Beiträge von wampy

    Das Münsterländer Platt ist schon was ganz Eigenes! Ich verstehe es, aber kann es selbst nicht sprechen, ohne dass es irgendwie falsch klingt. Als ich in der Grundschule war, hatte ich Mitschüler, die tatsächlich nur Platt sprachen und für die Hochdeutsch die erste Fremdsprache war. Heute sieht es ganz anders aus, das Münsterländer Platt stirbt ganz allmählich aus ...

    Das sagt man auch über das niederrheinische Platt, das es so eigentlich gar nicht gibt. Ein paar Kilometer weiter gibt es schon Varianten - oder man ist in den Niederlanden. Als ich in die Volksschule Kam, habe ich auch nur Platt wie meine Familie gesprochen. Dann ist ein Lehrer zu uns gekommen und hat meine Eltern und Großeltern gebeten, doch nur noch wegen des Jungen hochdeutsch zu sprechen. Und sie haben es versucht. Heute verstehe ich Platt noch so halbwegs, aber sprechen geht gar nicht.

    Mir hat dieser Abschnitt sehr gut gefallen, auch weil Richard mal wieder seine dunkle Seite geteigt hat. Auch wird deutlich, dass das Leben für die Kreuzritter und ihre Gegner alles andere als angenehm war. Saladin und Richard scheinen verwandte Seelen zu sein, zumindest achten sie einander. Faszinierend ist dieser Gegensatz zwischen unglaublicher Grausamkeit und skrupelloser Kriegsführung und der Behandlung, die Parlamentären gewährt wird. Die Geschichte mit den Assaninnen ist erschreckend und ich kann gut verstehen, dass man sie in Ruhe gelassen hat. Ninjas sind wohl auch eine Abwandlung dieser übernatürlich wirkenden Krieger.

    Die verschiedenen Religionsvarianten bei den Muslimen kann man wahrscheinlich mit den verschiedenen Ritterorden vergleichen. Es geht und eine Kennzeichnung, um sich vom Rest abzugrenzen und dann natürlich um die Macht.

    Gut kommt auch herüber, dass Saladin und Richard mit ähnlichen Problemen abseits des Kreuzzuges zu kämpfen hatten. Es gibt halt viele, die Chef sein möchten.

    Philipp von Frankreich agiert auch unglücklich, aber er nutzt die Gelegenheit sich abzusetzen und er wird wohl die Verhältnisse in Westeuropa in seinem Sinne regeln. Das durch Richard erzwungene Versprechen ist für mich eher eine Geste eines verzweifelten Richards. Ich glaube auch nicht, dass es politisch klug war. Aber Richard tritt den französischen König ja dauernd auf die Füße und erzwingt fast seine Feindschaft.

    Das Verhältnis zwischen Richard und Robin hält auch Belastungen aus. Es ist eine echte Männerfreundschaft. Bei Robin habe ich leise Zweifel, dass er wirklich so eine Lichtgestalt war, denn so gut kann doch kein Mann sein. Sein PR-Manager hat unglaublich gute Arbeit geleistet.

    In einem der vorherigen Kapitel habe ich geschrieben, dass Richard recht moderne Ansichten vertritt, aber hier agiert ein anderer Richard, der den Namen Löwenherz nur bedingt, wenn überhaupt, verdient. Manchmal erscheint mir Richard der Esel oder Richard der Tollwütige wäre angebrachter. Tausende umzubringen, um sein Gesicht zu waren - das dürfte selbst seinem Bruder nicht einfallen.

    Nun bin ich durch und mir tut Bertram ein kleines bisschen leid, aber er kann kaum nein zu einer Frau sagen. Nun auch noch die Frau, die für seine Versetzung in die Provinz verantwortlich ist, auch wenn ich noch keinen Zusammenhang mit dem Fall sehe. Gelungen die etwas skurrile Anwesenheit Tenbrinks in der Pflegeeinrichtung. Er erhält wieder ein paar Informationen aus erster Hand und der Austausch über die gegenseitigen Gebrechen ist einfach köstlich. Es kommen weitere Personen und mögliche Motive zu Tage und doch habe ich keine Ahnung, in welche Richtung es gehen wird. Birgt eines der Bücher das wesentliche Geheimnis? Dazu Bertrams Probleme mit seiner Staatsanwältin und Tenbrinks Ersatz. Mal schauen, wie er sich daraus entwindet.

    Was für ein Schicksal..ich finde sie ist eine tolle Frau...

    Kinder wurden damals oft außer Haus erzogen beziehungsweise früh von den Eltern getrennt. So begann ja auch die Geschichte um Robins Großvater.

    Eleonore hat ja auch kräftig gelitten, aber manchmal frage ich mich, warum viele furchteinflößende Machtkämpfer fast nur die männlichen Gegner umgebracht haben. Ob es familiäre Gründe hatte? Viele waren irgendwie ja verwandt.

    Es stimmt sicher, dass die beiden keine Konkurrenten sind und deshalb so gut miteinander auskommen.


    Ich möchte allerdings bei deiner Bemerkung einhaken, dass Bertram nicht als Besserwisser oder Klugscheißer erscheint. Für mich ist das eine erschreckende Zeiterscheinung, dass gebildete Menschen ihre Bildung besser verbergen sollten, um sozial anerkannt zu werden. Ich erinnere mich mit Abscheu an meine Schulzeit, als ich absichtlich Fehler in meine Arbeiten einbaute, damit mich die anderen mochten...

    Warum sind dumme Menschen beliebter als gescheite? Fürchtet man sich vor Intelligenz? Sie ist nicht ansteckend, leider.

    So richtig kann ich die Nachgiebigkeit der Intelligenten und Gebildeten auch nicht verstehen. Aber es ist wieder dieser Zwiespalt zwischen dem Wunsch, die Schwachen zu unterstützen und nicht zu verlieren, und der Notwendigkeit, auch die Starken zu fordern. Vor einer guten Woche gab es dazu einen Brandkommentar vom Wetterfrosch Kachelmann zu den poorly educated Menschen. War natürlich maßlos übertrieben, aber manchmal macht mir der Erfolg primitiver Parolen schon Angst. Aber wer liest schon lange Artikel und ein komplexes Thema in 30 Sekunden zu beschreiben funktioniert nun mal nicht.

    Bin gut reingekommen, aber noch nicht durch. Der Urlaub in der Feriensiedlung kann Daniel nicht gefallen haben, aber seine Pläne mit dem betrunkenen und wehrlosen Mädchen sind echt schlimm. Hat der Mord etwas mit dieser Vorgeschichte zu tun? Eigentlich ist es nur der Name Johnny, der eine mögliche Verbindung darstellt.

    Bertram und Tenbrink gefallen mir wieder gut. Sehr schön der Satz über die Männerstille. Bei Tenbrink ist es auch kein Tumor, aber eine Lösung gegen die Aussetzer gibt es noch nicht.

    Die Freundschaft zwischen Robin und Richard entwickelt sich weiter und dann ist Robin mir nichts dir nichts zum Ritter geschlagen worden. Bei Richard habe ich manchmal den Eindruck zwei Persönlichkeiten zu sehen. Einerseits agiert er als recht modern denkender Mensch, dann wieder kehrt er den tradionellen Herrscher heraus. Richards Verhalten beim Raub des Falken ist natürlich unter aller Sau, aber er zeigt sich auch sehr hartnäckig. Manchmal zeigt sich auch, dass Richard ein richtiger Bildungsbürger ist, wissbegierig, an vielen Dingen interessiert, achtet das Wissen anderer Menschen und lernt auch noch zu schwimmen. Andererseits stößt er Philipp, wie auch umgekehrt, immer wieder vor den Kopf. Vielleicht ist die spanische Prinzessin eine Liebesheirat, aber für Philipp ist es eine ernste Bedrohung. Da kann ich den Mordanschlag beim Turnier schon nachvollziehen. Für mich war die schönste Szene die, in der vom erfolgreichen und friedvollen Zusammenleben der verschiedenen Religionen auf Sizilien berichtet wird. Es geht also doch.

    Und so ganz nebenbei erfährt man eine Menge über die Machtverhältnisse und Verbindungen der Beteiligten in Italien und auf Sizilien. Das Buch liest sich sehr angenehm und die Mischung zwischen ruhigen und weniger ruhigen Episoden stimmt einfach.

    Welch eine Machtdemonstration dieser Aufmarsch der Geächteten darstellt! Dann die Herausforderung von Guisbourne, die ihm ein weiteres Körperteil kostet. Da war es Guisbourne, der mit Herz kämpfte, während Robin ihn ganz kühl ausguckte. An Selbstbewusstsein hat es Robin sicher nicht gemangelt. Er ist wie Richard sehr von sich überzeugt und glaubt, dass ihm nichts passieren kann.

    Johns Annäherungsversuche sind widerlich und es überrascht mich, dass er dafür nicht härter bestraft wird. Marian ist ja nicht die erste Frau, der er sich so unverschämt nähert. Auch bin ich mir nicht sicher, ob es von Marian klug war, den Vorfall zu verheimlichen. John wird sicher auf Rache aus sein, insbesondere wenn Robin und die Merry Men außer Landes sind.

    Obwohl Richard sehr temperamentvoll ist und seine Wutausbrüche sehr heftig ausfallen, so handelt er doch überlegt und vernünftig. Seine Wert- und Moralvorstellungen sind seiner Zeit voraus.

    Der Judenprogrom an Richards Hochzeitstag ist schrecklich, aber das Richard davon nichts mitbekommen hat, finde ich zumindest seltsam. Erstaunlich schon Eleonores Frage an Robin und Marian. Anscheinend sind Vorbehalte gegen Juden weit verbreitet gewesen. Es ist immer wieder erschreckend mit welchem Unsinn man Menschen zu Gewalttaten gegen Minderheiten verleiten kann.

    Ins Grübeln bringt mich, dass die Merry Men quasi geschlossen am Kreuzzug teilnehmen wollen. Wer schützt dann die Zurückgebliebenen?

    Wieder bin ich von Anfang an drin. Köstlich die Szene, in der Robin Richard den Hintern versohlt.

    Für Richard ist die Stellung Robins als Wegelagerer natürlich ein Problem, aber im Sinne der Geschichte um Robin Hood konnte es nur so gelöst werden. Nachdenklich stimmt mich, dass die Rolle des Sheriffs trotz der Vergehen für Richard erstmal wichtiger scheint als die berechtigten Vorwürfe der Einwohner. Heutzutage wäre so ein Widerständler wie Robin Hood natürlich auch erstmal ein Verbrecher, wenn nicht gar ein Terrorist.

    Erstaunlich auch der Hinweis auf die dauernde Abwesenheit der Herrscher Englands. Ist ja klar, dass das zu Problemen führt. Auch die Herrscher scheinen das zu wissen, machen dann aber doch lieber in Eroberung, bringt ja auch mehr Ruhm ein. Wir kennen ja auch eher die Herrscher, die Kriege gewonnen haben, als jene, unter denen eine stabile Friedensphase geherrscht hat.

    Buchmeinung zu Remy Eyssen – Das Grab unter Zedern

    „Das Grab unter Zedern“ ist ein Kriminalroman von Remy Eyssen, der 2018 bei Ullstein erschienen ist. Dies ist der vierte Fall für den deutschen Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter, der nun in der Provence arbeitet und im kleinen Städtchen Le Lavandou wohnt.

    Zum Autor:

    Remy Eyssen (Jahrgang 1955), geboren in Frankfurt am Main, arbeitete zunächst als Redakteur bei der Münchner Abendzeitung, später als freier Autor für Tageszeitungen und Magazine. Anfang der 90er Jahre entstanden die ersten Drehbücher. Bis heute folgten zahlreiche TV-Serien und Filme für alle großen deutschen Fernsehsender im Genre Krimi und Thriller.

    Klappentext:

    Zu Beginn der Sommersaison wird ein vermeintlicher Kindermörder aus dem Gefängnis entlassen. Das Berufungsgericht in Toulon hat ihn aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Ganz Le Lavandou steht Kopf. In dieser aufgeladenen Atmosphäre wird ein Toter am Strand gefunden. Der Mörder scheint klar zu sein, aber Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter glaubt nicht an die einfache Variante. Seine Nachforschungen führen ihn auf die idyllische Insel Porquerolles. Tiefer und tiefer gräbt er sich in die Geschichte der Inselbewohner, aber seine Nachforschungen gefallen nicht allen. Denn alles deutet daraufhin, dass der Täter von damals dabei ist, weitere Verbrechen zu begehen. Doch niemand will ihm glauben...

    Meine Meinung:

    Bei fast jedem der meist kurzenKapitel wechselt die Erzählperspektive. Die meisten Figuren sind knapp und ein wenig stereotyp gezeichnet. Einzig die Hauptfiguren Leon Ritter, Isabelle Morell und ihre pubertierende Tochter Lilou sind intensiver gezeichnet, aber auch hier gibt es wenig Ecken und Kanten. Neu in der Serie ist ein zweiter Gerichtsmediziner, Dr. Bodin. Auch er ist recht stereotyp negativ gezeichnet.
    Die Handlung wird durch die vielen Perspektivwechsel vorangetrieben und es gibt auch unterschiedliche Sichten auf die Geschehnisse. Ein gewisser Running Gag ist diesmal das Auffinder mehrerer vermutlicher Unfallopfer oder Selbstmörder, die Leon Ritter dann aber zweifelhaft erscheinen und von ihm als Mordfälle eingeordnet werden. Die Szenen, die aus der Sicht des Täters und des Opfers beschrieben werden, erzeugen eine dunkle Grundstimmung. Aber der Täter glaubt, dass er etwas Gutes tut und ist von seiner Mission überzeugt.
    Leon ist in Le Lavandou heimisch geworden und verfügt über einen großen Bekanntenkreis, aus dem er immer wieder Informationen erhält. Gerade seine Boule-Freunde sind reine Wissensträger. Nach spannenden Episoden folgen immer wieder ruhigere Abschnitte, die durch Atmosphäre und mediterranes Flair überzeugen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Wie in den Vorgängern kommt es auch immer wieder zu Spannungen im Polizeiteam und der ein oder andere Mitarbeiter hat mit Vorurteilen zu kämpfen, sei es als Opfer oder auch als Täter.
    Beeindruckend ist Leons Art, sich seinen Patienten zu nähern. Er ist ein sehr guter Wissenschaftler, aber er vertraut seinem Bauchgefühl. So fallen ihm viele Kleinigkeiten auf, die auf den ersten Blick belanglos aussehen.
    Es gibt einige Kritikpunkte, aber die Mischung gefällt mir diesmal besser als im Vorgängerband, vielleicht auch weil es wieder etwas positiver und heller erscheint. Leon und Isabelle arbeiten wieder ganz gut zusammen und gehen andere Wege als der Rest der Beamten. Für die Entwicklung der Figur Leon Ritter ist bezeichnend, wie gut er sich mit seinem Assistenten in der Gerichtsmedizin versteht. Auch andere kleine Figuren machen Spass, sei es der Inseldoktor, die Wahrsagerin, der Ex-Legionär und so weiter. Man spürt hier die Liebe des Autors zu der Region und den Menschen, die dort wohnen und arbeiten.
    Ein bisschen unglücklich war der Schluss nach dem Schluss, den es für mich nicht gebraucht hätte.

    Fazit:

    Es ist wieder die Mischung aus Kriminalfall, südländischer Atmosphäre und liebevoller Figurenzeichnung, die mir an dieser Serie gefällt. Dieser Band wirkt wieder etwas heller wie der Vorgänger und das tut dem Buch gut. Gerne vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Buchmeinung zu Charlotte Roth – Wenn wir wieder leben

    „Wenn wir wieder leben“ ist ein historischer Roman von Charlotte Roth, der 2018 bei Knaur TB erschienen ist.

    Zum Autor:

    Charlotte Roth, Jahrgang 1965, ist Berlinerin, Literaturwissenschaftlerin und seit zehn Jahren freiberuflich als Autorin tätig. Mit ihrem Roman "Als wir unsterblich waren", der auf einem Stück ihrer eigenen Familiengeschichte basiert, erfüllte sie sich einen langgehegten Traum, und der Roman wurde zum Bestseller. Charlotte Roth hat Globetrotter-Blut und zieht mit Mann und Kindern durch Europa, hält an ihrem Koffer in Berlin aber unverbrüchlich fest.

    Klappentext:

    Das vornehme Ostseebad Zoppot bei Danzig in den 1920er Jahren. Hier herrschen überschäumende Lebenslust und unbeschwerte Sommerfrische.

    Die vier Freunde Lore, Gundi, Julius und Erik erfreuen die Kurgäste mit flotten Rhythmen und eingängigen Melodien und träumen vom Durchbruch als Musiker.

    Bald ist ihnen tatsächlich Erfolg beschieden, auf dem Luxusschiff Wilhelm Gustloff befahren sie die Meere – und ignorieren, dass sich die Zeiten schon lange geändert haben. Gundi verliebt sich in den Sänger Tadek, aber dann überfällt Hitler Polen, und Tadek schließt sich dem Widerstand gegen die Nazi-Besatzer an: Das Ende einer großen Liebe?

    Meine Meinung:

    Es sind die weiblichen Hauptfiguren, mit denen ich bei Charlotte Roth Probleme haben. Sowohl Gundi wie auch Wanda verhalten sich nach meiner Einschätzung nicht nachvollziehbar. Als Gundi sich in Tadek verliebt, benimmt sie sich wie ein pubertierendes Mädchen. Alles andere, sogar ihr Kind, ist ihr egal, hauptsache sie ist mit Tadek unterwegs. Bei Wanda ist es die starre Haltung ihrer Mutter gegenüber. Sie besteht auf einer Auskunft, was vor und während des Krieges geschehen ist. Dabei ist sie extrem starrsinnig und nach dem Selbstmord macht sie sich auf Spurensuche in Polen.

    Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen, die auch unterschiedliche Sichten auf ein und dasselbe Ereignis ermöglichen. Die vier Piroggen sind eine mäßig erfolgreiche Musikgruppe, die seit ihrer frühen Jugend Freunde sind. Dann haben sie großen Erfolg mit einem Lied, das Gundi bei ihrer polnischen Freundin Rosi kennenlernt. Unauffällig wächst der Einfluss der Nationalsozialisten in Danzig und Zoppot und auch das Verhältnis zwischen Polen und Deutschen geht den Bach runter. Ironischerweise ermöglicht es aber ausgerechnet der Nazi und Gauleiter Forster, dass Gundi ihre polnischen Bekannten verstecken kann. Sympathisch sind vor allen POP und Gundis Tante, für die nur der Mensch und nichts anderes zählt. Gundi agiert in manchen Dingen sehr rücksichtslos, bedauert dies dann aber meist wieder. Allein ihr Verhältnis zu ihrem Mann Julius ist deprimierend. Aber dann gibt es eine Aktion, die sie in einem anderen Licht erscheinen lässt.

    In der zweiten Zeitebene ist Wanda unterwegs. Dort wird es erst interessant, als sie in Polen unterwegs ist. Ihr Freund Andras sagt einmal, dass es die Opfer sind, die die Erinnerung nicht aushalten. Diese Erfahrung führt zu einer abweisenden, wenn nicht gar feindlichen Haltung Wanda gegenüber. Wanda will aber trotzdem die Wahrheit wissen, muss aber erkennen, dass dies eine sehr schmerzhafte Erfahrung sein kann.

    Sehr gelungen fand ich die Beschreibung des aufkommenden Nationalismus und der Besonderheiten, die mit dem politischen Status Danzigs verbunden waren. Man versteht die Vorbehalte, die Polen damals und zum Teil heute noch gegen Deutsche haben, weil ihnen unsägliches Leid zugefügt wurde. Gut gefallen haben mir auch die meisten der Charaktere, auch wenn ich Gundi, Wanda und auch Tadek für überzeichnet halte.

    Fazit:

    Dieses Buch ist keine leichte Kost und die Autorin macht es ihren Figuren nicht leicht. Anschaulich wird der zunehmende Einfluss der Nazis in Danzig beschrieben und wie sie das Verhalten großer Teile der deutschen Bevölkerung verändert haben. Auch die Szenen im Nachkriegspolen waren überzeugend. Allein die Hauptfiguren haben mir nicht zugesagt. So vergebe ich knappe vier von fünf Sternen (75 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

    Buchmeinung zu Lyl Boyd – Dysbalance


    „Dysbalance“ ist eine Kurzgeschichte von Lyl Boyd, die 2018 bei Books on Demand erschienen ist.

    Zum Autor:

    Lyl Boyd ist ein Autor mit deutschen Wurzeln, aufgewachsen im digitalen Zeitalter mit Einsen und Nullen. Bereits früh sträubte er sich gegen schwarz-weißes Denken und interessierte sich mehr für die Grauzone dazwischen. Er fand seine Erfüllung schließlich im geschriebenen Wort. Seither ist das Geschichtenerzählen seine kreative Passion.


    Klappentext:

    Adrian möchte seinen Topathleten unbedingt auf dem Siegertreppchen sehen. Herkömmliche Dopingmethoden schließt er aus, doch für innovative Ansätze lässt er sich begeistern ...

    Wo hört Leistungsoptimierung auf und wo fängt Doping an? Ein spannender Ausflug in den Grenzbereich des Legalen.

    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat alles, was eine gute Kurzgeschichte ausmacht. Sie hat ein interessantes Thema, einen überraschenden Verlauf und regt zum Nachdenken an. Deshalb gibt es von mir vier von fünf Sternen (8 von 10 Eulen-Punkten) und eine klare Leseempfehlung.

    Buchmeinung zu Mac P. Lorne – Die Pranken des Löwen


    „Die Pranken des Löwen“ ist ein historischer Roman von Mac P. Lorne, der 2018 bei Knaur TB erschienen ist.


    Zum Autor:

    Mac P. Lorne ist Jahrgang 1957.

    Aufgewachsen in der ehemaligen DDR studierte er aus politischen Gründen statt Geschichte und Literatur Veterinärmedizin.

    Im Frühjahr 1988 gelang ihm die Flucht in die Bundesrepublik.

    Gemeinsam mit seiner Familie baute er einen Reit-und Zuchtbetrieb in Bayern auf, aus dem sich auch Olympiareiter ihren Nachwuchs sicherten.

    Heute lebt er zu Füßen einer mittelalterlichen Burg in einem der größten Waldgebiete Europas.

    Er ist Co-Autor mehrerer Fach- und Sachbücher aus den Gebieten Veterinärmedizin und Pferdezucht.

    Englische Geschichte ist die große Leidenschaft des Autors und seine Romanreihe rund um Robin Hood begeistert zahlreiche Leserinnen und Leser.


    Klappentext:

    Die wahre Geschichte von Robin Hood - neu erzählt von Erfolgsautor Mac P. Lorne

    Wie alles begann! Der fulminante Auftakt der Reihe um den Meister der Diebe. Rasant erzählt und genau recherchiert von Bestseller-Autor Mac P. Lorne.

    England 1110 - Der junge Gardist Robert Fitzooth wird zum persönlichen Leibwächter der englischen Prinzessin Matilda bestimmt, die den deutschen König Heinrich V. heiraten wird. An ihrer Seite überquert er die Alpen, gelangt bis nach Rom, wird in den Streit zwischen Kaiser und Kurie verwickelt und muss in einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg kämpfen. Doch er findet auch die Liebe seines Lebens und sein Enkel wird dereinst einen Namen tragen, den alle Welt kennt - Robin Hood.

    Mac P. Lorne führt den Leser eindrucksvoll durch das Europa des 12. Jahrhunderts, an die Höfe von Kaisern und Päpsten, in die Hütten der einfachen Menschen und tief hinein in den Sherwood Forest

    Meine Meinung:

    Dieses Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil begleiten wir Robert Fitzooth als Leibwächter der jungen Matilda und im zweiten Teil treffen wir auf seinen Enkel, den legendären Robin Hood. Der Autor schreibt in einer recht modern wirkenden Umgangssprache und nimmt bei den Beschreibungen der Kampfszenen kein Blatt vor den Mund, ohne aber allzu sehr ins Detail zu gehen. In vielen Details überrascht mich der Autor mit mir unbekannten, aber nachvollziehbaren Interpretationen. Das gesamte Werk ist spannend geschrieben und kann flüssig gelesen werden. Sowohl Robert Fitzooth als auch Robin Hood finden Gelegenheiten ihr Handeln zu hinterfragen, aber in der Regel geht es geradeaus. Beide Figuren sind trotz einer gewissen Härte sympathisch gezeichnet und haben kaum Schwächen. Mich hat der Umgang von Robert mit den weiblichen Wesen beeindruckt. Er hat ein aussergewöhnlich enges Verhältnis zu seiner Matilda und erst recht zu seiner Frau. Aber es ist vor allem ein Abenteuerroman und beide Hauptfiguren bestreiten viele und auch heftige Kämpfe. Wenn ein Gegner zu Schaden kommt, so war es doch gerecht. Für mich war Robert Fitzooth eine Spur interessanter als Robin Hood, vielleicht weil er überhaupt nicht berechnend agiert. Wenn es sein muss, dann handelt er mit vollem Einsatz. Bei Robin kommt eine planvolle Herangehensweise dazu. Ihm ist es wichtig, wie sein Handeln auf die Bevölkerung wirkt und ein Sänger sorgt für die Verbreitung der Heldensagen. In die Kampfszenen sind Passagen eingebunden, die unauffällig aber doch fundiert Geschichtswissen vermitteln. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Er dient auch der Auflockerung nach mörderischen Passagen. Die Figuren der Guten sind liebevoll und lebendig gestaltet, auch mit dem ein oder anderen Grauton versehen, während ihre Gegenspieler fast nur böse sind. Und manchmal ist es halt so, dass diese Bösen sich dann auch noch saudumm anstellen. Aber dies ist mein einziger Kritikpunkt.


    Fazit:

    Eine aufregend gestaltete Abenteuergeschichte mit sympathischen Helden und unglücklich agierenden Bösen. Die Mischung aus Historie und Fiktion ist gelungen. Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (8 von 10 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Buchmeinung zu Gabriel Anwander – Schutzgeld


    „Schutzgeld“ ist ein Kriminalroman von Gabriel Anwander, der 2018 bei dp Digital Publishers erschienen ist.


    Zum Autor:

    Gabriel Anwander, 1956 in der Ostschweiz geboren, begann früh nebenher Kurzgeschichten zu schreiben. Seine Geschichten wurden in Zeitungen, Magazinen und Anthologien veröffentlicht und einige in unterschiedlichen Wettbewerben ausgezeichnet. Er lebt heute mit seiner Frau in Langnau im Emmental.


    Klappentext:

    Tödliche Jagd nach einem Killer am Mittelmeer

    Privatdetektiv Julian Berger macht mit einem Arbeitskollegen zwei Wochen Ferien und reist auf die malerische italienische Insel Vulcano. Nach einer durchzechten Nacht muss er hilflos zusehen wie ein junger Mann von einem Unbekannten erschossen wird. Da ihm niemand glaubt, stellt er selbst Nachforschungen an. Als der Mörder ein zweites Mal zuschlägt, kann Julian seinen Kollegen überzeugen, den gnadenlosen Killer gemeinsam zu jagen. Beim Versuch ihn zu stellen geraten sie jedoch in seine tödliche Falle und befinden sich unversehens in einer verschlossenen Kabine – auf einem sinkenden Kahn, mitten in der Nacht draußen auf dem Meer ...


    Meine Meinung:

    Dieses Buch spielt auf der malerischen Insel Vulcano, die der Geschichte ein mediterranes Flair verleiht. Die Hauptfigur Julian Berger konnte mich dagegen überhaupt nicht überzeugen. Da wird jemand vor seinen Augen erschossen und er hält es nicht für nötig, die Polizei zu alarmieren. Stattdessen beginnt er ein bisschen selbst zu ermitteln, aber auch das nicht sehr konsequent. Ähnlich ist es mit etlichen weiteren Figuren wie zum Beispiel der des örtlichen Polizeichefs, die sich völlig unberechenbar verhalten. Die Handlung wird vor allem in der ersten Hälfte rein durch Zufälle getrieben und Spannung kommt auch nicht auf. Die Figuren waren nicht tief gezeichnet und bei mir bildete sich weder Sym- noch Antipathie. Auch mit dem Schreibstil des schweizerischen Autors hatte ich meine Probleme. Das Hochdeutsche wirkte hölzern und so kam bei mir kein rechter Lesefluss auf. In der zweiten Hälfte wurde es deutlich besser, aber insgesamt hatte ich doch erheblich mehr erwartet.


    Fazit:

    Die schöne Insel konnte das Buch nicht retten. Figurenzeichnung, Plot, Spannungskurve und Sprache konnten mich lange Zeit nicht überzeuge. Für die Steigerung zum Ende hin gibt es den zweiten von fünf Sternen (4 von 10 Punkten). Eine Leseempfehlung kann ich nicht aussprechen.

    Buchmeinung zu Anke Dietrich – Ramses – Reich an Jahren


    „Ramses – Reich an Jahren“ ist ein Historischer Roman von Anke Dietrich, der 2018 im Selbstverlag erschienen ist. Dies ist der fünfte Band der Serie um Ramses II.


    Zum Autor:

    Schon in jungen Jahren war Anke Dietrich von alten Kulturen fasziniert. Seit 2001 gehört ihre Liebe dem alten Land am Nil mit seiner unglaublichen 3000-jährigen Geschichte, seinen Pharaonen und Göttern, den grandiosen Bauwerken und der Mystik, die dieses Land umgibt und der sie sich einfach nicht entziehen kann.


    Klappentext:

    Neujahrstag im 21. Regierungsjahr – Ramses nimmt seine erstgeborene Tochter Bintanat zur Großen Königlichen Gemahlin.

    Die Lage zwischen dem Land am Nil und dem Reich der Hethiter spitzt sich zu, als der ägyptische Thronfolger einem Mordanschlag zum Opfer fällt. Während in Per-Ramses die Rufe nach Vergeltung laut werden, trifft der hethitische Großkönig einen ungewöhnlichen Entschluss. Er sendet Ramses eine Botschaft mit dem Angebot dauerhaften Friedens.

    Während die Parteien um die Vertragsklauseln feilschen, wird in Abu Simbel Ramses’ ehrgeizigstes Bauprojekt fertiggestellt. Den Beiden Ländern geht es gut wie lange nicht mehr. Aus Feinden werden Brüder. Ramses hat große Erfolge erzielt, aber seine Familie und er werden in der dritten Dekade seiner Regentschaft von harten Schicksalsschlägen getroffen.

    Meine Meinung:

    Wie bei den Vorgängern spürt man die Liebe der Autorin zum alten Ägypten und zu ihren Figuren. Diese Begeisterung hat auch mich ergriffen, vielleicht auch, weil die Figuren bei diesem Buch mehr zu leiden hatten. Wenn Ramses sich nach dem Tod seiner ersten Hauptfrau so richtig gehen lässt, dann wirkt das so menschlich und sympathisch. Das Buch ist voll mit historischen Details zu den Ägyptern und auch den Hethitern, die wunderbar unauffällig in die Erzählung eingeknüpft worden sind. Die Unterschiede zwischen der hethischen und der ägyptischen Welt werden deutlich und erstaunt habe ich festgestellt, dass es bei den Hethitern eine Reihe demokratischer Ansätze gegeben hat. Fasziniert hat mich der Wille zur friedlichen Koexistenz der beiden Staaten, natürlich zum Leidwesen des im ägyptischen Exil lebenden Exherrschers. Dieser tut sein Bestes, um wieder an die Macht zu kommen und gerade der Spionagekampf zwischen dem Exilregenten und Ramses ist gelungen. Für die Spionage kommen nur ganz wenige Personen in Betracht und das ist auch der Gegenseite bekannt. Also lebt man mit den Doppelagenten und versucht sie optimal zu nutzen. Es hat schon etwas von le Carre.

    Weiterhin gefällt mir die glaubhafte Weiterentwicklung der Figuren, die man aus den Vorgängerbänden kennt. Gerade die Kinder von Ramses gehen ihren Weg und ihr Vater gestattet es ihnen auch. Und auch die Berater altern und machen sich Gedanken über eine ruhigere Zukunft.

    Erzähltechnisch ist der Wechsel von Episoden aus dem eher alltäglichen Leben der Pharaonenfamilie und den Passagen, in denen die fiktive Handlung vorangebracht wird, auffällig. Mit dem Expiraten Philippos betritt eine Figur die Bühne, die mir sehr gefällt. Er bringt einen Schuss Verdorbenheit und Bauernschläue in die Geschichte. Auch dadurch wird der Wechsel zwischen ruhigen und belebten Passagen interessant gestaltet. Die Abschnitte, in denen sich Figuren einfach nur Gedanken über ihre Umgebung und ihre Welt machen, haben mein Verständnis für die damalige Zeit sehr vorangebracht. Bei all diesen Schilderungen ist auch der Humor nicht verloren gegangen.


    Fazit:

    Dieser Band hat mir noch besser als die Vorgänger gefallen. Die Mischung zwischen historischen und fiktiven Elementen hat mir sehr zugesagt, zumal auch die Protagonisten etwas mehr Schwäche zeigen durften. Ich gebe gerne fünf von fünf Sternen (9 von 10 Eulen-Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus. Die Begeisterung der Autorin für diese Zeit wird auch sie als Leser erfassen.