Beiträge von MelanieM

    Liebe Melanie, ich möchte mich hier auf jeden Fall schon mal dafür bedanken, dass Du diese Leserunde so wahnsinnig engagiert begleitest, so viele tolle Hintergrundinformationen lieferst und auf jeden Beitrag eingehst. Das ist wirklich nicht selbstverständlich, wieviel Zeit Du Dir hier für uns nimmst. Vielen Dank, das macht die Leserunde zu einem richtigen Erlebnis für mich

    Hier hast Du schöne Worte geschrieben, Rouge. Ich empfinde es auch so und bin dankbar für diese tolle Leserunde, die Du, Melanie, so individuell begleitest. Dadurch erlebt man den Roman noch intensiver. Rouges Dank schließe ich mich sehr gern an.

    Vielen lieben Dank! Mir macht es aber auch sehr viel Spaß mit euch und euren tollen Beiträgen, von denen ich als Autorin auch sehr profitiere.

    Ich finde Fritz auch anstrengend, und ich finde, im Verlauf der Geschichte fällt mir das immer mehr auf. Er hat natürlich auch viele positive Seiten. Er ist so empfindsam und aufmerksam, versucht Margarethe nichts vorzuschreiben und er scheint sie wirklich aufrichtig zu lieben. Aber seine Feigheit und dass er sich immer so als Opfer und kränklich und schwach darstellt finde ich auch wirklich anstrengend.

    Das kann ich verstehen, mir ging es ähnlich, Er ist eben mehr der Sohn seiner Mutter als seines Vaters.

    Ich glaube, dann dürfte ein Buch von Adalbert Stifter besser nicht ins Lektorat von Piper kommen - da bliebe nicht viel von übrig. - Ich mag Bücher (und Filme), die sich langsam entwickeln.

    Das betrifft im Prinzip alle Verlage und Agenten ;-) .

    Zum Thema Briefe: in meiner Jugend habe ich an meine damalige Freundin auch Briefe geschrieben ("Ihr könnt schreiben, telefonieren ist zu teuer."). Abends eingeworfen, war die Post auf jeden Fall am nächsten Tag am Ziel. Nicht wie heute, wo ein Brief innerhalb einer Kleinstadt schon mal über acht Tage braucht (so erlebt im November 2023). Aber das wird künftig ja wohl eher die Regel denn die Ausnahme (nicht gerade acht Tage, aber deren drei).

    Das kenne ich auch noch.

    Währenddessen hat sich Fritz noch immer nicht mit seinem Vater ausgesprochen. Wenn es ein Roman wäre, würde ich mich jetzt fragen, ob das überhaupt noch etwas wird. Aber da es sich ja um ein Stück Geschichte handelt, wird das wohl noch kommen… ;-)

    Wenn das ein rein fiktiver Roman wäre, und keine Tatsachengeschichte, hätte möglicherweise das Lektorat gesagt:

    Ist es nicht unrealistisch, dass er sie so lange warten lässt? Und warum lässt sie sich das gefallen? Da muss es mal ein bisschen schneller zur Sache gehen, sonst langweilen sich die Leser. ;-)

    Ich mochte den alten Krupp, als ich recherchiert habe. Er hatte es in der Tat nicht leicht als junger Mann, der nur Schulden geerbt hat. Übrigens hatte er auch ein uneheliches Kind vor seiner Eheschließung. Als junger, mittelloser Mann hatte er eine Affäre mit einer Gleichaltrigen. Da sie davon ausging, dass er nichts auf der hohen Kante hatte, ließ sie sich darauf ein, dass er sie mit einer Summe auszahlte, die einem damaligen Jahresgehalt entsprach und damit waren dann alle Ansprüche abgegolten. Uneheliche Kinder waren ohnehin nicht erbberechtigt. Hätte die junge Frau geahnt, dass aus dem Habenichts mal der reichste Mann Deutschlands werden würde, hätte sie sich bestimmt anders entschieden.


    Er war seiner Frau Bertha wirklich liebevoll zugetan, hat ihr immer viele zärtliche Briefe geschrieben. Aber ich schätze, ihr Interesse an Sexualität war tatsächlich so wie das ihres Sohnes - kaum vorhanden. Sicher nutzte sie auch damals schon ihre gesundheitliche Konstitution, ihn fernzuhalten. Das Thema der Asexualität ist ja erst in unserem Jahrhundert ein Thema - dass es eben auch Menschen gibt, die kein Interesse an Sexualität haben, ohne impotent oder frigide zu sein.

    Zitat

    Anmerkung zu S. 243: Fritz kehrt im Mai von Capri zurück, reist weiter nach Kiel und England.

    S. 249: einige Wochen später kehrt er von Berlin zurück ... genießt die warmen Maitage...

    Es kann doch nicht mehr Mai sein. Oder liegt ein Jahr dazwischen? Reisen haben gedauert und in Berlin war er bestimmt länger und hat sich an der Musik der Capri"fischer" im Hotel Bristol erfreut.

    Ja, das ist sehr knapp zusammengefasst, es liegt tatsächlich ein Jahr dazwischen, Margarethe reist Anfang 1900 zurück von Capri, Fritz kommt kurz im Mai 1900 und ist dann erst auf Geschäftsreise, dann in Betlin und dann wieder auf Capri. 1901 bittet die Kaiserin im Frühjahr um die Unterkunft, s.S. 245. Ich habe manchmal gestrafft, wenn sonst nichts weiter passiert ist.


    Und ja, Fritz war sehr blauäugig, der Klatsch und die Musiker sind belegt. Er war wirklich sehr großzügig und das brachte Neider hervor, die dann intrigierten und Gerüchte in die Welt setzten.

    Es ist schon etwas seltsam: das direkt zuvor ausgelesene Buch begann etwa 1878 (zwischen 1878 und 1880), hier setzt die Handlung auch 1878 ein - doch was für ein Unterschied! Hier das„zivilisierte“ (?) Deutschland bzw. England, dort die amerikanische Frontier in Nebraska. Schon seltsam, wie sich zu gleicher Zeit die Welten doch unterscheiden!

    Das finde ich auch immer wieder spannend, wenn man sich bewusst war, was wo los war. In Amerika herrschten die Bedingungen, wie man sie aus Wildwestfilmen kennt, die Schlacht am Little-Big-Horn war erst zwei Jahre vorbei, die Natives kämpften ums Überleben. Das packt man oft gar nicht vom Verstand her in dieselbe Zeit.

    Es hat mich auch ein wenig verwundert, dass Margarethe so bereitwillig zustimmt, eine sehr lange Reise ( es war über mehrere Monate, oder ? ) ohne ihre Kinder zu machen. Ich hätte auch eher erwartet, dass sie die Kinder mit den Kinderfrauen mitnimmt, damit sie nicht so lange getrennt von ihnen ist. Aber das waren damals wohl auch einfach andere Zeiten in der Kindererziehung wie heute.

    Hierzu muss man wissen, dass es in Ägypten damals zahlreiche Infektionskrankheiten gab, gegen die man vor der Entdeckung der Antibiotika und bestimmter Impfungen noch keine Heilmittel kannte. Malaria, Gelbfieber, Durchfallerkrankungen aller Art. Das wäre für die kleinen Kinder unter Umständen sogar lebensgefährlich geworden. Ein historisches Beispiel aus der gleichen Zeit - Kaiserin Elisabeth von Österreich, uns ja durch die "Sissi-Filme" näher gebracht, hatte tatsächlich, wie in den Filmen, das Problem mit ihrer Schwiegermutter, die ihr ihr erstes Kind Sophie "wegnahm". Sisi setzte sich dann durch, dass die Zweijährige mit auf eine Auslandsreise der Familie gehen durfte. Dort holte sie sich einen tödlichen Magen-Darm-Infekt und starb. Sisi war danach so untröstlich, dass sie um die beiden nächsten Kinder Gisela und Rudolf, nicht mehr kämpfte, als die Schwiegermutter die unter ihre Fittiche nahm. Erst ihr letztes Kind, das sie mit 32 bekam, Marie-Valerie, hat sie wieder vollständig als Mutter erzogen und verwöhnt.


    Reichtum war damals kein Schutz vor tödlichen Krankheiten im Ausland. Das muss man auch berücksichtigen, wenn man Margarethe und auch Fritz, der seine Töchter ebenfalls aufrichtig liebte, verstehen will.

    Ich fand in diesem Abschnitt bisher eine Szene ganz toll : Als Margarethe versucht, sich einen Überblick über ihre ganzes Personal zu machen und dabei die Küche besichtigt. Und dann setzt sie sich einfach zu den Küchenmädchen und fängt an zusammen mit ihnen die Bohnen wachen und zu pellen. Das fand ich genial von ihr. Es kommt so spontan und von Herzen und zeigt, dass sie sich nicht als etwas Besseres sieht, obwohl sie ja von Adel ist und nun die Hausherrin über das ganze Personal. Ist diese Szene denn historisch belegt? Wahrscheinlich schon, nehme ich an.. Und ich denke, die Küchenhilfen und die Köchen werden nicht schlecht gestaunt haben und Margarethe hat sich damit bestimmt großen Respekt verdient.


    Was mir noch aufgefallen ist: Die Verlobungsfeier war anscheinend wesentlich wichtiger als die eigentliche Hochzeit? Zumindest ist es bei mir so angekommen. Das Kleid der Verlobungsfeier war zum Beispiel viel pompöser als das der Hochzeitsfeier und es wurde sehr viel Wert auf eine große, standesgemäße Verlobung gelegt. Das hat sich zu heute ja sehr geändert. Ich kenne es gar nicht mehr, dass eine Verlobung im größeren Rahmen gefeiert wird.

    Die Szene mit dem Bohnen abziehen ist historisch belegt. Es ist auch historisch belegt, dass Margarethe regelmäßig in der Küche war und mit der Köchin alles absprach und plante, auch wenn besondere Gäste kamen. Und es ist belegt, dass sie für die jungen Dienstmädchen Aussteuertruhen stiftete und die Mädchen Stoff und Wolle bekamen, um ihre Aussteuer zu nähen und zu stricken und dass sie selbst oft dabei saß und mit ihnen gemeinsam Handarbeiten machte. Sie hatte eine mütterliche Nähe, aber durch das strikte Regelwerk, wie sich das Personal zu verhalten hatte, sorgte sie auch dafür, dass es niemand "ausnutzen" konnte. Es gab ihr auch Sicherheit.


    Zur Hochzeit - die mussten die Eltern der Braut damals ausrichten. Und die hatten ja kaum Geld. Die Verlobungsfeier hat sie ja von ihrer Dienstherrin geschenkt bekommen. Das ist auch historisch belegt. Im Prinzip ist es leichter, die Dinge zu benennen, die nicht überliefert sind. Das ist vor allem dann der Fall, wenn ich humorvolle Dinge einbaue, wie den Seifenvertreter oder Fräulein Germer. Es wird später noch eine Szene kommen, als ein hoher chinesischer Würdenträger zu Besuch kommt, wo ich der kleinen Barbara was in den Mund lege, das auch nicht überliefert ist, aber so hätte gewesen sein können - um wieder ein bisschen Humor reinzubringen. Allerdings hatten die Krupps auch selbst Humor. Zum Beispiel nannte Fritz den Mann der Amme tatsächlich "den Ammerich" und für den chinesischen Gast fand die Familie auch einen privaten Spitznamen. Aber das kommt später noch.

    Irene tut mir in der Szene sehr leid. Es muss ja furchtbar schmerzhaft für sie sein, wenn ihre eigenen Mutter sie praktisch verstößt und aus dem Haus haben will. Und das als Sechsjährige, das muss sie bestimmt sehr gekränkt haben.

    Ich habe jetzt schon ein bisschen weiter gelesen und Eleonore noch ein wenig besser kennenlernen dürfen. Und ich kann sie jetzt auch besser verstehen. Sie hatte es bestimmt auch nicht leicht, so viele Kinder in so kurzer Zeit zu bekommen. Sie hat nur für die Kinder und die Familie gelebt. Und irgendwann wohl einfach beschlossen, dass es jetzt genug ist und sie selbst auch noch was von ihrem Leben haben möchte.

    Inzwischen ist Irene 10, 6 war sie, als die Mutter die älteren Tochter vergraulen wollte. Ansonsten ist es wirklich so, sie wollte nach der "Pflicht" ihr Leben zurück

    Ich schreibe überwiegend am Wochenende und im Urlaub, manchmal auch nach Feierabend. Aber oft bin ich nach Feierabend zu kaputt dazu. Ich arbeite ja noch Vollzeit als ärztliche Gutachterin.

    Kannst Du in etwa sagen, wie lange Du erst einmal nur Dich eingelesen, eingedacht hast, bevor Du zu schreiben angefangen hast?

    Ich habe zunächst recherchiert, weil ich auch noch nichts über Margarethe Krupp wusste. Meine Lektorin war von ihr begeistert, weil sie nach dem Tod ihres Mannes die Firma allein weitergeführt hatte und eine so große Wohltäterin war, dass tatsächlich 150.000 Menschen unerwartet zu ihrer Beisetzung kamen. Dann bin ich auf die Biografie ihrer Urenkelin gestoßen und habe dann nach und nach immer mehr Material zusammengesammelt, sodass ich ungefähr ein halbes Jahr für die Recherche brauchte, bis das Exposé stand.

    Es verwundert mich ein wenig, dass Eleonore nicht verlangt, dort auch aufgenommen zu werden.

    Dort hätte sie nicht die vollständige Freiheit gehabt, nach der sie sich ein Leben lang sehnte, sondern sich als geduldeter Gast, den man auch rauswerfen kann, anpassen müssen. Sie hätte immer fürchten müssen, dass Margarethe diesen Zug vielleicht von ihr geerbt hat. Sie hat ihre Töchter ja auch "rausgeworfen". Ich denke, sie hat ihr Witwenleben, nachdem die Trauer um den Mann vorüber war, und die Freiheiten, die sie vorher nie hatte, genossen. Sie wurde ja schon mit 17 verheiratet und mit 18 das erste mal schwanger, die ersten beiden Kinder starben, Kind Nummer 12 starb auch und mit 39 bekam sie Kind Nummer 13, Irene. Sie war gezwungen, ihre Jugend als Mutter zu verbringen, und sie hat ihre eigenen Töchter beneidet, weil die das nicht mussten. Sie hat sie auch nie in eine Ehe gezwungen, aber sie wollte sich dann auch nicht länger um sie kümmern, Sie wollte endlich frei sein.

    Tatsächlich ist in diesem Abschnitt so gut wie alles historisch belegt, wobei ich mir natürlich selbst überlegen musste, auf welche Weise Margarethe mit dem Hausmeister spricht. Die Menschen damals dachten eben, dass Kinder sich an diese Zeit später nicht erinnern, gerade weil sie noch so klein waren. Bei der Ägyptenreise habe ich mich auch bemüht, so nahe wie möglich an der Historie zu bleiben.


    Es gab ja auch Bettelverwandte bei den Krupps, aber interessanter fand ich hier eben Fritz Cousin, der ja loyal zu ihm stand, als sein Vater ihm anbot, dass seine Kinder Erben werden, wenn Fritz nicht heiratet, weil der ja drohte, Margarethe oder keine. Ich halte Fritz nach allem, was über ihn bekannt ist, nicht für homosexuell, wie es oft kolportiert wurde, sondern für asexuell. Er hatte einfach kein großes Interesse an Sexualität. Denn hätte er eine homosexuelle Beziehung, die er hätte tarnen wollen, hätte er ja viel früher geheiratet. Es sind auch keine entsprechenden Jugendfreunde, zu denen engere Beziehungen bestanden, bekannt. Die Homosexualität wurde in einem missgünstigen Zusammenhang erstmals auf Capri erwähnt. Aber dazu kommen wir noch im weiteren Verlauf des Buches. Man konnte sich damals nur nicht vorstellen, dass ein Mann, der nicht impotent war, kein Interesse an Sexualität haben könnte. Zu diesem Zeitpunkt weiß das alles aber noch niemand, diese Überlegungen kommen erst bei dem sogenannten Capri-Skandal zu Anwendung.


    Die Biografin Friz, die ja eine Urenkelin der beiden ist, hat Bertha immer sehr idealisiert und Alfred dämonisiert. Sie schrieb in ihrer Biografie, dass Margarethe zwar viel mit ihm geredet und sich viel um ihn gekümmert habe, aber das sei "widerwillig" geschehen. Aber außer ihrem Adjektiv gibt es keine Belege dafür. Ich denke einfach, sie hat sich als Angehörige mit Bertha solidarisiert, die dann ja das Haus verließ und beim Personal in Ungnade fiel.


    Ich als Außenstehende denke, dass Alfred nicht einfach zu nehmen war, aber es ist belegt, dass er Margarethe später schätzte. Mich persönlich hat das ewige Vorschützen von Krankheit bei Bertha sehr gestört, und im Prinzip mach Fritz das auch. Gewiss, er hatte ernstzunehmendes Asthma, und das erschreckt Margarethe ja auch bei der Hochzeitsreise, aber er hat dieses Asthma später auch gern als Vorwand genommen, um sich zu drücken. Das hat er von seiner Mutter abgeschaut. Und dazu passt auch das Zerwürfnis von Alfred und Bertha. Bertha hat ihn schon lange mit ihren Krankheiten "erpresst", jetzt droht sie - zwar für den vermeintlich guten Zweck - entweder darf Fritz Margarethe heiraten oder ich gehe. Da reicht es Alfred, er bettelt ihr nicht hinterher, als sie geht, sondern lässt sie ziehen. Sie bekommt standesgemäße Geldzahlungen, aber er hat genug davon. Fritz kann Margarethe trotzdem heiraten. Anders als die Biografin sah ich in Alfred auch jemanden, der sich allein und im Stich gelassen fühlte. Er hat gewiss nicht alles richtig gemacht, aber Bertha trug ihren Anteil dabei, auch wenn sie nach außen hin immer so edel und gut erschien. Aber passive Aggressivität durch Krankheiten ist zermürbender als ein echter ausgetragener Streit. Und leider hat Fritz das von seiner Mutter gelernt - die Macht der Krankheit, wenn man sie schon hat. Er bekämpft sie nicht, sondern nutzt sie als Waffe.


    Historisch belegt ist, dass der Arzt, der mit seinen energischen Ansagen bei Fritz und Bertha gut klar kam, bei Alfred scheiterte, als der tatsächlich sagte: "Wenn ich aufstehen könnte, würde ich aufstehen", und sich dann ein Bett auf Rädern anfertigen lässt. Er wollte immer Leistung bringen. Er hasste Krankheiten.

    Ich bin auch sehr gut ins Buch gestartet und konnte gleich nicht mehr aufhören zu lesen, so dass ich den ersten Abschnitt in einem Rutsch gelesen habe. Was für ein schönes Buch über eine tolle Frau :-]


    Ich finde Margarethe wahnsinnig mutig und auch tapfer und gleichzeitig so sympathisch und empfindsam. Ich muss ja gestehe, ich wusste bisher eigentlich gar nichts über sie und über die Familie Krupp. Natürlich kenne ich den Namen Krupp oder Thyssenkrupp und weiß, dass es dabei um eine Stahlindustrie und um ein großes Unternehmen geht. Aber irgendwelche Hintergründe zu der Familiengeschichte hatte ich bisher überhaupt nicht. Umso schöner, wenn ich hier


    Ich finde es sehr schön, wie ihre Geschichte hier so langsam erzählt wird. Ich mochte auch den Teil, als sie als Gouvernante ganz alleine nach England geht sehr gerne. Fräulein Germer, die sie bei der Überfahrt trifft, ist ja große Klasse. Ich musste so lachen, als sie die Kosenamen von Eheleuten im Laufe der Zeit aufzählt: " Erst Mäuschen, dann Häschen, Ziege und schließlich Kuh. Und bei den Männern: Hengst und Stier und später Esel und Ochse":lache:lache Fräulein Gemer nimmt ja wirklich kein Blatt vor den Mund.

    Die Szene hat meine Lektorin auch geliebt und mit Smilies im Manuskript bedacht. Mir ist es wichtig, dass man ab und zu auch mal lachen kann.

    Diese Szene habe ich mir auch notiert und fand sie sehr kurios: Wie kann den die Mutter einfach Margarethe die ganze Verantwortung und Ausbildung der jüngeren Schwester aufbürden? Und warum sagt der Vater da nichts dazu? Ich weiß jetzt nicht mehr genau, wie alt die jüngerer Schwester in dem Moment war. Aber wie kann denn die eigene Mutter die Verantwortung einfach so leicht abgeben. Das ist schon sehr merkwürdig.

    Margarethe war Jahrgang 1854, Irene 1870. Margarethe hätte also rein theoretisch schon ihre Mutter sein können. Tatsächlich hat Eleonore zu der Zeit, als Margarethe Gouvernante wurde, alle Töchter außer der sechsjährigen Irene aus dem Haus getrieben und meinte, sie sollen jetzt für sich selbst sorgen, heiraten oder arbeiten. Sie selbst ging von da an nur noch ihren Hobbys nach, das war auch die Malerei. Sie ging in Galerien und kopierte mit ihrer Staffelei die Gemälde. Die Sechsjährige musste sie damals wohl oder übel noch behalten. Jetzt war sie froh, sie ein paar Jahre später loszuwerden.

    Nur interessehalber, welche Biographie ist das, bzw. ist diese überhaupt im Buchhandel gelandet oder nur im Krupp-Familienarchiv hinterlegt.


    "Darf" man ruhig das Nachwort jetzt schon lesen oder soll ich mich besser gedulden? Was rätst Du?

    Die Biografie der Urenkelin ist bei dtv erschienen, aber inzwischen nur noch antiquarisch erhältlich: https://www.amazon.de/Margarethe-Krupp-Leben-meiner-Urgro%C3%9Fmutter/dp/3423247037 (incl. Amazon Affiliate-ID from this website)


    Warte mit dem Nachwort lieber noch, es spoilert.

    Hast Du die Romanidee schon länger in Dir getragen? Gab es einen Anlass oder hat jemand Dich auf die Idee gebracht? Wenn Du nicht darauf antworten möchtest/ darfst, dann schweige. 😉

    Der Piper Verlag ist mit der Idee an mich herangetreten, ob ich es mir vorstellen könnte. Meine dortige Lektorin war von der Person fasziniert. Ich wurde schon 2020 gefragt und habe den Vertrag abgeschlossen, aber ich hatte zu der Zeit noch diverse andere Romanverträge zu erfüllen, sodass ich dieses Buch erst 2023 fertigstellen konnte. Meine Lektorin wünschte sich eigentlich mehr über die Margarethenhöhe, das kommt im letzten Viertel auch vor, aber ich fand das Leben von Margarethe viel zu spannend, um es auf diese kurze Zeit zu begrenzen. Auch der Capri-Skandal kommt noch. Da der Verlag unbedingt wollte, dass ich das Buch schreibe, war man damit einverstanden, dass ich so lange brauche. Dann kam im November 2023 ein anderes Buch über Margarethe Krupp raus. Aber - Gott sei Dank - eben nur über ihre Witwenschaft und die Margarethenhöhe. Da war meine Lektorin froh, dass mein Buch völlig anders war. Und deshalb nannten wir es auch nicht Margarethe Krupp, sondern "Unsere kurze Ewigkeit", weil es zwar aus Margarethes Sicht geschrieben ist, aber auch ihre Ehe mit Fritz eine große Rolle einnimmt (als er endlich mal zu Potte kam ;-) ) . Mir war es wichtig, die ganze Geschichte dieser Frau zu erzählen, denn sie nur auf die Margarethenhöhe zu reduzieren, wäre ihr in meinen Augen nicht gerecht geworden. Welche Frau war damals schon so mutig, gegen den Willen der Mutter nach England zu gehen und dort zu arbeiten, wenn sie es nicht nötig gehabt hätte? Viele Gouvernanten mussten Geld verdienen um zu leben, aber Margarethe hat sich freiwillig entschieden, ein selbstständiges Leben zu führen. Und gerade das finde ich faszinierend. Auch, wie diese Entwicklung sich auf ihre Ehe und spätere Lebensgestaltung auswirkt.

    Du hast in den letzten Jahren Mehrteiler geschrieben und das Lesevergnügen Deine in einander verzweigte Geschichten-und Personenwelt zu entdecken, habe ich ja noch vor mir. Ist das Abschiednehmen vom fertigen Manuskript des aktuellen Buches Dir leichter gefallen oder rattert es in Dir weiter, dass Du noch nicht so richtig von der Krupp-Familie Abschied nimmst? Denn ggfs. sind auch von Frauen aus weiteren Generationen deren Geschichte erzählenswert. 😉

    Die Geschichte von Margarethe ist für mich abgeschlossen. Es ist etwas anderes, ob man eine fiktive Familie erfindet, um Zeitgeschichte lebendig darzustellen und menschliche Entwicklungen, oder ob man sich eng an ein echtes Leben halten muss. Ich habe bei Margarethe natürlich auch Kürzungen vorgenommen, weil man sehr gut abwägen muss, welche Episoden spannend sind und welche eher langweilen könnten. Oder wie man den Kontext sieht. Es gab z.B. auch einen Verwandten, der immer mal wieder kam, weil er Geld wollte. Aber das war letztlich keine wirklich spannende Episode, also habe ich das weggelassen, denn jeder kann sich denken, dass man als reicher Mensch immer mal wieder Schnorrer abweisen muss. Ich habe lange überlegt, welche Episoden die Geschichte und Entwicklung vorantreiben und welche nur Seitenschinderei wären. Ich will mich beim Schreiben nicht langweilen, ich will mich selbst auch unterhalten und Spaß daran haben.

    Eine Romanbiografie ist wesentlich anstrengender zu schreiben als ein fiktiver Roman, wenn man es ernst nimmt und den Personen, über die man schreibt, Wertschätzung entgegenbringt. Man hat weniger Raum, eigene Fantasien auszuleben, wenn man es ernst nimmt. Mir ist es wichtig, dass die Leserinnen und Leser am Ende das Gefühl haben, schon viel über Margarethes Leben zu wissen, also ein solides Grundwissen, aber wenn sie mehr wissen wollen, sollten sie tiefer in die Materie eindringen.


    Die Freiheit des Romans besteht darin, dass ich mir überlegen kann, wie sie wohl gedacht und gefühlt hat und dass ich an manchen Punkten psychologisch deuten kann. Wenn wir auf den Capri-Skandal kommen, werde ich dazu mehr sagen, denn den deute ich etwas anders als viele herkömmliche Biografen. Ich kann das aber auch gut begründen.

    Hast Du zu Essen/Villa Hügel/Krupp einen Bezug?

    Nein, ich muss gestehen, ich war noch nicht einmal dort, denn als ich den Vertrag unterschrieb, begann Corona, und das hielt sich ja leider auch, bis das Buch dann fertiggestellt war. Ich habe mich also mit Bildbänden und der zahlreichen Literatur, die auch von der Krupp-Stiftung selbst herausgegeben wird, begnügt.