Beiträge von MelanieM

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    Bin natürlich kein Psychater aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man als Angehöriger manchmal zu viel Hilfe und Beistand leisten kann und die Augen verschließt davor, dass der "Kranke" dann gerne mal seine Schwäche vorschiebt, statt dagegen anzukämpfen.

    Ja, das war Margarethes Manko, gleich selbst handeln, damit es erledigt ist, anstatt sich zu ärgern, wenn Fritz es liegen lässt.

    Der Streit zwischen Fritz und Margarethe ist sehr anschaulich beschrieben. Ist dies auch durch Quellen belegt? Eine Schilderung aus Fritz Perspektive würde hier im Forum sicherlich auch gegenteilige Reaktionen ergeben.


    Fritz Argumente sind auch ein wenig schlüssig. Heute wird dies Streisand-Effekt – Wikipedia genannt.

    Haben diese 600 Angestellten auch alle in der Villa Hügel gewohnt? Das muss ja täglich ein ordentliches Gewusel gewesen sein. Die Bankette bei heutigen Staatsbesuchen sind aber bestimmt nicht weniger aufwändig zu organisieren, auch wenn heute der Schwerpunkt wohl weniger auf der Menüauswahl als auf Sicherheitsvorkehrungen liegt.

    Der Streit ist belegt, auch, dass er Margarethe aufforderte, sich in ärztliche Behandlung zu begeben.


    Die 600 Angestellten wohnte nur zum Teil in der Villa Hügel, es gab auf dem großen Gelände auch Dienstbotenunterkünfte und manche kamen ganz normal zur Arbeit von zuhause. Zu den 600 zählt ja alles, Förster, Wildhüter, Stallburschen, Gärtner, Hauspersonal aller Art, Handwerker, die alles in Schuss halten...


    Der Streisand-Effekt kommt im letzten Abschnitt

    Ich kann Margarethe verstehen, dass sie wütend war auf ihn. Er hat sich aus der Verantwortung gestohlen, endgültig. Sie hat den Scherbenhaufen geerbt und muss nun sehen, wie sie das Ansehen der Familie und der Firma wieder herstellt. Glücklicherweise hat sie die Firmenleitung auf ihrer Seite und nicht lauter Männer da sitzen, die sie nicht ernst nehmen. Aber gut, in den vergangenen Jahren haben sie sie ja auch kennenlernen können und wussten, dass sie schon weiß was sie tut.

    Ja, das ist historisch so belegt, sie hatte keine großen Probleme, sich mit der Firmenleitung durchzusetzen, weil sie den Geschäftsführern vertraute und zugleich das tat, mit dem sie die meiste Erfahrung hatte. Ich habe mich absichtlich an die überlieferte Historie gehalten und darauf verzichtet, aus dramaturgischen Gründen Konflikte zu erfinden, die es nicht gab. Die echten Konflikte hat sie schon viele Jahre früher aus dem Weg geräumt.

    Ich fand es gut, dass das Buch sich auf das private der Krupps beschränkt hat. Und dass es vor dem ersten Weltkrieg beendet ist. Der Name ist ja auch heute noch mit den Waffen verbunden, die damals produziert wurden. So bekommt man einen schönen Blick auf die Menschen hinter dieser Firma.

    Margarethe fand ich sehr bemerkenswert. Durchaus ein Mensch ihrer Zeit, aber eben auch fortschrittlich und bereit in die Zukunft zu gehen und Dinge zu ändern.

    Ich habe absichtlich nicht allzu viel von der Firmenpolitik reingebracht, weil das vermutlich langweilig geworden wäre und es sollte ja um das Menschliche gehen. Wer sich für die Firmenpolitik interessiert, sollte lieber Sachbücher lesen als einen Roman. Die Stärke des Romans ist es ja, dass man sich in die Figuren hineinversetzen und ihnen Dinge in den Mund legen kann, die sie vielleicht gesagt und gedacht haben könnten, aber die nicht überliefert sind.

    Gibt es auch neue Buchideen zum 19. Jahrhundert oder ist hier die Recherche zu aufwändig?

    Es geht weniger um die Recherche, die ist mir nicht zu aufwändig, sondern darum, was allgemein verkäuflich ist. Hafenschwester 1 spielte ja 1892. Im Allgemeinen laufen allerdings Bücher aus dem 19. Jahrhundert derzeit nicht so gut, wie die aus dem 20. Jahrhundert. Aber das kann sich ja wieder ändern.

    Auf S. 202 mußte ich etwas grinsen und habe überlegt, ob das nicht ein Druckfehler ist: müßten die Hunde nicht Fix und Foxi heißen?

    Die Namen sind so überliefert, die Comic-Füchse kamen erst später :-)

    Seite 212. Da kann etwas nicht stimmen. Es ist unmöglich, daß der Kaiser mit der Reichsbahn angereist ist oder daß Fritz sich gar einige Jahre früher als 1890 bei derReichsbahn für einen Bahnhof bei der Villa Hügel verwendet hat. Es gab damals keine Reichsbahn. Die Deutsche Reichsbahn entstand zum 1. April 1920 aus dem Zusammenschluß der deutschen Länderbahnen. Essengehörte zum Bereich der Preußischen Staatseisenbahn (wobei die preußische Eisenbahngeschichte teils recht verzwickt und ein Kapitel für sich ist).

    Oh, da hast du tatsächlich recht. Das kommt davon, dass ich das einfach aus der Biografie der Urenkeltochter so übernommen hatte, ohne es noch mal zu überprüfen. Es war natürlich die preußische Staatseisenbahn. Aber das sind so Fehler, die gerade dann passieren, wenn man denkt, bei einer scheinbar so einfachen Sache muss man nicht extra nachrecherchieren, das wird einfach übernommen.

    Schließlich kommen erste Gerüchte und Anfeindungen auf, die sich zum Ende des Abschnitts zu einer Art Katastrophe hochschaukeln. Bis hin zu einem ausgewachsenen Ehestreit. Ichbin mir zum derzeitigen Lesestand nicht sicher, ob Fritz wirklich, wie er behauptet, Herr der Situation ist und vollen Überblick hat, oder ob er wie ein getroffenes Tier einfach um sich schlägt, weil man ihn ausseiner Schutzhöhle herausgezerrt hat. Eines ist klar: die Ehe als solche besteht eigentlich nur noch auf dem Papier, ob Fritz die Jahre über alleine so weit gekommen wäre, da habe ich meine Zweifel. Margarethe braucht sicherlich Erholung und vielleicht auch eine Pause, aber so, wie Fritz das angeht, ist das vielleicht für das weitere (Zusammen-) Leben schädlich.

    Ja, ich denke, er schlägt um sich, wie sich das weiter entwickelt, wird im letzten Abschnitt deutlich.

    Wie sehen denn die Pläne für die nächsten Buchprojekte aus? Ich hoffe doch sehr, dass es welche gibt

    Ein Buch habe ich bei Heyne schon abgegeben, warte noch auf das Lektorat. Es könnte sowohl ein Stand alone als auch der Auftakt einer Reihe sein, das hängt davon ab, wie gut es sich verkauft. Es geht um eine Psychoanalytikerin in Hamburg im Jahr 1920, die mit einem Kriminalkommissar gemeinsam den Mord an einem ihrer Klienten aufklären will, es ist aber weniger ein Krimi als ein Sittengemälde der damaligen Zeit. Wenn es gut läuft, gibt es Raum für Folgebände, wenn nicht, kann es gut für sich allein stehen.


    Bei Tinte&Feder habe ich eine neue Reihe in Arbeit, bin gerade bei Band 1, der 1958 spielt, aus der Sicht einer jungen Ärztin, die in der Psychiatrie arbeitet und dort immer mal wieder Fragen nach der Vergangenheit stellt, was nicht alle gern sehen. Es geht um Psychiatrie in den 1950ern, um die Rolle der Frau in dieser Zeit und außerdem gibt es als Nebenrolle Alfred (Fredi) Studt und seine Familie, die auch eine wichtige Rolle spielen, sodass auch Freunde der Hafenschwester erfahren, was aus Fredi wurde und in Band 2 auch Martha und Rudi wieder treffen.

    Gesagt, getan... hatte den Eindruck, hab die Zuhörenden etwas angesteckt mit meiner Begeisterung. Habe den Roman herumgereicht und so manche Brille wurde aus der Tasche geholt, um den Klappentext zu lesen und den Titel zu notieren. Es hat länger als sonst gedauert, bis das Buch seine Runde beendet und wieder bei mir ankam.


    Es ist das schöne Format "Leser empfehlen anderen Lesern ihre Lesehighlights" und die Bibliothek bekommt dadurch Anschaffungsvorschläge.

    Vielen lieben Dank, das freut mich sehr! Im Augenblick haben Bücher es ohnehin schwer und laufen längst nicht mehr so gut wie noch vor 10 Jahren, was dazu führt, das die Verlage die Programme weiter einstampfen.

    Wie zuvor schon erwähnt, mag ich besonders die Hinweise zum gesellschaftlichen Leben dieser Zeit. Die Reise in Ägypten fand ich leider etwas ereignisarm, mitgefahren wäre ich trotzdem gerne.

    Ja, außer dass sie erkältet waren und sich dann die Sehenswürdigkeiten anschauten, Cousin Arthur auf alles schoss, was da war, ist nicht sonderlich viel passiert. Wie auf üblichen, normalen Reisen eben. Da es mir wichtig war, authentisch zu bleiben, habe ich auf Räuberpistolen verzichtet, um es "aufzupeppen".

    Hatte Alfred eigentlich schon eine andere Frau für ihn ausgesucht?

    Nein, da gab es m. W. noch niemanden. Der alte Krupp hätte wennschon aber auch nur eine aus einem Haus genommen, die selbst Geld haben oder gute Geschäftsbeziehungen, damit es sich für die Firma lohnt. Vermutlich hatte er noch nicht das Richtige für seinen Sohn gefunden.

    Das war tatsächlich so, dass Fritz in seiner Hilflosigkeit alles Margarethe projizierte und sie als verrückt darstellte. Möglicherweise hat Margarethe geahnt, dass Fritz derartige Kritik nicht abkann und sich deshalb all die Jahre auch so zurückgehalten. Aber jetzt hatte sie den Eindruck, es geht gar nicht mehr, er setzt alles in den Sand. Und er fühlte sich gedemütigt, dass sie hinter seinem Rücken Hilfe bei der Kaiserin suchte. So etwas kann ja nur eine Verrückte tun ... muss er sich einreden, um sich nicht zu schämen, weil er im Grunde die Schuld durch sein Leben trägt und weil er sich nie Gedanken um die Konsequenzen machte. Er glaubte ja, er würde allen auf Capri helfen und rechnete nicht mit der Missgunst der Menschen dort, die er für edle Inselkinder hielt.

    Was mir noch einfällt: ich habe jetzt die ganze Zeit darüber nachgedacht. Entweder habe ich etwas überlesen, oder Alfred Krupp wurde recht plötzlich bettlägerig und verstarb. Ich entsinne mich, daß mein Vater auch quasi über Nacht bettlägerig wurde - allerdings gab es monatelang vorher deutliche Anzeichen dafür und eine "Entwicklung", kein plötzlich heute gehts - morgen nicht mehr.



    Danke Arietta für Link und Bild!

    Ich nehme an, er hat sich mit eiserner Disziplin gezwungen, bis nichts mehr ging und frühere Symptome verleugnet. Er war in der Beziehung ja Fritz' Gegenteil.

    Die arme Margarete musste schon einiges Stämmen und eine große Last auf ihren Schultern tragen.

    So ein großer Haushalt mit 600 Angestellten zu führen kostet schon viel Kraft, ich finde sie ist einfach eine mutige und großartige Frau.
    Besuch aus aller Welt zu managen, ob China oder der deutsche Kaiser , mag aufregend sein, ehrlich mir wäre es Zuviel. Der Aufenthalt auf Capri , die blaue Grotte ist schon sehr traumhaft und die beiden Töchter sind genauso begeistert. Fritz fühlt sich dort wohl , die salzige Luft tut seinen Lungen gut, tatsächlich wenn man Asthma hat fällt einem dort das Atmen leichter.
    Fritz scheint mir nur noch Capri und seine Forschung im Kopf zu haben. Was würde er tun hätte er nicht Berta im Rücken, die nun noch auch die Prokura hat und sich um die Firma kümmern muss. Ich glaube ich würde das Handtuch schmeißen, aber wie heißt es so schön hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau die ihm den Rücken freihält und im Hintergrund alles arrangiert.

    Ja, Margarethe geht an das Ende ihrer Kräfte, während Fritz aufblüht und das alles gar nicht wahrnimmt.

    Auf den folgenden Seiten (S. 138ff) wird Alfred Krupp etwas sympathischer. Gewundert hat mich allerdings, daß Margarethe ihn Duzte. War zu jener Zeit nicht das „Sie“ auchim engen Familienkreis üblich?

    Ich habe mich halb tot recherchiert, um dazu etwas zu finden, aber es gab NICHTS, also habe ich sie sich duzen lassen.

    Gewundert habe ich mich schließlich über die lange Zeit der Reise - konnte der Firmenchef denn so lange von seinem Büro wegbleiben ohne daß es im Unternehmen drunterund drüber ging? Er muß seinen Geschäftsführern und Prokuristen sehr vertraut haben.

    Ja, das ist so. Da er selbst ja vom Vater fix rausgehalten wurde, wussten die Direktoren besser Bescheid als er. Und ihm war das auf eine Weise, die er sich nie eingestanden hätte, vielleicht sogar ganz recht.

    Irgendwie habe ich bei Krupps immer nur den zweiten Weltkrieg im Kopf wo sie die Familie ja nicht mit Ruhm bekleckert hat. Allerdings kann ich meine nicht so positive Einstellung gar nicht so richtig an Fakten festmachen...


    Bemerkenswerterweise wurden Barbara und ihr späterer Ehemann von den Nazis sogar inhaftiert. Bertha und ihr Mann kümmerten sich dann um deren Freilassung. Natürlich waren sie an der Waffenproduktion im Krieg beteiligt, aber sie mochten Hitler als Person nicht sonderlich. Barbaras Mann war dann im Gegenzug nach dem 2. Weltkrieg der Rechtsanwalt von Berthas Mann im Kriegsverbrecherprozess.

    Nein, beide Schwestern wählen bereits so jung ihre Ehepartner, anscheinend ohne äußeren Druck und sind wirklich verliebt und glücklich. Bei Bertha, der reichsten Partie, geht es besonders schnell: Romreise und Geburtstag im März, Verlobung im Mai, Hochzeit im Oktober.

    Da habe ich die Sichtweise der Urenkelin von Margarethe Krupp übernommen, die es so geschildert hat. Andere Quellen behaupten, der Kaiser hätte die Ehe von Bertha arrangiert, aber das glaube ich nicht. Ich glaube nicht, dass Margarethe eine arrangierte Ehe ohne Liebe für ihre Tochter erlaubt hätte. Ich denke, es war schon so, wie hier beschrieben, auch dass man den Kaiser später erst fragte, wie er dazu steht, weil man ja auch seinen Schirm angewiesen war. Und was hätte der Kaiser davon gehabt, Bertha mit einem Diplomaten zu verkuppeln? Dann doch lieber mit einem seiner Söhne ;-) , dann kommt Geld in die Haushaltskasse.

    Ich denke, es war für Margarethe wichtig, ihre Älteste in guten Händen zu wissen und außerdem den Familiennamen zu erhalten. Und warum soll man dann lange mit der Hochzeit warten? Da hat sie selbst ja unschöne Erfahrungen gemacht, so lange, wie Fritz brauchte ...

    Schön ist auch die Episode geschildert, als Margarethe mit ihren Töchtern auf dem Weg vom Friedhof ist, die Droschke anhalten lässt und sich um das weinende Mädchen kümmert/der Mutter eine Chance bietet. Margarethe bleibt volksnah und ist den Menschen zugewandt.

    Das ist ausnahmsweise mal eine ganz fiktiv erfundene Szene, aber ich hätte mir gut vorstellen können, dass Margarethe, die ehemalige Gouvernante, genauso reagiert.

    Du beschreibst schlüssig, dass Fritz Suizid begangen hat. Es ist tragisch, dass er, der reichste Mann Deutschlands, dem der Kaiser vertraut und der Fritz als befreundeten Unternehmer bezeichnet, sich so schwach fühlt und nicht gegen die Verleumdungen stringent angeht und so jung keinen anderen Ausweg weiß, als sich zu vergiften. Nur gut, dass er zumindest das Geschäftliche ordentlich hinterlässt und geregelt hat. Aber seine Töchter sind erst 15 und 16... und es hält ihn auch nicht die Verantwortung für ein Unternehmen mit unfassbaren 50.000 Mitarbeitern, zu kämpfen. Wie schön, dass seine Arbeiter nicht glauben, was in der Zeitung steht, sondern an den Menschen glauben, den sie kennen.

    ja, er muss sehr verzweifelt sein und ich verstehe Margarethe, wie sie den Leichnam schüttelt, verärgert ist, dass sie in Jena geblieben ist und dadurch nicht an Fritz Seite war. Das ist hart, denn hätte er sie nicht weggeschickt oder hätte er gebeten, dass sie zur Villa Hügel zurückkehrt, dann hätte sie in seiner Nähe den Suizid auch nicht verhindern können, doch so hatte sie keine Chance ihrem Ehemann zur Seite zu stehen.

    Ja, Fritz' Tod war tragisch und es waren schon ganz früh Gerüchte wegen Suizid im Umlauf. Die Urenkelin in der Biografie beharrt auf dem Schlaganfall, aber sie beschreibt die Todesumstände genauso, wie ich sie hier wiedergebe. Und als Psychiaterin ist mir klar, dass das so nicht stimmig ist. Das riecht alles nach einem Suizid durch Gift, weil ein Schlaganfall nicht zu Schaum vor dem Mund führt und Margarethe ihn dann auch nicht geschüttelt hätte, denn sie war ja keine schwache Frau, und das war auch keine Schwäche, das war Wut. Aber warum ist man wütend? Weil man weiß, dass da etwas nicht stimmt. Nur durfte der Suizid nicht an die Außenwelt gelangen, weil die Menschen es als Schuldeingeständnis gesehen hätten, von wegen, er ist wirklich homosexuell. Das glaube ich wiederum nicht. Das war damals nur der einfachste Weg, politische Gegner zu zerstören.

    Ich habe mir beim Lesen manchmal gedacht: warum redet sie nicht mehr mit Fritz ? Warum sagt sie ihm nicht, dass es ihr zu viel wird und er nicht so viel Zeit in Capri verbringen soll sondern sich mehr um die Geschäfte kümmern könnte? Wahrscheinlich ist es Fritz gar nicht bewusst, wie sehr er sie zu dem Zeitpunkt im Stich lässt. Und sie ist so großzügig und lässt ihm seine Freude auf Capri, obwohl es ihr selbst schon alles zu viel wird.

    Ich denke, er hat das einfach mit Worten weggewischt, von wegen: "Du musst das doch nicht machen, ruh dich aus, verreise und mach was Schönes." Weil er selbst den Überblick verloren hat, wie viel Arbeit sie investierte und sie wusste, wenn sie es nicht tut, bricht alles zusammen. Aber Fritz holte seine zweite Jugend auf Capri nach. Ich konnte mir beim Recherchieren sehr gut vorstellen, wie viel Spaß er dort wohl hatte, zum ersten Mal in seinem Leben das zu erleben, was Margarethe schon im Lehrerinnenseminar an Spaß hatte. Er holt seine Jugend nach, hat Spaß an lausbubenhaftem Blödsinn, ist in seinen Augen Gleicher und Gleichen und erkennt nicht den Neid, den er erzeugt, weil er großzügig ist und allen helfen will. Er ist ein gutmütiger Mensch, aber auch sehr blauäugig, was die Menschen auf Capri angeht. Er idealisiert die Insel so sehr, und genauso, wie er nicht erkennt, was man dort wirklich über ihn denkt, genauso wenig begreift er, dass Margarethe die Firma zusammenhält. Übrigens hat er tatsächlich interessante Forschungsergebnisse in der Meeresbiologie erzielt. Die sind aber in Vergessenheit geraten, weil der Skandal alles überschattete. Er wäre vermutlich als zweitgeborener Sohn viel glücklicher geworden, wenn das alles nicht auf seinen Schultern geruht hätte und er einen großen Bruder gehabt hätte. Sein Vater hat für die Firma gelebt, sie aufgebaut, er selbst musste das Erbe verwalten, er wollte aber auch selbst etwas erreichen, was darüber hinausgeht. Und das glaubte er auf Capri gefunden zu haben. Das ist die wahre Tragik.