Beiträge von wampy

    Buchmeinung zu Nicki Fleischer – Klausentod


    „Klausentod“ ist ein Kriminalroman von Nicki Fleischer, der 2018 bei Midnight erschienen ist. Dies ist der dritte Band um Polizeihauptkommissar Egi Huber, der in Oberstdorf ermittelt.


    Zum Autor:
    Nicki Fleischer wurde in den 1970er Jahren geboren und hat in Essen und Bamberg Informatik studiert. Ihre Masterarbeit zum Thema IT-Forensik hat sie der Polizeiarbeit näher gebracht, dies war der Anstoß für ihre Romane. Heute arbeitet sie für ein Beratungsunternehmen der Umweltbranche und als Autorin. In ihrer Freizeit tanzt sie - auch auf der Bühne. Sie lebt mit ihrer Familie bei Frankfurt am Main und schreibt Allgäukrimis, Thriller und Sience-Fiction.


    Klappentext:
    Gerade Vater geworden hat PHK (Polizeihauptkommissar) Egi Huber eigentlich ganz andere Dinge im Kopf als die verbrecherischen Machenschaften im Allgäu. Und Zeit hat er für solchen Unfug sowieso nicht, es ist schließlich bald Weihnachten. Wie alle Oberstdorfer will er sich auch dieses Jahr das Klausentreiben nicht entgehen lassen. Blöd nur, dass nach dem Schabernack einer der verkleideten Männer samt Klausenkostüm tot im Brunnen liegt. Direkt vor Egis Nase! Und schon hat der PHK wider Willen nicht nur einen Mordfall, sondern auch wieder die Kripo Kempten am Hals. A Graus is des! Egi stürzt sich wie immer halbwegs motiviert in die Ermittlungen. Bald wird klar, dass sowohl Opfer als auch Täter unter den vielen verkleideten Klausen zu suchen sein müssen, aber auch, dass kein Klaus im richtigen Kostüm steckte. Egi ahnt, das wird sein härtester Fall…


    Meine Meinung:
    Mein erster Eindruck war ganz positiv, es begann recht lustig und ich fühlte mich wohl. Aber mit fortschreitender Dauer gefiel mir der Humor der Autorin immer weniger, weil er kaum Variationen bot. Dann noch ein seltsamer Zweikampf der Polizisten mit jenen aus der Hauptinspektion Kempten. Da war es mit dem Lesevergnügen endgültig vorbei. Die Figuren waren alle auf klamaukartigen Humor gebürstet und hatten ihren Verstand vor Benutzung geschützt. Den Figuren fehlte jede Tiefe und die Ermittlungen werden durch Zufälle getrieben. Die Art des Humors empfand ich als flach und nicht ansprechend, vielleicht empfinden es andere Leute anders.


    Fazit:
    Ein Klamaukkrimi aus dem Allgäu, dessen Humor mir schon bald nicht mehr zusagte. So gibt es knappe zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten).

    Buchmeinung zu Matthias Ernst – Schwabenschmerz


    „Schwabenschmerz“ ist ein Kriminalroman von Matthias Ernst, der 2019 bei Midnight erschienen ist. Dies ist der vierte Band um die im schwäbischen Feigenbach ermittelnde Kommissarin Inge Vill.


    Zum Autor:

    Matthias Ernst wurde 1980 in Ulm/Donau geboren. Bereits in seiner Jugend begeisterte er sich für Literatur und verfasste Romane und Kurzgeschichten. Nach dem Studium der Psychologie begann er eine Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten und arbeitete in mehreren Akut- und Rehakliniken in Süddeutschland. In seinen Kriminalromanen verbindet er seine beiden größten Leidenschaften miteinander, das Schreiben und die Psychotherapie.

    Matthias Ernst lebt und arbeitet in Oberschwaben. Er ist Mitglied im SYNDIKAT - Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur und bei den BartBroAuthors.

    Klappentext:

    Kommissarin Inge Vill wird mal wieder nachts aus dem Bett geklingelt: eine Leiche wurde gefunden. Die Wohnung des Toten Anton Gruibinger ist komplett verwüstet, sein Körper durch unzählige Stichverletzungen verstümmelt. Bald ist klar: Die Tote hatte gerade im Lotto gewonnen. War es Raubmord? Doch rund um die Leiche ist alles klinisch sauber. Wie passt das zusammen?

    Inge und ihre Kollegen machen sich sofort an die Ermittlungen, wenn auch unter erschwerten Bedingungen: Ein neuer Kollege kommt hinzu. Und der hat, genau wie Inge, die potenzielle Dienststellenleitung im Auge. Und so beginnt nicht nur eine verzweifelte Suche nach dem Täter oder wenigstens einem Motiv, sondern auch ein nervenraubender Wettbewerb unter den Ermittlern…

    Meine Meinung:

    Mein erster Schwabenkrimi aus der Serie um Inge Vill hat mir gut gefallen. Neben der eigentlichen Krimihandlung nimmt die Erkrankung der Mutter großen Raum ein. Die Mischung aus privaten Themen und fallrelevanten Themen ist gut gelungen. Inge Vill hat ihre Ecken und Kanten, aber sie wirkt sympathisch und man fiebert mit ihr mit. Der durch ihren Chef ausgerufene Wettbewerb wirkt etwas aufgesetzt, sorgt aber für einige Überraschungen. Inge Vill agiert kompetent und versucht den Spagat zwischen Familie und Beruf nach besten Kräften zu bewältigen. Der Autor schildert ihre Gefühle sehr eindringlich und nachvollziehbar. Mehrmals leidet man mit der Kommissarin mit und hofft, dass sich die Dinge bessern. In diesen Passagen wirkt der Roman der realitätsnah.

    Der Kriminalfall ist interessant und bietet Raum für einige falsche Ansätze. Im Endeffekt bringen Bauchgefühl, Zufall und Hartnäckigkeit die Ermittlungen voran. Der neue Kollege wirkt etwas überzeichnet, aber der Wettbewerbsdruck ist schon enorm.

    Der Schreibstil ist unaufgeregt, mit humorvollen und mit ernsten Passagen gespickt. Als Quereinsteiger hatte ich keine Verständnisprobleme.



    Fazit:

    Ein Schwabenkrimi, der den Spagat zwischen beruflichen und privaten Themen gut meistert und mit glaubwürdigen Figuren punktet. Von mir gibt es vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine klare Leseempfehlung.

    Buchmeinung zu M. C. Beaton – Agatha Raisin und der tote Richter


    „Agatha Raisin und der tote Richter“ ist ein Kriminalroman von M. C. Beaton, der 2013 bei Bastei Entertainment in der Übersetzung von Sabine Schilasky erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Agatha Raisin and the Quiche of Death“ und ist 1992 erschienen.


    Zum Autor:

    M. C. Beaton ist eines der zahlreichen Pseudonyme der schottischen Autorin Marion Chesney. Nachdem sie lange Zeit als Theaterkritikerin und Journalistin für verschiedene britische Zeitungen tätig war, beschloss sie, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Mit ihren Krimi-Reihen um den schottischen Dorfpolizisten Hamish Macbeth und die englische Detektivin Agatha Raisin feiert sie bis heute große Erfolge in über 15 Ländern. M. C. Beaton lebt und arbeitet in einem Cottage in den Cotswolds.


    Klappentext:

    Ein eigenes Cottage in den malerischen Cotswolds - davon hat Agatha Raisin schon immer geträumt. Jetzt ist dieser Wunsch endlich wahr geworden. Womit die Ex-PR-Beraterin aus London allerdings nie gerechnet hätte, ist die Abneigung ihrer neuen Nachbarn: Die Dörfler wollen offenbar lieber unter sich bleiben! Doch Agatha ist es gewohnt, ihren Kopf durchzusetzen. Um Eindruck zu schinden, reicht sie beim örtlichen Backwettbewerb eine Feinkost-Quiche ein, die sie als ihre eigene ausgibt. Dumm ist allerdings, dass einer der Preisrichter stirbt und in Agathas Quiche Gift gefunden wird. Nun muss sie nicht nur zugeben, dass sie gemogelt hat, sondern auch versuchen, den Mordverdacht gegen sich auszuräumen.

    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist ein Cosy, auch wenn die Hauptfigur Agatha Raisin zuerst alles andere als sympathisch wirkt. Sie vertraut der Anziehungskraft des Geldes und so hat sie ein klischeehaft eingerichtetes Cottage erworben. Die Putzfrau wird von der Nachbarin abgeworben und der Wettbewerb um die beste Quiche soll durch ein in London erworbenes Exemplar gewonnen worden.

    Doch es funktioniert nicht und der Richter über die Quiches stirbt nach dem Genuss ihrer Quiche.

    Es dauerte etwas, aber dann hat mich die Figur Agatha Raisin gefangen genommen. Sie ist es gewohnt sich durchzusetzen, auch wenn die Methoden manchmal zweifelhaft sind. Sie ist eine einsame Frau, die in eine Gemeinschaft aufgenommen werden will. Dabei eckt sie immer wieder an, bis sie sich aufmacht, einfach als normale Dorfbewohnerin aufzutreten. Agatha ist einfach erfrischend gezeichnet mit ihren reichlich Ecken und Kanten, aber ihr Wille macht sie trotzdem sympathisch. Es gibt faszinierende Nebenfiguren wie den halbchinesischen Polizisten, ihren ehemaligen Assistenten aus der PR-Agentur oder das ältere Ehepaar aus der Siedlung im Nachbarort. Vieles ist etwas überzeichnet, aber doch macht es Spaß, der Geschichte zu folgen. Das ruhige Dorfleben wird enttarnt und es gibt etliche Unruhestifter, die an das Tageslicht gezerrt werden. Und natürlich macht sich Agatha auf, den Mörder des Preisrichters zu finden.

    Der Schreibstil ist erfrischend, die Geschichte voller Humor und auch ernste Themen werden angesprochen. Der Spannungsbogen flacht zwischendurch schon mal ab, aber am Ende wird eine plausible Lösung präsentiert.

    Fazit:

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn es stellenweise wie eine Parodie auf das friedliche Landleben wirkt. Die Gestaltung der Figuren ist das große Plus, der Kriminalfall rückt schon mal in die zweite Reihe. Von mir gibt es vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine klare Leseempfehlung für die Freunde ruhiger und humorvoller Geschichten.

    Buchmeinung zu Sophie Bonnet – Provenzalischer Rosenkrieg


    „Provenzalischer Rosenkrieg“ ist ein Kriminalroman von Sophie Bonnet, der 2019 bei Blanvalet erschienen ist. Dies ist bereits der sechste Band um den Polizisten Pierre Durand.


    Zum Autor:

    Sophie Bonnet ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin. Mit ihrem Frankreich-Krimi "Provenzalische Verwicklungen" startete sie eine Reihe, in die sie sowohl ihre Liebe zur Provence als auch ihre Leidenschaft für die französische Küche einbezieht.


    Klappentext:

    Es ist Mitte Mai in der Provence. Pierre Durand genießt das Zusammenleben mit Charlotte, doch als deren Jugendfreundin Anouk auftaucht, ist es mit der Idylle vorbei. Die Rosenzüchterin steht unter Mordverdacht – ihr Nachbar wurde tot in seinem »Archiv der Düfte« aufgefunden, wertvolle Dokumente fehlen. Charlotte ist von der Unschuld ihrer Freundin überzeugt. Die Beweislage ist alles andere als eindeutig, und so macht Pierre sich auf die Suche nach der Wahrheit. Seine Ermittlungen führen ihn über Grasse bis ans Mittelmeer, wo drei Wochen zuvor bereits ein Parfümeur unter verdächtigen Umständen ums Leben kam …

    Meine Meinung:

    Dies ist mein erster Band aus der Serie. Pierre Durand und sein Team arbeiten bei der Police Municipale, sind also Dorfpolizisten. Durch die Bank wirken sie sympathisch und haben ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt. Eine alte Freundin seiner Lebensgefährtin Charlotte braucht Hilfe und Pierre übernimmt etwas widerwillig diesen Job, gemeinsam mit dem Anwalt der Verdächtigen. Düfte und Parfüms sind ein wichtiges Thema. Viele der Stoffe in Parfums wurden früher auf Feldern angebaut und die Region Grasse war das Zentrum des Anbaus. Doch kontinuierlich werden natürliche durch künstlich gewonnene Stoffe ersetzt, manchmal wegen der besseren Verträglichkeit, meist aber wegen des geringeren Preises. In diesem Bereich wird deutlich, wie gründlich die Autorin recherchiert hat. Die Verdächtigen sind komplexer gestrickt als die Hauptfiguren, selbst als Pierre Durand. Pierre hat Probleme mit dem neuen Bürgermeister, der ja sein Chef ist, und sehr bürokratisch agiert. Anscheinend will dieser klarstellen, wer hier das Sagen hat. Aber bei den Ermittlungen hilft dem Kommissar sein Bauchgefühl und er verfolgt seinen Ansatz konsequent, auch wenn er dazu schon mal Gesetze überschreiten muss.

    Für mich hat das Verhältnis zwischen Ermittlungen und sonstigen Informationen nicht gestimmt, zu viel Nebeninformationen. Natürlich wurde auch ordentlich gespeist, wobei dem Leser schon das Wasser im Mund zusammen laufen kann, aber auch dies ist Nebenhandlung.

    Gegen Ende nimmt die Krimihandlung dann doch das Zepter in die Hand. Die Auflösung ist überraschend, aber auch nachvollziehbar.


    Fazit:

    Ein gut lesbarer Krimi aus dem Süden Frankreichs, der sich lange Zeit etwas in Nebenhandlungen verzettelt. So vergebe ich nur drei von fünf Sternen (6 von 10 Eulen-Punkten). Interessant dürfte das Buch aber für die Leser sein, die sich für Düfte, ihre Geschichte und ihre Herstellung interessieren.

    Buchmeinung zu Nick Stein – Der Tote vom Töpfermarkt


    „Der Tote vom Töpfermarkt“ ist eine Kriminalkomödie von Nick Stein, die 2019 Independently published erschienen ist.


    Zum Autor:

    Nick Stein ist das Pseudonym eines Autors mit ostfriesischen Wurzeln, der nach fünfunddreißig Jahren im Fernen Osten nun in den hohen Norden zurückgefunden hat.

    Auf Reisen durchs Land und auf die Inseln und besonders bei Spaziergängen durch die Wälder fliegen ihm die Ideen für seine Geschichten zu. Der Naturliebhaber siedelt seine Krimis gern im Umweltschutz-Milieu an, denn die Erhaltung der schönen Landschaft und Natur liegt ihm sehr am Herzen.


    Klappentext:

    Ausgerechnet am Tag des großen Fests liegt ein Toter in der Festscheune. Was tun? Die Polizei zu rufen, kommt nicht in Frage. Der Markt würde sofort beendet werden, und das wäre eine Katastrophe für das niedersächsische Dörflein Großenrode. Das Dorf muss wohl oder übel selbst ermitteln. Es gibt es so viel zu klären! Wer ist der Tote? Ist es tatsächlich Brad Pitt, wie einige der Dorfbewohner vermuten, oder sieht er ihm nur sehr ähnlich? Viele Indizien deuten darauf hin, dass der amerikanische Schauspieler hier einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.Während der Töpfermarkt weitergeht, das große Ereignis, das alle zwei Jahre Südniedersachsen erschüttert, beginnen die Dörfler mit ihren Untersuchungen. Und sie kommen zu erstaunlichen Ergebnissen.Ist der Tote an Hornissenstichen verendet? Oder an den Bissen von Vampirfledermäusen? Ist er gar vergiftet oder mit einer teuren Vase erschlagen worden? Jeder folgt einer anderen Theorie, ein wenig recht haben indes alle mit ihren Vermutungen.Schließlich ruft ein Verwandter den ostfriesischen Kommissar Lukas Jansen auf den Plan, damit er dem Dorf bei der Aufklärung hilft. Das Ergebnis seiner Arbeit überrascht nicht nur ihn selbst

    Meine Meinung:

    Beim Lesen dieses Buches wurde ich mehrmals positiv überrascht. Schlechte Erfahrungen hatten den Begriff humorvoll bei Krimis zu einem Warnsignal werden lassen, aber hier trifft er voll und ganz zu. Die Story ist etwas abgedreht, wird aber mit aller Konsequenz verfolgt. Liebevoll gezeichnete Figuren mit einem Hang zum Naturschutz bilden das Gerüst der Handlung. Wenn da eine Leiche am größten Tag des Dorfes auftaucht, dann muss sie schon mal warten, bis der Töpfermarkt vorbei ist. Das sieht im Dorf jeder ein, aber ein jeder befürchtet auch, dass gerade sein Lieblingsgetier etwas mit dem Toten zu tun haben könnte. Vielleicht sind viele der seltenen Arten doch gefährlicher wie man glaubt. Aber aller Sorgen zum Trotz werden erste Ermittlungen eingeleitet und Lukas Jansen betritt die Bühne. Er spricht mit allen Beteiligten, nimmt deren oft ungewöhnlichen Aussagen zur Kenntnis. Mit ein paar Bier und dem ungetrübten Blick eines Außenstehenden kommt er zu überraschenden Schlüssen. Er klärt den Fall und am wichtigsten, der nächste Töpfermarkt ist nicht gefährdet. Dieses Werk hat mich sehr gut unterhalten und mich des öfteren zum Schmunzeln gebracht.


    Fazit:

    Eine gelungene Kriminalkomödie, die den Spagat zwischen Krimi und Komödie locker schafft. Ideenreichtum und liebevoll gezeichnete Figuren lassen mich zu vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) greifen. Selbstverständlich spreche ich auch eine Leseempfehlung aus.

    Ein Krimi der leisen Töne


    Buchmeinung zu Christiane Dieckerhoff – Spreewaldwölfe


    „Spreewaldwölfe“ ist ein Kriminalroman von Christiane Dieckerhoff, der 2019 bei Ullstein Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der vierte Fall in der Serie um die Kommissarin Klaudia Wagner.


    Zum Autor:

    Christiane Dieckerhoff lebt und arbeitet am nördlichen Rand des Ruhrgebiets. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder und weil sie sowieso kein Leben hat, schreibt sie Bücher.

    Und weil das sehr einsam sein kann, ist sie Mitglied im Syndikat, der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren, bei den Bücherfrauen und bei den mörderischen Schwestern, der Vereinigung krimibegeisterter Frauen.


    Klappentext:

    Im sonst so idyllischen Spreewald herrscht Unruhe. Schon seit Monaten tobt ein erbitterter Streit zwischen Wolfsgegnern und Tierschützern. Die Emotionen kochen hoch, als auf einer Weide die von Bisswunden entstellte Leiche eines Jungen entdeckt wird. Die Wolfsgegner machen sich den Vorfall zunutze, doch Polizeiobermeisterin Klaudia Wagner ahnt, dass die Todesursache eine andere war. Kann es sein, dass es auch an einem so beschaulichen Ort wie Lübbenau Wölfe im Schafspelz gibt?

    Meine Meinung:

    In diesem Buch lernen wir viele Menschen mit psychischen Problemen kennen. Dadurch wird eine dunkle Grundstimmung erzeugt, die sich durch das gesamte Buch zieht. Der Spreewald ist zurecht eine beliebte Urlaubsgegend und ein naturbelassenes Idyll. Wie passen da Wölfe hinein? Darüber bricht ein erbitterter Streit in der Bevölkerung aus. Wolfsschutz gegen Wirtschaftsinteressen, aber was hat dies mit dem Toten zu tun?

    Langsam und gemächlich nimmt dieser Krimi der leisen Töne Fahrt auf. Persönliche Schicksale bestimmen die Handlungen der Beteiligten, die alle positive, aber auch negative Seiten zeigen. Manche wirken sympathisch, aber ihr Handeln weckt Zweifel. Manche wirken weniger sympathisch, agieren aber solide. Einzelne Schicksale werden ausführlicher betrachtet und es sind häufig schwere Schicksalsschläge, von denen zu lesen ist. Karola Wagner tut was sie kann, muss sich aber auch um persönliche Belange kümmern. Zufälle spielen bei der Entwicklung der Geschichte eine Rolle, aber die Figuren handeln nachvollziehbar. Auch die Spannung entwickelt sich erst langsam, aber das Lesevergnügen ist von Anfang an gegeben. Durch häufige Perspektivwechsel erhält der Leser den Eindruck, mehr als die Kommissarin zu wissen. So überrascht die ein oder andere Entwicklung die Polizei mehr als den Leser. So ganz nebenbei wird eine wunderschöne Region in vielen Facetten dargestellt ohne jemals aufdringlich zu wirken. Aber auch die Schattenseiten des vermeintlichen Idylls werden deutlich.



    Fazit:

    Ein sehr gelungener Krimi der leisen Töne mit dunkler Grundstimmung vor wunderschöner Landschaft. Da kann es nur fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) geben. Für die Freunde ruhiger, psychologisch geprägter Krimis ist dieses Werk ein Muss!

    Buchmeinung zu Giulia Conti – Lago Mortale


    „Lago Mortale“ ist ein Kriminalroman von Giulia Conti, der 2019 bei Atlantik erschienen ist. Die ungekürzte Lesung durch Frank Stöckle ist 2019 im audiobuch Verlag erschienen.


    Zum Autor:

    Giulia Conti ist das Pseudonym einer deutschen Journalistin und Reisebuchautorin. Sie hat viele Jahre in Frankfurt am Main gelebt und gearbeitet hat. Ihre zweite Heimat ist seit zwanzig Jahren ein kleines Dorf am Lago dOrta in Norditalien.


    Klappentext:

    Simon Strasser, früher Polizei- und Gerichtsreporter im hektischen Frankfurt, hat sich für die Ruhe und die poetische Schönheit des Lago dOrta entschieden. Er genießt Landschaft, Wein und das piemontesische Essen. An einem heißen Morgen im August findet Simon in einem herrenlos auf dem See treibenden Segelboot die Leiche des Fabrikantensohns Marco Zanetti. War es Unfall oder Mord? Simon heftet sich an die Fersen der Ermittlerin, seiner alten Bekannten Maresciallo Carla Moretti. Seine Reporternase sagt ihm, dass mehr hinter dem Unglück steckt, als es den Anschein hat. Immer tiefer dringt er auf eigene Faust in das Leben der mächtigen Familie Zanetti vor und stößt auf eine Liebe, die um jeden Preis verhindert werden musste. Doch dieses Geheimnis bringt schließlich Simon selbst in allerhöchste Gefahr ...

    Meine Meinung:

    Dieses Buch empfand ich in weiten Teilen eher als eine Liebeserklärung an den Lago dOrta als einen Kriminalroman. Die Liebe des Autors zu Land und Leuten ist jederzeit spürbar, manchmal wird sie so deutlich, dass man glaubt eine Werbebroschüre oder einen Reiseprospekt zu folgen. Dies ist besonders ärgerlich, weil der Autor in der zweiten Hälfte des Buches durchaus zeigt, dass er einen ordentlichen Kriminalroman schreiben kann. Die Figuren zeigen Ecken und Kanten, der Plot ist interessant und auch der Spannungsbogen ist in Ordnung. Diese Hälfte liest sich flüssig und hat ein angemessenes Verhältnis zwischen Krimi- und Nichtkrimielementen.



    Sprecher:

    Frank Stöckle arbeitet als Musiker, Schauspieler und Sprecher. Er macht einen guten Job.

    Fazit:

    Ein Kriminalroman, der zu lange braucht bis er Fahrt aufnimmt. Von mir gibt es deshalb nur zwei von fünf Sternen ( 50 von 100 Punkten).

    Buchmeinung zu Remy Eyssen – Mörderisches Lavandou


    „Mörderisches Lavandou“ ist ein Kriminalroman von Remy Eyssen, der 2019 bei Ullstein Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der fünfte Band um den Gerichtsmediziner Leon Ritter.


    Zum Autor:

    Remy Eyssen (Jahrgang 1955) geboren in Frankfurt am Main, studierte Kommunikationswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Er verbrachte schon als Schüler viele Sommer mit Eltern und Geschwistern in der Provence. Auch später war er immer wieder in Südfrankreich, wohnte in Le Lavandou und in Bormes les Mimosas.

    Remy Eyssen arbeitete als Redakteur bei der Münchner Abendzeitung, später als freier Autor für Tageszeitungen und Magazine. Schwerpunkte seiner Arbeit waren immer wieder Reportagen über große Kriminalfälle.

    In den der 90er Jahre entstanden erste Drehbücher für eine Serie des Hessischen Rundfunks. Bis heute folgten mehr als 100 weitere Stücke für alle großen deutschen Fernsehsender im Genre Krimi und Thriller.


    Klappentext:

    Die Feriensaison in Le Lavandou ist zu Ende, und der kleine Ort sollte sich vom sommerlichen Trubel erholen. Auch Rechtsmediziner Leon Ritter hat nun mehr Zeit, um seinen Lieblingsbeschäftigungen nachzugehen: Café au lait trinken und Boule spielen. Da verschwindet eine Hotelangestellte in den einsamen Hügeln der Provence, und kurz darauf wird ihre Leiche gefunden. Damit sind auch Leon Ritters Hoffnungen auf einen beschaulichen Spätsommer dahin. Schnell gibt es einen ersten Verdächtigen, doch Leon zweifelt an dessen Schuld. Er stellt eigene Nachforschungen an und steht deshalb bald selbst in der Kritik. Die einzige, die noch zu ihm hält, ist seine Lebensgefährtin, Capitaine Isabelle Morell, doch plötzlich ist die stellvertretende Polizeichefin verschwunden...

    Meine Meinung:

    Dieser Band hat wieder alle Komponenten, die mich zum Fan der Serie gemacht haben. Figuren mit Ecken und Kanten, südländisches Flair, einen ausgeklügelten Plot und viel Spannung. Und doch hat er mir nicht so gut gefallen wie die Vorgänger. Lag es daran, dass der Autor wieder eine Prise mehr der erfolgreichen Zutaten verwenden wollte? Ich weiß es nicht, aber diesmal war die Atmosphäre wieder etwas dunkler und Leon Ritter wirkte noch etwas mehr wie der einsame Ritter, der trotz aller Schwierigkeiten den Fall im Alleingang lösen will. Auch Szenen aus der Sicht des Täters und der Opfer waren wie gewohnt enthalten, aber diesmal waren sie erneut etwas grausamer und brutaler. Auch gerät wieder ein Familienmitglied in den Fokus des Täters. Die Serie entwickelt sich in einer Richtung, die mir nicht zusagt. Es gibt mehr Gewalt und mehr Leon, aber darunter leidet die südfranzösische Atmosphäre. Gerade den Gegenspielern Leons geht diesmal etwas die Komplexität ab. Leon selbst gibt seiner Lebensgefährtin Anlass zur Eifersucht und das Verhältnis der beiden Figuren wirkt etwas abgekühlt. Positiv fällt mir die Entwicklung Momas auf, der von Folge zu Folge selbstständiger und selbstbewusster wird. Dies ist aber Jammern auf hohem Niveau, denn immer noch schreibt der Autor einen weit überdurchschnittlichen Krimi. Gerade im Bereich Spannung glänzt der Autor.



    Fazit:

    Auch wenn der Krimi nicht ganz das Niveau der Vorgänger erreicht, bleibt er überdurchschnittlich mit großer Spannung. Weil mir aber die Entwicklungsrichtung nicht zusagt, gibt es diesmal nur vier von fünf Sternen (8 von 10 Punkten). Es bleibt aber bei der Leseempfehlung.

    Die Auflösung hat mich überrascht, auch weil es zwei Mordversuche waren, die sich überlappten. Pierre hat ja mit vollem Einsatz gekämpft, auch die Idee mit dem Uraltauto hat etwas - Zeitdruck gegen Technik an der Grenze des Machbaren.

    Mein Hauptverdächtiger erwies sich wieder einmal als unschuldig, ja er sammelte dann noch ein paar Sympathiepunkte ein. Der neue Bürgermeister hat noch keine und wird wohl auch keine mehr kriegen, aber ein Unsympath muss sein, sonst wird es langweilig.

    Dieses Sägen an Stühlen im Hintergrund ist ja schon fast eine Standardeigenschaft von Politikern und Journalisten, die immer eine Personalfrage statt einer Sachfrage sehen. So wurde Pierre erst mal suspendiert.

    Ich hoffe aber auf eine Rückkehr als Chef de Police, denn ein Privatdetektiv ist eine ganz andere Figur.

    Mir hat der Roman ganz gut gefallen, auch wenn viele Charaktere recht einfach gestrickt waren. Gerade das direkte Umfeld Pierres ist einfach nur nett, natürlich außer dem Bürgermeister. Da waren die meisten Verdächtigen schon komplexer gestrickt. Gelungen waren die Atmosphäre und besonders die Schilderung der Probleme der Rosenbauern und die Geschichte der Parfümindustrie in Grasse. Insgesamt habe ich mich aber gut unterhalten gefühlt.

    Pierre ist mir ein Stück voraus, er hat eine Ahnung, worum es geht. Ich bin einfach nur ahnungslos. Es scheint mir, dass Pierre Personen auch nach Sympathiepunkten als Täter ausschließt. Es bleibt aber spannend und es gibt weiter Informationen über den Rosenanbau und die Parfumindustrie. Es ist schon erstaunlich, dass so viele natürliche Stoffe aus Verträglichkeitsgründen durch künstliche ersetzt werden müssen, also ist es nicht immer so, dass natürlich besser ist.

    Es hat etwas gedauert, aber bei Chef de Police war mir Pierre Funktion klar. Als langjähriger Leser von Bruno muss ich Asche über mein Haupt streuen.

    Wie in vielen ländlichen Regionen droht das Aus der traditionellen Landwirtschaft, übrig bleiben industrielle Anlagen, im Falle der Duftindustrie halt Chemielabore. Vermutlich sind diese auch im Nahrungsbereich unterwegs, nicht nur Backduft sondern vermutlicher Eigenduft des Essens.

    Die Sympathien liegen auf Seiten der Bewahrer der tradionellen Anbaumethoden, aber diese Notlage liefert Motive.

    Der Anwalt bleibt mir suspekt und auch Pierre macht Fehler, aber ich mag auch keine perfekten Ermittler. Nun hat er ein Foto von Anouk mit der Haushaltshilfe gefunden und durch seinen Einbruch auch einige Unterlagen kopieren können. Gespannt bin ich, welchen Ärger er im nächsten Kapitel in Kauf nehmen wird, den des Bürgermeisters oder den Charlottes. Ich denke, er wird weiter ermitteln, zumal der Kommissar schon zu einem Ergebnis zu Lasten Anouks gefunden hat.

    Anouk macht es Pierre schwer, an ihre Unschuld zu glauben. Sie sagt nicht die ganze Wahrheit und drückt fürchterlich auf die Tränendrüse. Aber auch ihr Rechtsanwalt ist mir suspekt, obwohl ich keinen konkreten Vorwurf formulieren kann. Aber die Reihe der potentiell Verdächtigen wächst ja kontinuierlich. Auch Frau Aubert macht einen verdächtigen Eindruck, irgendwie scheint sie sehr eifersüchtig zu sein oder Anouk aus anderen Gründen nicht zu mögen.

    Erstaunt war ich über den Einsatz von Geruchsaromen bei so vielen Gelegenheiten. Aber vor Jahren habe ich einen Bericht über einen "Akustikdesigner" im Automobilbau gesehen. Da werden nicht nur Motorgeräusche sondern auch das Öffnen und Schliessen diverser Türen optimiert. ei der Wartung der Klimaanlage darf ich auch immer einen Geruch auswählen.

    Interessant fand ich die Aussage, dass der Rosenduft sehr komplex aufgebaut ist. Bei meiner Nase merke ich davon kaum etwas, ist so ähnlich wie die Weinfeinheiten, die ich auch meist nur erlese.

    Nett der Anruf des alten Bürgermeisters, der wirklich leicht durchschaubar agiert. Wirf ihm eine Brotkrume hin und er reagiert, halt ganz der Politiker.

    Anouks Anwalt schafft es, Pierre nach Grasse zu holen, obwohl der Bürgermeister es auf unsympathische Weise zu verhindern sucht. Das Begrüßungsessen samt Wein klingt verlockend. Faszinierende Beschreibung der Rosenernte und der Geschichte des Erwerbs der Felder durch Anouk. Man spürt die Ausstrahlung, die von ihr ausgeht. Der alte Rosenbauer schwärmt direkt von ihr. Aber auch in dieser Sparte tritt das Problem altertümlicher Landwirtschaft zu Tage, sie ist zu personalintensiv und damit extrem teuer. Auch bei uns am Niederrhein gas vor dem Zechensterben das Bauernsterben.

    Etwas überrascht bin ich über den Ansatz, das Anouk das Ziel der Mordanschläge sein könnte. Da fehlt mir noch jedes Motiv.

    Im Gegensatz zum Bürgermeister findet Pierre bei den Kollegen jede Menge Unterstützung für die Ausrichtung des Bouleturniers. Solche Sachen erzeugen ein gutes Gefühl und machen die Beteiligten sympathisch.

    Beim Wetter bin ich zweigeteilt. Ein wenig des Regens hätte es bis zum Niederrhein schaffen können. Bei uns fehlte mehr als ein Drittel des Durchschnittswertes. Und wenn man schon im Frühjahr die höchste Waldbrandgefahrenstufe ausrufen muss wie im Osten Deutschlands, dann sehe ich dem Sommer mit Besorgnis entgegen.

    Als Neueinsteiger gefällt mir die Mischung der Themen zusammen mit der südfranzösischen Atmosphäre sehr gut.

    Als Neueinsteiger war ich vom Prolog überrascht. Es klang so harmlos ...

    Die Provence im Regen ist mal was anderes, aber Platz für gutes Essen und freundliche Menschen findet sich trotzdem. Mit dem neuen Bürgermeister ist auch mehr Bürokratie eingezogen. Das Thema Zeiterfassung ist ja ganz aktuell durch die Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Aber welche Anträge man alles bewilligt bekommen muss, bevor man Käse auf dem Jahrmarkt verkaufen darf. Auch der Aufgabenbereich der Polizei ist überraschend breit gefächert. Kennen die Franzosen kein Ordnungsamt? Beeindruckt hat mich die historische Duftsammlung im Archiv. Dann der Todesfall mit persönlichen Bezügen für Pierre. Seine neue Bekannte verbirgt etwas. Ihr Verhalten ist schon etwas irritierend. Pierre ist es suspekt, seine Freundin findet es völlig normal. So unterschiedlich können Wahrnehmungen eines Paares sein.

    Buchmeinung zu Pierre Lagrange – Schatten der Provence


    „Schatten der Provence“ ist ein Kriminalroman von Pierre Lagrange, der 2019 bei Fischer Scherz erschienen ist. Dies ist der vierte Fall in der Serie um den pensionierten Kommissar Albin Leclerc.


    Zum Autor:

    Pierre Lagrange ist das Pseudonym eines bekannten deutschen Autors, der bereits mehrere Krimis und Thriller veröffentlicht hat. In der Gegend von Avignon führte seine Mutter ein kleines Hotel auf einem alten Landgut, das berühmt für seine provenzalische Küche war.


    Klappentext:

    Commissaire Albin Leclerc kommt nicht zu seinem wohlverdienten Ruhestand. Denn der Überfall auf einen Kunsttransport mit wertvollen Gemälden findet ausgerechnet kurz vor Carpentras statt. Der Coup geht schief, die Polizei entdeckt im Versteck der Räuber einen unbekannten Cézanne und einen Van Gogh. Alles weist darauf hin, dass sie aus einem geheimen Depot mit Nazi-Raubkunst stammen. Zum Ärger der beiden Polizisten Theroux und Castel mischt sich Albin mit seinem Mops Tyson in ihre Ermittlungen ein. Dabei ist er ihnen immer einen Schritt voraus. Als es Tote gibt, gerät Albin ins Visier der Täter. Plötzlich geht es für ihn um Leben und Tod…

    Meine Meinung:

    Dieses Buch lebt vor allem von der Atmosphäre und von der Hauptfigur. Albin Leclerc war Kommissar und ist nun Pensionär im Unruhestand. Eigentlich will er ja seine Hobbys pflegen bzw. sich überhaupt Hobbys zulegen, aber dann erfährt er von neuen Fällen und da kann er sich nicht heraushalten. Etwas skurril sind seine Zwiegespräche mit seinem Mops Tyson, die oft die Gedanken Albins offenbaren. Seine Exkollegen Castel und Theroux sind von seinen Einmischungen meist genervt, weil Albin denkt und anregt, während die Laufarbeit bei ihnen hängen bleibt. Albins Freundin hat seine Ermittlungen akzeptiert, denn so ist er nun mal. Der Autor vermittelt das südländische Flair der Provence und erzählt auch aus einer eher unrühmlichen Phase französischer Geschichte. Albin ist gut vernetzt und weiß im Zweifelsfall, wer ihm Auskunft geben kann. Manchmal ist Albin so im Flow, dass er Risiken kaum oder gar nicht bemerkt.

    Der Schreibstil ist fesselnd und leicht verdaulich. Kurze Kapitel aus wechselnden Perspektiven sorgen für zusätzliche Spannung. Auch Actionelemente mit viel Gewalt kommen vor, ohne den eher ruhigen Grundton zu widersprechen. Die meisten Figuren sind recht grob charakterisiert aber durchaus mit Grautönen versehen. Auch einige Klischees werden bedient, aber mir hat es gut gefallen. Albin Leclerc agiert forsch, spürt aber auch den Zahn der Zeit. Er lebt und lässt leben, auch wenn er die Ansichten seiner Bekannten nicht immer teilt. Und seine Spürnase weist ihm immer noch den Weg.



    Fazit:

    Ein spannender Krimi mit Südfrankreich-Flair, der vor allem durch seine Hauptfigur getragen wird, gerade auch weil diese nicht perfekt ist. Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (8 von 10 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Ein würdiger Abschluß der Reihe


    Buchmeinung zu Mac P. Lorne – Der Sohn des Löwen


    „Der Sohn des Löwen“ ist ein historischer Roman von Mac P. Lorne, der 2019 bei Knaur TB erschienen ist. Dies ist der fünfte und abschließende Band der Robin Hood Reihe.


    Zum Autor:

    Mac P. Lorne ist Jahrgang 1957.

    Aufgewachsen in der ehemaligen DDR studierte er aus politischen Gründen statt Geschichte und Literatur Veterinärmedizin.

    Im Frühjahr 1988 gelang ihm die Flucht in die Bundesrepublik.

    Gemeinsam mit seiner Familie baute er einen Reit-und Zuchtbetrieb in Bayern auf, aus dem sich auch Olympiareiter ihren Nachwuchs sicherten.

    Heute lebt er zu Füßen einer mittelalterlichen Burg in einem der größten Waldgebiete Europas.

    Er ist Co-Autor mehrerer Fach- und Sachbücher aus den Gebieten Veterinärmedizin und Pferdezucht.


    Klappentext:

    So sehr er sich auch nach Frieden sehnt, noch sind die Tage des Kämpfens für Robin Hood nicht vorüber: 1230 beginnt der junge König Heinrich III. erneut einen Krieg gegen Frankreich, und auch in England steht es nicht zum Besten. Machthungrige Höflinge machen sich die Unerfahrenheit und den chronischen Geldmangel Heinrichs zu Nutze, unter anderem auch Robins alter Feind, der Earl of Chester, der es auf Loxley und Huntingdon abgesehen hat. Ein letztes Mal noch müssen die Gefährten aus dem Sherwood Forrest zusammenkommen, um für Recht und Gerechtigkeit einzustehen.

    Meine Meinung:

    Robin Hood ist zwar etwas in die Jahre gekommen, aber seinen Weg geht er immer noch, auch wenn das ein oder andere Zipperlein sich meldet. Dieser Abenteuerroman ist etwas ruhiger angelegt als die Vorgänger, aber wenn es sein muss, dann ist Robin da. So begleitet er seinen Ziehsohn Fulke nach Palästina, er tritt aber eher als Berater als als Kämpfer in Erscheinung. Seine Erfahrung rettet viele Menschenleben und das ist ihm wichtig. Könige und Herrscher kommen wie gewohnt nicht besonders gut weg. Gerade Henry wird als schwacher König geschildert, der oft den falschen Beratern vertraut. Dies führt zu einem Aufenthalt Robins in England, um sich mit diesen Missetätern auseinander zu setzen. In einem weiteren Abschnitt bekommt es Robin mit dem deutschen Kaiser Friedrich zu tun, der einige überraschende Seiten offenbart. Zu meinem Bedauern musste ich aber gewisse Abnutzungserscheinungen feststellen. Grundmuster wiederholen sich und Robin ist nicht mehr der jugendliche Heißsporn. Er schätzt durchaus die Ruhe und die heimelige Atmosphäre in Lisse. So überrascht die weitere Entwicklung nicht. Es geht dem Ende entgegen. Die vom Autor gewählte Variante hat mich tief berührt und wird den Figuren voll und ganz gerecht.



    Fazit:

    Dieser Band ist etwas ruhiger als die Vorgänger, aber dafür mit mehr Gefühl. Er hat mich überzeugt und gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (8 von 10 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Mir hat das letzte Kapitel Tränen in die Augen getrieben, aber so konnten Marian und Robert in angemessener Weise aus dem Leben scheiden. Interessant die Aussage Robins, dass eigentlich Marian die bestimmende Figur in ihrer Ehe war. Die Episode in Nottingham um die zu hohen Steuern muss deprimierend auf Robin gewirkt haben, denn er hat sich ja immer dafür eingesetzt, dass sich die Leute wehren. Der Epilog hat mir gut gefallen. Die Vorstellung, dass Fulke im deutschen Reich geherrscht hat, hat etwas. Die Regentschaft des neglischen Königshauses war mir neu.

    Gut gefallen haben mir die aussagekräftigen Anmerkungen des Autors, die Zeittafel und das Glossar. Es gab doch einige Begriffe, die ich dort nachgeschlagen habe. Insgesamt wirkte dieser Band ruhiger als die Vorgänger, aber die Protagonisten sind ja auch in die Jahre gekommen. Ich glaube aber auch, dass die Geschichte Robin Hoods nun auserzählt ist und bin gespannt, welchen Themen sich der Autor nun widmet. Ich warte mit Spannung und Vorfreude.

    Noch ein Abstecher nach Asien mit wenig Kampfszenen, dafür mit erfolgreichen Verhandlungen. die Blutvergießen vermeiden konnten. Robin hat seinen Job als Berater exzellent durchgezogen und nutzt die erste Gelegenheit, sich auf den Heimweg zu Marian zu machen. Deutlich wird in diesem Abschnitt aber wieder, wie machtbesessen viele Fürsten waren. Und die Montforts intrigieren munter weiter, ein Königsposten soll es schon sein. Aber da war dann Friedrich vor, der sonst einige Zacken aus seiner Krone verliert. Vielleicht braucht es aber auch so einen Menschen, um Entwicklungen anzustoßen. Um Isabella tut es mir leid, aber Henry und auch unsere Helden haben sie mehr oder weniger sehenden Auges in dieses Schicksal getrieben. Friedrich hat Isabella nie als gleichstehend angesehen und ihr auch keine Gelegenheit gegeben, es beweisen zu können.

    Natürlich kann ich die Entrüstung von Richard und Fulke verstehen, aber ihre Erwartungen an diese Heirat waren unrealistisch, noch dazu durch die Unterstützung kirchlicher Kreise, denen Friedrich ja ein Dorn im Auge war.

    Buchmeinung zu Roman Rausch – Die Schwarzkünstlerin

    „Die Schwarzkünstlerin“ ist ein historischer Roman von Roman Rausch, der 2019 bei Rowohlt Taschenbuch erschienen ist.

    Zum Autor:
    ROMAN RAUSCH schreibt seit Mitte der 1990er Jahre. Einem breiten Publikum wurde er mit den Kriminalromanen über die Würzburger Kommissare Kilian & Heinlein bekannt.
    Der mainfränkische Autor hat sich in den letzten Jahren auch dem historischen Roman zugewandt. 'Die Kinderhexe' wurde 2012 unter die Top Ten der besten histor. Romane auf lovelybooks.de gewählt, 'Die letzte Jüdin von Würzburg' wurde zur Leipziger Buchmesse mit dem Bronzenen HOMER 2015 ausgezeichnet.

    Klappentext:
    Der größter Zauberer seiner Zeit: Doktor Faust.
    Gretchen: alles andere als unschuldig.
    Die junge Novizin Margarete hat ein Laster: Wissbegier. Nicht einmal ihr geschätzter Beichtvater, der berühmte Schriftgelehrte Trithemius, will ihr einen Funken Entfaltung zugestehen. Sie streift den Habit ab – und flieht aus dem Kloster. Auf einem Markt in Heidelberg lernt sie den erfolglosen Astrologen und Alchimisten Georg Helmstetter kennen und schließt sich ihm an. Unter dem Namen Doktor Faustus schlagen sie sich als wandernde Zauberkünstler durch, bis Margarete Zweifel kommen. Ist der Mann an ihrer Seite nicht vielmehr ein Meister des Betrugs? Schmähschriften tauchen auf, die Faust im Pakt mit dem Teufel zeigen. Margarete bleibt. Und muss diese Entscheidung teuer bezahlen …

    Meine Meinung:
    Dieses Buch macht es dem Leser nicht leicht, es zu mögen. Die Hauptfigur Margarethe ist eine tragische Gestalt, die nur wenig Sympathie verbreitet. Anfänglich fiebert man mit dem jungen wissbegierigen Mädchen aus gutem Haus mit, aber zunehmend verspielt sie die anfänglichen Sympathien. Sie verfolgt ihre Ziele konsequent und recht skrupellos. Sie hat ihre Sicht der Dinge und die ist festgeschrieben. Immer wieder muss sie aber feststellen, dass die Welt komplizierter ist, als sie es sich vorgestellt hat. Ihre Einschätzung diverser Vorgänge erweist sich im Nachhinein als falsch und führt zu folgenschweren Fehlentscheidungen. Aber Margarethe bleibt sich treu und sucht die Schuld immer bei den Anderen. So prägen Rachegedanken oft ihr Handeln. Bezeichnend ist ihre Haltung zur Astrologie. Anfänglich glaubt sie an die Macht der Sterne, aber auch dieser Glaube zerbricht. Es ist eine dunkle Geschichte aus einer dunklen Zeit mit einer dunklen Hauptfigur.
    Gelungen ist die Beschreibung des Kosmos, in dem sich Margarethe tummelt. Die Rolle der Frau und die der Wissenschaft werden neu gestaltet in einer Zeit der ausufernden Gewalt der Bauernkriege und der kirchlichen Reformation. Auch das Aufkommen der Buchdruckerei unterstützt die Verbreitung neuer Gedanken und Informationen, die aber nicht stimmen müssen. Der Leser lernt bedeutende Größen jener Zeit kennen und die Bedingungen, unter denen sie lebten. Man kann das Handeln der Figuren nachvollziehen. Sie agieren glaubhaft und nachvollziehbar. Gerade der Gegensatz von Wissenschaft und Aberglauben ermöglicht die Berühmtheit einer Figur wie Faust, Das Spiel mit Sein und Schein liefert die Lebensgrundlage vieler Scharlatane. Auch Margarethe lebt lange Zeit davon.
    Das Verhältnis von Margarethe zu ihrer Tochter ist konfliktbeladen. Margarethe versucht sie mit allen Mitteln vor der bösen Welt zu schützen, aber dies will ihre Tochter nicht, denn ihre Wissbegierde und Abenteuerlust hat sie geerbt. Margarethe will so vieles richtig machen, aber es gelingt ihr nur selten. Stattdessen muss sie immer wieder leiden, sowohl seelisch als auch körperlich.

    Fazit:
    Dieser Roman ist nicht leicht zu lesen, überzeugt aber mit einer tragischen Geschichte über eine im Wandel befindliche Gesellschaft, die glaubhaft vermittelt wird. Von mir gibt es vier von fünf Sternen (8 von 10 Punkten) und eine Leseempfehlung.