Beiträge von MelanieM

    Li-Ming stammt aus einer sozial gehobenen Schichtvin China und war vierte Konkubine eines Chinesen in USA. Armut war da erst nach der Flucht aus dem goldenen Käfig ein Thema.


    Geisha ist im übrigen nicht chinesisch, sondern japanisch und hat auch nicht das geringste mit Prostitution zu tun- das Europäer das nicht verstanden haben ist nicht das Problem der Japaner.

    Das ist richtig, sowohl zu Li-Ming als auch Geishas.

    in Europa geht alles den Bach runter, ein totaler Umbruch steht bevor und in USA geht alles einfach so weiter, die Umbrüche dort dauern noch 50 Jahre, auch wenn die Technik sich entwickelt, ein sozialer Umbruch findet nicht statt, trotz Kriegseintritt.

    Ja, da ging es dann ja erst nach dem Krieg los. Du hast ja Hans-Jürgen Massaqois erste Buch Neger Neger Schornsteinfeger erwähnt. Hast du auch Hänschen klein ging allein von ihm gelesen? Das ist das, was er nach dem Krieg in den USA erlebt hat - wo er erschüttert war, dass Schwarze da zum Teil mehr diskriminiert wurden als er es in seiner Nachbarschaft in der Nazizeit in Deutschland erlebt hat.

    Ich finde Pauls Gedankenzu seinem politischen Engagement nachvollziehbar: als junger Kerlhatte er nichts zu verlieren und konnte sich in jede Demonstrationwerfen. Doch nun hat er eine Familie, die es zu ernähren und zubeschützen gilt. Da denkt man anders – nicht, was die Überzeugungangeht sondern wieviel man riskieren kann oder darf.

    Das war mir auch wichtig darzustellen - das Zurückhaltung nicht unbedingt Feigheit ist, sondern der normale Reifeprozess, den jeder Mensch durchmacht - die Jugend hält sich für unbesiegbar, weil ihr Idealismus noch nie enttäuscht wurde, je älter man wird, umso mehr Erfahrungen hat man und wägt ab.

    Ein optimistischesBuchende und eines, das bereits Vorfreude auf den letzten Band derReihe weckt – auch wenn dieser ein ganz schöner Klops wird mitüber 700 Seiten. Seufz.


    Aber ich erinnere michauch an die Worte von MelanieM „Stell Dir einfach vor, Du liest 3 dünneBücher!“

    Ja, ich muss es immer optimistisch ausklingen lassen. Einige Leserinnen meinten, Band 2 sei der schwächste Band der Reihe. Ich mag diesen Band, weil er ganz viel weiterführt, auch wenn er gemächlicher ist und keinen klassischen Antagonisten hat. Der Antagonist hier ist der Krieg.

    In Band 3 geht es dann 1923 weiter und endet 1953.

    Was mir hier auch gutgefallen hat sind die Szenen mit Moritz! Carola hat natürlichProbleme mit der Familie: der Bruder des Stadtkriminellen und dieTochter des bekannten Anwalts, das birgt natürlich enormenZündstoff. Dabei ist ihr Vater bereits 66 – wie lange wird er dennletztlich noch arbeiten, so dass die Verbindung seiner Tochterihm beruflich schaden könnte? Zum Glück lässt Carola sich nichtbeirren.

    Der "Stadtkriminelle" (ich habe sehr über die Bezeichnung gelacht, super) wird in Band 3 noch eine interessante Karriere machen, die ihm kaum einer zugetraut hat. In den Bücher um Renate ist er ja schon verstorben, aber er wird erwähnt ... Wer erinnert sich?

    Ich spiele ja manchmal mit der Bilderfunktion von Gemini und ChatGPT, indem ich Szenen aus meinen Büchern wie einen Prompt einkopiere, um zu sehen, wie die KI eine Szene versteht. Ist schon sehr interessant, was dabei rauskommt. Als ich aber die Szene, wie man Pauls Gesicht das erste Mal sieht, einstellte, weigerte sich die KI, das darzustellen, weil es zu gruselig ist. Ich habe die KI dann gebeten, die Szene von hinten darzustellen. So hat Gemini sich das vorgestellt:

    Da würde mich interessieren, inwieweit du das bereits geplant hattest, Melanie_M. War dir bereits beim Schreiben dieses Buches klar, welche Lebenswege die Kinder einschlagen würden oder fiel die Entscheidung dazu später?

    Nein, bei Rudi und Fredi war das völlig offen. Ella war klar, dass die in die Fußstapfen ihrer Mutter treten will. Tatsächlich haben sich Rudi und Fredi sehr interessant selbstständig beim Schreiben von Band drei entwickelt und interessante Nebenstränge bedingt.

    Das hat man wirklichdeutlich gemerkt, auch wie wenig die Studts nach Amerika passenwürden. Für die Zeit ihres Aufenthaltes dort können sie den Luxus genießen. Aber siesind sehr sozial eingestellte Menschen die wollen, dass es allen gutgeht.

    Und man fragt sich, wieso Sohn Rudi später in Amerika landet, oder? Aber keine Sorge, das wird alles in Band 3 erklärt.

    Die Anekdote mit denSchwarzfussindianern auf dem Dach des McAlpin habe ich natürlichrecherchiert, es gibt da in der Tat auch etliche Fotos davon.

    Die Bilder habe ich auch bei meinen Recherchen gefunden und deshalb diese Geschichte eingebaut, weil ich das so skurril fand. Meine Lektorin und mein Verlag sind auch vernünftig, da hat sich keiner über das Wort Indianer oder das N-Wort in der wörtlichen Rede aufgeregt, weil das damals als ganz normal galt und jemand deshalb kein Rassist war.

    DerenSchicksal (Vater tot aus dem Hafenbecken gezogen, Mutter mit Syphilisim Heim siechend) ist allerdings wenig überraschend. Das war jaschon in Band 1 klar, dass es für diese beiden kein Happy End gibtund ehrlich gesagt, das hätte man ihnen auch nicht von Herzen gönnenkönnen, zu sehr haben sie sich an ihren Kindern versündigt.

    Ja, das musste ich noch einflechten, weil der Fiesling nix anderes verdient hat ;-) . Millis Mutter ist mehr Opfer, aber es hätte ihr freigestanden, einen anderen Lebensweg zu wählen. Sie hat ja angefangen, anzuschaffen, als ihr Mann im Gefängnis saß. Und das hat die Beziehung nachhaltig zerstört, sodass er sie dann erst recht auf den Strich schickte und das Kuckuckskind auch.

    Das ist zwarsehr traurig, aber wenn Paul 1962 stirbt, hatte er zumindest trotzallem ein langes Leben. Ca. 88 Jahre (wenn ich mich nicht verrechnethabe) ist für die Zeit, in der er geboren wurde, ein hohes Alter.

    Ja, für die damalige Zeit habe ich ihm noch ein nahezu biblisches Alter gegönnt. Ich habe euch mal ein Foto vom echten Paul Studt aus Frankreich angehängt, er starb ja an Blinddarmdurchbruch. Mein Urgroßvater ist der stehende Mann.

    Mein Großvater war Jahrgang 1892. Ich staune darüber, was der als Diplomarbeit zum Dipl. Ing. abgeliefert hat. Das weis heute jedes Kindergartenkind. Die Verwendung von Schweröl als Schmierstoff. Das war revolutionärer Fortschritt gegenüber Fett. Aber wirklich spannend ist da meine eigene fehlende Neugier, als Brücke zur letzten Leserunde. Meine Mutter wurde 1922 geboren und alles was ich an Familiengeschichte weis beginnt mit der Inflation 1923. Ich habe einfach nach davor nicht gründlich gefragt. Mein Großvater väterlicherseits verstarb 1933, als mein Vater 10 Jahre alt war, da beginnt die Geschichte erst 1935. Das war beides bereits Bildungsbürgertum, da muss auch was an Kampf gegen Adelsprivilegien gewesen sei, aber das ist im Dunkel der Zeit verloren. Sorry, wenn die Treppe aus Papier hier noch zu stark nachwirkt, aber diese Gedanken darüber, was man selbst an Geschichte aus dieser Zeit mit sich trägt ohne es zu ahnen sind sehr präsent eben auch aus der Zeit vor dem ersten Krieg, nicht nur im Nationalsozialismus.

    Das kann ich gut verstehen. Ich habe für meine Bücher ja viel auf familiäre Erzählungen zurückgegriffen, auch wenn da nicht mehr alles war. Meine Urgroßmutter Martha Studt stand mit ihren Lebensdaten Patin für Martha aus dem Roman, wobei mein echter Urgroßvater Paul im 1. Weltkrieg an einem Blindarmdurchbruch starb. Er war auf Heimaturlaub, hatte schon Bauchschmerzen, wollte aber die Kameraden nicht im Stich lassen und fuhr zurück nach Frankreich, wo er dann starb. Meine Uroma musste dann ihre drei Kinder allein durchbringen, in der Hyperinflation war das sehr schwer, sie war Weißnäherin und hat dann geputzt und hatte auch nur eine ganz geringe Witwenrente. Aber sie hat immer gearbeitet und starb erst 1971.

    Gab es da wirklich U-Boot-Angriffe auf neutrale Schiffskonvois?

    Ja, die gab es, wobei unklar war, ob das Irrtümer oder gezielte Angriffe waren. Die Propaganda nennt es gezielt, die Täter sagen, es war ein Versehen. Aber vorgekommen ist es.

    Dass die Operationen bei Paul glücken werden wissen wir ja. Aber interessant wie das gemacht wurde. Insofern waren Kriege ja immer gut, sowohl für medizinischen als auch technischen Fortschritt. Nur der Preis ist da immer viel zu hoch.

    Hier einer der zahlreichen Artikel zu dem Thema, mit denen ich recherchiert habe: https://lisa.gerda-henkel-stif…eitschirurgie?nav_id=1031

    Und das angehängte Bild ist aus dem Journal für ästhetische Chirurgie:

    Jacques Joseph – zum 80. Todestag, 18. Juni 2014