Beiträge von Swansea

    "Warten auf Eliza" von Leaf Arbuthnot, einer englischen Journalistin und Literaturkritikerin, erschien in deutscher Übersetzung von Christiane Burkhardt im Diana-Verlag, (Penguin Rendomhouse, 2021, brosch.). Für mich ist die Autorin eine Neuentdeckung und ich hoffe, noch weitere Werke aus ihrer Feder lesen zu können, da sie mir schöne und zuweilen sehr humorvolle Lesestunden beschert hat.


    Oxford, im Jahr des Brexit Referendums, 2016:


    Ada, eine über 70jährige Witwe, fühlt sich nach dem Tod ihres Mannes Michael, einem angesehenen Literaturwissenschaftler der italienischen Fakultät Oxford, einsam und ist unglücklich: Sie merkt, dass sie "frischen Wind" in ihr Leben lassen muss, um eine positive Veränderung zu erreichen und gründet nach einem misslungenen Versuch als Kellnerin im Lieblingscafé ein start-up: In "rent-a-gran" stellt sie ihre Kompetenzen und Lebenserfahrungen ihren Kunden zur Verfügung, von denen wir später einige "kennenlernen" sollen (und die mich sehr zum Lachen brachten :). Bevor Michael Karriere machte, schrieb Ada erfolgreiche Lyrik und ihre Gedichte wurden gerne gelesen. Ob sie es noch einmal versuchen sollte? Und ob sich Menschen überhaupt für ihre Lyrik interessieren? (Warten wir es ab)...


    Eliza, Mitte 20, eine Studentin am italienischen Institut der Uni in Oxford, will nach ihrem Studium in Bath promovieren. Ihr Thema ist Primo Levi. Während sie anfangs begeistert ist, jedoch an der Uni eher ein Underdog ist und ihre Kontakte sich über den Austausch des Mittagessens kaum herausbewegen, zweifelt sie - auch durch ihre Trennung von Ruby, ihrer Freundin, deren Verlust sie noch nicht überwinden konnte, an ihren Studienabsichten. Sie enttäuscht eine Weile ihren Tutor Mr. Baleotti und versucht ihrerseits, ihrer Einsamkeit in einigen one-night-stands zu entfliehen: Ohne Erfolg....


    Als Eliza Paola und Leslie kennenlernt, die sich für die Pro EU-Aktionsgruppe engagieren, teilt sie mit Paola zusammen Flugblätter aus und steht vor der gelben Tür, hinter der Ada wohnt: Eliza wohnt in einem Haus, das gerade kernsaniert wird, direkt gegenüber. Im Gegenzug zum "Remain" flyer gibt Ada den beiden jungen Frauen ihr Flugblatt, auf dem sie ihre Dienste als Leihoma anbietet. Tage später fasst sich Eliza ein Herz und klingelt bei der alten Dame: Der erste aller Teeabende nimmt seinen Lauf und beide merken, wie sich jede in Anwesenheit der anderen Frau wohlfühlt. Eine Freundschaft entsteht, die sogar dazu führt, dass Eliza bei Ada wohnen wird. Bis die Ex-Freundin auftaucht und ein Missverständnis der Freundschaft zwischen Eliza und Ada (vorläufig) ein Ende setzt...


    Der Stil von Leaf Arbuthnot ist sehr warmherzig und emotional; der Roman eingängig zu lesen und beide Frauen, die ein großer Altersunterschied zwar trennt, die sich jedoch trotzdem zueinander hingezogen fühlen und es schaffen, eine zarte Freundschaft aufzubauen, werden dem Leser immer sympathischer und auch vertrauter, je mehr man in Rückblicken von ihnen liest und sie besser kennenlernt: Eliza wuchs in nicht unproblematischen Verhältnissen auf, Ada gab die eigene Karriere zugunsten der ihres Mannes Michael auf, beide sind sensibel und verletzlich, besitzen aber auch eine ungeheure Stärke und Kraft: Besonders die humorvollen Passagen haben mich zum Lachen gebracht und nehmen der ernsten Thematik um Einsamkeit ihre Strenge.


    Die Themen sind darüber hinaus vielfältig: Liebe und Freundschaft, aber auch Verlust und Trauer, Einsamkeit und alleine sein, ohne sich einsam zu fühlen; am Rande auch politische Themen wie der Brexit (deren Verlauf am Tag der Abstimmung ich durch die beiden ProtagonistInnen sehr interessant nachempfinden konnte); Bisexualität und gleichgeschlechtliche Liebe, auch die Zerbrechlichkeit von Beziehungen und Liebe. Nach dem Bruch zwischen Ada und Eliza geht es auch um Gefühle von Reue und Schuld; doch beide sind sich in der letzten Romanszene (bei einer Bootstour in Oxford) darüber einig, dass sie sich mehr als einmal gegenseitig retten konnten!


    Fazit:


    Ein vor Leben sprühender, zeitweise humorvoller, emotional tiefgehender wunderschöner Roman, der mir sehr gut gefallen hat und den ich unbedingt allen weiterempfehlen möchte, die an den o.g. Themen interessiert sind; gerade in Pandemiezeiten ein witzig-skurriler, aber auch mutmachender Roman um die generationsübergreifende Freundschaft zweier Frauen, die mir sehr ans Herz wuchsen. Ein Dank an die Autorin für wirklich schöne und erheiternde Lesestunden! Von mir erhält "Warten auf Eliza" die volle Punktezahl und 5*


    ASIN/ISBN: 3453360818

    Helga Schubert lässt uns in ihrem autobiografischen Roman "Vom Aufstehen"durch ihr Leben in Episoden wandern; der UT lautet "Ein Leben in Geschichten". Das Buch ist (HC, gebunden) 2021 im dtv-Verlag erschienen.


    Die Autorin nennt sich selbst eine "Formbeachterin" - und das ist sie m.E. par excellence. Ich habe selten einen solch' geradlinigen, schnörkellosen, interessanten und etwas spröde zuweilen, andererseits mit einer unglaublichen Tiefe behafteten Schreibstil gelesen, in den man sich einfinden muss, der jedoch dennoch einfach zu lesen ist.


    Die "Episoden" ihres Lebens beginnen federleicht und die Szene in Großmutters Garten in der Hängematte, in der Helga Schubert als Kind in den Sommerferien las, fand ich wunderschön erzählt:


    "So konnte ich alle Kälte überleben. Bis heute." (Zitat S. 10)


    Und an einer großen Kälte mütterlicherseits mangelte es im Leben der Autorin nicht: Die Texte der einzelnen Lebensstationen erreichten mich mal mehr, mal weniger, da meine eigene Sozialisation so wenig mit der von Helga Schubert gemein hat: Sie war ein Kriegskind, ein Flüchtlingskind und ein Kind des geteilten Deutschland. In der DDR aufgewachsen, wurde sie Schriftstellerin und musste sich dem System anpassen (ihre politischen Äußerungen sind spärlich; finden aber dennoch kritische Worte im Roman). Relativ priviligiert, durfte sie zuweilen ins Ausland reisen, stand jedoch unter Stasi-Beobachtung und musste zuvor eine Erlaubnis einholen. Auffallend war für mich die Aussage, dass sie nach der Wende die Reiselust verlassen hat, da sie "nicht mehr um Erlaubnis fragen musste".


    Sie lässt den Leser teilhaben an ihren Betrachtungen und Gedanken zum Winter, zur Familie, zum Älterwerden bzw. alt sein (sie ist heute 80 Jahre alt). Für die Geschichte "Vom Aufstehen" erhielt sie 2020 den Ingeborg-Bachmann-Preis und ist vollkommen zurecht nominiert für den Buchpreis der LBM.


    Fassungslos folgt man dem immer wieder aufflackernden Unvermögen ihrer Mutter, ihr Kind, also die Autorin zu lieben und diese erfahrene Ablehnung und Kälte verfolgt Helga Schubert bis zum Tod der Mutter, letztendlich ist eine Aussöhnung möglich. Die Mutter wird in Streiflichtern beschrieben und was ich las, passte überhaupt nicht zu deren Gefühlskälte, die sich allerdings bei der Enkelin wiederum eher in liebevollem Umgang zeigte. Helga Schubert arbeitete als Psychologin und ich fand die Art und Weise, wie sie mit dem Stapel Briefe ihrer Mutter umging, unglaublich gut beschrieben und die Achtsamkeit dokumentierend:


    "sie (die Autorin) stapelt die Briefe der Mutter unter orientalischen Tüchern wie in kostbaren farbigen Meereswellen - ihre Schatzkammer - in der sie nicht ertrinken muss, in der auch alles versinken kann" - so der Text, der mich sehr beeindruckte.


    Die letzten Geschichten im Buch, in denen Helga Schubert u.a. das Älter werden bzw. alt sein beschreibt, konnten mich persönlich am ehesten erreichen, da auch ich nicht mehr ganz jung bin. Hier wurde auch deutlich, dass sie ihren Lebenspartner betreut, der nicht mehr reisen kann und man erlebt sie als liebevollen Menschen. Was mich jedoch am meisten beeindrucken konnte, ist ihre Willenskraft und ihre Unbeugsamkeit; sowohl im eigenen Leben als auch im schriftstellerischen Wirken. In den elementaren Beobachtungen ihrer Texte, die sehr authentisch und schonungslos offen auf mich wirken, gibt sie dem Leser Raum zum Nachspüren und Nachdenken. Durch die sprachliche Dichte und "Formbeachtung" ein außergewöhnlicher Lebensroman, dem auch ein außergewöhnliches Leben zugrunde liegt. Ich wünsche Frau Schubert viel Glück bei der Preisvergabe der Leipziger Buchmesse, auch wenn mich der Roman nicht in allem erreichen konnte.


    3,5 *

    "Das Geschenk eines Regentages" von dem japanischen Autorenduo Shinkai/Nagakawa erscheint am 28.04.2021 im Verlag S. Fischer, Frankfurt (HC, gebunden). Das ansprechende, in zarten Farben gehaltene Cover korrespondiert auf wundersame Weise mit dem bezaubernd-poetischen; auch typisch japanischen Romaninhalt:


    Als Leser taucht man auf 255 Seiten in eine andere literarische Welt ein: Der japanischen und sollte sich auf den verspielt-poetischen, zuweilen weisen Charakter des Schreibstils japanischer AutorInnen einlassen. Dafür erhält er im Gegenzug einige einerseits verträumt-schöne, andererseits realistische Blicke und Eindrücke in die japanische Gesellschaft und deren Werte, die den unseren gar nicht so unähnlich sind.


    Die Geschichte beginnt im Regen, wo ein kleiner Kater fast schon dem Ende seines jungen Katzenlebens entgegensieht, wäre da nicht Miyu, eine junge Frau, die Chobi, wie er später heißen soll, kurzentschlossen mit nach Hause nimmt und fortan für ihn sorgt. Miyu arbeitet in einer Kunsthochschule, an der Reina studiert, die wir später treffen werden. Miyu wohnt nach dem Auszug im Elternhaus erstmals alleine und fühlt sich zuweilen einsam; mit Chobi jedoch hat sie einen neuen Mitbewohner gewonnen und eine Aufgabe sowie Verantwortung übernommen. Sie ist nicht sehr redegewandt, mag aber Menschen, die viel erzählen - wie z.B. ihre Freunde Nobu und Tamaki.


    Sowohl Chobi als auch Miyu erzählen aus ihrer Perspektive aus ihrem Leben und Chobi unternimmt Ausflüge in die Nachbarschaft, wo er die Katze Mimi kennenlernt: Ebenso wie er hat sie ein weißes Fell und die beiden freunden sich an, unternehmen Streifzüge. Mimi wird von Reina, jener Kunststudentin versorgt und erzählt ihrerseits von ihrer menschlichen Gefährtin, die ihrerseits sehr introvertiert ist, andererseits jedoch auch willensstark sein kann und an ihr Talent glaubt. Während Mimi nun während eines Streifgangs Schlüsselschwanz, einen streunenden Kater, kennenlernt und gerne eine Familie gründen will, muss Reina gegenüber dem "Chef" einer Design-Agentur, in der sie ein Praktikum absolviert, gehörig die "Krallen ausfahren", als sie erkennen muss, dass er sie noch attraktiver findet als ihre Bilder, die er sich eigentlich anschauen wollte.

    Mimi steht Reina nach dieser Erfahrung tröstend zur Seite und wird gar von ihr zu einer Tierklinik gebracht, als die Geburt ihrer Jungen ansteht. Sie zieht mit ihren 5 Katzenkindern nun vollends bei Reina ein, die zwar "in Lumpen gekleidet ist, aber ein Herz aus Gold hat" (Zitat S.90).


    Während alle Kätzchen vermittelt werden können, bleibt das jüngste und schwächste zurück, das auf den Namen Cookie hört, da es Keksflecken auf seinem Fell trägt: Eines Tages kommt jedoch eine Nachbarin und nimmt Cookie mit, um ihr ein neues Zuhause zu geben: Nun lernen wir die junge Aoi kennen, eine weitere Protagonistin, die nach dem Tode ihrer besten Freundin seit einem Jahr das Haus nicht mehr verlassen hat; traurig und depressiv zu Hause lebt bei ihren Eltern. Da die Tür nur angelehnt ist zu Aois Zimmer, freundet sich Cookie mit dem traurigen jungen Mädchen an und wird mehr und mehr zum "Türöffner" auf dem Weg nach draußen - und aus der Krise, in der sich Aoi befunden hat.


    Ein alter und weiser Hund namens John, der mit dem Boss aller Katzenstreuner, Kurosein Fressen teilt und sich Sorgen um sein Frauchen macht, spielen in diesem zauberhaften Roman ebenfalls keine unwichtige Rolle: Im letzten Kapitel geht es um Shino, eine ältere Japanerin, die ihre Schwiegereltern bis zu deren Tod pflegte, während ihr Mann (im Gesundheitswesen tätig), als Gastredner in Sachen Kranken- und Altenpflege durch ganz Japan reist - und sie wegen einer anderen Frau verlässt....

    Die beiden "Tierbosse" treffen eine Vereinbarung, die Shino nach dem Ableben des alten John das Leben erleichtern soll - und halten dies auch ein.


    Der Roman greift Themen wie soziale Isolation und Einsamkeit, Schuldgefühle und Depressionen, die Grenzen der Kommunikation und die Fragilität von Liebe und Freundschaft auf. Im Epilog, der während des japanischen Kirschblütenfestes stattfindet, geschehen wundersame positive Entwicklungen bei jeder Protagonistin, während die Kirschblüten tanzen - also ein sehr positiver Ausgang der geschilderten Probleme, mit denen sich die Romanfiguren herumschlagen müssen (es gibt auch einen Ausflug in die harte, zuweilen krankmachende Arbeitswelt in Japan in Form der Geschichte von Ryota, der zur Erholung zu seiner Tante Shinto fährt). Hierbei wird deutlich, dass in der japanischen Tradition und Kultur die "Ehre" ganz weit oben steht und unantastbar ist; ähnlich wie im arabischen Kulturraum. Auch wenn Gefühle unsichtbar sind, so zeigt dieser Roman in einer zärtlich-poetischen Weise, die den Schreibstil am ehesten beschreibt, dass Gefühle von Mensch und Tier mitunter doch womöglich in Einklang schwingen können ;-).


    Fazit:


    Ein bezaubernd-poetischer, zuweilen auch weiser Roman, der viele menschliche Themen aus der Perspektive der Betroffenen (und, für manche vielleicht befremdlich, auch aus der Sichtweise der jeweiligen Katze) anspricht und aufzeigt, wie wichtig Verbundenheit mit anderen sowie Freundschaft und Zugewandtheit sind. Für jene, die Probleme haben sollten, die "Tierstimmen" zu lesen (wer weiß schon, was im Kopf einer Katze vor sich geht?), empfehle ich, den Roman als eine Art "japanische Fabel" zu lesen: Ich fand ihn sehr lesenswert und empfehle ihn gerne weiter!


    4****


    ASIN/ISBN: 3103970676

    "Als wir uns die Welt versprachen" von Romina Casagrande (und aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt von Katharina Schmidt und Barbara Neeb) erschien im Fischer Krüger Verlag (2021, HC gebunden).


    Dieser bewegende und berührende Roman der Autorin, die selbst aus Südtirol stammt, gibt all den Kindern eine Stimme, die während 3 Jahrhunderten (!!), bis Mitte des 20. Jahrhunderts, aus dem Tessin, aus Italien und dem Süden Österreichs, aus bettelarmen Familien stammend, mit einem Kurier die Alpen überquerten, um auf reichen Höfen in Oberschwaben zu arbeiten. Hier begegnen wir den "Schwabenkindern" in der fiktiven Gestalt der Romanfiguren Edna und Jacob.


    Edna und Jacob trafen sich auf dem Hof des Großbauern, auf dem sie harte Arbeit zu verrichten hatten, immer am Kirschbaum und beschlossen, gemeinsam die Flucht zu ergreifen. Jacob (der besser zeichnen konnte als schreiben) hatte alles bis ins Detail geplant. Doch am Tag der Flucht, die sie gemeinsam mit Emil, dem Papagei, antreten wollten, ging nicht alles gut - so konnte Edna mit dem Papagei auf einem Wagen, der den Hof verließ, flüchten - aber Jacob blieb zurück....


    Das Versprechen, das sich beide Kinder gaben, ist der Hintergrund dieses Romans und der Reise der nun alten Edna: Emil gehörte eigentlich Jacob und sie will den Papagei, mit dem sie ihr Leben teilte, Jacob zurückgeben, als sie ein Bild in einer Zeitung sieht, das Jacob zeigt, der nach einer Überschwemmung in einer Ravensburger Klinik liegt...


    So begleiten wir die alte und liebenswerte Dame auf ihrer Reise zu Jacob: Wirerleben, wie ihr Umhang verloren geht und sie fortan fast mittellos weiterreisen muss:Wir begegnen Roland, einem netten Motorradfahrer, der Edna eine warme Unterkunft anbietet und ihr seine Lederjacke schenkt (denn wenn jemand in Schwierigkeiten steckt, hilft man sich gegenseitig) und erfahren später, dass die Jacke und ein Freund von Roland noch von sehr positiver Bedeutung sein werden. Auch Priska und Flo, zwei Aussteiger, helfen Edna weiter, die sich ihr Bein mit Brennesseln verbrannte und Priska sich als Schamanin beweisen kann. Wir laufen neben Edna, die teils bei Regen und hustend, den Transportkäfig von Emil hinter sich herziehend, größere Strecken trotz ihres hohen Alters bewältigen kann und treffen Fer(nando), den Argentinier, der nicht nur den Käfig von Emil reparieren kann (er kümmert sich sonst um Oldtimer), sondern auch ein solches "ausleiht", um Edna nach Bregenz zu bringen. Ohne Fer hätte sie Emil womöglich verloren, da er noch im Laderaum des Busses steckte, den sie zuvor zum Reisen nutzte.

    Auf Ednas Fersen hat sich Adele geheftet, jene Nachbarin, die immer bei ihr nach dem Rechten sah und ihr Lebensmittel brachte: Um sie abzuschütteln, lässt sich diereaktionsschnelle Edna gerne etwas einfallen, denn diese Reise müsse sie alleine machen, sagte sie Adele...


    In Rückblenden, die in die Reise Ednas und Emils eingebaut sind, erfährt man von den Ängsten und der äußerst harten Arbeit bei schmaler Kost, die die Schwabenkinder auf den Höfen zu verrichten hatten: Begleitet wurden sie wie im Falle von Edna oftmals von einem Padre, der sie dann am Zielort jemandem "übergab", der dieKinder an die Großbauern verkaufte. Noch heute, so die Autorin, fragt man sich, wie solch' eine abscheuliche Tradition sich über Jahrhunderte halten konnte, in denen Kinder (zwischen 5 und 15 Jahren) "wie Vieh" verkauft wurden. Viele dieser Kinder überstanden die Reise über die Alpen oder die harten Monate bei den Bauern nicht und bezahlten mit ihrem jungen Leben.


    Trotz dieser sehr traurigen Wahrheit gelingt es Romina Casagrande durch ihren sehr menschlichen, warmherzigen, klugen und auch humorvollen Schreibstil, den Lebensmut und die Willenskraft von Kindern wie Edna und Jacob sehr positiv darzustellen, denn


    "manchmal braucht man Mut, um glücklich zu sein" (Zitat S. 315) und

    "... er (der Mut) wird aus Zweifeln und Angst geboren" (S. 316)


    Letzteres macht die beeindruckende Reise von Edna zu einem einmaligen Leseerlebnis und gleichzeitig zu einem geschichtlichen Verständnis, die den Schwabenkindern ein Denkmal setzt. Mit Edna und Jacob gab die Autorin ihnen eine Stimme, die mutig war und niemals resignierte. Die Danksagung im Anhang ist eine der schönsten, die ich je gelesen habe - für diesen wundervollen und sehr einfühlsam geschriebenen, atmosphärischen sowie humorvollen Roman gebe ich deshalb den Dank fürs Lesen und eine Zauberfeder zurück an Romina Casagrande.

    Von mir erhält "Als wir uns die Welt versprachen" die höchste Bewertung und eine Leseempfehlung für alle, die sich für die Geschichte der Schwabenkinder interessieren. 5 *

    "Downton Abbey Teatime (UT: 60 Rezepte zum Afternoon Tea) mit einem Vorwort von Gareth Neame (Leitender Produzent Downton Abbey) erschien 2020 (HC, gebunden) in überzeugender und dennoch handlicher Aufmachung und opulenten Fotos sowohl der Rezepte selbst als auch aus der wundervollen Serie "DowntonAbbey" (England, Aristokratie, Beginn des 20. Jhd.) im DK-Verlag (Dorling Kindersley), München.


    Dieses prächtig ausgestaltete Buch enthält weit mehr als typisch britische Rezepte zur "5 o'clock Teatime" - es entführt auch nach Downton Abbey und der Familie Grantham sowie dem liebenswerten Personal der adeligen Familie, die man als Fan der erfolgreichen Kultserie längst ins Herz geschlossen hat. Wir begeben uns nach Highclere Castle, dem Drehort der Staffeln und dürfen (nach deren Zubereitung, die anhand der detailliert und gut erklärten Rezepte bestens nachzubereiten sind) und dürfen uns an der Tea Time der Granthams laben und einen Hauch von britischem Flair ins heimische Wohnzimmer bringen!


    Köstlichkeiten wie Scones, Welsh Cakes, Shortbread, Gurkensandwiches und weitere Kleinigkeiten versüßen mit einem stilvollen Earl Grey Tee jeden Nachmittagstee, der zudem 'very british' ist. Inhaltlich ist der Gaumenschmaus in


    - Gebäck & Kekse

    - Kuchen, Tartes & Puddings

    - Teesandwiches & herzhafte Häppchen

    - Aufstriche & Eingemachtes


    gut gegliedert. Die einzelnen Rezepte gibt es auch im Register nachzulesen und sind schnell zu finden. Zu unseren Favoriten zählen z.B. Zitronenkuchen, English Cream Scones, Bakewell-Tarte (Mandeltarte, englischer Klassiker) Chelsea Buns (Hefeschnecken) sowie (herzhaft) Cornish Pasties und die Teesandwiches.


    Ausser szenischen Fotos aus der Serie kommen auch z.B. Caro, Violet, der Butler Carson und die überaus sympathische Köchin Mrs. Patmore zu Wort, deren Original-Zitate manche Seite zieren und ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern.


    Fazit:


    Für Downton Abbey-Fans und solche, die es werden wollen, ein must have! Ein fantastisches Buch mit 60 Rezepten, Hintergrundinfos zur Serie und zur Tee-Etikette sowie historisch-kulturelle Entwicklung rund um die Teatime, die nirgendwo wie in England traditionell zelebriert wird. Mit zahlreichen Szenefotos der Erfolgs- und Kultserie, die das "Offizielle Buch zur Downton Abbey Teatime" aus dem DK-Verlag zu etwas ganz Besonderem werden lässt! Eine absolute Empfehlung von mir und schöne Teestunden in bester Gesellschaft - ganz wie auf Downton Abbey! 5*


    ASIN/ISBN: 3831040796

    "Der Tag beginnt mit Mord" von Molly Flanaghan ist der Auftaktband einer geplanten Serie um eine sympathische Ermittlerin, Fionna O'Connor und ist an der schönen irischen Westküste (nahe der "Cliffs of Moher") im fiktiven Dörfchen Ballinwroe verortet. Es handelt sich um eine geplante Cozy-Crime-Serie, die im Aufbau-Verlag (atb, 2021) erschien bzw. hoffentlich weitergeht.


    Inhalt:


    Fiona O'Connor, die nach Ballinwroe, ihrem Heimatdorf, nach dem Tod ihrer Eltern aus Dublin zurückkehrt und das Haus zu einem Bed & Breakfast umbaut, sieht sich einer Dorfbevölkerung gegenüber, die sie eher ablehnt, da sie im Alter von 16 Jahren fluchtartig alles hinter sich ließ: Doch Fiona hat einen unbeugsamen Willen und macht allen (auch Nathan Flynn, dem Hotelbesitzer und Bürgermeister des Dorfes) im Pub unmittelbar klar, dass sie zu bleiben gedenkt und sich von nichts und niemand vertreiben lässt: In der Vergangenheit sind einige Provokationen und Einschüchterungsversuche passiert, die sich etwa in toten Vögeln vor Fionas Haustür, Gülle in den Beeten u.a. Vorkommnissen manifestierten. Sie sagt demjenigen den Kampf an, der hinter diesen üblen Machenschaften steckt.

    Der junge Pater Michael Moran, der seinen eigenen Dämonen davonlaufen möchte, dies aber nicht schafft, soll Fiona nach Hause begleiten, bevor der Streit zwischen Nathan und ihr weiter eskaliert. Da entdecken beide etwas Helles zwischen den Ruinen der alten Mühle, in denen Fiona als Kind oft spielte: Es handelt sich um eine Hand, die zu einem Gast gehört, der sich im B & B eingemietet hatte: Steven Millers Leben endete grausam und Fiona und Michael sind zutiefst erschrocken über den Fund der Leiche.


    Wer war dieser Gast und warum war er nach Ballinwroe gekommen? Hatte er etwas zu verbergen, da sein Zimmer vollkommen verwüstet wurde? Diesen und anderen Fragen zur Aufklärung des Mordfalles gehen bald Inspector Aiden Connolly und sein Stgt. Scott nach. Der sympathische Aiden bemerkt sehr schnell, dass die junge Besitzerin des B & B eine scharfe Beobachtungsgabe besitzt und ihm viele wertvolle Infos zum Ermordeten liefert: Hatte er Feinde im Dorf oder kannte er einen der Dorfbewohner? Was hat es mit dem Fund auf sich, den Fiona am Fenster von Steven Miller zwischen den Dachziegeln entdeckt?


    Meine Meinung:


    Die Krimihandlung ist in die schöne irische Landschaft der Westküste eingebettet, der Schreibstil der Autorin ist eingängig und flüssig - zuweilen mit einem Augenzwinkern - zu lesen. Der atmosphärische Krimi, der als HauptprotagonistInnen eine pfiffige, selbstbewusste und emanzipierte Fiona und einen nach außen kalten, auch kaltschnäuzigen Inspector Aidan Connolly, der in Dublin mit seinem Vater und seiner kleinen Tochter zusammenwohnt, im Grunde aber doch durchaus liebenswert ist und sympathische Züge zeigt, nimmt zum einen durch die spannende Handlung Fahrt auf und vermittelt zum anderen das sich-Näherkommen dieser beiden Ermittler. Besonders gefallen haben mir die kritischen Seitenhiebe zu Themen wie Missbrauch durch die katholische Kirche, das Pub- und Dorfsterben, die Abhängigkeit von Tourismus und neben der Gesellschaftskritik auch die kulturellen Elemente wie z.B. die Tatsache, dass heute Gälisch wieder gelehrt wird, währenddessen diese alte Sprache lange Zeit verpönt und gar verboten war (nicht nur in Irland, auch z.B. in der Bretagne).

    Die Geschichte des Ermordeten gewinnt an Brisanz, als es Zweifel an seiner Identität gibt und ein weiteres Thema ist auch Korruption, selbst innerhalb der Gardia (irische Polizei), deren Netzwerke fast unsichtbar sind.

    Witzig fand ich den Vater von Aidan, der, früher selbst Polizist, natürlich auf dem Laufenden bleiben will und immer im Bilde, wo sein Sohn gerade ermittelt: Er hat noch gute Verbindungen zu einigen Sergeants und wirkt so im Hintergrund bei der Lösung des Falles mit (auch wenn Aidan dies offiziell nicht unbedingt glücklich macht).

    Eine weitere positive Figur war für mich der Pubbesitzer Evan Gallagher, dessen Ziel es wie das von Fiona ist, das einst sehr lebendige Dorf wiederzubeleben. Er ist einer, der nicht abwanderte, sondern neue Möglichkeiten suchte und Ballinwroe ersparte, auch noch das einzige Pub zu verlieren.

    Man rätselt als Leser mit, wer der Mörder sein könnte und Molly Flanaghan gelingt es, falsche Fährten auszulegen: Eine weitere wichtige Figur ist Pater Michael Morgan, den man im Verlauf des Krimis etwas besser kennenlernt. Der Showdown am Fluss ist sehr spannend, wenn auch ein klein wenig holperig, jedoch laufen letztendlich die Fäden schlüssig zusammen.


    Fazit:


    Ein lesens- und empfehlenswerter Cozy-Krimi für alle, die Irland mögen und eine neue Autorin für sich entdecken möchten, die den Leser auf die schöne grüne Insel entführt. Momentan zumindest literarisch und in spannender Weise. Ich bin gerne ins B & B von Fiona eingecheckt und schon sehr neugierig, wie sich die Figuren in den Folgebänden weiterentwickeln - und welche Fälle sie lösen werden. Auch wenn es noch Luft nach oben gibt, hat mir der Krimi ausgesprochen gut gefallen und ich empfehle ihn sehr gerne weiter! Für das Début vergebe ich 4*


    ASIN/ISBN: 3746637228




    "Nanettes Backbuch" ist ein sehr handliches und in edler Gestaltung (Halbleinen), im ars vivendi-Verlag, 2020 erschienenes wundervolles Backbuch, das die Lieblingsrezepte der in Cadolzburg/Mittelfranken geborenen Landbäuerin Nanette Herz (1927-2018) enthält. Diese Schätze wurden in Absprache mit ihren beiden Kindern nun gehoben und verdienen es, da tausendmal erprobt und sicher gelingend, sehr gut nachzubacken (da leicht und einfach sowie kurz und strukturiert erklärt), der Nachwelt erhalten zu bleiben.


    Das Vorwort wie auch das Nachwort geben Einblicke in das Leben von Nanette Herz, ebenso fließen einige Erinnerungen und Anekdoten aus ihrem bewegenden Leben - sowie authentische Fotos - in das Backbuch mit ein, das damit einen sehr persönlichen Charakter erfährt (incl. handschriftlicher Aufzeichnungen von Nanette.) Sie hielt zeitlebens fast vergessene Traditionen am Leben und hielt Vorträge über bäuerliches Brauchtum. Auf einem Bauernhof aufgewachsen, auf dem auch eine Gaststätte betrieben wurde, war sie zeitlebens gastfreundlich und eine offene sowie herzliche Bäuerin, die sich auch bei den Landfrauen engagierte und sich für deren Weiterbildung einsetzte. Hierfür wurde Nanette Herz mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.


    Eine wahre Schatzgrube sind ihre einfachen und doch sehr besonderen Rezepte, die verschiedene Kategorien ihrer Lieblingsbackwerke umfassen:


    - aus der Form

    - vom Blech

    - Torten

    - Gebäck & Co.

    - Weihnachten


    Ich habe zahlreiche Klassiker gefunden und diejenigen, die ich nachgebacken habe, waren so ausgesprochen wohlschmeckend, dass sie recht schnell "verputzt" wurden. Besonders gut fand ich die Tipps zum Backen, die sich an das Vorwort anschließen, sie sind wahrlich Gold wert: So wusste ich z.B. auch nicht, dass warme Buttermilch oder warmer Joghurt einen Hefeteig noch lockerer - und damit verlockender machen!


    Meine Lieblingsrezepte sind (aus der Form) z.B. Schlupfkuchen mit Äpfeln; Schoko-Nuss-Kuchen und Gewürzkuchen. Im Sommer freue ich mich auf Nanettes "Johannisbeerkuchen" und ihren gedeckten Zwetschgenkuchen dann im Herbst (vom Blech). Die "Möhrentorte" und das Osterbrot wird um die Osterzeit nachgebacken und Nanettes Butterzopf (Hefeteig) ist wahrlich ein Gedicht! Bei Gebäckstücken fließt der fränkische Ursprung der Rezeptegeberin mit ein; hier kann man u.a. Hollerküchle, Zöpfle und Spatzen nachbacken. Die Weihnachtsrezepte reichen von Lebkuchen bis hin zu Stollen und hier favorisierten wir die "Hausfreunde" und die Bethmännchen, die ich aus Hessen kenne und die eines meiner Lieblings-Weihnachtsbäckereien darstellen.


    Zu vielen Gebäcken gibt es schöne Fotos, jedoch nicht zu allen, was jedoch der Lust des Nachbereitens keinen Abbruch tut. Am Ende des handlichen Backbuchs befindet sich ein Register, mit dem jedes Rezept schnell nachgeschlagen werden kann.


    Fazit:


    Wer traditionsreiche, gelingsichere, leichtverständliche und auch vielfältige Rezepturen zur Backkunst sowohl in der Form, fürs Blech, für Torten und Gebäck sucht, der dürfte mit diesem authentischen und sehr schön ausgestalteten sowie aufbereiteten Backbuch und Nanettes Rezepten überaus glücklich sein. Mich hat das Backbuch restlos überzeugen können und ließ keine Wünsche offen. Daher von mir die volle Punktezahl und in memoriam an Nanette Herz ein ganz herzliches Dankeschön! 5*


    ASIN/ISBN: 3747200893

    streifi :


    Mit einer prime-Mitgliedschaft hat das meines Wissens nach nix zu tun, aber der angemeldete Nutzer von amazon muss eben 50 Euronen pro anno (mindestens) ausgeben, um überhaupt rezensieren zu dürfen.


    DAS stört mich gewaltig. Zudem finde ich die Rezis bei a.... oftmals unter aller..... (natürlich nicht diejenigen von LesefreundInnen und Büchereulen, aber mir unbekannte Leute schreiben Mist oder etwa 3 Sätze nach dem Motto "Das Buch hat mir gut gefallen. Ich kann es unbedenklich weiterempfehlen...." :pille


    Früher hab ich dort auch rezensiert, aber seit ca. 2 Jahren nicht mehr: Unverständlich ist mir auch, dass selbst Verlage gut finden, dass man auf amazon seine Rezi einstellt; ist diese Organisation doch der größte Feind im Buchmarkt (und Grund dafür, dass sich Thalia und Mayersche z.B. zusammenschlossen, fusionierten. Osiander ist wohl auch mit an Bord, was ich wiederum gut finde: Groß überlebt besser als klein. Ist halt so.

    "Wintertee im kleinen Strickladen in den Highlands" von Susanne Oswaldist der Nachfolgeband zu "Der kleine Strickladen in den Highlands" und erschien 2020 als TB im Verlag HarperCollins. Dieser Roman kann jedoch unabhängig vom ersten gelesen werden, da er in sich abgeschlossen ist.


    Hat mich der Vorgänger vollends "verzaubern" können; sowohl von der Handlung, den ProtagonistInnen als auch vom Setting her, geht es auch in diesem Roman um den Strickladen "Wolle und Zeit", der sich im fiktiven Ort Calwell am Loch Lomond/Schottland befindet. Dieser wundervolle Strickladen wurde vor einem Jahr von Maighread von deren Grandma übernommen und läuft seither sehr erfolgreich, was vornehmlich damit zu tun hat, dass die junge Inhaberin zum Einen strickbegeistert ist (was sie durchaus mit der Autorin teilt) und zum anderen ihr Herzblut in diesen Strickladen steckt.


    Im vorliegenden Buch geht es um die Freundin von Maighread, Chloe. Sie hat ein großes Kräuterwissen und verkauft im kleinen ihre kreativen Teesorten und auch Kräutersalben und -cremes, die sie selbst herstellt. Beruflich ist sie als Psychologin an einem Scheidepunkt, entscheidet sich jedoch auf Anraten ihrer besten Freundin und Scotts, ihrem Freund, in einem Frauenhaus in Glasgow in Teilzeit zu arbeiten: Scott und Chloe sind sehr glücklich und verliebt, jedoch ist die Frage absehbar, dass die Zukunft der beiden Fragen aufwerfen wird: Wird Chloe nach Glasgow ziehen, da Scott als junger Arzt eine nächste Sprosse der Karriereleiter erklimmen könnte - oder wird sie der Natur, die sie sehr liebt und ihren Freunden am Loch Lomond den Vorzug geben?

    In diese schwierigen Überlegungen und Entscheidungen erreicht sie die Nachricht ihrer Großmutter aus Wales: Gwendolyn möchte den letzten Wunsch von Padraig, dem schwer erkrankten Großvater Chloes erfüllen und fragt ihre Enkelin, ob sie nach Wales kommen könnte. Hier zeigt sich, welch starke Frau Chloe ist, denn sie stellt die eigenen Bedürfnisse zurück, um ihrer Grandma, mit der sie sich sehr gut versteht, in dieser schweren Zeit nach dem Tod ihres Grandpas beizustehen: Dieser war ebenfalls leidenschaftlicher Kräutersammler und vererbte ihr sein ganzes Wissen..... Es geht thematisch um Liebe und Lebensentscheidungen, auch um Verlust und Trauer sowie um Freundschaft und Hilfsbereitschaft.


    Die Geschichte ist also sowohl in Schottland (am schönsten See des Landes) verortet wie auch in Wales, wohin die Reise für Chloe und für den Leser geht: Besonders interessant fand ich hier die Nachbemerkung der Autorin, die auf ihrer Recherchereise von einem SWR-TV-Team begleitet wurde. Das Ergebnis der Reise ("Eisenbahnromantik, Reihe des SWR "Wolken, Wolle, Wales") ist bei youtubezu finden und vergrößert bildhaft noch mehr den Genuss, den dieser ausgesprochene "Wohlfühlroman" dem Leser bereitet, ich kann nur empfehlen, sich diese Reise anzuschauen!


    Susanne Oswald hat einen sehr flüssigen, emotional-warmherzigen Schreibstil und die Figuren, die man teils schon aus ihrem ersten "Strickladen"-Roman kennt, sind allesamt Sympathieträger. Hier sicherlich besonders Chloe selbst und Scott. Aber auch Gwendolyn, Eilidh und Elisabeth, die älteren strickenden Frauen sowie Joshua, Peter und besonders Maighread sind allesamt liebenswerte Personen, die hier anzutreffen sind: Allerdings hätte ich mir hier und dort doch eine kleine "Ecke und Kante" des einen oder anderen Protagonisten gewünscht.


    Vielleicht finden sich welche im nächsten Roman der strick- und schreibwütigen Autorin, die im Genre Frauen- und Liebesromane anzusiedeln ist: Eigentlich nicht mein Lieblingsgenre, aber Susanne Oswald schreibt in einer Form, die mir persönlich sehr zusagt: Nicht kitschig und mit Zuckerguss "überhäuft", dafür mit liebenswerten Charakteren, mit denen man sich als Leser einfach wohlfühlt. Einige Strickanleitungen hat die Autorin ebenfalls beigefügt und das "Sahnehäubchen" auf den Scones ist für mich die Filmreise zum Buch: Ich teile die Leidenschaft fürs Stricken, für Schottland und Wales sowohl auch für Dampfloks durchaus mit Susanne Oswald und danke ihr für schöne und entspannte sowie interessante Lesestunden:


    Wohlfühlromane haben durchaus ihre Berechtigung, besonders in diesen Zeiten, daher empfehle ich den Roman sehr gerne weiter und vergebe 4 * auf der "Wohlfühlskala".


    ASIN/ISBN: 3959675453

    Ich gehe keine Partnerschaft mit amazon ein, da ich den Gewinner der Pandemie (schon vor 2020) überhaupt nicht mag:

    Rezensionen "darf" man nur einstellen, wenn man für mind. 50 Euronen pro Jahr Geld dortlässt (nur als Bsp., hat aber noch viele andere Gründe)

    Mit jeder Bestellung verdient vor allem einer: AMAZON!


    Es gibt genügend andere (und bessere sowie seriösere) Möglichkeiten, z.B. Rezensionen einzustellen - oder etwas zu kaufen, finde ich.

    "Hinter diesen Türen" von Ruth Ware erschien (Paperback, 2021) im dtv-premium Verlag und ist für mich eher dem Subgenre Mystery- und Grusel-Crime als ins Genre Thriller einzuordnen. Es handelt sich um eine Geschichte, die langsam Spannung aufbaut und zahlreiche unvorhersehbare Wendungen hat. Dennoch konnte sie mich leider nicht gänzlich überzeugen.


    Rowan Caine arbeitet in einer Kita in London und wird bei einer Beförderung übergangen. Da fällt ihr eine Anzeige in die Hände, die sie sehr interessiert: Eine sehr wohlhabende Familie in den schottischen Highlands sucht eine Nanny für ihre 4 Kinder im Alter von 18 Monaten, 5 und 8 sowie 14 Jahren. Die Stelle ist gutdotiert - und nach dem Vorstellungsgespräch mit Sandra Elincourt, der Mutter der Kinder, die wie ihr Mann Architektin ist und oftmals beruflich bedingt reisen muss, erhält sie einige Tage später die Zusage: Sie hat die Stelle und tritt als neue Nanny die Fahrt wenig später zur Familie Elincourt an.


    Bereits am ersten Arbeitstag wird sie alleine mit den Kindern, die sie betreuen soll, zurechtkommen müssen, da beide Elternteile verreisen müssen: Das Zuhause, im Roman sehr bildhaft beschrieben, ist "ein Haus, dem eine Hälfte amputiert worden war, ersetzt durch eine Prothese aus Glas und Stahl" (S. 287) ist ein Smart Home: Alles wird durch ein Smartphone und Touchpanels gesteuert; eine Herausforderung für Rowan. Sandra Elincourt kann sich abends in die Zimmer der Mädchen einloggen, um mit ihnen zu sprechen und es entsteht ein "Überwachungsfeeling", da überall Kameras angebracht sind. Beim ersten Besuch flüstert Rowan eins der Mädchen zu, "sie solle nicht kommen, es sei zu gefährlich; die Geister mögen es nicht...."


    Und so muss sich Rowan, die nicht überaus ängstlich ist und z.B. knarzende Schritte hört über ihrem Zimmer, mehr und mehr mit unheimlich anmutenden Ereignissen auseinandersetzen, die ihre Nerven strapazieren. Anvertrauen kann sie sich niemand, da sie ausser mit Jean McKenzie, die für den Haushalt sorgt, sie aber offensichtlich ablehnt und Jack Grant, der als Mädchen für alles fungiert, alleine mit den Kindern ist. Die Ereignisse spitzen sich zu und es herrscht im Haus eine gruselige Atmosphäre, Rowan erhält hasserfüllte Botschaften: Wer steckt hinter diesen Abgründen und weshalb verhalten sich die Kinder immer seltsamer?


    Meine Meinung:


    Die Idee zum Buch finde ich großartig: Die Geschichte beginnt mit Briefentwürfen und der Brief selbst, den Rowan aus der U-Haft schreibt, ist an einen Mr. Wrexham wie auch an den Leser gerichtet: Ein Krimi in Briefform! Die sehr mysteriösen (und gruseligen, spukhaften) Ereignisse bestimmen den Verlauf auf Heatherbrae House, so der Name des alten viktorianischen Hauses, das hyper modernisiert und zum Smart Home wurde, stark mit und wirken soghaft auf den Leser. Bereits zu Beginn steht fest, dass ein Kind ermordet wurde und Rowan die Geschichte, "wie sie wirklich war", dem Anwalt schreibt, um ihn zu bitten, sie als Strafverteidiger vor Gericht zu verteidigen. Rowan bestreitet jede Schuld und so geht es darum, den wahren Mörder zu finden.

    Die Autorin legt hier viele Köder aus und führt in falsche Richtungen; die Rolle Rowans scheint selbst zuweilen etwas ambivalent, da man sich fragt, wer wirklich hinter der adretten, jungen "Supernanny" stecken mag. Die Gruselschock-Elemente sind wohlplatziert und sorgen für reichlich Spannung. Der Stil von Ruth Ware ist sehr eingängig und flüssig zu lesen, besonders hat mir die atmosphärische Dichte gefallen, mit der das Haus selbst beschrieben wurde. Das Buch hat auch Psychothriller-Elemente, da viele Figuren vielschichtig angelegt wurden und man z.B. nicht genau weiß, was man von Sandra, der Mutter der Kinder, zu halten hat oder weshalb Maddie eine derart abwehrende Haltung gegenüber der neuen Nanny hat (allerdings wechselten diese häufig, was Kinder definitiv verunsichert und sich nicht positiv auswirkt).


    Das Ende der Geschichte mit vielen Wendungen war einerseits wenig berechenbar und durchaus spannend, andererseits für meinen Geschmack jedoch etwas konstruiert: Unverständlich blieb mir die Rolle eines Familienmitglieds, die sehr wohl hätte erahnen müssen, was sich hinter der "perfekten Fassade" tatsächlich abspielte... So war ich mit der Lösung auch nicht einverstanden, da ich sie für sehr weit hergeholt halte. Erläutern kann ich dies nicht näher, da ich sonst zu viel verraten würde. Rezensionen sind ja immer eine subjektive Buchbesprechung - und ich bin sicher, dass "Hinterdiesen Türen" vielen LeserInnen besser gefällt als es bei mir der Fall war. Gute Krimiunterhaltung und ein interessantes Setting in einer der schönsten Gegenden Europas wird jedoch, gepaart mit spannender Unterhaltung, auf jeden Fall geboten. Von mir gibt es 3,5 Sterne und 82° auf der "Krimi-Couch".

    Der 3. Fall Jackson Lamb's - "Real Tigers" von Mick Herron, erschien (TB,2020) im Diogenes-Verlag, Zürich und wurde aus dem Englischen von Stefanie Schäfer übersetzt.

    Für mich stellt diese Reihe intelligenter Agentenkrimis etwas Besonderes dar und auf 'Real Tigers' in der deutschen Übersetzung habe ich mich nach dem Genuss der beiden Vorgänger sehr gefreut: Auch hier wurde ich nicht enttäuscht, da Mick Herroneinen genialen Schreibstil (und schräge Figuren) hat, die stets ein Schmunzeln und großen Lesegenuss bereithalten.


    Dieses Mal stellt uns ein "Geist", der durch Slow House wandert, die "Abservierten" kurz vor. Es gibt also ein Wiedersehen mit Jackson Lamb und seinen Agenten, die allesamt etwas vermurkst haben und als "Lahme Gäule" im Slow House des Regent Park's (Hauptsitz des MI5 und Secret Service, London) outgesourcet wurden, um dort stupide und eintönige Arbeiten zu verrichten. Man hofft darauf, dass jeder Einzelne aufgibt und die Kündigung einreicht, doch davon sind (Gott sei's gedankt) die meisten weit entfernt:

    Wir begegnen River Cartwright, dem Enkel des legendären David Cartwright; Catherine Standish, der Assistentin Jackson Lamb's, Roderick Ho, dem IT-Spezialisten, der jedoch kein Glück bei Frauen hat, Louisa Guy, die seit dem Tod von Min (früherer Kollege und auch Partner) einen recht zweifelhaften Lebensstil führt, Marcus Longridge (der sich bemüht, seine Spielsucht in Grenzen zu halten) und die zuweilen koksende Shirley Dander, die beiden Neuzugänge im Slow House.

    Wie gewohnt malträtiert Jackson Lamb seine "Untergebenen" gerne, hält ihnen oft den Spiegel des Versagens vor; jedoch mag er es nicht, wenn einer seiner Agenten in Gefahr schwebt - und jemand nicht zum Dienst erscheint.


    Was im Falle von Catherine Standish, einer trockenen Ex-Alkoholikerin, eines Morgens der Fall ist. Es sollte sich herausstellen, dass ein Ex-Liebhaber sie kurzerhand entführt hat, um (im Austausch der Agentin) an ein Dossier des Premierministers zu gelangen, das in den heiligen Archiven des Regent Parks vermutet wird: An der Hüterin dieses Archivs (eine alte Fledermaus auf Rädern namens Molly Doran, aus den früheren Krimis bestens bekannt) ist kaum ein Vorbeikommen, doch River versucht dennoch sein Glück und schleicht sich in die Katakomben ein (obwohl es den Agenten des Slow House strengstens verboten ist, den Regents Park zu betreten).

    Leider ist das Eindringen Rivers nicht von Erfolg gekrönt und Nick Duffy, ebenfalls ein alter Bekannter der Serie und Chef der "Dogs", wie die Mitarbeiter des Regent Parks genannt werden, knöpft sich River vor....

    Eine weitere illustre Gestalt, (die sehr viel äußerliche Ähnlichkeit mit dem derzeitigen Premierminister Englands hat) ist Peter Judd, der amtierende Innenminister sowie Ingrid Tearner (Direktorin des MI5 und aalglatt) wie auch Diana Taverner oder "Lady Di", die ihre eigenen Interessen verfolgt und ebenfalls wie ihre Vorgesetzte mit allen Wassern gewaschen ist.


    Weshalb wurde Catherine entführt? Wer sind die maßgeblich Beteiligten? Was geht hinter den Kulissen des Regent Parks vor sich? Sind die Akten im Archiv, bei denen es sich teils um brisante Daten handelt, auch sicher? Wer könnte ein Interesse haben, die Personalakte des Premiers (dessen Vergangenheit mit Sicherheit glattgebügelt wurde) zu entwenden? All diesen Fragen muss sich Jackson Lamb stellen und ist wie immer nicht alleine, den Fall zu lösen: Er hat seine Slow Horses...


    Der Leser verfolgt mit Spannung die Aktivitäten Jackson Lambs und seiner Agenten, wobei es in diesem Agentenkrimi um Macht geht und wie die Mächtigen sie sichern; um Verschwörungstheorien und "Graue Bücher"; um die Möglichkeiten, die eigene Position zu sichern (und nach Möglichkeit, dem jeweils Ranghöheren ans Bein zu pissen, am besten erfolgreich) und die Methoden, wie dies (am besten unter Ausschluss der Öffentlichkeit) zu bewerkstelligen ist.


    Mick Herron's unvergleichlicher Schreibstil lebt von den bissigen, oft witzigen Dialogen der Slow Horses - ganz besonders von Jackson Lambs - und des alltäglichen Schlagabtauschs untereinander. Auch schwarzer Humor ist keine Seltenheit, der skurrile Handlungen (die oftmals gar nicht so unrealistisch erscheinen) noch betont.


    Der spannende Showdown in der stillgelegten Fabrik klärt gegen Ende einiges und der oben erwähnte "Geist" führt den Leser wiederum durch die Büros des Slow House: Resümierend bis zu einem schnarchenden Jackson Lamb, dessen Tür nicht von einem Geist, sondern einer weiß behandschuhten Hand geöffnet wird - wobei allzu oft vergessen wird, dass sich hinter so mancher Tür tatsächlich ein Tiger verstecken kann ;-)


    Fazit:


    Mick Herron vertritt nach meinem Dafürhalten die hohe Kunst der intelligenten Unterhaltung in Form eines weiteren Agentenkrimis, der zum Ende hin durchaus Thrillerelemente in sich trägt, in Reinkultur.

    Wer schwarzhumorige, teils sarkastische, pointierte, vor allem aber sehr intelligent geschriebene und tiefgründige Spionagekriminalromane mag, sollte diese Reihe unbedingt lesen! Am allerbesten chronologisch, wie in diesem Genre ratsam. Fans der "Slow Horses" dürften sich (wie ich) gefreut haben, dass sie letztendlich das bessere "Tiger-Team" sind! Von mir gibt es 4,5 * und eine absolute Leseempfehlung.


    ASIN/ISBN: 3257300808