Der 3. Oktober - Wirklich ein Tag zum Feiern?

  • Ich bin da skeptisch, ob man da wirklich dem einfachen Volk den Vorwurf machen kann. Die reagieren nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Gefährlich sind die, die diese Leute aufhetzen und lenken, die Demagogen.


    Ich hatte letztes Jahr auf der Leipziger Buchmesse mal versucht, mit einem vom Compact-Verlag zu diskutieren. Äußerst schwierig, da er alle Argumente kannte und auch geschult wirkte, darauf adäquat zu reagieren. Befremdet war ich, weil um uns herum auch noch ältere Leute standen, die ihm Mut zusprachen. Er solle sich nicht unterkriegen lassen und es sei alles genau richtig, was er machen würde. Die älteren Leute hatten wirklich Angst vor einem Krieg. Letztes Jahr dominierte noch das Thema Putin-Krim-westliche Sanktionen und der Compact-Verlag argumentierte mit irgendeinem Stockholmer Institut, dass angeblich eine hohe Kriegswahrscheinlichkeit ausgerechnet hatte. Für mich alles haarsträubend dämliche Aussagen, die älteren Leute hatte er aber damit gefangen. Ähnliche Diskussionen hatte ich Anfang des Jahres im privaten Kreis. Harimaus Aussage "einfache Lösungen für komplexe Probleme" war seinerzeit auch mein Gedanke. Was ist aber zu entgegnen, wenn die Leute diese Parolen begierig aufsaugen und sich - wie Dieter schrieb "an dem Gegröle berauschen"?

  • Zitat

    Original von Voltaire
    Mit meinem Eingangsbeitrag habe ich meine Sicht der Dinge dargelegt. Man muss meine Ansicht nicht teilen, aber sie als "dümmliches Stammtischgesülze" abzutun halte ich dann doch für grenzwertig.


    Ich versuche mal zu vermitteln: Mit Stammtischgesülze meinte Dieter sicher nicht Deine Sicht der Dinge, sondern lediglich Teile Deiner Wortwahl. Welche, hat er ja deutlich gemacht.



    Zitat

    Original von Voltaire
    Merkel ... Gauck ... Beide habe sich ins gemachte Bett gelegt, aber es war andere die ihren Kopf 1989 in der DDR hingehalten haben.


    Selbstverständlich waren es andere. Bei dem Tag der Deutschen Einheit haben sich auch die beiden nicht für ihre Taten feiern lassen, sondern sie sind aktuell die demokratisch gewählten Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland. Genscher ist verstorben, Kohl wohl gesundheitlich nicht mehr in der Lage, so eine Feier durchzuführen.



    Zitat

    Original von Voltaire
    Und in Dresden feierte sich die Politprominenz hinter geschlossenen Türen selbst. Erinnert fatal an die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR.


    Man könnte es so sehen, es ist aber aus meiner Sicht falsch. Gestern wurden nicht die Personen gefeiert, die aktuell die Regierung vertreten, sondern der Tag vor nunmehr 26 Jahren. Weihnachten und Silvester sprechen die beiden auch, ohne dass jemand auf die Idee käme, die ursprünglichen Protagonisten sollten doch möglichst zu Worte kommen. ;-) Das Ereignis steht an diesen Tagen im Vordergrund.

  • Zitat

    Original von Voltaire
    Und diese Leute feiern wir heute! Wir lassen uns vollsülzen von ihrem Geschwätz.


    Wär mir neu, dass am 03.10. irgendwelche Leute gefeiert werden. Sobald ich Mutti feier, könnt Ihr Euch aber sicher sein, dass ich entweder sofort in die Klapse gehöre oder der Weltuntergang kurz bevor steht.
    Es ist lediglich ein Gedenktag für einen wichtigen, historischen Moment der deutschen Geschichte.
    Ob man da feiern mag oder sich ärgern oder einfach nur ganz normal seine Wohnung putzen und das als Tag wie jeden anderen auch, nur dass die Geschäfte geschlossen sind, empfinden, das bleibt doch jedem selbst überlassen.
    Und ich weiß ja nicht, was für eine Superstaatsform Voltaire da vorschwebt. Ich bin froh, in Deutschland zu leben so wie es ist. Ich will gar nicht mehr Demokratie. Ich schau nach Kolumbien und bin unendlich dankbar, dass bei uns über wichtige Fragen keine Referenden abgehalten werden.
    Und Norbert Lammert mag ich überhaupt nicht. Aber seine Rede gestern. Wir Deutschen sind vermutlich wirklich Weltmeister im meckern, statt einfach mal zufrieden zu sein mit dem, was wir haben und was die allermeisten Menschen auf der Welt nicht haben.
    Sicherlich ist Vieles nicht das Gelbe vom Ei. Aber mir sind Meinungsfreiheit etc. wichtiger als finanzieller Wohlstand. Und selbst da stehen wir doch ziemlich gut da im weltweiten Vergleich.

    Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.


    Johann Nepomuk Nestroy
    (1801 - 1862), österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor

  • Ich melde mich zum 03. Oktober mit 5 tägiger Verspätung auch mal zu Wort.
    Prof. Dr. Norbert Lammert hat so einiges gesagt, was ich bedenkenswert fand, aber besonders horchte ich auf, als es um die "gefühlte" Zufriedenheit der Deutschen ging.
    "Im Vergleich mit anderen Ländern zeichnen wir uns gerade nicht durch ausgeprägte Zufriedenheit aus. In einem virtuellen Glücksatlas des amerikanischen Gallup-Instituts, das die gefühlten Erfahrungen unter 138 befragten Nationen erfasst, ordnen die Deutschen sich auf Rang 46 ein – zwischen dem Senegal und Kenia. Nach einer neuen Umfrage haben wir uns weiter nach oben gearbeitet, direkt hinter Vietnam."
    Ich wüsste so einiges, was mir die Feierlaune vermiesen könnte.
    Ein paar sächsische Brüllaffen (ich darf das als Berliner schreiben, da mein Hauptwohnsitz in der Oberlausitz liegt), eine gefährlich zunehmende Religionsfeindlichkeit, die aus gläubigen Muslimen "Islamisten" (was immer das sein soll?) macht und .....ganz zum Schluss auch der GEZ Beitrag, der alle Haushalte verpflichtet für "etwas" zu zahlen, dass zumindest einige, zugegeben Wenige, nicht nutzen wollen.
    Aber wenn ein unterdrückter Senegalese, ein von Boko Haram bedrohter Kenianer mehr "gefühlte Zufriedenheit" ausstrahlt als ich, dann ist es an der Zeit den 3. Oktober zu feiern und gerne auch den 09. November. Und wenn dann meine gute Laune durch die bereits erwähnten Brüllaffen gestört wird, denke ich wachsam an die Reichspogromnächte im November 1938, in denen vom 7. bis 13. November etwa 400 jüdische Menschen von herumbrüllenden und schießenden Nazis ermordet wurden. "Wehret den Anfängen! Der Schoss ist fruchtbar noch, aus dem es kroch!"