Beiträge von Brigitte H. H.

    Ich melde mich für diese Leserunde ab. :wave


    Mir gefällt Shirley sehr gut. Nur im Moment ist es nicht die richtige Lektüre für mich. Wenn ich lese, dann denke ich, wie schön, könnte ich mich nur darauf einlassen. Ich habe nun das 2. Buch beendet und breche ab! Noch weitere dreihundert Seiten auf diese Art zu lesen, abgehetzt und schnell, mag ich nicht mehr. Sicherlich werde ich Shirley eines Tages in Ruhe zu Ende lesen. Aber ich fürchte, bis dahin wird noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen.

    Ich hinke ja genauso hinterher. :wave

    Und grundsätzlich lese ich (und viele andere Eulen) Beiträge in Leserunden immer noch lange, nachdem ich selbst durch bin.:wave

    Dann bin ich nicht allein. Das beruhigt mich. :-]



    O doch, bitte - soweit es Kraft und Zeit erlauben - auf jeden Fall die Eindrücke hier posten! :-)


    :write Dito. Also bitte (auch wer noch am Lesen ist) bitte weiter schreiben. Mir fällt vielleicht nicht zu jedem Post etwas ein, aber ich lese alles, was kommt, noch aufmerksam mit, bis alle durch sind. :wave

    Gut zu wissen. :wave

    Ich überlege derzeit, ob ich in einem Roman überhaupt eine Hauptfigur brauche (ohne daß ich schon ein Ergebnis meiner Überlegungen hätte).

    Ich muss gestehen, darüber habe ich mir (bisher) noch keine Gedanken gemacht. Doch seit ich Deine Überlegung gelesen habe, SiCollier, stelle ich mir diese Frage. :/

    Ich habe gerade beim letzten Lesen meinen ganzen Beitrag geschrottet. :cry:cry:cry:cry


    Also noch einmal:


    Oh je, ich "hinke" arg hinterher. Ich weiß gar nicht, ob es noch von Interesse für Euch ist, wenn ich meine Eindrücke wiedergebe. Da ich mit sehr vielen Unterbrechungen lese und abends zu erschöpft bin, um hier noch etwas zu schreiben, verliere ich zudem langsam den Überblick.


    Inzwischen am Ende, hätte ich doch einige Schwierigkeiten, mich festzulegen, wer denn nun die Hauptfigur ist.


    Ob nun Caroline oder Shirley die Hauptfigur ist, mich persönlich hat die Geschichte erst mit dem Auftritt von Shirley "gepackt".


    Ich glaube, das "schickte" sich damals einfach nicht offen über seine Gefühle zureden, anders kann ich es mir nicht erklären...


    Ob es schicklich war, über Gefühle zu sprechen? Ich denke, es hängt von dem jeweiligen Charakter ab, oder? Isabella hat keine Probleme in Northanger Abbey ihre Gefühle von Beginn ihrer Freundschaft Catherine mitzuteilen.


    Aber Shirley ist ein schlaues Mädchen, die weiß das auch so.

    :write



    Ich finde Carolines zurückhaltende Art nur natürlich, wenn man ihre Lebensumstände betrachtet. Wie sollte sie gelernt haben, sich über ihre Gefühle zu äußern? So mitreißend der Charakter von Shirley auch sein mag, ihr gegenüber kann sie sich nicht frei äußern, da sie ziemlich zu Beginn ihrer beider Bekanntschaft das Gefühl hat, zwischen Moore und Shirley würde sich eine Liebesbeziehung anbahnen



    Caroline versinkt also zusehends in Selbstmitleid. („Natürlich weiß ich, daß er Shirley heiraten wird,“ ...). Dabei haben weder er noch sie in dieser Hinsicht etwas von sich gegeben. Wie heißt es so schön? Einbildung ist auch eine Bildung. Nun ja, wir werden sehen...


    Diese hartnäckige Vorstellung von Caroline kann ich nachvollziehen. Im Kapitel "Mr. Donnes Exodus" wird das veränderte Verhalten Peter Malones zu Caroline, wie folgt erklärt:


    "Sie [Caroline] war angenehm berührt, daß er [Malone] seine Verehrung gänzlich, wenn auch jählings, von ihr abgewendet und auf die Erbin von Fieldhead umgelenkt hatte. Die fünftausend Pfund, die Caroline, wie er glaubte, wahrscheinlich eines Tages erben würde, fielen gegen Miss Keeldars Vermögen und Herrenhaus nicht ins Gewicht." (Ott, S.403-404)


    Wieso sollte Mr. Moore (aus Carolines Sicht) unempfänglich für den Reichtum von Shirley sein? :grin


    Im Gegensatz dazu finde ich diese zwei Hilfsgeistlichen total furchtbar. :schlaegerWie die sich bei Shirley aufführen und versuchen um ihre Hand zu werben. Sie kommen sich selber so toll und unwiderstehlich vor. Einfach nur widerlich. Sehr witzig beschrieben fand ich dann die Szene mit dem Hund. Das sind ja ganz schöne Angsthasen. Das hat mir richtig gefallen, wie sie dann ziemlich lächerlich dargestellt wurden. Und ganz schrecklich dann das Benehmen, als Shirley dem einen nur einen kleinen Betrag als Spende geben kann. Er sollte froh und dankbar für die Spende sein, anstatt undankbar und unfreundlich. So was geht ja in meinen Augen gar nicht.


    Über diese Stelle habe ich mich köstlich amüsiert. Dieser "Gentleman", der ernsthaft glaubt, nachdem er seine Verachtung für Yorkshire und dessen Bewohner (und damit auch für Shirley) zum Ausdruck gebracht hat:


    "... er [Donne] habe sich als eine noble Person von unnachahmlicher Eleganz in höchst vorteilhaftes Licht gerückt – hatte gedacht, er mache einen überwältigenden Eindruck." (Ott, S.418)


    In Gedanken gibt Donne ja bereits das Geld seiner (angeblich) zukünftigen Frau aus. Der Mann hält sich einfach für unwiderstehlich! :rolleyes – Und so ganz bin ich mir bei Shirley auch nicht sicher ... :lache:lache:lache

    Ich denke immer noch das Robert und Caroline ein Paar werden, Shirley mag ihn nett finden, aber ich habe den Eindruck sie ist am heiraten nicht sonderlich interessiert.

    Wenn Shirley heiratet, verliert sie ihre Unabhängigkeit. Ihr Besitz würde dann ihrem Gatten gehören. Das ist für mich das Erstaunlichste an diesem Charakter. Eine Frau kann Erbe von Grundbesitz und Vermögen sein und den Titel Esquire tragen. :wow Da muss ich gleich an Jane Austen denken. :-] Schließlich geht es in Sense and Sensibility und Pride and Prejudice eindrucksvoll um das Dilemma, dass es den Töchtern verwehrt ist, das Erbe ihres Vaters anzutreten. Emma hingegen ist abgesichert. Sie verspürt nicht zuletzt deshalb kaum das Verlangen, unbedingt zu heiraten.


    Also, wieso sollte Shirley heiraten? - Andererseits, wenn sie nicht heiratet, kann sie auch keine Kinder bekommen. Und dann würde ihr Familienzweig aussterben! :gruebel

    Was hat das mit der Erzählung zu tun?

    Diese Frage habe ich mir bei diesem Roman schon des Öfteren gestellt.


    Warum werden uns so viele Personen sehr detailliert vorgestellt? Eben auch Charaktere, die offenbar keine Relevanz mehr für die Geschichte haben.


    Es scheint fast so, als würde die Autorin Charaktere und Begebenheiten aus ihrem Bekanntenkreis in ihrem Buch wiedergeben. Gab es jemanden aus ihrem Bekanntenkreis, der ebenfalls diesen Schritt wagte? Zumal Australien als Strafgefangenenkolonie zunächst einmal nicht verlockend erscheint.


    Eine in der Tat mögliche Erklärung. Will Brontë damit ihrer Novelle mehr Authentizität verleihen? Der lebhafte Dialog in der Familie Yorke ist schön und bringt uns den Charakter von Mr. Moore näher. Aber die vorangestellte Schilderung des zukünftigen Schicksals einzelner Familienmitglieder scheint ins Leere zu laufen.

    8. Kapitel:


    "Liebe kann alles verzeihen außer Gemeinheit, denn Gemeinheit tötet die Liebe, lähmt sogar die natürliche Zuneigung. Ohne Achtung gibt es keine wahre Liebe." (Ott, S.192)


    Sehr traurig. Mrs. Yorke ist ebenfalls ein sehr interessanter Charakter. Ihre Kinder dürfen sich nicht sentimental äußern, also nicht Mama und Papa sagen, sondern Vater und Mutter.


    Das ist ein interessanter Punkt. Zumal es in jener Zeit für die Töchter zum guten Ton gehörte, ihre Eltern mit "Mama" bzw. "Papa" anzusprechen.


    "Daughters customarily addressed their parents as "mama" and "papa" (…); as the unspeakable Mrs. General instructs the heroine in Little Dorrit, "Papa is a preferable form of address. … Father is rather vulgar, my dear." However, this was not true for males. The boys would call their parents "father" and "mother."

    (Zitat: Daniel Pool: What Jane Austen ate and Charles Dickens knew. From fox hunting to whist – the facts of daily life in nineteenth-century England, New York 1994, S.56.


    Merkwürdig fand ich, am Anfang des 9. Kapitels das weitere Schicksal der Kinder der Familie Yorke zu erfahren. Wie grausam zu lesen, "daß die kleine Jessy jung sterben wird." (Ott, S.217) Und dann kurz darauf dieses lebhafte kleine Mädchen kennenzulernen. Ausgerechnet die kleine Jessy, die später einmal Mr. Moore heiraten möchte, weiß ihm zu berichten, dass Caroline ihn glühend gegenüber Anne Pearler verteidigte. Und Mr. Moore ist sich sicher, dass eine reine Geldheirat für ihn nicht infrage kommt. :lache:lache

    SiCollier


    Danke für den Hinweis Fichu. Das war mir völlig entgangen. Interessant, dass es dazu keine Anmerkung gibt.


    Die Stelle ist ohnehin aufschlussreich. Denn Mr. Moore meint, Caroline bräuchte kein Fichu zu tragen, weil sie ja noch ein Kind sei!!! :yikes Da macht sich jemand aber gewaltig es vor. :lache Arme Caroline.

    Erleichtert stelle ich fest, dass ich nicht alleine bin, mit meiner Schwierigkeit einen Einstieg in das Buch zu finden. Dabei scheint mir die Langatmigkeit der Charakterdarstellungen nicht so sehr das Problem zu sein, als vielmehr die Tatsache, von Kapitel zu Kapitel mit neuen Charakteren konfrontiert zu werden, ohne die des vorherigen Kapitels einzubeziehen. Ich habe mich oft nach der Prämisse des Buches gefragt. Wer ist der Hauptcharakter? Oder wer sind die Hauptcharaktere?


    kelly_rose91  
    Ich war zwar in keiner S-Bahn, aber mir ging es genauso wie Dir mit dem Dialog zwischen Mr. Moore und Caroline. Endlich, dachte ich, kommt "Leben" in die Geschichte.


    Köstlich fand ich die Beschreibung von Mr. Helstones Einschätzung seiner mittlerweile verstorbenen, ehemals sehr stillen Ehefrau gegenüber.


    "Er [Mr. Helstone] dachte, solange eine Frau schwieg, täte ihr nichts weh und sie hätte keine Wünsche. Wenn sie sich nicht über Einsamkeit beklagte, so konnte ihr doch die Einsamkeit, auch wenn sie länger dauerte, nicht lästig sein. Wenn sie nicht sprach und sich nicht vordrängte, keine Vorliebe für dies, keinen Widerwillen gegen jenes ausdrückte, so empfand sie wohl keine Vorliebe und keinen Widerwillen, und es war zwecklos, sie nach ihren Neigungen zu fragen. Er gab sich nicht den Anschein, als verstünde er die Frauen oder als vergliche er sie mit den Männern: sie waren eine andere, sicherlich sehr niedrige Art von Lebewesen. Eine Frau konnte nicht die Gefährtin ihres Mannes sein, viel weniger seine Vertraute und noch weniger seine Stütze." (4. Kap., Ott S.76)