Beiträge von PMelittaM

    Reporterin Eve Hess glaubt einen interessanten Fall an der Angel zu haben, doch dann gerät sie in Lebensgefahr. Hat sie es hier überhaupt mit Menschen zu tun? Nicht nur der Maler Alan Glaser der bei ihr starke Emotionen weckt, scheint unnatürlich stark und mit einer annormal schnellen Heilung gesegnet zu sein ...


    Endlich habe ich diesen Roman von meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher) befreit, und hatte ehrlich gesagt gar keine großen Erwartungen an ihn. Mittlerweile habe ich einige Bücher dieser Art gelesen und nicht alle fand ich gut. Tatsächlich aber hat „Engelsbrut“ mich überraschend gut unterhalten.


    Das liegt allerdings nicht an der Protagonistin, die mir schnell auf die Nerven ging. Trotzig wie ein Kind begibt sie sich wieder und wieder in gefährliche Situationen und kann von Glück sagen, dass sie immer auf Neue gerettet wird. Auch ihre Gefühle für Alan wirken auf mich ziemlich aufgesetzt.


    Gut, dass nicht nur aus ihrer Perspektive erzählt wird. Die anderen Charaktere gefallen mir besser. Vor allem Alan, der mit seiner Abstammung hadert, eine Abstammung, die dem Leser erst nach und nach bekannt wird. Auch Kain, der Auftragskiller, ist interessant.


    Die Autorin erzählt flüssig und die bereits erwähnten Perspektivewechsel tragen zur Spannung bei. Die Geschichte ist düster und recht blutig, ihr Hintergrund interessant, der Titel verrät ja schon ein bisschen. Auf die Sexsezenen hätte ich persönlich gut verzichten können. Dennoch hat der erste Band mich zwar gut unterhalten, mich aber letztlich nicht animiert, die Reihe weiterlesen zu wollen.


    Wer düstere Urban Fantasy mit einem guten Schuss Romance mag, sollte hier einen Blick riskieren. Ich vergebe 7 Punkte.

    Kihrin erzählt dem Ungeheuer, Klaue genannt, das die Kerkerzelleie, in der sitzt, bewacht, seine Geschichte. Wie ist er hier gelandet? Doch Klaue scheint seine Erzählung nicht ganz ausreichend, und da sie eine Mimikerin ist, die sich über die Gehirne ihrer Opfer auch deren Erinnerungen einverleibt, kann sie auch etwas zur Geschichte beitragen, nämlich die Geschehnisse, die vor Kihrins eigener Erzählung passiert sind.


    750 der insgesamt gut 850 Seiten erzählen Kihrin und Klaue ihre Geschichten, immer abwechselnd, Kihrin in der ersten, Klaue in der dritten Person, bis sie am Ende ineinander übergehen und das danach Geschehene erzählt wird. Schon alleine durch die beiden Perspektiven/Zeitebenen ist die Geschichte sehr komplex und verlangt aufmerksames Lesen, aber immerhin kann man die beiden gut unterscheiden. Im Laufe der Zeit wird das Charakterensemble immer größer, manche Charaktere verschwinden bald wieder, andere bleiben länger, auch hier ist eine gewisse Aufmerksamkeit nötig, im Glossar am Ende kann man aber noch einmal nachlesen, wer wer ist, ohne dass dort gespoilert wird.


    Sehr komplex ist auch die Geschichte, die immer wieder für Überraschungen sorgt, und bei der man nie sicher sein kann, was weiter passieren wird. Die Charakterzeichnungen sind gelungen, aber auch hier gilt: Man kann sich nie sicher sein. Erzählt wird ausführlich, ohne jemals langweilig zu sein, und atmosphärisch. Unterhaltsam und/oder interessant sind die Fußnoten, die mich immer wieder an Pratchett erinnert haben.


    Die Welt, die sich die Autorin ausgedacht hat, ist überzeugend, Geschichte, Völker, Religion, Politik usw. sind gut durchdacht und machen das Ganze rund. Auch Magie spielt eine Rolle und ist gut integriert. Die Geschichte ist oft brutal und auch recht blutig, nicht wenige liebgewonnene Charaktere werden getötet.


    Neben dem bereits erwähnten Glossar gibt es eine Karte, die ich allerdings nicht benötigt habe, sowie Hinweise zur Aussprache der Namen, eine Übersicht über die Adelshäuser und die Herrscherhäuser der Vané (eines der Völker der Welt).


    Ich hätte mir diesen Roman durchaus als Einzelband vorstellen können, doch am Ende bleibt doch das eine oder andere offen und ein zweiter Band ist bereits im Original erschienen. Ich bin gespannt, was sich die Autorin dafür hat einfallen lassen.


    Ein epischer Fantasyroman, wie er nicht besser sein könnte, voller Überraschungen und gelungenen Charakteren, mit einer gut durchdachten Welt, sowie einer spannenden und komplexen Geschichte. Für mich ein Lesehighlight, das ich gerne weiterempfehle.

    Loretta und ihre Freunde sind zu einer Vernissage an die Nordsee eingeladen worden. Sie freuen sich auf eine erholsame Zeit miteinander – doch bald schon gibt es eine Leiche und einer der Freunde ist dringend tatverdächtig. Und so muss Loretta wieder einmal ermitteln.


    Dies ist der dritte Band der Reihe, auf den ich mich besonders gefreut habe, da ich selbst ein Nordseefan bin. Zu dieser Zeit lebt Loretta noch mit Diana zusammen, die mir ehrlich gesagt nicht allzu sympathisch ist (den ersten Band der Reihe fehlt mir bisher noch). Dafür gibt es an der N(M)ordseeküste ein paar Charaktere, die mir schnell gefallen haben, Kommissar Claassen und der nette Rechtsanwalt zum Beispiel.


    Da ich die Nordseeküste liebe, hatte ich auch schnell das richtige Feeling, Lotte Minck ist es gut gelungen, die Atmosphäre einzufangen.


    Der Fall scheint schnell glasklar zu sein – wäre es nicht auch für den Leser gänzlich unmöglich, dass der Verdächtige die Tat wirklich begangen hat. Für Loretta und Ex-Polizist Erwin ist es aber gar nicht so leicht, die Unschuld ihres Freundes zu beweisen. Die Auflösung hat man zwar gegen Ende kommen sehen, sie ist aber dennoch recht überraschend und auf jeden Fall gelungen. Auch der Humor kommt hier, wie immer, nicht zu kurz, handelt es sich doch bei der Reihe durchgehend um Krimödien.


    Wie auch bei den anderen Romanen der Reihe (bis auf den ersten habe ich alle gelesen) habe ich mich auch hier wieder gut unterhalten. Loretta-Fans werden sowieso alle Bände lesen wollen. Wer Krimödien bzw. humorvolle Kriminalromane und etwas andere Ermittler mag, kann hier bedenkenlos zugreifen.


    8 Punkte

    Rahel Hirsch hat als eine der ersten Frauen Medizin studiert und erhält 1903 eine Anstellung bei der Charité – für freie Kost und Logis, aber ohne Gehalt. Sie hat es zunächst nicht leicht, nicht jeder ihrer Kollegen kann eine Ärztin akzeptieren.


    Barbara Schubert fängt, ebenfalls 1903 in der Wäscherei der Charité an, durch eine Kollegin findet sie Zugang zur Frauenrechtsbewegung. Durch einen Zufall lernt sie Dr. Hirsch kennen und die beiden Frauen freunden sich an.


    Ulrike Schweikert setzt ihren Roman über die Geschichte der Charité fort, einige Jahrzehnte sind vergangen und viel hat sich in der Medizin getan. Auch für die Zeit aktuelle medizinische Erkenntnisse werden in die Erzählung eingebunden, wie etwa die Suche nach dem Erreger der Syphilis. So tauchen auch wieder eine ganze Reihe historischer Persönlichkeiten aus dem medizinischen Spektrum auf, wie etwa Paul Ehrlich. Auch Rahel Hirsch selbst ist eine reale historische Person, was ihre Geschichte besonders interessant macht. So ist der Roman auch dieses Mal wieder eine gelungene Mischung aus Geschichte der Charité, Medizinhistorie, politischem und sozialem Hintergrund und persönlicher Geschichte historischer und fiktiver Charaktere. Eingebunden wird die Zeit vor, während und kurz nach dem ersten Weltkrieg, die Erzählung beginnt 1903 (Prolog 1893) bis 1919 (Epilog 1938).


    Neben den Perspektiven der beiden Protagonistinnen gibt es weitere, wie die von Franz, Barbaras Cousin, der stellvertretend für die Soldaten an der Front steht, Asta Nielsen, die bekannte Schauspielerin oder Melli Beese, die sich als Pilotin und Flugzeugbauerin etablieren konnte – zwei Frauen, die „ihren Mann standen“. Asta Nielsen wirkt zwar auf mich ein bisschen wie ein Fremdkörper in der Erzählung, da sie wenig mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat und auch keine Beziehung zu den anderen Charakteren besteht, dennoch passt sie in jene Zeit und ihre Szenen haben mir gefallen.


    In einem Nachwort erzählt die Autorin über Fiktion und Wahrheit der Erzählung. Eine Karte und ein Auszug aus der verwendeten Literatur ergänzen das Ganze noch. Mir hat der Roman wieder große Lust gemacht, den historischen Charakteren noch ein bisschen mehr nachzuspüren.


    Auch dieser Roman ist wieder interessant zu lesen und hat mit Rahel Hirsch eine bemerkenswerte reale Person als Protagonistin. Auch die Medizinhistorie und das soziale und politische Umfeld ist gut eingebunden – lehrreich und unterhaltsam, für mich ein gelungener historischer Roman, den ich sehr gerne weiterempfehlen.


    10 Eulenpunkte

    Ein japanischer Fußballer stirbt in Hamburg unter mysteriösen Umständen – kein leichter Fall für Harms und Takeda, deren Ermittlungen sie schließlich bis nach Japan und in die Vergangenheit führen.


    Takedas vierter Fall ist wieder besonders, auch, weil er nur etwa zur Hälfte in Hamburg spielt. Eigentlich gilt der Fall bereits als gelöst, aber die beiden Protagonisten glauben nicht so recht daran. Sie nehmen sich Urlaub und reisen nach Japan, wo sie inoffiziell ermitteln und allerhand Abenteuer erleben. Hier ist es einmal umgekehrt, Takeda der, der sich auskennt, Claudia die, die sich in einer fremden Kultur wiederfindet (und mit ihr der Leser). Beide kommen in höchste Gefahr und Takeda zeigt, dass er aus einer alten Samurai-Familie stammt. Die Erkenntnisse in beiden Ländern sind erschütternd und die Gefahr auch nach der Rückreise noch nicht vorbei.


    Die Thematik ist erschreckend, und man fragt sich, wie viel tatsächlich real sein könnte. Der Autor nimmt in einem interessanten und ausführlichen Nachwort Stellung dazu. Mir hat sowohl die Reise nach Japan als auch die in die Vergangenheit gut gefallen, ich habe Neues gelernt und wurde mehrfach zum Googeln animiert. In diesem Band gibt es auch relativ viele Actionszenen, die aber im Kontext passend sind, und auch nicht das andere Geschehen überlagern. Dass sich die Beziehung der beiden Protagonisten ändern wird, hat sich bereits in Band drei angekündigt – ich bin gespannt, wie sich das in weiteren Bänden, sollt es diese überhaupt geben, auswirken wird, zumal Takeda ja auch irgendwann wieder zurück in seine Heimat muss.


    Mir gefällt die Reihe, auch wegen der besonderen Ermittler, nach wie vor gut, und ich hoffe auf weitere Bände. Ich empfehle sie daher auch gerne weiter.


    8 Eulenpunkte

    Nigeria, Ende 19., Anfang 20. Jahrhundert: Okonkwo gehört dem Stamm der Igbo an, sein Vater war ein Taugenichts, aber er hat es geschafft aus eigener Kraft zu etwas zu bringen und sich einen guten Status im Dorf zu sichern. Als christliche Missionare im Dorf eintreffen, ändert das das Leben des ganzen Stammes für immer.


    Chinua Achebe, selbst Nigerianer, veröffentlichte diesen Roman bereits 1958. In einem sehr interessanten Vorwort erfährt man einiges über den Autor und den (zunächst geplanten) Roman, der letztlich in die Afrika-Trilogie mündete, „Alles zerfällt“ ist der erste Band dieserTrilogie und erzählt das Leben eines afrikanischen Stammes „von innen“, Anmerkungen im Anhang vertiefen manches.


    Der Roman lässt sich sehr gut lesen, wird aber manchen erschüttern. Nicht immer wird deutlich, warum der Stamm dieses oder jenes tut, und für unser eigenes Verständnis wirkt vieles fremd und „barbarisch“. Hier hilft aber der Blick von innen, den der Autor einnimmt, der eben nicht wertet, und so sollte man es auch als Leser halten, und den Kontext der Zeit und des Ortes berücksichtigen. Dabei hilft, dass viele verschiedene Lebenslagen erzählt werden. Der Eingriff des „weißen Mannes“ in die Kultur ist heftig, wenn auch zunächst schleichend, aber nach und nach wird sie komplett zerstört, die Würdenträger des Dorfes gedemütigt, die Jugend verliert die bisherigen Werte – die Veränderung, die der Stamm durchmacht, ist gravierend. Nicht nur Okonkwo zerbricht daran.

    Der Roman ist gut geeignet, das urtümliche Afrika aus Sicht der Afrikaner kennen zu lernen. Es zeigt auch die Zerstörung einer Kultur durch eine andere auf, die sich für höher entwickelt hält und es daher nicht für nötig hält, sich erst einmal mit ihr auseinanderzusetzen – ein Roman, den man gelesen haben sollte.


    Volle Punktzahl

    Loretta fühlt sich wohl in der Gegend, in der sie nun lebt, und hat auch schon eine gute Einkaufsmöglichkeit gefunden, den Tante-Emma-Laden von Gitti Scheffer, mit der sie sich auch bereits angefreundet hat. Als Gitti sich das Schlüsselbein bricht, gibt es für Loretta daher keinen Zweifel: Sie hilft. Und dann kommt es, wie es kommen muss, Loretta landet wieder mitten in einem Verbrechen, auch wenn die Polizei zunächst fest an einen Unfall glaubt und Gitti und Loretta der Fahrlässigkeit bezichtigt.


    Das ist tatsächlich schon Band 11 um Loretta Luchs, die bei einer Sexhotline arbeitet und mit ihren Freunden immer wieder in Kriminalfälle stolpert, die sie letztlich meist bravourös löst. Hier zeigt Loretta einmal wieder, wie groß ihr Herz ist, den eigenen Urlaub dafür einzusetzen, um jemand anderem bei dessen Arbeit zu helfen, ist sicher nicht selbstverständlich. Mir gefällt auch Gitti gut, die, sympathisch und schrill wie sie ist, gut zu Lorettas Freundeskreis passen würde – ich hoffe, wir treffen sie in den Folgebänden wieder.


    Der Fall selbst hat zwei Komponenten, die aber durchaus zusammen gehören könnten. Zum einen ist da die Tatsache, dass jemand, womöglich zu jedem Preis, Gittis Haus haben möchte, zum anderen ein Toter, für dessen Tod Loretta mit verantwortlich gemacht wird. Die Polizei will nicht helfen, also muss Loretta selbst ran, natürlich nicht, ohne Erwin und Frank einzuspannen. Zusammen mit Frank wird sie auch wieder „andakawwa“ (Originalton Frank) tätig, und der Leser hat etwas zum Schmunzeln.


    Schmunzeln ist das Stichwort: Die Reihe ist eine Krimödie, d. h. der Humor kommt nicht zu kurz, und findet sich u. a. in meist sehr treffenden Personenbeschreibungen. Hier ist es z. B. Nachbarin Sievers und ihr Dackel, der immer wieder neue Modekreationen tragen muss, die zuverlässig für eine Schmunzelattacke sorgen. Auch dass Loretta selbst in Ich-Form erzählen darf, trägt zum humorvollen Stil bei. Ganz so lustig wie manche Vorgängerbände fand ich diesen allerdings nicht.


    Als Leser kann man wieder gut mitraten, allerdings wird es einem teilweise etwas zu leicht gemacht. Die Auflösung ist zufriedenstellend und das Ende gefällt mir richtig gut. Man darf sich wohl auch auf weitere Romane der Reihe freuen – ich bin dann auf jeden Fall wieder mit dabei.


    Auch der elfte Band der Reihe lässt sich wieder gut lesen. Als Kenner der Reihe freut man sich, alte Bekannte wieder zu treffen und mit Loretta neue Leute kennen zu lernen. Wer Krimödien mag, kann hier bedenkenlos zugreifen.


    8 Eulenpunkte

    Eine Frau stürzt vor die Bahn, ein Jugendlicher gesteht, sie geschubst zu haben – ein klarer Fall? Nein, denn der Jugendliche, Simon Kallweit, widerruft sein Geständnis und es gibt keine eindeutigen Beweise. Doch dann gibt es einen weiteren Mord und Simon ist wieder verdächtig.


    Bereits seit dem ersten Band faszinieren mich die Inspektor-Takeda-Romane. Das liegt zum einen daran, dass hier ein japanischer Inspektor für die deutsche Polizei ermittelt und nicht nur seine ganz eigene Art hat, sondern auch darüber nachdenkt, was an Deutschland besonders ist, wo die Unterschiede zwischen den beiden Ländern sind, und immer wieder feststellt, dass er sich in Hamburg sehr wohl fühlt. Das liegt zum anderen aber auch daran, dass der Autor mit ganz besonderen Fällen punktet, die interessant und spannend sind und immer wieder überraschen (und erschrecken). Auch mit diesem dritten Band ist ihm das wieder exzellent gelungen.


    Takedas Kollegin ist Claudia Harms, die beiden passen eigentlich so gar nicht zusammen, aber sie haben sich immer mehr aneinander gewöhnt und achten und mögen sich mittlerweile. Claudia ist ein ganz anderer Typ als Takeda, robust und aufbrausend, im Privatleben einsam, aber ebenfalls eine gute Ermittlerin mit dem Herz am rechten Fleck. Meine eigene Beziehung zu Claudia ist übrigens ähnlich wie die Takedas, am Anfang hatte ich so meine Probleme mit ihr. Schön, dass es dem Autor gelungen ist, diese zu entfernen.


    Dieser dritte Band gefällt mir bisher am besten. Die Thematik ist hart, der Verdächtige problematisch. Dass Mangas und ihre, zum Teil abstrusen, Auswirkungen Einzug halten, ist passend, auch, weil Takeda sich damit natürlich gut auskennt. Mitraten kann man, allerdings nur eingeschränkt. Auf die Auflösung wäre ich niemals gekommen, sie ist erschreckend, aber nicht unlogisch. Es gibt ein paar sehr überraschende Wendungen, dadurch ist der Roman auf seine Art sehr spannend.


    Der dritte Band der Reihe ist der bisher beste, er bietet einen interessanten und erschreckenden Fall, lässt sich kaum aus der Hand legen und zeigt einmal mehr – mal augenzwinkernd, mal gesellschaftskritisch – ein paar „Wahrheiten“ über die Deutschen und die Japaner. Ich vergebe dieses Mal gerne die volle Punktzahl und empfehle die Reihe weiter.

    Nach einem Atomkrieg und einem Virus, der viele Frauen tötete, ist man bemüht, die Bevölkerungszahl wieder zu steigern. Frauen werden daher mit bis zu sechs Männern verheiratet und durch Medikamente wird ihre Fruchtbarkeit gesteigert – ihr Leben wird ausschließlich zu dem einer Gattin und Mutter. Dieses Leben möchten nicht alle führen, und so gibt es eine geheime Organisation, die Panah, zu der sich junge Mädchen, bevor sie Gattinnen werden, flüchten können. Ihren Lebensunterhalt bestreiten diese Frauen damit, dass sie Männern, in der Regel solchen, die in gehobenen Positionen sind und damit einen gewissen Schutz gewährleisten können, Intimität ohne Sex bieten, sie z. B. beim Einschlafen im Arm halten.


    Eine Dystopie, von einer pakistanischen Autorin geschrieben und in Asien angesiedelt, das interessierte mich sehr, und der Start in den Roman sprach durchaus für sich. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, eine davon als Tonbandaufzeichnung. Zunächst sind es nur Frauen, später auch Männer, die zu Wort kommen.


    Leider entwickelt sich der Roman dann anders als erhofft, und im letzten Drittel habe ich wirklich nur noch den Kopf geschüttelt, mir fehlte es u. a. immer mehr an Logik, die Erzählung wird sehr langatmig, ich konnte viele Handlungen nicht mehr nachvollziehen und das Ende ist äußerst unbefriedigend. Statt einer interessanten Dystopie mit Spannung und echter Rebellion artete das Ganze u. a. zu einer blassen Liebesgeschichte aus. Ich hätte lieber, wie zu Beginn, mehr über die Frauen erfahren und ihre Beweggründe, über ihr Leben im Untergrund und über etwas, das mehr in Richtung Rebellion geht. Am Ende habe ich mich auch gefragt, warum die Frauen nicht direkt ins Nachbarland geflüchtet sind. Keiner der Charaktere kam mir wirklich nah, auch nicht Sabine, und auch ihre Charakterisierungen fand ich wenig stringent.


    Nach einem guten Start verliert der Roman zunehmend, es kommt keine Spannung auf, die Logik schwindet, die Charaktere handeln nicht nachvollziehbar, und die Geschichte driftet in eine Richtung, die mir nicht behagt. Leider kann ich nur 4 Punkte vergeben und keine Leseempfehlung.

    Ein Mann irrt durch den Wald, ohne Gedächtnis, nur einen Namen weiß er noch: „Anna“. Und er ist sicher, dass Anna gerade ermordet wurde. Als er endlich ein Haus erreicht, ist er dort gut bekannt, nur Anna kennt niemand.


    Wer Titel und Klappentext gelesen hat, wundert sich bestimmt. Anna? Sollte nicht eine Evelyn tot sein? Am besten, man vergisst den Klappentext, der sicher ein Kaufanreiz ist, schnell wieder, denn was dort verraten wird, erfährt man im Roman erst viel später. Bis dahin, und auch darüber hinaus, ist man genauso verwirrt wie der Protagonist, und das ist auch gut so.


    Ich habe selten einen so originellen Roman gelesen, der mich als Leser auch fordert, habe ich doch schnell viele Fragen, einige werden auch relativ schnell beantwortet, aber es kommen immer wieder neue hinzu. Gut, dass der Roman auch zum Mitraten einlädt, man macht sich viele Gedanken, und etliche davon werden irgendwann über den Haufen geworfen. Immer wieder wird man überrascht, immer wieder werden Erkenntnisse auf den Kopf gestellt. Es gibt aber auch viele Aha-Erlebnisse und am Ende legt man den Roman zufrieden aus der Hand. Dem Autor ist ein wahres Meisterstück gelungen, Chapeau!


    Erzählt wird in der Ich-Form – und aus mehreren Perspektiven – dazu sehr bildhaft (S. 40: „Eine Uhr trommelt all ihren Mut zusammen und gibt ein lautes Ticken von sich“). Ich brauchte zwar ein bisschen, um im Roman anzukommen, aber dann hat er mich komplett gepackt und war Spannung pur. Ich habe mich auch lange gefragt, wann der Roman spielt, Jahreszahlen werden nie genannt, ich schätze aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Prinzip ist das aber egal, denn der historische Hintergrund spielt keine Rolle, es bringt nur eine gewisse Atmosphäre mit sich.


    Die Charaktere sind durch die Bank gut gelungen, jeder ein besonderer Typ. Auf einen hätte ich zwar gut verzichten können, denn der „Lakai“ ist mir ein Touch zu viel, aber immerhin hat mich überrascht, wer am Ende hinter ihm steckte. Ich denke, die Geschichte hätte aber auch ohne ihn gut funktioniert.


    Ein „richtiger“ Kriminalroman ist es meiner Meinung nach nicht, auch wenn es gilt, deinen Todesfall aufzuklären und ermittelt wird, im Fokus steht etwas anderes, und dadurch wird der Roman eben ein bisschen mehr als ein „Krimi“. Mir gefällt das sehr und es sollte keinen Krimi-Fan abschrecken, den Roman zu lesen.


    Wie bereits oben erwähnt, die Auflösung gefällt mir gut. Eigentlich gibt es mehrere, nach und nach erfährt man, wie alles zusammenhängt, und auch der Kriminalfall wird gelöst. Trotzdem hat der Roman ein offenes Ende, das in meinen Augen aber sehr gut passt. Bis zum Ende bleibt der Roman originell und besonders:


    Selten habe ich einen Roman gelesen, der mich so gepackt hat, der mich immer wieder überrascht hat, und zwar im positiven Sinne, der meine grauen Zellen gefordert hat und vor Originalität nur so strotzt. Für mich ist dieser Roman eines meiner Jahreshighlights und ich bin schon gespannt, was sich der Autor für seinen nächsten einfallen lässt. Von mir gibt es selbstverständlich volle Punktzahl und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

    Weimar 1918: Der erste Weltkrieg ist vorbei, für Frauen scheint die Zukunft Gutes zu bringen. Klara hält es nicht im gutbürgerlichen Weimar, sie folgt ihrem Verlobten Fritz nach Berlin, Dort lernt sie neue Freunde kennen, dort führt sie ein freies, unabhängiges Leben – bis es zu Unruhen kommt. Fritz und Klara kehren schließlich nach Weimar zurück, gerade rechtzeitig, denn dort wird Geschichte geschrieben, die verfassungsgebende Versammlung tagt in Weimar.


    Die Autorin nimmt sich dieses Mal eines historischen Ereignisses an, das Entstehen der Weimarer Republik, und lässt ihre Charaktere vor diesem Hintergrund agieren – sehr gelungen werden deren Schicksale mit den historischen Gegebenheiten verbunden. Mir gefällt auch gut, dass die verschiedensten Meinungen, wie es mit Deutschland weitergehen sollte, in die Gespräche einfließen.


    Mit Klara ist ihr wieder eine bemerkenswerte Frauengestalt gelungen, die sich im Laufe der Geschichte emanzipiert und sich das auch für alle Frauen wünscht. Auch die anderen Charaktere sind, wie von der Autorin gewohnt, gut gezeichnet, echte Typen eben. Leider macht es in diesem Band keinen Sinn nach aus Vorgängerbänden bekannten Charakteren Ausschau zu halten, die gibt es hier leider nicht. Ich finde das ein bisschen schade, da das für mich immer die Besonderheit der Romane Joan Wengs gewesen ist.


    Die Verknüpfung zum Titel war mir schnell klar, immerhin schwärmt Klara für Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach. Wie es sich für einen guten historischen Roman gehört, gibt es im Anhang ein lesenswertes Nachwort der Autorin und auch das Glossar ist nützlich.


    Ich fühlte mich beim Lesen wieder gut unterhalten und habe ein bisschen dazugelernt. Joan Weng ist mittlerweile eine Lieblingsautorin für mich. Daher kann ich auch diesen Roman wieder empfehlen und vergebe 9 Punkte.

    1925: Die Familie des (fast) 15jährigen Theo Miller lässt sich in Kenia nieder, der Vater ist der neue Direktor der Eisenbahn. Bald lernt Theo Sylvie und Freddie kennen, beide bereits erwachsen, beide verheiratet, aber nicht miteinander. Theo ist - auch noch Jahre später - geradezu besessen von den beiden, vor allem von Sylvie.


    Ich mag gute erste Sätze, dieser Roman hat so einen: „Ihr Herz hörte genau um 20.57 auf zu schlagen“. So beginnt er auch direkt mit einem Rätsel: Wer stirbt hier, und warum? Die Lösung erfährt der Leser erst viel später, der Prolog ist aber immer im Hintergrund präsent.


    Wir begleiten Theo über mehr als 10 Jahre, allerdings gibt es zwischendurch einen Zeitsprung, denn die Jahre, während denen er in Schottland studiert, werden ausgelassen, erst als sein Studium beendet ist und er wieder nach Kenia reist, wird die Erzählung wieder aufgenommen. Die Autorin lässt Theo selbst in Ich-Form erzählen, der Leser erfährt also seine subjektiv gefärbte Sicht, kann sich aber dennoch seine eigenen Gedanken machen. Wirklich sympathisch ist der Protagonist nicht, er hat aber am Ende eine Entwicklung durchgemacht, die seinem Wesen guttut.


    Andere Charaktere kommen da (noch) weniger gut weg, manche widern den Leser schnell an, andere erst später. Das Kenia, über das Kat Gordon erzählt, ist das der weißen Kolonialherren, für die die Afrikaner nur billige und intellektuell unterlegene Arbeitskräfte sind, die froh sein müssen, dass sich jemand um sie kümmert. Einziger Kontrapunkt ist Maud, Theos jüngere Schwester, die sich dann auch nicht nur für die Menschen Kenias sondern auch für seine Tierwelt einsetzt und eine besondere Beziehung zu den Afrikanern entwickelt. Der Roman ist dadurch sehr gesellschaftskritisch und stellt die in Kenia lebenden Briten, die sich als Herren Kenias sehen, bloß. Denn sie sind keine edlen Menschen, sondern vertreiben die Langeweile, die sie ausfüllt mit Sex, Alkohol und Drogen.


    Lesen lässt sich die Geschichte sehr gut, die Autorin erzählt bildhaft, auch Gerüche und Geräusche werden erlebbar. Der gesellschaftliche und historische Hintergrund ist interessant und lädt zum Googeln ein. Schön wäre allerdings ein Nachwort der Autorin gewesen.


    Der Roman lief wie ein Film vor meinem geistigen Auge ab, hat mir eine interessante Geschichte erzählt und wird wahrscheinlich noch eine Zeit nachhallen. Wer sich für die Kolonialzeit Afrikas interessiert, kann zugreifen.

    Robert Hunter bekommt es noch einmal mit seinem Erzfeind Lucien Folter zu tun, der aus der Strafanstalt ausbricht und sich fortan darauf konzentriert, an Hunter Rache zu nehmen. Ob Hunters 10. Fall sein letzter sein wird?


    Lucien Folter, Hunters Collegefreund, lernte der Leser bereits in Band 6 der Reihe kennen. Lucien, hochintelligent und der schlimmste Psychopath, den Hunter kennt, hat in seiner Zeit im Gefängnis Pläne geschmiedet, die er schnell in die Tat umsetzen möchte. Für Hunter wird es daher bald sehr persönlich. Lucien Folter ist nicht unbedingt mein Lieblingsantagonist, und obwohl mir „Die stille Bestie“ gut gefallen hat, kann „Jagd auf die Bestie“ nicht ganz mithalten. Schon, dass man den Täter bereits kennt, nimmt mir ein bisschen die Spannung.


    Da Chris Carter forensische Psychologie studiert und als Kriminalpsychologe gearbeitet hat, wirkt der Roman gewohnt authentisch und hat einige sehr explizite Szenen. Man lernt neben Lucien auch Tracy, Hunters Freundin, ein bisschen besser kennen. Der Autor erzählt nicht nur aus Hunters Perspektive, sondern u. a. auch aus Luciens – in einer Szene wirkt Lucien sogar fast menschlich. Es gibt einige überraschende Wendungen und, vor allem gegen Ende, spannende Szenen, ich habe aber schon spannendere Werke des Autors gelesen. Schon beim Vorgängerband schien mir die Reihe etwas zu schwächeln, hier wird es leider nicht wieder besser. Natürlich ist das Jammern auf relativ hohem Niveau, aber schade ist es eben doch.


    Wie bereits im Vorgängerband kann mich die Reihe nicht mehr ganz so packen wie zu Beginn, ist aber dennoch immer noch lesens- und empfehlenswert für Thrillerfans.