Weißwurstconnection. Ein Provinzkrimi - Rita Falk

  • Rita Falk: Weißwurstconnection – Ein Provinzkrimi, München 2017, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-26127-2, Klappenbroschur, 302 Seiten, Format: 14,1 x 3,2 x 21,8 cm, Buch: EUR 15,90 (D), EUR 16,40 (A), Kindle Edition: EUR 13,99, auch als Hörbuch lieferbar.


    „So, du Hanswurst“, kommt nun mein Einsatz. Ich geh auf ihn zu und dräng ihn schon rein durch mein körperliches Auftreten direkt dem Ausgang entgegen. „Jetzt schaust, dass dich schleichst, gell, sonst hast gleich eine Mistgabel im Kreuz.“
    „Was? Moment mal! Ich ... ich werde Sie anzeigen“, keift er. (...) „Geben Sie mir sofort Ihren Namen!“
    „Eberhofer“, sag ich (...) „Kommissar Eberhofer, wenn’s recht ist.“
    (Seite 278)


    Mit diesem Textauszug sind gleich drei Dinge klar:

    • Die Geschichte spielt in Bayern.
    • Es geht recht deftig zu und nicht immer bierernst.
    • Und Kommissar Franz Eberhofer ist keiner, der gern nach den Regeln spielt.

    Kenner der Reihe – WEISSWURST-CONNECTION ist bereits Band 8 – können beruhigt sein: In Niederkaltenkirchen bei Landshut ist alles beim Alten. Mehr oder weniger, jedenfalls. Ein bisschen was tut sich schon beim Helden und in seinem persönlichen Umfeld, sonst bräuchte man ja keine neue Geschichte zu erzählen.


    Eine Wasserleiche im Hotel
    Und darum geht’s: Diejenigen unter den Niederkaltenkirchenern, die in den vorigen Bänden so vehement gegen das neue Hotel am Ort gewesen sind, haben vergebens gekämpft: Es ist gebaut worden, wenn auch der örtliche „Heizungspfuscher“ Ignatz Flötzinger bei dem Geschäft ganz schön ausgebootet worden ist. Einen Großauftrag hatte man ihm in Aussicht gestellt, und dann ist es doch anders gekommen. Dass ihm das stinkt, ist verständlich.


    Das Hotel unter der Leitung von Frau Grenzbach steht unter keinem guten Stern. Ihr Mann ist während der stressigen Bauphase einem Herzinfarkt erlegen und jetzt, zwei Tage nach der Eröffnung, liegt Bauleiter Manuel Degen als Wasserleiche in einer der luxuriösen Hotelbadewannen.


    Diskret soll der Eberhofer ermitteln, und ebenso diskret die Leiche aus dem Haus schaffen. Das ist 1.) gar nicht sein Ding und 2.) vollkommen für die Katz’, weil das Personal tratscht und am nächsten Morgen schon das ganze Dorf Bescheid weiß.


    Birkenberger Rudi undercover
    Um das Hotelpersonal unauffällig unter die Lupe nehmen zu können, schleust sich Eberhofers Spezl, der Ex-Polizist und Privatdetektiv Rudi Birkenberger, als Hotelgast bei den Esoteriktagen ein – in aberwitziger Verkleidung. Wer die Eberhofer-Verfilmungen kennt, kann nicht umhin, sich vorzustellen, wie Birkenberger-Darsteller Simon Schwarz in Norwegerpulli und rosa Pluderhosen herumhupft und sich so richtig schön zickig, divenhaft und beleidigt aufführt.


    Privat läuft’s beim Eberhofer derzeit recht gut. Obwohl er nach wie vor nicht mit seiner Susi und dem gemeinsamen Söhnchen Paul zusammenlebt, ist er glücklich mit seiner Familie und auch das Liebesleben ist wieder intakt. Und weil die Susi und der kleine Paul den Kommissar abwechselnd vom Schlafen abhalten, schlurft er ziemlich müde durch diesen Fall.


    Seine Erschöpfung dürfte auch mit ein Grund dafür sein, dass er nichts von den Plänen seiner Sippe mitkriegt: Auf dem Grundstück des elterlichen Hofs soll ein Doppelhaus gebaut werden – für Franz und seinen Bruder Leopold mit ihren jeweiligen Familien. Die Verwandtschaft brütet schon über Bauplänen und sucht Badezimmerfliesen aus, ehe der Franz Wind von der Sache bekommt. Er ist stocksauer. Er will nicht, dass man über seinen Kopf hinweg bestimmt, er will kein Doppelhaus und er will schon gar nicht seinen Bruder, die „Schleimsau“, zum Nachbarn. Und ob er mit der Susi wirklich auf Dauer zusammenleben will, das muss er sich noch gut überlegen.


    Nix als Ärger mit der Familie
    Völlig zu Recht muss Franz sich von seinem verwitweten Vater Bindungsangst und mangelndes Verantwortungsbewusstsein vorwerfen lassen. Mag sein, dass Franz keine Ahnung hat, wie eine Beziehung funktioniert, weil er mutterlos bei seiner Oma aufgewachsen ist. Und die Ehen seiner Freunde laufen derart katastrophal, dass sie einem auch nicht gerade Lust aufs Heiraten machen. Aber dahinter kann man sich nicht ewig verstecken. Franz ist schon über 40, und sein Vater hat recht, wenn er in bewährter Deutlichkeit sagt: Herrschaftszeiten, sei doch endlich ein Mannsbild!“ (Seite 265)


    Da ist der Franz ganz froh, dass er seinen Fall hat, der ihn von den strapaziösen Familienangelegenheiten ablenkt. Wer hat denn nun den Herrn Degen umgebracht? Der Birkenberger Rudi hat die so genannte „Weißwurst-Connection“ in Verdacht, die aus beruflichen Gründen nicht gut auf den Bauleiter zu sprechen war. Franz findet das absurd. Stimmt es denn, dass Degen ein Verhältnis mit der Bauunternehmerin Blessinger hatte? Es hat den Anschein, aber irgendwas an der Geschichte ist sonderbar ...


    Der Fall nimmt eine überraschende Wendung und der Cliffhanger ist nicht von schlechten Eltern. Noch nie habe ich mit solcher Spannung auf den nächsten Eberhofer-Krimi gewartet wie nach diesem Band.


    Eine Chance für die Kindsköpfe?
    Eberhofer und seine Kumpels führen sich wie gewohnt spätpubertär auf. Die werden es noch schaffen, direkt vom Flegelalter ins Rentenalter überzuwechseln, ohne jemals erwachsen geworden zu sein. Obwohl ... dem Franz scheint ja doch das eine oder andere Lichtlein aufzugehen. Und auch der Flötzinger erntet nun, was er gesät hat, und es schmeckt ihm ganz und gar nicht. Vielleicht ist für diese Bande von Kindsköpfen doch noch nicht alles zu spät.


    So jedenfalls sollte die Reihe nicht enden.


    Liebe Frau Falk, können wir uns vielleicht auf 10 Bände einigen? Ich würde gerne noch erleben, dass der Eberhofer erwachsen wird und das ewige Hin und Her mit der Susi endlich aufhört. Er soll sie endlich heiraten und gut. So langsam tut mir auch die „Schleimsau“ leid. Wäre schon schön, wenn der Franz wenigstens eine einzige gute Eigenschaft an einem Bruder entdecken könnte. Der Leopold stammt doch aus derselben Sippe, ’zefix, der kann doch nicht so grundverkehrt sein! Und was soll denn Franz’ Nichte Sushi denken, wenn sie älter wird und mitkriegt, wie sehr ihr Papa und ihr Onkel einander verachten? Sie liebt doch beide!


    Ach ja: In den Eberhofer-Krimis wird immer gern und viel gegessen, vor allem das, was Eberhofers Oma Leni kocht. Deswegen gibt’s im Anhang ein paar Rezepte von ihr. Und ein sehr amüsantes Glossar mit ein paar nicht bundesweit bekannten Begriffen gibt’s auch.


    Die Autorin
    Rita Falk, Jahrgang 1964, hat sich mit ihrer Provinzkrimiserie um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer in die Herzen ihrer Leser geschrieben. Von sich selber sagt die Autorin, dass sie die schönste Zeit ihres Lebens in Oberbayern verbracht hat. Dort hat sie ihre Kindheit verbracht, wuchs bei der Oma auf. Dem ihr so vertrauten Landstrich ist Rita Falk auch als Erwachsene treu geblieben. Sie lebt heute in München. Rita Falk ist mit einem Polizisten verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

    Und was die Autofahrer denken,
    das würd’ die Marder furchtbar kränken.
    Ingo Baumgartner

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  • Der Eberhofer Franz ist einer den man mögen muss. Das meine ich genau so mehrdeutig wie es da steht. Eigentlich muss man dieses bayrische Mannsbild, der gerne Vater ist und sein Dauergschbusi, die Susi auch sehr gern mag, aber anderer Väter Töchter dann halt auch mal gern hat, der Polizist ist und auch mal einen Mord aufklärt, aber eigentlich mit dem Landleben und den zwischenmenschlichen Problemen der Dorfbewohner ausgelastet ist. (So schlichtet er den Streit zwischen ein paar Studenten und ihrer Nachbarin und kurbelt in Folge den Umsatz seiner Stammkneipe an). Wenn dann aber so etwas wie ein zumindest ungewöhnliches Ableben passiert, dann wird das ausermittelt und bis zum bitteren Ende ausermittelt. Auch wenn dem Eberhofer Franz der ein oder andere Verdächtige als Täter lieber gewesen wäre, mit seinem Kumpel Rudi, seinem Ex-Kollegen, der bekanntlich die Polizei verlassen musste, da er eine Drecksau mit

    der Dienstwaffe kastriert hat, klärt er jeden Fall mit viel Humor, Selbstironie und wenig StPO. Mir macht das Lesen auch beim achten Band noch Spaß, wer den Eberhardter Franz nett mag, der soll halt das Buch nicht lesen.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

  • Franz Eberhofers achter Band ist anders. Der Papa glänzt 90% des Buches mit Abwesenheit und auch Franz‘ Privatleben allgemein nimmt einen eher geringeren Stellenwert ein. Stattdessen geht es hauptsächlich um die Ermittlungen seines aktuellen Falls: Im brandneuen Hotel liegt ein Toter in der Badewanne. Und das sogar unmittelbar vor der offiziellen Eröffnung. Selbstredend, dass Franz bei seinen Nachforschungen äußerst subtil vorgehen muss. Zum Glück gehört Feinfühligkeit ja ohnehin zu seinen Stärken. Interessant ist diesmal auch, dass die Freunde des Kommissars diesmal direkt von den Ermittlungen betroffen sind. Warum Franz in manchen Fällen immer noch etwas komisch reagiert (vor allem wenn es um den Leopold geht), bleibt offen und sorgt für den einen oder anderen Schmunzler. Den Krimi selbst fand ich recht gelungen, die etwas andere Auflösung recht gut. Merkwürdig war nur, dass nach der Auflösung immer noch 30 Romanseiten übrig waren. In denen passieren dann noch einige kuriose private Dinge – inklusive einem Cliffhanger im wahrsten Sinne des Wortes. Da freut man sich gleich umso mehr auf Band 9.