Beiträge von wampy

    Jetzt ist Robin im Sherwood Forrest angekommen. Seine Beziehung zu Marian ist weit weniger spektakulär als die Versionen, die ich bisher kannte. Dann zwei Episoden für Männerherzen, die mir einfach super gefallen haben. Die Geschehnisse bei der Verteidigung des Dorfes sind spektakulär und mitreißend und zeigen auch Humor. Bei der Befreiung vom Vater Little Johns war es ähnlich.

    Generell ist das Ziel Robin Hoods einleuchtend. Der Gegner soll Furcht empfinden und die eigenen Leute sollen vom Volk geachtet werden. Auch die Einbindung des Sängers ist einleuchtend. Dieser Abschnitt hat mich voll und ganz überzeugt.

    Der Auftakt liest sich wie der Beginn eines neuen Buches. Diese Variante um Robin und Marian ist mir neu, dürfte aber näher an der Wahrheit sein. Nun scheint es wieder Krieg zu geben und die freien Dörfer sind den Adligen ein Dorn im Auge. Die fürchterlichen Langbögen aus Wales erreichen Loxley und Robin lernt es, sie zu beherrschen. Erstaunlich, wie schnell wieder Gesetz und Ordnung mit Füßen getreten werden. Robin hat eigentlich keine Wahl und wird Gesetzloser. Sein Vorgehen gegen die Männer des Sheriffs bereitet mir eher Probleme als alles, was sein Großvater getan hat, weil er verfolgt und tötet, also selber agiert.

    So lange ist die Friedensphase in Europa aber nicht. Wir hatten den Nordirlandkonflikt, Basken und Korsen strebten gewaltsam ihre Unabhängigkeit an, Volksaufstände in mehreren osteuropäischen Ländern, den Krieg im ehemaligen Jugoslawien, die Auseinandersetzungen um Zypern, den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. Nicht aufgezählt die sicherlich großen Kriege mit europäischen Beteiligten. Friedvolle Zeiten sind das nicht.

    In dieser Situation konnte er sich doch schlicht kein Mitgefühl für seine Gegner leisten. Entweder sie oder er, wäre einer entkommen hätte das wohl das Ende der Flucht bedeutet, von daher fand ich ihn nicht übertrieben hart.

    Und das mit dem Brathähnchen war absolutes Macho-Gehabe der Geliebten gegenüber! :lache

    Das sehe ich ähnlich. Martha und Robert werden angegriffen und wehren sich. Das ist alles im grünen Bereich. Das Brathähnchen zu essen macht auch Sinn, denn ob und wann es wieder etwas zu essen gibt, wissen die beiden Flüchtigen ja nicht.

    Zu deinem Spoiler, Johanna - ich muss zugeben, dass meine Sympathien für Matilda bzw. Stephen schwanken wie im Wind, ganz davon abhängig wie der jeweilige Autor sie darstellt. Mal ist eher sie das Scheusal, dann wieder er 8o. Eine feste eigene Meinung dazu habe ich mir bisher nicht gebildet, außer dass ich es von Beiden schrecklich finde, wie sie das Land ins Elend gestürzt haben um ihre Ansprüche durchzusetzen, koste es was es wolle.

    Wie Robert schon Mal sagt und denkt, es ist dem Volk weitgehend egal, wem sie Steuern zahlen, wenn denn ihre Sicherheit gewährleistet wird. Ansonsten sind Stephen und Matilda gleich, wenn es um die rücksichtslose Durchsetzung ihrer Interessen geht. Es war auch akzeptiert und wurde von beiden Seiten praktiziert, Landstriche zu entvölkern und alles zu zerstören.

    Auferstehung des Helden, eine lange Leidenszeit und Auffindung der Familie. Robert überlebt den Kerker und die Verstümmelung, bleibt aber Wehrhaft und findet immer wieder Leute, die ihn unterstützen. Er lernt Matildas Sohn samt Gemahlin Eleanor von Aquitanien kennen und darf sich als Lohn für seine treuen Dienste Land nehmen. Matilda ist des Kämpfens müde und geht in den Ruhestand. Auch Robert will sein Leben als freier Bauer führen, aber auch das muss er sich mit dem Schwert erkämpfen. Sein Sohn möchte ohne Gewalt leben und beide vertreten hartnäckig ihre Sicht der Dinge. Aber endlich hat auch Robert ein Zuhause gefunden. Ich gönne es ihm von Herzen.

    Bürgerkrieg und kein Ende. Robert zeigt ein Herz für die Bauern, aber am Ende tötet er fast ohne Unterlass. Er verliert Kameraden und Freunde und macht trotzdem seinen Job. Matilda verliert bei mir Sympathien, weil sie fast alle Menschen wie Rechtlose behandelt. Aber das ist ja auch das Ziel ihrer Erziehung gewesen. Der Krieg zieht sich, alle werden älter und dann erwischt es auch Robert, der kein Adliger werden wollte.

    Eine Anmerkung zu den kurzen Ausblicken auf zukünftige Entwicklungen. Sie gefallen mir nicht, weil sie unnötig Spannung Kosten und die Geschichte nicht voran bringen.

    Die Helden haben es schwer. Heinrich stirbt und Robert ist nahe dran. Aber als Kranker lernt er Martha kennen, die ihn zusammen mit der späteren Hildegard von Bingen heilt. Martha würde wie Hildegard als Zehntel in ein Kloster gegeben, ohne Chance es wieder zu verlassen. Aber Robert und sie werden ein Paar auf Entfernung. Für Martha wird Robert zum Berserker. Das Verhalten der Kirchentreuen erstaunt mich sehr. Sie setzen ohne Rücksicht auf Gewalt und Truppen.

    Heinrich stirbt nachdem er versucht hat seine Nachfolge zu regeln. Mit seinem Tod setzt der Streit ein und Mathilda wird übervorteilt und auch vorgeführt. ihr bleibt nur die Flucht und sie erleidet weitere Rückschläge, aber sie kämpft weiter. Robert, nun Vater, begleitet sie weiter und gewinnt an Einfluss.

    Kleiner Abstecher nach Italien und viele Überraschungen. Heinrichs Leute verstehen die Normannen. Ansonsten kriegt die Kirche ihr Fett weg. Die Zustände sind erschreckend. Robert erfährt eine Menge über Heinrich und seine gewitzte Vorgehensweise. Seine Worte und seine Absichten unterscheiden sich oft. Dann gibt es antikes Kriegsgerät zu bestaunen. Die Schleuder zeitigt Erfolg und Robert steigt auf. Sein Verhältnis zu Mathilda ist sehr eng, wie überhaupt Beziehungen eine große Rolle spielen.

    von Anfang an war ich mittendrin und der Grundstein für die gute Beziehung zwischen Mathilda und Robert war gelegt. Robert ist sehr sympathisch, aber fleckenlose. Mir fehlen bei ihm die Grautöne. Mathilda ist für ihr Alter sehr reif und kann sich durchsetzen. Ich mag sie sehr.

    Buchmeinung zu Anke Dietrich – Ramses – Beschützer der Beiden Länder


    „Ramses – Beschützer der Beiden Länder“ ist ein Historischer Roman von Anke Dietrich, der 2017 im Selbstverlag erschienen ist. Dies ist der vierte Band der Serie um Ramses II.


    Zum Autor:

    Schon in jungen Jahren war Anke Dietrich von alten Kulturen fasziniert. Seit 2001 gehört ihre Liebe dem alten Land am Nil mit seiner unglaublichen 3000-jährigen Geschichte, seinen Pharaonen und Göttern, den grandiosen Bauwerken und der Mystik, die dieses Land umgibt und der sie sich einfach nicht entziehen kann.


    Klappentext:

    Regierungsjahr 11 in der Jahreszeit der Ernte – Ramses nimmt seine neue Hauptstadt im Delta in Besitz und verlegt damit seinen Regierungssitz weiter nach Nordosten.

    Die Stadt des Seth ist ein wahres Kronjuwel geworden. Die vergangenen Jahre waren eine Abfolge des Wohlstandes in den Beiden Ländern. Kriege und Hungersnöte sind aus Ägypten gebannt. Den Menschen geht es gut. Trotzdem genügt es einigen noch immer nicht. Sie bereichern sich am Eigentum anderer, und selbst vor dem Schatzhaus des Pharaos machen sie nicht Halt.

    Während Ramses’ Beamte versuchen, die Räuber auf frischer Tat zu stellen, findet im Reich der Hethiter ein Machtwechsel statt. Hattusili stürzt seinen Neffen vom Thron und schickt ihn in die Verbannung. Das will Urhi-Teschup nicht hinnehmen – er bittet Ramses um Asyl.

    Wie soll Ramses sich verhalten? Gewährt er dem gestürzten Großkönig seine Bitte und verhilft ihm zur Flucht, erhält er Informationen über Hatti aus erster Hand. Er zieht sich aber auch den Groll Hattusilis zu. Darf er es wagen oder ist die Gefahr einer Bedrohung durch die hethitischen Horden zu groß?

    Meine Meinung:

    Dies ist nach den Neuen Bogen das Zweite Buch aus der Reihe um Ramses II., das ich gelesen habe. Man spürt die Begeisterung der Autorin bei ihrer Erzählung über das Leben im alten Ägypten. Mangels kriegerischer Auseinandersetzungen sorgt diesmal ein wiederholter Diebstahl aus dem Schatzhaus für spannende Episoden. Die Ermittlungen in diesem Fall sind interessant und man spürt die wachsende Verzweiflung der Ermittler, die den Tätern lange Zeit nicht wirklich näher kommen. Auch sorgt Baki, der widerspenstige Sohn Setaus, für Turbulenzen. Setau gibt ihn in die Obhut von Golo, eines Medjai, um Baki auf die rechte Spur zurüch zu bringen.

    Im Wesentlichen begleiten wir aber die Mitglieder der königlichen Familie und erfahren viele Details aus dem Königshaus. Ramses ist ein intelligenter Herrscher, der ein Händchen für seine Beamten hat. Er versucht ein gerechter Herrscher für das Volk zu sein und auch die Götter durch die Errichtung von Tempeln und anderen Bauten friedlich zu stimmen. Man kennt seine Gedanken, erfährt aber auch von den Zwängen, die seine Familie betreffen. Er ist ein weltoffener Mensch und hört sich sogar Ratschläge seiner Untergebenen an und setzt diese dann auch manchmal um. Ungestörte Momente sind in seinem Leben eher selten und auch von Schicksalsschlägen wird er nicht verschont. Er ist charismatisch und auch sympathisch.

    Anke Dietrich gelingt es, den Figuren Leben einzuhauchen und in das tägliche Leben der Figuren einzutauchen. Auch die rechtliche Situation wird beleuchtet. Es gibt keine Sklaven in Ägypten und auch die Rechte der Frauen waren sehr ausgeprägt. Ein kleines Manko ist, das die Vorzüge mehrmals angesprochen werden. Auch sind mir viele der Figuren einfach zu weiß. Es fehlen die Grautöne vor allem im direkten Umfeld des Pharaos.

    Der Schreibstil ermöglicht ein angenehmes Lesen und auch humorvolle Passagen fehlen nicht. Der gute Eindruck wird durch ein umfangreiches Personenregister, ein Glossar, einem Verzeichnis wichtiger Götter und ihrer Zuständigkeit und vor allem durch die Anmerkungen der Autorin unterstützt. Diese Anmerkungen sind sehr interessant und geben einen guten Eindruck, warum der Roman so geworden ist.


    Fazit:

    Es war wieder ein Vergnügen, die Figuren aus dem alten Ägypten zu begleiten. Die Begeisterung der Autorin für diese Zeit war spürbar und auch die Spannung kam nicht zu kurz. Die Figuren wirkten lebendig und sympathisch, aber es hätten mehr Grautöne bei der Charakterisierung sein dürfen. Deshalb vergebe ich vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus. Mir hat dieser Band besser gefallen als der Vorgänger.

    Buchmeinung zu Denzil Meyrick – Der Pate von Glasgow


    „Der Pate von Glasgow“ ist ein Kriminalroman von Denzil Meyrick, der 2018 bei HarperCollins in der Übersetzung von Peter Friedrich erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „The last Witness“ und ist 2014 erschienen. Dies ist der zweite Fall für DCI Jim Daley.


    Zum Autor:

    Denzil Meyrick wurde in Glasgow geboren und wuchs an der schottischen Küste in Campbeltown auf. Nach einem Politikstudium arbeitete er als Polizist, freier Journalist und Geschäftsführer einer Whisky-Destille.


    Klappentext:

    DCI Jim Daley von der Mordkommission Glasgow sitzt in dem kleinen

    Küstenort Kinloch fest, seit er die Revierleitung dort übernehmen musste. Doch vergessen hat man ihn im Hauptquartier offenbar nicht – er bekommt das Video eines brutalen Mordes geschickt.

    Der Täter: James Machie, der Pate von Glasgow, von Daley persönlich hinter Gitter gebracht. Das Opfer: der damalige Kronzeuge. Den zweiten Kronzeugen und ehemalige rechte Hand des Paten, Frank MacDougall, soll Daley nun beschützen. Nur, wie beschützt man jemanden vor einem Geist? Denn Machie wurde vor fünf Jahren ermordet …

    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich in weiten Teilen begeistert, vor allem die Figurenzeichnung hat es mir angetan. Keine der Figuren ist ein reiner Sympathieträger und jede Figur hat auch dunkle Anteile. DCI Jim Daley ist der Held der Handlung, auch wenn er oft nicht richtig zuhört, zu viel Alkohol konsumiert und sein Gewicht nicht in den Griff bekommt. Er leidet unter seinem Vorgesetzten, der seine Karriere gerne auch auf Kosten seiner Mitarbeiter weiter voran treiben möchte. Daley wird von seinem alten Freund DS Brian Scott unterstützt, der gemeinsan mit vielen der Gangster aufgewachsen ist, und für mich der heimliche Held des Buches gewesen ist.

    Der Gegenspieler der beiden Polizisten ist ein Phantom, denn James Machie ist vermeintlich vor fünf Jahren umgebracht worden. Nun ist er auf einem Rachefeldzug und geht mit extremer Gewalt gegen seine Gegenspieler vor. Daley und seine Kollegen sollen den damaligen Kronzeugen Frank MacDougall schützen. MacDougall und seine Familie leben im Umfeld des Küstenortes Kinloch, an dem auch Daley arbeitet.

    Es gibt mehrere Nebenhandlungen und auch private Aspekte spielen eine wesentliche Rolle. Die Spannung ist von Beginn an auf einem hohen Niveau. Es wird aus mehreren Perspektiven erzählt, auch das Phantom lässt an seinen Gedanken teilhaben. Die Atmosphäre ist sehr düster und es wird nicht wesentlich heller. Zeitweilige Auflockerungen enden zumeist mit einer weiteren Gewalttat. Der Alkoholkonsum fast aller Beteiligten ist extrem und zeigt auch Auswirkungen im täglichen Dienst. Dazu erweist sich der Autor als ein Meister in der Darstellung von Situationen, deren erster Eindruck oft täuscht. Bei keiner der Figuren ist man über die Hintergründe ihres Tuns sicher und der Leser muss befürchten, einer weiteren Täuschung aufgesessen zu sein. Bei aller Gewalt spielen aber auch Liebe und Vertrauen eine wesentliche Rolle. In manchen Fällen erweist sich dieses Vertrauen aber nicht als gerechtfertigt.

    Die Sprache ist meist rau und passt zu den Beteiligten. Trotz diverser Nebenhandlungen geht es zügig voran und die Geschichte mündet in einen großen Showdown, der mir zu übertrieben war. Es gibt jede Menge Opfer und es trifft alle Seiten. So sollte es in einem reinrassigen Noir auch sein.


    Fazit:

    Ein gelungener Noir, der durch Spannung, Atmosphäre und einen durchdachten Plot überzeugt. Die hohe Spannung bleibt auch in ruhigeren Passagen erhalten. Die Figurenzeichnung hat mich begeistert, allein der überzogene Showdown und die ausufernde Gewalt trüben den sehr guten Eindruck ein wenig. Trotzdem gebe ich fünf von fünf Sternen (9 von 10 Eulen-Punkten). Dieses Buch kann ich all denen empfehlen, die spannende Handlung und undurchsichtige Figuren mögen und kein Problem mit sehr gewalttätiger Darstellung haben.

    Buchmeinung zu Sabrina Qunaj – Die fremde Prinzessin


    „Die fremde Prinzessin“ ist ein Historischer Roman von Sabrina Qunaj, der 2018 im Goldmann Verlag erschienen ist. Dies ist der abschließende vierte Band der Serie um die Geraldines,


    Zum Autor:

    Sabrina Qunaj wurde im November 1986 geboren und wuchs in einer Kleinstadt der Steiermark auf. Nach der Matura an der Handelsakademie arbeitete sie als Studentenbetreuerin in einem internationalen College für Tourismus, ehe sie eine Familie gründete und das Schreiben zum Beruf machte. Sabrina Qunaj lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der Steiermark.


    Klappentext:

    Wales 12. Jahrhundert: Basilia, uneheliche Tochter einer Magd und des mächtigen Richard de Clares, wird mit fünfzehn nach Irland gebracht, wo sich ihr Vater ein bedeutendes Reich geschaffen hat. An der Seite ihrer Stiefmutter, der schillernden irischen Prinzessin Aoife, beginnt für Basilia ein neues Leben. Sie lernt das fremde, raue Land lieben, in dem die Clans sich erbittert gegen die Herrschaft de Clares‘ wehren. Als dieser seine Tochter mit einem seiner grausamen Gefolgsmänner vermählt statt mit ihrer heimlichen Liebe, dem Ritter Raymond FitzGerald, stürzt das nicht nur Basilia ins Unglück. Denn die Fehde zwischen Raymond und ihrem Vater löst blutige Unruhen im ganzen Land aus ...

    Meine Meinung:

    Mit dem Abschlussband der Geraldines-Serie bin ich eingestiegen und hatte keine Verständnisprobleme. Der erste Eindruck war positiv, denn es gibt gleich zu Beginn einen Stammbaum der beiden wichtigsten Familien der Geschichte, eine Landkarte mit Irland und Wales und ein umfängliches Personenverzeichnis. Im Nachwort erläutert Sabrina Qunaj ihre Beweggründe für das Buch und die Serie. Sie ordnet ihre Quellen ein und sagt, warum Basilia zur Hauptfigur gewählt wurde.

    Besonders gefallen hat mir, dass fast alle Figuren Grautöne aufweisen. Kaum jemand ist nur gut oder nur böse, leider mit einer wesentlichen Ausnahme – Raymond le Gros. Er ist ein Superheld par excellence, ein erfolgreicher Krieger, gut aussehend und noch dazu ein Frauenversteher. Er überstrahlt dadurch die starken Frauenfiguren Basilia und Aoife. Aoife ist mit Basilias Vater verheiratet worden, um Frieden und Ansprüche in Irland zu wahren. Sie betreibt konsequente Machtpolitik und weiß ihre Position auszunutzen. Basilia ist eine „Bastardtochter“ Strongbows, die sich von einem Wildfang zu einer respektablen Persönlichkeit entwickelt. Wesentlicher Begleiter in jungen Jahren war ihr Stiefvater Gildas, ein Schäfer, der Basilia zu einer selbstbewussten jungen Frau formt, die sich auch zu wehren weiß.

    Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Basilia in Episoden, die teilweise Monate oder gar Jahre auseinander liegen. Dadurch wird das Erzähltempo hoch gehalten und die Zeit vergeht wie im Fluge. Basilias Gefühle nehmen einen wichtigen Platz im Buch ein. Sie hofft und liebt, erlebt Enttäuschungen und Furcht und einen starken Durchhaltewillen. Der Leser fühlt mit Basilia und hofft, dass die glücklichen Zeiten bestehen bleiben bzw. dass die unglücklichen Zeiten schnell vorüber gehen. Von Aoife lernt Basilia politisches Denken und wie wichtig es ist, ein konkretes Ziel zu haben und es nicht aus den Augen zu verlieren. Hartnäckig kämpft sie um ihre große Liebe Raymond.

    Die Autorin zeigt die Unterschiede zwischen der irischen und der englisch-normannischen Kultur auf. Während in Irland demokratisch anmutende Elemente durchscheinen ist es in England streng hierarchisch. Auch das Frauenbild ist sehr unterschiedlich. Die Rollen von Aoife und Basilia wären in England nicht machbar. Trotz der eher demokratisch wirkenden Strukturen ist Irland in permanenten Kriegshandlungen verwickelt. Hier kämpft scheinbar jeder mit wechselnden Koalitionen miteinander. Die Männer ziehen immer wieder in den Krieg und die Frauen wissen nicht, wie es ihnen ergebt. Erst bei der Rückkehr des Heeres erhält man Gewissheit. Furcht und Hoffnung sind ein ständiger Begleiter der Frauen. Um die Frauen besser schützen zu können werden sie oft zentral zusammengezogen. Dadurch finden Aoife und Basilia viele Gelegenheiten, ihre Gedanken auszutauschen. Der Leser lernt die Motivation der jungen Frauen kennen und spürt, wie das gegenseitige Vertrauen wächst. Auch wird der starke Willen der beiden Frauen deutlich, sich ihrem Schicksal zu stellen.


    Fazit:

    Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, allein strahlte Raymond le Gros zu sehr. So nahm er den weiblichen Hauptfiguren leider Einiges an Wirkung. So vergebe ich nur vier von fünf Sternen (9 von 10 Eulen-Punkten), spreche aber eine klare Leseempfehlung aus.