Beiträge von wampy

    Auch an Klassikern geht die Zeit nicht spurlos vorbei


    Buchmeinung zu Dashiell Hammett – Der dünne Mann


    ›Der dünne Mann‹ ist ein Kriminalroman von Dashiell Hammett, der 2004 bei Diogenes in der Übersetzung von Tom Knoth erschienen ist. Der Titel der amerikanischen Originalausgabe lautet ›The Thin Man‹ und ist 1934 erschienen.


    Zum Autor:

    Samuel Dashiell Hammett (geboren 27. Mai 1894 bei Great Mills, Saint Mary’s County, Maryland; gestorben 10. Januar 1961 in New York) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er veröffentlichte auch unter dem Pseudonym Peter Collinson. Hammett gilt noch vor Raymond Chandler als der Begründer des amerikanischen Kriminalromans (hardboiled novel).

    Klappentext:

    Nick Charles hat sich geschworen, um keinen Preis der Welt wieder einen Fall zu übernehmen. Schließlich klärt er als Privatmann auf, womit er sich beruflich nicht befassen möchte.


    Meine Meinung:

    Bei diesem Buch merkte ich erneut, dass ein Prunkstück meiner Jugend viel von seinem Reiz verloren hat. Die Geschichte ist rein aus der Sicht der Hauptfigur Nick Charles geschildert und besteht fast ausschließlich aus Dialogen. Auffällig ist der stete Alkoholkonsum von Nick und auch seiner Frau Nora. Stets hat Nick einen Drink zur Hand und lange Zeit hat man den Eindruck, dass er gar nicht ermitteln will, sondern die Ereignisse über sich ergehen lässt. Erst am Ende präsentiert er die Auflösung, die er seiner Frau danach im Detail erklärt. Vieles basiert auf Annahmen und Wahrscheinlichkeiten, aber sonst würde der Täter ja irgendwann unbestraft verschwinden.

    Die Figuren sind durch die Bank nicht sonderlich sympathisch gezeichnet, selbst die Hauptfiguren nicht. Nick Charles ist ein verehrter Meisterdetektiv, der den Jahreswechsel an der Ostküste verbringen will und eigentlich nicht mehr ermittelt. Ungewöhnlich, vor allem für die damalige Zeit, ist das Verhältnis zwischen Nick und Nora, das von großem Vertrauen geprägt ist. Nick ist oftmals von attraktiven Damen umschwärmt und Nora hat dies akzeptiert, macht sogar Scherze darüber. Hin und wieder diskutieren sie den Stand der Ermittlungen und zeigen Möglichkeiten auf. Der Schreibstil ist eher leger und mit trockenem Humor durchsetzt. Die Stärke des Titel ist das Bild der amerikanischen Gesellschaft und seine Verknüpfungen in den Figuren. Vieles ist anrüchig und nicht in Ordnung und sorgt für eine dunkle Stimmung. Vermisst habe ich lange Zeit einen soliden Spannungsbogen, denn Nick Charles will ja eigentlich nicht ermitteln.


    Fazit:

    Dieser Klassiker hat mit der Zeit etwas von seinem Reiz verloren, ist aber immer noch ein Zeitdokument. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 3257202954

    Begnügt sich damit, nett zu sein


    Zum Autor:

    Hinter dem Pseudonym Pierre Martin verbirgt sich ein Autor, der sich mit Romanen, die in Frankreich und in Italien spielen, einen Namen gemacht hat. Für seine Hauptfigur Madame le Commissaire hat er sich eine neue Identität zugelegt.

    Zum Inhalt:

    Lucien ist ein zufriedener Restaurantbetreiber, der das Leben in vollen Zügen geniest. Doch dann gibt er seinem sterbenden Vater das Versprechen, die Familientradition fortzusetzen – als Auftragsmörder. Lucien hat die entsprechende Ausbildung erhalten, aber er will nicht töten. Dann erhält er seinen ersten Auftrag. Wie wird sich Lucien verhalten?


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich anfangs begeistert, aber die Begeisterung hat nicht lange gehalten. Lucien soll in die Fussstapfen seines Vaters im Familienunternehmen eintreten. Sein Onkel akquiriert die Tötungsaufträge und Lucien soll sie nun ausführen. Sein Problem dabei ist, dass er niemanden töten will. Wie er versucht, beiden Anforderungen gerecht zu werden, macht den Reiz der Geschichte aus. Die Geschichte spielt vorwiegend in der Welt der Reichen und der Schönen. So ist auch Lucien von zwei schönen jungen Frauen umgeben und dies sorgt für mehr als einen Schuss Romantik. Die Trickdiebin hat sich mit den falschen Leuten angelegt, während er die bildhübsche, aber unnahbar erscheinende Assistentin von seinem Vater übernommen hat. Bald merkt er, dass sie auch die Geliebte seines Vaters gewesen ist. Beide Frauenfiguren wirken sympathisch, sind aber recht einfach gezeichnet. Lucien selbst kommt noch eine Spur sympathischer rüber, ist mir aber viel zu perfekt gezeichnet. Grautöne sind ähnlich wie bei seinen Gegenspielern Mangelware.

    Positiv wirkt die atmosphärische Schilderung der Küstenregion und des Hinterlandes. Die ein oder andere Sehenswürdigkeit findet den Weg ins Buch, ebenso wie eine Reihe lukullischer Genüsse.

    Der Schreibstil ist empathisch und mit Humor durchzogen, so dass ein angenehmes Lesegefühl entsteht. Der Spannungsbogen wird öfter unterbrochen, steigert sich aber zum Ende hin. Lucien agiert ideenreich, wird aber von vielen Zufällen bei seinem Vorhaben, nicht selber zu töten, unterstützt. Etwas mehr Tiefgang hätte der Geschichte gut getan.


    Fazit:

    Ein angenehm zu lesender Kriminalroman mit einer bestechenden Grundidee, der aber eher mit Atmosphäre als mit den Charakteren punktet. Deshalb bewerte ich den Titel mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B09XLVDJXS

    Begnügt sich damit, nett zu sein


    Buchmeinung zu Pierre Martin – Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens


    „Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens“ ist ein Kriminalroman von Pierre Martin, der 2022 im Knaur Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Hinter dem Pseudonym Pierre Martin verbirgt sich ein Autor, der sich mit Romanen, die in Frankreich und in Italien spielen, einen Namen gemacht hat. Für seine Hauptfigur Madame le Commissaire hat er sich eine neue Identität zugelegt.

    Zum Inhalt:

    Lucien ist ein zufriedener Restaurantbetreiber, der das Leben in vollen Zügen geniest. Doch dann gibt er seinem sterbenden Vater das Versprechen, die Familientradition fortzusetzen – als Auftragsmörder. Lucien hat die entsprechende Ausbildung erhalten, aber er will nicht töten. Dann erhält er seinen ersten Auftrag. Wie wird sich Lucien verhalten?


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich anfangs begeistert, aber die Begeisterung hat nicht lange gehalten. Lucien soll in die Fussstapfen seines Vaters im Familienunternehmen eintreten. Sein Onkel akquiriert die Tötungsaufträge und Lucien soll sie nun ausführen. Sein Problem dabei ist, dass er niemanden töten will. Wie er versucht, beiden Anforderungen gerecht zu werden, macht den Reiz der Geschichte aus. Die Geschichte spielt vorwiegend in der Welt der Reichen und der Schönen. So ist auch Lucien von zwei schönen jungen Frauen umgeben und dies sorgt für mehr als einen Schuss Romantik. Die Trickdiebin hat sich mit den falschen Leuten angelegt, während er die bildhübsche, aber unnahbar erscheinende Assistentin von seinem Vater übernommen hat. Bald merkt er, dass sie auch die Geliebte seines Vaters gewesen ist. Beide Frauenfiguren wirken sympathisch, sind aber recht einfach gezeichnet. Lucien selbst kommt noch eine Spur sympathischer rüber, ist mir aber viel zu perfekt gezeichnet. Grautöne sind ähnlich wie bei seinen Gegenspielern Mangelware.

    Positiv wirkt die atmosphärische Schilderung der Küstenregion und des Hinterlandes. Die ein oder andere Sehenswürdigkeit findet den Weg ins Buch, ebenso wie eine Reihe lukullischer Genüsse.

    Der Schreibstil ist empathisch und mit Humor durchzogen, so dass ein angenehmes Lesegefühl entsteht. Der Spannungsbogen wird öfter unterbrochen, steigert sich aber zum Ende hin. Lucien agiert ideenreich, wird aber von vielen Zufällen bei seinem Vorhaben, nicht selber zu töten, unterstützt. Etwas mehr Tiefgang hätte der Geschichte gut getan.



    Fazit:

    Ein angenehm zu lesender Kriminalroman mit einer bestechenden Grundidee, der aber eher mit Atmosphäre als mit den Charakteren punktet. Deshalb bewerte ich den Titel mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).

    Auch der Jubiläumsband bleibt dem Erfolgsrezept treu


    Buchmeinung zu Andreas Föhr – Herzschuss


    „Herzschuss“ ist ein Kriminalroman von Andreas Föhr, der 2022 bei Knau HC erschienen ist.


    Zum Autor:

    Andreas Föhr, Jahrgang 1958, gelernter Jurist, arbeitete einige Jahre bei der Rundfunkaufsicht und als Anwalt. Seit 1991 verfasst er erfolgreich Drehbücher für das Fernsehen, u.a für „SOKO 5113“, „Ein Fall für zwei“ und „Der Bulle von Tölz“. Seine preisgekrönten Kriminalromane um das Ermittlerduo Wallner & Kreuthner stehen regelmäßig monatelang unter den Top 10 der Bestsellerlisten. Zuletzt war "Unterm Schinder" Platz 3 der Spiegelbestsellerliste. Andreas Föhr lebt zusammen mit seiner Frau und zwei Katzen in einem alten Bauernhaus in der Nähe von Wasserburg. Wenn er nicht gerade schreibt, geht er am liebsten in die Berge, wandert auf unbekannten Wegen in unberührter Natur.

    Klappentext:

    Ein frischer Wind weht durch die Polizeiinspektion Miesbach – oder wohl eher eine steife Brise: Clemens Wallners neue Chefin Karla Tiedemann ist nicht nur 10 Jahre jünger als der Kommissar und mit einem Sinn für beißende Ironie gesegnet; sie scheint auch mindestens so sehr an ihrer Karriere interessiert wie an Gerechtigkeit.

    Als der Abgeordnete Gansel in seinem eigenen Haus ermordet wird, gerät Kommissar Wallner von zwei Seiten unter Druck: Karla drängt auf einen raschen Abschluss des Falls – und der Hauptverdächtige ist ausgerechnet Polizeihauptmeister Leonhardt Kreuthner! Denn Gansel war mit Kreuthners Jugendliebe Philomena verheiratet und hat sie offenbar geschlagen. Das wiederum hatte Kreuthner herausbekommen und wollte es in der ihm eigenen unkonventionellen Art unterbinden …


    Meine Meinung:

    Während Clemens Wallner wie gewohnt an der Lösung des Falles arbeitet, setzt Leonhardt Kreuthner seinen Eskapaden noch einen drauf. Mit der neuen Chefin Karla Tiedemann zieht Frauenpower in die Polizeiinspektion Miesbach. Sie eckt gleich ordentlich an und erhebt Anspruch auf die Alpha-Rolle. Auch Kreuthner Senior mischt wieder mit.

    Der Schreibstil ist humorvoll und empathisch. Man spürt die Liebe zur Region und zu den Figuren. Die Handlung ist noch eine Spur unglaublicher wie in den vorherigen Fällen. Man spürt das Vergnügen des Autors an hanebüchenen Situationen mit viel Situationskomik und auch manchen Klamauk. Erstaunlicherweise schafft es der Autor, die skurrilen Szenen zu einem logischen Universum zu verbinden. Es ist spannend und die Auflösung ist nachvollziehbar. Mir hat auch dieser Fall wieder gut gefallen, aber es ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack.


    Fazit:

    Der zehnte Fall um Wallner und Kreuthner reiht sich nahtlos in die Vorgängerfälle ein. Mir hat dieser Titel gefallen und deshalb bewerte ich ihn mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten). Es gibt eine Leseempfehlung von mir, aber es wird sicherlich nicht allen gefallen.


    ASIN/ISBN: 3426226707

    Eine rasante Mischung, die es in sich hat


    Buchmeinung zu Christof Gasser – Solothurn blickt in den Abgrund

    „Solothurn blickt in den Abgrund“ ist ein Kriminalroman von Christof Gasser, der 2022 im Emons Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Christof Gasser, geboren 1960 in Zuchwil bei Solothurn, ist seit 2016 Autor von Kriminalromanen und Kurzgeschichten. Zudem schreibt er als Gastkolumnist für die Solothurner Zeitung. In seinen Romanen, die regelmäßig Spitzenplätze auf der Schweizer Bestsellerliste belegen, spielt seine Heimatstadt stets eine wichtige Rolle. Gasser lebt mit seiner Frau unweit von Solothurn am Jurasüdfuß.

    Klappentext:

    Das Büro einer Frauenrechtsorganisation in Olten wird überfallen und in Brand gesetzt, dabei wird eine der Aktivistinnen schwer verletzt. Staatsanwältin Angela Casagrande und Polizeihauptmann Dominik Dornach nehmen rechtsextreme Kreise ins Visier, die bereits Anschläge gegen linke und grüne Politikerinnen verübt haben sollen. Kurz darauf verschwindet die Syrerin Rana Amidi, eine Freundin von Dornachs Tochter Pia spurlos – und Dornach gerät in ein Netz gefährlicher Verstrickungen zwischen Diplomatie, Wirtschaftsinteressen und globaler Machtpolitik.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch kommt im Gewand eines Regionalkrimis daher, ist aber eher ein politischer Wirtschaftskrimi mit mehr als einem Hauch Thriller. Dominik Dornach und sein Team ermitteln gleich in mehreren Fällen und stoßen auf wirtschaftliche Verknüpfungen der Schweiz mit einem fiktiven Staat der arabischen Welt, der mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht wird. Auch Dominiks Tochter Pia will aufklären und gerät in große Gefahr.

    Die Figuren sind interessant, meist mit Grautönen durchsetzt, und handeln manchmal eher emotionell als überlegt. Zudem scheint eine Killerin auf dem Weg zu Dominik zu sein.

    Weite Teile des Romans wirken leider glaubhaft, aber ab einem bestimmten Punkt wird es wunderlich und zugleich sehr spannend. Viel Gewalt wird durch eine satte Portion trockenen Humors abgefedert und niemand kann sich seiner Haut sicher sein. In Nebenhandlungen spielen romantische Gefühle eine wesentliche Rolle und es bleibt kompliziert. Am Ende werden fast alle Fragen beantwortet, aber nicht alle Überlebenden sind glücklich.


    Fazit:

    Der Regionalkrimi wird zuerst zu einem politischen Wirtschaftskrimi, um dann als knallharter Thriller zu enden. Die Spannung steigt, aber mit der Glaubwürdigkeit geht es bergab. Meine Bewertung sind vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten). Diesen Titel kann ich den Thrillerfreunden empfehlen.


    ASIN/ISBN: 3740813954

    Nimmt nach verhaltenem Beginn zunehmend Fahrt auf


    Buchmeinung zu Nicole Wollschlaeger – Elbpakt


    „Elbpakt“ ist ein Kriminalroman von Nicole Wollschlaeger, der 2022 bei Books on Demand erschienen ist. Dies ist der siebte Fall für das Kophusener Ermittler-Trio.


    Zum Autor:

    Nicole Wollschlaeger, 1974 in Pinneberg geboren, absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Danach schloss sie 2004 ihr Schauspielstudium in Hamburg ab und ist seitdem als freiberufliche Schauspielerin tätig. Es folgten Engagements u.a. am Ernst-Deutsch-Theater. Bis 2016 lieh sie ihre Stimme der Kinderbuchreihe Das magische Baumhaus und ging mit ihr durch ganz Deutschland auf Lesereise. 2013 erschien ihr Debüt Schatten über Nargon im Carlsen Verlag. Eine Fantasy-Geschichte ab 10 Jahren, welche 2017 neuaufgelegt wurde. ELBSCHULD ist der erste Band der schrägen Serie, um den Kommissar Philip Goldberg, der 2016 erschien. Inzwischen erscheint jedes Jahr einer neuer Fall um das Kophusener Ermittler-Trio. Sie lebt als freie Autorin in Schleswig-Holstein.

    Klappentext:

    Ursula Neumann meldet einen Einbruch. Doch als Kommissar Philip Goldberg und sein Kollege Hauke Thomsen bei der betagten Dame ankommen, behauptet sie plötzlich, sie habe sich geirrt, und schlägt den Beamten die Tür vor der Nase zu.

    Bereits am nächsten Tag werden die Kophusener Polizisten zu einem aufgestellten Grabkreuz gerufen. Was sie dort vorfinden, ist ebenso rätselhaft wie makaber. Als im Park des Seniorenheims wenig später ein zweites Grab auftaucht, und Ursula Neumann spurlos verschwindet, ist sich Goldberg sicher, dass beide Ereignisse zusammenhängen.

    Das Ermittler-Trio kommt einem weit zurückliegenden Geheimnis auf die Spur, dessen gefährlicher Schatten bis in die Gegenwart reicht.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist durch und durch ein Regionalkrimi und doch ist es in einigen Belangen ungewöhnlich. Die drei Kophusener Polizisten Philip Goldberg, Hauke Thomsen und Peter Brandt haben alle ihre Probleme und sind keine wahren Sympathieträger. Und doch geht von ihnen ein Reiz aus, ihrem Leben zu folgen. Vielleicht liegt es daran, dass sie einfach ziemlich normal daherkommen. Keiner ist ein Überflieger und zwischen ihnen herrscht eher selten eitel Sonnenschein. Sie haben auch Geheimnisse voreinander, aber bei der Lösung des Kriminalfalls ziehen sie an einem Strick. Der Prolog ist ziemlich irritierend, weil er kein Verbrechen belegt. Überhaupt fängt es ruhig an, aber dann nimmt der Fall mehr und mehr Fahrt auf. Als Familienangehörige bedroht werden ist es mit der dörflichen Ruhe endgültig vorbei. Die Ermittler finden den roten Faden und in einem ordentlichen Showdown werden fast alle Fragen geklärt.

    Der Schreibstil ist angenehm, mit humorvollen Passagen durchsetzt und flüssig zu lesen. Die dörfliche Atmosphäre wird empathisch beschrieben und Kophusen gewinnt an Ausstrahlung. Die Handlung ist komplex und weist einige Nebenhandlungen auf. Der Kriminalfall rückt zunehmend in den Mittelpunkt und entsprechend steigt die Spannung stetig. Die Figuren sind mit etlichen Grautönen gezeichnet, aber manchmal redet das Ermittlertrio zu wenig miteinander.



    Fazit:

    Es dauerte ein wenig bis ich in Kophusen angekommen bin und Figuren und Geschichte zu wirken begannen. Aber dann war es ein spannender Fall mit interessanten Figuren, der mich sehr gut unterhalten hat. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten). Freunden eher ruhiger Kriminalromane kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen.


    ASIN/ISBN: B0BB2XX8JR

    Geschichte wird lebendig


    Buchmeinung zu Petra Schier – Das Geheimnis des Pilgers


    „Das Geheimnis des Pilgers“ ist ein Historischer Roman von Petra Schier, der 2022 bei Harper Collins erschienen ist.


    Zum Autor:

    Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit Mann und Hund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur an der Fernuniversität Hagen, und seit 2003 arbeitet sie als freie Autorin.

    Klappentext:

    Koblenz 1379: Erst seit Kurzem trägt Conlin den Titel Graf vom Langenreth, der für ihn mehr Pflicht als Ehre bedeutet, denn nun ist es an ihm, den guten Ruf und den Wohlstand der Familie zu retten, die sein Bruder zugrunde gerichtet hat. Doch um als Händler von Sicherheiten erfolgreich zu sein, braucht er Kapital. Als ausgerechnet seine Verlobte Reinhild ihn finanziell unterstützen will und dann auch noch ihr lang gehütetes Geheimnis ans Licht kommt, droht die noch junge Liebe zu scheitern.

    Meine Meinung:

    Auch in diesem Buch zeigt die Autorin, dass Frauen im Mittelalter durchaus ihre Möglichkeiten hatten, gerade im Adel und im Handel. Reinhild, ihre Mutter Elisabeth und die Geldverleiherin Reynette demonstrieren dies eindrucksvoll. Doch das Hauptthema bleibt die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Männern, dargestellt am Beispiel Palmiros. Als er sich im Bekanntenkreis outet stürzt er seinen besten Freund Conlin in arge Verlegenheit. Conlins Erziehung sagt, Palmiro ist ein ganz Übler, aber seine Erfahrungen sagen etwas anderes.

    Benedikt, der neue Spion der Inquisition, bringt neue Gefahren für die Bewahrer der Kreuzreliquie. Erstaunlicherweise hat mir diese Figur trotz ihres Vorhabens gut gefallen. Überhaupt gibt es sehr viele Figuren, die für Überraschungen und unerwartete Wendungen gut sind. Es gibt tragische Momente aber auch Zeiten des Glücks. Palmiro, Reinhild und Conlin suchen und finden ihren Weg, wenn auch nicht immer auf einer geraden Strecke. Es ist Platz für romantische Gefühle und auch für humorvolle Einschübe. Mit der Familie Boos bahnt sich ein ernsthafter Widersacher für den Manthen-Clan an.

    Der Schreibstil ist empathisch und die historischen Gegebenheiten sind vorzüglich recherchiert. So gewinnen die Figuren an Leben und laden zum Mitfiebern ein. Die Figuren selbst sind mit vielen Grautönen durchsetzt. Die Handlung ist überaus komplex, doch der rote Faden bleibt erkennbar.


    Fazit:

    Ein historischer Roman der Spitzenklasse, der mit interessanten Figuren, einer komplexen Handlung und einem ungewohnten Hauptthema punktet. Mich hat dieser Titel bestens unterhalten und deshalb bewerte ich ihn mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung für die Freunde lebendiger Geschichten aus.


    ASIN/ISBN: 3749903816

    Hintergrundinformationen überzeugen mehr als die Mordermittlungen


    Buchmeinung zu Eva Rossmann – Tod einer Hundertjährigen


    „ Tod einer Hundertjährigen“ ist ein Kriminalroman von Eva Rossmann, der 2022 im Folio Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Eva Rossmann, geboren 1962, lebt im Weinviertel/Österreich und auf Sardinien. Verfassungsjuristin, politische Journalistin, ab 1994 freie Autorin, Publizistin, Radio- und TV-Moderatorin. Zahlreiche Sachbücher. Seit ihrem Krimi Ausgekocht auch Köchin in Buchingers Gasthaus Zur Alten Schule. Ihre gesellschaftspolitischen Kriminalromane rund um die Wiener Journalistin Mira Valensky und ihre bosnisch-stämmige Putzfrau und Freundin Vesna Krajner wurden zu Bestsellern und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

    Klappentext:

    "A kent'ànnos! Mögest du hundert Jahre alt werden", wünscht man sich in Sardinien. Es wirkt: In der Ogliastra, dem rauen Hochland, leben die Menschen besonders lange. Das Geheimnis der Hundertjährigen zieht nicht nur Wissenschaftler an. Mit der Sehnsucht, gesund und glücklich alt zu werden, lassen sich auch gute Geschäfte machen. Präparate, die Zellgesundheit und Immunsystem stärken sollen, boomen. Doch dann stirbt Tzia Grazia mit hundertzwei Jahren und ihre beste Freundin behauptet, das sei kein natürlicher Tod gewesen. Die Wiener Journalistin Mira Valensky und ihre Freundin Vesna Krainer ermitteln: Hat der Hirte nur fantasiert? War es Blutrache? Oder gibt es ein viel profaneres Motiv? Nach einem weiteren Todesfall überschlagen sich die Ereignisse.


    Meine Meinung:

    In diesem Buch widmet sich die Autorin dem Thema ‚gesund alt werden‘. Mira und Vesna erfahren von Vesnas Tochter von einem Todesfall einer Hundertjährigen auf Sardinien, bei dem nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein soll. Nach Recherchen im Wiener Umland geht es nach Sardinien und dort bleibt es nicht bei einer Toten.

    Mira und Vesna wirken engagiert, kommen aber nicht recht voran. Ihr Besuch im Dorf der Toten endet in einer panischen Flucht. Überhaupt hapert es mit der Auskunftfreudigkeit der Menschen vor Ort. Hartnäckig verfolgen die beiden Ermittlerinnen ihre Ziele, ohne dabei allzu sympathisch zu wirken. Schnell werden wirtschaftliche Interessen deutlich, aber auch zwischenmenschliche Konflikte spielen eine Rolle. Das Tempo und die Spannung ist lange Zeit moderat. Erst mit dem zweiten Toten nimmt die Geschichte Fahrt auf. Mira und Vesna kommen dem Täter näher, geraten dabei aber in große Gefahr. In einem ansehnlichen Showdown wird der Täter überführt.

    Der Mordfall spielt lange Zeit nur die zweite Geige. Die Wirtschaftskriminalität spielt dort die Hauptrolle. Mir hat dieser Abschnitt besser gefallen, weil die solide Recherche einen Einblick in die Abläufe ermöglicht.

    Der Schreibstil ist präzise und angenehm zu lesen. Bei der Beschreibung der Landschaft und der ländlichen Atmosphäre wird die Faszination der Insel spürbar. Die Handlung ist vielschichtig, während die Figuren meist nur grob skizziert werden.


    Fazit:

    Bei diesem Fall hat mich die Darstellung des wirtschaftlichen Hintergrundes besser gefallen als die Ermittlungen im Mordfall. Deshalb bewerte ich das Buch mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B0B8HFH8Z7

    Auch der zweite Band ist sehr unterhaltsam und wirkt entspannend


    Buchmeinung zu Rhys Bowen – Je kälter der Tod


    „Je kälter der Tod“ ist ein Kriminalroman von Rhys Bowen, der 2022 im dp Verlag in der Übersetzung von Lennart Janson erschienen ist. Das englische Original lautet „Evan Help Us“ und ist 1998 erschienen.

    Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des bereits erschienenen Titels Mord im Nachbarort.


    Zum Autor:

    Rhys Bowen ist das Pseudonym von Janet Quin-Harkin, geb. 1941 in England. Sie wuchs in Bath auf und besuchte Schulen in England, Österreich und Deutschland. Nach dem Abschluss arbeitete sie bei der BBC in der Abteilung für Dramen.

    Später ging sie nach Australien, wo sie beim Rundfunk in Sydney arbeitete. Dort lernte sie auch ihren Ehemann kennen, mit dem sie 1966 nach San Francisco ging, wo sie auch heute noch lebt.


    Klappentext:

    Langsam gewöhnt sich Evan Evans an seine Rolle als Constable des walisischen Dorfs Llanfair. Vor allem die beschauliche Arbeit als Schlichter von nebensächlichen Streitigkeiten der Dorfbewohner – seien es konkurrierende Geistliche, Gewerbetreibende oder ganz normale walisische Exzentriker – sagt ihm zu. Doch eine ungewöhnliche Verkettung von Ereignissen bringt verborgene Konflikte ans Licht und dem Constable wird klar, wie tief die Feindseligkeiten der Llanfairer verwurzelt sind. Durch eine faszinierende archäologische Entdeckung lebt die Feindschaft mit dem Nachbarort Beddgelert neu auf. Als diese Rivalität plötzlich tödlich endet, gerät Constable Evans in einen Strudel aus kulturellem Stolz, Täuschung und Gier …


    Meine Meinung:

    Auch der zweite Band der Serie um den walisischen Constable Evan Evans konnte mich überzeugen. Wieder sind die Charaktere eher kauzig als tief gezeichnet. Evan hat sofort meine Sympathie gewonnen. Er ist Junggeselle und geniest es von Betsy aus dem Pub und von der Dorflehrerin auf unterschiedliche Art umworben zu werden. Er ist durch und durch mit seiner Heimat und der dortigen Natur verbunden. Diesmal stirbt ein Archäologe auf dem Heimweg von Pub. Unfall oder Mor4d? Evan ist hartnäckig, spricht mit den Bewohnern und kann vor allem zuhören. Er sammelt Informationen, zieht sich zum Nachdenken zurück und kommt zum Showdown mit der Auflösung.

    Bis dahin lebt die Geschichte von der dörflichen Atmosphäre, kleinen Zwischenergebnissen und örtlichen Ereignissen. Jederzeit spürt man die Liebe, mit der die walisischen Figuren beschrieben werden. Auch der Mix zwischen Nebenhandlungen und Kriminalfall passt. Der Kriminalfall wird vollständig aufgeklärt. Das Erzähltempo ist eher gemütlich, oft humorvoll und die Spannung überschaubar. Auch hier gilt: ein Buch zum Entspannen!


    Fazit:

    Mich hat dieser Cosy-Krimi mit seiner gelungenen Mischung sehr gut unterhalten. Deshalb bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde ruhiger und atmosphärischer Erzählungen aus.


    ASIN/ISBN: B0B2Q32D82

    Entspannend und sehr unterhaltsam


    Buchmeinung zu Rhys Bowen – Je tiefer das Tal


    „Je tiefer das Tal“ ist ein Kriminalroman von Rhys Bowen, der 2022 im dp Verlag in der Übersetzung von Barbara Häusler erschienen ist. Das englische Original lautet „Evans above“ und ist 1997 erschienen. Die deutschsprachige Erstausgabe erschien 2005 im btb Verlag unter dem Titel Tödliche Idylle. Eine überarbeitete Neuauflage erschien im dp Verlag als Tödliches Idyll.


    Zum Autor:

    Rhys Bowen ist das Pseudonym von Janet Quin-Harkin, geb. 1941 in England. Sie wuchs in Bath auf und besuchte Schulen in England, Österreich und Deutschland. Nach dem Abschluss arbeitete sie bei der BBC in der Abteilung für Dramen.

    Später ging sie nach Australien, wo sie beim Rundfunk in Sydney arbeitete. Dort lernte sie auch ihren Ehemann kennen, mit dem sie 1966 nach San Francisco ging, wo sie auch heute noch lebt.


    Klappentext:

    Constable Evan Evans sehnt sich nur nach Ruhe und Beschaulichkeit, als er sich in das kleine walisische Dorf Llanfair versetzen lässt. Das schlimmste Verbrechen, das in Llanfair jemals begangen wurde, war der Raub eines Apfelkuchens. Doch dann verunglücken zwei Touristen in den malerischen Bergen von Snowdonia. Während alle an einen Unfall glauben, ist sich Constable Evans sicher, dass die beiden ermordet wurden und so nimmt der idyllische Aufenthalt in Llanfair sein Ende. Die Dorfbewohner verhalten sich auffällig seltsam – insbesondere Tankwart-Roberts, Mrs Powell-Jones und Milchmann-Evans haben es faustdick hinter den Ohren. Doch Constable Evans möchte nicht glauben, dass jemand von den liebenswert-kauzigen Bewohnern wirklich ein Mörder ist. Schon gar nicht Betsy, die im Dorfpub arbeitet und dem Constable schöne Augen macht. Dennoch nimmt er seine Ermittlungen auf …


    Meine Meinung:

    Der Auftakt zur Serie um den walisischen Dorfpolizisten Evan Evans hat mich von Anfang an überzeugt. Die Charaktere sind eher kauzig als tief gezeichnet. Evan hat sofort meine Sympathie gewonnen. Er ist Junggeselle und wird von Betsy aus dem Pub und von der Dorflehrerin auf unterschiedliche Art umworben. Er ist durch und durch mit seiner Heimat und der dortigen Natur verbunden. So glaubt er nicht an die Unfalltheorie als ein Toter in den Bergen gefunden wird. Er ist hartnäckig, spricht mit den Bewohnern und kann vor allem zuhören. Es gibt eine Reihe von Personen, die nicht das sind, was sie vorgeben zu sein. Dazu kommen einige dörfliche Überreaktionen und Evan soll sich nach Ansicht mancher Bewohner um örtliche Probleme kümmern. Evan nimmt eine Spur auf und in den Bergen kommt es zum Showdown mit dem Täter.

    Bis dahin lebt die Geschichte von der dörflichen Atmosphäre, kleinen Zwischenergebnissen und örtlichen Ereignissen. Jederzeit spürt man die Liebe, mit der die walisischen Figuren beschrieben werden. Auch der Mix zwischen Nebenhandlungen und Kriminalfall passt. Der Kriminalfall wird vollständig aufgeklärt. Das Erzähltempo ist eher gemütlich, oft humorvoll und die Spannung überschaubar. Ein Buch zum Entspannen!


    Fazit:

    Mich hat dieser Cosy-Krimi mit seiner gelungenen Mischung sehr gut unterhalten. Deshalb bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde ruhiger und atmosphärischer Erzählungen aus.


    ASIN/ISBN: B09YHFNT8X

    Gelungene Symbiose von Historie und fiktiver Geschichte


    Buchmeinung zu Rebecca Gablé – Drachenbanner


    „Drachenbanner“ ist ein historischer Roman von Rebecca Gablé, der 2022 bei Lübbe erschienen ist.

    Zum Autor:

    Rebecca Gablé studierte Literaturwissenschaft, Sprachgeschichte und Mediävistik in Düsseldorf, wo sie anschließend als Dozentin für mittelalterliche englische Literatur tätig war. Heute arbeitet sie als freie Autorin und lebt mit ihrem Mann am Niederrhein und auf Mallorca. Ihre historischen Romane und ihr Buch zur Geschichte des englischen Mittelalters wurden allesamt Bestseller und in viele Sprachen übersetzt.

    Klappentext:

    England 1238: Die junge Adela of Waringham und Bedric, Sohn einer leibeigenen Bauernfamilie, sind zusammen aufgewachsen. Während Adela als Hofdame zur Schwester des Königs geschickt und später mit einem Ritter verheiratet wird, schuftet Bedric auf den Feldern von Waringham - dem Elend der Leibeigenschaft und der Willkür von Adelas Bruder ausgeliefert. Als die Situation unerträglich wird, flieht er, nicht ahnend, dass Adela von ihm schwanger ist. In London begegnet Bedric Simon de Montfort, dem charismatischen Schwager des Königs. Als 1258 Seuchen und Missernten über das Land ziehen, bricht ein Krieg aus, der eine neue Zeit einläutet. Doch Bedric und Adela haben einander nie vergessen ...


    Meine Meinung:

    Auch bei diesem Roman ist es Rebecca Gable englische Geschichte lebendig werden zu lassen. Die Erzählung erfasst die Zeit von 1238 bis 1265 während der Regentschaft von König Henry III. Neben historischen Ereignissen spielt die fiktive Geschichte derer von Waringham eine tragende Rolle. Die Hauptfiguren sind Adela of Waringham und der leibeigene Bauer Bedric, die gemeinsam aufgewachsen sind. Adela wird als junges Mädchen an den Hof von Prinzessin Eleanor, der Schwester des Königs, geschickt. Dort erwirbt sie schnell das Vetrauen der Prinzessin,die mit Simon de Montfort verheiratet ist. Mit diesem Kniff erfahren die Leser die Absichten der revolutionären Seite aus erster Hand. Bedric ist vom Wunsch besessen, sich aus der Leibeigenschaft zu befreien. Adela, Bedric , Eleanor und Simon de Montfort sind starke Sympathieträger, auch wenn sie durchaus dunkle Seiten zeigen. Adela und Bedric verbindet eine enge Beziehung, auch wenn Adela einen Ritter heiratet und sie sich längere Zeit nicht begegnen. Die Handlung ist sowohl in historischer als auch in fiktiver Hinsicht komplex. Beeindruckend ist die Einbindung einer Vielzahl von Nebenfiguren, die meist vielschichtig gezeichnet sind. Rebecca Gable verzichtet auf ausführliche Schlachtszenen und nimmt dem oftmaligen Morden so einen Teil des Schreckens. Obwohl die geschichtlichen Vorgaben beachtet werden, schafft es die Autorin für die Waringham-Seite ein Happy-End jenseits vom Kitsch zu erschaffen.

    Bei den ewigen Machtkämpfen der Adligen untereinander und mit oder gegen den König sind die häufigen Seitenwechsel etlicher Beteiligter eine Konstante, die zu immer neuen Kämpfen führen. Dabei bleiben die einfachen Bauern und die Leibeigenen die Hauptleidtragenden dieser Kämpfe.

    Der Schreibstil ist zugleich nüchtern, lebhaft und atmosphärisch. Man spürt die umfangreiche Recherche bis in kleine Details. Ich habe mit meinen Helden gefiebert und musste mehrmals lesen, dass ihre Träume nicht in Erfüllung gegangen sind. Aber sie haben nie aufgegeben. So soll es sein.


    Fazit:

    Wieder einmal macht Rebecca Gable englische Geschichte und das harte Leben der meisten Menschen lebendig. Mich hat dieser Titel fasziniert und deshalb vergebe ich fünf von fünf Sternen (100 von 100 Punkten) und ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen.


    ASIN/ISBN: B09Y9HCWY8

    Nicht immer glaubwürdig, aber hochspannend mit interessanten Figuren


    Buchmeinung zu Volker C. Dützer – Die blinde Zeugin


    „Die blinde Zeugin“ ist ein Kriminalroman von Volker C. Dützer, der 2022 im dp Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Volker C. Dützer, geb. 1964, lebt und arbeitet im Westerwald. Die Bandbreite seiner Romane reicht vom Science-Thriller bis zum lupenreinen Kriminalroman.

    Klappentext:

    Als die junge Trickdiebin Samatha Baring Zeugin eines Mordes wird, weiß sie sofort, dass auch ihr eigenes Leben in Gefahr ist. Zur Polizei kann sie nicht gehen, denn ihre Gegner sind mächtige Männer, die selbst die Gesetzeshüter in der Hand haben. Deshalb sucht sie Hilfe beim abgebrannten Privatdetektiv Jan Stettner, der ebenfalls schon Erfahrung mit der Korruption der Mordkommision gesammelt hat. Dieser nimmt den Fall erst nur widerwillig an. Doch schon bald stößt der erfahrene Ermittler auf mehr als nur eine Leiche und das geballte Schweigen einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft. Können er und Sammy die dunklen Geheimnisse lüften, bevor sie noch mehr Opfer fordern?


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich in vielerlei Hinsicht überrascht. Die beiden Hauptfiguren Jan Stettner und Samantha Baring sind vor allem zu Beginn nur sehr bedingt sympathisch. Stettner lässt sich nach seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst ziemlich gehen, während Samantha Baring eine überzeugte Trickdiebin ist. Ihre Gegenspieler sind der Polizeichef und der örtliche Hauptarbeitgeber, deren Sympathiewerte aber noch deutlich niedriger liegen. Alle zusammen haben es mit einer Dorfgemeinschaft zu tun, die sehr dunkle Geheimnisse hütet und bereit ist, diese Geheimnisse mit allen Mitteln zu bewahren.

    Die Grundidee mit gefährdeter Schönheit und hartem Privatdetektiv ist altbekannt, wird hier aber in einer eigenständigen Variante präsentiert. Dazu kommen zwei Vermisstenfälle, eine Romanze und interessante (Neben-)Figuren. Die Handlung wirkt zeitweilig wenig glaubwürdig, aber spannend ist sie auf alle Fälle. Einige Nebenfiguren kochen ihr eigenes Süppchen und sorgen für zusätzliche Verwirrung. Auch Wettereskapaden spielen eine Rolle und bringen die Protagonisten in zusätzliche Gefahr. Jan Stettner erweist sich als hartnäckiger Ermittler, der seine Kontakte geschickt einzusetzen weiß.

    Das Tempo ist hoch und diverse Perspektivwechsel unterstützen dies. Die Spannung ist meist auf hohem Niveau und nur selten werden entspannende Momente eingestreut. Der Schreibstil ist intensiv und das Buch lässt sich locker herunter lesen.

    Am Ende sind nahezu alle Fragen beantwortet und manche Sympathiewerte gestiegen, vor allem die Stettners. Dieser raue Kerl hat mich am Ende überzeugt.

    Auch das Attribut Thriller hätte sich das Buch verdient. Mir hat das Werk sehr gut gefallen und bei einem weiteren Fall für Jan Stettner wäre ich dabei.


    Fazit:

    In diesem Buch wird eine bekannte Grundidee neu interpretiert und in eine überaus wilde Handlung eingebettet. Die Geschichte zeichnet sich durch hohes Tempo und reichlich Spannung aus. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B0BB234D4N

    Einfach nur genießen


    Buchmeinung zu Thomas Raab – Helga räumt auf


    „Helga räumt auf“ ist ein Kriminalroman von Thomas Raab, der 2022 bei Kiepenheuer&Witsch erschienen ist. Dies ist der zweite Fall für Hannelore Huber.


    Zum Autor:

    Thomas Raab, geboren 1970, lebt nach abgeschlossenem Mathematik- und Sportstudium als Schriftsteller, Komponist und Musiker mit seiner Familie in Wien.


    Klappentext:

    Flirrende Hitze über Glaubenthal, da brennen schon mal die Sicherungen durch.

    Eigentlich hat sich die alte Huber von Herzen auf den Sommer gefreut. Herrlich ist das, wenn endlich wieder haufenweise Glaubenthaler in den Urlaub verschwinden! Eine paradiesische Stille legt sich über die Postkartenidylle, überall himmlische Ruhe. Bis auf den Friedhof, denn da ist plötzlich Akkordarbeit angesagt. Pünktlich zum Schulschluss braut sich etwas zusammen, werden Jauchegruben mit Planschbecken verwechselt (†) und steckt eine Leiche im Stroh. Ja, ganz richtig gelesen: Stroh. Genau genommen: im Strohballen. Die gewaltige Hitze steigt nämlich nicht nur den Rindviechern zu Kopf, sondern auch den Einheimischen. Was für die alte Huber ja durchaus dasselbe ist. Insbesondere wenn es um die Praxmosers und Grubmüllers geht. Seit zwei Generationen innig verfeindete Familien, die nun die Gunst der stillen Stunden nutzen, ihrer Zwietracht freien Lauf zu lassen. Und Hanni Huber stößt nicht nur höchstpersönlich auf weitere Leichen, sondern auch auf ein zauberhaftes Schattenwesen im Blumenkleid: Helga.


    Meine Meinung:

    Der Klappentext ist ganz im Stil des Inhalts gehalten und mach unmissverständlich deutlich, was den Leser erwartet. Bissiger Humor, Spannung und überdrehte Figuren prägen diesen Roman. Der Gegensatz zwischen Dorfidyll und seinen Bewohnern steckt den Rahmen ab für diese überaus unterhaltsame Geschichte. Einzig die alte Frau Hannelore Huber wirkt fast normal und versucht, die verwirrenden Ereignisse mit einigen Toten zu entschlüsseln.

    Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und bald merkt man den Mangel an glücklichen Menschen in Glaubensthal. Geheimnisse und Verfehlungen werden offenbart und doch bleibt unklar, wer hier wen zu Tode gebracht hat. Es bleibt bis zum finalen Showdown spannend.

    Herausragend ist aber vor allem der Schreibstil des Autors, der verschiedene Humorarten auf einzigartige Weise zu einer selten gefundenen Sprachgewalt verbindet. Manche Passagen habe ich mehrfach gelesen und dabei immer wieder neue Nuancen entdeckt. Mein Lesevergnügen wurde zu keiner Zeit getrübt und erreichte unerwartete Höhen.


    Fazit:

    Bei diesem Titel gehen Spannung und wortgewaltiger Erzählstil eine innige Verbindung ein, die mich restlos begeisterte. Deshalb bewerte ich das Buch mit fünf von fünf Sternen (100 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus. Es lohnt sich.


    ASIN/ISBN: B07ZXR8MLP

    Wie ermittelt man ohne Tatspuren?


    Buchmeinung zu Pernilla Ericson – Im Feuer


    „Im Feuer“ ist ein Kriminalroman von Pernilla Ericson, der 2022 bei Fischer in der Übersetzung von Friederike Buchinger erschienen ist. Der Titel der schwedischen Originalausgabe lautet „300 Grader“ und ist 2020 erschienen.


    Zum Autor:

    Pernilla Ericson ist erfolgreiche Krimi-Autorin und Journalistin. In ihrer Arbeit für Zeitungen und TV befasst sie sich viel mit Klimawandel und sozialer Gerechtigkeit. Diese Themen bringt sie auch in ihre Spannungsromane ein: Ihre neue Reihe um die Polizistin Lilly Hed eroberte in Schweden die Bestsellerlisten und verhalf ihr auch international zum Durchbruch. Pernilla Ericson lebt in Stockholm.

    Klappentext:

    Schweden erlebt einen Rekordsommer, die Brandgefahr ist hoch. Die junge Ermittlerin Lilly Hed hat sich aus Stockholm ins idyllische Nynäshamn an der Schärenküste versetzen lassen. Doch sie entkommt weder ihrer belastenden Vergangenheit noch den Feuern, die bald den ganzen Ort bedrohen. Menschen sterben in den Flammen – waren es Unglücksfälle? Lilly gerät in eine fieberhafte Ermittlung, während Feuerwehrchef Jesper mit seinen Leuten gegen die unerbittlichen Brände kämpft. Aber was machst du, wenn alle Spuren buchstäblich in Rauch aufgehen?


    Meine Meinung:

    In diesem Buch haben fast alle relevanten Figuren Geheimnisse, die sie belasten. Erst im weiteren Verlauf werden diese Stück für Stück gelüftet. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, meist aber in der jetzigen Zeit. Hin und wieder werden Szenen geschildert, in denen vor 20 Jahren ein junger Mann von mehreren Personen sehr heftig gemobbt wird. Diese Szenen sind aus der Sicht des Opfers beschrieben und wirken sehr bedrückend. Die aktuellen Szenen werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt, zum Teil auch aus dem Blickwinkel der Opfer. So ist dem Leser lange vor den Ermittlern klar, dass es sich um Morde mit Feuer handelt. Die Brände zerstören fast alle Spuren und werden vorerst als Unglücksfälle gesehen.

    Lilly Hed ist eine sympathische junge Frau und erfolgreich Polizistin, die aus privaten Gründen in der Provinz anheuert. Dort trifft sie auf den Feuerwehrmann Jesper, der den Krebstod seiner Frau noch nicht überwunden hat. Die Annäherung der beiden erfolgt nicht problemfrei und ist von Rückschlägen gezeichnet. Mangels Beweisen wird der Fall quasi von hinten angegangen. Lilly kontaktiert zwei Fachleute zu den Themen, wer mit Feuer tötet und welche Merkmale sind nach einem Brand relevant. Die Spannung ist lange Zeit auf die auftretenden Brände, ihre Bekämpfung und die Suche nach Opfern aufgebaut. Die Mordermittlungen stehen erst spät im Mittelpunkt. Trotzdem habe ich mich jederzeit gut unterhalten gefühlt, weil der Ansatz einleuchtet und auf eine ruhige Art spektakulär ist. Der Plot ist komplex, die Figuren vielschichtig und der Erzählstil hat mich gefesselt. Es gibt einige überraschende Wendungen, einen soliden Showdown und eine plausible und nachvollziehbare Auflösung.


    Fazit:

    Ein ungewöhnlicher Spannungsroman, der mit einer komplexen Handlung und vielschichtigen Figuren brilliert. Deshalb vergebe ich gerne fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B09YCL6543

    Die Hauptfigur blieb mir fremd


    Buchmeinung zu Joan Weng – Die rote Tänzerin


    „Die rote Tänzerin“ ist ein Roman von Joan Weng, der 2022 bei Aufbau Digital erschienen ist.


    Zum Autor:

    Joan Weng, geboren 1984, studierte Germanistik und Geschichte und promoviert über die Literatur der Weimarer Republik.

    Klappentext:

    Sommer 1925: Anita Berber ist das Phänomen ihrer Zeit. Sie tanzt nackt auf den Bühnen der Weimarer Republik, betört die Massen mit ihrer Schönheit und Extravaganz. Doch dann ist sie nach einer Reihe Eskapaden und Skandalen in den Varietés, in denen sie einst Erfolge feierte, nicht mehr willkommen. Von nun an tanzt sie nur noch vor leeren Rängen und droht, sich in Erinnerungen an ein vergangenes Leben zu verlieren. In der Gefahr, bereits in Vergessenheit zu geraten, begegnet sie einem noch recht unbekannten Maler: Otto Dix.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch erzählt episodenhaft aus dem Leben Anita Berbers und ihren Begegnungen mit Otto Dix. Anita Berbers Ehrgeiz, ihr Talent und ihr Selbstbewusstsein treten früh zu Tage. Sie geht an ihre Grenzen, überschreitet sie und nimmt Drogen. All dies schildert die Autorin eindrucksvoll, aber mich hat es nicht gefesselt. Die weitaus fesselndere Figur war für mich der Maler Otto Dix, der von der ersten Begegnung an von der Tänzerin fasziniert war, aber auch eine von ihr ausgehende Gefahr spürte.

    Die Autorin zeichnet ein vielschichtiges Bild der Tänzerin, auch wenn die meisten Episoden aus den Jahren nach ihrem Höhepunkt stammen. Gerade dort wirkt Anita Berber wie eine zerrissene Persönlichkeit mit wenigen lichten Momenten. Auch Personen aus dem Umfeld der beiden Künstler werden beschrieben und ihre Bedeutung für den jeweiligen Künstler gewürdigt.

    Gut gelungen ist die Beschreibung des historischen Umfelds dieser Epoche. Den Schreibstil der Autorin empfinde ich als angenehm


    Fazit:

    Meine Probleme mit diesem Buch beruhen in erster Linie auf der Figur Anita Berber, die mir schlicht fremd blieb. Deshalb bewerte ich das Buch trotz des angenehmen Schreibstils und der spürbaren historischen Atmosphäre mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B09XVKW6J7

    Unterhaltsam und entspannend


    Buchmeinung zu Alex Wagner – Der Tote im Moor


    „Der Tote im Moor“ ist ein Kriminalroman von Alex Wagner, der 2022 im dp Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Alex Wagner, geb. 1972, lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Wien, im Schatten einer alten Burgruine, wo man sich die kniffligsten Morde ausdenken kann. Sie schreibt Krimis und Thriller, ist aber auch gerne mal in anderen Genres unterwegs. Ihre Romane sind in Österreich, Deutschland und an den schönsten Sehnsuchtsorten angesiedelt.

    Klappentext:

    Nichts liebt Anna Pilgram mehr als ihre Krimisammlung. Als ihre Schwester sie zu einem Urlaub überredet, darf deshalb natürlich auch der richtige Lesestoff nicht fehlen. Doch in Dartmoor angekommen merkt Anna schnell, dass ihre Schwester sie hinters Licht geführt hat. Anstatt eines entspannten Urlaubs, erwarten sie andere Singles auf der Suche nach der großen Liebe. Genau das, worauf Anna gar keine Lust hat. Denn sie braucht keinen Mann, um glücklich zu sein! Zu ihrer Erleichterung begegnet sie schnell Frau Adele und Louis, beide ebenfalls eingefleischte Krimifans, die ihr die Tage versüßen. Zusammen machen sie die Gegend unsicher – bis plötzlich ein Toter auftaucht. Wer wäre für die Lösung dieses Falls besser geeignet als das ungleiche Trio?


    Meine Meinung:

    Anna Pilgram ist eine sympathische Frau, die Krimis mag. Mit der Teilnahme an einer Krimiverstaltung lockt Annas Schwester sie nach Dartmoor. Die Veranstaltung stellt sich aber als Partnervermittlung heraus. Doch Anna findet gleichgesinnte Krimifans in der älteren Dame Frau Adele und Louis. Bald stoßen die drei auf Geheimnisse und nach der ersten Leiche sind die drei in ihrem Element. Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt angenehm, leicht verdaulich und erzeugt Wohlbehagen. Die Figurenzeichnung ist leider eher flach und die Handlung bietet wenig Überraschungen. Die Polizei agiert wenig überzeugend und die drei Krimifans gehen ideenreich vor, aber zuerst auch nicht besonders erfolgreich. Einige örtliche Sehenswürdigkeiten werden gewürdigt und das Hochmoor bringt ein paar Gruselelemente. Wechselnde Perspektive erhöhen die Intensität und die Spannung. Mit Glück und Geschick kommen Adele, Anna und Louis dem Täter auf die Spur, überstehen ein paar gefährliche Momente und können ihre entstandene Freundschaft im nächsten Band erneuern.


    Fazit:

    Trotz beschränkter Spannung und flacher Figurenzeichnung habe ich diesen Titel als Entspannungslektüre empfunden, die mir einige erholsame Stunden beschert hat. Deshalb bewerte ich das Buch mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten) und kann das Werk zur Entspannung empfehlen.


    ASIN/ISBN: B0B4B3Y72N

    Gefiel mir nach schleppendem Beginn immer besser


    Buchmeinung zu Máire Brüning – Mord in Verona - Todessüße


    „Mord in Verona - Todessüße“ ist ein historischer Kriminalroman von Máire Brüning, der 2022 in Eigenregie erschienen ist.


    Zum Autor:

    Máire Brüning lebt auf einem alten Weinberg am Fuße des Vogelsberges, umgeben von Burgen und steinernen Zeitzeugen aus dem Mittelalter. Dadurch begeisterte sie sich schon als Kind für alte Ruinen, Sagen und Ritterrüstungen; ihre Leidenschaft für Geschichte und das Mittelalter führte sie schließlich zum historischen Roman.

    Klappentext:

    Herbst 1267:

    Ein Auftrag seines Lehnsherrn führt den Söldner Yon Moreno nach Verona – eine Stadt, die er nie mehr betreten wollte. Er soll einen wichtigen Geldgeber für Herzog Konradins geplanten Feldzug abholen. Doch der Mann stirbt vor seinen Augen.

    Wider Willen wird Yon in die Aufklärung des rätselhaften Todesfalles hineingezogen, obwohl ihm nichts weniger behagt, als unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er hütet ein Geheimnis, das ihn an den Galgen bringen kann.

    Dass ausgerechnet Ada, die Tochter des Stadtmedicus ihn unterstützen soll, macht es für Yon noch schwieriger, seine Vergangenheit zu verbergen.

    Alles ändert sich, als ein Anschlag auf Ada verübt wird. Yon und Ada sind nun fest entschlossen, den skrupellosen Gegner zu entlarven.

    Je näher das ungleiche Duo dem Mörder kommt, desto mehr werden sie selbst zu Gejagten. Plötzlich steht alles auf dem Spiel: ihr Ruf, ihre Zukunft und sogar ihr nacktes Leben.


    Meine Meinung:

    Ich brauchte ein bisschen bis ich in die Geschichte hineingefunden hatte. Yon war mir anfänglich sehr sympathisch, aber sein Festhalten an seiner alten Liebe machte mir zu schaffen, denn über sie erfuhren wir im Laufe der Geschichte wenig gutes. Ada erschien mir am Anfang wie eine Figur, die ich in ähnlicher Form schon kennengelernt hatte. Sie ist eine selbstbewußte junge Frau, die sich als Ärztin in einer Männerwelt durchgesetzt hat. Sie ist aber nicht so gefühlsbetont und agiert in der Regel vernunftgesteuert. Beide Figuren haben eine Reihe von Grautönen, die sie interessant bleiben lassen. Auch eine Reihe der Nebenfiguren sind tief gezeichnet. Mein Favorit ist die charismatische Chefin des Freudenhauses Claudia, die immer gut informiert ist, über beste Kontakte verfügt und nicht nur ihre eigenen Interessen verfolgt.

    Der geschichtliche Hintergrund ist glaubwürdig eingebunden und brachte mir viel Neues aus einer mir weitgehend unbekannten Epoche. Der Kampf um die Unterstützung Veronas zwischen den Vertretern der Kirche und den Staufern hat mein Interesse gefunden. So entwickelt sich ein spannender Abenteuerroman, bei dem ich mit Ada und Yon mitgefiebert habe.

    Der Schreibstil der Autorin ist meist recht nüchtern, aber dabei sehr informativ. Bei Bedarf werden auch Gefühle lebhaft eingebunden. Die vielen Perspektivwechsel sorgen für ein hohes Tempo und der Plot erweist sich als komplex. Am Ende steht eine nachvollziehbare Auflösung, die alle wesentlichen Fragen beantwortet.


    Fazit:

    Nach anfänglichen Schwierigkeiten gefielen mir Geschichte und Figurenzeichnung immer besser. Deshalb bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und freue mich auf die Fortsetzung. Für die Freunde komplexer historischer Romane spreche ich eine klare Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B0B3W67FM3

    Bei aller Atmosphäre und Zeitgeist fehlte es mir an Spannung


    Buchmeinung zu Cay Rademacher – Die Passage nach Maskat


    „Die Passage nach Maskat“ ist ein historischer Kriminalroman von Cay Rademacher, der 2022 im DUMONT Buchverlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Cay Rademacher wurde zwar 1965 in Flensburg geboren, doch hat es ihn nach Zwischenstationen im Rheinland, in den USA und in Hamburg schließlich 2013 in die Provence geweht. Er ist mit einer Provenzalin verheiratet und lebt mit ihr, drei Kindern, Hund und Katze in einer alten Ölmühle in der Nähe von Salon-de-Provence.

    Inhalt:

    Im Spätsommer 1929 sticht der Ozeanliner Champollion von Marseille aus Richtung Orient in See. Mit an Bord Theodor Jung, traumatisierter Kriegsveteran und Fotoreporter der Berliner Illustrirten, und seine Frau Dora. Als Dora nach wenigen Tagen auf der Champollion spurlos verschwindet, wird die Reise für Theodor zum Albtraum – denn nicht nur die Familie Rosterg, auch die anderen Passagiere und Besatzungsmitglieder behaupten, Dora nie an Bord gesehen zu haben …


    Meine Meinung:

    Dieser Roman besticht durch seine atmosphärische Schilderung des Lebens an Bord der Champollion, das sich für arm und reich drastisch unterscheidet. Einige historische Persönlichkeiten wie die Nackttänzerin Anita Berber oder der Ausgrabungsforscher Howard Carter sollen historisches Ambiente einbringen, bei mir blieb diese Wirkung aber aus. Das Verschwinden seiner Ehefrau Dora bringr Theodor Jung in arge Nöte, zumal sie bis auf ein Zimmermädchen niemand überhaupt an Bord gesehen haben will. Notgedrungen startet der sympathische Theodor Jung mit seinen Ermittlungen, weil er fürchtet für das Verschwinden verantwortlich gemacht zu werden. Das Erzähltempo ist gemächlich und diverse Nebenhandlungen bestimmen vorerst das Geschehen. Lange Zeit stehen Beziehungen und Befindlichkeiten im Fokus, und auch der offenbar allgegenwärtige Drogenhandel spielt eine Rolle. Auch wenn es einen Toten gibt, bleibt das Geschehen rätselhaft. Erst am Ende der Reise wird deutlich, was wirklich an Bord geschehen sein könnte.



    Fazit:

    Dieser historische Kriminalroman lebt von der Atmosphäre und dem Willen Theodor Jungs, sich aus seiner schwierigen Lage zu befreien. Leider kam kaum Spannung auf und auch das Mitfiebern mit der Hauptfigur hielt sich bei mir in Grenzen. Deshalb bewerte ich den Titel auch nur mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B09YT62J84

    Ein mehr als überzeugender Serienauftakt in Handlung und Figurenzeichnung


    Buchmeinung zu Angela Marsons – Ihr stummer Schrei


    „Ihr stummer Schrei“ ist ein Kriminalroman von Angela Marsons, der 2022 bei Bookouture in der Übersetzung von Elvira Willems erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Silent Scream“ und ist 2015 erschienen.


    Zum Autor:

    Angela Marsons, Jahrgang 1968, stammt aus dem Black Country, einer von Bergbau und Industrie geprägten Region Englands. Mit ihrer Partnerin lebt sie auch heute noch dort.

    Klappentext:

    Fünf Gestalten versammeln sich um ein schmales Grab. Sie haben sich beim Schaufeln abgewechselt. Ein Loch in der Größe eines Erwachsenen hätte länger gedauert. Ein unschuldiges Leben war vernichtet worden, aber der Pakt war schon geschlossen. Ihre Geheimnisse würden begraben werden und ihre Leben fortan mit Blut verbunden ...

    Jahre später wird eine Schuldirektorin brutal erwürgt aufgefunden, der erste in einer Reihe von grausamen Morden, die Black Country erschüttern.

    Als dann in einem ehemaligen Kinderheim menschliche Überreste entdeckt werden, kommen weitere Geheimnisse ans Tageslicht. Detective Kim Stone wird schnell klar, dass sie auf der Jagd nach einem skrupellosen Killer ist, dessen Mordserie sich über Jahrzehnte erstreckt.

    Die Zahl der Toten steigt, und Kim muss den Mörder stoppen, bevor er wieder zuschlägt. Aber kann Kim sich den Dämonen ihrer eigenen Vergangenheit stellen, bevor es zu spät ist, um ihn zu fassen?


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich in vielerlei Hinsicht positiv überrascht. Die Handlung ist komplex und vielschichtig. Die Hauptfigur DI Kim Stone ist recht eigensinnig und im Umgang mit anderen Menschen teilweise mehr als ruppig. Trotzdem mag ihr Team sie und folgt ihr fast blind. Oft steht ihr ihr erfahrener Kollege Bryant zur Seite, der für den freundlichen Gesprächston zuständig ist.

    Im Laufe des Buchs erfahren wir mehr über die Vorgeschichte Kim Stones, insbesondere über ihre Zeit in Pflegefamilien und in Heimen. Kim Stone hat Ecken und Kanten, fährt ein schweres Motorrad und ist im Umgang oft schwierig. Sie ist trotz ihrer Jugend eine erfahrene Polizistin, die sich in ihre Fälle verbeißt. Sie ist nicht immer objektiv, will es vielleicht auch nicht sein. Sympathiepunkte fährt sie nur selten ein, aber sie ist ein verlässlicher Kumpel.

    Der Fall beginnt spektakulär und mit viel Tempo durch kurze Kapitel und mannigfaltige Perspektivwechsel. Die Autorin nimmt das Tempo aber immer mal wieder heraus, um den Hintergrund zu entwickeln. Die Sprache wirkt punktgenau und manchmal etwas nüchtern, bietet aber auch Raum für Emotionen. Die Ermittlungsarbeiten werden recht ausführlich beschrieben. Kim Stone geht es oft zu langsam und sie sucht nach Wegen, schneller voran zu kommen, auch abseits ihrer Vorschriften. Stück für Stück werden Teile der Wahrheit enthüllt, und doch ist da noch mehr. Selten hat mich ein Kriminalroman so oft mit überraschenden Wendungen verblüfft. Zum Ende hin gibt es einen genretypischen Showdown, aber eine letzte Pointe hat sich die Autorin vorbehalten. Danach sind alle wesentlichen Fragen geklärt.



    Fazit:

    Dieser Kriminalroman ist in vielerlei Hinsicht vielschichtig und überraschend. DI Kim Stone hat das Zeug zur Marke und Plot und Figurenzeichnung sind weit überdurchschnittlich. Es gibt noch etwas Verbesserungspotential in Sachen durchgängige Spannung, aber dennoch bewerte ich den Titel mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkte). Selbstverständlich spreche ich für die Freunde komplexer Kriminalfälle eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B0B943T4X8

    Nur eine sympathische Hauptfigur reicht nicht


    Buchmeinung zu Carlene O‘Connor – Mord verdirbt den Appetit


    „Mord verdirbt den Appetit“ ist ein Kriminalroman von Carlene O‘Connor, der 2022 im dp Verlag in der Übersetzung von Anja Samstag erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Murder in an Irish Village“ und ist 2016 erschienen.


    Zum Autor:

    Carlene O‘Connor ist die USA Today-Bestsellerautorin der beliebten Krimireihen Irish Village Mystery, Home to Ireland Mysteries und Irish Vet Mysteries. Sie selbst entstammt einer langen Reihe von irischen Geschichtenerzählern. Ihre Urgroßmutter wanderte, samt ihren Geschichten, 1897 aus Irland aus, und seither sind immer mehr Geschichten dazu gekommen. Von all den Orten, die sie auf ihren Reisen über den großen Teich kennengelernt hat, hat Carlene sich am meisten in eine ummauerte Stadt in der Grafschaft Limerick verliebt und diese hat sie zu der Stadt Kilbane in der Grafschaft Cork inspiriert, dem Schauplatz ihrer Irish Village Mystery-Serie. Carlene lebt derzeit in Chicago und auf der „Grünen Insel“.

    Klappentext:

    Im kleinen verschlafenen Dorf Kilbane an der südlichen Küste Irlands treffen sich die Dorfbewohner tagein, tagaus in Naomi’s Bistro. Wenn hier nicht gerade Schwarzbrot gegessen oder Tee genossen wird, finden sich alle für den neusten Klatsch und Trasch zusammen. Die junge Siobhán O’Sullivan führt das nach der verstorbenen Mutter benannte Familienbistro zusammen mit ihren fünf Geschwistern. Immer noch lastet der tragische Verlust der Eltern schwer auf ihnen, doch es kommt noch schlimmer: Eines Morgens, als sie wie gewohnt das Bistro öffnen wollen, entdecken sie einen Toten, der im Anzug gekleidet an einem Tisch sitzt – und eine pinkfarbene Friseurschere steckt in seiner Brust. Die Polizei verdächtigt natürlich sofort die O’Sullivans. Kann die temperamentvolle Siobhán das Verbrechen aufklären, um ihr Bistro und ihre Familie zu retten?


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist eine durchaus amüsante Geschichte, aber es ist definitiv kein Krimi. Ja, es gibt einen Toten und Siobhan macht sich darüber Gedanken. Sie ist eine sympathische junge Frau, die sich nach dem Unfalltod ihrer Eltern um ihre fünf jüngeren Geschwister kümmern muss. Eines Tages findet sie den Bruder des Unglücksfahrers tot im Bistro und ihr ältester Bruder gerät unter Mordverdacht. Danach sieht Siobhan bei jeder Gelegenheit einen neuen Verdächtigen. Anfangs ist dies noch lustig, aber bald empfand ich es nur noch als nervend. Sie spricht nicht mit dem Dorfpolizisten und gefährdet ihre romantische Freundschaft zu ihm. Man spürt ihre Verzweiflung, aber auch ihre Hilflosigkeit bei den Ermittlungen. Irgendwann kommt sie dem Täter aber zu Nahe und es wird dramatisch.

    Der Schreibstil ist einfach und angenehm. Die Liebe der Autorin für das verschlafene ländliche Irland ist jederzeit spürbar. Man lernt aber auch die Schattenseiten dieses Lebens kennen. Die Figuren sind meist ohne Grautöne gezeichnet, aber vereinzelt gibt es Lichtblicke. So pflegt eine Schwester Siobhans eine Brieffreundschaft zum einsitzenden Unglücksfahrer.


    Fazit:

    Dieses Buch hat mir trotz der sympathischen Hauptfigur nicht gefallen, weil kein roter Faden erkennbar ist und Spannung Seltenheitswert hat. Deshalb bewerte ich den Titel mit zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B0B32Z7DB2