Beiträge von Alice

    Es hat Spaß gemacht, die Reden des großen Cicero in so eine spannende Handlung verpackt zu lesen. Ich erinnere mich, wie uninteressant ich im Lateinunterricht diese Reden fand. Sie waren nicht schwierig zu übersetzen, aber kaum zu verstehen. Das hat sich jetzt geändert. Gerade mit seinen Reden gegen Catilina hätte ich damals viel lieber mit dem Hintergrundwissen dieses Romans beschäftigt.


    Wenn Cicero im ersten Teil der Trilogie noch der gefeierte Aufsteiger war, so fährt ihm jetzt schon sehr oft heftiger Rückenwind ins Gesicht. Und seine Eitelkeit und mangelnde Selbsteinschätzung helfen ihm da auch nicht gerade.

    Ich liebe solche Protagonisten mit Ecken und Kanten und Fehlern.


    Band 3 liegt schon bereit. Ich freue mich darauf.

    Interessant fand ich den Einblick in das Privat- bzw Vorleben der beiden Ermittler. Die beiden sind wirklich ein wunderbaren Team, ergänzen einander und geben einander, was sie brauchen: Bertram darf sich auf Tenbrinks Diskretion verlassen, und umgekehrt hilft Betram Tenbrink, wenn er sein "externes Gehirn" ist.


    Dass Anne einen heimlichen Liebhaber hat, finde ich okay. Ich lebe auch in einer Kleinstadt, und weiß, was sie dazu veranlasst.

    Magdas Groll auf Ellen sitzt sehr tief. Und da bin ich sehr gespannt, was dem zugrunde liegt.


    Ich bin da nicht so sicher, was Michaels "Beichte" betrifft. Und wenn Ellen nach dem Absturz immer wieder sagte Es war kein Unfall dann frage ich mich schon, was mit "es" gemeint ist: der Absturz, das Verbluten ihrer Schwester, oder doch etwas ganz anderes?


    Frage einer unbedarften Österreicherin: kann es wirklich sein, dass gebildete Menschen in Deutschland einfache lateinische Redewendungen nicht mehr kennen bzw in der Schule lernen?

    Und dass sich Betram oft dumm stellen muss, finde ich traurig. Um sozial anerkannt zu werden, muss man dumm sein, oder zumindest nicht allzu gebildet...


    Mich fesselt der Roman nach wie vor. Leider ist saisonbedingt meine Lesezeit momentan sehr eingeschränkt. Und ich lese langsam, weil ich es sehr genieße, dass der Autor die deutsche Sprache so meisterhaft beherrscht, sogar den Genitiv :grin

    Man kommt wirklich nicht an diesem Thread vorbei ;) Und bellende Hunde zu überlesen geht gar nicht mehr.


    Sogar Terry Pratchett lässt den Hund bellen.

    In Total verhext steht auf Seite 75


    Zitat

    Irgendwo hinter den Gebäuden bellte ein Hund.

    So, gerade habe ich den ersten Abschnitt beendet.

    Nun wird's ja richtig spannend. Die liebe Ellen scheint ja nicht gerade Everybody's Darling gewesen zu sein. Ob sie nun Selbstmord begangen hat, ob es Unfall oder Mord war... schwierig zu beurteilen. Jedenfalls bin ich schon neugierig.

    Was ohne Zweifel ist: Ellen ist tot. Und ist es Michael auch? Seine Leiche wurde ja nicht gefunden. Das lässt Raum für Spekulationen.


    Und Magdas Bemerkung Wenn Ellen dabei ist, sterben immer die Falschen scheint mir sehr bedeutsam zu sein. Nur: wofür?


    Ich werde gespannt verfolgen, was Bertram und Tenbrink herausfinden :)

    Gut, dass der Prolog drin geblieben ist. Den finde ich nämlich klasse. :)

    Sehr interessant ist doch die Frage, wie lange dauert so ein Flugzeugabsturz? Wieviel Zeit vergeht, bis eine Maschine, die ja bereits im Landeanflug ist, ins Wasser stürzt. Bleibt genug Zeit um vall die Dinge zu denken, die Ellen durch den Kopf gehen?

    Ich mag den Prolog auch. Er regt zum Nachdenken und Spekulieren an. Und ich glaube auch, dass einem in einer solchen Situation ganz viele Dinge in rasender Geschwindigkeit durch den Kopf gehen können. Ich war vor Jahren einmal in einem Flugzeug in einer bedrohlichen Situation - und da kamen mir auch hundert Gedanken gleichzeitig.


    Ich mag Toms Schreibstil auch sehr: leicht und anschaulich zu lesen, und ganz viel Atmosphäre...


    Besonders freut mich, dass die Ermittler in diesem Buch von anderen deutschen Krimis anderer Autoren total abweichen: kein gemeines Herumgezicke, keine spöttischen Bemerkungen, keine Gemeinheiten. Dafür Kompetenz, Sachlichkeit, Menschlichkeit und umeinander Besorgtsein. Bravo, Tom Finnek.

    Ich hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, lesend solchen Kommissaren zu begegnen...

    Vor Jahren habe ich die meisten Pratchett-Bücher im Original gelesen. Ich erinnere mich, dass ich Reaper Man verschlungen habe und sehr lustig fand.


    Nun habe ich Alles Sense gelesen, in der Neu-Übersetzung von Regina Rawlinson. Ich kann nur sagen, dass ich mich selten bei einem Pratchett so gelangweilt habe. Vom sprühenden Wortwitz ist fast nichts mehr übrig, und die Handlung allein bringts eben auch nicht. Pratchetts Bücher leben meiner Meinung nach vom Wortwitz, den Andeutungen auf andere Bücher oder gesellschaftliche Auswüchse, und nicht von Spannung. Denn die gibts eben bei Pratchett in nur sehr begrenztem Maß.

    Es gibt nette Momente in diesem Buch, mehr nicht.


    Ich liebe eigentlich die TOD-Romane, aber dieser ist (zumindest in dieser Übersetzung) äußerst lahm.


    Den Rattentod mag ich übrigens auch sehr :)

    Ich finde ich gar nicht so falsch. Etwas weniger salopp könnte man auch sagen: Er hat Stella nicht viel entgegenzusetzen bzw. seine Haltung ihr gegenüber ist oft so ein nolens-volens: halb zog sie ihn, halb sank er hin.

    Männliche Argumente und Erklärungen sind manchmal ja so lustig :grin


    Zeigt mir einen einzigen hetereosexuellen Mann, der ein eindeutig sexuelles Angebot von einer Frau ablehnt. Viel Spaß bei der Suche, sie könnte dauern...

    Ein wunderschöner, bezaubernder Roman mit liebenswerten und skurrilen Charakteren. Die einzelnen Geschichten, die miteinander verwoben sind, malen sehr atmosphärische Bilder der Kleinstadt mit ihren Bewohnerinnen und den wenigen Männern, die den Ort bevölkern. Die Protagonistin, Miss Matti ist eine der feinsten, angenehmsten und vornehmsten Personen, die mir in der Literatur begegnet sind. Ihre Sparsamkeit ist wirklich bemerkenswert, und das Hinnehmen jedes Schicksalsschlages rührend.


    Es gibt lustige, tragische, dramatische und sehr zu Herzen gehende Geschichten, aber eines sind sie zu keiner Zeit: kitschig. Dafür gibt es immer wieder fein dosierte Situationskomik und liebevollen Spott.

    Elizabeth Gaskell erzählt in sehr schöner Sprache und schreibt so, dass jeder Satz ein Lesegenuss ist.

    Echt? Aber wo ist denn der Horror? :wow

    Naja, vielleicht definiere ich Horror anders als du. Blut, Folter und Gewalt sind Horror, ohne Frage. Auch sehr horrormäßig bezeichne ich die Vorstellung einer Bedrohung zuhause, einer home invasion.


    Für mich ist aber ist der schrecklichste Horror der, der meine geistige Gesundheit bedroht, der mich verwirrt und sehr subtil in den Wahnsinn treibt. Der schrecklichste und am meisten realistische Horror entsteht für mich im Kopf. Auch wenn das manche absurd finden: für mich stimmt es.

    Endlich habe ich Zeit gefunden für die Fortsetzung der Cicero-Trilogie:


    Robert Harris, Titan

    Cicero hat es geschafft – Verhandlungsgeschick und sein Redetalent haben ihn an die Spitze der Macht gebracht: Er bekleidet als Konsul das höchste Amt in Rom. Aber seine Widersacher haben sich längst formiert. Eine große Verschwörung droht die gesamte Republik zu stürzen. Und immer wieder scheint es der gerissene Caesar zu sein, der im Hintergrund die Fäden zieht ...

    Sebastian Thiel; Panikstadt; 2; E-Book

    Brigitte Riebe; Marlenes Geheimnis; 1,5; Leserunde

    Terry Pratchett; Voll im Bilde; 1

    Elizabeth Gaskell; Cranford; 1; E-Book; Monatshighlight

    Thomas Elbel; Der Todesmeister; 3; Leserunde

    Robert Silverberg; Gast aus der Zukunft; 1; E-Book

    Gwen Bristow; Kalifornische Sinfonie; 1; E-Book

    Joe Fischler; Veilchens Winter; 2; E-Book

    Iain Reid; The Ending; 1; E-Book


    Anmerkung: Eigentlich hätten es alle mit 1 bewerteten Bücher verdient, mein Monatshighlight zu werden. Aber da ich mich entscheiden musste...

    Ein Wahnsinnsbuch. Im wahrsten Sinne des Wortes.


    Selten hat mich ein Buch so erschreckt und mitgenommen wie dieses. Die alptraumhafte Szenerie mit der nur ganz leicht verschobenen Realität, die Gedanken der Hauptperson und die Atmosphäre, bei der sich meine kleinen Härchen auf den Armen permanent sträubten, alles das veranlasste mich, das Buch nur bei hellem Tageslicht zu lesen.


    Dabei gibt es weder Mord und Totschlag, kein fließendes Blut, keine wahnsinnigen Gewaltverbrecher, keine perversen Praktiken.


    Dafür jede Menge Andeutungen, kleine Indizien, Parallelen, die erst im nachhinein als solche erkennbar wurden.

    Schön fand ich, dass am Ende alle Seltsamkeiten eine Erklärung finden. Alle Schlüsselszenen, alle Schlüsselwörter fanden ihre Wiederholung im Showdown, der aber auch keiner im klassischen Sinn ist.


    Der Schreibstil des Autors ist der Gedankenwelt der Hauptperson angepasst. Um keinen Spoiler zu verbrechen, möchte ich nicht mehr dazu sagen.


    Ich mag dieses Buch, auch wenn es meine schlimmsten Alpträume bedient.

    10 Punkte von mir. Ein Highlight. Und ein sehr gelungenes Erstlingswerk.

    Also doch: Schizophrenie, und das gleich mehrfach. Obwohl ich so etwas vermutet hatte, hat mich das Ende doch noch überrascht. Unvorstellbar, was in so einem gemarterten Gehirn vor sich geht.


    Tut mir leid, aber ich habe das Buch wohl ganz anders gelesen als ihr... Für mich war es ein Buch wie ein Alptraum: nah an der Wirklichkeit, und doch ein wenig daneben. Aber nur ein bisschen. Und das Buch hat mich sehr irritiert und mir auch ein bisschen Angst gemacht.

    Auf S.194 gibts ein paar Sätze, die haargenau auf mich passen - so habe ich das Buch erlebt:


    Zitat

    .... meine Geschichte ist kein Thriller. Sie ist nicht packend oder schrill oder haarsträubend oder blutrünstig, nicht einmal brutal [...]

    So etwas macht mir normalerweise keine Angst. Etwas, das mich desorientiert, das in Frage stellt, was ich für selbstverständlich genommen habe, etwas, das die Realität aushebelt oder auf den Kopf stellt - das macht mir Angst.