Beiträge von Alice

    Auch ich habe mir die BBC-Verfilmung angesehen und fand sie sehr gut. Die Atmosphäre wurde meiner Meinung nach gut getroffen, und die Ausstattung wirkt sehr authentisch und ist für eine TV-Serie sensationell.


    Dass es kleine Abweichungen zur Romanvorlage gibt, hat mich nicht gestört. Zum Beispiel die Rolle von Boucher und sein Abstieg waren mir im Film klarer herausgearbeitet.

    Alice, Du hast recht mit dem, was Du schreibst, da stimme ich Dir zu. Allerdings mit dem Zusatz, daß ich der Meinung bin, daß wir Autoren früherer Zeiten nicht mit dem Wissen unserer Tage be- und verurteilen dürfen, denn unser Wissen und unsere Kenntnisse standen denen nicht zur Verfügung. Etwas, was heute (zu) oft vergessen wird, und man etwa voraussetzt, daß jemand in 1850 wissen mußte, was 1933 passieren würde (damit will ich jetzt keine disbezügliche Diskussion starten, es soll als Beispiel dafür dienen, was ich meine und worauf es mir hier ankommt).

    Auch ich stimme dir voll und ganz zu.

    Wir unterscheiden uns wohl einfach nur in den Erwartungen an eine Leserunde.

    Für mich ist eine LR eine wunderbare Gelegenheit, meine subjektiven Gedanken darzulegen und die subjektiven Gedanken der MitleserInnen zu erfahren.

    Sekundärliteratur interessiert mich da nur rudimentär. Ich will ja keine Seminararbeit schreiben... ;)

    Aber nach dem Lesen interessiert mich natürlich auch, was du zu sagen hast.


    Und dass die Autorin hoch gebildet war, bezweifle ich keine Sekunde. Zu ihrer Zeit legte man allerdings auch viel mehr Wert auf gute Allgemeinbidung als heute, wo man meint, alles Wissen der Menschheit in der Tasche mit sich zu tragen. Das stimmt zwar, aber man muss es auch zu finden und anzuwenden wissen.

    das kann ich sehr gut verstehen, denn deren Gedanken sind uns fremd und es wäre schon interessant, diese nachzuvollziehen und dann eventuell die Dinge anders zu sehen


    Wir versuchen doch, die Hintergründe und die Motivationen und die andere Denkweise zu verstehen. So ganz unwissend sind wir wohl auch nicht.

    Aber wir können ein Buch doch nur aus unserer eigenen Sicht beurteilen und mit dem Wissen und den Hintergründen unserer Zeit. Alles andere wäre doch Lesen aus zweiter Hand. Wir leben halt nun mal im 21. Jahrhundert und nicht mehr im 19.

    Bekannterweise liest jeder Mensch ein Buch anders. Und wahrscheinlich lesen wir dasselbe Buch auch jedes Mal wieder anders.

    Marlay, ich habe auch Probleme mit Lesetiefs. Meiner Erfahrung nach waren die meisten auf Übersättigung zurückzuführen.

    Vor einigen Jahren habe ich mich auf Fantasy konzentriert. Deine Liste ist fast identisch mit meiner ;)

    Dann kamen so viele schlecht geschriebene Fantasywerke auf den Markt, und ich wollte nichts mehr davon hören - oder besser gesagt, lesen. Ich hatte die Tolkien-Imitatoren und den Ice-and-Fire-Hype einfach satt.


    Anschließend habe ich es Querbeet versucht - mit feinen Ergebnissen.


    Vor Monaten habe ich mir im Rahmen einer Aktion ein e-book von Jim Butcher geholt: Den ersten Teil von Codex Alera: die Elementare von Calderon. Ohne große Erwartungen habe ich es vor zwei Tagen begonnen. Eher mit der Absicht, es anzulesen und zu vergessen.

    Aber siehe da, ich kann kaum aufhören zu lesen. Meine Fantasy-Begeisterung ist zurück. Vielleicht wäre das auch etwas für dich.

    Vermutlich sollte ich wirklich keine Bücher mehr ins Gespräch bringen, denn wenn ich das richtig überblicke, bin ich meist der einzige, der so richtig von ihnen begeistert ist.

    Warum denkst du das?

    Und warum ist es dir anscheinend wichtig, dass andere ebenso von einem Buch begeistert sind wie du selbst?

    Ist es nicht auch wichtig (oder wichtiger für eine Leserunde), dass ein Buch Stoff und Anlass zur Diskussion gibt?


    Meiner Erfahrung nach ist es wunderbar, ein Buch zu lesen, das einen restlos begeistert. Nur: wenn es alle begeistert, ist eine Leserunde nur halb so interessant. Meiner Meinung nach.


    Oder ist es dir unangenehm, wenn ein von dir vorgeschlagenes Buch nicht die Zustimmung findest, die du erwartet hast?

    Ich habe das Buch nun auch beendet, und gleich die beiden Abschnitte in einem Aufwaschen gelesen.


    Nach langem Leiden und viel Heulen und Wehklagen haben Mr Thornton und Ms. Hale das bekommen, was sie wollten: einander. Und sie haben einander sicher verdient. Allerdings fürchte ich um den armen John. Denn wer in Margarets Nähe und unter ihre Aufmerksamkeit kommt, hat keine sehr lange Lebenserwartung. Leichen pflastern ihren Weg... Ich kondoliere John und gratuliere Henry. Der wird wohl nicht so schnell ins Gras beißen müssen.


    Als im letzten Abschnitt Mr Bell ankündigte, dass Margaret seine Alleinerbin sein sollte, hatte er selber sein Todesurteil gesprochen. Das kam mir auch sofort in den Sinn, und so kam es dann auch. Schade um ihn, der einzige mit feinem Humor ist nun tot.

    Aber der Roman ist eh zu Ende.


    Ich will nicht sagen, dass ich das Buch schlecht finde. Aber so richtig gut auch nicht. Vieles ist mir zu melodramatisch und klischeehaft und erinnert mich an die Liebesromane, die meine Oma so gerne hatte.

    Die Charaktere waren schon recht schablonenhaft, und außer Bell und Thornton mochte ich eigentlich niemanden. NIcht Mrs Thornton, die dem Sohn einen Heiligenschein verpasst und alle anderen Menschen ablehnt, nicht die beiden Tussis Fanny und Edith. Lediglich mit Higgings konnte ich mich zuletzt anfreunden. Da zeigte er, dass doch was Gutes in ihm steckt.


    Vielleicht war es auch mein Fehler, das großartige Cranford vor diesem Buch zu lesen. Allerdings glaube ich nicht, dass ich es nach diesem Roman überhaupt noch lesen würde.

    Cranford ist in meinen Augen um Längen besser.


    Ich hoffe, SiCollier verzeiht mir...

    Das Gefühl habe ich auch. Deshalb frage ich mich, ob das feige Verhalten Mr. Hales im Umgang mit seiner Frau vielleicht mit einem intuitiven Gefühl seinerseits über ihre Erkrankung zusammenhängt. Mit anderen Worten, er ahnte bereits in Helstone, dass etwas mit ihr nicht stimmt, hatte aber Angst der Sache auf den Grund zu gehen. Das kann sein Verhalten nicht entschuldigen, würde es aber vielleicht erklären.

    Das will ich nun freundlicherweise nicht glauben. Denn wenn das so wäre, wäre es noch unverantwortlicher gewesen, die arme Frau in dieses ungesunde Klima zu verschleppen. Aber wer kann schon die Gedankengänge eines solchen Menschen verstehen?

    Oje, Miss Perfect hat gelogen... Na sowas, da ist der Heiligenschein aber nicht mehr ganz so glänzend. Aber zum Ausgleich fällt sie stilgerecht in Ohnmacht. Das gehört sich auch für eine viktorianische Jungfrau.


    Aber keine Sorge: Mr Thornton liebt sie immer noch. Er sieht zwar "ihre Reinheit von einer Lüge befleckt" - aber er beschließt "sie vor Schande zu bewahren". Ganz nach dem Motto: man darf alles machen, nur sich nicht erwischen lassen.

    Die beiden hätten einander wirklich verdient.


    Higgins lebt von dem Ersparten seiner verstorbenen Tochter Bessy und von der harten Arbeit von Mary. Saufen und Jammern ist ja Arbeit genug. Sind in diesem Buch eigentlich alle Männer Feiglinge, Schwächlinge oder Idioten?

    Nochmals zu Mr Hale: das Arbeiten und die Konfrontation ist der edle Herr Pfarrer einfach nicht gewöhnt. Das sahen wir ja von Anfang an: Margaret hatte alle Mühe mit dem Umzug, und der gute Mann machte lieber Abschiedsbesuche.

    Ich mag den Typen einfach nicht. Auch wenn ich seinen Entschluss bewundere, das Pfarrersein aufzugeben. Aber zum Ausgleich mal Verantwortung übernehmen, das kann er einfach nicht.


    Interessant, dass Du die gegenseitigen Sticheleien als anstrengend empfindest. Für mich machen gerade diese die Würze des Buches aus.

    Ich meinte eigentlich, dass ich solche Gespräche anstrengend finde. Nicht beim Lesen. Aber mir vorzustellen, ich müsste auf diese Weise tagtäglich mit meiner Umgebung kommunizieren - das stelle ich mir anstrengend und ermüdend vor.

    Was für ein hochdramatischer und tragischer Abschnitt: Thornton leidet, Bessy lebt ab, Mrs Hale macht dasselbe, Frederick kommt trotz Todesgefahr nach Hause.


    So langsam aber sicher geht mir diese Miss Wonderful Margaret auf die Nerven. Sie ist eindeutig eine Peggy Sue. Im reifen Alter von 19 weiß sie alles, kann alles, ist Psychologin, Mutter Teresa und Expertin für so ziemlich alles. Und dass sie einen untadeligen Charakter hat und wunderschön ist, versteht sich von selber.


    Immer seltsamer finde ich auch, dass wirklich alle: vom Akademiker bis zum ungebildeten Arbeiter eine wirklich ausgefeilte, gehobene Sprache verwenden. Das glaube ich einfach nicht.

    Und dazu leidet die Autorin an Adjektivitis. Schlimmes Leiden, wenn man zwanghaft in jedem Satz Adjektive oder Adverben einbauen muss.

    Ich hatte und habe großes Interesse an der Thematik, die dem Buch zugrunde lag - zumindest erweckte der Klappentext und die Beschreibung bei mir Erwartungen.

    Und ich wollte das Buch lesen und ich wollte, dass es mir gefällt. Aber letzteres gelang nicht. Der Roman ist einfach nur schlecht. Die Charaktere sind flach, klischeehaft, melodramatisch und uninteressant. Die Dialoge sind entweder gestelzt oder banal, aber meistens beides. Das Thema wäre so interessant gewesen, aber leider ließ die Autorin dem Kitsch freie Bahn. Wirklich schade, denn aus den Grundgedanken hätte man etwas machen können.


    So ist das nix. Nur Schmalz, Kitsch und Melodramatik.