Bereits der Klappentext hat mich neugierig gemacht und sofort in die Geschichte hineingezogen. Der Roman "Belladonnas" erzählt die Geschichte von Zwillingen, die nach dem tragischen Tod ihrer Eltern bei einem Autounfall getrennt werden und in völlig unterschiedlichen Lebenswelten aufwachsen. Während Chloe in einem wohlhabenden, privilegierten Umfeld groß wird, aber ohne echte emotionale Bindung, wächst ihre Schwester Julie in ärmlichen Verhältnissen bei einer lieblosen Tante auf. Schon von Anfang an war klar, dass sich die beiden Schwestern sehr unterschiedlich entwickeln würden – und gerade diese Gegensätze machen den Reiz der Geschichte aus.
Als Chloe, inzwischen eine erfolgreiche Influencerin, plötzlich stirbt, nimmt Julie aus Verzweiflung und vielleicht auch aus Sehnsucht nach einem anderen Leben ihre Identität an. Diese Wendung fand ich besonders spannend, denn sie wirft Fragen auf: Wie weit darf man gehen, um der eigenen Realität zu entkommen? Und was bleibt von einem Menschen, wenn er in der schillernden, aber oberflächlichen Social-Media-Welt verschwindet?
Beim Lesen fand ich vor allem die Darstellung der Influencer-Szene interessant, auch wenn mir die vielen Namen, Marken und genauen Follower-Zahlen anfangs etwas zu detailliert erschienen. Diese Abschnitte wirkten stellenweise überladen und haben mich kurz aus dem Lesefluss gebracht. Dennoch gelingt es Liann Zhang, die glänzende Fassade der digitalen Welt mit ihren dunklen Schattenseiten gekonnt zu kontrastieren.
Im Laufe der Handlung baut sich stetig Spannung auf, und obwohl die Geschichte an manchen Stellen sehr ausführlich erzählt wird, kommt gegen Ende alles überraschend schnell und intensiv zum Höhepunkt. Das Finale hat mich sowohl schockiert als auch überrascht – ich hätte mit dieser Wendung nicht gerechnet. Trotz kleiner Längen in der Mitte und dem etwas hastigen Ende bleibt "Belladonnas" für mich ein fesselnder Thriller mit psychologischem Tiefgang und gesellschaftlicher Relevanz.