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    Buchmeinung zu Ulf Schiewe – Odins Blutraben (Herrscher des Nordens)


    „Odins Blutraben“ ist ein Historicher Roman von Ulf Schiewe, der 2017 bei Knaur erschienen ist. Dies ist der zweite Band zur Serie „Herrscher des Nordens“.


    Zum Autor:

    Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Er begann seine Berufskarriere als Software-Entwickler und war später in mehreren europäischen Ländern als Marketingmanager internationaler Softwarehersteller tätig. Ulf Schiewe war schon immer eine Leseratte, den spannende Geschichten in exotischer Umgebung faszinierten. Im Laufe der Jahre wuchs der Wunsch, selbst historische Romane zu schreiben. So entstand »Der Bastard von Tolosa«, sein erster Roman, dem inzwischen eine ganze Reihe weiterer, gut recherchierter und vor allem spannender Abenteuerromane folgten. Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München.


    Klappentext:

    Die Saga des Wikingerkönigs Harald Hardrada – seine Abenteuer und Kämpfe, seine Frauen und sein unbezwingbarer Ehrgeiz.

    AD 1035: Beim Großfürsten der Rus hat sich Harald den Ruf eines siegreichen Söldnerführers erworben. Doch bei der Verteidigung Kiews gegen den Ansturm der Petschenegen werden seine Fähigkeiten auf eine harte Probe gestellt. Persönliche Verluste treiben ihn rastlos weiter, diesmal nach Konstantinopel, wo er es als Offizier der kaiserlichen Waräger bei jahrelangen Kriegszügen rund ums Mittelmeer zu einem beachtlichen Vermögen bringt. Doch eine Affäre mit der Kaiserin Zoe und der Neid seiner Konkurrenten bringen ihn ins Gefängnis.


    Meine Meinung:

    Die Handlung wird aus der Sicht der Hauptfigur beschrieben und erzählt. Dadurch kann man die Gedanken und Gefühle Haralds vollständig verfolgen und auch nachvollziehen. Nachteilig ist dabei natürlich, dass Harald sehr positiv dargestellt wird und kaum negative Eigenschaften auftreten.

    Harald bleibt auch in diesem Band nicht von Rück- und Schicksalsschlägen verschont. Diese bringen ihn dazu über das Erlebte nachzudenken und insbesondere auch über die Religionen und ihre Unterschiede. Seine Rolle als Söldnerführer bringt ihn immer wieder in brenzliche Situationen und führt auch zu Konflikten mit seinen Auftraggebern bzw mit Personen, die diesen nahe stehen. So zieht es ihn nach Konstantinopel, wo es viel Gold zu verdienen gibt. Aber Harald ist auch ein guter Beobachter und Analyst. Er erkennt die Schwachpunkte im System der Regierenden, aber wer ihn bezahlt ist sein Herr. Er mehrt seinen Reichtum auf eher unaufregende Art und Weise. Fast als Ausgleich stürzt er sich in Liebesabenteuer. Er trifft seinen Feind Grünauge wieder, der sich einmal mehr als ebenbürtiger Gegner erweist und der auch immer für eine Überraschung gut ist.

    Dies ist ein Abenteuerroman über Söldner und so prägen Kampfhandlungen das Leben. Dazu gehören auch Szenen von großer Brutalität und Grausamkeit. Der Autor verzichtet auf eine zu detaillierte Beschreibung der Greueltaten und lockert die Geschichte durch humorvolle Episoden auf. Aber auch Vorbereitungen, Reisen und Gedankenspiele nehmen eine größere Rolle ein. Und genau hier spielt Ulf Schiewe seine Stärken aus. Man merkt die Faszination, die von Konstantinopel ausgeht und der sich auch Harald nicht entziehen kann. Er lernt das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Religionen kennen und sucht nach deren Stärken und Schwächen. Auch sein eigenes Verhalten hinterfragt er immer wieder. Er betrachtet die Vorgänge am Hof aufmerksam und zieht seine Schlüsse. Er läßt aber keinen Zweifel an seiner Rolle als Söldner aufkommen. Er kann sich mittlerweile mit dem Gedanken anfreunden in die Heimat mit einem Heer zurück zu kehren, aber noch ist er durch einen Schwur gebunden.

    Fazit:

    Mir gefällt der nachdenkliche Harald besser als der kämpfende. Haralds Entwicklung geht voran und seine Gedankengänge werden immer überzeugender. Die Figurenzeichnung könnte tiefer gestaltet werden, aber dies liegt vielleicht auch an der gewählten Perspektive. So vergebe ich gute vier von fünf Sternen (9 von 10 Punkten) und kann das Buch allen empfehlen, die einen spannenden Abenteuerroman mit historischen Elementen lesen mögen.

    Buchmeinung zu Astrid Fritz – Tod im Höllental


    „Tod im Höllental“ ist ein Historischer Kriminalroman von Astrid Fritz, der 2017 im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienen ist. Dies ist der vierte Fall für die Begine Serafina.


    Zum Autor:

    Astrid Fritz studierte Germanistik und Romanistik in München, Avignon und Freiburg. Als Fachredakteurin arbeitete sie anschließend in Darmstadt und Freiburg und verbrachte mit ihrer Familie drei Jahre in Santiago de Chile. Zu ihren großen Erfolgen zählen "Die Hexe von Freiburg", "Die Tochter der Hexe" und "Die Vagabundin". Astrid Fritz lebt in der Nähe von Stuttgart.


    Klappentext:

    November 1416: Die ehemalige Begine Serafina heiratet endlich ihre große Liebe, den Stadtarzt Achaz. Sie bleibt der Schwesternsammlung aber nach wie vor verbunden. Die plagen seit kurzem große Sorgen: Ein Basler Wanderprediger hetzt gegen die freien Schwestern auf, an ihren Häusern prangen schon Wandschmierereien. Und dann der Schock: Eine Lämmlein-Schwester wird in einer Gasse erschlagen aufgefunden.

    Die Situation spitzt sich zu, als Catharina, die Meisterin der Beginen, schwer verletzt von ihrer Reise nach Konstanz zurückgebracht wird, wo sie den Bischof als Fürsprecher gewinnen wollte. Sie musste den Weg durch die enge Schlucht bei der Ruine Falkenstein nehmen, genannt Höllental, und wurde an einer Engstelle blutüberströmt vorgefunden. Nun beschließt Serafina, selbst nach Konstanz aufzubrechen. Dafür muss auch sie das Höllental passieren…


    Meine Meinung:

    Manchmal frage ich mich, wie so ein Klappentext zustande kommt. Da stimmt diesmal so Einiges nicht. Das ist zumindest ärgerlich, aber ansonsten punktet das Buch ordentlich. Dies fängt mit einem Kartenausschnitt an, der die Handlungsorte beinhaltet und einem ausführlichen Personenregister zu Beginn des Buches, welches auch schon eine gewisse Klassifizierung aufweist. Die Ausstattung des Buches wird durch ein Nachwort der Autorin und ein umfängliches Glossar abgerundet.

    Die Sprache ist relativ modern, aber passend zum Charakter der Figuren. Die Figurenzeichnung hat mir gut gefallen und ist sicherlich eine Stärke des Romans. Fast alle Figuren weisen Grautöne auf und jede Figur hat eine Schwäche. Dies macht die Figuren realistisch und auch sympathisch. Serafina steht ein wenig über den anderen Figuren. Sie agiert sehr selbstbewußt und scheut auch kein Risiko. Im historischen Bereich erfährt der Leser viel über die Strukturen einer Stadt wie Freiburg und über die Rolle der Beginen. Auch das Zusammenspiel kirchlicher und weltlicher Macht wird deutlich.

    Die Beschreibung der Rolle eines Hasspredigers macht deutlich, dass dies keine neuzeitliche Erscheinung ist und insbesondere der Schaden, den sein Wirken anrichtet, ist immens. Auch Personen, die es besser wissen sollten, lassen sich beeindrucken, aber erst recht unbedarfte Jugendliche.

    Der Kriminalfall ist durchaus nicht simpel und der Leser wird mehrfach in die Irre geleitet. Serafina gerät in Gefahr und auch ihr Sohn sowie der Stadtmedicus geraten beim Versuch, Serafina zu helfen, in Schwierigkeiten. Beeindruckt hat mich, dass die Figuren in der Lage waren, ihre Stärken erfolgsversprechend einsetzen zu können.

    Ich habe von Anfang an mit den Figuren mitgefiebert und auch mitgelitten.


    Fazit:

    Mir hat dieser Historische Kriminalroman gut gefallen. Die Figurenzeichnung ist gerade für einen Historischen Roman überdurchschnittlich und auch die historische Komponente stimmt. Ich vergebe gerne gute vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Buchmeinung zu Keith Nixon – Totengrab


    „Totengrab“ ist ein Kriminalroman von Keith Nixon, der 2017 bei beTHRILLED by Bastei Entertainment in der Übersetzung von Kerstin Fricke erschienen ist. Der englische Originaltitel lautet „Two Dig Graves“.


    Zum Autor:

    Keith Nixon ist ein britischer Autor, der vor allem Krimis und historische Romane schreibt. Eigentlich ist er gelernter Apotheker, inzwischen arbeitet er aber in leitender Funktion im Vertrieb einer High-Tech-Firma. Er lebt mit seiner Familie im Nordwesten Englands. Er hat bisher einige Bücher veröffentlicht, Romane ebenso wie Kurzgeschichten.


    Klappentext:

    Margate, eine kleine Küstenstadt in England: Der Teenager Nick Buckingham springt aus dem fünften Stock eines Apartmenthauses. Mit einem seltsamen Gefühl im Bauch fährt Detective Sergeant Solomon Gray zum Tatort. Das Opfer ist genauso alt, wie sein Sohn Tom jetzt sein müsste - der vor zehn Jahren spurlos auf einem Jahrmarkt verschwand. Seitdem nimmt Grey jeden Fall, an dem Kinder beteiligt sind, persönlich. Denn sein Sohn könnte noch irgendwo da draußen sein -

    Doch dann macht Solomon Gray eine Entdeckung, die ihn aus der Bahn zu werfen droht: Auf dem Handy des toten Teenagers ist Grays eigene Nummer gespeichert. Die Ermittlungen führen ihn in eine Welt aus Missbrauch, Lügen und Korruption. Und schon bald muss sich der Detective seinen eigenen Dämonen stellen -


    Meine Meinung:

    Der Klappentext hat mein Interesse an diesem Buch geweckt. Solomon Gray könnte eine Figur sein, die mir gefällt. Am Anfang war es auch im grünen Bereich, aber mit zunehmender Dauer wurden meine Erwartungen immer mehr enttäuscht.

    Neben der eigentlichen Handlung in der Jetztzeit gibt es auch Rückblenden zu wichtigen Momenten im Leben von Solomon Gray. Da ist einmal das Verschwinden seines kleinen Sohnes auf einem Rummelmarktplatz und dann der Selbstmord seiner Frau Jahre später. Solomon gibt sich die Schuld am Verschwinden seines Sohnes und vernachlässigt dabei seine Frau immer mehr. Er versucht den Schmerz mit Alkohol zu betäuben und gerät in eine Abwärtsspirale. Hier überzieht der Autor aber leider gewaltig. Solomon betrinkt sich immer öfter, bleibt aber in der Lage seinen Dienst bei der Kriminalpolizei ordentlich zu leisten. Zusätzlich ist er noch in der Lage, den Fall seines Sohnes zu analysieren und weiter zu verfolgen. Hilfe erfährt er durch einige seiner Kollegen und durch den örtlichen Pfarrer. Dann lernt er eine Frau kennen und beginnt sich, dieser Frau zu öffnen. Dann treffen ihn die nächsten Tiefschläge, denn die Frau und der Pfarrer werden ermordet und Solomon gerät in Verdacht.

    Solomon Gray hat Ecken und Kanten und seine besten Eigenschaften lauern im Verborgenen. So weit, so gut. Aber der Autor lässt so viel Ungemach über die Titelfigur fallen, dass jede Glaubwürdigkeit verloren geht. Trotz massiven Alkoholmissbrauchs widmet sich Solomon durchaus erfolgreich seinen Fällen. Das passt einfach nicht. Mehrere Kollegen verlassen sich auf den Alkoholiker. Die Aufklärung der Fälle ist wenig spektakulär und basiert auf banaler Ermittlungstätigkeit. Also liegt der Schwerpunkt des Buches auf der Rolle Solomon Grays im Zusammenspiel mit seinen Kollegen und gerade dieses kann mich nicht überzeugen. So bleibt außer einiger Ansätze nichts übrig und das ist zu wenig. Aber weil mir die Grundidee sympathisch ist, werde ich Solomon Gray zumindest noch eine Chance geben.


    Fazit:

    Der Roman stellt Solomon Gray und seine Beziehung zu Personen, die ihm helfen wollen, in den Fokus, aber gerade hier überzeugt er mich nicht. Für mich war die Beschreibung nicht glaubwürdig und auch nicht nachvollziehbar. Deshalb vergebe ich auch nur zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten).

    Buchmeinung zu Andrea Tillmanns – Tod im Wald der Engel


    „Tod im Wald der Engel“ ist ein Kriminalroman von Andrea Tillmanns, der 2017 im Droste Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Andrea Tillmanns, 1972 in Grevenbroich am südlichen Rand des Niederrheins geboren, ist promovierte Physikerin und arbeitet hauptberuflich an der FH Bielefeld als Professorin für Physik und Messtechnik. Neben der Physik gilt ihre Leidenschaft dem Schreiben. Sie ist Mitglied im Syndikat und bei den Mörderischen Schwestern sowie im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS).


    Klappentext:

    Tatort Niederrhein

    Bei einem abendlichen Spaziergang auf der Ölgangsinsel findet Künstlerin Anna Berg einen Toten. Ausgerechnet Hartmut Lanski, Redakteur des Neusser Lokalkuriers, der kurz zuvor bei ihrer Vernissage für einen Eklat gesorgt hat. Plötzlich steht Anna unter Mordverdacht. Weil die ermittelnde KommissarinAnnas Unschuldsbeteuerungen wenig Glauben schenkt, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln. Und findet schnell heraus, dass es Lanski auf der Jagd nach der nächsten Schlagzeile mit dem journalistischen Berufsethos nicht so genau genommen hat ...


    Meine Meinung:

    Das Erste, was mir beim Lesen auffiel, war die Erzählform. Inhaltlich war es ohne Zweifel eine Ich-Erzählung aus der Sicht der Malerin Anna, formal wurde es aber in der dritten Person erzählt. Daran habe ich mich während der gesamten Lektüre gestossen. Anna, die Hauptfigur, fühlt sich als Verdächtige und beschließt selbst zu ermitteln, weil sie der Polizei und hier insbesondere der ldie Ermittlung leitenden Kommissarin nicht traut. Sie ermittelt mit viel Herz und versucht Informationen zu sammeln, um den Täter zu erkennen. Sie macht dies nicht besonders fundiert, hat aber ein Talent. Mit Leuten in ein Gespräch zu kommen. Dabei wird die Stärke des Romans deutlich. Die Autorin hat den Figuren eine Seele gegeben und ich als geborener Niederrheiner habe das Gefühl gehabt, der ein oder anderen Figur schon mal begegnet zu sein. Anna selber blieb mir aber fremd. Sie wechselte die Verdächtigen fast nach jedem Gespräch und handelte wenig zielgerichtet. Als sie dann trotz Katzenallergie ein junges Kätzchen in die Wohnung aufnahm war es endgültig mit ihrer Glaubwürdigkeit vorbei. Am Ende wurde der Fall gelöst, aber es lag nicht an Annas Anstrengungen. Dies ist einer der seltenen Fälle, wo mir die Nebenfiguren gut gefallen haben, aber ich mit der Hauptfigur überhaupt nicht zurecht kam. Dies hat mein Lesevergnügen deutlich getrübt. Die Sprache ist etwas trocken aber durchaus okay. Auch eine gute Portion Humor wird in den episodenhaften Szenen deutlich.


    Fazit:

    Obwohl die Hauptfigur wirklich nicht punkten konnte, haben es die Nebenfiguren mit ihren Episoden zumindest zum Teil herausgerissen. Ich vergebe knappe drei von fünf Sternen (6 von 10 Punkten).

    Buchmeinung zu Thomas Elbel – Der Todesmeister


    „Der Todesmeister“ ist ein Thriller von Thomas Elbel, der 2017 im Blanvalet Taschenbuch Verlag erschienen ist. Dies ist der erste Fall für den Berliner Ermittler Viktor Puppe.


    Zum Autor:

    Thomas Elbel, geboren 1968 in Marburg, studierte Rechtswissenschaften in Göttingen, Hannover und den USA. Er arbeitete u.a. für eine amerikanische Anwaltskanzlei, das Bundesministerium des Innern und das Land Berlin. Seit 2011 bekleidet er eine Professur für Öffentliches Recht an der Hochschule Osnabrück. In seiner Freizeit singt er klassischen Bariton und schreibt Romane. Der Todesmeister ist sein erster Thriller um den Berliner Ermittler Viktor von Puppe. Thomas Elbel lebt mit seiner Familie in Berlin.


    Klappentext:

    An der Oberbaumbrücke wird die Leiche eines jungen Mädchens angespült. Der Körper weist grausame Folter- und Missbrauchsspuren auf. Es handelt sich um die Nichte des Berliner Justizsenators, und sie scheint nicht das einzige Opfer zu sein: Im Internet tauchen Videos auf, in denen junge Frauen auf perverse Weise zu Tode gequält werden. Viktor von Puppe, frisch aus dem Innenministerium zum Berliner LKA gewechselt, und seine Kollegen stehen unter Druck, doch in höheren Kreisen scheint nicht jeder an einer Aufklärung interessiert zu sein …


    Meine Meinung:

    Dies ist mein erstes Buch von Thomas Elbel und es hat Stärken und Schwächen. Zu den Schwächen zählt die oft übertriebene Darstellung von Figuren. Da sollen Figuren cool sein im Umgangston, aber es wirkt sexistisch. Da trifft die Hauptfigur Viktor Puppe eine hübsche Pathologin und schon sind sie in der Kiste. Dies gilt auch für die beiden anderen Ermittler Kenji Tokugawa und Begüm Duran. Jeder hat seine Probleme und leidet daran. Durch die überzogene Darstellung wirken die Figuren irgendwie konstruiert und leblos. Kenji und Viktor sind hochgebildet, selbstbewußt, in bester körperlicher Verfassung und beide hüten ihr eigenes Geheimnis. Begüm ist alleinerziehende Mutter, die erhebliche Probleme mit dem Vater ihres Kindes hat. Alle drei wirken unnahbar und agieren lange Zeit wie geborene Einzelgänger. Auch ihr Chef agiert überzogen und hat ein Geheimnis (natürlich!). Dadurch gibt es viele Nebenhandlungen und der eigentliche Fall tritt in den Hintergrund. Aber Thomas Elbel kann erzählen. Die Tagebuchauszüge des toten jungen Mädchens und die Beschreibung der Vorgänge um die entführten Mädchen sind einfühlsam und atmosphärisch dicht. Durch häufige Perspektivwechsel wird Tempo erzeugt. Gerade die Szenen aus der Sicht des Täters erzeugen Gänsehaut. Trotz aller Defizite kommt gehörig Spannung auf und ich habe mit den Entführten gezittert und gelitten. Bei der Beschreibung der Folterungen zeigt der Autor ein gelungenes Mass an Darstellung, die die Vorstellungskraft des Lesers aktiviert und sich dennoch nicht in blutigen Details verliert. Es gibt einen ordentlichen Showdown und es endet nicht in eitel Sonnenschein. Das hat mir gut gefallen.


    Fazit:

    Dieses Buch leidet daran, dass der Autor oft zu viel will, sowohl bei den Figuren als auch bei der Handlung. Als er sich auf den Fall und seine Auflösung konzentriert wird es erheblich besser. Von mir gibt es trotz deutlicher Mängel deshalb drei von fünf Sternen (6 von 10 Punkten). Ich werde den Autor weiter verfolgen und hoffe, dass er seine Schwächen abstellen kann, denn erzählen – das kann Thomas Elbel.

    Buchmeinung zu Candice Fox – Crimson Lake


    „Crimson Lake“ ist ein Kriminalroman von Candice Fox, der 2017 bei Suhrkamp Taschenbuch in der Übersetzung von Andrea O'Brien erschienen ist. Das Original erschien unter dem Titel „Crimson Lake“ bei Bantam in Australien.


    Zum Autor:

    Candice Fox stammt aus einer eher exzentrischen Familie, die sie zu manchen ihrer literarischen Figuren inspirierte. Nach einer nicht so braven Jugend und einem kurzen Zwischenspiel bei der Royal Australian Navy widmet sie sich jetzt der Literatur, mit akademischen Weihen und sehr unakademischen Romanen. Für den ersten und zweiten Teil ihrer Trilogie, Hades und Eden, wurde sie 2014 und 2015 mit dem Ned Kelly Award ausgezeichnet.


    Klappentext:

    Sechs Minuten mehr braucht es nicht, um das Leben von Detective Ted Conkaffey vollständig zu ruinieren. Die Anklage gegen ihn wird zwar aus Mangel an Beweisen fallengelassen, doch alle Welt glaubt zu wissen, dass einzig und allein er es gewesen ist, der die dreizehnjährige Claire entführt hat. Um der gesellschaftlichen Ächtung zu entgehen, zieht sich der Ex-Cop nach Crimson Lake, eine Kleinstadt im Norden Australiens, zurück. Dort trifft er Amanda Pharrell, die ganz genau weiß, was es heißt, Staatsfeind Nr. 1 zu sein. Vor Jahren musste sie wegen angeblichen Mordes ins Gefängnis. Nun tun sich die beiden Außenseiter zusammen und arbeiten als Privatdetektive. Ihr Fall: Ein berühmter Schriftsteller mit Doppelleben und kaputter Familie ist verschwunden, die örtliche Polizei behindert die Arbeit der beiden mit harschen Methoden. Dann platzt das Inkognito von Conkaffey, die Medien erzeugen Hysterie. Lynchstimmung macht sich breit. Während er den Fall seiner neuen Partnerin wieder aufrollt und sie versucht, ihn zu entlasten, nimmt der Fall des Schriftstellers überraschende Wendungen.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat unzweifelhaft Stärken, aber ebenso deutliche Schwächen. Von Grunde aus ist es ein Roman, den ich mögen sollte. Die Hauptfiguren Amanda Pharrell und Ted Conkaffey sind keine Saubermänner, sie haben einiges erlebt und sie sind gezeichnet. Sie haben es allerdings mit Leuten zu tun, die auch keine Sympathieträger sind. Im Laufe der Geschichte werden Amanda und Ted sogar zu Sympathieträgern. Amanda mag ihre Katzen und Ted ist in seine Gänse vernarrt. Beide arbeiten als Ermittler auf völlig unterschiedlichen Wegen, Amanda vertraut ihrer Intuition und Ted kann seine Ausbildung zum Kriminalbeamten nicht leugnen. Ihr gemeinsamer Fall tritt in den Hintergrund, weil beide sich um die Vorgeschichte ihres Partners kümmern und dort Untersuchungen durchführen. Leider sind die übrigen Figuren fast durch die Bank stereotyp gezeichnet und wirken, als ob sie einem Modellbaukasten entnommen sind. Es sind die schmierigen Polizisten und Journalisten, die gute Pathologin, die rabiate Bürgerwehr, die aufsässigen Jugendlichen und die besorgten Anwohner.. Auf der Habenseite ist die Darstellung der Angst Ted Conkaffeys zu sehen, der befürchten muss, dass sein Verfahren beim Auftauchen frischer Beweise wieder aufgenommen wird. Durch das Ruhen des Verfahrens und der medialen Präsenz ist er schlimmer dran, als er es als ein Verurteilter wäre.

    Die Geschichte wird aus der Perspektive Ted Conkaffeys erzählt und ist flüssig zu lesen. Man glaubt ihm seine Unschuldsbeteuerungen und leidet mit ihm mit. Die Schilderungen seiner Ängste und seinen daraus resultierenden Handlungsweisen ist gro0es Kino. Aber für mich war er leider von vielen leblosen Figuren von der Stange umgeben. Auch die Mängel in den polizeilichen Ermittlungen sind ein Ärgernis und sehr überzogen.


    Fazit:

    Neben der grandiosen Beschreibung des Zustandes und der Ängste Conkaffeys fällt der Rest des Buches sehr deutlich ab. Figuren von der Stange, die meist leblos wirken, trüben das Lesevergnügen deutlich. So komme ich zu einer Wertung von drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten). Ich kann das Buch nur bedingt empfehlen und hoffe, dass sich die Autorin auf ihre Stärken auch bei den Nebenfiguren besinnt.

    Mir gefiel die Beschreibung der Reise sehr gut. Für Anna ist es quasi eine Weltreise, sie ist ja nie aus ihrem dörflichen Umfeld heraus gekommen. Ich rätsele noch, wer denn ein Motiv für den Diebstahl haben könnte. Wenzel vielleicht, aber dann wäre es zu Beginn der Reise geschehen. Sonst weiß eigentlich niemand, dass es Glasfiguren in der Kiste gewesen sind. Bei John habe ich Zweifel, dass er ein Diener ist. Da ist einerseits sein überaus umfangreiches Gepäck und dann generell sein Auftreten. Er wirkt eher wie jemand, der wohlhabend ist und selbst Diener beschäftigt. Anna scheint schon sehr in John verliebt zu sein. Ihre Gedanken bei Berührungen sind sehr beredt. Aber ihre Vernunft sagt ihr, dass John nach Weihnachten Geschichte ist und somit keine dauerhafte Beziehung möglich ist.

    Buchmeinung zu Oliver Bottini – Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens


    „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ ist ein Kriminalroman von Oliver Bottini, der 2017 bei DuMont Buchverlag als Hardcover erschienen ist.


    Zum Autor:

    Oliver Bottini, 1965 in Nürnberg geboren, in München aufgewachsen, familiärer Hintergrund mathematisch/pastoral. Nach dem Abitur Zivildienst, anschließend sechs Monate Neuseeland und Australien als Wanderer, Aprikosenpflücker und lästiger Tür-zu-Tür-Verkäufer von großformatigen Air-Brush-Gemälden. Zurück in München Jobs als Hotelrezeptionist und Hausmeister im Mädchenpensionat, parallel dazu Studium der Neueren deutschen Literatur, Italianistik und Markt- und Werbepsychologie sowie, schweißtreibender, von Kung Fu und Qi Gong. Seit 1995 Autor und freier Lektor. Berufsbegleitend von 2001 bis 2003 Ausbildung zum Familien- und Wirtschaftsmediator. Mehrere Kriminalromane, Sachbücher, Kurzgeschichten. 2008 den Weg nach Berlin gefunden, hängengeblieben, aber der Süden ... ruft ...


    Klappentext:

    Banat/Rumänien 2014: Ioan Cozma hat abgeschlossen mit der Welt. Der Kripo-Kommissar lebt allein, es sind nur noch ein paar Jahre bis zu seiner Pensionierung; wenn er nicht groß auffällt, wird auch niemand in seiner Vergangenheit wühlen. Es ist besser so. Doch die Welt will ihn nicht in Ruhe lassen. Ausgerechnet Cozma wird die Ermittlungsleitung in einem brutalen Mordfall übertragen: Die junge Lisa Marthen, eine Deutsche, wurde erstochen aufgefunden. Ihrem Vater gehört ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, und der Verdacht fällt auf einen seiner jungen Feldarbeiter, der in Lisa verliebt war und seit ihrem Tod verschwunden ist. Als eine Spur nach Mecklenburg führt, macht Cozma sich auf den Weg – und muss feststellen, dass er dort nicht der Einzige ist, der für Gerechtigkeit sorgen will …

    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist nicht leicht zu lesen, denn sowohl Sprache als auch Handlung sind fordernd. Die Hauptfigur Ioan Cozma ist ein erfahrener Ermittler mit dunkler Vergangenheit, der nur mit seinem Kollegen Ciprian Ruzu die Zeit bis zur Rente absitzen will. Doch dann wird er mit der Leitung der Ermittlungen in einem Mordfall an einer jungen Deutschen beauftragt. Bald merkt er, dass er den Fall schnell und mit einem gewünschten Ergebnis abschliessen soll.

    Cozma ist wie sein Kollege Ruzu kein ausgesprochener Sympathieträger und doch fiebert man mit ihm mit, weil er den Kampf gegen die Strippenzieher im Hintergrund aufnimmt. Im Laufe der Geschichte erfährt man viel über die Vergangenheit der beiden Ermittler und versteht, warum sie so geworden sind wie sie sind. Diese Vergangenheit droht sie einzuholen und doch lassen sie sich nicht abhalten, weiter zu ermitteln. Der Roman schildert ein dunkles Bild Rumäniens nach der totalitären Zeit unter Ceausescu. Es gibt fast nur Verlierer und die Gewinner haben es nicht verdient. Der Autor sieht Gemeinsamkeiten mit den Zuständen in Ostdeutschland nach der Wende. Cozma folgt dem Tatverdächtigen nach Deutschland und trifft dort auf Menschen, die ihren Weg gefunden haben, mit den Zuständen zu leben. Dieser Roman enthält Stellen großer Grausamkeit und Brutalität, die dennoch angemessen wirken. Cozma will den Fall lösen und lässt sich nicht einschüchtern. Das Gefühl, eine Marionette in der Hand der mächtigen Hintermänner zu sein, will er unbedingt los werden. Es gibt den kleinen Kriminalfall mit dem Mord und den großen Kriminalfall mit Wirtschaftskriminalität, in dem es um unglaublich viel Geld geht. Der kleine Fall ist spannend, auch wenn der Täter bald bekannt ist. Die spannende Frage danach ist, ob die Hintermänner ermittelt und überführt werden können.

    Das düstere Bild Rumäniens und auch Ostdeutschlands wird durch die angeschlagenen Figuren verstärkt. Alle tragen zusätzlich noch eine Last aus vergangener Zeit mit sich, die ihr Leben weiter erschwert. Aber auch einige der Gewinner sind unglücklich und suchen nach Wegen, ihre Schuld abzutragen. Ganz sicher ist dies ein starker Roman mit einer klaren politischen Aussage.


    Fazit:

    Ein starker Roman in präziser Sprache mit akkurat gezeichneten Figuren. Die Handlung ist komplex und läuft auf mehreren Ebenen ab. Dieser Roman hat mich trotz einiger sehr brutalen Stellen überzeugt. Gerne vergebe ich fünf von fünf Sternen (10 von 10 Eulenpunkten). Ich empfehle das Buch gerne an Leser, die bereit sind, sich intensiv mit dem Buch zu befassen.

    Buchmeinung zu Tom Finnek - Galgenhügel


    „Galgenhügel“ ist ein Kriminalroman von Tom Finnek, der 2017 bei beTHRILLED by Bastei Entertainment erschienen ist.


    Zum Autor:

    Tom Finnek (Pseudonym des Autors Mani Beckmann) wurde 1965 in Westfalen geboren und lebt als Filmjournalist, Drehbuchlektor und Schriftsteller in Berlin. Unter dem Namen Mani Beckmann erschienen neben einigen Berlin-Krimis seine historischen Moor-Romane, die im Münsterland angesiedelt sind (siehe Autorenseite Mani Beckmann). Unter dem Pseudonym Tom Finnek schreibt er seit 2009 historische London-Romane. Tom Finnek/Mani Beckmann ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.


    Klappentext:

    Ein nebelverhangener Herbstmorgen, ein kleines Dorf im Münsterland und ein historischer Galgen - an dem eine bekannte Schauspielerin hängt. Alles deutet auf Selbstmord hin. Doch Kommissar Tenbrink wird hellhörig, als er erfährt, dass die Schwester der Toten vor sechzehn Jahren an genau diesem Ort auf tragische Weise ums Leben kam. Ein bloßer Zufall? Tenbrink und sein junger Kollege Bertram glauben nicht an Zufälle. Irgendwo muss es eine Verbindung zwischen den beiden Todesfällen geben. Während ihrer Ermittlungen graben sie tief in der Vergangenheit der Dorfbewohner - was nicht allen im Ort gefällt. Und um ein altes Geheimnis zu schützen, schreckt jemand auch vor weiteren Morden nicht zurück.

    Meine Meinung:

    Die große Stärke dieses Romans ist die Figurenzeichnung. Tenbrink, altgedienter Kriminalbeamter mit einem Handicap, ist ein typisch westfälischer Sturkopf, der nach dem Tod seiner Frau recht zurückgezogen lebt. Sein junger Kollege Bertram war in eine Korruptionsaffäre verwickelt und ist eher unfreiwillig im Münsterland gelandet. Auch er lebt zurückgezogen, aber die Zusammenarbeit der beiden Ermittler funktioniert gut. Sie vertrauen einander und kommen gut miteinander aus. Tenbrinks Handicap ist sein gestörtes Kurzzeitgedächtnis und gemeinsam mit Bertram versucht er, dies zu verbergen. Aus Angst vor möglichen Diagnosen geht Tenbrink nicht zum Arzt, obwohl er merkt das die Aussetzer vermehrt und verstärkt auftreten. Darunter leidet auch die Zusammenarbeit mit Kollegen und mit der Staatsanwaltschaft. Sehr anschaulich ist die Atmosphäre in einem kleinen münsterländischen Dorf beschrieben und die Figuren passen hier hin. Die Kontakte zu den niederländischen Kollegen werden gepflegt und der kleine Dienstweg erspart bürokratische Tätigkeiten. So nebenbei werden auch einige touristische Attraktionen der Regionen in die Handlung eingebunden. Die Sprache ist mit plattdeutschen Passagen durchsetzt und schafft noch mehr Atmosphäre. Der Fall selber nimmt erst langsam Fahrt auf und wird dann sehr spannend. Der Showdown zum Abschluß war etwas überzogen aber spannend.


    Fazit:

    Der Krimi punktet mit seiner westfälischen Atmosphäre und der sehr gelungenen Figurenzeichnung. Die Figuren sind zumeist mit einiger Tiefe und in vielen Grautönen gezeichnet. Leichte Abzüge gibt es für den Showdown und die Sturheit Tenbrinks, nicht zum Arzt zu gehen. So bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (8 von 10 Eulenpunkten). Ich kann das Buch allen empfehlen, die einen ruhigen Krimi mit viel Atmosphäre und bodenständigen Figuren mögen.

    Buchmeinung zu Ulf Schiewe – Thors Hammer (Herrscher des Nordens)


    „Thors Hammer“ ist ein Historicher Roman von Ulf Schiewe, der 2017 bei Knaur erschienen ist. Dies ist der Auftakt zur Serie „Herrscher des Nordens“.


    Zum Autor:

    Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Er begann seine Berufskarriere als Software-Entwickler und war später in mehreren europäischen Ländern als Marketingmanager internationaler Softwarehersteller tätig. Ulf Schiewe war schon immer eine Leseratte, den spannende Geschichten in exotischer Umgebung faszinierten. Im Laufe der Jahre wuchs der Wunsch, selbst historische Romane zu schreiben. So entstand »Der Bastard von Tolosa«, sein erster Roman, dem inzwischen eine ganze Reihe weiterer, gut recherchierter und vor allem spannender Abenteuerromane folgten. Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München.


    Klappentext:

    Die Saga des Wikingerkönigs Harald Hardrada – seine Abenteuer und Kämpfe, seine Frauen und sein unbezwingbarer Ehrgeiz.

    AD 1027: Harald ist zwölf Jahre alt und jüngster Sohn aus edlem Hause. Er will Krieger werden und seinem Halbruder Olaf nacheifern, der Kriegsherr und König von Norwegen ist. Doch ein Aufstand der Jarls treibt Olaf aus dem Land. Harald bereitet sich auf den Tag vor, da sein Bruder mit einem Heer zurückkehrt. Drei Jahre später ist es so weit. Blutjung zieht Harald in den Krieg. Es kommt zur entscheidenden Schlacht von Stiklestad. Olaf stirbt, und Harald muss schwer verwundet fliehen. An seiner Seite die junge Sklavin Aila. Ihr gemeinsamer Weg führt nach Russland.

    Meine Meinung:

    Die Handlung wird aus der Sicht der Hauptfigur beschrieben und erzählt. Dadurch kann man die Gedanken und Gefühle Haralds vollständig verfolgen und auch nachvollziehen. Nachteilig ist dabei natürlich, dass Harald sehr positiv dargestellt wird und kaum negative Eigenschaften auftreten. Ich war sofort mittendrin und fieberte von Anfang an mit dem jungen Harald mit. Er strebt an, ein erfolgreicher Krieger zu werden und tut eine Menge dafür. Seine erste Schlacht bringt dann die große Ernüchterung. Sie geht verloren und Harald lernt die Schattenseiten dieser Tätigkeit kennen. Wie in späteren Situationen auch, reflektiert Harald das Erlebte und zieht seine Lehren. So erweist er sich als guter Anführer für seine Gefolgsleute und vermehrt Ansehen und Macht, indem er gegen offenkundige Missstände vorgeht. Er denkt langfristig und kann dies auch seinen Getreuen vermitteln. Auch das historische Umfeld wird sehr anschaulich beschrieben. Neben der Darstellung des täglichen Lebens werden auch politische Zusammenhänge erläutert, und dies ohne damit zu langweilen. Hauptsächlich sind es die Abenteuerepisoden, die für Spannung sorgen. Dabei verzichtet der Autor wohltuend auf übermäßige Gewaltdarstellungen. Auch in Liebesdingen sammelt er erste Erfahrungen und er ist zum Ende ein erfahrener Krieger und Anführer trotz seiner noch nicht einmal zwanzig Lebensjahre. Die Figuren sind durch die Bank relativ flach gehalten und könnten etwas mehr Tiefe vertragen. Die Sprache ist einfach und lässt sich flüssig lesen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz und sorgt für eine angenehme Auflockerung. Zusätzlich überrascht der Autor mit Ideen, die man nicht unbedingt zu dieser Zeit erwarten würde. So gibt es teambildende Maßnahmen zur Integration einer Gruppe ehemaliger Gegner.


    Fazit:

    Mir hat dieses Buch gut gefallen und ich bin Haralds Entwicklung gerne gefolgt. Einzig die Figurenzeichnung kann tiefer gestaltet werden. So vergebe ich vier von fünf Sternen (9 von 10 Eulenpunkten) und kann das Buch allen empfehlen, die einen spannenden Abenteuerroman mit historischen Elementen lesen mögen.

    Nun habe ich den ersten Abschnitt beendet und habe die Anmerkungen meiner Mitleser verarbeitet. Dies ist mein erstes Buch von Corinna Bomann und liegt nicht in meinem normalen Beuteschema. Es ist sehr gefühlsbetont und man leidet mit Anna von Anfang an mit. Mir gefällt die Beschreibung von Wenzel als realitätsnah und aus seiner Sicht ist die Ablehnung seines Heiratsantrages unverständlich. Anna ist mittellos, empfindet etwas für ihn und er bietet ihr eine sichere Zukunft. Auch Annas Gedanken zur Annahme des Angebots der englischen Königin kann ich nachvollziehen. Ihre Diskussionen mit ihrer Schwester finde ich sehr theatralisch. Ich glaube nicht, das Anna sich ein solches Verhalten allzu oft leisten kann.

    Das Buch liest sich flüssig und der Leser erhält auch einen recht genauen Eindruck von der Situation vieler Menschen zu Zeiten der industriellen Revolution. Viele Menschen verlieren ihren Job und ein soziales Netz gab es eben nicht, die Menschen waren auf die Unterstützung von Familie und Bekannten angewiesen. Es ist schon erstaunlich, dass Anna, Elisabeth und ihre Mutter ihr Leben vom Gehalt einer Hilfskraft führen können. Das fällt heute den Betroffenen zunehmend schwerer.

    Anna ist mit ihren sechszehn Jahren sehr emotional und auch sehr schnell verliebt. Wenzel ist wohl Geschichte, jetzt ist es der Engländer. Anna will ja auch heiraten, erkennt aber, das eine Heirat mit dem Verlust ihrer Selbstständigkeit verbunden ist. Natürlich gab es früher schon starke und selbstständige Frauen, aber dies war meist mit einer konkreten Aufgabe verbunden. So schmiss die Frau eines Kaufmanns den Laden vor Ort, wenn ihr Mann auf Handelsreise war.

    Nun hat sich das Tempo zum Ende dramatisch erhöht. Schön zu sehen, dass die kleine grenzübergreifende Zusammenarbeit auch ohne Tenbrink funktioniert. Bei den Aktionsteilen bin ich zwiegespalten - einerseits sind sie sehr spannend, aber andererseits kann ich mir Tenbrink nur schwer in dieser Rolle vorstellen. Bertran hat mich in diesem letzten Abschnitt voll und ganz überzeugt, während Tenbrink trotz seiner Aussetzer erstaunlich gut vorankommt. Dann seine Heldentat mit kaputtem Schädel und seine "Vertrautheit" mit der bösen Anne. Die Auflösung war stimmig, aber wie geht es mit Tenbrink weiter, Wird im Krankenhaus an seiner Vergesslichkeit gearbeitet? Seine Frage nach Karin hat mich fast geschockt. Mein Opa litt unter Demenz und die Zeitsprünge in seinem Gehirn sind mir vor allem in Erinnerung geblieben. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Charaktere, Atmosphäre, Sprache und Handlung waren überzeugend, allein Tenbrinks Aussetzer wurden mir zu viel. Ich hatte schon nicht mehr an eine Fortsetzung geglaubt. Bin gespannt, wie dies im angekündigten Folgefall gelöst wird.

    Vor versammelter Mannschaft bloß gestellt und vorgeführt zu werden ist schon heftig. Bei Bremer und der Staatsanwältin fehlen wohl noch Lehrgänge zur Personalführung. Aber der Bremer wird so derart unsympathisch dargestellt, dass ich ihn schon bemitleide. Tenbrink klinkt sich völlig aus und folgt seiner Intuition oder sind es doch nur Visionen, Sein Zustand verschlechtert sich rapide und so sehr, dass es sogar ihm auffällt. Aber er unternimmt weiterhin nichts. Das Marlijn nach Marten sucht kann nur bedeuten, dass Annes Partner nicht Marten ist, aber wer dann? Was Bertram sein Koks ist, ist Tenbrink sein Schnaps. Bei uns am Niederrhein gibt es den Schnaps aber erst nach dem Essen.

    Tenbrink und Bertram sind wahrlich keine Figuren von der Stange, aber manchmal tanzen sie doch arg aus der Reihe.

    Dem stimme ich fast vollständig zu, allein die Rolle der Staatsanwältin sehe ich anders. Über den Umgang mit Tenbrink kann man diskutieren, aber ihre Argumente stimmen. Bertram meint ja, dass es eine Folge der Vergesslichkeit ist, aber um so wichtiger ist es für Tenbrink, zum Arzt zu gehen. Sein Gefuhl arbeitet zwar ganz gut, aber in Verbindung mit den Aussetzern ist es eher gefährlich. Und natürlich hätte die Staatsanwältin vorher mit Tenbrink reden sollen, aber beide mögen sich nicht - halt beides Dickschädel. Auch Bertram frönt weiterhin seinem Kokskonsum. Da frage ich mich schon, woher er ihn bezieht.

    Es bleibt weiter spannend. Heinrich Tenbrink offenbart ein paar Ecken und Kanten. Er grummelt sich weiter durch und seine Zettelwirtschaft wird noch zum geflügelten Wort.

    Diese Erdnussautomaten kenne ich auch noch, auch in einigen Variationen ( z. B. gebrannte Mandeln). Auch die Dorfkneipe mit ihrer typischen Atmosphäre kommt mir seltsam bekannt vor. Aber zurück zu den Figuren. Eva und Ellen waren schon fast Ungeheuer, aber auch heute ist es oft unglaublich, wie unter den Schülern gemobbt wird, Mit den modernen Medien geht das alles noch viel "besser". Die Reaktion der Jungen kann ich nachvollziehen, auch wenn das Ausmaß des Schadens sicherlich nicht gewollt war. Ellens Schuldgefühle sind mir dagegen eher suspekt. Bei Ellen würde ich eher auf Rachemotive tippen. Der verschwundene Banker verleitet zu Spekulationen. Wenn er der Investor ist, dann ist auch seine Scheu, sich mit Anne in der Öffentlichkeit zu zeigen, verständlich. Annes schöne Fassade bekommt weitere Risse. Die Figur des Didi hat mir sehr gefallen. Er macht irgendwie sein eigenes Ding und hängt doch am Tropf der Kneipe. Schön und traurig zugleich.

    Rein falltechnisch habe ich noch keine Idee. Der Tod von Eva kann kein Mord gewesen sein, aber was sonst soll kein Unfall gewesen sein. Tenbrink und Bertram harmonieren gut miteinander und es fällt ihnen schwer, Geheimnisse voreinander zu verbergen. Als angenehm empfand ich die Beschreibung des Verhältnisses Bertrams mit der Staatsanwältin, Und natürlich hat sie die Initiative übernommen. Bertrams Situation finde ich traurig. Er lebt nun schon Jahre in Westfalen und hat immer noch so gut wie keine Kontakte. Auch bei Tenbrink scheint es nur eine überschaubare Anzahl an Kontakten zu geben. Aber da gibt es mildernde Umstände. Er scheint auch einige Sympathien für Anne zu haben. Seine Vergesslichkeit ist schon deutlich und er weiß es. Aber aus Furcht vor möglichen Diagnosen unternimmt er nichts - verständlich, aber nicht klug.

    Die Ermittler handeln für mich nachvollziehbar und menschlich und auch der Menschenschlag der Region spielt eine Rolle. Das gefällt mir. So Typen wie Hunter, Hole und Barrett sind nicht mein Ding.

    Anne könnte natürlich die Täterin sein, aber das ist mir zu naheliegend und hätte sie die Tat kräftemäßig allein geschafft?? Vielleicht mit einem Komplizen?? Kann ich mir nicht vorstellen..


    Mir gefallen die beiden Ermittler! Endlich mal normale Typen, die auch normal kommunizieren...

    Meist haben die Ermittler heute in Büchern eine schreckliche Vergangenheit und beherrschen nur noch unterirdische Prollsprüche. Das hier ist echt mal eine Wohltat!!:wave

    Mir gefallen die beiden Ermittler auch, aber auch hier haben beide eine Vergangenheit (Tod der Ehefrau, Korruptionsaffäre), aber es wird nicht permanent darüber geredet.

    Überlebende Zeugen des Unglücks haben ja berichtet, das Ellen immer wieder gerufen hat: "Das war kein Unfall"..Jeder geht davon aus, das sie den Flugzeugabsturz meinte. Ich glaube aber, dass sie den Unfall ihrer Schwester Eva vor 16 Jahren meinte.....aber wie genau passt das zusammen??:lesend

    Das sehe ich auch so.