Beiträge von Richard Dübell

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    Original von beowulf
    Da es bisher noch niemand erwähnt hat: In der Bibliographie ist ein Tippfehler enthalten, da hat jemand aus 2001 schon 2010 gemacht.


    Dankeschön!! Stimmt - gleich in der ersten Quellenangabe. Argh! Ich melde es gleich an meine Lektorin weiter, damit der Fehler in der TB-Ausgabe berichtigt wird.


    LGr
    Richard

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    Original von beowulf
    ... seltsam, dass es mir bei Samuel Brahe näher ging als bei Cyprian-der hatte sein LEben gelebt und Samuel hätte ich ein Leben als Rehabilitierter noch gegönnt..


    Da es bisher noch niemand erwähnt hat: In der Bibliographie ist ein Tippfehler enthalten, da hat jemand aus 2001 schon 2010 gemacht.


    Ja, das ging mir genauso. Es ist ja nun nicht so, dass man als Autor völlig überrascht von den Wendungen, die die eigene Story genommen hat, in Tränen aufgelöst dasitzt - so wie die Autorin in dem Film JAGD NACH DEM GRÜNEN DIAMANTEN, die nach dem oberkitschigen Ende ihres neuen Romans tränenüberströmt dasitzt und ruft: "Bin ich gut!" Man weiß ja, was man mit den Figuren vorhat, und wenn man sein Handwerk versteht, hat das Ganze auch eine einigermaßen fundierte dramaturgische Notwendigkeit. So hat mich schon in der Konzeption das Schicksal von Samuel Brahe fast stärker bewegt als das Cyprians.


    Dass Cyprian sich am Ende des 3. Teils für Agnes opfern würde, stand schon fest, als ich den 2. Teil begann. Es ist die logische Entwicklung seiner Figur bis zum Ende. Man soll seine Charakterbögen immer auf die Spitze treiben, und außerdem ist das das klassische Heldenkonzept - der Held stirbt am Schluss bei einer letzten großen, selbstlosen Tat. Oder hätte jemand gewollt, dass Cyprian alt und verwirrt und inkontinent im Bett stirbt?


    Auch das Ende von Samuel stand fest, als ich die Figur entwarf. Samuel ist ein lebender Toter, seit er es bei der Schlacht von Lützen nicht geschafft hat, für seinen König zu sterben. Er und die Smaländischen Reiter haben ihre Pflicht an diesem Tag nicht erfüllt; dass sie nichts dafür konnten, wiegt das Versäumnis nicht auf. Insofern habe ich auch bei Samuel und seinen Kameraden das Prinzip des klassischen Heldenepos angewendet, und dass Alfred Alfredsson das Gefecht überlebt und nach Hause zurückkehren darf, ist eine Konzession an unser Bedürfnis, dass Wagemut und Treue sich dennoch irgendwie lohnen sollen. In Alfred leben sie alle weiter: Samuel, Björn Spirger, Magnus Karlsson, Gerd Brandestein und die anderen.


    Und trotzdem: irgendwie wünscht man sich, dass Samuel überlebt hätte, nicht wahr? Aber wenn er, warum dann nicht auch seine Männer? Hätten wir es nichts als Verrat empfunden, wenn der Rittmeister am Ende noch übrig gewesen und seine Reiter nicht? Aus dramaturgischer Sicht konnte es nur einen Überlebenden geben - Alfred. Ihm nehmen wir es nicht übel, dass er davongekommen ist, denn wir wissen, dass sein Herz ewig gebrochen sein wird darüber, dass seine Freunde alle umgekommen sind.


    LGr
    Richard

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    Original von beowulf
    Man beachte die Uhrzeit des Postings- das war eine Feststellung verbunden mit dem versteckten Fluch darüber nicht weiterlesen zu können, weil irgendwann auch mal geschlafen werden sollte.


    Die Uhrzeit des vorhergehenden Postings verbunden mit der Uhrzeit von gerade lässt mich ahnen, dass da jemand heute erhöhten Kaffeebedarf hat ... :kopfschmerz


    LGr
    Richard

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    Original von beowulf
    Das ist das fiese bei dem letzten Band einer Trilogie, da kann der Autor seine Protagonisten abmurksen wie es ihm gerade passt und nicht wie er im folgeband noch Personen für dramatische Verwicklungen passt- Vorahnungen und dem Galgen am Kreuzweg- sowas gehört sich nicht!


    Hmmm ... ist das jetzt eine Rüge oder ein Kompliment? ;-)


    LGr
    Richard

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    Original von Bouquineur
    Wo bekommst Du Deine Kostüme her? Lässt Du die speziell für dich anfertigen (ok, die Lederstiefel wohl weniger *g*) oder gibt es Geschäfte, die darauf spezialisiert sind? Dein Kostüm, das Du in Köln getragen hast, hat mich an die Kostüme unseres Reitercorps Jan von Werth erinnert.


    Ich bin insofern vom Glück begünstigt, als dass meine Schwiegermutter früher Schneiderin war. Wenn ich ihr Vorder- und Rückansichten von Kleidungsstücken aufzeichne, kann sie Schnittmuster anfertigen. Zusammen mit meiner Frau näht sie dann einen Großteil der Sachen, die ich trage, und deren Aussehen und Farben übrigens ebenso akribisch recherchiert sind wie alles andere.
    Manche Dinge lassen sich natürlich nicht selbst anfertigen, oder es lohnt sich nicht. Beim Kostüm, das ich in Köln getragen habe, waren das Koller, der kurze Mantel und die Hosen selbst gefertigt.
    Das Hemd und die Stiefel stammen von einem Internet-Versender, der viele Sachen aus der Zeit des Frühbarock anbietet; zum Hut hat mir mein guter Bekannter Alois Brückl verholfen, der in meiner Heimatstadt einen kleinen Mittelalterladen hat und in einer Musik-/Theatergruppe spielt, die sich den Dreißigjährigen Krieg zum Thema gewählt hat.
    Die Straußenfedern habe ich wiederum von einem Internet-Versender, der sich auf solche Sachen spezialisiert hat.
    Die Gänsekiele, die ich zum Signieren dabei hatte, stammen von glücklichen niederbayerischen, jetzt allerdings verblichenen Gänsen. Ich habe sie selbst geschärft und schreibfertig gemacht.


    Neben diesem habe ich noch ein Kostüm für das letzte Quartal des 15. Jahrhunderts, das ich für Lesungen aus den Peter-Bernward-Büchern verwende, und ein spanisches Gewand aus dem späten 16. Jahrhundert, das anläßlich der TEUFELSBIBEL Teil 1 entstanden ist.


    Meine Frau meint, ich solle endlich mal bei einer einzigen Epoche bleiben, wir kriegen den Kleiderschrank nicht mehr zu.


    LGr
    Richard

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    Original von Bouquineur
    Verona ;-)


    Die Kandidatin hat hundert Punkte! :-)


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    Dein neues Buch wird dann voraussichtlich später im nächsten Jahr erscheinen, oder?


    Geplant ist das Frühjahr 2011, hoffentlich rechtzeitig zur Leipziger Buchmesse. Na, an mir soll's nicht liegen!



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    Mich hast du als Leser jedenfalls wieder gewiss :-)


    Dankeschön! Welch größeres Kompliment könnte man einem Autor machen?


    LGr
    Richard

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    Original von Bouquineur
    Hat dieses Ereignis die Prager wirklich zusammengeschweißt und vereint? Ich hatte den Eindruck, dass Prag vorher quasi in zwei Teile gespalten war, bzw. dass dort so etwas wie eine - unsichtbare - Grenze zwischen ober und Unterstadt bestanden hat.


    Die Grenze zwischen Kleinseite und Altstadt/Neuseite war ja nicht nur körperlich durch den Fluss, sondern tatsächlich auch in den Herzen und Köpfen der Menschen vorhanden. Bizarrerweise liegt die Burg, also der Herrensitz, ja überhalb der Kleinseite - was dafür spricht, welches Selbstbewußtsein das Prager Patriziertum entwickelt hatte, wenn es sich (in Alt- und Neustadt lebend) besser empfand als das Gesocks von drüben!


    Natürlich bestanden der Dünkel und die Abgrenzung auch nachher wieder. Aber in der Verteidigung der Stadt gegen Königsmarck und in der tollkühnen Tapferkeit, die Studenten, Kaufleute, Dienstboten und die ganzen anderen unmilitärischen Kompanien bewiesen, fand Prag zu einer Gemeinsamkeit, die vorher nicht dagewesen war. Der Kampf der Prager gegen Königsmarcks Armee, der Mut des "Schwarzen Popen" und der Verrat Ottovalskys sind heute Bestandteil der Prager Legenden und gehören zur Folklore der Stadt.


    LGr
    Richard

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    Original von Bouquineur
    Ich habe übrigens auch bei Tode Giuffridos Tränen vergossen. Ich habe ihn ihm eigentlich während der ganzen Geschichte keinen "Teufel" gesehen sondern ein fehlgeleitetes Kind, dem die Schrecken des Krieges die Seele zerstört haben. Im Moment seines Sterbens kam ja dann das Kind, der "Bub" wieder zum Vorschein.


    Ich will ja nicht sagen, dass ich mich freue, Dich zum Weinen gebracht zu haben, aber ich freue mich, dass Du das Ende Giuffridos genauso gesehen hast wie ich. Ist es nicht schön, dass man tatsächlich auch mit jemandem wie ihm am Ende noch Mitleid haben kann?


    LGr
    Richard

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    Original von Bouquineur
    Die Frage aller Fragen - Was kommt als nächstes?


    Gibt es schon Ideen fürs nächste Buch und falls ja, darfst Du uns schon etwas dazu verraten?


    Wie ist das für Dich, Dich jetzt mit einem neuen Thema beschäftigen zu müssen, nachdem Dich der Codex Gigas so lange begleitet hat?



    Tatsächlich gibt es nicht nur ein neues Projekt, es ist sogar schon auf Seite 600 angekommen, was das Manuskript betrifft. Über Romane, die er noch nicht fertiggeschrieben hat, spricht der Autor ja nicht so gern, aber hier sei soviel verraten: Die Geschichte nimmt uns mit ins 13. Jahrhundert, in die "schreckliche kaiserlose Zeit", das Große Interregnum. Wir lernen Schwester Elsbeth kennen, eine Zisterzienserin, Constantia, die immer auf der falschen Seite steht, Roger de Béziers, der für sein Erbe und seine verlorene Kultur kämpft, Rudolf von Habsburg, der einmal Kaiser sein wird, und eine große Menge an anderen Personen, historisch und erfunden, deren Geschichten sich zwischen Damiette in Ägypten und Béziers in Frankreich abspielen und deren Schicksal sich im Machtdreieck zwischen Babenberg, Norenburg und Virteburg unter den Bögen des Kreuzgangs des neu erbauten Porta Coeli erfüllt.


    Wie das ist, sich mit einem neuen Thema zu beschäftigen? Ehrlich gesagt ist der Unterschied gar nicht so groß. Auch an die drei Teufelsbibel-Teile bin ich herangegangen, als sei es jedesmal ein völlig neues Buch. Immerhin hatten die Hauptpersonen ja von Band zu Band einige Jährchen auf den Buckel bekommen, also musste ich mich Ihnen nähern, als hätte ich sie neu erfunden. Auch die Recherche habe ich stets so akribisch und aufwendig gestaltet wie für ein neues Projekt. Was mein Denken und Fühlen hauptsächlich betrifft, sind Stolz und Erleichterung, dass die Trilogie meine eigenen Erwartungen an ihre Qualität erfüllt hat, und die Hoffnung, dass das neue Projekt ebenso gelingt.


    Ist das unromantisch? Hättet ihr etwas anderes erwartet?


    LGr
    Richard



    P.S. Ich wollte ein bißchen Patina hier reinbringen. Babenberg ist die m.a. Bezeichung Bambergs, Norenburg heißt heute Nürnberg, und Virteburg sagte man früher zu Würzburg.


    Preisfrage: welche Stadt wird im Roman als "Welschenbern" bezeichnet?

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    Original von Bouquineur
    Ich weiß nicht, ob ich an einer Stelle den Faden verloren habe. Warum wird Königsmarck auf den Sturm von Prag eingeschworen, wenn doch Gottfried aus dem Wald weiß, dass die Bibel nicht dort ist. Um alles, was mit den Familien Khlesl und von Langenfels zu tun hat und damit in Verbindung mit der Bibel steht, auszulöschen?


    Königsmarck ist nicht das ausführende Organ Giuffridos, sondern bestenfalls sein Partner. Ihre Zusammenarbeit besteht darin, dass Giuffrido ihm Andreas ausliefert, der ihm den Schlüssel zum Eindringen in die Stadt liefern soll. Dafür unterstützt Königsmarck den Jesuiten mit Soldaten und Logistik.


    Man könnte Königsmarck, den ich so nahe an seiner wahren historischen Persönlichkeit wie möglich gestaltet habe, als den letzten großen Kriegsunternehmer des 30jährigen Krieges sehen, der anders als seine Vorgänger aber noch nicht zu Reichtum gekommen war. In der Eroberung Prags sah er wohl seine letzte Chance, als Milliardär aus dem Krieg hervorzugehen, weil der Abschluss der Friedensverhandlungen zum Greifen nahe war. Strategische Bedeutung hatte diese Eroberung keine mehr; was den Reichtum betrifft, gingen Königsmarcks Pläne voll und ganz auf.


    LGr
    Richard

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    Original von Bouquineur
    Meine abschließende Meinung:


    Die Erbin der Teufelsbibel - Richard Dübell


    Ich hab mich nach dem Buch gefragt, ob die Szene gefehlt hat, in der Alexandra Wenzel erklärt, dass Miku sein Sohn war. Ich hätte gerne gewusst, wie er auf diese Information reagiert. Denn auch hier gab es ja dann etwas zu vergeben, nämlich die Tatsache, dass Alexandra ihn so lange im Unklaren gelassen hat.
    Danach habe ich mich gefragt, ob er es nicht sowieso die ganze Zeit wusste.


    Wau! Ganz herzlichen Dank für diese tolle Kritik! Wirklich! :knuddel:knuddel:knuddel


    Ob Wenzel die ganze Zeit über wusste, dass Miku sein Kind war, will ich einfach der Fantasie der Leserinnen und Leser überlassen. Das ist aber nicht der Hauptgrund, warum ich die Szene nicht geschrieben habe, in der Alexandra ihn aufklärt. Sie hätte kein neues Licht mehr auf die Protagonisten geworfen. Natürlich war klar, dass Wenzel ihr auch das verzeihen und ihre Beweggründe wenn schon nicht verstehen, dann doch tolerieren würde. Es hätte auch die Stimmung der letzten paar Seiten verwässert, in denen es darum geht, dass die Überlebenden nach vorne schauen und dass am Ende des Krieges die Hoffnung wieder zu keimen beginnt. Da brauchte es m.E. keinen Rückgriff mehr.


    LGr
    Richard

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    Original von Hoffis
    Danke für die Antwort. Meine GGin meinte, das wäre eine eigene Krankheit, die der Gürtelrose ähnlich ist.


    Ich hab mich nach dem hier gerichtet: http://www.peter-hug.ch/lexikon/nervenfieber/12_0059 und habe meinen guten Freund und bewährten medizinischen Ratgeber Mike gefragt, der selbst Arzt ist. Habe ich ihn mit der Frage "Zu Typhus hat man früher Nervenfieber gesagt, oder?" aufs Glatteis geführt?


    LGr
    Richard

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    Original von Bouquineur
    Ich hab mich die ganze Zeit gefragt, ob Dir in den Stiefeln nach so langem Stehen nicht die Füße wehtun.


    Der Schmerz kommt dann, wenn man versucht, sie auszuziehen. Das ähnelt dem Versuch, zu kleine Gummihandschuhe von den Händen zu bekommen, nachdem man eine Stunde damit im heißen Wasser Geschirr gewaschen hat. Mahlzeit!



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    Was ich gestern ganz vergessen habe zu fragen (ich war zu aufgeregt) ist, was Dein nächstes Projekt sein wird und wie lange wir darauf warten müssen. Wer weiß, vielleicht stellst Du es ja dann wieder in Leipzig vor. Dann bin aber auf jeden Fall auch dort :-).


    Das nächste Buch trägt den Arbeitstitel DIE LICHTER DES HIMMELS und spielt im 13. Jhdt. vor der Kulisse des Großen Interregnums, der Nonnenmystik und der Vernichtung der Katharer in Europa. Da ich noch mitten im Arbeiten bin, möchte ich nicht gern mehr von der Handlung verraten, aber wenn Interesse besteht, würde ich im Lübbe-Forum "Historisches" evtl. demnächst eine Sneak-Preview anbieten mit einem kleinen Auszug aus dem bis jetzt überarbeiteten Text. Wäre das was?



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    Hm. Ich muss gestehen, dass ich tatsächlich nicht weiß, welche Schauspielerin Du für die Rolle der Ebba ausgesucht hast. Wer auch immer das ist, sie passt sehr gut :-).


    Das ist Patricia Tallman, die eigentlich Stuntwoman ist/war und in der TV-Serie BABYLON 5 für ein paar Seasons eine wichtige Nebenrolle spielte. Verglichen mit dem einen Bild, das von Ebba Sparre exisitiert, ist die Ähnlichkeit tatsächlich bemerkenswert. Auch Patricia Tallman hat übrigens rotes Haar.


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    Ich merke das daran, dass mich die Geschichte beschäftigt, auch wenn ich so etwas banales mache wie die Katzentoilette reinigen .


    Unsere Katze findet das Katzenkloreinigen gar nicht banal, sondern höchst störend und steht dann neben einem und maunzt einen an. Wahrscheinlich ist es ihr irgendwie peinlich ...


    LGr
    Richard

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    Original von Bouquineur
    Bei Amazon schrieb jemand, die ersten 200 Seiten des Buches würden sich ziehen. Ein Eindruck, den ich bislang nicht teilen kann.


    Herzlichen Dank! Wenn man eine Geschichte sorgfältig aufbaut, nervt einen eine Bemerkung von der Art "der Anfang zieht sich" zugegebenermaßen ein bisschen. Ganz besonders, wenn man sich Mühe gibt, die unvermeidlichen Informationen, die der Beginn einer Story benötigt, in möglichst viel innerer und äußerer Handlung darzustellen.


    Natürlich muss man am Beginn eines Romans, auch beim dritten Teil einer Trilogie, erst den Ort, die Zeit und die Charaktere vorstellen und gemeinsam mit dem Leser entwickeln. Das ist bei Filmen nicht anders als bei Büchern. Manchmal habe ich das Gefühl, es ist ein wenig Zeitgeist, zu langsame Expositionen anzuprangern, und egal welches Buch ich aus meinem Bücherschrank nehme, ob Bestseller oder Nischenerfolg, alle, alle, alle haben eine Exposition, die die Seiten nutzt, den Leser mit der Welt vertraut zu machen, in die der Autor ihn führen will.


    Aber alle Meinungen sind willkommen und "Beschwerden" immer ein Geschenk, das die Chance enthält, beim nächsten Mal noch weniger Fehler zu begehen. Und schnelle Szenenwechsel können tatsächlich den Eindruck entstehen lassen, eine Geschichte trete auf der Stelle, auch wenn sie in Wirklichkeit in Riesensprüngen vorwärts eilt. Insofern bin ich für solche Rückmeldungen tatsächlich dankbar, und wenn sie sich häufen, geben sie mir einen wichtigen Hinweis darauf, was ich falsch gemacht habe.


    LGr
    Richard

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    Original von Bouquineur
    Ich hätte nicht gedacht, dass Du die körperliche Beziehung der beiden so detailliert beschreibst, Richard. Ist Dir aber sehr ansprechend gelungen :-)


    Hallo Bouquineur,


    dankeschön! Seit gestern weißt Du ja, welche Gedanken mich bei der Konzeption der beiden Charaktere und ihrer Beziehung verfolgt haben. Hat mich übrigens sehr gefreut, Dich bei der Lesung endlich einmal von Angesicht zu Angesicht kennengelernt zu haben. Der Abend ist dann zusammen mit den Lübbe-Mitarbeitern (auch Frau Lübbe ist noch mitgegangen) und den Mitarbeitern des Buchgeschäfts sehr nett ausgeklungen. Ich war allerdings erleichtert, dass ich da dann das Kostüm nicht mehr tragen musste. Vor allem die Stiefel sind nicht nur warm, da könnte man nach einer Lesung drin Kaffee kochen. Uärx!


    Was den Einblick in Königin Kristinas Schlafzimmer betrifft - ich bemühe mich ja sowohl bei den actionreichen als auch bei den erotischen Szenen, so tief wie möglich in die Herzen der Charaktere zu blicken. Eine Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen zu schildern ist da für einen Mann nicht ganz einfach, und ich habe mich während des Schreibens auch des öfteren gefragt, ob ich nicht Kommentare mit dem Thema "Also davon versteht ein männlicher Autor nun wirklich nichts!" herausfordere.


    Letztlich sind aber das unwiderstehliche Hingezogensein zu einem Partner, die Liebe und das erotische Empfinden dort, wo es drauf ankommt, in allen Liebesbeziehungen ähnlich: man schenkt und empfängt Hingabe, man will sich verlieren und den anderen finden und zusammen Flügel bekommen und durch den Himmel der Leidenschaft flattern. Wie die Partner dann zusammengewürfelt sind, ist egal. Deshalb habe ich am Ende auch gewagt, die Liebe zwischen Ebba und Kristina auszuloten und mich so hineinzuversetzen, wie ich es auch immer tue, wenn meine Helden in der bekannten gemischtgeschlechtlichen Variante gemeinsam in das Land der Lust vordringen.


    LGr
    Richard

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    [i]Das ist genau das, was ich an Richard Dübells Teufelsbibel so liebe - zwischen all den geschriebenen Gräueltaten immer mal wieder befreit (auf)lachen zu können.



    Dankeschön! Ich finde, je düsterer ein Abschnitt einer Story ist, desto mehr verlangt er danach, dass unverhofft dazwischen eine humorvolle Passage kommt. Ich gebe mir da immer große Mühe mit dem Timing und bin auch sehr froh, wenn sich "entspannende" Szenen anbieten.


    LGr
    Richard