Der Mann, der kein Mörder war - Michael Hjorth / Hans Rosenfeldt, gelesen von Douglas Welbat

  • Kurzbeschreibung
    Erscheinungstermin: 1. November 2013
    In der Nähe eines Waldstücks bei Västerås in Schweden finden Kinder eine Leiche. Bei der Identifizierung stellt sich heraus, daß der aufgefundene Junge Schüler eines Elitegymnasiums war und seit Tagen als vermißt galt. Da die örtliche Polizei mit dem Fall überfordert ist, reist der Stockholmer Kommissar Höglund an und nimmt gemeinsam mit seinem Team die Ermittlungen auf. Die Lösung des Falles bringt mehr als nur ein dunkles Geheimnis ans Licht ... Die Sonderausgabe des ersten Falls von Sebastian Bergman und Torkel Höglund preiswert und ungekürzt! Douglas Welbat, die deutsche Stimme von Rolf Lassgård (Sebastian Bergman in der ZDF-Reihe), setzt das schwierige Verhältnis der Figuren und die spannende Mordermittlung mit seiner brummigen Stimme passend in Szene.


    DIE AUTOREN
    Michael Hjorth, geboren 1963, ist ein bekannter TV-Produzent, Regisseur und Drehbuchautor. Er schrieb u. a. Drehbücher für die Mankell-Verfilmungen


    Hans Rosenfeldt, Jahrgang 1964, arbeitet erfolgreich als Drehbuchautor und als Moderator in Funk und Fernsehen.


    Der Sprecher
    Douglas Welbat: http://de.wikipedia.org/wiki/Douglas_Welbat


    Meine Meinung:
    Ich kannte die Bücher um Sebastian Bergmann nicht, war aber neugierig geworden, weil mir eine Freundin diese ans Herz gelegt hatte, auf deren Empfehlung ich meist zählen kann.


    Und sie hatte Recht. Zum einen gefiel mir hier der Sprecher unheimlich gut, der in seiner Lesung wirklich angenehm spricht. Nicht zu laut, nicht zu aufgesetzt, keine Kinkerlitzchen, sondern passend zur Stimmung, langsam und angemessen. Eine wirklich gute Leseleistung wird hier abgeliefert, die mich von der ersten bis zur letzten Hörsekunde absolut überzeugte und ich bin da wirklich pingelig, was die Sprecher von Hörbüchern angeht.
    Herrn Welbat lauschte ich sehr gerne und glaube, daß er auch Telefonbücher vortragen könnte und ich wäre hingerissen.


    Hier hat er aber nun nicht aus einem Telefonbuch vorgelesen, sondern aus einem Krimi, noch dazu einem Skandinavienkrimi, eigentlich etwas, womit man mich in den meisten Fällen jagen kann. Hier jedoch nicht, die Geschichte wird unheimlich gut aufgebaut, die Ermittlungsarbeit sehr nah an der Realität geschildert, hier spielen nicht Grausamkeit und Grusel die Hauptrolle, sondern Emotionen, Gefühle, Empathie, Antipathie, Sympathie, wer kann hier mit wem. In diesem Buch geht es zwar auchum die Jagd nach einem Mörder aber sehr viel mehr auch um das Drumherum, was bewegt die Menschen die zurück bleiben, wie reagieren diese auf fragende Polizisten und wie schwierig ist es zu vielen einfach nur durchzudringen und zu durchschauen, warum jemand lügt.


    Ich bin wirklich begeistert, sowohl vom Text, als auch vom Sprecher. Auch die Qualität der Aufzeichnung hat mir gefallen. Einziges kleines Manko ist, daß ich mir Sebastian Bergmann als sehr attraktiven Mann mittleren Alters vorgestellt habe, das Bild auf der CD paßt daher nicht wirklich zum Text aus meiner Sicht, aber damit kann ich leben.


    Besonders gut fand ich übrigens, daß wir hier einen Ermittler mit Ecken und Kanten haben, einen den nicht jeder mag und der trotzdem seinen Weg geht. Einen der sich selbst treu bleibt und der trotzdem nicht am Rande der Illegalität herumtaumelt, wie das in anderen Krimis so häufig der Fall ist auch die anderen Beamten des Ermittlerteams fand ich sehr gut beschrieben und trotz der Fülle an Personen werden diese so gut beschrieben, daß man zu jedem ein gewisses Bild vor Augen entwickelt und einen Blick für die Probleme und Gedanken jedes einzelnen erhält.


    Mir hat das sehr gut gefallen, ein wenig erinnerte mich Lesung und auch Text an die Hörbücher zu den Büchern von Claus Cornelius Fischer, die mir damals auch sehr sehr gut gefallen haben.

  • Bei Västerås wird in einem Waldstück ein toter Junge gefunden. Roger war Schüler eines Elitegymnasiums und wurde seit einiger Zeit vermisst. Die örtliche Polizei erhält Unterstützung durch den Stockholmer Kommissar Höglund und seinem Team. Während die Ermittlungen beginnen, stellt sich heraus, dass der tote Junge in der Nähe von Sebastian Bergmanns Eltern gewohnt hat. Sebastian ist zwar schon einige Zeit nicht mehr im Dienst, aber zufällig im Ort, da seine Eltern gestorben sind und er den Nachlass regeln muss.


    Höglund und Bergmann begegnen sich natürlich und kommen auch auf den aktuellen Fall zu sprechen. Dabei kristallisiert sich heraus, dass die Ermittlungen wohl in die falsche Richtung laufen. Sebastian Bergmann bietet seine Hilfe als Psychologe an, jedoch nicht ohne Hintergedanken. Denn im Haus seiner Eltern hat Sebastian eine brisante Entdeckung gemacht, die sein Leben verändern könnte. Aber um weitere Informationen zu erhalten, braucht er einen Zugang zum Polizeicomputer.


    Als ein weiterer Mord geschieht, steckt Sebastian bereits tief in den Ermittlungen drin.


    Dass zwei Autoren erfolgreich zusammen ein Buch schreiben, dafür gibt es schon einige Beispiele auf dem Buchmarkt. Auch diese beiden hier haben einen Roman geschrieben, den man getrost als ein kriminalistisches Meisterwerk bezeichnen kann.


    Die Geschichte wird aus zwei Sichten beschrieben. Zum einen begleitet der Leser Höglund und sein Team bei den Ermittlungen zum Fall Roger, zum anderen erfährt der Leser nach und nach, was es mit Sebastian Bergmann auf sich hat, warum er aus dem Dienst ausgeschieden ist, wo seine Stärken und Schwächen liegen und wieso er letztlich so ist, wie er ist – unsensibel, sexgesteuert, zynisch und konfrontativ. Er weiß, wie man Menschen manipuliert und setzt diese Fähigkeit bewusst ein, um an sein persönliches Ziel zu gelangen.


    Sebastian ist eigentlich nur vor Ort, um nach dem Tod seiner Mutter das Elternhaus so schnell wie möglich – auch gerne mit Verlust – zu verkaufen. Mit seinen Eltern verband ihn kein liebevolles oder innigliches Band, so dass er gar nicht schnell genug alles geregelt und den Ort wieder verlassen kann.


    Aber dann findet er in Nachlass einen Hinweis, der sein Leben ändern könnte. Um aber weiter zu kommen, benötigt er vertrauliche Informationen von der Polizei. Daher kommt es ihm gerade recht, dass der ermittelnde Kommissar an dem Fall ein ehemaliger Kollege von ihm ist. Sebastian setzt ihn unter Druck, um ins Team aufgenommen zu werden.


    Zwar ist er von Anfang an eine Art Störfaktor im Team, aber er bietet auch einige interessante Ansätze und Denkanstöße, was den Ermittlungen zu Gute kommt. Hier zeigen sich dann auch sein wahres Talent und sein Können.


    Der Fall selbst ist sehr verworren, es gibt viele Hinweise auf Mobbing, aber auch auf andere Dinge, aber immer will mindestens ein Puzzleteil am Ende nicht passen, so dass man einen neuen Ansatz versuchen muss.


    Die ganze Geschichte ist sehr verworren, führt den Leser bewusst auf die falsche Fährte, ohne dabei unlogisch zu sein oder zu komplex. Man kann den Ermittlungen gut folgen, stellt seine eigenen Theorien auf und wird immer mehr Teil des Ermittlerteams. Aber auch Sebastians Geschichte verschwindet nicht im Hintergrund, sondern berührt den Leser. Hier wird ein Ermittler geschildert, der nicht perfekt ist, sondern auch seine Stärken und Schwächen hat und auch mit einem schweren Schicksalsschlag zu kämpfen hat.


    Das Hörbuch wird von Douglas Welbat gelesen und umfasst 6 CDs mit rund 424 Minuten Hörgenuss. Douglas Welbat gelingt es, mich gleich von Anfang an in seinen Bann zu ziehen. Mit seiner Stimme, die tief, rau und voll ist, schafft der Sprecher gleich die richtige Atmosphäre. Er passt sein Lesetempo automatisch der Situation an, so wechselt er von langsam zu sehr schnell. Der Hörer sitzt quasi atemlos davor, spürt wie die Ermittlungen in Fahrt kommen, wo es auf einmal wieder stagniert und auch bei Streitereien fliegen die Worte nur so hin und her, wobei man dabei gut die einzelnen Protagonisten voneinander unterscheiden kann. Douglas Welbat verleiht jedem Protagonisten seinen eigenen Charakter durch eine bestimmte Stimmlage.


    Das Hörbuch ist zwar die gekürzte Fassung, jedoch ist mir das nicht wirklich aufgefallen. Alles ist trotzdem logisch, schlüssig und nachvollziehbar. Ich bin recht schnell in die Geschichte abgetaucht und höre noch heute Douglas Welbat „Torkel“ sagen, wenn er mal wieder von dem ermittelnden Kommissar sprach.


    Fazit:
    Sowohl das Buch, wie auch das Hörbuch sind überzeugend. Eine tolle, spannende und mitreißende Geschichte, bei der man von Anfang an gefordert wird, mitdenkt, verwirft und rätselt. Verbunden mit dem Hörbuch und dem Sprecher Douglas Welbat taucht man in die einzigartige Atmosphäre des Romans ein und sehnt sich bald schon nach einer Fortsetzung. Meine Empfehlung für alle Krimi- und Hörbuchfreunde.

  • Ich scheine im Moment eine Glückssträhne zu haben, was Hörbücher angeht. Die Reihe von Hjorth/Rosenfeldt wollte ich mir schon etwas länger zu Gemüte führen. Da die Kritiken, die ich gelesen habe, zum größten Teil positiv waren, wusste ich auch schon, worauf ich mich einlasse.


    Stell dir vor, du verlierst von einer Sekunde auf die andere deine Frau und deine kleine Tochter und findest nicht mal ihre Leichen. Dann weißt du in etwa, wie Sebastian Bergman, der Protagonist dieser Serie, sich fühlt. Er hat mich sehr stark an Patrick Jane von "The Mentalist" erinnert. Er ist depressiv, ihm ist alles egal und er tut, was er für richtig hält, ganz egal, was andere darüber denken. Dabei ist er manchmal auch sehr undurchschaubar. So mag ich die Hauptdarsteller von Serien gern.


    Aber da war doch noch was... Ach ja, der Mordfall! Mehr oder weniger zufällig gerät Sebastian Bergman in das Ermittlerteam, das den Mord an einem Jugendlichen aufklären soll. Der Junge wurde in einem Waldstück gefunden und übel zugerichtet. Die Befragungen ergeben, dass er beliebt war, aber warum musste er sterben?


    Der Erzählstil des Buches ist genauso, wie ich es am liebsten mag. Die Charaktere werden eingehend vorgestellt, so dass man sofort merkt, dass es sich nur um eine Serie handeln kann. Das Seelenleben der wichtigsten Charaktere werden durchleuchtet und manches bekommt einen Sinn, weil man einfach weiß warum diejenigen handeln wie sie eben handeln. Dabei ist es durchgehend spannend, weil der Leser (oder Hörer) zusammen mit dem Ermittlerteam immer neue Details heraus findet. Ganz kurze Parts sind aus der Sicht des Mörders geschrieben, so dass man erfährt, warum er den Jungen umgebracht hat, man erfährt aber erst am Schluss wer er ist.


    Der Sprecher - Douglas Welbat - war mir bisher gar kein Begriff. Aber ich muss sagen, dass er seine Sache richtig gut gemacht hat. Er hat eine sehr angenehme Stimme und liest das Buch den Szenen gerecht vor. Die Charaktere bekommen von ihm zwar eigene Stimmbilder, aber nicht so extrem, dass man genervt ist.


    Es sind bisher noch drei weitere Teile erschienen, die ich auch alle in der nächsten Zeit hören werde:
    Die Frauen, die er kannte - Teil 2
    Die Toten, die niemand vermisst - Teil 3
    Das Mädchen, das verstummte - Teil 4

  • OT: Det Fördolda
    1. Band der Sebastian Bergmann-Reihe


    Kurzbeschreibung:
    In der Nähe eines Waldstücks bei Västerås in Schweden finden Kinder eine Leiche. Bei der Identifizierung stellt sich heraus, dass der aufgefundene Junge Schüler eines Elitegymnasiums war und seit Tagen als vermisst galt. Da die örtliche Polizei mit dem Fall überfordert ist, reist der Stockholmer Kommissar Höglund an und nimmt gemeinsam mit seinem Team die Ermittlungen auf. Die Lösung des Falles bringt mehr als nur ein dunkles Geheimnis ans Licht ...


    Über die Autoren:
    Michael Hjorth ist ein erfolgreicher schwedischer Produzent, Regisseur und Drehbuchautor. Er schrieb u.a. Drehbücher für die Verfilmungen der Romane von Henning Mankell.
    Hans Rosenfeldt schreibt Drehbücher, zuletzt für die international bislang erfolgreichste skandinavische Serie «Die Brücke – Transit in den Tod», die zahlreiche Preise erhielt. In seinem Heimatland Schweden ist er ein beliebter Radio- und Fernsehmoderator.
    Ihre Krimireihe um den Stockholmer Psychologen Sebastian Bergman erscheint in 33 Ländern und wird von Sveriges Television in Kooperation mit dem ZDF verfilmt. Alle Bände befanden sich wochenlang in den Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste.


    Über den Sprecher:
    Douglas Welbat, geboren 1957 in Berlin, ist Schauspieler und vielbeschäftigter Hörbuch- und Hörspielsprecher. Er ist die deutsche Stimme von Rolf Lassgård, dem Hauptdarsteller der ZDF-Krimi-Reihe "Sebastian Bergmann - Spuren des Todes". Welbat synchronisiert Lassgård außerdem in seiner Rolle als Kommissar Wallander.


    Meine Meinung:
    Sebastian Bergmann kann ein richtiges Ekel sein. Und häufig ist er das auch - gegenüber Verdächtigen, Zeugen, Kollegen, privaten Bekanntschaften und völlig Fremden. Kein Wunder, dass die schwedische Reichsmordkommission verhalten reagiert, als Bergmann als neues Teammitglied ihre Ermittlungen im Fall eines ermordeten Teenagers unterstützen soll. Dennoch (oder gerade trotzdem) erweist sich Bergmann als nützliche Hilfe, durch die die Ermittlungen eine neue Wendung erfahren. Gut gefallen hat mir, dass die Autoren es dem Ermittlerteam - und dem Leser - nicht zu leicht machen, es gibt so manche falsche Fährte, die anfangs sehr viel versprechend aussieht und sich dann doch als falsch erweist. Ähnlich verhält es sich auch mit den Charakteren in diesem Krimi, denn auch sie tragen das ein oder andere Geheimnis mit sich herum, das sie zu dem Menschen macht, der sie sind. Etwas irritierend fand ich allerdings das Alter von Sebastian Bergmann, der als 35- bis maximal 40-jährige Mann vor meinem geistigen Auge erschien, in Wirklichkeit aber viel älter ist - diese Diskrepanz konnte ich bis zuletzt nicht auflösen. Unabhängig davon: Eine lebendige Figurenzeichnung, eine gute Mischung aus Ermittlungsarbeit und Privatleben, eine spannende Krimihandlung und eine ebenso überraschende wie schlüssige Auflösung machen diesen Krimi zu einem fesselnden Lesevergnügen bis zur letzten Seite. Apropos: Die Überraschung am Ende hätte es meiner Meinung nicht gebraucht, sie wirkt zu konstruiert und schmälert ein bisschen die Glaubwürdigkeit des Plots. Dennoch ist dieses Krimidebüt des Autorenduos intelligent und spannend konstruiert und macht auf jeden Fall Lust auf mehr!


    Douglas Welbat passt als Sprecher sehr gut. Er liest unaufgeregt und dennoch pointiert - mit einer Stimme, der man gerne zuhört. Hier vergehen die mehr als 15 Stunden Laufzeit wie im Flug.


    9 Punkte von mir!