten Teil.


    Fazit:

    Die Geschichte der Thalheims wird faszinierend weitergeführt und doch fällt es im Vergleich zum ersten Teil etwas ab. Deshalb diesmal nur sehr gute vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung.

    Nun ist es vorbei. Es schien auf ein positives Ende hin zu laufen, aber dann die Nachricht von Oskars Tod. Zwischendurch hatte ich schon erwartet, dass er am Romanende gestorben wäre, gerade nach dem Fiasko mit Franzi, die ihm vorher so viel Halt gegeben hatte. Insgesamt überwiegen aber die guten Nachrichten. Miri ist mit Mann und Adoptivkind glücklich, welches sie durch sein Anderssein fasziniert hat. Eine wundervolle Idee. Carls rastlose Suche ist erfolgreich, Silvie ist ihrem Max verfallen und auch Flori meldet sich. Dann sind ein paar Verwandtschaftsbeziehungen anders als bisher gedacht. Was ich bisher nicht wusste war die Ausnutzung der vorwiegend weiblichen Arbeitskräfte aus Ostberlin. Überhaupt habe ich viel über die Berliner Geschichte erfahren, die mich bisher nicht fesseln konnte.

    In dem Roman gibt es so viele starke Frauenfiguren, aber die Prägung auf Mann, Haus und Kind gewinnt dann doch meist die Oberhand. Rike, Miri und Silvie glänzen in ihren Berufen, aber mit ihren Kindern scheinen sie ihre Berufung gefunden zu haben. Immerhin kehren sie schnell in ihre beruflichen Rollen zurück. Ob es Florentine ähnlich ergehen wird?

    Buchmeinung zu Nicole Peters – Letzte Ausfahrt Auerberg


    „Letzte Ausfahrt Auerberg“ ist ein Kriminalroman von Nicole Peters , der 2019 bei KBV erschienen ist.


    Zum Autor:

    Nicole Peters (* 1968) hat in Bonn Geografie studiert, entschied sich anschließend jedoch dazu, im Lektorat eines Verlages zu arbeiten. Sie ist eine der „Mörderischen Schwestern“ und Mitglied der Literaturwerkstatt Hennef, ihrer Heimatstadt. „Land im Nebel“, ein historischer Roman, erschien 2018. „Letzte Ausfahrt Auerberg“ ist Nicole Peters’ erster Kriminalroman.


    Klappentext:

    Unter einer Autobahnbrücke im Bonner Norden wird eine Frauenleiche gefunden, zu deren Identität es keinerlei Hinweise gibt. Sicher ist nur, dass sie eines gewaltsamen Todes gestorben ist. Bei der als Opfervertreterin bekannten Rechtsanwältin Helen Freitag meldet sich kurz darauf ein Ehepaar, das glaubt, auf den Zeitungsfotos ihre vor zwanzig Jahren verschwundene Tochter Natalie wiedererkannt zu haben.

    Schnell stellt sich heraus, dass die Mandanten gut daran getan haben, sich nicht unmittelbar an die Polizei zu wenden. Denn der ermittelnde Kriminalhauptkommissar weigert sich, eine Verbindung zwischen dem damaligen Vermisstenfall und dem Leichenfund herzustellen, womöglich um seine eigenen, vor zwanzig Jahren begangenen Fehler, zu vertuschen.

    Helen muss sich tiefer in die Ermittlungsarbeit einlassen, als ihr lieb ist. Als sie anonyme Emails erhält, erkennt sie, dass jemand ihre Nähe sucht, der mehr über den Mord zu wissen scheint. Sie beginnt zu ahnen, dass ihre Nachforschungen gefährlich für sie werden könnten …


    Meine Meinung:

    Dieses Buch besticht durch den angenehm zu lesenden Schreibstil der Autorin. Sie erzählt flüssig und doch informativ. Die Figuren werden anschaulich dargestellt und haben doch ihre Ecken und Kanten. Die Geschichte spielt auf mehreren Zeitebenen. In Rückblenden wird aus der Sicht des späteren Opfers die tragische Entwicklung ihrer Beziehung dargestellt. In der Gegenwart lernen wir die Anwältin Helen und ihre neue Auszubildende Marie mit ihren Sichtweisen kennen. Die Emotionen der Beteiligten werden deutlich und doch blieben sie mir weitgehend fremd. Leider hat mir auch die Geschichte selbst weniger gefallen. Auf mich wirkte fast alles ein wenig überzogen. Alle Figuren haben recht große Probleme im privaten Bereich und der Plot war überkonstruiert. Die Spannung wurde hoch gehalten, aber die Authenzität der Figuren ging verloren. Gerade Helen agierte mit zu viel Herz und Wagemut, insbesondere für eine Anwältin. Ich denke, dass die Autorin hier zu viel wollte.


    Fazit:

    Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen, aber die erzählte Geschichte war mir eindeutig zu konstruiert und hat mich nicht überzeugt. Deshalb kann ich nur zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten) vergeben. Ich werde der Autorin aber eine weitere Chance geben.


    ASIN/ISBN: 3954414767

    Das Leben geht weiter bei den Thalheims. Beeindruckend die Flucht der Pfarrerstochter in den Westteil der Stadt. Eine riesengroße Narbe als Zeichen des Widerstands. Interessant dazu die rechtliche Bewertung durch Carl. Es ist kaum zu glauben, wie unterschiedlich die Entwicklung in den einzelnen Sektoren voranging.

    Auffällig auch, wie zufrieden Rikes Schwiegermutter mit Matteo ist. Da ist er, der Stammhalter.

    Silvie hat erneut ihr Glück gefunden, aber diesmal scheint es für länger zu sein. Oskar tritt ein wenig in den Schatten. Weiterhin begleiten bekannte Figuren aus Kunst und Politik die Geschichte.

    Auch wenn mich die Geschichte wieder mitnimmt, so erreicht sie doch nicht die Intensität des ersten Bandes.

    Buchmeinung zu Rhys Bowen – Tödliche Tatsachen


    „Tödliche Tatsachen“ ist ein Kriminalroman von Rhys Bowen, der 2019 bei dp DIGITAL PUBLISHERS in der Übersetzung von Lennart Janson erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Evan Only Knows“ und ist 2003 erschienen. Dies ist der siebte Fall um den walisischen Dorfpolizisten Evan Evans.


    Zum Autor:

    Rhys Bowen wurde in Bath, England, geboren, studierte an der London University, heiratete in eine Familie mit historischen königlichen Verbindungen und verbringt nun ihre Zeit im Norden von Californien und Arizona. Zunächst schrieb sie Kinderbücher, doch auf einer Reise in ihre malerische walisische Heimat fand sie die Inspiration für ihre Constable-Evans-Krimis. Diese Kriminalgeschichten sind mittlerweile Kult und wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


    Klappentext:

    Alles was Constable Evan Evans möchte ist eine ruhige Zeit mit seiner neuen Verlobten bei seiner Mutter zu verbringen. Doch kaum angekommen warten schockierende Neuigkeiten auf das frisch verliebte Paar: Der Mörder von Evans Vater wird einer weiteren Tat beschuldigt. Nach vier Jahren Jugendstrafe soll er nun die Tochter seines Arbeitgebers getötet haben. Als Evan den Jungen jedocht trifft, ist er erstaunt, dass er keinen eiskalten Killers vorfindet, sondern einen verängstigten jungen Mann, der seine Unschuld beteuert.

    Gegen die eigene Vernunft glaubt Evan dem Jungen und beschließt, selbst zu ermitteln, auch wenn seine Vorgesetzten davon alles andere als begeistert sind. Aber kann er seinen Instinkt vertrauen oder werden ihn die Erinnerungen an den Mord seines Vaters in die Knie zwingen?


    Meine Meinung:

    Der Ortswechsel nach Swansea tut der Serie gut. Neben den Familienmitgliedern mit ihren Eigenheiten blühen Evan und vor allem Bronwen auf. Gerade Bronwen zeigt überraschende Eigenschaften und eine zupackende Art. Evan wird erneut von Selbstzweifeln geplagt, aber er tut das, was er wirklich gut kann. Er redet mit den Leuten und hört ihnen aufmerksam zu. Verbunden mit seinem kriminalistischen Gespür und seiner Phantasie entwickelt er neue Ideen, auch wenn diese ihn unbeliebt werden lassen. Auch wenn er den Hauptverdächtigen nicht ausstehen kann, so steht Gerechtigkeit auf Evans Werteskala ganz oben. Auch die negativen Ereignisse wie die Maul- und Klauenseuche in Nordwales, die Einsamkeit seiner allein lebenden Mutter oder die Erfahrungen mit der dementen Zeugin, geben dem Roman mehr Tiefe. Der Schreibstil vermittelt viel Flair und Gefühl, ohne die Klarheit vermissen zu lassen. Die Spannung nimmt erst spät Fahrt auf, bleibt dann aber auf hohem Niveau. Der Fall an sich ist nicht sonderlich spektakulär, bietet aber doch einige Überraschungen.


    Fazit:

    Dieser Fall aus der Serie um Constable Evans hat mich positiv überrascht. Der Autorin gelingt es die liebenswerten Figuren nachhaltig zu beleben. Meine Wertung lautet vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und für die Freunde eher ruhiger Krimis gibt es eine Leseempfehlung.


    ASIN/ISBN: B07WG92YSR

    Buchmeinung zu Burkhard Wetekam – Haifische am Strelasund


    „Haifische am Strelasund “ ist ein Kriminalroman von Burkhard Wetekam, der 2019 bei Hinstorff erschienen ist.


    Zum Autor:

    Burkhard Wetekam wurde 1968 am Rande des Ruhrgebietes geboren. Er studierte Germanistik, Musik und Philosophie und war mehrere Jahre als freier Journalist tätig, unter anderem für den Deutschlandfunk und die Wochenzeitung DIE ZEIT. Burkhard Wetekam schreibt Sachbücher, Romane und Erzählungen. Er lebt in Hannover.


    Klappentext:

    Eigentlich hatte er vor, eine entspannte Urlaubswoche in der Altstadt von Stralsund zu verbringen. Aber aus diesem Plan wird für Privatermittler Tom Brauer nichts. Der Imbissbesitzer Rocco Schulze bittet ihn um Hilfe, denn er steht im Verdacht, einen Mitarbeiter des Stralsunder Ordnungsamtes im Streit erschlagen zu haben. Tom hat anfänglich keine große Lust, sich in den Kleinkrieg um die Stralsunder Fischbrötchenkutter einzumischen. Aber schon bald gerät er in eine politische Auseinandersetzung, die ganz andere Dimensionen hat: Es geht um den Bau einer Gaspipeline durch den Greifswalder Bodden bis ins ferne Russland. Und es geht um sehr viel Geld. Der Privatdetektiv bekommt es in seinem dritten Fall schließlich mit Akteuren zu tun, die vor nichts zurückschrecken. Und entdeckt auch an seiner Lebensgefährtin Clara, die im Ozeaneum arbeitet, ganz neue Seiten.


    Meine Meinung:

    Dieser Regionalkrimi verknüpft Ostseeflair mit Umweltthemen und der Autor macht es geschickt. Er schlägt nicht mit dem Dampfhammer zu, sondern er regt zum Nachdenken an. Die Figuren sind interessant, wenn auch nicht sonderlich tief gezeichnet. Tom Brauer, der Privatdetektiv, übt sein Handwerk aus und macht das glaubhaft und gewissenhaft. Seine Freundin Clara überrascht den Leser mehrfach durch ihr Verhalten. Sie wirkt ruhig und eher unscheinbar, aber sie kann auch anders. Sylke, die Polizistin, agiert mit mehr Herz als Verstand und fühlt sich von ihren Kollegen zurecht nicht akzeptiert. Kleinen Erfolgen folgen Rückschläge, aber sie gibt nicht auf. Nur auf Tom ist sie nicht gut zu sprechen, genauer gesagt geht sie jedem Kontakt aus dem Wege. Trotz ihrer Eigenheiten sind mir alle drei sympathisch geworden. Der regionale Bezug wird an vielerlei Handlungsorten mit den jeweiligen Sehenswürdigkeiten deutlich. Dem Autor gelingt es das spezielle Küstenflair zu vermitteln. Der Schreibstil wirkt manchmal etwas trocken, ist aber gut verständlich und passt zu den Figuren. Inhaltlich spielen mehrere Verbrechen ineinander und sorgen für reichlich Verwirrung auf Seiten der Ermittler. Einige Politiker geben eine eher unglückliche Figur ab. Der Spannungsbogen ist gelungen und zuweilen wird es sogar turbulent. Die Auflösung ist nachvollziehbar und glaubhaft.


    Fazit:

    Realistisch wirkende Figuren mit einem hohen Sympathiefaktor in einem komplexen Fall prägen meinen Gesamteindruck. Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 3356022571

    Die faszinierende Zeitreise geht weiter. Oskar verliert große Summen beim Pokern und Brahms hat sie aufgekauft. Er möchte die Thalheim-Schwestern demütigen, die ihn abgewiesen und aus seiner Sicht ruiniert haben. Schön wenn man Freunde wie Markus hat, die helfen und das nötige Kleingeld haben. Wanja und Peter sind von Silvie besessen, aber Wanjas Art ist erschreckend. Miri hat ihr Glück gefunden und Silvie sieht mehr als ein Licht am Horizont. Silvie ist erstaunt, dass sie von Floris Freund nichts weiß. Jetzt fragt sie sich, ob sie Flori zu viele Freiheiten gewährt hat. Die Mitarbeit im Familienunternehmen hinterlässt Spuren.

    Spannend und unterhaltsam


    Buchmeinung zu H. Dieter Neumann – Feuer in den Dünen


    „Feuer in den Dünen“ ist ein Kriminalroman von H. Dieter Neumann, der 2019 im GRAFIT Verlag erschienen ist. Dies ist bereits der sechste Band um Helene Christ, die bei der Kripo in Flensburg ermittelt..


    Zum Autor:

    Heinrich Dieter Neumann war zunächst Offizier in der Luftwaffe der Bundeswehr. Nach seinem Ausscheiden als Oberstleutnant d. R. arbeitete der Diplom-Finanzökonom als Vertriebsleiter und Geschäftsführer in der Versicherungswirtschaft, bevor er sich - nach vielen Schreibseminaren und begleitet von einem Studium der Neueren Deutschen Literatur - ganz aufs Schreiben verlegte.


    Klappentext:

    Helene Christ ermittelt in Dänemark.

    Mitten im nordfriesischen Wattenmeer auf der Fähre von Amrum zum Festland wird ein Passagier ermordet - vegiftet.

    Da der Deutsche jenseits der Grenze lebte, wird eine deutsch-dänische Sonderkommission gebildet - Oberkommissarin Helene Christ arbeitet mit den Kollegen um Sten Larsen zusammen. Das sorgt in ihrem Privatleben für jede Menge Ärger, denn ihr Freund Simon unterstellt dem gut aussehenden Kommissar mehr als nur berufliches Interesse.

    Gleichzeitig treibt an der Küste ein Brandstifter sein Unwesen, eine Urlauberfamlie starb. Und zwischen den beiden Fällen gibt es merkwürdige Verbindungen …

    Meine Meinung:

    Dies ist mein erstes Buch von diesem Autor und ich hatte keinerlei Verständnisprobleme, obwohl die Entwicklungen der Figuren eine Rolle spielen. Die Geschichte wird vorwiegend aus der Sicht der Hauptfigur Helene Christ, Oberkommissarin in Flensburg, geschildert. Zuweilen werden aber auch andere Perspektiven angeboten, wie zum Beispiel die eines Täters, eines Opfers oder anderer Polizeikollegen. Private Empfindungen und Probleme bilden eine Ergänzung zu den Ermittlungen, die grenzüberschreitend durchgeführt werden. Helene Christ ist anpackend und erfolgsorientiert, kann aber schlecht delegieren. Ihr jüngerer Kollege Nuri Onal ist als Einheimischer mit türkischen Wurzeln eine sehr gelungene Figur. Die beiden Fälle sind ziemlich harter Tobak, auch wenn auf detaillierte Gewaltbeschreibungen verzichtet wird. Es gibt immer wieder Einschübe, die für Auflockerung sorgen, seien es politische, historische oder humorvolle Betrachtungen. Dabei bleibt aber der Spannungsbogen erhalten und der angenehme und klare Schreibstil tut ein Übriges. Nebenbei habe ich viel über die Möglichkeiten und Verfahren zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit erfahren. Das Küstenflair des Nordens kommt nicht zu kurz und weckt Interesse an der Region. Trotz aller Nebenhandlungen bleibt der Fokus aber auf die kriminellen Ereignisse gerichtet, so wie es sein soll.


    Fazit:

    Mich hat dieser Kriminalroman positiv überrascht und gut unterhalten. Trotz vieler Nebenstränge bleibt die Kriminalhandlung im Mittelpunkt. Komplexe Figuren und eine interessante Handlung zeichnen das Buch aus. Somit vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Band 1 war ganz aus Rikes Perspektive (hast du vielelicht nicht so gemerkt), Band 2 ist aus Silvies, Band 3 aus Floris Sicht... so ist mein Reihenkonzept ...

    und ganz nebenbei: früher war ein Jahr Abstand zwischen den Bänden einer Trilogie ganz normal ...

    Mir als Leser geht diese Verkürzung der Abstände zwischen den einzelnen Bänden auch gegen den Strich. Auch bei alten Serien lese ich nicht zwei Bände nacheinander, weil die Bücher etwas von ihrer besonderen Ausstrahlung verlieren. Es stellt sich ein unschöner Abnutzungs- oder Gewöhnungseffekt ein.