Beiträge von PMelittaM

    „Ich tue, was mir passt“ (Josephine Baker)


    1928: Josephine Baker ist in Paris ein gefeierter Star, ihre nächste Station ist Wien, wo sie zunächst aber nicht gut aufgenommen wird. Tristan Nowak erhält eine Karte zur dortigen Premierenfeier Josephines, und da er sie gerne wiedersehen möchte, reist er nach Wien. Dort überschlagen sich schon bald die Ereignisse, denn Josephines und Tristans Widersacher geben keine Ruhe.


    Zwei Jahre sind seit den Ereignissen des ersten Bandes vergangen, in dieser Zeit haben Protagonist und Protagonistin einiges erlebt, aber immer wieder einmal an den jeweils anderen gedacht. Tristan kümmert sich nun im Regierungsauftrag mit seinen Freunden aus dem Boxclub um den Schutz von Politikern und anderen gefährdeten Personen, was ihm in Wien jedoch wenig nutzt, da er hier auf sich alleine gestellt ist, und sich z. B. auf die Polizei nicht verlassen kann. Dafür lernt er in Wien ein paar Menschen kennen, auf die er sich letztlich stützen kann.


    Josephine hat nun einen Mann an ihrer Seite, Pepito Abatino ist mehr als nur ihr Manager. Dennoch freut sie sich Tristan wiederzusehen, auch wenn sie nicht damit gerechnet hat, denn von wem die Karte stammt, die Tristan bekommen hat, ist lange unklar.


    Neben diesen beiden gibt es ein Wiedersehen mit einigen anderen Charakteren aus Band 1, manche sehr unerwartet. So sind z. B. Tristans Onkel und dessen Sekretär Paul Ballin ebenfalls in Wien, und spielen beide eine nicht unwesentliche Rolle. Zwei besonders interessante neue Charaktere trifft Tristan schon kurz nach seinem Eintreffen in der österreichischen Hauptstadt: Seine Zimmerwirtin Nora Salminger und den ehemaligen Dienstmann Anton Lowatschek.


    Die Autorin hat erneut ihre fiktiven Charaktere gelungen in den realen historischen Hintergrund eingebunden. Besonders das erneute Auftreten Josephine Bakers, die eine faszinierende Persönlichkeit war, mag ich sehr, und auch hier hat die Autorin gekonnt Fiktion und Realität verknüpft. Erzählt wird spannend und mit einigen überraschenden Wendungen. Sehr gut gefallen hat mir auch das Wiener Lokalkolorit.


    Auch dieser Roman ist wieder in sich abgeschlossen, liefert aber auch Möglichkeiten für die Fortsetzung. Ich freue mich bereits darauf. Auch der Anhang ist wieder lesenswert, u. a. gibt es ein Nachwort und historische Anmerkungen der Autorin sowie ein Literaturverzeichnis.


    Der zweite Band der Trilogie um Josephine Baker und den fiktiven Tristan hat es wieder in sich, er hat mich schnell gepackt, ist spannend und bietet interessante Charaktere. Ich vergebe gerne wieder volle Punktzahl und eine Leseempfehlung. Man sollte allerdings zunächst Band 1 gelesen haben.

    Wien, 1893: Leopold von Herzfeldt tritt seinen Dienst bei der Polizeidirektion gleich mit einem Fauxpax an, brüskiert den ermittelnden Kollegen, und wird zunächst von diesem Fall ausgeschlossen. Doch einer seiner Vorgesetzten ist wie er ein Verfechter der neuen Polizeimethoden und gibt ihm die Chance sich doch zu beweisen.


    Zwei Fälle sind es, die der Protagonist zu lösen versucht. Zunächst soll er den Fall des Todes Bernhard Strauss‘ (illegitimer Sproß der Musikerfamilie) aufklären, der sich auf den ersten Blick als Selbstmord darstellt. Der viel wichtigere Fall sind aber die brutalen Morde an Dienstmädchen. Bei seinen Ermittlungen trifft Leopold den Totengräber Augustin Rothmayer, der ihm durchaus behilflich sein kann, auch wenn Leopold das nicht gleich erkennt.


    „Das Buch des Totengräbers“ ist der erste Band einer neuen Reihe des Autors, auf deren weitere Bände ich mich schon freue. Oliver Pötzsch schreibt bildhaft, spannend und seine Charakterzeichnungen überzeugen mich. Vor allem hat es mir Augustin Rothmayer angetan, ein bisschen grantig, auf den ersten Blick nicht sehr anziehend, aber im Herzen ein guter Mensch mit viel Kompetenz und Wissen, das er in seinem Almanach niederschreibt. Ohne ihn wäre Leopold manches Mal aufgeschmissen gewesen. Aber auch Leopold gefällt mir gut, auf mich wirkt er gar nicht so arrogant und überheblich wie er bei seinen Kollegen ankommt. Neben diesen beiden gibt es auch eine weibliche Protagonistin, Julia Wolf, Telefonistin in der Polizeidirektion, mit mehr Hintergrund als zunächst gedacht. Nicht nur Leopold, auch ich, mochte sie schon nach kurzer Zeit.


    Neben den Charakteren spielt auch Wien eine Rolle, nicht nur der Zentralfriedhof auf dem Augustin arbeitet. Zwei Karten sorgen dafür, dass man die Wege der Charaktere nachvollziehen kann.


    Die Fälle sind interessant, man kann gut mitraten und die Auflösungen sind logisch. Es gibt überraschende Wendungen und Rückschläge. Nicht nur durch Augustin Rothmayers Beteiligung (und seinen Almanach, aus dem zwischendurch zitiert wird) gibt es sehr explizite Szenen und Beschreibungen, die wahrscheinlich nicht für jeden etwas sind, die aber in meinen Augen den Roman rund machen, immerhin steht es schon im Titel, und so sollte man darauf vorbereitet sein. Unbedingt sollte man auch das interessante Nachwort des Autors lesen.


    Der erste Band der neuen Reihe des Autors hat mich schnell überzeugt, Charaktere, Setting und die Fälle sind gut gewählt und so freue ich mich schon auf den nächsten Band. Ich vergebe gerne volle Punktzahl und eine Leseempfehlung für Fans historischer (Kriminal)Romane.

    Mit einer so schweren Gehirnerschütterung, und dann noch im Gefängnis mehrfach zusammengeschlagen - eigentlich hätte Tristan das kaum überleben können ... Aber, ich bin ja froh, dass er es hat.


    Josephine ist dann bei Dreifinger doch noch schwach geworden, was ihr fast zum Verhängnis wurde. Dass Parsifal Tristans Bruder ist, war eine Überraschung, ich bin aber noch nicht ganz sicher, wie ich das finden soll. Nun, sicher werden wir Julius in Band 3 wiedertreffen und mehr über ihn erfahren.


    Sehr traurig, dass Helene ihr Kind verloren hat, aber nach dem Tritt in den Bauch und dem vielen Blut, war das schon zu erwarten. Schön aber, dass sie und Tristan nun zueinander gefunden haben, und vielleicht wird es noch etwas mit einer Familie (obwohl, wenn man die Zeit bedenkt ...)


    Auch das Anna wieder aufgetaucht ist, hat mich erleichtert, aber auch damit hatte ich gerechnet, da Rothfuss und Gille nichts dazu gesagt hatten. Dass nun Rothfuss tot ist, und Gille überlebt hat und offenbar bei Parsifal ist, hat mich auch überrascht, ich hätte es eher andersrum erwartet. Aber so bleibt uns Gille weiter "erhalten".


    Das Helen sich an Josephine gewandt hat, hat sie sicher Überwindung gekostet, war aber die richtige Entscheidung. Beide Frauen haben Gefühle für Tristan und werden von ihm geliebt, da lag es nahe, dass sie zusammenarbeiten, um ihn zu retten. Dass Josephine und Tristan nicht "richtig" zusammenkommen, dafür sorgt die historische Realität, schade eigentlich, aber mittlerweile sehe ich durchaus Helene an seiner Seite.


    Der Anhang ist wieder informativ und lebenswert, allerdings geht Josephines Lebenslauf nicht, wie in der Überschrift bis 1928, sondern bis 1936.


    Mir hat es wieder gut gefallen, es war spannend, ich konnte mit den Protagonisten mitleiden und freue mich auf Band 3.

    Das war ein sehr spannender Abschnitt, die Suche im Untergrund, der Überfall ... Wo Ist Anna? Hat Helene ihr Kind jetzt doch verloren? Und Gille, der - wieder mal - nur ein Werkzeug war, wird er überleben?


    Rothfuss arbeitet als für "Dreifinger" - und Otto Ehlers offenbar auch, und ist nun dabei, Zeugen zu beseitigen.


    Ich muss weiterlesen!

    Australien 1980er Jahre: Der zwölfjährige Eli Bell lebt mit Mutter, Stiefvater und älterem Bruder in keinen guten Verhältnissen, dennoch fühlt er sich nicht unwohl – bis eine Tragödie über die Familie hereinbricht und sein Leben auf den Kopf stellt. Aber Eli ist niemand, der schnell aufgibt.


    Trent Dalton ist Journalist und debütiert mit diesem Roman, der offenbar – hoffentlich nicht allzu viele – biografische Anteile hat. Der Autor lässt seinen Protagonisten selbst in Ich-Form erzählen, teilweise in recht derber Sprache, wie man es aber auch von einem Junge dieses Alters aus diesem Milieu erwarten könnte. Erzählt wird über mehrere Jahre und Eli erlebt viel, auch viel Schlimmes, aber er gibt nicht auf, kämpft für seine Familie, seine Träume (u. a. den, Journalist zu werden), und tut nicht immer das Richtige. Auf Grund seiner Herkunft stellt er sich immer wieder die Frage, wie sich gute und schlechte Menschen unterscheiden, wie man wird, was man ist – explizit beantwortet wird diese Frage aber nicht, so dass man selbst darüber nachdenken kann. Eli ist ein wunderbarer Junge, der mich emotional packt und dem ich durchgehend die Daumen gedrückt habe.


    Eine ganz besondere Rolle in Elis Leben spielt Slim, der viele Jahre im Gefängnis saß, immer wieder ausgebrochen ist, und dessen Schuld offen bleibt. Er ist es, der viele Weichen in Elis Leben stellt. Ich mochte ihn, und erlebt im Nachwort eine kleine Überraschung.


    Viele der Charaktere, die Eli trifft, sind gut gelungen. Sie werden alle aus Elis Perspektive, also subjektiv gefärbt, betrachtet, dennoch kann man sie sich als Leser gut vorstellen. Dass man sich in Australien befindet, spürt man immer wieder, nicht nur, weil es an Weihnachten warm ist, auch die australische Tier- und Pflanzenwelt, die Bevölkerung u. a. spielen ihre Rolle. Der Autor ist selbst Australier.


    Der Roman hat mich von Anfang an gepackt und wurde schnell zum Pageturner. Elis Schicksal nahm mich schnell mit und ist spannend, gegen Ende sogar sehr spannend. Was mir zudem gut gefällt, ist, dass bei aller Tragik, immer auch Humor hervorblitzt, z. B. bei Elis Wiedersehen mit einem Schulkameraden, oder bei seinem Besuchsvorhaben im Gefängnis – turbulent, überdreht, tragikomisch. Ich könnte mir den Roman sehr gut verfilmt vorstellen, er hat eine Menge Bilder in meinen Kopf gepflanzt.


    „Der Junge, der das Universum verschlang“ ist eines meiner bisherigen Jahreshighlights. Der Roman ist packend, auch emotional, und wird noch länger nachhallen. Ich vergebe sehr gerne volle Punktzahl und eine Leseempfehlung an alle, die sich von der manchmal derben Sprache und den nicht immer schönen Erlebnissen des Protagonisten nicht abschrecken lassen.

    Hermann Gille fühlt sich mächtig, wenn er Frauen vergewaltigt - das sagt schon alles über ihn aus. Sein Kollege Ernst hat ihn beobachtet, und scheint das noch gut zu finden - man darf gar nicht genauer darüber nachdenken.


    Den Narrenturm kenne ich schon aus einem anderen Roman. Leider sieht es nicht gut für Henry aus, und Paul hat tatsächlich damit zu tun. Wir erfahren seine Geschichte, unglaublich, dass er sich aus diesen Verhältnissen hochgearbeitet hat, und man es ihm nicht angemerkt hatte.


    Carl von Barsdorf ist gruselig, aber ob er auch der Feind Tristans ist? Die Karte wurde von einer Frau geordert, aber vielleicht hat derjenige nur eine Frau schreiben lassen?


    Helene hat nicht abgetrieben und scheint sich nun auf den Weg zu Tristan zu machen. Ich hoffe für sie, dass sie eine Perspektive für ihr weiteres Leben (mit Kind) erhält.

    Ich hätte gar nicht erwartet, Anton Lowatschek wieder zu treffen, umso mehr freue ich mich, denn er ist ein guter Charakter und für Tristan ganz offenbar eine Hilfe.


    Voodoo, ich kann verstehen, dass man das mit einer dunkelhäutigen Sängerin in Verbindung bringen kann, aber warum Tristans Onkel nun der Voodoo-Mörder sein soll, entzieht sich noch meinem Verständnis - Paul allerdings scheint mehr zu wissen, ob er vielleicht mit dem junge Toten etwas hatte? Das würde auch dazu passen, dass zwischen ihm und Henry eine gewisse Kälte herrschte. Ich glaube, dass Hugo Sperber eine gute Wahl ist.


    Hermann Gille als hetzender Journalist, auch das überrascht, passt aber auch irgendwie.


    Die Abstecher nach Berlin machen ein bisschen traurig. Helene ist schwanger, offenbar von Tristan, und will erst mit ihm reden, bevor sie Konsequenzen zieht, doch als er seinen Wien-Aufenthalt verlängert, scheint sie doch abtreiben zu wollen. Ich könnte mir vorstellen, dass Tristan sich zu ihr bekannt hätte, aber ob die beiden glücklich würden, steht auf einem anderen Blatt. Dennoch finde ich es schade, wenn sie nun etwas täte, was sie eigentlich gar nicht will.


    Tristan scheint auch schon ein Kind mit Marie Sternheim zu haben?!


    Dass sich sogar die Kirche vor den Karren der Rassisten spannen lässt - es ist ja nicht nur der Jesuitenpater, auch die Kirchenglocken läuteten ja außer der Zeit als Josephine eintraf.


    Wieder ganz was los, recht komplex und spannend ...

    Wie schön, Josephine und Tristan wieder zu sehen - nun also Wien, das Josephine nicht gerade gut empfängt, und wo wir einige alte Bekannte treffen.


    Tristan wurde eine Karte für Josephines Show zugespielt, sein Onkel ist auch in der Stadt - und überraschenderweise auch Hermann Gille, den ich absolut nicht erwartet hatte, auch weil ich dachte, der ist erst einmal für lange Zeit im Gefängnis. Er ist noch immer voller Wut, und wird nun auch noch zum Vergewaltiger. Ich hoffe, die junge Frau hat das wenigstens überlebt.


    Wer ist derjenige aus dem ersten Kapitel? Ist Kurtz wirklich tot (ich kann mich nicht daran erinnern, ob bzw. dass das im letzten Band thematisiert wurde ...).


    Dass Helene den Uniabschluss geschafft hat, freut mich, mit Philosophie wird sie aber wohl wenige Berufschancen haben oder, wie Fanny sagt, jetzt ist sie die einzige, die eine Hure mit Uniabschluss beschäftigt. Sie und Tristan waren so etwas wie ein Paar, doch das ist wohl mit seiner Fahrt nach Wien zu Ende. Immerhin liebt er Josephine wohl immer noch (und sie ihn auch ...)


    Die ist aber jetzt verheiratet, mir scheint das aber keine Liebesheirat gewesen zu sein, eher geschäftliches Kalkül.


    Mir scheint nicht Gille derjenige zu sein, der geschossen hat. Ob es stimmt, dass der Anschlag nicht Josephine sondern dem SA-Anführer galt?


    Und dann erfahren wir Tristans echten Namen und als Cliffhanger dieses Abschnitts gibt es einen Toten.


    Schnell hat es mich wieder gepackt und ich freue mich aufs Weiterlesen.

    Im Karl-Valentin-Gymnasium brennt es, eine Lehrerin ist tot – Tom Perlinger und Jessica Starke stellen schnell fest, dass mehr dahinter steckt, als zunächst gedacht.


    Dies ist bereits der dritte Band der Reihe, für mich allerdings erst der erste. Normalerweise macht es mir nichts aus, mitten in eine Reihe einzusteigen, hier aber hat mich manches doch gestört, z. B., dass sich viel um Iwan Maslov dreht, was mir fehl am Platz scheint, aber offenbar ein roter Faden ist, der sich durch die Reihe zieht, jedenfalls scheint Tom Perlinger in der Vergangenheit bereits öfter mit ihm und seiner Organisation aneinandergeraten zu sein.


    Aber auch sonst konnte der Roman nur bedingt bei mir punkten. Die Charaktere, vor allem Tom und seine Familie könnten ziemlich interessant sein, eine alte Gastwirtfamilie, die ein gutgehendes Gasthaus betreibt und ein ziemlich bunter Haufen zu sein scheint, leider kommen die meisten ein bisschen kurz (aber auch das könnte an der fortgeschrittenen Reihe liegen). Die Schule bietet auch eine Reihe Charaktere, Schüler, Lehrer, Eltern, manche ganz gut gelungen, wie die Schülerin Leonie, andere recht klischeehaft, wie die „böse“ Lehrerin. Wirklich tiefgehend ist keiner der Charaktere, auch die Ermittler nicht, gezeichnet. Manches erscheint mir sehr aufgesetzt, warum z. B. lässt man sein Kind an so einer Schule? Oder der Strang um Tina, Toms Nichte. Wirklich berührt hat mich nur der Schüler Fabian Brühl, dem der Prolog gewidmet ist, und dessen Vater Sascha. Tom und Jessica sind mir sympathisch, mehr aber auch nicht. Christl, Toms Lebensgefährting mag ich nicht besonders, trotz des eher tragischen Erzählstrangs um sie. Insgesamt war vielleicht auch ein bisschen zu viel in den Krimi gepackt.


    Der Fall ist nicht uninteressant, man kann miträtseln, auf den Täter bin ich nicht gekommen, dafür gab es auch zu wenige Hinweise bzw. die kamen erst ziemlich spät, als die Auflösung schon vor der Tür stand. Auch beim Täter fragt ich mich, wie konnte es so kommen, warum hat niemand früher etwas getan oder bemerkt.


    Am schlimmsten aber ist, dass ich das Ganze nicht sehr spannend und arg langatmig finde, mich manchmal sogar gelangweilt habe. Aber das kann auch daran liegen, dass es einfach zu viel anderes um den eigentlichen Fall herum gibt, der Freund, der wieder auftaucht, Jessicas Problematik, Tina, Christl, Ivan Maslov und Toms dauernde Brustschmerzen von einer alten Schusswunde – zu viel Ablenkung, zu oft steht nicht der aufzuklärende Fall im Mittelpunkt.


    Gut gefallen hat mir der Bezug zu Karl Valentin, der auch immer wieder zitiert wird, und das Lokalkolorit. Am Ende des Romans gibt es ein Personenregister, und, eine nähere Beschreibung der Menschen rund um Tom Perlinger mit netten Zeichnungen dazu.


    Leider konnte der Roman bei mir nicht punkten, weitere Bände der Reihe werde ich nicht mehr lesen. Wer die Reihe mag, wird sowieso zugreifen, allen anderen empfehle ich, sie vielleicht der Reihe nach zu lesen.

    Wien 1908: Fanny Goldmann hat Medizin studiert und möchte gerne Rechtsmedizinerin werden –doch leider hat man ihr nur eine Stelle als Prosekturgehilfin angeboten. Als ein Obdachloser, eingeliefert wird, interessiert sich niemand für dessen Obduktion. Fanny meint Ungereimtheiten auszumachen und obduziert den Mann heimlich – der Anfang eines gefährlichen Abenteuers.


    Mit Fanny ist dem Autor eine liebenswerte Protagonistin gelungen, die klug und schlagfertig ist, aber manchmal auch ein bisschen naiv und zu wagemutig handelt. Man kann sich gut in sie hineinversetzen, und verstehen, dass sie mehr aus ihrem Leben machen will als Hausfrau und Mutter zu sein, sie hat es geschafft, Medizin zu studieren, und muss immer noch gegen Vorurteile ankämpfen. Auch Fannys Umfeld, sei es beruflich oder privat, ist dem Autor gut gelungen, Charaktere, wie sie wohl jeder kennt, die man sich zumindest gut vorstellen kann. Nach und nach trifft Fanny weitere Charaktere, wie den zwielichtigen „Blaumeise“, Leonitine Kuderna, eine moderne Frau, die Fanny fördern möchte, oder den gefährlichen Grafen Waidring – alle gut gezeichnete Typen.


    Apropos „gut vorstellen“ – durch René Anours sehr bildhaften Erzählstil kann man sich nicht nur die Charaktere, sondern auch das Geschehen sehr gut vorstellen, was bei manchen Szenen (Obduktion) vielleicht nicht für jeden so gut ist – hier zeigt der Autor aber auch seine gute Recherche – aber den Roman insgesamt sehr lesenswert macht. Was mir besonders gut gefällt, ist die Mischung aus Humor und Spannung, immer wieder gibt es etwas zu Schmunzeln – Personen, Szenen, Dialoge, auch dafür hat der Autor ein Händchen, wie auch für die Recherche (medizinisch und historisch).


    Sehr gut gefallen mir auch die vielen überraschenden Wendungen (auch wenn ich nicht über jede glücklich bin), und all die Verwicklungen, in die Fanny gerät, aus denen sich spannende, aber auch absurde Szenen ergeben – manchmal erscheint mir die Geschichte schon ein bisschen abgedreht, aber genau das gefällt mir. Bereits mit „Im Schatten des Turms“ hat mich der Autor überzeugen können, so langsam sollte ich ihn wohl zu meinen Lieblingsautoren zählen.


    Die Ermittlungen in diesem Band sind zwar abgeschlossen, aber dennoch gibt es am Ende einen fiesen Cliffhanger, der zweite Band soll im Oktober 2021 erscheinen. Vier Monate, das geht ja noch.


    Auch das Bonusmaterial kann sich sehen lassen, eine Karte des Wiens von 1908, ein Nachwort, in dem der Autor auf Fiktion und Wahrheit eingeht, und ein Glossar der österrischen und medizinischen Begriffe.


    Ich fühle mich sehr gut unterhalten und freue mich darauf, Fanny und die anderen Charaktere bald wiederzutreffen. René Anour ist es gelungen, Spannung und Humor wunderbar zu verschmelzen, einen interessanten Kriminalfall zu konstruieren, und Charaktere zu kreieren, die alle gut gelungen sind. Dazu kommt noch gute Recherche und nützliches Bonusmaterial – natürlich gibt es dafür volle Punktzahl und eine Leseempfehlung.

    Der Straßenjunge Marco wird beim Stehlen erwischt und verhaftet, doch lange bleibt er nicht im Kerker, denn die Gilde der Seher hat gesehen, dass er etwas besonderes ist, und nimmt ihn in ihren Reihen auf.


    Ombro arbeitet für Solare Biocca, den Schwarzen Herzog, der eine Stadt nach der anderen erobert. Ombro spioniert und tötet für ihn – und bald wird der Herzog vor Marcos Stadt stehen.


    Ich hatte sehr schnell den Eindruck, ein Jugendbuch zu lesen, vielleicht bis auf ein paar blutigere Abschnitte. Vermarktet wird es nicht so, aber dennoch ist der Eindruck durchgehend geblieben. Das liegt zunächst am jugendlichen Protagonisten Marco, er ist 16 Jahre alt, wirkt aber oft, gerade am Anfang, jünger. Ihm stellt sich noch Elena zur Seite, die etwa in seinem Alter ist. Aber auch an der Geschichte selbst, die oft unausgereift wirkt und wenig in die Tiefe geht. Die Welt, zum Beispiel, bleibt blass, ich kann sie mir nicht richtig vorstellen. Ich hätte auch so viel mehr über Vastona, die Stadt, in der Marco lebt, erfahren wollen, über die Gilde der Seher, über die Elfen, und auch über die Protagonisten. Auch manche Handlungen wirken nicht nachvollziehbar, weil wir die Motivation dazu nicht erfahren.


    Marco kann sich an seine Eltern nicht erinnern, nur an sein Leben als Straßenjunge, aber es muss doch jemanden gegeben haben, der sich in seiner frühen Kindheit seiner angenommen hat, wie soll er sonst überlebt haben? Über Ombro erfährt man praktisch nichts, im Gegenteil, etwas, das zunächst angedeutet wird, wird nicht weiter ausgearbeitet. Elena hat eine Mutter, die aber später keinerlei Rolle mehr spielt, trotz all der Geschehnisse, hat Elena keinen Gedanken mehr an sie. Ein recht gelungener Charakter ist Zalvado, der mich sofort an Leonardo da Vinci erinnerte, was auch gut passt, da Vastona italienische Züge trägt. Mit ihm kommt Leben und auch Humor ins Spiel, und über ihn erfährt man relativ viel, aber Fragen bleiben dennoch offen. Ein weiterer interessanter Charakter ist Caronix, ein Elf, mit seinem Auftauchen wird klar, dass es auch andere Wesen gibt, aber auch bei ihm fehlt sehr viel Hintergrund.


    Insgesamt wird einiges, nicht nur bei Ombro, angerissen, aber nicht zu Ende geführt, was sehr unbefriedigend ist. Selbst wenn ein weiterer Band geplant wäre, hätte das meiste in diesen Band gehört, weil es diese Geschichte betrifft, die auch zu Ende geführt wird.


    Zunächst kommt man gut in die Geschichte, es lässt sich zügig lesen, und es kommt auch Spannung auf. Gegen Ende, gerade während des epischen Kampfes, musste ich öfter den Kopf schütteln. Warum das alles, wo liegt die Motivation der Antagonisten, woher hat der eine oder andere plötzlich diese Fähigkeiten?


    Insgesamt fehlt mir eine ordentlich ausgearbeitete Welt und Charaktere, deren Handlungen verständlicher gemacht werden. Ich habe den Roman nicht ungern gelesen, aber er ist für mich in mancher Beziehung unbefriedigend, und wird wahrscheinlich schnell wieder vergessen sein. Manches wird sehr verkürzt erzählt, anderes dafür ausschweifend. Umgekehrt wäre manchmal besser. Ich vergebe 5 Punkte.

    Ein toter Junge, misshandelt und in ein Kleid gesteckt – Leon Ritter ist sicher, dass das nicht das erste Opfer des Täters sein kann, doch wo sind die anderen Leichen? Dann beginnt eine Mordserie an gut situierten Männern, die zunächst keine Verbindung zueinander zu haben scheinen – und was könnte das Motiv sein?


    Der 7. Band um den Gerichtsmediziner Leon Ritter ist ziemlich düster, schon der Prolog zeigt in eine bestimmte Richtung, später vermutet man immer einmal wieder eine Verbindung dazu, ich z. B. habe jeweils gerechnet, wie alt die einzelnen Personen zum damaligen Zeitpunkt waren, doch ganz so einfach macht es uns der Autor nicht, und ich zumindet habe auch tatsächlich bis zur – nachvollziehbaren – Auflösung nicht geahnt, wer Opfer und wer Täter ist. Auch einige Gesellschaftskritik schwingt mit, wenn z. B. gezeigt wird, wie schnell Menschen mit Vorverurteilungen sind.


    Leon als Rechtsmediziner sieht und vermutet manchmal mehr als die Polizei, was immer wieder zu Konflikten führt, vor allem, wenn er seine Kompetenzen überschreitet.


    Ein Nebenstrang betrifft das Privatleben Leons, der eine Beziehung mit der stellvertretenden Polizeichefin Isabelle Morell hat, deren 17jährige Tochter Lilou so langsam eigene Wege geht. Natürlich nimmt auch Land, bzw. die Landschaft der Provence, und Leute ihren Platz ein, die anderen Bewohner des Ortes, Leons Bekannte außerhalb der Arbeit. Der Privatpart nimmt gerade ausreichend Platz ein, um nicht zu stören und dennoch einen Blick auf das „normale“ Leben Isabelles und Leons zu werfen und sie zu authentischen Personen zu machen – gefällt mir.


    Der Roman lässt sich gut lesen, ich mag auch die Perspektivewechsel, die den Leser auch schon mal das Geschehen aus Sicht eines Opfers präsentieren. Übermäßig spannend ist das Ganze nicht, muss es aber auch nicht sein, denn es punktet mit anderem, einem schlüssigen Fall, authentischen Charakteren und eben dem Ort, an dem es spielt. Man kann die Örtlichkeiten nicht nur bildlich vor sich sehen, man kann sie nahezu riechen.


    Der siebte Band der Reihe hat mir gut gefallen und ich freue mich schon darauf, weitere Bände zu lesen – Leseempfehlung für alle Krimifans, sowie 9 Punkte.