Beiträge von wampy

    Buchmeinung zu Rebecca Gable – Das Floriansprinzip


    „Das Floriansprinzip“ ist ein Kriminalroman von Rebecca Gable, der 1999 bei Bastei Lübbe erschienen ist. Die gekürzte Hörbuchfassung ist 2019 bei Lübbe Audio erschienen und wird durch Simon Jäger vorgetragen.


    Zum Autor:

    Rebecca Gablé studierte Literaturwissenschaft, Sprachgeschichte und Mediävistik in Düsseldorf, wo sie anschließend als Dozentin für mittelalterliche englische Literatur tätig war. Heute arbeitet sie als freie Autorin und lebt mit ihrem Mann am Niederrhein und auf Mallorca. Ihre historischen Romane und ihr Buch zur Geschichte des englischen Mittelalters wurden allesamt Bestseller und in viele Sprachen übersetzt.

    Sprecher:

    Simon Jäger (geboren 16. März 1972 in West-Berlin) ist ein deutscher Synchronsprecher, Hörspielsprecher, Dialogregisseur, Dialogbuchautor und Rezitator. Bekannt ist er vor allem als deutsche Feststimme von Josh Hartnett, Heath Ledger, Matt Damon und Jet Li sowie als Interpret von Hörbüchern, die überwiegend den Genres Thriller und Science-Fiction zuzuordnen sind.

    Klappentext:

    "Heiliger Florian, verschone mein Haus, zünde lieber das Dach meines Nachbarn an." Nach diesem Prinzip entsorgt die Wohlstandsgesellschaft ihren Müll in der Dritten Welt. Als Mark Malecki einen Versicherungsbetrug aufklären will, stößt er auf einen Müllschieberring, der mit illegaler Abfallbeseitigung Millionen verdient und skrupellos jeden "entsorgt", der die Geschäfte gefährdet. Dann geschieht ein Mord, und Malecki erkennt zu spät, dass Giftmüll auch eine tödliche Waffe sein kann...


    Meine Meinung:

    Auf dieses Frühwerk der wohl erfolgreichsten deutschen Autorin historischer Romane war ich sehr gespannt, auch weil die Leseprobe vielversprechend war. Die Figuren hatten Ecken und Kanten, das Thema ist aktuell und der Schreibstil der Autorin ist angenehm lesbar. Dazu ein Privatdetektiv mit persönlichen Problemen, der es aber mit (über-) mächtigen Gegnern aufnimmt. Also ein typischer Noir. Doch je weiter die Geschichte fortschritt, desto mehr Ernüchterung machte sich bei mir breit. Die vielversprechenden Ansätze verpufften ins Leere. Ich hatte das Gefühl, das die Autorin irgendwie den Faden verloren hatte. Malecki agierte mit Ansätzen von James Bond, offenbarte kaum glaubhafte Kontakte und ließ fast jede Vernunft vermissen. Die Autorin wollte zuviel und der Leser bekommt deshalb zu wenig. Die Nebenfiguren blieben durchweg flach gezeichnet, zwar mit der ein oder anderen Überraschung, aber doch blass. Die privaten Probleme nahmen einen zu großen Raum rein und Malecki wandelte auf einem seltsamen Pfad zwischen knallhartem Ermittler und liebevollem Vater. Da fehlte mir einfach eine klare Linie. Der Spannungsbogen brach mehrfach ab und auch eingestreute humorvolle Stellen konnten nicht überzeugen.

    Der Vortrag Simon Jägers war eigentlich wie immer überzeugend, aber retten konnte er das Werk nicht mehr.



    Fazit:

    Dieses Buch konnte meine hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen und hat mich in vielerlei Hinsicht enttäuscht. Trotz einiger guten Ansätze bewerte ich es nur mit zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B07V29P711

    Wie so oft haben die Männer es nicht ertragen, wenn eine Frau ihren Mund aufgemacht hat. Lampegias letzter Auftritt war wirklich bewundernswert. Auch wenn er so nicht belegt ist (würde mich auch wundern, bei der doch recht einseitig männlichen Beurteilung der Geschichte)

    An der Stelle wäre wohl auch jeder Mann, der sich wie Lapegia geäußert hätte, des Todes gewesen. Im Nachwort wird ja auch erwähnt, wie wenige Dokumente und Belege es aus dieser Zeit gibt.

    Ich hatte al Andalus unter islamischer Herrschaft immer als eine Zeit des Wissens und der Toleranz der Religionen im Kopf, aber das war ja doch einige Zeit später und dass zu Zeiten von Erorberungen und Umrüchen Toleranz zu kurz kommt, war ja auch schon immer so.

    Das ging mir genauso. In späteren Jahren war der Islam der Hort der Wissenschaften und auch relativ weltoffen. Es gibt eine Reihe von Bauwerken, die ich mir noch anschauen möchte, weil Bekannte einfach nur begeistert waren.

    Nun bin ich auch durch und es wurde ja recht heftig. Lampegia und Tochter hat es in den Harem des Kalifen verschlagen und dort hat Lampegia einen letzten großen Auftritt, der mir gefallen hat.

    Eudo musste einiges einstecken, konnte sich aber am Statthalter auf fürchterliche Art und Weise rächen.

    Aquitanien darf vorerst bestehen bleiben und steht im Bündnis mit den Franken. Die Mauren sind zurückgeschlagen und lecken ihre Wunden, ebenso wie die arg gebeutelten Aquitanier.

    Von Eudo hatte ich vor diesem Buch gar nichts gehört, kann aber nachvollziehen, dass er Karl Martell als Hauptfigur abgelöst hat. Es gab unglaublich viele Schlachten und politische Schachzüge, die so ihren eigenen Reiz haben. Es ist immer wieder erschreckend zu sehen wie religiöse Führer Horden von jungen Männern opfern, um ihre Religion auszubreiten. Eudo als Gegenentwurf mit atheistischem Gedankengut war schon spannend, auch wenn er mir oft zu berechnend wirkte. Seltsamerweise hatte ich selbst am Ende noch Sympathien für den ruchlosen Wüstenräuber. Ich kann verstehen, dass er in islamischen Gefilden geachtet wird. Er hat aus seinen Möglichkeiten das Optimale gemacht.

    Lampegias Schicksal ist natürlich furchtbar, das ihrer Tochter aber noch viel mehr. Die Kleine hat ja überhaupt keine Chance auch nur annähernd glücklich zu werden, wenn sie jetzt verschleppt wird.

    Warum soll die Tochter denn als Muslimin nicht glücklich werden können? Vielleicht auf eine andere Art. Lampegia wird es da schwerer haben. Sie kennt ihre Freiheiten aus Aquitanien, hängt an ihrem Ehemann und ist eine Gefangene. Aber sie hofft auf die Zahlung eines Lösegelds und die Rückkehr zu ihrem Vater.

    Mit Eudo fiebere ich schon mit, und ich finde seine Entscheidungen vernünftig und umsichtig. Auch Hunolds Schicksal ist mir nahe gegangen. Sagen wir mal so, es liest sich für mich nicht so leicht und schnell wie Macs andere Bücher, weil man hier schon sehr aufpassen muss, um die Zusammenhänge zu erfassen. Aber ich finde es sehr interessant, gerade weil ich mich mit dieser Zeit bisher noch nie beschäftigt hatte.

    Es gibt schon Figuren, mit denen ich sympathisiere, z. B. Munuza und Hunold. Mir fehlt das Liebesgedöns jetzt nicht so sehr, denn alles dreht sich um das Überleben des Herzogtums Aquitanien. Eudos Tochter Lampegia spielt in dieser Hinsicht kaum eine Rolle. Hier ist Politik noch ein reines Männergeschäft. Das kommt der damaligen Wirklichkeit sicherlich sehr nahe.

    Die Handlungen sind trotzdem sehr interessant und die Anführer betreiben ihr Geschäft mit Herzblut.

    Die Kriegstreiber setzen sich durch und Abd ar Rahman tötet mal wieder einen Herrscher und nach einer angemessenen Zeit folgt er ihm als Führer. Dann gelingt es ihm, Munuza zu besiegen, auch wenn es ein fanatischer Bischof ist, der den entscheidenden Beitrag leistet. Abd ar Rahman nutzt die Gelegenheit. Nun ist Eudos Tochter in Gefangenschaft. Ich war erstaunt, wie gut ihre Ehe funktioniert hat.


    Das Problem ist, es gab ihn wirklich und unter Muslimen gilt er bis heute als Heiliger, weil er den Dschihad nach Europa trug und soweit nach Norden vorstieß, wie kein Feldherr in späteren Jahren.

    Abd ar Rahman ist schon ein cleveres Kerlchen ohne Skrupel aber mit viel Machtverlangen. Auch christliche Kriegshelden werden auf islamischer Seite sicherlich weniger positiv bewertet. Man denke nur an die Gräueltaten von Richard Löwenherz. Aber Abd ar Rahman ist mit schlechteren Ausgangsbedingungen gestartet und seine Karriere kann sich sehen lassen.

    Tja, irgendwie muss ich's ja unterbringen. Oder wer kennt die Zusammenhänge so zwischen 700 - 732 in Europa? Ich erzähle eben nie die Geschichten von erfundenen Personen vor hist. Hintergrund, sondern immer Geschichte, in der ich nur mit Fantasie fülle, wo es keine Quellen gibt.

    Ich fand die Einführung in die Zeit klasse. Vor einigen Jahren habe ich "Der letzte Paladin" von Richard Dübell gelesen, der so um 780 spielt und fränkische Panzerreiter mit maurischen Streitern zusammen treffen lässt. Nochmal 700 Jahre später spielen Bücher von Lea Korte, in denen die maurische Kultur und Lebensweise im Zusammenleben mit anderen Religionen sehr positiv dargestellt werden. Sonst habe ich über Mauren in Europa nichts gelesen. Da ist die Einführung und der Überblick schon sehr hilfreich gewesen.

    Hunold taucht wieder auf und mit ihm Munuza, der ein eigenes Berberreich anstrebt. Er und Eudo sind beide Anhänger eines friedlichen Zusammenlebens der verschiedenen Volksgruppen. Das macht sie sympathisch. Eudo strebt eine Einigung mit den Franken an und kommz zu einem vorzeigbaren Ergebnis. Eudo muss die Königsfunktion fallen lassen, kann aber die Unabhängigkeit Aquitaniens zumindest von den Franken sichern. Manchmal fürchte ich, dass sein Verhandlungsgeschick eher kurzfristig gedacht ist. Ich hatte das Gefühl, dass er Karl über den Tisch gezogen hat und dass es Karl und ihm auch bewusst war. Abd ar-Rahman ist in Andalusien angekommen und will Munuza beerben. Er steht für die Ausbreitung mit dem Schwert und völlige Unterdrückung der bisherigen Bevölkerung. Es läuft wohl auf eine Dauerfehde hinaus.

    Gespannt bin ich auf das Zusammenleben von Lampegia und Munuza. Bei den beiden Liebenden treffen Welten aufeinander, gerade was die Rolle einer Frau angeht. Und Lampegia wird in das maurische Umfeld ziehen müssen.

    Es geht rasant weiter. Abd ar Raman entkommt Konstantinopel und flieht möglichst weit weg und ... landet in Andalusien. Er ist ein Dreckskerl, aber ich mag ihn dennoch. Er hat den Überlebenswillen und eine unglaubliche Flexibilität in Sachen Anhängerschaft. Eudo trifft es momentan weniger gut. Er verliert seinen ältesten Sohn und die Unterstützung der Neustrier war auch eine Fehlentscheidung. Aber er überlebt und einen König hat er auch dabei. Die Härte der Schlachten und ihre Grausamkeit kommt bei den Erzählungen Cornwalls deutlicher zum Tragen, ist dort aber auch viel bildlicher und fordernder an den Leser. Hier erahnt man es mehr, aber das ist durchaus in Ordnung.

    Immer wieder bin ich verwundert, wie erfahrene Krieger in doch offensichtliche Fallen laufen. Seien es die Mauren oder das neustrische Heer. Der Hausmeier der Neustrier scheint eine ziemliche Pfeife zu sein und Karl in Sachen Strategie nicht das Wasser reichen zu können. Bei Eudo gefallen mir die permanenten Abstimmungen mit seinen Unterführern und seine überlegte Art. Er macht einen sympathischen Eindruck, wenn er nicht gerade den König raushängen lässt. Dieses Machogehabe zwischen ihm und Raganfrid mutet fast kindisch an, schafft aber tiefe Wunden.

    Eine Anmerkung hätte ich zum Personenverzeichnis: Ich persönlich finde es nicht optimal, wenn bei den (historischen) Figuren schon angegeben wird, wann bzw bei welcher Gelegenheit sie sterben. Wenn man die Geschichte (also die Historie) noch nicht kennt, nimmt das ein bisschen was vorweg, finde ich.

    Das sehe ich anders. Für mich gehören diese Informationen dazu. Vielleicht kann man das Personenverzeichnis ans Ende verschieben, aber auch da kann man natürlich mehr Informationen erhalten als man möchte. Wenn ich das Personenverzeichnis nicht finde, dann google ich meist und erhalte oft noch viel mehr Informationen. Es ist halt schwierig den rechten Weg zu finden.

    Nun habe ich auch die Belagerung von Konstantinopel abgeschlossen. Es ist immer wieder erschreckend, wie gering das Leben der eigenen Kämpfer eingeschätzt wird. Die Not der Belagerer kann ich nachvollziehen, denn oft entscheidet die Versorgungslage der Truppen. Und die Politik der verbrannten Erde ist erschütternd. Resourcen zu vernichten, damit nur der Gegner sie nicht bekommt. Auf so eine Idee können nur Menschen kommen. Der Beduinenräuber hat ein paar Pluspunkte gesammelt, weil er die irdische Welt dem himmlischen Paradies vorzieht. Mit Religion rechtfertigen viele Herrscher unsägliche Leiden der Bevölkerung und jede Art von Krieg.

    Buchmeinung zu Alex Wagner – Apostelmord: Ein Kriminalroman aus dem römischen Wien


    „Apostelmord“ ist ein Kriminalroman von Alex Wagner, der 2019 bei Independently published erschienen ist.

    Zum Autor:

    Alex Wagner, geb. 1972, lebt und arbeitet in Wien, ist aber ebenso gern auf Reisen.

    Ursprünglich Betriebswirtin und Bankerin, widmete sie sich später dem Coaching, der Parapsychologie und der Hypnose. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten ist sie außerdem in der wunderbaren Welt der Juwelen und im Schmuckdesign zu Hause. Sie lebt gern aus dem Koffer und erkundet den Kosmos, per Zug oder im Cyberspace, aber vor allem auf dem Papier.

    Alex Wagner schreibt Krimis, Thriller, Liebesromane - sowie Sachbücher zu Themen, die sie persönlich beschäftigen.


    Klappentext:

    2. Jahrhundert nach Christus, unter der Herrschaft von Kaiser Hadrian:

    Über der römischen Provinzstadt Vindobona braut sich neues Unheil zusammen. Inmitten eines verheerenden Schneesturms treffen im Haus des germanischen Händlers Thanar die Anhänger zweier geächteter Kulte aufeinander – Druiden und Christen. Sie hoffen auf Gastfreundschaft und ein sicheres Dach über ihrem Kopf. Doch es ist der Tod, der sie erwartet. Haben sich die Götter höchstselbst gegen die Einwohner Vindobonas verschworen? Oder verbirgt sich unter Thanars Gästen ein Dämon in Menschengestalt? Ein heimtückischer Mörder, der scheinbar wahllos zu töten scheint?


    Meine Meinung:

    Schon der erste Band hatte mir gut gefallen, aber dieser zweite Band ist noch besser. Die Geschichte wird aus der Sicht Thanars, eines germanischen Händlers, erzählt. Sein Freund Marcellus, Anführer der römischen Truppen in Vindobona, bittet ihn, Vertreter zweier religiöser Gruppen bei sich aufzunehmen. Während eines massiven Schneesturms kommt es zu einem Doppelmord und die Ermittlungen beginnen. Es ist jedoch wie im ersten Fall die freigelassene Nubierin Layla, die federführend die Aufklärung betreibt. Sie ist sehr selbstbewusst und mit beiden Männern liiert. Im Anwesen Thanars treffen vier Religionen aufeinander und es ist sehr beeindruckend, welche Freiheiten die Religionen im römischen Reich genießen. Alles spielt sich auf dem Anwesen und der nahen Umgebung ab. Trotz dieser Beschränkungen bleibt die Spannung durchgehend erhalten und mehrmals gibt es überraschende Entwicklungen. Thanar und Marcellus wirken überfordert, aber Layla sammelt Informationen und sucht nach einer Lösung. Layla ist überaus sympathisch und sehr gewitzt. In einem eindrucksvollen Showdown wird die Auflösung präsentiert.

    Neben historischen und kriminalistischen Elementen steht die Dreiecksbeziehung zwischen Layla, Marcellus und Thanar im Blickpunkt. Im direkten Vergleich mit Layla schneiden die beiden Männer nicht besonders gut ab, tragen dies aber mit Fassung. Ruhige Passagen wechseln mit lebendigeren ab und es bleibt die Zeit, etwas über römische Lebensgewohnheiten zu erfahren. Das größte Plus dieses Werks ist die Mischung all dieser Komponenten. Gut gezeichnete Figuren und ein humorvoller Unterton runden das Ganze ab.


    Fazit:

    Die Mischung aus Historie, Kriminalfall und Beziehungsgeflecht ist überaus gelungen und lesenswert. Es ist ein wahres Vergnügen das Dreigespann zu begleiten. Gerne vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 1692183850

    Buchmeinung zu Rhys Bowen – Cottage mit Mord


    „Cottage mit Mord“ ist ein Kriminalroman von Rhys Bowen, der 2019 bei dp DIGITAL PUBLISHERS in der Übersetzung von Lennart Janson erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Evan‘s Gate“ und ist 2004 erschienen. Dies ist der achte Fall um den walisischen Dorfpolizisten Evan Evans.


    Zum Autor:

    Rhys Bowen wurde in Bath, England, geboren, studierte an der London University, heiratete in eine Familie mit historischen königlichen Verbindungen und verbringt nun ihre Zeit im Norden von Californien und Arizona. Zunächst schrieb sie Kinderbücher, doch auf einer Reise in ihre malerische walisische Heimat fand sie die Inspiration für ihre Constable-Evans-Krimis. Diese Kriminalgeschichten sind mittlerweile Kult und wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


    Klappentext:

    Als Evan das Skelett eines Kindes im Vorgarten begraben findet, will er nicht ruhen bis er dessen Identität aufdeckt hat. Das Skelett ist Jahrzehnte alt, aber sein Fund fällt auf unheimliche Weise mit dem aktuellen Fall eines vermissten Mädchens zusammen. Obwohl er von seinen Detektivkollegen entmutigt wird, taucht Evan in das Geheimnis der beiden vermissten Kinder ein. Und er merkt schnell, dass die Lösung des vergangenen Falls möglicherweise einen entscheidenden Einblick in den Aufenthaltsort jenes Kindes gibt, das heute vermisst wird ...


    Meine Meinung:

    Evan hat den Sprung zum Zivilfahnder geschafft und auch privat geht es voran. Die Hochzeit mit Bronwen kommt näher und ein Anwesen für ihr Haus ist auch gefunden. Doch dann wird ein blondes Mädchen vermißt und Evan findet auf seinem Grundstück eine weitere Mädchenleiche, die allerdings schon vor langer Zeit vergraben wurde. Vieles ist wie in der Serie üblich gestaltet und doch zieht ein dunklerer Grundton ein. Evan vermutet etwas anderes als seine Vorgesetzten und stellt wieder eigene Ermittlungen an. Evan bleibt ein Frauenschwarm und diesmal ist eine Amerikanerin auf seiner Fährte. Die lange Zeit erfolglosen Ermittlungen und die Nachwiekungen der Maul- und Klauenseuche sorgen für gedrückte Stimmung und als klar wird, dass Evan die vergrabene Tote persönlich gut kannte, wird es hart für ihn. Natürlich sind es die Auswärtigen, die oben auf der Verdächtigenliste stehen.

    Evan Evans ist ein Sympathieträger, dem man gerne folgt. Er ist wahrlich kein Supermann ohne Fehler, aber er gibt sein Bestes. Seine Selbstzweifel ehren ihn und er kann sich auf seinen Instinkt verlassen. Seine Bemühungen um vernünftiges Essen lockern die Geschichte immer wieder auf und Bronwen leistet mehrfach Aufbauarbeit. Lange Zeit lag ich mit meinen Annahmen falsch und wurde durch die schlüssige Lösung überrascht.


    Fazit:

    Dieser Fall aus der Serie um Constable Evans überrascht mit einem deutlich dunkleren Grundton. Die Figuren bleiben aber liebenswert und sympathisch. Meine Wertung lautet vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und für die Freunde eher ruhiger Krimis gibt es eine Leseempfehlung.


    ASIN/ISBN: B07XBLY7LG

    Ich habe nun auch losgelegt und habe mich am Anfang mit den islamischen Namen schwer getan. Aber nach der erfolgreichen Flucht des Kaufmannsohnes gibt es wohl keine Alternative. Das Kapitel um Eudos Entscheidungsfindung hat mir sehr gut gelungen. Man erfährt, in welchen Problemen er steckt, und lernt sein bedachtes Vorgehen schätzen. Die Krieger des Dschidads haben ihren europäischen Gegnern das Fürchten gelernt und sind eine starke Bedrohung geworden. Momentan dringender ist aber die Entscheidung, welchen Hausmeier Eudo unterstützen soll. Ich kann sein beinahe verzweifeltes Suchen nach Information verstehen, denn er weiß zu wenig gerade über die entfernteren Franken um Karl, aber das eines Diplomaten unwürdige Auftreten des Bischofs lässt ihm kaum eine Wahl, aber war das weise von Eudo. Nun ran an das zweite Kapitel.

    Buchmeinung zu Katharina Gerwens – Der letzte Streich


    „Der letzte Streich“ ist ein Kriminalroman von Katharina Gerwens, der 2019 bei Piper ebooks erschienen ist.


    Zum Autor:

    Katharina Gerwens wurde 1952 in Epe (jetzt Gronau in Westfalen) geboren und verbrachte ihre Kindheit auf dem Dorf. Seit ihrem 15. Lebensjahr schreibt sie Chansons für Udo Jürgens. Nach ihrer Ausbildung zur Journalistin arbeitete sie in verschiedenen Verlagen und ist heute als freie Lektorin tätig. Katharina Gerwens lebt und arbeitet in München und Niederbayern.


    Klappentext:

    Ein Mittelalterfestival in Ortenburg! Dieses Spektakel wollen sich Kommissarin Franziska Hausmann und ihre Freundin Marie nicht entgehen lassen. Dass die Zeitreise zu einem Horrortrip wird, ahnen sie nicht. Am zweiten Tag passiert es: Ein kostümierter Mann wankt auf Franziska zu, flüstert unverständliche Worte und bricht zusammen. In seiner Brust steckt ein Dolch. Bei dem Toten handelt es sich um ein Mitglied einer Gruppe gestresster Manager, die im Bayerischen Wald Entschleunigung suchen. Doch die werden sie am Ufer der Donau wohl nicht mehr finden, denn schon bald folgt die nächste Leiche …


    Meine Meinung:

    In diesem Buch spielen Beziehungen eine wichtige Rolle. Kommissarin Hausmann macht mit der Frau des Oberstaatsanwalts Urlaub im Bayrischen Wald. Als ihr eine Leiche vor die Füße fällt, bittet sie der Oberstaatsanwalt zu ermitteln. Die drei Ortspolizisten brauchen dringend Unterstützung und so wird auch ein Kommissar, der schon in Rente gegangen ist, reaktiviert. Er ist Vater eines der Polizisten und ist hinsichtlich der Fähigkeiten seines Sohnes befangen. Es gibt eine weitere Tote, die ebenfalls an einem Kurs für Pflegeheimleitungen teilnimmt. Die Figuren sind nicht sonderlich tief gezeichnet und wirkten auf mich nur bedingt sympathisch. Gestört hat mich die mehrfach auftretende sexuelle Komponente bei der Darstellung der Figuren und ein Verhältnis kommt noch dazu. Auch das ein oder andere Klischee wird gerne von der Autorin aufgegriffen. Unter diesen Nebengeräuschen leidet die Spannung erheblich. Da helfen auch eingeschobene Passagen mit Gedanken des Mörders nicht wirklich. Nebenbei wird noch Kritik an den Auswüchsen im Pflegebereich geübt. Die Ermittlungen der Polizisten wirken nicht sehr professionell, aber am Ende wird ein sauberes Motiv präsentiert. Die Sprache ist einfach und gut verständlich. Atmosphäre gab es kaum und auch die Ermittler blieben mir fern.


    Fazit:

    Dieser Kriminalroman hat mich enttäuscht zurückgelassen und ich vergebe deshalb nur zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B07KGC9NW5

    Buchmeinung zu William Melvin Kelley – Ein anderer Takt


    „Ein anderer Takt“ ist ein Roman von William Melvin Kelley, der 2019 bei Hoffmann und Campe in der Übersetzung von Dirk van Gunsteren erschienen ist. Der Titel der amerikanischen Originalausgabe lautet „A Different Drummer“ und ist 1962 erschienen.


    Zum Autor:

    William Melvin Kelley wurde 1937 in New York geboren. Mit vierundzwanzig Jahren veröffentlichte er seinen bis heute gefeierten Debütroman A Different Drummer. Nach mehrjährigen Aufenthalten in Paris und auf Jamaika kehrte er mit seiner Familie 1977 nach New York zurück und unterrichtete am Sarah Lawrence College Kreatives Schreiben. Für seine Romane, Kurzgeschichten, Essays und Filme wurde Kelley vielfach ausgezeichnet. Er starb 2017 in Harlem.


    Klappentext:

    Die kleine Stadt Sutton im Nirgendwo der Südstaaten. An einem Nachmittag im Juni 1957 streut der schwarze Farmer Tucker Caliban Salz auf seine Felder, tötet sein Vieh, brennt sein Haus nieder und macht sich auf den Weg in Richtung Norden. Ihm folgt die gesamte schwarze Bevölkerung des Ortes.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist in vielerlei Hinsicht besonders. Dies fängt mit der Hauptfigur Tucker Caliban an, der der erste schwarze Farmer in Sutton gewesen ist. Seine Gedanken kommen kaum vor – es werden die Ergebnisse seines Tuns aus mehreren Perspektiven betrachtet. Er ist ein friedlicher Bürger, der ruhig und scheinbar zufrieden sein Leben gefristet hat. Dann vernichtet er von einen Tag auf den anderen seine Existenz und verlässt mit seiner Familie den Ort. Dies ist der Auslöser für eine friedliche Massenflucht aller schwarzen Bewohner des Ortes. Die Beobachter dieser Flucht sind zuerst überrascht und dann irritiert. Warum verlassen die schwarzen Bewohner den Ort? Sie werden nicht bedroht und doch ziehen alle fort. Die weißen Bewohner verstehen es nicht, aber sie merken, dass sich auch ihr Leben ändern wird. Auch ein wohlhabender schwarzer Priester aus dem Norden schaut sich die Lage vor Ort an und ist vom Tun Tucker Calibans fasziniert. Tucker bewegt mit seinem Tun mehr, als die lautstarken Proteste in anderen Orten.

    Die Sprache ist einfach und die Handlung überschaubar. Und doch übt die Geschichte Faszination auf den Leser aus. Ganz automatisch kommt man ins Grübeln und fragt sich, warum diese Massenflucht einsetzt. Aus den Schilderungen der weißen Bevölkerung wird klar, dass das Zusammenleben zwar friedlich, aber nicht gleichberechtigt gewesen ist. Das ist der einzige Grund.


    Fazit:

    Dieses Buch hat mich trotz der vorgeblichen Schlichtheit zum Nachdenken gebracht. Es ist ein faszinierender Appell für die Gleichberechtigung aller Menschen. Deshalb fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und eine klare Leseempfehlung.


    ASIN/ISBN: B07R43CXZ8

    Buchmeinung zu Matthias Lisse – Die geteilten Jahre


    „Die geteilten Jahre“ ist ein Roman von Matthias Lisse, der 2019 bei Droemer HC erschienen ist.


    Zum Autor:

    Matthias Lisse wurde 1957 geboren. Aufgewachsen in der DDR, studierte er aus politischen Gründen statt Geschichte und Literatur Veterinärmedizin und später Pferdezucht und -sport und wurde Militaryreiter sowie Ausbildungsleiter des bedeutendsten Vollblutgestüts der DDR.

    Im Frühjahr 1988 gelang ihm die Flucht in die Bundesrepublik, ein Jahr später folgten ihm seine Frau und Tochter. Gemeinsam bauten sie einen Reit-und Zuchtbetrieb in Bayern auf, wo sie noch heute leben.


    Klappentext:

    Berlin 13. August 1961

    Der Traum vom „Arbeiter- und Bauernparadies“ ist ausgeträumt, und wie viele andere haben Wolfgang Leipold und seine Frau nur ein Ziel: die DDR, zusammen mit ihrem kleinen Sohn Marcus, so schnell wie möglich zu verlassen. Doch ihr Entschluss kommt zu spät, denn mit der Errichtung der Mauer ist ihnen der Weg in die Freiheit versperrt und jeder Gedanke an eine Flucht aus der DDR so gut wie unmöglich.

    Jahre später träumt Marcus, inzwischen verheiratet und Vater einer Tochter, ebenfalls davon, in den Westen zu gehen, doch zunächst gelingt es nur ihm, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Wie aber soll er es schaffen, seine Frau Imke und die kleine Jessica zu sich zu holen?

    Neue Hoffnung keimt auf, als im September 89 Tausende DDR-Flüchtlinge die Prager Botschaft stürmen – darunter auch Imke und ihre Tochter …


    Meine Meinung:

    Matthias Lisse beschreibt in diesem autobiografischen Werk seine sehr persönliche Geschichte von seiner Jugend bis zu seiner persönlichen Wiedervereinigung. Seine subjektive Wahrnehmung wird mit kurzen Szenen prominenter Politiker aufgelockert. Der Autor schildert einen unabhängigen Menschen, der frei von Politik und Kirche leben will, sich aber in der DDR immer mehr eingeengt fühlt. Es werden viele Informationen zum alltäglichen Leben in der DDR gegeben, die mir zum Teil unbekannt waren. Im Laufe der Zeit wird die Situation füt die Hauptfigur immer unerträglicher und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann er aus politischen Gründen ins Gefängnis wandert. So ergreift er bei einem Familienbesuch im Westen die Chance zur Flucht, auch wenn er seine Frau und seine junge Tochter zurücklassen muss. Danach sucht er verzweifelt nach einem Weg, Frau und Tochter zu sich zu holen. Die Schilderungen sind hoch emotional und man spürt den unglaublichen Druck, den er aushalten musste. Das Buch lebt von der subjektiven Darstellung und doch wirkte es manchmal überzogen.


    Fazit:

    Ein beeindruckendes Wert über das Leben eines Freidenkers mit einer sehr subjektiven Sicht der Dinge. Von mir gibt es vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine klare Leseempfehlung.