Beiträge von wampy

    Atmosphärische Erzählung mit lebendig wirkenden Figuren


    Buchmeinung zu Christine Neumeyer – »Im Schatten des Thronfolgers«


    »Im Schatten des Thronfolgers« ist ein historischer Kriminalroman von Christine Neumeyer, der 2024 im Picus Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Christine Neumeyer, 1965 in Wien geboren, ist Schriftstellerin und Organisationsassistentin der Universität Wien. Im Netzwerk der Mörderischen Schwestern verwirklicht sie seit 2017 gemeinsam mit österreichischen Autorinnen Projekte zur Förderung der von Frauen geschriebenen Kriminalliteratur. Sie schreibt und veröffentlicht seit vielen Jahren historische Romane und Kriminalromane sowie Kurzgeschichten.


    Zum Inhalt:

    Bei Bauarbeiten für eine Familiengruft wird 1909 auf Schloss Artstetten, einem Landsitz des Thronfolgers Franz-Ferdinand, eine Säuglingsleiche gefunden. Aus Wien werden der Polizeiagent Pospischil und sein Assistent Dr. Frisch zur Untersuchung der Vorgänge herbeigerufen.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist nicht wirklich ein Kriminalroman, denn besonders spannend in Sachen Fallauflösung ist er nicht. Hingegen hat mir der ruhige Schreibstil der Autorin, die mit moderaten Dialektfärbungen und passend gewählten Szenen ein lebendiges Bild der damaligen Zeit erstellt. Der erfahrene Polizeiagent Pospischil wirkt sympathisch und kompetent. Sein Assistent Dr. Frisch ist fortschrittsgläubig und offen für alles Neue. Er fährt bereits ein Automobil und chauffiert seinen Chef oft. Sie sind in vielen Dingen gegensätzlich, vertrauen sich aber und arbeiten hart für ihre Ziele. Die Autorin erzählt ihre Geschichte aus vielen Perspektiven und erzeugt dadurch ein umfassendes Bilder damaligen Zeit und der Menschen im Nibelungengau. Es gibt grausige Szenen, aber auch humorvolle Einschübe, die das Grauen abmildern. Auch ein Schuss Romantik wird der Erzählung beigemischt. Im Kriminalfall geht es lange Zeit nicht so recht voran. Erst als eine weitere Leiche gefunden wird, nimmt die Handlung deutlich Fahrt auf. Am Ende steht eine nachvollziehbare und vollständige Auflösung, die ich nicht erwartet hatte.

    Die Beschreibung der Landschaft und ihrer Besonderheiten hat mein Interesse geweckt, diesen Nibelungengau zu erkunden. Auch die Figurenzeichnung hat mit angesprochen, denn fast alle Figuren sind mit Grautönen gezeichnet, die Raum für Überraschungen bieten.


    Fazit:

    Mich hat dieser Roman überzeugt, wenn auch nicht als Kriminalroman. Figurenzeichnung und atmosphärische Schilderungen hauchen den Protagonisten Leben ein. Deshalb bewerte ich den Roman mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde atmosphärischer Zeitdokumente aus.


    ASIN/ISBN: 3711721435

    Ein faszinierender historischer Kriminalroman


    Buchmeinung zu Susanne Goga – »Der Teufel von Tempelhof«


    »Der Teufel von Tempelhof« ist ein Kriminalroman von Susanne Goga, der 2024 bei dtv erschienen ist. Dies ist der neunte Band in der Serie um den Berliner Kommissar Leo Wechsler.


    Zum Autor:

    Susanne Goga lebt als Autorin und Übersetzerin in Mönchengladbach. Sie ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums. Außer ihrer Krimireihe um Leo Wechsler hat sie mehrere historische Romane veröffentlicht und wurde mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Goldenen HOMER für ›Mord in Babelsberg‹ und dem Silbernen HOMER für ›Nachts am Askanischen Platz‹.

    Zum Inhalt:

    Februar 1929: Neben einem Mord an einem Arzt geht es um die Flucht einer Jugendlichen aus einer kirchlichen Anstalt und Verbrechen an jungen Frauen in der Vorkriegszeit. Aber auch politische und gesellschaftliche Entwicklungen spielen eine Rolle.


    Meine Meinung:

    Ich habe schon Bücher dieser Serie gelesen und bin zum bekennenden Fan avanciert. Auch der neue Band hat meine Erwartungen voll und ganz erfüllt. Neben einem spannenden Kriminalfall um einen ermordeten Arzt werden aktuelle Entwicklungen aus dem Umfeld Leo Wechslers geschildert. Da sind sein schwuler Assistent oder ein aus einer Erziehungsanstalt geflohenes Mädchen, mit denen es der empathische Kommissar zu tun bekommt. Leo Wechsler versucht sich zu kümmern, aber vorrangig ist er ein Ermittler, der hartnäckig die Spuren verfolgt. Er entdeckt Hinweise auf nahezu unglaubliche Taten, die in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg passiert sind und die mich sprachlos gemacht haben. Man kann kaum glauben, welche Taten von Ärzten im angeblichen Namen der Wissenschaft begangen wurden. Die Behandlung und Verknüpfung dieser Themen in einem Krimi sind einfach großes Kino. Die Figuren sind interessant mit etlichen Grautönen gezeichnet, die historischen Beschreibungen sind eindringlich und akkurat gehalten und der Fall überrascht mit einigen überraschenden Wendungen. Selbstverständlich ist die Auflösung umfassend und nachvollziehbar. Der Leser fiebert mit den Figuren mit, aber nicht für alle geht es gut aus. Beeindruckend ist für mich, welche Spannung auch von den nicht fallrelevanten Szenen ausgeht. Mir hat der Roman fesselnde Lesestunden beschert und ich fiebere dem nächsten Band entgegen.


    Fazit:

    Ein beeindruckender Kriminalroman aus dem Berlin zur Zeit der Weimarer Republik, der mit Handlung, Atmosphäre, Figurenzeichnung und historischer Genauigkeit keine Wünsche offen lässt. Deshalb bewerte ich diesen Titel mit der Maximalwertung von fünf Sternen (100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B0CLMPR7Z3

    Altbewährtes und eine neue Komponente


    Buchmeinung zu C. S. Harris – »Die Gefallenen von St. Katharine’s«


    »Die Gefallenen von St. Katharine’s« ist ein Historischer Roman von C. S. Harris, der 2024 im dp Verlag in der Übersetzung von Angelika Lauriel erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet »Why Kings Confess« und ist 2014 erschienen. Dies ist der neunte Band in der Serie um Sebastian St. Cyr


    Zum Autor:

    C. S. Harris, auch bekannt als Candice Proctor und C. S. Graham, ist die USA-TODAY-Bestsellerautorin von mehr als zwei Dutzend Romanen, darunter die historische Krimi-Bestsellerserie rund um Sebastian St. Cyr. Als ehemalige Akademikerin mit einem Doktortitel in europäischer Geschichte hat Candice einen Großteil ihres Lebens im Ausland verbracht und in Spanien, Griechenland, England, Frankreich, Jordanien und Australien gelebt. Heute wohnt sie zusammen mit ihrem Ehemann, dem pensionierten Armeeoffizier Steven Harris, in New Orleans, Louisiana.


    Zum Inhalt:

    Regency England, 1813: Paul Gibson stößt in einem Slumviertel auf die verstümmelte Leiche eines

    französischen Arztes und eine schwer verletzte junge Frau. Sebastian St. Cyr beginnt zu ermitteln.


    Meine Meinung:

    Auch in diesem Band finden sich die Stärken der Vorgängerbände wieder, ergänzt um die Sorge Sebastians um Hero und ihr ungeborenes Kind, dessen Geburt bevorsteht und aufgrund falscher Lage des Kindes gefährlich werden wird. Thematisch geht es um die französische Kolonie in London, die durch den Aufenthalt der abgesetzten Thronfolgerin und ihren Kampf um den Thron Unruhe erfährt. Sebastian bewegt sich wieder in Geheimdienstkreisen und muss sich seiner Feinde erwehren. Eine besondere Rolle fällt der jungen Frau zu, die Gibson gerettet hat. Diese ist selbst Ärztin und bietet Sebastian und Hero ihre Hilfe an, aber Sebastian traut ihr nicht, weil er als Soldat ihren Mann getötet hat. Der Wissensstand der Gynäkologen ist erschreckend und ihre vorgeschlagenen Therapien lassen den Leser um Mutter und Kind fürchten. Die französische Ärztin hat einen Therapievorschlag aber auch Rachegedanken.

    Die Handlung ist gewohnt verwickelt und undurchsichtig, die Figuren sind komplex mit vielen Grautönen gezeichnet, Sebastian gerät in gefährliche Situationen und muss um sein Leben kämpfen. Gelegentlich wird Sebastian von seinen Hilfskräften unterstützt, aber er steht unzweifelhaft im Mittelpunkt. Als die Geburt ansteht überschlagen sich die Ereignisse und Sebastian muss nicht nur um sein eigenes Leben fürchten.

    Die historischen Elemente sind wieder eindrucksvoll eingebunden und die Atmosphäre einer Stadt zwischen unglaublichem Reichtum weniger Menschen und der Massenarmut kommt zum Tragen. Der Erzählstil ist flüssig und fesselnd und spiegelt die Konzentration auf die Hauptfigur Sebastian St. Cyr wieder. Gerade diese Konzentration auf die Hauptfigur gefällt mir nicht so gut, weil dadurch die Rollen der üblichen Unterstützer gekürzt werden.


    Fazit:

    Dieser historische Kriminalroman hat mich wieder sehr gut unterhalten und hat mir besser als der Vorgänger gefallen, auch wenn es nicht der beste Teil der Serie ist. Die Episoden um die bevorstehende Geburt bringen eine neue und überraschende Komponente ein. Deshalb bewerte ich den Titel mit knappen fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B0CT1K7NH8

    Ein Meisterwerk der eher leisen Töne


    Buchmeinung zu Jane Harper – »Hitze«


    »Hitze« ist ein Kriminalroman von Jane Harper, der 2016 bei Rowohlt Taschenbuch in der Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann erschienen ist. Der Titel der australischen Originalausgabe lautet »The Dry« und ist 2016 erschienen.


    Zum Autor:

    Jane Harper wurde 1980 in Manchester geboren, lebt aber schon lange in Melbourne, Australien. Sie war Journalistin, bevor sie mit dem Schreiben von Thrillern begann. Gleich mit ihrem Debütroman »Hitze« gewann sie neben zahlreichen anderen Preisen auch den wichtigsten britischen Krimipreis, den »Gold Dagger«


    Zum Inhalt:

    Aaron Falk kehrt nach zwanzig Jahren zum ersten Mal nach Kiewarra zurück – zur Beerdigung seines Jugendfreundes Luke, der sich und seine Familie getötet haben soll. Bald brechen alte Wunden wieder auf und die trockene Hitze hat die Kleinstadt im Griff.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist sicherlich kein Thriller sondern eher ein Spannungsroman. Schon der Prolog hat mich mit seiner ungewöhnlichen Sichtweise gefesselt. Aaron Falk ist Ermittler bei der Finanzbehörde und kehrt auf Bitte von Lukes Eltern an den Ort zurück, den er vor zwanzig Jahren fluchtartig verlassen hat. Die Eltern glauben nicht an den erweiterten Selbstmord ihres Sohnes und bitten Aaron um seine Einschätzung. Aaron findet unterstützt vom Dorfpolizisten Sergeant Raco einige Ungereimtheiten und ermittelt weiter. Neben dem aktuellen Todesfällen spielt der ungeklärte Todesfall einer Jugendlichen aus der damaligen Clique von Aaron und Luke eine wesentliche Rolle. Aaron wirkt hartnäckig und sympathisch, auch wenn seine Rolle in dem damaligen Todesfall Fragen aufwirft. Einige Bewohner Kiewarras halten ihn immer noch für schuldig am Tod der Jugendlichen.

    Die Anzahl der beteiligten Figuren ist übersichtlich und alle Figuren sind komplex und glaubwürdig gezeichnet. Die Hitze setzt allen zu und für Aaron wird es bedrohlich. Er kommt in beiden Fällen nur langsam voran, bleibt aber am Ball. Die Autorin zeichnet ein faszinierendes Bild der Kleinstadt und ihrer Bewohner. Sie nimmt sich Zeit für ausführliche Beschreibungen und doch bleibt die Spannung auf hohem Niveau erhalten. Zum Ende hin zieht das Tempo deutlich an und beide Fälle werden vollständig und nachvollziehbar aufgeklärt.


    Fazit:

    Der Spannungsroman punktet mit seiner Figurenzeichnung und dem intelligent und überraschend gestalteten Plot. Mich hat der Roman gefesselt und blendend unterhalten. Deshalb bewerte ich den Titel mit fünf von fünf Sternen (100 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B01FWSB4PE

    Nun ist es aufgelöst und es ist einer der Fälle, bei dem mir der Täter sympathischer als das Opfer war, auch oder weil Pauline auch andere Schuldige gefunden hat. Das Kindermädchen und die eigene Mutter als treibende Kräfte für die Verstümmelung - nahezu unfassbar. Quasi als Ausgleich konnte Leo noch ein Zusammentreffen von Erika mit ihrer Mutter organisieren.

    Ich fand den Roman sehr eindringlich mit einem gelungenen Einblick in die Zustände jener Zeit. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall.

    Beschneidungen in Deutschland hätte ich nicht für möglich gehalten, aber man lernt dazu. Auch der Übergriff auf den dunkelhäutigen Musiker erinnern an dunkle Zeiten, die vielleicht wieder vor der Tür stehen. Man mag es kaum glauben, aber unsere Gesellschaft verliert mehr und mehr an Integrationskraft und üblich bleiben die Maximalforderungen, die von allen möglichen Seiten gestellt werden. Auch das "Verdammen" von Diskussionsgegnern hat Methode und stellt die Gegensätze in den Vordergrund. Gab es die Brandmauer gegen die AfD nicht vor ein paar Jahrzehnten gegen die Linke?

    Zurück zum Krimi. Bedrückend die Geschichte um Erika und ihre Mutter. Ich hoffe, dass es noch zu einer Begegnung kommt. Auch der Todesfall im Rahmen der Zeugenbefragung trifft die Ermittler schwer. Bemerkenswert finde ich die Unterstützung, die die Ermittler bei den Zeitungsleuten finden. Auch die Beschreibung der unterschiedlichen Lebensbedingungen wirken realistisch und das soziale Gefälle ist halt extrem. Das Mordopfer erscheint in einem schlechten Licht, aber konkrete Motive und einen potentiellen Täter sehe ich noch nicht.

    Auch bei mir geht es momentan ziemlich chaotisch zu und ich komme kaum zum Lesen. Clasen verdiente sein Geld also auch mit Wundermitteln gegen Asthma und Übergewicht. Reden die Leute nicht mit ihrem Arzt, wenn die Wirkung nachlässt? Stattdessen wird die Dosierung immer wieder erhöht. Da kann der Arzt aber wenig dafür.

    Der zweite Todesfall mit dem Treppensturz sieht nach Unfall aus, aber war es wirklich so? Ich habe Zweifel, aber nur weil es in einem Krimi passiert.

    Frau Manthey kann ich verstehen, dass sie Erika bei der Polizei meldet. Sie hat verständlicherweise Angst um ihren Mann. Erika hat gerade ein wenig Vertrauen zu Leo gefunden und dann muss er sie zurück ins Kloster bringen. Dort sind die Nonnen überzeugt, richtig zu handeln. Ich hoffe, dass Erika noch eine Chance bekommen wird.

    Wer ist die mysteriöse Person, die den Arzt beschattet hat. Welche Motive hat sie? Auch ist mir noch nicht klar, was der Arzt im Kloster getan hat.

    Nach tollem Start hat es bei mir einen Nerv getroffen


    Buchmeinung zu Jean-Claude Vinet – »Mörderisches La Rochelle«


    »Mörderisches La Rochelle« ist ein Kriminalroman von Jean-Claude Vinet, der 2024 bei Bastei Entertainment erschienen ist. Dies ist der zweite Fall für das Ermittlerteam um Commissaire Chevalier.


    Zum Autor:

    Jean-Claude Vinet ist das Pseudonym eines deutschen Autors von Kriminalromanen, den seine Liebe zu der wundervollen Region um La Rochelle am Atlantik dazu inspiriert hat, diese zum Schauplatz seiner neue Krimi-Reihe zu machen. Der Autor, der von sich behauptet, kein Land besser zu kennen als Frankreich, lebt mit seiner Familie in Trier.


    Zum Inhalt:

    Commissaire Chevalier muss seinen Urlaub abbrechen, da auf einem Parkplatz an der Küste drei Leichen gefunden werden, die jeweils mit zwei Kopfschüssen getötet wurden. Was hat das ermordete Urlauberpaar mit einem einheimischen Fahrradfahrer zu tun?


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich am Anfang sehr gut unterhalten. Ein spannender Kriminalfall, atmosphärische Beschreibungen von Land und Leuten, auflockernde Nebenhandlungen aus dem privaten Umfeld der Ermittler, ein angenehmer Schreibstil und schließlich ein paar lukullische Tipps. Insbesondere Commissaire Chevalier war mir mit seiner zurückhaltenden Art sehr sympathisch und seine Kompetenz war spürbar. Er versuchte jederzeit Fall und Familie gerecht zu werden und hatte ein offenes Ohr für seine Mitarbeiter und deren Probleme. Dann gab es aber einige Ungereimtheiten, die mich sehr störten. Ein Mitarbeiter aus dem Team wurde gegenüber einem Zeugen handgreiflich und konnte trotzdem einfach so weiterarbeiten. Auch wurde aus meiner Sicht zu sehr in Richtung des ermordeten Beifahrers ermittelt, während die Ermittlungen um das ermordete Ehepaar in den Hintergrund traten. Dann kam es zu einem gefährlichen Einsatz mit Schusswaffengebrauch und einem schwer verletzten Polizisten. Auch Chevalier wurde erheblich verletzt, nahm jedoch alsbald wieder den Dienst auf. Keine Schutzsperre und keine psychologische Betreuung. Wieder ein Polizeieinsatz und mit mehr Glück als Verstand kam Commissaire Chevalier, der harte Hund, mit dem Leben davon. Zweifelsohne waren die zugehörigen Sequenzen sehr spannend, aber realistische Polizeiarbeit sieht anders aus. Übrigens wurde der Fall nach einem weiteren Twist vollständig und nachvollziehbar aufgelöst, aber das habe ich nur am Rande wahrgenommen.


    Fazit:

    Ein Kriminalroman mit allen Zutaten, die eine gute Geschichte auszeichnen. Dann geht aber die „Bodenhaftung“ verloren und grundlegende Polizeiarbeit wird ignoriert, als ob sich die Figuren in einem Freiraum bewegen. So kann ich den Titel nur noch mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten) bewerten und nehme von einer Leseempfehlung Abstand.


    ASIN/ISBN: B0C37FRCHX

    Überraschend komplex


    Buchmeinung zu Nina Ohlandt – »Keine Seele weint um mich«


    »Keine Seele weint um mich« ist ein Kriminalroman von Nina Ohlandt, der 2017 bei beTHRILLED erschienen ist. Dies ist der zweite Teil der Jahreszeitenreihe.


    Zum Autor:

    Nina Ohlandt wurde 1952 in Wuppertal geboren, wuchs in Karlsruhe auf und machte in Paris eine Ausbildung zur Sprachlehrerin, daneben schrieb sie ihr erstes Kinderbuch. Später arbeitete sie als Übersetzerin, Sprachlehrerin und Marktforscherin, bis sie zu ihrer wahren Berufung zurückfand: dem Krimischreiben im Land zwischen den Meeren, dem Land ihrer Vorfahren. Nina Ohlandt verstarb im Dezember 2020.

    Zum Inhalt:

    Karfreitag wird an der Flensburger Förde eine Tote im Kostüm einer Meerjungfrau gefunden: Julia Rixen aus Sylt. Kommissar John Benthien und sein Team nehmen die Ermittlungen auf.


    Meine Meinung:

    Auch bei diesem Kurzkrimi war ich über die komplexe Handlung erstaunt, obwohl dieser Titel gerade einmal 150 Seiten umfasst. John Benthien und sein Team wirken kompetent und sympathisch, während man dies vom Opfer nicht sagen kann. Je länger die Polizisten ermitteln, desto mehr werden unschöne Eigenschaften des Opfers aufgedeckt und desto größer wird die Liste der Verdächtigen. Die Ermittlungen schreiten voran und es bleibt spannend. Es bleibt Raum für Nebenhandlungen und für eine atmosphärische Beschreibung Sylts. Die Sprache ist auf den Punkt gesetzt und wahrt das Gleichgewicht zwischen Haupt- und Nebenhandlung. Auf härtere Passagen folgen humorvolle Sequenzen, die das Grauen erträglicher machen. Gegen Ende steigt die Spannung noch einmal zu einem kleinen, aber feinen Showdown. Die Auflösung ist vollständig und überzeugend.


    Fazit:

    Ein Kurzkrimi, der mich mit Handlung und Figuren überzeugt hat. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B06WWCVQRV

    Mir hat der Einstieg in das Buch gut gefallen, weil das Ambiente und die Figuren realistisch wirken. Ich habe das Gefühl vor Ort zu sein und die Atmosphäre der Zeit einzuatmen. Dazu die Häppchen Berliner Besonderheiten und das nicht immer einfache Familienleben. Mit §175 und Erikas Weg als Heimkind bleiben ernste Themen im Fokus. Das Opfer ist noch nicht greifbar, scheint aber ein Mann mit Prinzipien gewesen zu sein. Haushälterin und Assistentin des Arztes wirken beruflich kompetent, sagen aber auch, den privaten Menschen nicht zu kennen. Schon ein erstaunlicher Gegensatz.

    Gelungene Mischung aus Krimi und Comedy


    Buchmeinung zu Robin Fuchs – »Tot im Eis«


    »Tot im Eis« ist ein Kriminalroman von Robin Fuchs, der 2024 im dp Verlag erschienen ist. Es ist der sechste Band der Serie um Maike Pech und Zoe Iyeke Schwäfel, die zuerst als Hörbuch im Rahmen der Audible Originals erschienen ist.


    Zum Autor:

    Robin Fuchs ist das Pseudonym des Autorengespanns Christian Handel, Jana Ronte, Nica Stevens und Andreas Suchanek.


    Zum Inhalt:

    Kommissarin Maike Pech bekommt es diesmal mit einer toten Influencerin und ihrem Umfeld zu tun. Eine schockgefrostete Leiche und der anstehende Vierzigste bringen Maike an ihre Grenzen.


    Meine Meinung:

    Dies ist bereits der dritte Titel der Serie für mich. Natürlich wirkt der Humor an einigen Stellen aufgesetzt und die Autoren bedienen sich wieder reichlich aus der Klischeekiste. Gerade der vierzigste Geburtstag lässt Maike das Ende eines normalen Lebens befürchten. Mit der Fokussierung auf die Ermittlungen im Mordfall zieht das Tempo und die Spannung deutlich an. Auch waren mir die Ermittlerfiguren trotz einiger Überzeichnungen durchaus sympathisch und ich fieberte gerade mit Maike Pech mit. Der Fall war beileibe nicht trivial und eine scheinbar unwichtige Beobachtung bringt die Ermittler in die Spur. Es gibt wieder einen besonderen Showdown, der mir sehr gut gefallen hat. Meist folgt der Leser der Kommissarin Maike Pech, deren Gefühlswelt sehr gut zum Tragen kommt. Zoe Iyeke Schwäfel rückt diesmal etwas mehr in den Hintergrund, bleibt aber Maikes erste Ansprechpartnerin in nahezu allen Fragen. Die Figuren sind fast alle nur skizziert, was sicherlich auch an der Kürze des Buches liegt. Insgesamt habe ich mich wieder sehr gut unterhalten gefühlt.


    Fazit:

    Dieser Titel passt sehr gut zu seinen Vorgängern und hat meine Erwartungen voll und ganz erfüllt. Sicherlich ist der Titel nicht sonderlich tiefgreifend, aber er ist auch ein passabler Krimi mit hohem Unterhaltungswert. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B0CQ4WZ4D6

    Unterhaltsamer Wohlfühlkrimi


    Buchmeinung zu Sonja Zimmer – Klaus muss wech


    Klaus muss wech ist ein Kriminalroman von Sonja Zimmer, der 2024 im dp Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Sonja Zimmer, Jahrgang 1973, ist im ostfriesischen Leer geboren und lebt noch heute dort. Schon als Kind hatte sie zwei heimliche Lieben - spannende Abenteuergeschichten lesen und schreiben - und die Evenburg, damals noch nicht öffentlich zugängig.


    Zum Inhalt:

    Die erste Begegnung der bayrischen Touristin Veronika und des ostfriesischen Seebärs Fiete brachte Veronika einen langen Fußmarsch ein, bei dem sie Zeugin einer seltsamen Begebenheit wurde. Veronika und Fiete raufen sich zusammen und ermitteln gemeinsam, denn die Polizei hält Veronikas Zeugenaussage für unglaubwürdig.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist voller Klischees und doch ist es eine unterhaltsame Geschichte geworden. Veronika will sich die Originalschauplätze einer Fernsehserie anschauen und gerät an den Seebär Fiete. Sie sind sich auf Anhieb unsympathisch und Fiete schickt Veronika aufs platte Land, wo sie ausgelaugt einen Leichentransport beobachtet. Sie meldet dies der Polizist, doch der Kommissar, Fietes Sohn, glaubt ihr nicht. Ausgerechnet Fiete, der Veronika auf den zweiten Blick doch nicht so unsympathisch ist, hilft ihr. Gemeinsam ermitteln sie und kommen sich auf Fietes Kleinmotorrad näher. Die Figuren sind durch die Bank nicht sonderlich tief gezeichnet und wirken meist sympathisch, trotz oder dank ihrer sonderlichen Verhaltensweisen. Der Fall hat durchaus Überraschungen zu bieten und ist mit Humor geschrieben. Friesische Atmosphäre und teils slapstickhafte Szenen sorgen für angenehme Unterhaltung, die ein Wohlgefühl beim Leser aufkommen lässt. Trotz der ein oder anderen Ungereimtheit habe ich mit dem ungleichen Ermittlerpaar mitgefiebert und die überraschende, aber nachvollziehbare Auflösung erlebt.


    Fazit:

    Ein überraschend interessanter Wohlfühlkrimi, der mit Vorurteilen und Klischees spielt und mich gut unterhalten hat. Deshalb bewerte ich den Titel mit knappen vier von fünf Sternen (70 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B0CQT1S47L

    Ein Actionthriller mit einigen überraschenden Zutaten


    Buchmeinung zu David Gordon »Finsterer Pakt«


    »Finsterer Pakt« ist ein Kriminalroman von David Gordon, der 2024 im dp Verlag in der Übersetzung von Tobias Eckerlein erschienen ist. Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des 2019 erschienenen Titels »Blutige Rache«. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet »The Bouncer« und ist 2018 erschienen.

    Zum Autor:

    David Gordon hat einen Abschluss in englischer und vergleichender Literaturwissenschaft und kreativem Schreiben von der Columbia University. Damit war er unter anderem in den Bereichen Film, Mode, Verlagswesen und Pornografie tätig.

    Zum Inhalt:

    Joe Brody ist ein durchschnittlicher, Dostojewski lesender, aus Harvard geflohener Stripclub-Türsteher, der eine streng geheime militärische Vergangenheit hat und dessen bester Freund zufällig der Mafiaboss Gio Caprisi ist.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich zu Beginn in einigen Teilen überrascht. Es ist einerseits – wie erwartet – ein Actionthriller und andererseits hat es genreuntypisch viele Nebenhandlungen. Joe Brody war beim Militär in einer Sondereinheit und leidet an psychischen Störungen, die er mit Drogen bekämpft. Meist wirkt er freundlich und sucht Konflikte friedlich zu lösen, aber er kann auch anders. Er ist seit Jugendtagen mit Gio, einem der New Yorker Mafiabosse, befreundet und arbeitet für ihn. Joe wird nicht wirklich tief charakterisiert und seine Kampfeigenschaften sind wesentlich für den Roman. Joe steht aber bei all den Bösewichten auf der guten Seite, wenigstens meist. Aber auch sein Freund Gio überrascht als treusorgenden Ehemann und Vater mit einem pikantem Geheimnis. Dann ist da noch Donna Zamora, die FBI-Agentin, die Joe einerseits verhaften möchte, sich aber auch von ihm angezogen fühlt. Auch Joe hat Gefühle für Donna. Manchmal spielt der Autor mit typischen Zutaten, wenn zum Beispiel Gio von seiner Frau verfolgt wird und Donna, die dies bemerkt, von ihrem Exmann. Es gibt viel Personal, eine komplexe Haupthandlung und diverse Nebenhandlungen. Meist dienen diese auch der Beruhigung nach einer furiosen Actionszene. Neben extrem gewalttätigen Szenen gibt es gefühlsbetontes Familienleben, dem verräterischen Komplizen steht der unbedingte Zusammenhalt anderer Figuren gegenüber. All diese Gegensätze vereinigen sich auch in der Hauptfigur Joe Brody. Vielleicht sind es diese Gegensätze, die ihn sympathisch wirken lassen. Zudem gelingt es dem Autor, den Spannungsbogen auch in den ruhigen Abschnitten hoch zu halten.


    Fazit:

    Mich hat dieser Thriller mit all seinen Gegensätzen positiv überrascht und sehr gut unterhalten. Trotz manchmal heftiger Gewaltdarstellung vergebe ich deshalb vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten). Eine Leseempfehlung kann ich aber nur für Personen aussprechen, die mit der Gewaltdarstellung zurecht kommen.


    ASIN/ISBN: B0CPT83RDG

    Großartiger Plot mit seltsam leblosen Figuren


    Buchmeinung zu Alex Hay – »Mayfair House«


    »Mayfair House« ist ein Roman von Alex Hay, der 2024 im Insel Verlag in der Übersetzung von Regina Rawlinson erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet »The Housekeepers« und ist 2023 erschienen.


    Zum Autor:

    Alex Hay ist in Cambridge und Cardiff aufgewachsen, studierte Geschichte an der Universität von York und schrieb seine Dissertation über weibliche Macht an den königlichen Höfen. Er hat für britische Zeitschriften und im Wohltätigkeitssektor gearbeitet und lebt mit seinem Mann im Südosten Londons.

    Zum Inhalt:

    Während eines riesigen Kostümballs will Mrs. King mit ihren Komplizen die Villa ausrauben, in der gefeiert wird. Wird das kühne Unterfangen gelingen?


    Meine Meinung:

    In diesem Buch sind nahezu alle Zutaten für eine große Geschichte enthalten. Der Plot ist ausgeklügelt und lässt kaum Wünsche offen, viktorianisches Flair ist reichlich vorhanden und ein wenig Sozialkritik ist auch enthalten. Die Hauptfiguren sind fast durch die Bank starke Frauen, die wissen, was sie tun. Mrs. King ist ein Organisationsgenie und ihr Plan ist einfach großartig. Natürlich gibt es auch überraschende Störungen, aber die Damen haben alles im Griff. Die Geschichte wird chronologisch erzählt mit dem Showdown zum Tage des Raubs. Danach gibt es noch eine kurze Nachbetrachtung. Und doch fehlte mir eine wesentliche Zutat – die lebendigen Figuren. Meine Lieblingsfiguren waren die artistischen Zwillinge, mit den ich mitfiebern konnte. Fast alle anderen Figuren blieben mir fremd und wirkten auf mich eher leblos. Sie konnten mich nicht mitnehmen.


    Fazit:

    Ein großartiger Plot, aber fast alle Figuren blieben mir fremd. Deshalb bewerte ich den Titel mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: 3458644407

    Spannender und harter Thriller im Geheimdienstmilieu


    Buchmeinung zu Jens Henrik Jensen – »Oxen. Pilgrim«


    »Oxen. Pilgrim« ist ein Kriminalroman von Jens Henrik Jensen, der 2024 bei dtv in der Übersetzung von Friederike Buchinger und Ricarda Essrich erschienen ist. Der Titel der dänischen Originalausgabe lautet »Pilgrim« und ist 2023 erschienen. Dies ist der sechste Band der Reihe um den ehemaligen Elitesoldaten Niels Oxen.


    Zum Autor:

    Jens Henrik Jensen wurde 1963 in Søvind, Dänemark, geboren. Er hat 25 Jahre als Journalist gearbeitet und war in verschiedenen Funktionen, u. a. als Redakteur und Ressortleiter, für die Tageszeitung ›JydskeVestkysten‹ tätig. Seit 2015 widmet er sich ganz dem Schreiben von Büchern. Er lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in seiner Heimatstadt.


    Zum Inhalt:

    Einerseits sind Franck, Oxen und Finnsen immer noch auf der Suche nach den Veteranenmördern, werden aber immer wieder ausgebremst. Andererseits unterstützen Franck und Oxen ihren ehemaligen Chef Moosman bei der Vorbereitung und Durchführung einer Dokumentenübergabe, die den Nachweis für massiven Finanzbetrug prominenter und reicher Dänen liefern soll. Dies ist aber nur der Auftakt für die kommenden Ereignisse, in denen höhere Interessen eine wesentliche Rolle spielen.


    Meine Meinung:

    Die vier Hauptfiguren Niels Oxen, Margarethe Franck, Sally Finnsen und Axel Moosman stehen im Mittelpunkt dieses düsteren Thrillers aus dem Geheimdienstmilieu. Sie kennen sich schon lange und vertrauen einander blind, aber dieses Vertrauen bekommt Risse. Sally ist einfache Polizistin, während die übrigen drei Figuren sich in der Welt der Geheimdienste bewegt haben. Sie bekommen es mit mächtigen Gegnern zu tun, für die ein Menschenleben wenig zählt.

    Meist wird die Geschichte aus der Sicht einer der vier Hauptfiguren erzählt, aber auch andere Perspektiven kommen vor. Dadurch weiß der Leser in mancherlei Hinsicht mehr als die agierenden Figuren und zusätzlich wird die Sympathie für die unterlegene Seite gestärkt. Während Finnsen, Franck und Oxen in der Regel positiv gezeichnet sind, agiert Moosman mit einem deutlichen Grauschleier, weil auch er höhere Interessen im Auge hat. Ihre Gegenspieler agieren sehr professionell und mit viel Geschick. Wenn es möglich ist, bleiben sie im Hintergrund und versuchen möglichst wenig Aufsehen zu erzeugen. Sie sind in der Kunst der Manipulation Meister. Aber auch Oxen und seine Mitstreiter üben sich in der Kunst der Irreführung des Gegners.

    Die Sprache ist oft sehr nüchtern und entspricht der Zielorientierung der Figuren. Trotzdem ist die Spannung von Anfang an gegeben und steigert sich kontinuierlich. Actionelemente sind überraschend wenig vorhanden und der Autor spielt auch mit dem möglichen Eintreten der Action, die dann aber ausbleibt. Der Thrill und die Gänsehaut sind aber spürbar. Für mich ist Moosman der Held der Geschichte, der überlegt und gekonnt seine Interessen verfolgt. Einen düsteren Anstrich bekommt die Handlung durch die Gedanken an die Idee, dass der Zweck nahezu jedes Mittel rechtfertigt. Mir hat der Titel sehr gut gefallen, weil es immer wieder überraschende Wendungen gibt und ich nicht ahnte, in welche Richtung sich die Ereignisse entwickeln.


    Fazit:

    Ein spannender und harter Thriller im Geheimdienstmilieu, der mit einem komplexen Plot und der Figur Moosman und den kompetenten Gegenspielern punktet. Bei anderen Figuren ist in der Figurenzeichnung noch deutlich Luft nach oben. Deshalb bewerte ich den Titel mit sehr guten vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B0CC37ZQVY

    Konnte mich nur in Teilen überzeugen


    Buchmeinung zu T. H. Campbell – Der Ruf des Todesvogels


    Der Ruf des Todesvogels ist ein Kriminalroman von T. H. Campbell, der 2024 im Empire-Verlag erschienen ist. Dies ist der dritte Fall für Sara Rattlebag.


    Zum Autor:

    T. H. Campbell ist das Pseudonym der Autorin Heidi Troi. Als Heidi Troi schreibt sie Krimis, Kinderbücher und Wohlfühlromane, die hauptsächlich in Südtirol oder in den Alpen spielen. Für den ersten Krimi, in dem sie schreibend auf Reisen geht, hat sie das Pseudonym T.H. Campbell gewählt.

    Zum Inhalt:

    Sara Rattlebag ist Chronistin des Dörfchens Sidbury und begeisterte Hobby-Detektivin. Das nächtliche Rufen eines Uhus, der als Todesvogel gilt, beunruhigt Sara sehr. Dann legt ein Erdrutsch eine Leiche frei und der Dorfnarr Silly Old Joe verschwindet. Mit Hilfe ihres Archivs versucht Sara den alten Fall zu lösen und Licht in die aktuellen Geschehnisse zu bringen.


    Meine Meinung:

    Bei diesem Buch bin ich hin und her gerissen, denn die Idee mit Hilfe von Archiven Licht ins Dunkel zu bringen hat mir zugesagt. Leider hat mir die Hauptfigur weniger gefallen, denn sie verhält sich schon ziemlich exzentrisch und wirkt überzeichnet. Auch inhaltlich empfand ich das Buch als überladen. Schatzsuche, Entführung, Erbstreitigkeiten, ein Dorfnarr, der mit den Toten spricht, ein heimkehrender Amerikaner, viele Kinder ohne Väter sind nur einige der angesprochenen Themen. Natürlich gibt es auch ein oder zwei Liebesgeschichten und einen etwas dümmlichen Inspektor. Aber wenn Sara den Uhu im Baum verfolgt oder mit gebrochener Rippe die ausdauerndste Sucherin ist, dann ist es mir zu viel. Dabei ist der Schreibstil sehr angenehm und lädt zum Weiterlesen ein. Die Darstellung der anderen Mitglieder des Krimi-Clubs fand ich gelungen, andere Figuren waren mir zu heftig gezeichnet. Den Spannungsbogen empfand ich in Ordnung und auch die Auflösung war nachvollziehbar.


    Fazit:

    Dieser Titel konnte mich nur in Teilen überzeugen. Etliche Passagen empfand ich als überzeichnet und mit der Hauptfigur bin ich nicht warm geworden. Deshalb bewerte ich das Buch mit wohlwollenden drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten). Eine Leseempfehlung kann ich nicht aussprechen.


    ASIN/ISBN: B0CNQ6Z41R

    Nachgeschobener Serienauftakt, der alles hat, was einen guten Krimi auszeichnet


    Buchmeinung zu Angela Marsons – Die erste Tat


    Die erste Tat ist ein Kriminalroman von Angela Marsons, der 2024 bei Bookouture in der Übersetzung von Elvira Willems erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet First Blood und ist 2019 erschienen.


    Zum Autor:

    Angela Marsons, Jahrgang 1968, stammt aus dem Black Country, einer von Bergbau und Industrie geprägten Region Englands. Mit ihrer Partnerin lebt sie auch heute noch dort.


    Zum Inhalt:

    Die brutal zugerichtete Leiche eines jungen Mannes leitet den ersten Fall von DI Kim Stone in ihrem neuen Revier Halesowen in den Midlands ein. DI Stone muss sich mit ihrem frisch zusammengesetzten Team auseinandersetzen und es zum Laufen bringen.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich in vielerlei Hinsicht positiv überrascht. Die Handlung ist komplex und vielschichtig. Die Hauptfigur DI Kim Stone ist recht eigensinnig und im Umgang mit anderen Menschen teilweise mehr als ruppig. Auch ihre neuen Teammitglieder haben ihre Ecken und Kanten. Oft ist Stone mit dem erfahrenen Kollegen DS Bryant unterwegs, dessen ruhige Art ihr raues Verhalten oft abmildern muss. Weitere Teammitglieder sind DS Dawson und DC Wood, die frisch zur Kriminalpolizei versetzt wurde. DS Dawson ist ehrgeizig und sieht sich schon als DCI. Meist haben bisher andere sein Arbeit gemacht und er hat dies als eigene Leistung verkauft. Stone erkennt die Stärken und Schwächen der einzelnen Teammitglieder schnell und findet einen Weg, der effektive Zusammenarbeit ermöglicht.

    Die Erzählung erfolgt in vielen kurzen Kapiteln mit mannigfaltigen Perspektivwechseln, die für hohes Tempo sorgen. Die Autorin nimmt das Tempo aber immer mal wieder heraus, um den Hintergrund zu entwickeln. Die Sprache wirkt exakt und nüchtern, gerade wenn die Ermittlungsarbeiten recht ausführlich beschrieben werden. DI Kim Stone geht es nie schnell genug und sie erwartet auch von ihren Kollegen vollen Einsatz. Trotz dieses Drucks merkt der Leser wie das Team zusammen wächst. Häppchenweise werden Teile der Wahrheit enthüllt und doch bleibt es spannend. Überraschende Wendungen begleiten das Team und den Leser auf dem Weg zur Lösung. Am Ende steht ein genreüblicher Showdown, der die Spannung zum Sieden und die Akteure in Gefahr bringt. Die Auflösung ist vollständig und nachvollziehbar.


    Fazit:

    Hier kann ich nur meine Worte zum ersten Roman <Ihr stummer Schrei> wiederholen.

    Dieser Kriminalroman ist in vielerlei Hinsicht vielschichtig und überraschend. DI Kim Stone hat das Zeug zur Marke und Plot und Figurenzeichnung sind weit überdurchschnittlich. Es gibt noch etwas Verbesserungspotential in Sachen durchgängige Spannung, aber dennoch bewerte ich den Titel mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkte). Selbstverständlich spreche ich für die Freunde komplexer Kriminalfälle eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B0CP2RH3D8

    Super spannend, aber Krammer geht gar nicht


    Buchmeinung zu Anna Schneider – In den Tiefen der Schuld


    In den Tiefen der Schuld ist ein Kriminalroman von Anna Schneider, der 2024 bei Fischer erschienen ist. Dies ist der vierte Teil der Grenzfall Reihe.


    Zum Autor:

    Schon als Kind liebte Anna Schneider Geschichten und lauschte im Wirtshaus ihrer Großmutter den Erzählungen der Gäste. Für ihre Thriller lässt sie sich gern im Alltag inspirieren. So auch für die »Grenzfall«-Serie: Eine Zeitungsmeldung über einen vermissten Wanderer in Lenggries im Tölzer Land brachte sie auf die Idee.

    Anna Schneider lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.


    Zum Inhalt:

    Statt seiner Kollegin Roza Szabo findet Chefinspektor Bernhard Krammer in ihrer Wohnung eine männliche Leiche mit einer Tauchermaske. Eine Spur führt zum Walchensee in Bayern. Gemeinsam mit Oberkommissarin Alexa Jahn von der Inspektion Weilheim beginnt er zu ermitteln.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich in Teilen gefesselt, aber mit den beiden Ermittlern Krammer und Jahn hatte ich erhebliche Probleme. Seit kurzer Zeit wissen sie, dass sie Vater und Tochter sind, aber ihr Verhältnis ist ziemlich angespannt. Gemeinsam ist ihnen, dass ihr Auftreten oft verstörend wirkt und sie gegen Regeln verstoßen, wenn es ihnen opportun erscheint. Krammer ist meist als Einzelkämpfer unterwegs, während Alexa Jahn gemeinsam mit ihrem Kollegen Huber auf Spurensuche ist. Es gibt neben den Perspektiven der beiden Hauptfiguren einige Kapitel aus der Sicht einer jungen Frau, die als Rückblenden deren Lebensweg zeichnen. Der Schreibstil ist oft emotional und mitreißend und gewährt einen tiefen Blick in das Innere der Protagonisten. Der Spannungsaufbau ist gekonnt und die Stärken der Ermittler werden deutlich. Aber es gibt Stellen, an den sich insbesondere Krammer nicht wie ein erfahrener Kriminalist verhält. Wenn er ohne Not und ohne Schutzkleidung Fundorte durchsucht, Kollegen grundlos vor den Kopf stößt oder Dinge geheim halten will, die er melden müsste. Dieses Verhalten führt auch zu unglaubwürdigen Szenen, wenn er z. B. Szabos Wohnung untersuchen lässt, aber ihr Untertauchen verschweigt. Oberkommissarin Alexa Jahr ermittelt besonnener, was aber auch auf die Unterstützung durch ihren Kollegen Huber liegt, der zudem hervorragend vernetzt ist. Ein weiterer Minuspunkt ist die teils mangelhafte Kommunikation zwischen Jahn und Krammer auch in beruflichen Angelegenheiten. Trotzdem habe ich mit den Ermittlern mitgefiebert und mitgelitten. Am Ende steht ein Showdown, der einem Spionagethriller zur Ehre reichen würde. Er ist allerdings völlig unglaubwürdig.

    Der Fall ist komplex und sauber konstruiert und weist einen soliden Spannungsbogen auf. Die Auflösung ist nachvollziehbar und vollständig. Das große Manko ist aber, dass vor allem Krammer mit seinem Verhalten nichts im Polizeidienst zu suchen hat.


    Fazit:

    Die Konstruktion des Falles und der Schreibstil haben mich überzeugt, aber die Ermittlerfigur Krammer geht gar nicht. Deshalb vergebe ich nur zwei der durchaus möglichen fünf Sterne (50 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B0BMF35XV9

    Eine herzerwärmende Geschichte um Freundschaft und alte Geheimnisse


    Buchmeinung zu Judith Pinnow – Der Schacherzähler


    Der Schacherzähler ist ein Roman von Judith Pinnow, der 2023 bei List Hardcover erschienen ist. Es ist von Vivien Thiessen illustriert worden.


    Zum Autor:

    Judith Pinnow, geboren 1973 in Tübingen, besuchte die Schauspielschule in Ulm und studierte am Lee Strasberg Theatre Institute in New York. Als Schauspielerin war sie in Fernsehserien und in Filmen zu sehen. Bekannt wurde sie als Fernsehmoderatorin. Mit ihrem Ehemann und Kollegen Stefan Pinnow und ihren drei Kindern lebt die Autorin in der Nähe von Köln. Bei FISCHER erschienen ihre Romane ›Läuft da was?‹ und ›Versprich mir, dass es großartig wird‹.


    Zum Inhalt:

    Der neunjährige Janne ist zumindest nach Meinung seiner Lehrerin ein Problemkind. Janne lernt im Park einen knurrigen alten Mann kennen, der sich als Oldman vorstellt und Janne das Schachspielen beibringt. Trotz aller Unterschiede mögen sie sich und auch Jannes alleinerziehende Mutter bemerkt den positiven Einfluss. Doch das Leben ist kein eitel Sonnenschein und Probleme wollen angegangen werden.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist ein Herz erwärmender Beziehungsroman mit Figuren, die nicht alle auf den ersten Blick sympathisch sind. Malu, alleinerziehende Mutter vom neunjährigen Janne, hat Stress, denn das Cafe von Hinnerk, in dem sie arbeitet, steht vor der Pleite und Jannes Lehrerin beschwert sich ständig über sein Verhalten in der Schule. Auch seine Annäherung an den knurrigen alten Mann, der Janne das Schachspielen beibringt, bereitet ihr Sorgen. Aber sie bemerkt seine Begeisterung und lässt die beiden gewähren.

    Aus wechselnden Perspektiven werden Episoden aus dem Umfeld der kleinen Familie geschildert und man fiebert mit und hofft auf eine positive Entwicklung. Bei Malu gefällt mit ihre positive Grundhaltung und der Versuch, Probleme und Schwierigkeiten aktiv anzugehen. Erstaunt habe ich die dunklen Geheimnisse einiger Figuren betrachtet und die Folgen für ihr Umfeld kennengelernt. Vieles ist verschwiegen worden und kommt nun ans Tageslicht. Die Ereignisse werden zu einer herzerwärmenden Geschichte entwickelt, die eine positive Stimmung ausstrahlt. Manchmal gibt es Überraschungen und Umwege, aber der Grundtenor bleibt. Das Happy-End ist der folgerichtige Abschluss der Geschichte. Die eingebundenen Illustrationen von Vivien Thiessen unterstützen diesen Eindruck. Der Schreibstil der Autorin ist oft gefühlsbetont, obwohl er meist ruhig wirkt. Ich habe mit dem Buch einige angenehme Stunden verbracht und mich sehr gut unterhalten.


    Fazit:

    Ein gefühlsbetonter Roman, der mit einer interessanten Handlung und einer positiven Grundhaltung daher kommt. Mir hat es sehr gut gefallen und deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten). Von mir gibt es eine Leseempfehlung für den herzerwärmenden Roman.


    ASIN/ISBN: 347136059X