Niccolò Ammaniti: Anna

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  • Niccolò Ammaniti: Anna

    Eisele Verlag 2018. 336 Seiten

    ISBN-13: 978-3961610099. 20€

    Originaltitel: Anna

    Übersetzer: Luis Ruby


    Verlagstext

    Vier Jahre ist es her, dass der Virus kam und alle Erwachsenen tötete. Mittlerweile gibt es keine Elektrizität mehr, die Wasser- und Lebensmittelvorräte gehen zu Ende. Brände haben gewütet und von einem einst blühenden Sizilien eine gespenstische Wüstenlandschaft hinterlassen.

    In dieser Welt lebt die dreizehnjährige Anna mit ihrem kleinen Bruder in einem Haus im Wald und versucht mit allen Mitteln, ihn vor der gefährlichen Welt draußen zu bewahren. Auf ihren Streifzügen durch die Reste der Zivilisation ergattert sie immer mal wieder Ess- und Trinkbares, um ihrem Bruder und sich das Überleben zu sichern.

    Bevor ihre Mutter starb, verfasste sie für Anna eine Art Überlebenshandbuch, in dem sie sie ermahnt, immer an der Seite ihres Bruders zu bleiben. Sie warnt ihre Kinder vor der tödlichen Bedrohung. Denn sobald sie die Schwelle zum Erwachsenwerden überschreiten, wird der tödliche Virus auch sie befallen. Ihre Mutter ist überzeugt: Irgendwo hat irgendjemand ein Heilmittel. Und Anna weiß: Früher oder später muss sie mit ihrem Bruder ihre alte Welt verlassen, um woanders eine neue zu finden. Doch noch bevor sie den gemeinsamen Aufbruch in Angriff nimmt, ist ihr Bruder plötzlich verschwunden. Sie zieht alleine los, wild entschlossen, ihn zu finden.

    „Anna“ ist ein von der ersten Seite an fesselnder, glänzend geschriebener Abenteuerroman und gleichzeitig eine Parabel auf eine Welt, in der Kinder sich selbst überlassen sind und ohne Vorbilder aufwachsen. Eine Parabel auf das Leben in einer Gesellschaft ohne Zukunftsaussichten. „Anna“ ist aber auch eine Hymne auf die Kraft der Liebe. Denn so rettungslos die hier geschilderte Welt erscheint, so hell leuchten in ihr immer wieder Zärtlichkeit und pure Lebensfreude auf. „Anna“ zeigt uns, was Menschen auf sich zu nehmen bereit sind, um zu überleben und die Hoffnung in sich nicht sterben zu lassen. Sie ist eine Heldin, der Ammaniti all seine Zuneigung und Bewunderung schenkt und mit der der große Autor anknüpft an seinen Welterfolg „Ich habe keine Angst.“


    Der Autor

    Niccolò Ammaniti, geboren 1966 in Rom, ist einer der erfolgreichsten und international renommiertesten Autoren italienischer Sprache. Der wohl bekannteste seiner bisher sieben Romane, der Weltbestseller „Ich habe keine Angst“, gewann 2001 den Premio Viareggio, sein 2006 erschienener Roman „Wie es Gott gefällt“ den Premio Strega. Fünf seiner Bücher wurden von international herausragenden Regisseuren für das Kino verfilmt, darunter Gabriele Salvatore und Bernardo Bertolucci. Ammaniti ist ebenfalls Autor zweier Bände mit Erzählungen und führte Regie beim Dokumentarfilm „The Good Life“. Derzeit leitet er die Produktion der internationalen TV-Serie „The Miracle“, für die er auch das Drehbuch schrieb. Seine Werke wurden in 44 Sprachen übersetzt.


    Inhalt

    Als auf Sizilien der erste Patient an der Seuche erkrankt, hat sich das mutierende Virus längst weltweit verbreitet. Erwachsene sterben an der Krankheit, Kinder scheinen immun zu sein. Warum Jugendliche mit Einsetzen der Pubertät automatisch erkranken und unweigerlich sterben, weiß Anna nicht und mir ist keine überzeugende Erklärung dafür eingefallen. In einer feindseligen Welt müssen Kinder nun allein Nahrung beschaffen und die Dunkelheit aushalten, die einsetzt, als endgültig der Strom ausfällt. Wie alle anderen muss Anna bereit zum Töten sein, um selbst zu überleben. Noch kurz vor ihrem Tod verpflichtete Annas Mutter die damals Achtjährige, sich um ihren jüngeren Bruder zu kümmern, und schreibt in ein Buch der wichtigen Dinge, was ihre Tochter zum Überleben ohne Erwachsene brauchen wird. Inzwischen ist Anna 13 und laviert zwischen der Verantwortung für den kleinen Astor und der Nahrungsbeschaffung in leer stehenden Häusern und Läden. Irgendwo leben Kinderbanden und irgendwo soll es eine „kleine Riesin“ geben, die gegen die Krankheit immun ist und von der man sich Heilung erhoffen könnte. Vieles könnte einfacher sein, wenn Anna sich nicht um Astor sorgen müsste, der ihre Erklärung der Welt außerhalb der Wohnung zunehmend infrage stellt.


    Fazit

    Amanitti verarbeitet die Urangst von Eltern, ihre Kinder könnten allein zurückbleiben, ehe sie zum Überleben nötige Fertigkeiten lernen konnten. Annas Überlebensversuch demonstriert eindringlich, dass das „Buch der wichtigen Dinge“ letztlich abstrakt bleiben muss und ihr bei Problemen nicht helfen kann, die die Mutter nicht voraussehen konnte. Mich hat in Amanittis dystopischem Roman interessiert, wie Anna auf sich gestellt vom Kind zur Jugendlichen reift und was sie vorwärts treibt, wenn sie sich mit keinem Erwachsenen und keinem Gleichaltrigen auseinandersetzen muss. Da der Autor dieser Frage nicht nachgeht, empfand ich die Handlung als wenig spannend und auch die explizite Darstellung vom Zustand diverser Leichen hat mich nicht angesprochen. „Anna“ enthält durchaus Szenen und Formulierungen, die mich noch lange nach der Lektüre beschäftigten; was die Person der 15-Jährigen Protagonistin ausmacht, konnte es mir nicht vermitteln.


    6 von 10 Punkten

  • Der Name des Autors war mir bereits bekannt, seit ich den Film "Io e te" gesehen hatte, welcher einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat.

    Im letzten Italienurlaub hörte ich, dass "Anna" - also ein neues Buch von Nicolo Ammaniti erschienen ist, welches in Sizilien spielt. Da musste ich sofort zugreifen. Normalerweise sehe ich mir eher Dystopie-Filme an, aber warum sollte ich nicht auch einmal ein Buch aus diesem Genre lesen.

    Auf Sizilien bricht ein Virus aus, der die Erwachsenen angreift. Kinder sind dagegen immun. Erst wenn sie die Pubertät durchlebt haben, wird es auch sie treffen, falls nicht doch noch eine Methode zur Heilung gefunden wird.

    Endzeitstimmung wird verbreitet, ständig fieberte ich mit den Kindern mit. Finden sie etwas Essbares? Bleiben sie gesund? Gibt es Feinde? usw.

    Hin und wieder überlegte ich, ob das Buch als Jugendliteratur durchgeht, aber die Sprache ist doch eher erwachsen.

    Die Dystopie-Geschichten spielen oft in einer fiktiven Welt oder zumindest weit weg von Zuhause. Hier ist das anders, viele Orte waren mir "vor dem Virus" bekannt, das brachte mir den Roman noch näher.

    Insgesamt habe ich das Buch sehr gerne gelesen und das Ende fand ich besonders gelungen.


    Von mir gibt es volle 10 Eulenpunkte.