Beiträge von wampy

    Nur die Sprecherin konnte mich überzeugen


    Buchmeinung zu Catherine Shepherd – Die Autopsie


    „Die Autopsie“ ist ein Thriller von Catherine Shepherd, der 2022 bei steinbach sprechende Bücher erschienen ist. Gesprochen wird das ungekürzte Hörbuch von Svenja Page.


    Zum Autor:

    Catherine Shepherd lebt in Zons am Niederrhein.

    Sprecher:

    Svenja Pages ist Schauspielerin mit langjähriger Erfahrung. Sie arbeitet außerdem als Sprecherin für Synchron, Hörbuch, Radiofeatures, Games und Werbung.

    Klappentext:

    Julia Schwarz: Wie alles begann! Eigentlich möchte Julia Schwarz sich auf den Abschluss ihres Medizinstudiums konzentrieren. Doch dann wird eine junge Frau ermordet und ausgerechnet Lennart, ihr liebenswerter Mitbewohner wird von der Polizei verdächtigt. Julia will ihm helfen und ermittelt auf eigene Faust. Trotzdem gerät Lennart mehr und mehr in Bedrängnis. Einfach alles scheint gegen ihn zu sprechen. Zudem muss Julia in der Rechtsmedizin auch noch eine Tote obduzieren, die die Handschrift des Mörders trägt. Bevor sie begreift, was passiert, schlittert sie selbst eine unvorhersehbare Falle…


    Meine Meinung:

    Dies war meine erste Begegnung mit der Figur Julia Schwarz, die in diesem Prequel ihren ersten Fall in 135 Minuten Hördauer löst. Der Erzählstil ist relativ nüchtern und sachlich. Gelungen fand ich die Beschreibungen der Handlungsorte, die ich mir sehr gut vorstellen konnte. Weniger gelungen fand ich die Handlung und die Figurenzeichnung. Julia Schwarz ist eine Überfrau, die Studium, Nebenjob im Krankenhaus und Betreuung von Studienanfängern locker unter einen Hut bringt und sogar noch Zeit für Ermittlungen in der Rechtsmedizin findet. Sie überzeugt ihre Professoren bei der Arbeit und sieht manchmal sogar mehr als diese. Leider braucht es einige Zufälle und ihr wohl gesinnte Menschen, damit die Geschichte ein für Julia Schwarz positives Ende findet. Ich empfand kaum Spannung, wurde aber durch den überzeugenden Vortrag von Svenja Page entschädigt. Vieles mag auf die Kürze des Titels zurückzuführen sein, aber trotzdem war ich enttäuscht.



    Fazit:

    Für mich war der Vortrag der Sprecherin das Beste an diesem Hörbuch, der einen zusätzlichen Stern brachte. Meine Bewertung liegt deshalb bei drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).

    Gelungener Mix aus Historie und Fiktion


    Buchmeinung zu Sabine Weiß – Gold und Ehre


    „Gold und Ehre“ ist ein Historischer Roman von Sabine Weiß, der 2021 bei Lübbe erschienen ist.

    Zum Autor:

    Sabine Weiß arbeitete nach ihrem Germanistik- und Geschichtsstudium als Journalistin. Seit 2007 veröffentlicht sie erfolgreich Historische Romane, seit 2016 auch Kriminalromane um die junge Kommissarin Liv Lammers. Wenn sie nicht gerade mit ihrem Camper auf den Spuren ihrer Figuren reist und recherchiert, lebt Sabine Weiß mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Nähe von Hamburg.

    Klappentext:

    Ein großer Historischer Roman um den Bau des Hamburger Michels, Krieg und Frieden und die Freiheit, sein eigenes Glück zu suchen

    Nach einem verunglückten Experiment wird Benjamin von seinem Vater nach Hamburg geschickt. Anfangs tut sich der junge Architekt schwer so fern der Heimat. Er wird belogen und betrogen, doch bald lernt er Menschen kennen, auf die er zählen kann - allen voran Lucia, die stehlen muss, um das Überleben ihrer Familie zu sichern. Sie fasziniert ihn, auch weil sie blitzgescheit ist. Als Benjamin von seinem Vater zurück nach Amsterdam gerufen wird, bleibt sie zurück. Kann dennoch mehr aus ihrer Verbindung werden?


    Meine Meinung:

    Der junge Architekt Benjamin hat viele Interessen, aber kleine Aufgaben im Architekturbereich langweilen ihn. Als er mal wieder Mist baut, werden Benjamin und sein Cousin Theo von ihren verfeindeten Vätern in die Ferne verbannt. Theo wird Schiffsarzt und reist auf holländischen Schiffen durch die Welt. Benjamin wird nach Hamburg geschickt, um sich dort die Hörner abzustoßen. Er pendelt im Verlauf der Geschichte immer wieder zwischen diesen beiden Städten. Eine dritte Hauptfigur ist Benjamins Onkel Samuel, der in Adelskreisen verkehrt und politische Entwicklungen begleitet.

    Im Rahmen des Buches habe ich viel über holländische Geschichte und die Schwierigkeiten im Umgang mit den Oraniern und anderen Königshäusern erfahren. Obwohl ich grenznah wohne, war mir dieser Teil der holländischen Geschichte unbekannt. Der Autorin gelingt es, die Entwicklungen lebendig werden zu lassen und ich habe mit den republikanischen Kräften um Johann de Witt mitgefiebert. Theo vermittelt Einblicke in den niederländischen Seehandel, der auch Sklaven vermarktete. Auch die holländischen geprägten Vorläufer New Yorks werden in Nebenhandlungen betrachtet. Meist folgt der Leser aber der Entwicklung Benjamins, seinem, Aufstieg zu einem einflussreichen Architekten und seiner nicht einfachen Liebe zu Lucia, einer energischen und mutigen Hamburger Deern. Immer wieder wird auch der Bau des Hamburger Michels thematisiert.

    Fast alle Figuren sind mit reichlich Grautönen gezeichnet und das damalige Leben wird realistisch gezeigt. Benjamin und Lucia sind die Sympathieträger des Buches. Der Schreibstil ist fesselnd und mitfühlend. Zahlreiche Nebenhandlungen und Episoden haben mein Interesse meist gefunden, auch wenn es zum Ende hin etwas viel wurde. Mich hat dieser Mix aus Information und Unterhaltung gut unterhalten und oft auch gefesselt.


    Fazit:

    Ein in weiten Teilen überaus gelungener historischer Roman mit einem unterhaltsamen Mix aus Fakten und Fiktion. Deshalb bewerte ich das Werk mit sehr guten vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B092VPDZ6N

    Der Autor läuft zur Höchstform auf


    Buchmeinung zu Mac P. Lorne – Sie nannten ihn Cid


    „Sie nannten ihn Cid“ ist ein historischer Roman von Mac P. Lorne, der 2021 bei Knaur erschienen ist.


    Zum Autor:

    Mac P. Lorne wurde 1957 in der ehemaligen DDR geboren. Seinen ersten Roman schrieb er bereits mit 18 Jahren. Er interessierte sich von Jugend an für Geschichte und Literatur, studierte aber aus politischen Gründen dann doch lieber Veterinärmedizin und später Pferdezucht und -sport. Im Frühjahr 1988 gelang ihm die Flucht in die Bundesrepublik. Heute lebt er zu Füßen einer mittelalterlichen Burg in einem der größten Waldgebiete Europas.

    Klappentext:

    Spanien im Mittelalter, zwischen 1058 und 1099:

    Schon früh verdient sich der junge Rodrigo Diaz de Vivar, den sie später ehrfürchtig »El Cid« nennen werden, den Beinamen »Der Kämpfer«, denn keiner kann ihn im ritterlichen Zweikampf besiegen.

    Doch für den erwachsenen Mann hält das Schicksal Wechselvolles bereit: Sein König, Sancho II. von Kastilien, wird von der eigenen Schwester ermordet. Rodrigo findet zwar in Jimena die Liebe seines Lebens, doch ahnt er nicht, dass sie ihn im Auftrag des neuen Königs ausspionieren soll. Als er auch noch aus dem Königreich Kastilien verbannt und von seiner Familie getrennt wird, errichtet Rodrigo mithilfe maurischer Verbündeter ein eigenständiges Heerfürstentum im Osten Spaniens.

    Doch dann landet eine gewaltige muslimische Streitmacht aus Nordafrika in Spanien und für El Cid naht die Schlacht um Valencia, die ihn endgültig zur Legende machen wird.


    Meine Meinung:

    Mich hat dieses Buch mehr und mehr fasziniert. Natürlich kannte ich die Figur des Cid, aber sonst wusste ich wenig über ihn. Diese Wissenslücke hat Mac P. Lorne überzeugend geschlossen. Lange Zeit war mir diese Figur des „El Cid“ zu blütenrein, aber nach dem Tod von Sancho II. Begann er eine Entwicklung, die ihn zu einem mächtigen Warlord machen sollte. Seine militärische Macht war in seinen letzten Lebensjahren größer als die aller Könige in Spanien und er war zunehmend bereit eigene Interessen zu verfolgen. Wegen seiner direkten und wenig kompromissbereiten Art geriet er mit dem kastilischen König aneinander und wurde des Landes verwiesen. Aber diese Art und seine Rechtschaffenheit machten ihn bei seinen Anhängern so beliebt. Überrascht hat mich, dass er viele Anhänger auch bei den Mauren hatte. In seinem Einflussbereich behandelte er die Menschen unabhängig von ihrer Religion. Der Autor schildert einen Menschen, der beruflich sehr erfolgreich war trotz wiederholter Rückschläge, aber in privaten Dingen viele Probleme hatte. Neben seinen militärischen Erfolgen bleibt mir sein Eintreten für ein friedvolles Nebeneinander der Kulturen im Gedächtnis.

    Der Schreibstil des Autors ist eindringlich und anschaulich, insbesondere wenn es um Pferde geht, läuft er zur Höchstform auf. Man merkt bei der Schilderung der politischen Zustände und Entwicklungen ebenso wie bei der Beschreibung der kulturellen Besonderheiten die aufwendige Recherche des Autors. Seine Darstellung des Cid hat mich voll und ganz überzeugt.

    Das Buch wird abgerundet durch ein Glossar, eine Zeittafel und ausführliche historische Anmerkungen des Autors.


    Fazit:

    Mich hat dieses Buch fasziniert mit einer glaubhaften Hauptfigur, die sowohl kriegerische Faust als auch Vertreter eines friedvollen Nebeneinanders der verschiedenen Kulturen gewesen ist. Deshalb kann ich nur die Höchstbewertung mit fünf von fünf Sternen (100 von 100 Punkten) treffen und das Buch allen Freunden historischer Romane empfehlen.


    ASIN/ISBN: 3426526301

    Bin seit meiner Boosterimpfung am Donnerstag durch, fühlte mich danach aber nur schlapp.

    Hatte große Sorge um Tenbrink, weil er wieder so antriebslos war und dann auch noch bedroht wurde. Laukamp wählt eine Selbstmordvariante, die die beiden Polizisten arg belasten wird. Ähnlich wie Oliver glaubte er sich schuldig und ähnlich wie Tenbrink bei Brigitte zog er voreilige Schlüsse. So gab es vier Tote, die alle nicht sterben mussten, wenn andere rechtzeitig eingeschritten wären.

    Ellas Tante verhält sich auch recht seltsam, aber man wird sehen. Immerhin gibt es gute Nachrichten für Ella und Locke. Auch findet sich eine ältere Dame, die sich mit Freude um Tim kümmern wird. Meine Lieblingspassage in diesem Abschnitt waren Bertrams Gedanken bei den Ausführungen des Kinderkardiologen. Ärzte reden ja oft so interpretationsfähig.

    Locke wird operiert und die Frage stellt sich, ob sich der Krebsverdacht bestätigt. Auch Laukamp hat Krebs, aber im Kopf und nicht operabel, aber er hat es akzeptiert.

    Ansonsten werden viele Ermittlungsergebnisse und scheinbare Tatsachen über den Haufen geworfen und es ergibt sich ein völlig neues Bild, allerdings mit etlichen Unschärfen.

    Sehr schön fand ich Franziskas Aufeinandertreffen mit Tenbrink.

    Gespannt bin ich auf die abschließende Fallsicht und fiebere natürlich dem Untersuchungsergebnis bei Ella entgegen.

    Es ist selten, dass ich in einer Leserunde vorne dabei bin, aber die Geschichte hat mich eingefangen.

    Fiete taucht auf und Brigittes Liebhaber war ihr Sohn. Überhaupt herrscht ein reges Liebesleben, aktuell und in früheren Zeiten. Fiete hörte erst auf, wenn man ihm weh tat. Auch Leander war ein Casanova, aber sein Tod war wohl ein Unfall. Dieses rege Liebesleben schafft Motive ohne Ende. Der große Hund von Laukamp ist sehr gut erzogen, macht mir aber auch Angst.

    Meine Erwartungen wurden in keiner Hinsicht erfüllt


    Buchmeinung zu Sylvia Bergman – Redaktionsschuss


    „Redaktionsschuss“ ist ein Kriminalroman von Sylvia Bergman, der 2021 bei Independly published erschienen ist.


    Zum Autor:

    Sylvia Bergman lebt mit ihrer Familie im Norden Deutschlands. Sie liebt das Reisen und insbesondere die Ostsee, an der sie viele Sommer in ihrer Kindheit verbracht hat. Mit ihrer Kriminalromanserie um das charmante Amateurermittlerduo Heinze & Brockmann unternimmt sie Ausflüge an malerische Orte Deutschlands, mit einer gehörigen Portion Spannung im Gepäck.


    Klappentext:

    Es sollte ein friedliches Weihnachtsfest werden mit einer romantischen Versöhnung. Doch niemand holt Nina Heinze vom Londoner Flughafen ab. Der Mann, auf den sie sich seit Wochen freut … Erik ist wie vom Erdboden verschwunden. Sein Freund und Lektor – tot.

    Über Eriks Verlag versucht Nina Antworten zu bekommen. Es zeichnet sich das Bild eines Mannes ab, den sie nicht wiedererkennt: aufbrausend, rachsüchtig, ein Getriebener, der nichts anbrennen lässt. Ein Schürzenjäger.


    Meine Meinung:

    Bei diesem Buch hatte ich von Anfang an Probleme, auch weil die Vorgänger nicht kannte. Die Hauptfigur Nina Heinze fährt nach London, um sich mit ihrem Freund Erik zu treffen, allerdings auf Basis einer Einladung, die vor etlichen Wochen erfolgt ist. Es dauerte fast bis zur Buchmitte bis mir klar wurde, dass Erik mit Nachnamen Brockmann heißt und beide gemeinsam einige Fälle gelöst haben. Ein weiteres Manko war für mich die überzogene Emotionalität fast aller Figuren. Normal gab es so gut wie nie.

    Meist wurde die Geschichte aus der Perspektive Ninas erzählt, manchmal aber auch aus der Sicht der Opfer, die jedesmal völlig überrascht ihren Tod erlebten. Trotzdem sorgten diese Szenen für Spannung. Erik und Nina ermittelten getrennt voneinander und kümmerten sich wenig um die Bitte der Polizei, sich ruhig zu verhalten. Gerade Nina fühlte sich mehrfach verfolgt, wirkte verunsichert und machte dann einfach weiter. Absprachen der beiden Ermittler blieben Mangelware und jeder sorgte sich um den anderen, aber das beschworene Vertrauen ineinander war nicht erkennbar. Nina kam dem Täter überraschenderweise näher und es gab einen interessanten Showdown im Verlagshaus. Der Fall wurde aufgeklärt, allerdings schien mir das Motiv arg abstrus.

    Nina konnte ein paar Sympathiepunkte wegen ihrer Hartnäckigkeit erzielen, aber auch dieser Figur fehlte es an Tiefe. Die Glaubwürdigkeit der Geschichte war für mich nicht gegeben und die Emotionen wirkten auf mich permanent übertrieben.


    Fazit:

    Dieser Krimi konnte mich weder durch die Figurenzeichnung, die Handlung oder den Schreibstil überzeugen. Es gab einige wenige Ansätze, aber mein Lesevergnügen blieb gering. Deshalb bewerte ich das Buch mit zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten) und sehe von einer Leseempfehlung ab.


    ASIN/ISBN: B09JL33G1P

    Tenbrink bleibt hartnäckig und sammelt auf seine Art Informationen. In der Künstlergruppe rumort es und vielleicht einen Toten.

    Brigitte kommt zu Heinrich um die Dinge zu klären, aber Heinrich fährt den Karren endgültig in den Dreck. Brigitte bemängelt fehlendes Vertrauen.

    Locke und Ella könnten schwer krank sein, aber noch ist es nicht definitiv. Die Unsicherheit macht es für Tenbrink und Bertram nicht einfacher.

    Maik wird auch schweigsamer und ähnelt Heinrich immer mehr. Bloß keine Unruhe wegen ungelegter Eier und immer schön Heike aus dem Weg gehen.

    Isa könnte eine treibende Kraft in der Mordkommission werden. Arno bleibt der ungeliebte Chef, dessen Führung weiterhin zweifelhaft bleibt.

    Vergnüglicher Regionalkrimi


    Buchmeinung zu Natascha Keferböck – Im Flachgau wartet der Tod


    „Im Flachgau wartet der Tod“ ist ein Kriminalroman von Natascha Keferböck, der 2021 im Emons Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Geschichten zu erzählen hat für Natascha Keferböck, Jahrgang 1969, schon als Kind eine wichtige Rolle gespielt. Mit dem Aufschreiben hat sie allerdings erst später begonnen. Sie ist seit vielen Jahren beruflich in der Technik- und Finanzwelt zu Hause. In ihren Flachgauer Krimis rund um das fiktive Dorf Koppelried bei Salzburg zollt die Autorin ihrer Liebe zum Salzburger Land und seinen Menschen humorvoll Tribut.


    Klappentext:

    Ein herrlich schräger Krimi aus dem Salzburger Land. Mitten in der Flachgauer Raunacht geschieht ein Mord, der das beschauliche Örtchen Koppelried in den Ausnahmezustand versetzt – und mit ihm den Dorfpolizisten Raphael Aigner, der das Opfer nur allzu gut kannte. Mit Unterstützung alter Kollegen nimmt Aigner die Fährte auf und trifft bei der Suche nach dem Täter nicht nur auf überhebliche Pfaffen, windige Geschäftsmänner und kauzige Dorfbewohner, sondern kommt auch einem dunklen Familiengeheimnis auf die Spur.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch kann man völlig zurecht eine Krimödie nennen. Es ist zudem ein Regionalkrimi aus dem Flachgau mit reichlich Dialekt, der mir als Niederrheiner anfänglich ein paar Verständnisprobleme bereitet hat. Diese haben sich aber schnell gelegt und für die harten Fälle findet sich im Anhang ein Glossar. Der Protagonist Raphael Aigner, aus dessen Sicht die Geschichte vorwiegend erzählt wird, ist ein eigenwilliger Charakter, der für manche Überraschung gut ist. Im humorigen Gewand kommt eine Geschichte daher, die eher traurig stimmt. Beziehungsprobleme und Familienstreitereien sind ein wichtiges Thema, aber auch Liebe und Verbundenheit. All dies wird mit viel Wortwitz und teils auch deftigem Humor versetzt. Der Unterhaltungsfaktor ist hoch und es bleibt bis zum Ende spannend. Der Mord wird sauber aufgeklärt, allein auf der Beziehungsebene bleiben Fragen für eine Fortsetzung offen.


    Fazit:

    Dieses Buch schafft den Spagat zwischen durchaus ernster Thematik und humorvoller Verpackung vor allem dank seiner Hauptfigur Raphael Aigner vorzüglich. Deshalb bewerte ich das Buch mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 3740813253

    Kleiner Hinweis am Rande: Ich hab mir bei Finsterbusch den Spaß erlaubt, mit Albrecht Niemeyer eine Figur aus einem meiner frühen Krimis zu reaktivieren. Er ist der "Held" in Filmriss, aber das spielt für die Handlung hier keine Rolle. Nur ein kleiner Gag, weil ich immer mit dem Gedanken geliebäugelt habe, den Miesepeter Albrecht noch einmal aktiv werden zu lassen.

    Das ist mir nicht aufgefallen, auch weil ich gut gelesene Krimiinhalte vergessen kann.

    Es geht ruhig weiter und eine neue Kollegin betritt die Bühne. Isola ist mir sympathisch.

    Ich bin mir sicher, dass jemand am Tatort war, denn der Selbstmörder sagt ja, in der Badewanne liegend, dass er die Terrassentür offen gelassen hat. Als seine Mutter ihn gefunden hat, waren aber alle Türen zu.

    Bertram hat einen Anruf von Tenbrinks Geliebter erhalten und spricht Heinrich darauf an. Dieser hat eine Indizienkette zur Hand, hat aber das direkte Gespräch wir der Teufel das Weihwasser gescheut.

    Leanders Tod im Baggersee scheint auch nicht ganz koscher zu sein. Schon interessant, wie der Ermittler ohne Befugnis so an seine Informationen kommt.

    Es ist ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Es gibt neue Entwicklungen um die Hauptfiguren, die beide in Beziehungsproblemen stecken. Bei Bertram dreht sich fast alles um seine kleine Tochter und Meike wurde es zu viel. Tenbrink schweigt und man ahnt mehr etwas, als das man etwas weiß. Als er eine Bekannte zu einer Beerdigung chauffiert muss er sich anschließend kümmern und das macht er dann in seiner ruhigen, etwas knorrigen Art. Er redet mit diversen Menschen und irgendetwas könnte nicht stimmen. Tenbrink und Bertram sind nun involviert.

    Ein unerwartetes Jahreshighlight


    Buchmeinung zu Marcel Häußler – Kant und der sechste Winter


    „Kant und der sechste Winter“ ist ein Kriminalroman von Marcel Häußler, der 2021 im Heyne Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Marcel Häußler wurde 1970 in Essen geboren. Um die Jahrtausendwende arbeitete er in Köln als Kameraassistent und Cutter, als ihn die Liebe aus der Großstadt in ein bayerisches Dorf verschlug. Zwei Jahre später zog es ihn aus der Provinz nach München, wo er bis heute wohnt. Er veröffentlichte mehrere Kurzgeschichten, schrieb an Drehbüchern mit und übersetzte über dreißig Romane aus dem Englischen.


    Klappentext:

    Ausgerechnet am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags wird Hauptkommissar Kant zu einem Tatort im Münchner Ortsteil Obermenzing gerufen. Ein Mann liegt tot im Schnee. Alles würde auf einen Unfall auf vereister Fahrbahn hindeuten – wäre da nicht die seltsame Zeugenaussage einer Anwohnerin: Sie will gesehen haben, wie der Fahrer des Unfallwagens ausstieg und den bereits am Boden liegenden Mann erwürgte. Erst danach ergriff er die Flucht. Kant und das Team der Münchner Mordkommission nehmen die Ermittlungen auf. Die Spuren führen sie immer wieder in ein kleines Dorf am nahe gelegenen Ammersee. Offenbar hüten die Einwohner von Schelfing mehr als nur ein dunkles Geheimnis …


    Meine Meinung:

    Mich hat dieses Buch mit seiner ruhigen Art von Anfang an mitgenommen. Wechselnde Perspektiven geben dem Leser mehr Informationen als den Ermittlern und erhöhen dazu die Spannung. Trotzdem ist das Tempo eher moderat. Der Autor nimmt sich viel Zeit für die Schilderung von mehr oder weniger kleinen Problemen der Ermittler, die dadurch Kontur gewinnen. Kant ist ein erfahrener Ermittler, der Berufliches oft über Privates stellt. Manchmal wirkt er mit seiner pubertierenden Tochter etwas überfordert, aber er schenkt ihr und seinen Kollegen viel Vertrauen und er fährt meist gut damit. Kant hat ein Gespür für Zusammenhänge und ahnt, was passiert sein könnte. Die Geschichte ist geprägt von zerfallenen Beziehungen, Unglücken und Missgeschicken. Nur selten finden sich positive Elemente. Trotzdem wirken die Ermittler um Kant sympathisch. Ihre Hartnäckigkeit wird am Ende belohnt, auch wenn es einen großen Wermutstropfen gibt. Eine letzte Pointe mit Böllern in einer Streugutkiste sorgt für einen positiven Abschluß. Kant mit seinen Ecken und Kanten hat mich überzeugt und ich will die Serie weiterverfolgen.


    Fazit:

    Ein leiser Krimi um eine starke Ermittlerfigur, der sich zu großen Teilen über das Beziehungsgeflecht definiert. Mir hat es ausgezeichnet gefallen und deshalb bewerte ich das Buch mit fünf von fünf Sternen (95 von 100 Punkten). Zusätzlich spreche ich eine Leseempfehlung für die Freunde ruhiger Kriminalromane aus.


    ASIN/ISBN: 3453425405

    Temporeich und spannend, aber auch voller Gewalt


    Buchmeinung zu Mark Franley – Der Angst verfallen


    „ Der Angst verfallen“ ist ein Kriminalroman von Mark Franley, der 2021 bei Edition M erschienen ist. Dies ist der zweite Fall für das Ermittlerteam um Ruben Hattinger.


    Zum Autor:

    1972 in Nürnberg geboren, ist Mark Franley bis heute seiner Heimat treu geblieben. Mit den spannenden Fällen um seine Kommissare Mike Köstner, Lewis Schneider und Ruben Hattinger hat der Bestsellerautor Hunderttausende Leser in seinen Bann geschlagen.


    Klappentext:

    Im bayerischen Lohberg wird ein kleiner Junge unter die Eisschicht des Dorfweihers geschoben und dem Erfrierungstod überlassen: ein Fall für Sonderermittler Ruben Hattinger und seine Kollegen Mike Köstner und Eva Lange.

    Bei den Ermittlungen stößt das Team auf die Thrillerautorin Maria Burkhard. Verrufen in der Dorfgemeinschaft, lebt sie auf einem einsamen Berghof – und gibt Hattinger und seinen Leuten Rätsel auf: Sie behauptet, sie sei nachts überfallen worden und man habe sie gezwungen, über den Mord an dem Kind zu schreiben.

    Viel Zeit bleibt den Kommissaren nicht. Denn bald darauf verschwindet ein Mädchen …


    Meine Meinung:

    Bei diesem Buch ist Spannung, aber auch Gewalt angesagt. Mir gefallen die Ermittlerfiguren Ruben Hattinger, Mike Köstner und Eva Lange sehr gut, weil sie mit vielen Grautönen gezeichnet sind. Sie haben einen angemessenen Gegenspieler und zeitweilig hängen die Ermittler in der Luft. Rubens Arroganz wird auf eine harte Probe gestellt und er gerät in Lebensgefahr. Besser als die durch Gewalt geprägten Szenen haben mir die ruhigen Momente mit den Gesprächen gefallen. Lange Zeit habe ich im Dunkeln getappt, aber die Auflösung war vollständig und überzeugend. Der Schreibstil ist fesselnd und durch häufige Perspektiv- und Ortswechsel wird das Tempo hoch gehalten. Leider war es mir stellenweise zu gewalttätig, auch wenn es zur Handlung passte.


    Fazit:

    Ein spannender und temporeicher Thriller mit gelungenem Plot und Personal, aber manchmal mit zu expliziter Gewaltdarstellung. Deshalb bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde harter Thriller aus.

    Eine gelungene Sammlung


    Buchmeinung zu Carola Christiansen & Mareike Fröhlich (Hg.) – Tour de Mord


    „Tour de Mord“ ist ein Kurzgeschichtenband zum 25-jährigen Jubiläum der „Mörderischen Schwestern“, der 2021 bei Servus erschienen ist.


    Zum Autor:

    Carola Christiansen, geboren in Hamburg, ist Schriftstellerin und Präsidentin der »Mörderischen Schwestern«, einem Netzwerk von über 600 Autorinnen, Leserinnen und Bücherfachfrauen, das seit 25 Jahren Kriminalliteratur von Autorinnen fördert. Sie lebt und schreibt in Hamburg Altona.

    Mareike Fröhlich, geboren in Stuttgart, ist Autorin, freie Lektorin und Dozentin an der Akademie der Deutschen Medien. Sie ist die Schatzmeisterin der »Mörderischen Schwestern«.


    Klappentext:

    Eine kriminelle Reise durch die Alpen

    Grüne Täler, imposante Gipfel, malerisch gelegene Dörfer – ist es denn möglich, dass vor einer solch herrlichen Kulisse blutrünstige Verbrechen geschehen? In diesem Kurzgeschichten-Band wird schnell klar: Die Alpenidylle trügt. 25 Krimi-Autorinnen aus Deutschland, Österreich und Südtirol laden Sie zu einer »Tour de Mord« ein. Besuchen Sie mit den Heimatkrimis der »Mörderischen Schwestern« die schönsten Orte von Bayern bis Tirol und Vorarlberg, vom Allgäu über die Schweiz bis nach Südtirol.


    Meine Meinung:

    Die 25 Kurzgeschichten umfassen meist zwischen 10 und 15 Seiten und spielen im Alpenraum. Manche Geschichte hat mir mehr gefallen, manche etwas weniger. Die Bandbreite an Themen und an Schreibstilen ist recht groß, so dass für jeden etwas dabei sein sollte. Fast alle Geschichten haben mich gut unterhalten und manche haben mich auch zum Nachdenken gebracht. Bei der ein oder anderen Autorin habe ich nach „langen“ Werken geschaut und auch zwei gekauft und drei andere sind auf meiner Wunschliste gelandet.


    Fazit:

    Eine gelungene und unterhaltsame Mischung an Kurzgeschichten, die ich mit knappen vier von fünf Sternen (75 von 100 Punkten) bewerte. Freunden von Kurzgeschichten kann ich diese Sammlung empfehlen.


    ASIN/ISBN: 3710403030

    Wenig gelungen, weil zu viel gewollt


    Buchmeinung zu Lilli Bernstein – Leise kriselt der Schnee


    „Leise kriselt der Schnee“ ist eine Kurzgeschichte von Lilli Bernstein, die 2021 bei booksnacks erschienen ist.


    Zum Autor:

    Lilli Bernstein ist technische Redakteurin und Autorin. Verheiratet. 3 Kinder. Am liebsten mit dem Rad auf Achse. Besucht regelmäßig ihre Lese-Omis im Seniorenheim um die Ecke. Veröffentlichte (seit 2012) 20 Kurzgeschichten. Drehbücher mehrfach im Finale bei internationalen Wettbewerben.


    Klappentext:

    Wettlauf mit der Zeit an Heiligabend

    Kommissar Giebken möchte eigentlich nur noch eines: Weihnachten mit seiner Tochter genießen. Allerdings holt ihn ein verzwickter Mordfall wieder aus dem Feierabend, den er schnell genug lösen muss, um noch pünktlich zur Kirche zu kommen …


    Meine Meinung:

    Rund dreißig Seiten ist diese Kurzgeschichte, in der ein ganzer Fall garniert mit einer Nebenhandlung auf den Leser treffen. Jan Giebken ist Kommissar, geschieden und hat eine Tochter Lea, mit der er sich am späten Nachmittag treffen will. Da ereilt ihn der Anruf seiner Kollegin Mia Hötte, die ihn zu einem neuen Fall ruft. Die Geschehnisse in dieser Kurzgeschichte sind dicht gedrängt und besonders auffällig ist der lockere Umgangston zwischen den beiden Ermittlern. Hötti und Giebki wird da schon mal mit Baby, Honey und Darling verbunden. Das hat mir nicht gefallen. Auch der Versuch, den gesamten Fall an einem halben Tag zu erledigen, konnte mich nicht überzeugen. Er wurde einfach zu viel in diese Kurzgeschichte gestopft und mein Lesevergnügen rann dahin.


    Fazit:

    Für mich ein klarer Fall von zu viel gewollt und zu wenig gelungen. Deshalb bewerte ich diese Kurzgeschichte auch nur mit zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B09L525LMW

    Ein Abenteuerroman um Melisende von Jerusalem


    Buchmeinung zu Ulf Schiewe – Die Mission des Kreuzritters


    „ Die Mission des Kreuzritters“ ist ein Historischer Roman von Ulf Schiewe, der 2021 bei Lübbe erschienen ist.


    Zum Autor:

    Ulf Schiewe wurde 1947 im Weserbergland geboren und wuchs in Münster auf. Er arbeitete lange als Software-Entwickler und Marketingmanager in führenden Positionen bei internationalen Unternehmen und lebte über zwanzig Jahre im Ausland, unter anderem in der Schweiz, in Paris, Brasilien, Belgien und Schweden. Schon als Kind war Ulf Schiewe ein begeisterter Leser, zum Schreiben fand er mit Ende 50.


    Klappentext:

    Jerusalem, 1129. Als älteste Tochter des Königs soll Melisende einst die Krone erben und über das Heilige Land herrschen. Den von ihrem Vater ausgesuchten Bräutigam lehnt die eigenwillige junge Frau jedoch vehement ab. Heimlich verlässt sie mit einer Eskorte die Stadt. Doch sie kommt nicht weit. Ihre Reisegruppe wird überfallen, ihre Wache getötet, sie selbst als Geisel verschleppt. Um sie zu retten, schickt König Baudouin den Tempelritter Raol de Montalban aus. Bald merkt er: Gefahr droht von mehr als einer Seite ...


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist ein klassischer Abenteuerroman im historischen Umfeld mit einem Touch Liebesroman. Der Leser erfährt viel über die kulturellen Unterschiede zwischen abend- und morgenländischer Kultur. Die beiden Hauptfiguren Melisende und Raol de Montalban sind mit etlichen grauen Flecken gezeichnet und wirken lebendig und auch sympathisch. Die Entführungsgeschichte ist rein fiktiv, bildet aber den Grundstock zur Beschreibung des politischen Umfelds von Jerusalem. Jerusalem ist der Ort des Zusammentreffens verschiedener Religionen mit ihren jeweiligen Heiligtümern und natürlich auch ein Ort des Handels. Melisende ist die Tochter des Königs und hat eine sehr gute Ausbildung erhalten. Trotzdem soll sie mit einem fremden und auch deutlich älteren Ritter verheiratet werden, der die Staatsgeschäfte und die Heeresführung übernehmen soll. Raol de Montalban ist ein erfahrener Tempelritter und Kämpfer, der die entführte Melisende auslösen und nach Jerusalem zurückbringen soll. Dies erweist sich als schwierige und gefahrvolle Mission, während der sich Melisende und Raol zunehmend näher kommen.

    Der Autor hat einen spannenden Plot erstellt, der den Leser durch den Wechsel zwischen Kampfszenen und ruhigen Phasen fesselt. Auf allen Seiten gibt es Menschen, die von der Situation profitieren wollen und mehr oder weniger lautere Absichten verfolgen. Die heterogene Struktur in der Region wird mehr als deutlich.


    Fazit:

    Dieser Abenteuerroman überzeugt durch seine Figurenzeichnung und der Darstellung des politischen Umfelds jener Zeit. Die Geschichte ist spannend und doch haben mir andere Romane des Autors besser gefallen. Deshalb bewerte ich dieses Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde historischer Abenteuerromane aus.


    ASIN/ISBN: B092VPG4LF

    Der Aufstieg der UFA in unruhigen Zeiten


    Buchmeinung zu Peter Prange – Der Traumpalast: Im Bann der Bilder


    „Der Traumpalast: Im Bann der Bilder“ ist ein Roman von Peter Prange, der 2021 bei Fischer Scherz erschienen ist.


    Zum Autor:

    Bestsellerautor Peter Prange ist der große Erzähler der deutschen Geschichte. Als Autor aus Leidenschaft gelingt es ihm, die eigene Begeisterung für seine Themen auf Leser und Zuhörer zu übertragen. Die Gesamtauflage seiner Werke beträgt weit über drei Millionen. ›Der Traumpalast‹ ist sein vierter großer Deutschland-Roman. Die Vorläufer sind Bestseller, etwa sein Roman in zwei Bänden, ›Eine Familie in Deutschland‹. ›Das Bernstein-Amulett‹ wurde erfolgreich verfilmt, der TV-Mehrteiler zu ›Unsere wunderbaren Jahre‹ begeisterte ein Millionenpublikum. Der Autor lebt mit seiner Frau in Tübingen.


    Klappentext:

    Berlin, Anfang der zwanziger Jahre: Ein neues Lebensgefühl bricht sich Bahn - Freiheit! Es ist die Vision von glanzvollen Stars, spektakulären Großfilmen und glitzernden Kinopalästen, die Tino, Bankier und Lebemann, an der gerade gegründeten Ufa begeistert. Er riskiert alles, um mit der deutschen Traumfabrik Hollywood Paroli zu bieten. Rahel will als Journalistin Wege gehen, die Frauen bisher verschlossen waren. Als die zwei einander begegnen, ahnen sie nicht, welche Wende ihr Leben dadurch nimmt. Denn bald stellt sich ihnen die alles entscheidende Frage: Wie weit darf Freiheit gehen? In der Politik, in der Kunst – und in der Liebe.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch zerfällt für mich in zwei Ebenen. Einerseits wird eindrucksvoll die Historie um den Aufstieg der UFA, den Wettstreit zwischen den Wirtschaftsmagnaten Hugenberg und von Stauß und den politischen Entwicklungen in der jungen Weimarer Republik lebendig. Diese Ebene hat mir ausgesprochen gut gefallen, weil die Geschichte lebendig wurde mit ihren Hintergründen und den Auswirkungen auf die Menschen. Mit vielen kleinen Episoden wird die historische Dimension akkurat wiedergegeben. Gleichzeitig werden Gefühle der Beteiligten spürbar. In der zweiten Ebene wird die Beziehung der fiktiven Figuren Tino Reichenbach und Rahel Rosenberg und ihrer Umgebung thematisiert. Beide Figuren sind mit Ecken und Kanten gezeichnet und sorgen für reichlich Spannung. Beide sind mir kaum sympathisch erschienen, da sie eine Übereinkunft getroffen haben, die sehr extrem ist und ihre Liebe auf eine harte Probe stellt. Meiner Meinung nach übertreibt es der Autor mit der Konsequenz, die gerade Rahel fast ohne Rücksicht auf Verluste betreibt. Die Verbindung historischer und fiktiver Figuren hat mir gefallen, da sie den Zeitgeist und die Haltung und die Ansichten der historischen Figuren verdeutlicht.

    Trotz eines fehlenden Sympathieträgers hat mich diese Erzählung in weiten Teilen gefesselt und für etliche anregende Lesestunden gesorgt.


    Fazit:

    Mich haben die historischen Elemente weit mehr als die Liebesbeziehung zwischen Tino und Rahel überzeugt. Trotzdem war mein Lesevergnügen groß und ich bewerte das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten). Für Geschichtsinteressierte spreche ich eine Leseempfehlung aus.

    Solider Cosy Crime mit einigen ungewöhnlichen Themen


    Buchmeinung zu Andrea Instone – Der Salon des Todes


    „Der Salon des Todes“ ist ein Kriminalroman von Andrea Instone, der 2017 in Eigenregie erschienen ist. Dies ist der zweite Fall für Fräulein Schumacher.


    Zum Autor:

    Andrea Instone kam im Winter 1968 in Bonn zur Welt und ist nach Ausflügen in alle vier Himmelsrichtungen gerne dorthin zurück gekehrt. Hier lebt sie mit zwei Söhnen, zwei Hunden, zwei Katzen, jedoch nur einem Mann.


    Klappentext:

    Als Emma Schumacher im Winter 1926 ihre erste Arbeitsstelle als Stenotypistin eines Schönheitssalons antritt, möchte sie wie andere junge Frauen auch, vor allem eines: unabhängig sein. Dann aber geschieht ein schrecklicher Unfall und sie hält eine Tote in den Armen. Ein Unfall? Oder doch Mord? Gemeinsam mit ihrem englischen Freund James macht sie sich daran, den geheimnisvollen Fall aufzuklären!


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat eine Reihe von typischen Merkmalen eines Cosy-Krimis, überrascht aber an der ein oder anderen Stelle mit ungewohntem Inhalt und Themen. Emma Schumacher, die Hauptfigur, ist wohlbehütet aufgewachsen und tritt ihren ersten Job in einem Schönheitssalon an. Sie ist mit James, Sohn eines englischen Verlegers, befreundet, weiß aber nicht, ob es die große Liebe ist. Dann wird sie Zeuge eines Todesfalls nach einer elektrischen Behandlung im Schönheitssalon.

    Emma und die Polizei nehmen die Ermittlungen auf.

    Emmas Tante Sybil sorgt dafür, dass Emma nicht unvorbereitet auf die mögliche Ehe ist. Während der Chefermittler Simon Wertheim Ruhe und Kompetenz ausstrahlt, ist sein Assistent Siegfried Mertens nicht ganz unvoreingenommen bei den Ermittlungen tätig. Siegfried ist national eingestellt und von den politischen Agitatoren angetan. Er äüßert sich schon manchmal fremdenfeindlich. Die Figuren sind meist nicht sonderlich tief gezeichnet, geben aber durch ihr Äüßeres und ihr Auftreten ein anschauliches Bild der damaligen Zeit ab. Etliche Befragte und Verdächtige verbergen etwas und die Geheimnisse müssen mühsam gelüftet werden. Gerade bei der Beschreibung der Gefühlswelten übertreibt die Autorin manchmal und sorgt für humorige Situationen. Emma wirkt trotz der Überzeichnungen in Gefühlsdingen sympathisch, auch weil sie konsequent ihren Weg geht. Viele Figuren haben ihre Eigenheiten und kleine Macken und wirken so lebendig. Am Ende führen solide Polizeiarbeit und Emmas mutiges Vorgehen zur Lösung des Falles. Die Spannung leidet manchmal unter den ausführlichen Nebenhandlungen, zieht aber zum Ende merklich an.


    Fazit:

    Ein historisch angehauchter Kriminalroman mit Stärken und Schwächen, der vor allem durch die ungewöhnlichen Nebenthemen punktet. Deshalb bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde des Cosy Crime aus.


    ASIN/ISBN: B0764MY84R

    Acht Kriminalgeschichten zum Entspannen


    Buchmeinung zu Elfi Sinn – Sophie und die Krimifrauen vom alten Bahnhof -3 -


    „Sophie und die Krimifrauen vom alten Bahnhof -3 -“ ist eine Sammlung von acht Kriminalgeschichten von Elfi Sinn, der 2021 bei Books on Demand erschienen ist.


    Zum Autor:

    Elfi Sinn, geboren 1947, Kindergärtnerin und Diplom-Gesellschaftswissenschaftlerin, hat mehr als 20 Jahre als Heilpraktikerin psychotherapeutisch in eigener Praxis gearbeitet, seit 2017 im Ruhestand. Zahlreiche Veröffentlichungen zu psychologischen und gesundheitlichen Problemen in Fachjournalen und Frauenzeitschriften. 2017 erschien ihr erstes Buch Der Club der kleinen Millionäre - Coole Kids und der clevere Umgang mit Geld.


    Klappentext:

    Sophie, die junge Privatdetektivin, kann nach der Elternzeit ihre besonderen Fähigkeiten wieder stärker nutzen, um diejenigen glücklich zu machen, denen wertvoller Schmuck, wichtige Erinnerungsstücke oder andere geliebte Kostbarkeiten gestohlen wurden.

    Meine Meinung:

    Dieses Buch enthält acht Kurzgeschichten, die ich jeweils in einer Viertelstunde gelesen habe. Die Figuren sind einfach gehalten und die Ermittler durchweg liebenswürdig. Der Schreibstil vermittelt ein Wohlgefühl und die Seiten fließen nur so dahin. Sieben Ruheständlerinnen haben einen Krimiklub gegründet, der sich regelmäßig trifft und Vergehen im Umkreis untersucht. Sophie, Tochter eines Krimiklubmitglieds, betreibt eine Detektei, die sich auf Wiederbeschaffung verschwundener Gegenstände spezialisiert hat. Sie wird gelegentlich von den Klubmitgliedern unterstützt. Eine Kindergruppe samt Haushunden und die Partner der Ruheständlerinnen arbeiten bei Bedarf mit an der Lösung der Kriminalfälle. Die Fälle selber decken ein breites Spektrum ab (Alles außer Gewaltverbrechen), sind aber dem Format bedingt nicht sonderlich komplex. Die Teammitglieder können ihre Fähigkeiten einbringen und sind mit ganzem Herzen bei der Sache. Es sind Geschichten, bei denen man sich angenehm und leicht unterhalten kann.


    Fazit:

    Alle acht Geschichten sind Wohlfühlfälle für die Seele und kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch. Deshalb bewerte ich die Storysammlung mit vier von fünf Sternen (75 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 3754348116