Beiträge von MelanieM
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Ich muss das ganze nochmal sacken lassen, ich bin jetzt regelrecht durch den letzten Abschnitt geflogen.
Und haben dich die Auflösungen zufriedengestellt?
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Den Ausdruck "leere Menschenhülsen" finde ich furchtbar. Wird der immer noch verwendet?
Das stammt aus diesem Buch aus dem Jahr 1920, über das Weiß ja auch im 1. Kapitel mit Fliedtner diskutiert. Der Begriff wird selbstverständlich seit Ende des 2. WK nicht mehr verwendet. https://www.amazon.de/Die-Freigabe-Vernichtung-lebensunwerten-Lebens-ebook/dp/B00JJWMBD4 (incl. Amazon Affiliate-ID from this website)
Ich glaube ja, dass Doktor Weiß das Waffenlager in die Luft gesprengt hat, weil Wolfgang ihm auf die Schliche gekommen ist. Ich finde nur komisch, dass er Wolfgang als Walter nicht erkannt hat, denn er hätte ja seine Stimme erkennen müssen. Vor allem, wenn man sich mit jemandem micht grün ist, merkt man sich sowas doch. Oder hat er ihn erkannt und tut so als wäre es nicht so?
Wolfgang hatte damals einen blonden Vollbart und ein unversehrtes Gesicht. Jetzt hat er seine Haare gefärbt, den Bart abrasiert - zumal der auf der verbrannten Gesichtshälfte ohnehin nicht mehr gewachsen wäre, und ist durch das halb verbrannte Gesichte furchtbar entstellt. Er sieht völlig anders aus.
Ich muss das Buch auf jeden Fall jetzt noch beenden, weil ich sonst sicher nicht schlafen kann. Eigentlich wollte ich mir Zeit lassen.... Wenn das nächste Buch auch so spannend ist, freue ich mich schon sehr darauf. Ich hoffe vor allem auch, dass wir wieder zusammen lesen?
Das würde mich auch sehr freuen, wenn wir das nächste Buch wieder zusammen lesen würden.
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Hört sich sehr interessant an, hatte ich auch mal kurz im Studium, allerdings lag dort der Schwerpunkt auf dem Sozialen - und bei Dir ist es ja wahrscheinlich genau umgekehrt...
Und wenn die Leserunde danach stattfindet? Dies aber nur aus vollkommen egoistischen Beweggründen, s.o....
Da ich im Mai umziehe, wird es danach nicht besser. Dann habe ich u.U. ein paar Tage nicht mal Internet

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Die Frage ist aufgetaucht, ob wir zeitnah Teil 2 lesen wollen?
Wollt ihr gleich? Es stehen ja jede Menge Runden demnächst an, bei denen jede Menge Eulen dabei sind. Also entweder wirklich gleich oder Ende März etwas entspannter?
MelanieM wie schaut es denn bei dir zeitlich aus?
Ich persönlich habe jetzt mehr Zeit. Ende März bin ich im Stress, weil ich am 13. April eine Prüfung habe - Facharztzusatzbezeichnung Sozialmedizin. Aber ich hätte auch Zeit, immer mal reinzuschauen, aber nicht so intensiv wie jetzt. Also mir wäre es lieber, Band 2 gleich anzuhängen, aber ich bin allem offen.
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Ansonsten kann und möchte mich hier allen meinen Vorredner*innen (-leser*innen) anschließen: ein sehr schönes und interessantes Buch....
Vielen Dank, das freut mich sehr

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Juliane hat ja auch erkannt, dass Bernhard vor seiner Verletzung ein toller Mann war. da ist doch noch einiges erkennbar. Ich finde es ja toll, wie zufrieden Bernhard wirkt, er hadert ja wirklich kaum mit seinem Zustand.
Bernhard hadert nicht, weil er noch immer geliebt wird. Er hat letztlich ja das, was er sich immer gewünscht hat - er lebt mit seiner Frau zusammen und kann seiner Liebe für Pferde nachgehen. Alles, was es mal an Ehrgeiz gab, ist verloschen, er lebt in den Tag hinein.
Ich frage mich ja immer noch, wem der Anschlag auf das Depot denn nun galt. Wolfgang, weil er Weiß auf die Pelle gerückt ist? Oder Bernhard, weil er sich anderweitig Feinde gemacht hat? Ich tippe ja eher auf ersteres, Bernhard wäre dann einfach nur ein Kollateralschaden. Und der Bursche von Weiß hat sich beim Legen der Explosion vertan und ist dabei verletzt worden.
wer weiß, vielleicht hat Weiß ihn ja auch manipuliert, damit er die Drecksarbeit macht. Und der vermeintliche Spion? Was wurde denn aus dem Morphinisten / Erpresser?Das wird sich im nächsten Abschnitt klären

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Witzig (bzw. eigentlich leider nicht witzig) , genau den Gedanken habe ich auch gehabt...
Ich habe im letzten Abschnitt unter den Spoilern einen Teil vom Prolog von Band 3, der 1941 spielt und noch nicht erschienen ist, daran schreibe ich nämlich noch, reingestellt. Könnt ihr dann am Ende noch mal reinlesen

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Juliane wurde also wirklich von ihrem Bruder vergewaltigt, der wiederum vom Vater missbraucht wurde. Was für eine Familie! Und Juliane ist die Leidtragende, am Ende wird sie als verrückt hingestellt, in eine Anstalt eingewiesen und die Herren führen weiterhin ihr schickes Leben...
Ja, bei der Geschichte war es mir wichtig, zu zeigen, wie Opfer sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Das eine Opfer wird selbst zum Täter, das andere Opfer verdrängt alles. Und es ist übrigens für die damalige Zeit ganz klassisch. Die meisten sogenannten hysterischen Frauen hatten Missbrauchserfahrungen, aber das hat man natürlich unter den Teppich gekehrt und eine neue Erkrankung erfunden und die Frauen mit dem Problem dann ganz allein gelassen. Der ganze Ödipus-Komplex ist im Grunde auch eine Lüge gewesen - denn es gab da keine Fantasien, sondern die Frauen, die da auf der Couch lagen, hatten das z.T. wirklich erlebt. Aber was nicht sein durfte, konnte man natürlich nicht als psychoanalytische Theorie stehen lassen. Die berühmte Anna O. war eigentlich Bertha Pappenheim, die ein Opfer ihrer Therapeuten war. https://de.wikipedia.org/wiki/Bertha_Pappenheim
Wenn man Weiß so zuhört bei den Gesprächen im Krieg, hat man das Gefühl, dass er Menschen, die nicht seinem Verständnis von einem intelligenten Menschen entsprechen, es nicht wert sind ein lebenswertes Leben zu führen.
Ja, solche Ärzte gab es damals haufenweise. Diese Psychiater hatten dann später bei den Nazis ihre große Chance.
Und - wie gefiel dir Bernhard, als er noch gesund war?
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Upps, tatsächlich? Es kommt einem so aus der Zeit gefallen vor... Weißt Du rein zufällig ungefähr (ohne jetzt groß Nachschlagen zu müssen...) , wann es sich geändert hat? Denn "Im Lautlosen" spricht man doch schon Psychiatrie...?
In Im Lautlosen gibt es diese Szene, als Richard und Fritz als Sanitätsoffiziere in Afrika sind, wo sie noch über diese Berufsbezeichnungen witzeln. Tatsächlich war es im 2. WK noch üblich, dass zu einem Sanitätsbataillon auch zwei "Irrenpfleger" gehören mussten. Psychiater nannte man schon nicht mehr Irrenärzte, sondern Psychiater, aber bei den Pflegekräften waren es oft noch die Krankenwärter oder Irrenpfleger als veraltete Begriffe in Stellenbeschreibungen. Übrigens gab es noch bis 2020 noch die offizielle Bezeichnung "Schwachsinn" für geistig Behinderte - und zwar im Strafgesetzbuch. Das wurde erst zum 1. Januar 2021 geändert. https://lexetius.com/StGB/20,2
Vielleicht kann sie es ja mal beenden????
Mal sehen, was sich im Roman noch so ergibt

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Zuerst konnte ich mir das gar nicht vorstellen mit einem Mann, der wie ein Kind denkt.
In Wahrheit denkt er ja auch gar nicht wie ein Kind - er erinnert nur von seinen funktionellen Einschränkungen an ein Kind. Aber er ist nach wie vor ein Erwachsener, auch wenn sein Verhalten kindlich anmutet. Es werden in Abschnitt 3 noch Rückblenden kommen, da lernt man ihn dann so kennen, wie er war, bevor er verletzt wurde.
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Mir hat übrigens gut gefallen, dass auch Sexualität zwischen Bernhard und Friederike ein Thema ist - dass Menschen mit einer Behinderung auch sexuelle Bedürfnisse haben, wird oft übersehen.
Das freut mich sehr.
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Vorab mal ein dickes Dankeschön an MelanieM für die vielen interessanten Zusatzinfos!
Und Euch allen für den tollen Austausch!
Das freut mich sehr, der Dank für die interessierte Teilnahme wird gleich zurückgegeben

Fräulein Juliane taut ein wenig auf, ich hatte ja erst ein wenig Sorge als Friederike sie mit dem netten jungen Tischler alleine gelassen hat... aber der konnte ihr ja tatsächlich ein wenig helfen.
Der ist ein Naturtalent für Psychiatrie und macht später alles besser

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Hab dir jetzt nochmal im Spoiler geantwortet.

Ich habe hier übrigens noch mal ein Bonbon für dich - das ist aus dem Epilog von Mohlenberg 3, das noch nicht erschienen ist und an dem ich gerade schreibe. Vielleicht verschafft das ja ein wenig Genugtuung.
Sie erreichten das Zimmer, in dem der Patient Weiß seit bald zwanzig Jahren lebte. Nein, eigentlich nicht seit zwanzig Jahren, korrigierte sich der Stationsarzt im Geiste. Erst seit zwölf Jahren, seit dieser Trakt renoviert worden war.
Doktor Weiß saß an einem Tisch vor dem Fenster. Das Pflegepersonal achtete darauf, den alten Arzt stets ordentlich zu kleiden und zu frisieren, sodass er mit seinem gepflegten weißen Vollbart und der Brille wie Sigmund Freud persönlich wirkte. Allerdings passte seine Tätigkeit nicht zu seinem würdevollen Aussehen, denn er war damit beschäftigt, ein Bild mit Buntstiften zu malen. Bei flüchtigem Hinsehen erinnerte es an eine Kinderzeichnung, aber auf den zweiten Blick erkannte man die zwanghafte Akribie des Erwachsenen. Es war faszinierend, wie genau er die kleinen Figuren zeichnete. Ein letztes Relikt der geistigen Fähigkeiten, die er einst besessen hatte, denn seit dem Unfall konnte er nicht einmal mehr lesen oder gar schreiben.
„Ein sehr schönes Zimmer“, bemerkte der Sturmbannführer. „Sogar mit Vorhängen am Fenster. Haben Sie keine Angst, dass die Kranken sich daran strangulieren könnten?“
„Doktor Weiß war nie selbstmordgefährdet“, entgegnete der Stationsarzt.
Bei der Nennung seines Namens blickte Doktor Weiß von seinen Zeichnungen auf. Er hatte wieder einmal einen Bauernhof gemalt, mit vielen kleinen Menschen und Tieren. In der Mitte stand ein schwarzes Pferd.
„Sind Sie Soldat?“, fragte der Patient den Sturmbannführer gerade heraus und musterte dessen Uniform mit kindlich anmutender Neugier.
„So ist es“, bestätigte der SS-Mann und musterte Doktor Weiß mindestens ebenso interessiert. „Wissen Sie, welches Datum wir heute haben?“
„Dienstag“, lautete die Antwort.
„Und welchen Monat?“
„Dienstag“, wiederholte Doktor Weiß. Dann wandte er sich wieder seiner Zeichnung zu.
Der Stationsarzt sah den Sturmbannführer entschuldigend an. „Er verliert schnell das Interesse an Fremden. Er lebt in seiner eigenen Welt.“
„Seine eigene Welt?“, wiederholte der Sturmbannführer. „Ist es das, was er dort malt?“
„Er spricht nicht über seine Bilder. Ich habe es anfangs versucht, aber es ist unmöglich, mit ihm über sein Seelenleben in Kontakt zu kommen, um zu erkennen, wie viel seines Verstandes noch erhalten ist. Er sitzt den ganzen Tag hier und malt.“
„Und was tun Sie mit diesen Bildern?“
„Anfangs haben wir sie gesammelt. In den späten Zwanzigern gab es viel Interesse an der Kunst Geisteskranker. Man denke nur an die berühmte Prinzhorn-Sammlung. Inzwischen geben wir sie ins Altpapier, sobald er mit einem Bild fertig ist.“
Der Sturmbannführer ließ den Blick über die kahlen Wände des Patientenzimmers schweifen.
„Sie hätten sie auch an die Wand hängen und diesen Schmutz überdecken können.“ Er wies auf dunkle Abdrücke, die wohl von ungewaschenen Händen stammten.
„Das haben wir früher bei anderen Patienten zugelassen. Aber es gab oft Ärger, wenn die Bilder entfernt werden mussten, weil eine Zimmerverlegung anstand. Viele Patienten haben eine besondere Bindung zu ihren Werken. Es ist einfacher, sie gleich nach der Fertigstellung gegen ein neues leeres Blatt Papier auszutauschen.“
„So wird also kostbares Papier in diesen Zeiten verschwendet?“
Der Stationsarzt überlegte, was er darauf sagen sollte, doch der Sturmbannführer hatte sich bereits hinter Doktor Weiß gestellt und sah ihm über die Schulter. Der alte Arzt war gerade dabei, eine Frau in einem blauen Kostüm neben dem Pferd zu malen.
„Wer ist diese Frau?“
Doktor Weiß schwieg.
„Und das schwarze Pferd?“, fragte der Sturmbannführer unbeeindruckt weiter. „Ist das der berühmte Wotan?“
Der Stationsarzt wunderte sich, woher der SS-Mann den Namen des Pferdes kannte, das Weiß so schwer verletzt hatte. Aber noch viel auffälliger war die Reaktion des Patienten, der bei der Nennung dieses Namens unwillkürlich zusammenzuckte.
„Er ist es also“, sagte der Sturmbannführer. „Ich gehe davon aus, das hier ist Gut Mohlenberg?“
Doktor Weiß antwortete nicht, aber dem Stationsarzt fiel auf, dass Weiß‘ Hand kaum merklich zitterte, denn die nächsten Striche wurden unsauberer, passten nicht zu der Perfektion, die der Kranke sonst in seinen Bildern anstrebte.
„Sie haben längere Zeit auf Gut Mohlenberg als Arzt gearbeitet, Herr Doktor Weiß“, fuhr der Sturmbannführer fort. „Ich möchte gern mit Ihnen über Gut Mohlenberg sprechen.“
Weiß fuhr herum und starrte den Sturmbannführer mit weit aufgerissenen Augen an.
Der Stationsarzt fragte sich, warum der SS-Mann den Kranken ausgerechnet nach Gut Mohlenberg fragte. Die Einrichtung hatte ihre Zulassung als private Nervenklinik bereits 1934 zurückgegeben und war seither nur noch ein Gestüt, das für seine edlen Pferde landesweit bekannt war.
„Haben Sie mich nicht verstanden, Herr Doktor Weiß?“, wiederholte der Sturmbannführer streng. „Ich möchte mit Ihnen über Gut Mohlenberg und Ihre Zeit dort als Arzt sprechen.“
Im nächsten Moment schrie Doktor Weiß völlig unerwartet laut los, durchdringender und gellender als jede Sirene.
Hastig wich der Sturmbannführer zurück.
„Dem Mann ist wirklich nicht mehr zu helfen“, rief er verärgert. „Lassen Sie uns gehen.“
Der Stationsarzt räusperte sich verlegen, dann öffnete er dem Sturmbannführer die Tür und sie verließen das Patientenzimmer. Kaum hatten sie die Tür hinter sich geschlossen, verstummte Weiß‘ Geschrei, als wäre es durch das Klappen der Tür einfach ausgeschaltet worden.
„Es tut mir leid, dass Sie hier keine Antworten bekommen haben.“ Der Stationsarzt schob seine Brille mit dem Zeigefinger fester auf die Nase. „Aber wie ich Ihnen schon sagte, Doktor Weiß redet weder über seine Bilder noch über seine Vergangenheit.“
„Keine Sorge, das, was ich soeben erlebt habe, genügt mir. Sehen Sie zu, dass er morgen auf den Transport geschickt wird. Es ist wirklich schade um einen so klugen Kopf, aber wenn wir ehrlich sind, ist er bereits seit zwanzig Jahren eine geistig tote Ballastexistenz. Und es wird höchste Zeit, unser Land von all diesen lebensunwerten Kreaturen zu säubern, ganz gleich, wo sie sich vor unserem Zugriff verstecken.“
Dem Stationsarzt lief ein kalter Schauer über den Rücken …
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Vielen Dank. Ich antworte mal im Spoiler zurück:
Es war notwendig für den Roman, dass Bernhard stirbt. Denn die meisten Bücher, wo die Heldin sich um den verletzten Mann kümmert, enden damit, dass er stirbt und es dann für sie eine Befreiung ist. Sie kann sich nun der neuen Liebe zuwenden, ohne schuldig geworden zu sein, ihn verlassen zu haben.
Aber Rieke hatte ja eigentlich gar nie den Wunsch Bernhard zu verlassen......

Rieke hatte nie den Wunsch, Bernhard zu verlassen. Ich bezog das auf die klassischen Romane dieses Genres - die mit dem Tod als Befreiung enden - und dieses Klischee wollte ich absichtlich brechen.
Dadurch, dass Bernhard am Ende stirbt und eine riesige Lücke hinterlässt, dass sogar die Leserinnen massiv um ihn tauern - und ich habe das selbst mit Tränen in den Augen geschrieben - bleibt die Geschichte haften. Jeder Mensch ist wertvoll. Jedes Leben ist wertvoll.
Auf jeden Fall, aber für diese Erkenntnis "müsste" ein Mensch nicht sterben.........

Das Leben ist nun mal nicht gerecht. Aber Friederike lernt auch, das zu schätzen, was sie gewonnen hat. Bernhard ist nicht an seiner schweren Verletzung gestorben, er hat sich noch mal ins Leben gekämpft. Sie erwartet ein Kind von ihm. Es bleibt ihr dadurch Mehr als die Erinnerung - sie wächst an dem Schicksalsschlag am Ende, auch wenn sie trauert.
Hätte Bernhard überlebt, wäre es ein zuckersüßes Happy-End geworden, aber das Buch wäre dann auch schnell vergessen und wie ein Märchen abgehakt. Die eigentliche Aussage - jeder Mensch ist wertvoll - wäre nicht so spürbar geworden.
Gut, es hätte dann nicht diesen Showdown gebraucht, bzw. mit ihm wäre es evtl. zuckersüß geworden.
Der Showdown war insofern nötig, weil er noch mal zeigt, wie Doktor Weiß tickte - seine Abgebrühtheit und manche Dinge nicht bis zum Ende zu durchdenken. Außerdem hat Doktor Weiß ja auch seine Strafe bekommen, er wurde zu dem, was er immer am meisten verachtet und gefürchtet hat.
Und deshalb musste Bernhard sterben und es musste sehr weh tun. Es musste ein Verlust sein, keine Befreiung. Weil das die Kernaussage dieses Buches ist.
Ja, für mich kommt das eher als "Ungerechtigkeit" rüber..........das sind jetzt so einfach meine spontanen Eindrücke nach dem Ende. Und ich denke, auch das ist für dich vielleicht interessant.

Ja, das interessiert mich sehr. Und klar, es ist ungerecht und traurig. Aber das hier ist auch mein traurigstes Buch - alle anderen enden besser
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Vielen Dank für deine Erläuterungen, MelanieM


In Mehr als die Finsternis ist es dafür dann nicht mehr so traurig. Da kann man auch wieder mal lachen.
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Das Ende macht mir gerade echt zu schaffen.......war es denn wirklich nötig, Bernhard sterben zu lassen?
Aber so ist das nun mal........nicht jedes Buch endet so, wie man es sich wünscht.

Ich antworte dir zu deinem Spoiler auch mal in einer Spoiler-Antwort.
Es war notwendig für den Roman, dass Bernhard stirbt. Denn die meisten Bücher, wo die Heldin sich um den verletzten Mann kümmert, enden damit, dass er stirbt und es dann für sie eine Befreiung ist. Sie kann sich nun der neuen Liebe zuwenden, ohne schuldig geworden zu sein, ihn verlassen zu haben.
Dadurch, dass Bernhard am Ende stirbt und eine riesige Lücke hinterlässt, dass sogar die Leserinnen massiv um ihn tauern - und ich habe das selbst mit Tränen in den Augen geschrieben - bleibt die Geschichte haften. Jeder Mensch ist wertvoll. Jedes Leben ist wertvoll.
Hätte Bernhard überlebt, wäre es ein zuckersüßes Happy-End geworden, aber das Buch wäre dann auch schnell vergessen und wie ein Märchen abgehakt. Die eigentliche Aussage - jeder Mensch ist wertvoll - wäre nicht so spürbar geworden.
Und deshalb musste Bernhard sterben und es musste sehr weh tun. Es musste ein Verlust sein, keine Befreiung. Weil das die Kernaussage dieses Buches ist.
Ich denke, deshalb hat es auch den Delia Literaturpreis bekommen.
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Ich hoffe, du bist jetzt nicht so geschockt, dass du nichts weiter mehr dazu sagen kannst
- mich würde vor allem interessieren, ab wann du das im 3. Abschnitt befürchtet hast. -
Haben die behandelnden Ärzte das alles wirklich geglaubt oder haben sie nur gerne experimentiert?
Es gab beide Sorten. Die, die es glaubten, aber wenn sie merkten, dass es nichts bringt, auf andere Behandlungsmethoden übergingen und die, die gern experimentierten. Die zweite Gruppe hatte dann unter den Nazis ihr persönliches Paradies gefunden.
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Bei mir rödelt es im Kopf
Jede Frage wirft eine neue Frage auf.
Das freut mich. Die Fragen werden am Ende des Buches alle beantwortet sein
