Eva-Maria Silber - Forgotten Girl

  • 3 Mädchen und 2 Jungs gehen 1984 Zelten. Am nächsten Morgen sind 1 Mädchen und ein Junge schwer verletzt, die anderen tot. Das Mädchen kann sich kaum noch an etwas erinnern, auch der Junge scheint niemanden gesehen zu haben. Der Fall kann nicht gelöst werden, doch die ermittelnde Kommissarin Janna Habena will auch nach 30 Jahren noch wissen, was damals geschah.Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit in Finnland, der allerdings nie aufgeklärt werden konnte.
    Das Cover des Buches ist sehr ansprechend gemacht und es passt auch perfekt zum Inhalt des Buches.
    Der Schreibstil der Autorin ist gut, die Orte und vor allem die Protagonisten werden ausgezeichnet dargestellt, auch wenn man in manchen Passagen merkt, dass die Autorin früher Juristin/Anwältin war, was aber nicht zu bemängeln ist.
    Der Plot der Story an sich ist sehr gut gewählt, allerdings gibt es als Leser des Buches eigentlich nur 2 Möglichkeiten was geschehen sein könnte.
    Zwar ist es schön, dass Janna der Fall keine Ruhe lässt, aber realistisch ist es sicher nicht, dass sie das über 30 Jahre tut. Dabei sind ihre Ermittlungen eigentlich auch nur sehr fadenscheinig und eigentlich nicht wirklich Ermittlungen zu nennen. Denn auch wenn die Kommissarin schon älter ist, sind ihre Beweise/Indizien bzw. dessen Zertifizierung dürftig bis gar nicht vorhanden.
    Das Buch lässt sich relativ schnell lesen, auch die Spannung ist eigentlich vorhanden. Gut gefiel mir auch die wechselnde Erzähltechnik zwischen einem autarken Erzähler und der Ich-Perspektive von Katharina.
    Fazit: Gute Grundidee, die durch mangelnde Ermittlungen und mangelnden Verdächtigen für den Leser allerdings nicht perfekt umgesetzt wurde. Insgesamt mehr Psycho, denn Thriller. Allerdings konnte mich das Buch doch in vielen Dingen auch überzeugen. 4 von 5 Sternen

  • Am Karfreitag 1984 zelten fünf Teenager am Totenmaar in der Eifel, am nächsten Tag sind drei von ihnen tot. Die Ermittlungen gestalten sich zäh, der Fall bleibt ungeklärt. 30 Jahre später nimmt Janna Habena, die bereits 1984 an den Ermittlungen beteiligt war, den Fall wieder auf.


    Die Autorin hat sich eines Kriminalfalls angenommen, der 1960 in Finnland passierte, und diesen zu einem Roman verarbeitet. Das ist durchaus interessant, auch wenn ich True Crime zunächst nichts abgewinnen kann, aber hier wurden nicht nur Zeitpunkt und Tatort verändert, so dass tatsächlich ein ganz neuer Fall entsteht. Der Roman liest sich auch recht spannend, man kann gut miträtseln, allerdings gibt es auch sehr explizite Szenen, die nicht für jeden etwas sind. Ein bisschen hat mich am Ende auch gestört, dass wesentliche Personen neu erfunden wurden.


    Leider sind der Autorin die Charaktere nicht besonders gut gelungen, keiner kam mir wirklich nahe, größtenteils waren sie mir zu oberflächlich gestaltet. Die einzige Person, bei der die Autorin mehr in die Tiefe geht, der sie Kapitel in Ich-Form gönnt, scheint mir nicht ganz ausgereift. Dieser Charakter, Katharina Zamanka, eine der überlebenden Teenager, trägt nicht nur eine Amnesie davon, sondern auch weitere psychische Störungen, allerdings gibt es hier, gerade wegen der Ich-Form, in meinen Augen Diskrepanzen. Leider ist es der Autorin auch nicht gelungen, für diese Person tiefer gehendes Mitleid zu erwecken.


    Lesen lässt sich der Roman zügig, allerdings könnte die Sprache der Autorin für manchen etwas schwierig sein, sie benutzt medizinische und juristische Begriffe, die nicht jeder direkt versteht. Für mich ist das allerdings kein Problem, beide „Sprachen“ sind mir geläufig. Manche Szenen sind mir allerdings deutlich zu klischeehaft, zu kitschig und/oder zu wenig authentisch gelungen, da wird von „engelsgleicher Haarpracht“ (Pos. 69) gesprochen, eine Jugendliche denkt an die „große Liebe meiner jungen Jahre“ (Pos. 382), jemand „bebte vor Begehren“ (Pos.1543).


    Der Fall ist interessant, auch weil er auf einem realen Fall beruht, verliert in meinen Augen aber durch die, zum Teil starken und nicht unbedingt nötigen, Veränderungen, am Ende hat er eben nur noch wenig mit dem realen Fall zu tun. Meiner Meinung nach hätte auch nicht diese Menge an expliziten Szenen sein müssen, einmal die Schwere der Verletzungen festzustellen, hätte gereicht, eine Teilnahme an der Autopsie z. B. hätte es nicht gebraucht.


    Die Auflösung kann in meinen Augen leider nicht punkten, ziemlich schnell war mir klar, was dahinter stecken musste, und das hat sich am Ende auch in Teilen bewahrheitet. Der andere Part der Auflösung scheint mir eher an den Haaren herbeigezogen, für mich ist er nicht nachvollziehbar, obwohl die Autorin den Tathergang am Ende ausführlich beschreibt. Den Kopf schütteln musste ich auch über Janna, die anscheinend nicht viel von Ermitteln hält, sondern beim ersten Tatverdacht, ohne wirkliche Beweise, sofort an eine Schuld glaubt. Der reale Fall wurde übrigens bis heute nicht aufgelöst.


    Insgesamt kann der Roman nicht hundertprozentig bei mir punkten, Charaktere, Fall und Auflösung erscheinen mir nicht wirklich gelungen. Allerdings lässt sich die Geschichte zügig lesen und ist durchaus spannend, weswegen ich knappe 6 Punkte vergebe. Eine Empfehlung möchte ich aber nicht aussprechen.

  • Eva-Maria Silber, geboren am 04.02.1959 in Friedlos, lebt heute mit ihrem Mann als freie Autorin bei Frankfurt am Main und an der Nordseeküste bei Wittmund. Sie studierte in Gießen Jura, arbeitete als Rechtsanwältin und Hauptgeschäftsführerin in Frankfurt und Wiesbaden, bevor sie wegen Schwerhörigkeit ihren Beruf vor drei Jahren aufgeben musste. Die Autorin ist Mitglied der Mörderischen Schwestern.


    Dateigröße: 914 KB

    Seitenzahl der Print-Ausgabe: 242 Seiten

    Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS (31. März 2018)

    Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
    Sprache: DeutschASIN: B07BV1P68Q


    Verhängnisvoller Karfreitag am Totenmaar


    "Nichts hält etwas intensiver in der Erinnerung fest, als der Wunsch es zu vergessen." (Michel de Montaigne)
    Trier 1984 die fünf Jugendlichen Britta, Anette, Katharina, Marc und Sebastian, wollen gemeinsam in Brittas Geburtstag hinein feiern und verbringen die Nacht im Zelt am Totenmaar. Die Eltern wissen nichts davon das sie ausgerechnet dort zelten werden, den sonst hätten, sie es niemals erlaubt. Am nächsten Morgen findet man ein Blutbad vor, nur noch Sebastian und Katharina können lebend geborgen werden. Beide sind schwer verletzt, während Sebastian nichts gesehen haben will, hat Katharina eine Amnesie und ein Trauma erlitten. Die anderen drei dagegen wurden auf brutalste und bestialische Weise getötet. Wer nur richtet so ein Blutbad an, fragen sich KHKC Helmuth Berg und die junge Kriminalmeisterin Janna Habena die den Fall übernehmen. Doch der Täter soll nie gefunden werden.

    30 Jahre später Janna Habena hat dieser Fall nie wirklich losgelassen, ist er doch der einzige, den sie nie lösen konnte. Inzwischen ist Janna stellvertretende Kommissarleiterin und rollt den Fall als Cold Case wieder auf. Sie trifft nun wieder auf Katherina und Sebastian, die sich nach ihrer erneuten Befragung ineinander verlieben. Doch kann Katharina ihm wirklich trauen, den noch immer kämpft sie mit ihrem Trauma und Alpträumen. Weiß Sebastian doch mehr als er zugeben will?


    Meine Meinung:
    Ein geheimnisvolles Cover und ein interessanter Klappentext haben mich neugierig auf dieses Buch gemacht. Der Schreibstil war sehr gut und fesselt mich sofort von Anfang an. Eingeteilt in 2 Teile, bei der es zu anfangs um die Ereignisse von 1984 geht um dann 30 Jahre später in die Gegenwart zu kehren. Der Plot war so brillant geschrieben, das ich mehrmals den Eindruck verspürt, ob diese Geschichte womöglich in der Realität passiert ist. Dass die Autorin eine ehemalige Rechtsanwältin und Strafverteidigerin gewesen ist, merkt man dem Inhalt sehr gut an. Sie brilliert durch gute Schilderungen der Taten, gute Ermittlungen und durch präzise Zusammenfassungen am Ende der Geschichte. Was mich hingegen stutzig machte, war das extreme Trauma von Katharina, das ich nicht immer ganz nachvollziehen konnte. Genauso das Katharinas Eltern viel zu lange zugesehen haben, bis sie überhaupt reagierten, fand ich etwas unglaubwürdig. Dafür konnte mich alles andere zu 100 Prozent überzeugen. Die Charaktere waren sehr gut durchdacht und für mich weitestgehend glaubwürdig. Trotzdem ich für niemanden von ihnen große Sympathien entwickeln konnte, dazu waren mir die Personen alle zu flach geblieben. Am interessantesten fand ich noch Janna, die alles dafür tat um die Wahrheit herauszufinden. Mit Katharina hingegen wurde ich nie richtig warm, ihre Veränderung, die sie nach dem Massaker erlebte machte sie mir fast sogar noch unsympathischer. Mein Verdacht, den ich hatte, hat sich dann im Nachhinein auch bestätigt, nur nicht ganz in dem Maße wie die Tat wirklich stattgefunden hat. Am meisten erschreckte mich in dieser Geschichte wie Leichtsinn, Neid, Hass und Eifersucht Menschen zu Bestien werden lassen. Dabei nimmt die Autorin bei den Schilderungen kein Blatt vor den Mund und man braucht teilweise schon starke Nerven. Für mich ein Thriller, von denen ich gerne weiter lesen würde und der von mir 9 Eulen bekommt. :thumbup:



    "Lebe jeden Tag so, als ob du dein ganzes Leben lang nur für diesen einen Tag gelebt hättest."