Beiträge von Brigitte H. H.

    Was hat das mit der Erzählung zu tun?

    Diese Frage habe ich mir bei diesem Roman schon des Öfteren gestellt.


    Warum werden uns so viele Personen sehr detailliert vorgestellt? Eben auch Charaktere, die offenbar keine Relevanz mehr für die Geschichte haben.


    Es scheint fast so, als würde die Autorin Charaktere und Begebenheiten aus ihrem Bekanntenkreis in ihrem Buch wiedergeben. Gab es jemanden aus ihrem Bekanntenkreis, der ebenfalls diesen Schritt wagte? Zumal Australien als Strafgefangenenkolonie zunächst einmal nicht verlockend erscheint.


    Eine in der Tat mögliche Erklärung. Will Brontë damit ihrer Novelle mehr Authentizität verleihen? Der lebhafte Dialog in der Familie Yorke ist schön und bringt uns den Charakter von Mr. Moore näher. Aber die vorangestellte Schilderung des zukünftigen Schicksals einzelner Familienmitglieder scheint ins Leere zu laufen.

    8. Kapitel:


    "Liebe kann alles verzeihen außer Gemeinheit, denn Gemeinheit tötet die Liebe, lähmt sogar die natürliche Zuneigung. Ohne Achtung gibt es keine wahre Liebe." (Ott, S.192)


    Sehr traurig. Mrs. Yorke ist ebenfalls ein sehr interessanter Charakter. Ihre Kinder dürfen sich nicht sentimental äußern, also nicht Mama und Papa sagen, sondern Vater und Mutter.


    Das ist ein interessanter Punkt. Zumal es in jener Zeit für die Töchter zum guten Ton gehörte, ihre Eltern mit "Mama" bzw. "Papa" anzusprechen.


    "Daughters customarily addressed their parents as "mama" and "papa" (…); as the unspeakable Mrs. General instructs the heroine in Little Dorrit, "Papa is a preferable form of address. … Father is rather vulgar, my dear." However, this was not true for males. The boys would call their parents "father" and "mother."

    (Zitat: Daniel Pool: What Jane Austen ate and Charles Dickens knew. From fox hunting to whist – the facts of daily life in nineteenth-century England, New York 1994, S.56.


    Merkwürdig fand ich, am Anfang des 9. Kapitels das weitere Schicksal der Kinder der Familie Yorke zu erfahren. Wie grausam zu lesen, "daß die kleine Jessy jung sterben wird." (Ott, S.217) Und dann kurz darauf dieses lebhafte kleine Mädchen kennenzulernen. Ausgerechnet die kleine Jessy, die später einmal Mr. Moore heiraten möchte, weiß ihm zu berichten, dass Caroline ihn glühend gegenüber Anne Pearler verteidigte. Und Mr. Moore ist sich sicher, dass eine reine Geldheirat für ihn nicht infrage kommt. :lache:lache

    SiCollier


    Danke für den Hinweis Fichu. Das war mir völlig entgangen. Interessant, dass es dazu keine Anmerkung gibt.


    Die Stelle ist ohnehin aufschlussreich. Denn Mr. Moore meint, Caroline bräuchte kein Fichu zu tragen, weil sie ja noch ein Kind sei!!! :yikes Da macht sich jemand aber gewaltig es vor. :lache Arme Caroline.

    Erleichtert stelle ich fest, dass ich nicht alleine bin, mit meiner Schwierigkeit einen Einstieg in das Buch zu finden. Dabei scheint mir die Langatmigkeit der Charakterdarstellungen nicht so sehr das Problem zu sein, als vielmehr die Tatsache, von Kapitel zu Kapitel mit neuen Charakteren konfrontiert zu werden, ohne die des vorherigen Kapitels einzubeziehen. Ich habe mich oft nach der Prämisse des Buches gefragt. Wer ist der Hauptcharakter? Oder wer sind die Hauptcharaktere?


    kelly_rose91  
    Ich war zwar in keiner S-Bahn, aber mir ging es genauso wie Dir mit dem Dialog zwischen Mr. Moore und Caroline. Endlich, dachte ich, kommt "Leben" in die Geschichte.


    Köstlich fand ich die Beschreibung von Mr. Helstones Einschätzung seiner mittlerweile verstorbenen, ehemals sehr stillen Ehefrau gegenüber.


    "Er [Mr. Helstone] dachte, solange eine Frau schwieg, täte ihr nichts weh und sie hätte keine Wünsche. Wenn sie sich nicht über Einsamkeit beklagte, so konnte ihr doch die Einsamkeit, auch wenn sie länger dauerte, nicht lästig sein. Wenn sie nicht sprach und sich nicht vordrängte, keine Vorliebe für dies, keinen Widerwillen gegen jenes ausdrückte, so empfand sie wohl keine Vorliebe und keinen Widerwillen, und es war zwecklos, sie nach ihren Neigungen zu fragen. Er gab sich nicht den Anschein, als verstünde er die Frauen oder als vergliche er sie mit den Männern: sie waren eine andere, sicherlich sehr niedrige Art von Lebewesen. Eine Frau konnte nicht die Gefährtin ihres Mannes sein, viel weniger seine Vertraute und noch weniger seine Stütze." (4. Kap., Ott S.76)

    Die besitze ich auch. Ob ich allerdings in dieser auf Englisch lesen oder mir eine deutsche Ausgabe zulegen werde, weiß ich noch nicht. Das hängt von meiner "Form" dann ab, zumal die Wordsworth-Ausgaben zwar sehr günstig sind, aber einen recht leseunfreundlichen Satzspiegel haben. Auch welche deutsche Ausgabe es denn werden würde, verschiebe ich bis Ende Juni. Auf jeden Fall eine vollständige. Aber "ältere Ausgabe" bei Insel klingt schon mal gut, moderne Übersetzungen mag ich in aller Regel nicht.



    Willkommen in der Runde, Bücherdrache und Zwergin . Das gibt sicher eine schöne Runde. :-)

    Die Manesse-Ausgabe von Shirley hat wieder Andrea Ott übersetzt. Deren Übersetzung von Frauen und Töchter hat Dir doch besonders gefallen, SiCollier. ;)


    Sorry, dass ich nur kurz schreibe, aber mein Rücken quält mich im Moment so sehr, dass ich kaum am Computer sitzen kann, sonst würde ich Euch jetzt die Einteilung machen. Aber im Moment bin ich noch nicht einmal in der Lage, die Tageszeitung zu lesen, geschweige denn ein Buch. :cry


    Bücherdrache

    Zwergin

    Herzlich Willkommen in der Runde. :wave:wave

    SiCollier  


    Auch ich wünsche Dir eine gute Besserung und eine baldige Genesung. :bluemchen:bluemchen:bluemchen:bluemchen:bluemchen


    Dann würde ich doch vorschlagen, wir planen ab August. Es wäre schön wenn DU dabei wärst Faraday :wave


    Sollen wir Shirley nehmen?

    Shirley würde mich auch sehr interessieren. Ob es bei mir in der Zeit klappt, kann ich im Moment nicht überblicken. Bestimmt Ihr einen Termin und ich werde kurzfristig sehen, ob ich mitlese. :wave