Beiträge von wampy

    Buchmeinung zu Carine Bernard – App to Date

    „App to Date“ ist ein Roman von Carine Bernard , der 2017 bei neobooks Self-Publishing erschienen ist.


    Zum Autor:

    Carine Bernard wurde 1964 in Niederösterreich geboren. Seit 2002 lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Deutschland in der Nähe von Düsseldorf. Sie fotografiert gerne und geht in ihrer Freizeit Geocachen. Beim Erfinden von Geocache-Rätseln entdeckte sie ihre alte Liebe zum Schreiben wieder und nach einigen Rätselgeschichten rund um Molly Preston folgte 2015 ihr erster Roman.


    Klappentext:

    Wenn eine App verspricht, den perfekten Partner für dich zu finden, bist du dann bereit, ihr all deine Daten anzuvertrauen?

    Jakob und Jenny tun genau das und lernen sich so kennen und lieben. Doch Jenny hat Jakob verschwiegen, dass sie zu dem Team von Psychologen gehört, das App2Date entwickelt. Eigentlich trifft sie sich mit Männern nur, um die App zu testen ...

    Als Jenny App2Date zum ersten Mal für sich selbst benutzt, beginnt eine Serie von Unglücksfällen. Jemand scheint jeden ihrer Schritte zu verfolgen, und den Männern in ihrer Umgebung passieren schlimme Dinge: ein Unfall, ein Mord, und zuletzt wird auch noch Jakob verhaftet.

    Doch wer steckt hinter alledem? Als Jenny es endlich herausfindet, ist es fast zu spät. Ein skandalöser Missbrauch der App führt sie auf die Spur des wahren Mörders, und sie setzt ihr Leben aufs Spiel, um die Daten der Dater zu retten.

    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist eine Art Wohlfühlkrimi. Es gibt bis auf zwei Ausnahmen nur nette und sympathische Figuren. So fehlt es den Figuren auch meist an Ecken und Kanten. Man fiebert mit Jenny, die unheimlich sympathisch ist, mit. Man ist betroffen, wenn ihr Bruder schwer verletzt im Krankenhaus liegt. Auch möchte man ihr auf dem Weg zu ihrem Glück helfen, auch weil sie sich gerade hier schwer tut. Manches wirkt etwas konstruiert und es gibt einige glückliche Zufälle. Aber man fliegt nur so durch die Seiten und wird durch ein glückliches Ende belohnt, das auch gut zur Geschichte passt. Wenn doch mal was schlimmes passiert, wird sofort für eine Auflockerung gesorgt. Durch wechselnde Perspektiven wird ein hohes Erzähltempo unterstützt. Trotz der leichten Form und des romantischen Inhalts gibt es Passagen, die zum Nachdenken anregen.


    Fazit:

    Ein leichter Krimi mit sympathischen Figuren, der sehr angenehm zu lesen ist. Zwar fehlt die Tiefe, aber für eine kurzweilige Ablenkung genau das Richtige. Von mir gibt es vier von fünf Sternen (7 von 10 Eulen-Punkten). Wer lockere Unterhaltung ohne brutale Gewaltdarstellung mag, wird mit diesem Buch zufrieden sein.

    Buchmeinung zu Eva Almstädt – Ostseerache


    „Ostseerache“ ist ein Kriminalroman von Eva Almstädt, der 2018 bei Bastei Entertainment erschienen ist. Dies ist der 13. Fall für die Lübecker Kommissarin Pia Korittki.


    Zum Autor:

    Eva Almstädt absolvierte eine Ausbildung in den Fernsehproduktionsanstalten der Studio Hamburg GmbH und studierte Innenarchitektur in Hannover. Ihr erster Roman Kalter Grund wurde zum Auftakt der erfolgreichen Serie um die Lübecker Kommissarin Pia Korittki. Die Autorin lebt mit Mann und zwei Kindern in Schleswig-Holstein.


    Klappentext:

    In einem beschaulichen Dorf an der Ostsee wird eine junge Frau auf grausame Weise ermordet. Die Dorfbewohner verdächtigen Flora, die als Jugendliche eine Mitschuld am Tod eines Nachbarjungen gehabt haben soll und die nun wieder in ihr Elternhaus zurückgekehrt ist. Die Mordkommission Lübeck ermittelt. Auch Kommissarin Pia Korittki, die gerade ihre Hochzeit plant, sieht einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen und rollt den früheren Todesfall wieder auf. Schon bald muss sie fürchten, dass es nicht bei diesen zwei Morden bleiben wird...

    Meine Meinung:

    Obwohl ich die Vorgänger nicht kannte, hatte ich keine Verständnisprobleme. Die Erzählung nahm mich sofort gefangen. Die Mischung zwischen beruflichen und privaten Passagen ist recht gelungen, auch wenn die Hauptfigur Pia Korittki eine Menge einstecken muss. Einzig die Episode um den Gewaltverbrecher, der sie aus dem Gefängnis unter Druck setzt, empfand ich als störend. Die Figuren sind gut gezeichnet, haben Ecken und Kanten und wirken dabei doch glaubwürdig. Die Atmosphäre eines kleinen Dorfes an der Ostseeküste mit Kirch und Großbauer ist gut getroffen. Pia ist eine junge Frau, alleinerziehend mit einem Kind, die versucht Privat- und Berufsleben unter einen Hut zu bekommen. Sie ist in privaten Dingen weit unsicherer als in beruflichen. Aber auch deshalb strahlt sie viel Sympathie aus. Sie gibt ihr Bestes und denkt auch oft über ihre Situation nach. Beruflich sucht sie viele Aufgaben und Fragen durch Gespräche mit den Beteiligten zu klären. Sie ist nicht die Superpolistin, der alles zufliegt. Sie ist eine gute Zuhörerin und bemüht sich, keine Spur ausser Acht zu lassen. Auch die Nebenfiguren sind interessant gezeichnet und fast alle haben Ecken und Kanten, manche wirken sympathisch, manche nicht. Der Leser bekommt auch einen Eindruck, warum das Leben auf dem Dorf für Zugereiste manchmal nicht so einfach ist.

    Durch wechselnde Erzählperspektiven und durch Rückblenden verfügt der Leser über mehr Wissen als die Kommissarin, die ihr Wissen aber auch nicht vollständig mit dem Leser teilt. Die Spannung ist durchgängig hoch, auch wenn es vorerst nicht zu einem Durchbruch kommt. Auch am Leben der Dorfbewohner wird der Leser beteiligt. Dies verleiht den Figuren realistische Züge und sorgt für Gedankenanstöße. Zum Ende gibt es einen Showdown, der aber auch zur Geschichte passt.

    In weiten Teilen herrscht eine gedrückte, wenn nicht sogar dunkle Grundstimmung. Hier fehlte mir die ein oder andere Auflockerung.


    Fazit:

    Ein atmosphärisch dichter Krimi mit einer sympathischen Hauptfigur und einer interessanten Geschichte. Auch ohne ausufernde Gewaltdarstellung wurde die Spannung hochgehalten. Pia Korittki steht mit beiden Beinen im Leben und man ist gespannt, welche Entscheidungen sie trifft. Mir hat das Buch gut gefallen und ich vergebe vier von fünf Sternen (9 von 10 Eulen-Punkten). Wer ruhige und atmosphärisch dichte Krimis mag, wird mit diesem Buch gut bedient.

    Buchmeinung zu Sarah Dunant – Die letzte Borgia


    „Die letzte Borgia“ ist ein Historischer Roman von Sarah Dunant, der 2018 bei Insel Taschenbuch in der Übersetzung von Peter Knecht erschienen ist. Die englische Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel „In the Name of the Family“.


    Zum Autor:

    Sarah Dunant, 1950 in London geboren, studierte Geschichtswissenschaft. Die Journalistin, Radiomoderatorin und Kolumnistin veröffentlichte bereits mehrere Romane. Sie hat zwei Kinder und lebt in London und Florenz.


    Klappentext:

    Es ist das Jahr 1502. Die Gerüchte um Lucrezia Borgia sind zahlreicher denn je, in den Straßen ganz Italiens hört man es raunen: von Lucrezias angeblicher Affäre mit ihrem Bruder Cesare, von der verbotenen Liebe zu ihrem Vater, dem Papst Alexander VI., von Mord und Orgien. Doch wo Lucrezia selbst auftaucht, verstummen die Stimmen – mit ihrer Anmut und ihrem Geschick verzaubert sie die Höfe Italiens. Und gut verbirgt sie dabei ihr Geheimnis, dass nämlich nicht jedes Gerücht unbegründet ist: Tatsächlich hat Cesare aus Eifersucht Lucrezias Ehemann ermordet, ihre große Liebe. Doch einer Borgia werden Wut und Trauer nicht nachgesehen, Lucrezia hat eine Aufgabe zu erfüllen: Eine neue Stadt wartet auf sie, eine neue Liebe und das nächste gefährliche Spiel um Macht und Reichtum.

    Meine Meinung:

    Der englische Originaltitel kommt dem Inhalt näher, als es der deutsche Titel tut. Es geht um die Familie Borgia, um Lukrezia, aber auch um ihren Bruder Cesare und ihren Vater, Papst Alexander. Dazu gibt es einige Abschnitte, die sich mit Niccolo Machiavelli und mit seiner Sicht der Dinge beschäftigen. Gerade diese Abschnitte haben mich sehr fasziniert. Machiavelli war als florentinischer Diplomat von berufswegen mit der Lage in Italien beschäftigt und aus seiner Sicht spricht eine gewisse Bewunderung für die Familie Borgia, vor allem für Cesare Borgia. Bei Sarah Dunant kommen die Borgias erheblich besser weg als in anderen Veröffentlichungen, ohne sie dabei zu glorifizieren. Es wird eine Zeit dargestellt, in der Gewalt, Korruption und Intrigen das politische Leben bestimmten. Dazu kommen Krankheiten wie Syphilis (Franzosenkrankheit) und Malaria (Sommerfieber), denen die Menschen mehr oder weniger hilflos gegenüber standen. Italien war in seiner Form von Stadtstaaten und Herzogtümern, die sich oft gegenseitig bekriegten, ein Spielball der Interessen Frankreichs und Spaniens.

    Lukrezia Borgia ist eine starke und schöne Frau, die mit Anfang 20 zum dritten Male aus Familieninteresse heiratet. Auf der Reise zu ihrem neuen Gatten besucht sie diverse Städte und Herzogtümer, die sie mit ihrer Schönheit und ihrer Ausstrahlung erobert. Sie ist quasi die friedliche Eroberin, während ihr Bruder für die Gewalt steht. Sie lebt außerhalb des direkten Einflussbereiches der Borgia und ist auf ihre eigenen Fähigkeiten angewiesen. Sie wird als eindrucksvolle und charismatische Figur beschrieben, die sich mit Hingabe und Erfolg dieser Aufgabe widmet. Die Autorin vermutet, dass Lukrezia unter der Franzosenkrankheit litt, mit der sie wahrscheinlich ihr neuer Ehemann angesteckt hat.

    Papst Alexander und Cesare Borgia werden als erfolgreiche Herrscher dargestellt, die zwar keine Skrupel bei der Wahl ihrer Mittel kennen, die aber einen politischen Weitblick haben, der zu dieser Zeit einzigartig ist. Auch sorgen sie in den von ihnen regierten Regionen für Sicherheit und Ordnung für die Bevölkerung. Dabei ist Cesare auch eine Art Glücksritter, der Chancen zu ergreifen versteht und seine Gegner immer wieder zu überraschen versteht.

    Der Fokus des Buches liegt auf den drei Borgia, aber auch die Figuren in ihrem direkten Umfeld werden eindrucksvoll dargestellt. Figuren wie der Zeremonienmeister des Papstes und des Leibwächters Cesare Borgias sind ihren Herrn treu ergeben und tragen viel zum Erfolg der Familie Borgia bei. Sehr beeindruckt haben mich auch die Abschnitte, die sich der Franzosenkrankheit und ihren Ausprägungen vor allem bei Cesare Borgia widmen. Es ist erstaunlich, dass ein derart geplagter Mensch zu diesen Taten fähig gewesen ist. Insgesamt wurde diesem Bereich aber zu viel Platz eingeräumt.

    Die Autorin wechselt häufig die Perspektive und gerade die Sicht Machiavellis hat mich überzeugt. Sie schreibt eindrucksvoll und man versteht die einzelnen Figuren, ber einige Punkte wiederholen sich immer wieder. Die Figuren Lukrezia, Cesare und des Papstes sind tief gezeichnet, während die übrigen Figuren oft nur angerissen werden. Auch der Eindruck vom täglichen Leben in der damaligen Zeit bleibt etwas verschwommen, nur das höfische Treiben im Umfeld Lukrezias wird detailliert beschrieben.


    Fazit:

    Trotz einiger Wiederholungen wird ein eindringliches Bild der Familie Borgia auf dem Höhepunkt ihrer Macht vermittelt. Für mich waren die Betrachtungen aus der Perspektive Machiavellis die Höhepunkte des Buches. Ich vergebe vier von fünf Sternen (8 von 10 Eulen-Punkten) und kann das Buch all denen empfehlen, die sich für diese Zeit interessieren.

    Buchmeinung zu Kirsten Raab – Rindsmord


    „Rindsmord“ ist ein Kriminalroman von Kirsten Raab, der 2017 bei bookshouse erschienen ist.


    Zum Autor:

    Kirsten Raab, Jahrgang 1970, wuchs in der Nähe von Bremerhaven an der Weser- und Nordseeküste auf dem Land auf. Bücher und Geschichten fesseln sie seit ihrer Kindheit, sodass sie schon früh begann, eigene kleine Erzählungen zu verfassen. Die gelernte Bürokauffrau lebt mit ihrem Mann in Eschborn, doch obwohl sie seit beinahe zwanzig Jahren in der Nähe von Frankfurt am Main lebt und arbeitet, hat sie die Liebe zu der Region, in der sie aufwuchs, mit dem bisweilen unwirtlichen Klima, dem rauen Charme der Menschen und dem ewigen Spiel von Wind und Gezeiten nie losgelassen.


    Klappentext:

    Auf einer Bullen-Weide bei Söderbrock wird die zertrampelte Leiche des Bankdirektors Kurt Westermann gefunden. Was zunächst nach einem tragischen Unglück aussieht, entpuppt sich schnell als Mord. Kommissar Piet Petersen und sein Kollege Hauke Hansen nehmen die Ermittlungen auf und schnell wird klar: Der honorige Bankdirektor führte offenbar ein Doppelleben. So blicken Petersen und Hansen immer tiefer in einen Abgrund aus Macht, Gier, und Gewalt.

    Meine Meinung:

    Der Einstieg ist gelungen und die Hauptfiguren wirken sympathisch, obwohl sie Ecken und Kanten haben, auch wenn die Charakterzeichnung nicht sehr tief ist. Die Kommissare haben auch ein Privatleben und dieses findet sich wieder. Der ältere Kommissar hat den Tod seiner Frau noch nicht überwunden und leidet an Depressionen, während der jüngere Kollege noch immer nach der Liebe seines Lebens sucht. Die Erzählperspektive wechselt und es baut sich auch Spannung auf. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Doch dann kommt ziemlich überraschend das Ende, das mich weitgehend ratlos zurück gelassen hat. Der Fall wird abgeschlossen, weil es zu einer Anklage kommt. Die Polizisten sind es zufrieden, obwohl es für Verletzungen des Opfers und des Bullen keine vernünftige Erklärung gibt.


    Fazit:

    Der ruhige Erzählstil ist eine Stärke des Krimis, der auch Atmosphäre und Spannung ausstrahlt. Aber das Ende hat mich tief enttäuscht und führt zur Abwertung dieses durchaus lesenswerten Buches. So gibt es nur zwei von fünf Sternen (5 von 10 Eulenpunkten).

    Buchmeinung zu Isa Schikorsky – Wer ohne Schuld ist


    „Wer ohne Schuld ist“ ist ein Kriminalroman von Isa Schikorsky, der 2018 bei Midnight erschienen ist.


    Zum Autor:

    Isa Schikorsky wuchs an der innerdeutschen Grenze mit Fernsehkrimis aus Ost und West auf. Mindestens einmal im Jahr reist die Literaturwissenschaftlerin und Historikerin auf ihre Lieblingsinsel Rügen. Seit 1989 lebt sie in Köln. Hier ist sie als Dozentin für kreatives Schreiben, freie Lektorin, Schreibberaterin und Autorin tätig. Außerdem veranstaltet sie Schreibreisen. Neben wissenschaftlichen und journalistischen Texten veröffentlichte sie unter anderem eine Biografie über Erich Kästner, Sachbücher und Kurzgeschichten. 2005 entdeckte sie den Spaß am Krimischreiben.


    Klappentext:

    Hoteldirektorin Anna Schwanitz will das Grandhotel »Bellevue« auf Rügen bis zum Ende der Saison aus den roten Zahlen bringen. Doch dann ertrinkt einer der alteingesessenen Hoteliers beim traditionellen Anbaden in der eiskalten Ostsee. Kurz darauf stürzt unter mysteriösen Umständen die Journalistin Mia Rösler von der Dachterrasse des Hotels. Wurde sie gestoßen, weil sie zu tief in der totgeschwiegenen Geschichte gegraben hat? Die Berichterstattung ist für das Hotel verheerend. Anna sieht nur noch eine Chance, die Insolvenz zu verhindern: Sie muss schneller sein als die Kripo und den Fall selbst aufklären. Bei ihren Recherchen stößt sie auf die Ergebnisse von Mia Rösler. Haben die tragischen Ereignisse der »Aktion Rose« im Februar 1953 etwas mit den Todesfällen zu tun?

    Meine Meinung:

    Dieses Buch leidet an seiner Hauptfigur, die leider völlig mißraten ist. Anna Schwanitz ist eine junge Hoteldirektorin, die sich wie ein pubertierender Teenager verhält. Sie macht fast alles falsch, was falsch zu machen geht. Sie handelt meist ohne nachgedacht zu haben und völlig impulsiv. Sie unterschlägt Beweise, vergrault Gäste, wirft sich jedem gut aussehenden Mann an den Hals und wundert sich über die auftauchenden Schwierigkeiten. In diesem Buch ist der Abstand von zwei Fettnäpfen ein Schwanitz. Dabei ist die zugrunde liegende Geschichte durchaus interessant und wird auch gekonnt präsentiert. Über Tagebucheinträge erfährt der Leser von staatlichen Zwangsmaßnahmen, die einige Hoteliers und ihre Familien vor fast fünfzig Jahren getroffen haben. Man erfährt auch, dass es in einer Gruppe von jungen Leuten einen Informanten gegeben hat. Die Situation wird von mehreren Seiten betrachtet und hinterläßt einen bleibenden Eindruck. Das damalige Verhalten einiger Personen hat Auswirkungen bis in die heutige Zeit und bildet das Motiv für die Todesfälle. Der Erzählstrang mit den Tagebucheinträgen ist gelungen. Doch die unsägliche Hauptfigur überschattet alles.


    Fazit:

    Ein interessantes Thema und auch gelungene Passagen können den Roman nicht retten. Die Hauptfigur zeigt kein Attribut, das zu einer Hotelchefin passen würde. Ihr Verhalten hat mir fast jeden Lesespass geraubt. So reicht es nur zu zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten).

    Buchmeinung zu Linus Geschke – Das Lied der toten Mädchen


    „Das Lied der toten Mädchen“ ist ein Kriminalroman von Linus Geschke, der 2018 bei Ullstein Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der dritte Band in der Serie um den Kölner Journalisten Jan Römer.


    Zum Autor:

    Der 1970 geborene Linus Geschke arbeitet als freier Journalist für führende deutsche Magazine und Tageszeitungen, darunter Spiegel Online und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Für das Special-Interest-Magazin „unterwasser“ verfasst er Tauch- und Reisereportagen, für die der gebürtige Kölner bereits mehrere Journalistenpreise gewonnen hat.


    Klappentext:

    Das Letzte, was sie hörte, war ein Schlaflied

    Herbst 1997: Auf dem Wilzenberg wird eine junge Frau tot aufgefunden, ermordet durch einen Stich ins Herz. Der Täter lässt nichts zurück außer einer Spieluhr, die »Hush little baby« spielt.

    Gegenwart: Jan Römer, Reporter für ungelöste Kriminalfälle, rollt mit seiner Kollegin Mütze das Verbrechen neu auf. Warum trug das Opfer trotz der Kälte nur ein dünnes rotes Kleid? Warum kann niemand etwas zu dem Gästehaus im Wald sagen, in dem die Frau damals arbeitete? Dann wird wieder eine Frau getötet. Auch neben ihrer Leiche wird eine Spieluhr gefunden. Und Jan Römer begreift, dass die Vergangenheit nicht tot ist …


    Meine Meinung:

    Dies ist seit langer Zeit das erste Buch, das ich an einem Tag komplett gelesen habe. Es muss also spannend und leicht zu lesen sein. Es liest sich flüssig, auch weil die Hauptfiguren sympathisch wirken. Bei der Spannung ist es so eine Sache. Die Spannung ist ohne Zweifel vorhanden, basiert aber zu großen Teilen auf den Ermittlungsergebnissen der Journalisten. Jan Römer wird bei seiner Arbeit von Stefanie Schneider, genannt Mütze, unterstützt, die sehr gute Recherchearbeit leistet und mit Jan einen regen Gedankenaustausch pflegt. Wenn es gefährlich zu werden droht, wird der Ex-Boxer Arslan hinzugezogen. Auch private Probleme der Ermittler spielen eine Rolle. Jan ist geschieden und seine Tochter sieht er nur an einigen Wochenenden. Seine Ex will zu ihrem neuen Partner nach München ziehen, was bedeutet, dass Jan seine Tochter wesentlich seltener sehen wird. Dies schlägt auf seine Stimmung und seinen Alkoholkonsum. Mütze hat dagegen kein nennenswertes Privatleben.

    Ihr aktueller Cold-Case-Fall erweist sich als sehr lebendig und es gibt weitere Opfer. Auch der Verfassungsschutz mischt mit und es gibt weitere Beteiligte, die ihre Interessen verfolgen und dabei auch Gesetze überschreiten. Mehrere Perspektiven werden prasentiert und die Gedanken des jeweils Betroffenen werden dadurch sehr deutlich. Damit weiß der Leser auch mehr als die beiden Journalisten, die auf ihre Rechercheergebnisse angewiesen sind. Die Stimmung ist oft recht dunkel und bedrohlich, wird aber auch durch ideenreiches Vorgehen und kleine Nebengeschichten aufgelockert. Das Tempo ist zu Beginn gemächlich, steigert sich aber zum Ende hin deutlich.

    Die Stärke des Buchs liegt in der Figurenzeichnung und im ausgeklügelten Plot. Viele der Figuren sind tief gezeichnet und sie haben alle Stärken und Schwächen. Sogar der Showdown überzeugt mit nachvollziehbaren Handlungen. Die Aauflösung hat nicht nur mich überrascht, sondern auch einige der Beteiligten. Dabei ist sie vollkommen logisch und lässt keine Fragen offen.


    Fazit:

    Mich hat dieses Buch voll und ganz überzeugt. Sowohl die Figurenzeichnung als auch der Plot sind sehr gelungen. Die Journalisten beschränken sich auf ihre Mittel und wirken somit um so überzeugender. Ich vergebe gerne fünf Sterne (9 von 10 Eulenpunkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Buchmeinung zu Beate Sauer – Echo der Toten


    „Echo der Toten“ ist ein Kriminalroman von Beate Sauer, der 2018 bei Ullstein Taschenbuch erschienen ist.


    Zum Autor:

    Beate Sauer hat als Autorin historischer Romane bereits eine große Fangemeinde. Unter dem Pseudonym Bea Rauenthal hat sie bei Ullstein eine Trilogie von Zeitreise-Krimis veröffentlicht.


    Klappentext:

    Januar 1947: Über dem Land liegt eine Decke aus Schnee und Eis, zwischen Ruinen kämpfen die Menschen ums Überleben, als in der Eifel ein Mord geschieht. Richard Davies von der britischen Military Police soll das Verbrechen aufklären. Doch der einzige Zeuge ist ein sechsjähriger Junge, der sich weigert zu sprechen. Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei in Köln wird Richard zur Seite gestellt. Sie kommt, wie der Junge, aus Ostpreußen und findet einen Zugang zu seiner verletzten Seele. Doch die Erinnerungen an die schrecklichen Erlebnisse während der Flucht sind noch so frisch, dass Friederike an ihrer Kraft zweifelt. Und Richard Davies muss mit Menschen zusammenarbeiten, die schwere Schuld auf sich geladen haben.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch überzeugt durch die düstere Atmosphäre, die in diesem kalten Winter über Köln und der Eifel liegt. Die Menschen sind noch durch den Krieg gezeichnet und die Versorgungslage ist ziemlich schlecht. So blüht der Schwarzmarkt, auf dem es fast alles zu kaufen gibt. Die beiden Hauptfiguren sind durch ihre Vergangenheit gezeichnet und haben Ecken und Kanten. Richard Davies ist gebürtiger Deutscher, der auf Seiten der Engländer gekämpft hat. Er muß feststellen, dass auch ehemalige Nazis einen Weg in die neue Verwaltung gefunden haben, aber auch, dass Militärangehörige auf dem Schwarzmarkt Geld machen wollen. Friederike Matthee ist ein Flüchtling aus Ostpreußen, die fast alles bei der Flucht verloren hat. Zudem gibt es massive Probleme bei der Eingliederung der Flüchtlinge. Dies betrifft auch den Jungen, der Augenzeuge eines Mordes in der Eifel geworden ist. Eindrucksvoll wird die schwierige Lage der Flüchtlinge gezeichnet, die meist am Rande der Gesellschaft einen Platz zu finden versuchen. Frau Matthee ist aus der Not heraus Hilfspolizistin geworden und kämpft verzweifelt um ihren Arbeitsplatz, der ihr auch eine Wohnung und einen schmalen Verdienst bringt. Herr Davies und Frau Matthee müssen notgedrungen bei einem Mordfall zusammen arbeiten. Am Anfang ist ihre Beziehung von Mißtrauen und Vorsicht geprägt, verbessert sich aber im Laufe der Geschichte. Die Beschreibung der vorsichtigen Annäherung der beiden Hauptfiguren ist eine Stärke des Buches. Es liegen dunkle Schatten der Vergangenheit über den Figuren und jeder versucht so gut es geht damit zu Recht zu kommen. Frau Matthee und Herr Davies sind keine uneingeschränkten Sympathieträger, aber sie sind Kämpfer, die versuchen, ihre Stärken auszuspielen. Sie sind durch ihre Vergangenheit gezeichnet und im Laufe der Geschichte erfährt der Leser Details dazu.

    Manchmal rückt der Kriminalfall in den Hintergrund und der Fokus liegt deutlich auf der Entwicklung der Figuren. Die Autorin hat viele Themen in den Roman gepackt und aus meiner Sicht dabei etwas überzogen. Vieles wird angerissen und angedeutet und dann fallen gelassen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Hingegen ist die atmosphärische Zeichnung der Nachkriegszeit sehr gelungen und der Leser hat den Eindruck, direkt vor Ort zu sein.


    Fazit:

    Ein historischer Kriminalroman mit mehr Stärken als Schwächen. Es werden zu viele Themen angerissen, die dann nicht ausdiskutiert werden können. Sehr überzeugend ist die dichte Atmosphäre und die Entwicklung der beiden Hauptfiguren. So vergebe ich vier von fünf Sternen (8 von 10 Eulenpunkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Nun bin ich auch durch und es hat mir gefallen. Die Actionszenen mit dem angeschossenen Marc waren etwas viel, aber die Episoden um den russischen Künstler und um den zufälligen Bremsverlust waren schon gut. Den Täter hatte ich nicht im Auge, aber es war schlüssig, Vielleicht war das Ende etwas zu positiv für meinen Geschmack, aber Marc und Andrea, das passt schon. Daniel wird immer negativer dargestellt und Urs wirkt auch noch voller Begeisterung für Marc, er könnte auch über seinen Ausfall als Personenschützer reflektieren. Insgesamt würde ich mir mehr Grautöne wünschen, vieles war doch sehr schwarz - weiß. Ein paar technische Details (Drohnenabsturz auf den in voller Fahrt befindlichen Marc und der tödliche Pistolenschuss) waren nicht optimal, aber dafür gab es viel Wissenswertes über den Skisport. Insgesamt ein gelungenes Debut.

    Das Tempo bleibt hoch und es Informationen über den Wettmarkt in der Schweiz. Marcs Manager scheint ja Marc auf dem absteigenden Ast zu sehen und auf jüngere Fahrer zu setzen. Die Sache mit dem Superski ist auch seltsam. Daniel kommt auch in ein schlechtes Licht, zum Teil natürlich selbst verschuldet, aber anfänglich hat seine Ehefrau seine Anrufe auch ignoriert. Die Schlagzeilen in der Presse tun dann ein übriges. Mein Gefühl sagt mir, das Marc bei Andrea besser wegkommt als ihr Mann, obwohl sie noch was anderes sagt.

    So recht was mit den kursiven Einschüben kann ich nichts anfangen. Für den Bremsanschlag kann er ja nicht verantwortlich sein, wenn er an der Grenze aufgehalten wurde. Also muss es noch jemanden geben, der es auf Marc abgesehen hat.

    Die defekte Stelle auf der Ideallinie bereitet mir auch Kopfzerbrechen. Ich glaube nicht, dass einer der Toppfahrer involviert ist, aber sonst hätte es jeden von ihnen treffen können. Konkurrenz ja, aber nicht Sieg um jeden Preis. Ich denke, dass bei Spitzensportlern die Achtung vor der Leistung des Gegners immer gegeben ist. Klar will jeder gewinnen, aber hauptsächlich weil er besser ist.

    Andreas Kollege scheint mir auch etwas neben der Spur zu sein. Lieber einkaufen statt ermitteln.

    Andreas Zukunft bei der Polizei steht unter keinem guten Stern, aber daran trägt sie mit ihrem Schweigen auch eine Mitschuld. Trotzdem tut es mir leid, wie mit ihr umgegangen wird. Sie ist die professionellste der Ermittler und mit vollem Einsatz bei der Sache. Der Rest lässt sich doch recht einfach ablenken.

    Jetzt muss Andrea erstmal Klarheit über ihre Beziehung gewinnen und vielleicht noch Marc retten.

    Buchmeinung zu Nancy Atherton – Tante Dimity und der verlorene Schatz


    „Tante Dimity und der verlorene Schatz“ ist ein Wohlfühlkrimi von Nancy Atherton, der 2017 bei beTHRILLED by Bastei Entertainment erschienen ist. Dies ist bereits der 21. Band mit Lori Shepherd.


    Zum Autor:

    Nancy Atherton ist eine US-amerikanische Schriftstellerin, die mit ihrer Familie in Colorado Springs lebt. Fast alle Romane der Tante Dimity-Reihe spielen in England. Lori Shepherd ist die Alleinerbin einer alten Dame, die sie bis dahin nur als „Tante Dimity“ aus den Geschichten ihrer Mutter gekannt hat. Deshalb zieht Lori nach dem Tod ihrer Mutter aus den Vereinigten Staaten in Dimitys Haus im idyllischen Dorf Finch in England. Allerdings hält Dimity, obwohl sie eigentlich verstorben ist, durch ein blaues Tagebuch Kontakt zu Lori. Sie unterstützt so Lori, die sich immer wieder in Kriminalfälle einmischt und auch selbst oft in Gefahr gerät. Ein weiterer Wegbegleiter Loris ist ihr rosa Plüschhase Reginald, den sie als Kleinkind von Tante Dimity bekommen hat und der auch ein gewisses Eigenleben besitzt.

    Klappentext:

    Beim Herumstöbern auf dem Dachboden ihres hübschen Cottages findet Lori ein wertvoll aussehendes Armband. Als sie Tante Dimity von dem antiken Schmuckstück erzählt, ruft das bei ihr schmerzhafte Erinnerungen an das London der Nachkriegszeit hervor. Tante Dimity erzählt ihr von ihrer Freundschaft mit dem geheimnisvollen Badger und ihrer zum Scheitern verurteilten Liebesgeschichte. Um ein altes Unrecht wiedergutzumachen, bittet sie Lori, dem ursprünglichen Besitzer das Armband zurückzugeben. Obwohl inzwischen mehr als fünfzig Jahre vergangen sind, willigt Lori in das aussichtslos erscheinende Unterfangen ein. Der Auftrag führt sie nach London und in eine längst vergangene Zeit. Aber schon bald stellt sich die Frage, ob manche Schätze lieber nicht gefunden werden sollten ...

    Meine Meinung:

    Dieses Buch wird als Wohlfühlkrimi angeboten. Es mag ein Wohlfühlbuch sein, aber der Krimianteil geht gegen null. Die Geschichte spielt in dem kleinen Ort Finch und in London. Finch ist ein beschauliches Dorf, in dem jeder jeden kennt und in dem alle gut miteinander auskommen. Lori Shepherd ist Amerikanerin, die mit ihrem Mann, einem Rechtsanwalt, der die englische Niederlassung leitet, nach England ausgewandert ist. Dort widmet sie sich vor allem der Kindererziehung und dem englischen Dorfleben. Zusätzlich kann sie noch mit dem Geist von Tante Dimity kommunizieren. Die Dorfbewohner sind alle schrecklich sympathisch und auch in London trifft Lori nur nette Menschen. Da gibt es einfach keinen Ansatz für ein Verbrechen, höchstens ein paar dörfliche Streitereien. Trotzdem gab es ein paar Stellen in dem Buch, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Das Hauptproblem bleibt aber die fehlende Spannung, weil einfach gar nichts passiert. Lori lernt ein paar Kriegsveteranen kennen, die natürlich sehr nett sind und denen man für ihren Einsatz in Kriegszeiten hohe Achtung zollt. Obwohl alle Dorfbewohner sehr nett sind, bin ich mir nicht sicher, ob ich dort wohnen möchte. Alle Einwohner wissen alles über ihre Mitbewohner.


    Fazit:

    Alle Figuren sind extrem sympathisch gezeichnet und alle Klischees einer dörflichen Gemeinschaft werden bedient. Seid nett zueinander und achtet die Veteranen. Diese Grundregel kann das Fehlen fast jeglicher Handlung nicht überdecken. Ich vergebe wohlwollende drei von fünf Sternen (6 von 10 Eulenpunkten), kann mir aber nicht vorstellen, ein weiteres Buch aus dieser Serie zu lesen.

    Nun habe ich endlich den ersten Abschnitt beendet. Sehr gefallen hat mir die Abfahrt aus der Sicht des Rennfahrers. Man spürt die Anspannung und das Adrenalin, das durch den Körper strömt. Da verwundert es nicht, dass er seine Verletzungen erst gar nicht bemerkt. Die Frequenz der Einschübe war während der Abfahrt angemessen, war mir aber danach zu hoch. Das Verhältnis zwischen Ermittlerin und Rennfahrer wirkt etwas gekünstelt, was es aus meiner Sicht gar nicht gebraucht hätte. Sie kommen halt aus einem Dorf und kennen sich halt. Da braucht es keinen zusätzlichen Effekt. Die Ausstrahlung des erfolgreichen Rennfahrers sollte reichen. Es gibt viel Wissenswertes über den Rennzirkus und das Umfeld. So langsam wird mir auch klar, welche Rolle Erfahrung bei den Rennläufern spielt. Ich finde es erstaunlich, wie viele der Stars sich nach schweren Verletzungen zurück an die Spitze kämpfen können.

    Buchmeinung zu Nina Ohlandt – Eisige Flut


    „Eisige Flut“ ist ein Kriminalroman von Nina Ohlandt, der 2018 bei Bastei Entertainment erschienen ist. Dies ist der fünfte Fall für das Team um Hauptkommissar John Benthien.


    Zum Autor:

    Nina Ohlandt wurde in Wuppertal geboren, wuchs in Karlsruhe auf und machte in Paris eine Ausbildung zur Sprachlehrerin, daneben schrieb sie ihr erstes Kinderbuch. Später arbeitete sie als Übersetzerin, Sprachlehrerin und Marktforscherin, bis sie zu ihrer wahren Berufung zurückfand: dem Krimischreiben im Land zwischen den Meeren, dem Land ihrer Vorfahren.


    Klappentext:

    An einem bitterkalten Februarmorgen wird John Benthien zu einem einsamen Haus in der nordfriesischen Marsch gerufen. Der Kommissar traut seinen Augen nicht: Vor der Tür des Hauses steht eine Tote, von Kopf bis Fuß in Eis gehüllt. Die geschockten Hausbewohner identifizieren sie als ihre seit Wochen vermisste Tochter. Doch warum hat der Mörder ihre Leiche auf so groteske Weise inszeniert? Benthiens Ermittlungen verlaufen zunächst ergebnislos, bis zwei weitere "Eisleichen" auftauchen, die letzte auf Amrum. Nach und nach entschlüsselt der Kommissar das bizarre Rätsel - und entdeckt eine Verbindung zu seiner eigenen Vergangenheit ...

    Meine Meinung:

    Dies ist mein erster Benthien und er wird nicht der letzte bleiben. Schon die Aufbereitung der ersten Leiche spricht für den Ideenreichtum der Autorin. Von Beginn an hat man das Gefühl, das der Täter mit der Polizei spielt. Er ist den Ermittlern generell mindestens einen Schritt voraus. Neben den stockenden Ermittlungen gehören auch persönliche Geschichten unabdingbar zu dieser Serie. John Benthien kennt die meisten Kollegen schon Längere Zeit, teilweise schon seit der Kindheit. Ein netter Nebenschauplatz ist der Food-Blog seines Vaters Ben, Aber nicht alles läüft rund und Beziehungsprobleme spielen eine Rolle. Trotzdem funktioniert die Zusammenarbeit des Teams gut, bis auf einen Kollegen, der seine eigenen Wege geht. Es geschehen weitere spektakuläre Mordkompositionen und die Ermittlungen kommen nicht recht voran. Im Buch sind Briefe des Täters an seine Tochter enthalten, die das Motiv des Täters verdeutlichen. Er ist in seiner Jugend heftig von anderen Jugendlichen auf einer Jugendfreizeit gemobbt worden. Dies ist den anderen Beteiligten aber nicht bewußt, auch weil nicht die Teilnehmer direkt getötet werden. Die Spannung bleibt auf einem hohen Niveau und man spürt die aufkommende Verzweiflung bei den Ermittlern.

    Gekonnt wird der harte Jahrhundertwinter in die Handlung eingebaut und persönliche Geschichten lockern den recht harten Kriminalfall auf. Beziehungen spielen im privaten Bereich und bei den Ermittlungen eine große Rolle. Die Ermittlungen decken traurige Schicksale auf und es dominiert eine dunkle Stimmung.

    Der Fall ist gut geplottet und die Auflösung ist vollständig, überraschend und überzeugend. Die Figurenzeichnung gefällt und die Figuren haben Ecken und Kanten, wozu viele Grautöne der Figuren beitragen. Manchmal handeln die Figuren mehr menschlich als vernünftig.


    Fazit:

    Ein überzeugender Krimi aus dem Norden der Republik, der gekonnt Ermittlungen und Privatleben miteinander verknüpft. Von mir gibt es gute vier von fünf Sternen (8,5 von 10 Punkten) und eine klare Leseempfehlung.

    Buchmeinung zu Ulf Schiewe – Odins Blutraben (Herrscher des Nordens)


    „Odins Blutraben“ ist ein Historicher Roman von Ulf Schiewe, der 2017 bei Knaur erschienen ist. Dies ist der zweite Band zur Serie „Herrscher des Nordens“.


    Zum Autor:

    Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Er begann seine Berufskarriere als Software-Entwickler und war später in mehreren europäischen Ländern als Marketingmanager internationaler Softwarehersteller tätig. Ulf Schiewe war schon immer eine Leseratte, den spannende Geschichten in exotischer Umgebung faszinierten. Im Laufe der Jahre wuchs der Wunsch, selbst historische Romane zu schreiben. So entstand »Der Bastard von Tolosa«, sein erster Roman, dem inzwischen eine ganze Reihe weiterer, gut recherchierter und vor allem spannender Abenteuerromane folgten. Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München.


    Klappentext:

    Die Saga des Wikingerkönigs Harald Hardrada – seine Abenteuer und Kämpfe, seine Frauen und sein unbezwingbarer Ehrgeiz.

    AD 1035: Beim Großfürsten der Rus hat sich Harald den Ruf eines siegreichen Söldnerführers erworben. Doch bei der Verteidigung Kiews gegen den Ansturm der Petschenegen werden seine Fähigkeiten auf eine harte Probe gestellt. Persönliche Verluste treiben ihn rastlos weiter, diesmal nach Konstantinopel, wo er es als Offizier der kaiserlichen Waräger bei jahrelangen Kriegszügen rund ums Mittelmeer zu einem beachtlichen Vermögen bringt. Doch eine Affäre mit der Kaiserin Zoe und der Neid seiner Konkurrenten bringen ihn ins Gefängnis.


    Meine Meinung:

    Die Handlung wird aus der Sicht der Hauptfigur beschrieben und erzählt. Dadurch kann man die Gedanken und Gefühle Haralds vollständig verfolgen und auch nachvollziehen. Nachteilig ist dabei natürlich, dass Harald sehr positiv dargestellt wird und kaum negative Eigenschaften auftreten.

    Harald bleibt auch in diesem Band nicht von Rück- und Schicksalsschlägen verschont. Diese bringen ihn dazu über das Erlebte nachzudenken und insbesondere auch über die Religionen und ihre Unterschiede. Seine Rolle als Söldnerführer bringt ihn immer wieder in brenzliche Situationen und führt auch zu Konflikten mit seinen Auftraggebern bzw mit Personen, die diesen nahe stehen. So zieht es ihn nach Konstantinopel, wo es viel Gold zu verdienen gibt. Aber Harald ist auch ein guter Beobachter und Analyst. Er erkennt die Schwachpunkte im System der Regierenden, aber wer ihn bezahlt ist sein Herr. Er mehrt seinen Reichtum auf eher unaufregende Art und Weise. Fast als Ausgleich stürzt er sich in Liebesabenteuer. Er trifft seinen Feind Grünauge wieder, der sich einmal mehr als ebenbürtiger Gegner erweist und der auch immer für eine Überraschung gut ist.

    Dies ist ein Abenteuerroman über Söldner und so prägen Kampfhandlungen das Leben. Dazu gehören auch Szenen von großer Brutalität und Grausamkeit. Der Autor verzichtet auf eine zu detaillierte Beschreibung der Greueltaten und lockert die Geschichte durch humorvolle Episoden auf. Aber auch Vorbereitungen, Reisen und Gedankenspiele nehmen eine größere Rolle ein. Und genau hier spielt Ulf Schiewe seine Stärken aus. Man merkt die Faszination, die von Konstantinopel ausgeht und der sich auch Harald nicht entziehen kann. Er lernt das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Religionen kennen und sucht nach deren Stärken und Schwächen. Auch sein eigenes Verhalten hinterfragt er immer wieder. Er betrachtet die Vorgänge am Hof aufmerksam und zieht seine Schlüsse. Er läßt aber keinen Zweifel an seiner Rolle als Söldner aufkommen. Er kann sich mittlerweile mit dem Gedanken anfreunden in die Heimat mit einem Heer zurück zu kehren, aber noch ist er durch einen Schwur gebunden.

    Fazit:

    Mir gefällt der nachdenkliche Harald besser als der kämpfende. Haralds Entwicklung geht voran und seine Gedankengänge werden immer überzeugender. Die Figurenzeichnung könnte tiefer gestaltet werden, aber dies liegt vielleicht auch an der gewählten Perspektive. So vergebe ich gute vier von fünf Sternen (9 von 10 Punkten) und kann das Buch allen empfehlen, die einen spannenden Abenteuerroman mit historischen Elementen lesen mögen.

    Buchmeinung zu Astrid Fritz – Tod im Höllental


    „Tod im Höllental“ ist ein Historischer Kriminalroman von Astrid Fritz, der 2017 im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienen ist. Dies ist der vierte Fall für die Begine Serafina.


    Zum Autor:

    Astrid Fritz studierte Germanistik und Romanistik in München, Avignon und Freiburg. Als Fachredakteurin arbeitete sie anschließend in Darmstadt und Freiburg und verbrachte mit ihrer Familie drei Jahre in Santiago de Chile. Zu ihren großen Erfolgen zählen "Die Hexe von Freiburg", "Die Tochter der Hexe" und "Die Vagabundin". Astrid Fritz lebt in der Nähe von Stuttgart.


    Klappentext:

    November 1416: Die ehemalige Begine Serafina heiratet endlich ihre große Liebe, den Stadtarzt Achaz. Sie bleibt der Schwesternsammlung aber nach wie vor verbunden. Die plagen seit kurzem große Sorgen: Ein Basler Wanderprediger hetzt gegen die freien Schwestern auf, an ihren Häusern prangen schon Wandschmierereien. Und dann der Schock: Eine Lämmlein-Schwester wird in einer Gasse erschlagen aufgefunden.

    Die Situation spitzt sich zu, als Catharina, die Meisterin der Beginen, schwer verletzt von ihrer Reise nach Konstanz zurückgebracht wird, wo sie den Bischof als Fürsprecher gewinnen wollte. Sie musste den Weg durch die enge Schlucht bei der Ruine Falkenstein nehmen, genannt Höllental, und wurde an einer Engstelle blutüberströmt vorgefunden. Nun beschließt Serafina, selbst nach Konstanz aufzubrechen. Dafür muss auch sie das Höllental passieren…


    Meine Meinung:

    Manchmal frage ich mich, wie so ein Klappentext zustande kommt. Da stimmt diesmal so Einiges nicht. Das ist zumindest ärgerlich, aber ansonsten punktet das Buch ordentlich. Dies fängt mit einem Kartenausschnitt an, der die Handlungsorte beinhaltet und einem ausführlichen Personenregister zu Beginn des Buches, welches auch schon eine gewisse Klassifizierung aufweist. Die Ausstattung des Buches wird durch ein Nachwort der Autorin und ein umfängliches Glossar abgerundet.

    Die Sprache ist relativ modern, aber passend zum Charakter der Figuren. Die Figurenzeichnung hat mir gut gefallen und ist sicherlich eine Stärke des Romans. Fast alle Figuren weisen Grautöne auf und jede Figur hat eine Schwäche. Dies macht die Figuren realistisch und auch sympathisch. Serafina steht ein wenig über den anderen Figuren. Sie agiert sehr selbstbewußt und scheut auch kein Risiko. Im historischen Bereich erfährt der Leser viel über die Strukturen einer Stadt wie Freiburg und über die Rolle der Beginen. Auch das Zusammenspiel kirchlicher und weltlicher Macht wird deutlich.

    Die Beschreibung der Rolle eines Hasspredigers macht deutlich, dass dies keine neuzeitliche Erscheinung ist und insbesondere der Schaden, den sein Wirken anrichtet, ist immens. Auch Personen, die es besser wissen sollten, lassen sich beeindrucken, aber erst recht unbedarfte Jugendliche.

    Der Kriminalfall ist durchaus nicht simpel und der Leser wird mehrfach in die Irre geleitet. Serafina gerät in Gefahr und auch ihr Sohn sowie der Stadtmedicus geraten beim Versuch, Serafina zu helfen, in Schwierigkeiten. Beeindruckt hat mich, dass die Figuren in der Lage waren, ihre Stärken erfolgsversprechend einsetzen zu können.

    Ich habe von Anfang an mit den Figuren mitgefiebert und auch mitgelitten.


    Fazit:

    Mir hat dieser Historische Kriminalroman gut gefallen. Die Figurenzeichnung ist gerade für einen Historischen Roman überdurchschnittlich und auch die historische Komponente stimmt. Ich vergebe gerne gute vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.