Beiträge von Mac P. Lorne

    War es tatsächlich so, dass Deine Frau die Prager Botschaft einmal verließ und so zweimal auf das Gelände fliehen musste?

    Glaubt mir doch auch einmal was. :) ich brauchte mir zu dem Roman definitiv nichts ausdenken.

    Die Erinnerung unserer Tochter an Prag ist, dass ihre Mutter manchmal wegging und sie dann unsagbare Angst hatte. Dabei wollte meine Frau nur Essen besorgen und musste dazu aus einem in die Wand des Nebengebäudes geschlagenen Lochs, wo sie in unsagbarer Enge untergebracht waren, in den Botschaftsgarten klettern. Mehr weiß sie nicht mehr.

    Ich freue mich, dass dir das Buch gefallen hat und bis vielleicht bald wieder einmal, M. :wave

    Matthias, warst Du und Deine Frau wirklich damals auch so toll und kreativ wie Markus und Imke in der Romanhandlung? Chapeau! Bemerkenswert, wie Markus kurz nach seiner Flucht einen gemeinsamen Skiurlaub in Ungarn mit Frau und Kind verbringt. Unglaublich und unvorstellbar, dass dies möglich war. Mich überrascht ein wenig, dass die Tochter kein bisschen beim Wiedersehen fremdelt, ist Jessica noch keine vier.


    Ich befürchte, die Kurzfestnahme, inkl. mit Handfesseln an der eingeschalteten Heizung gekettet zu werden, ist Dir auch so passiert.

    Toll weiß ich nicht, aber kreativ auf alle Fälle, vor allem meine Frau. :)
    Das war aber nicht in Ungarn, sondern im tschechischen Riesengebirge.
    Und ja, sie hatten mich an eine Heizung gekettet. Interessanter Weise habe ich gerade in dem Buch von Hans-Dietrich Genscher "Zündfunke aus Prag" gelesen, dass das offenbar öfters vorkam. Überlebt man aber.

    Bei Markus´ Besuch in Hannover, sehe ich als selbst in dieser Stadt wohnende die erwähnte Buchhandlung als Schmorl und von Seefeld am Kröpcke.


    Bei Onkel Jürgen male ich mir übrigens aus, dass er vielleicht in einer mir bekannten hannoverschen Druckerei als Drucker tätig war.

    Genau die Buchhandlung war's, und die Druckerei lag in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs.

    Nein, meine Überlegung war, damit man sich nicht von vornherein alle möglichen Chancen verbaut. Wenn man dort schon leben musste und ein Entkommen nicht möglich war, warum dann nicht vordergründig mitspielen?

    Ich glaube, jeder Mensch kann sich nur bis zu einem bestimmten Punkt verbiegen. Bei dem einen ist er etwas später erreicht, bei dem anderen eher, und manche haben damit auch gar kein Problem. Heute wird sehr viel der Stasi in die Schuhe geschoben, aber eins dabei gern vergessen: die DDR war eine SED-Diktatur, keine der Stasi. Die bezeichnete sich selbst als Schild und Schwert der Partei.

    Einer Partei, die über sich selber singen ließ: "Die Partei, die Partei, die hat immer Recht ...", dabei aber sich selbst und mehr noch die Nichtmitglieder belog und betrog dass sich selbst Stahlträger bogen, beizutreten und sich damit mitschuldig an deren Verbrechen zu machen, war nicht jedermanns Sache.
    JEDER - und das sage ich bewusst - Genosse war mitschuldig an dem Regime, denn er hat es durch seine Mitgliedschaft gestützt. So wie NSDAP-Mitglieder an den Verbrechen der Nazis, so spreche ich mich dafür aus, jedem Genossen eine Mitschuld an den Mauertoten, am Kindesentzug, an politisch motivierten Haftstrafen, an denen viele zerbrochen sind, und vielem anderen mehr zu geben.

    Ich finde nicht, dass wir uns vorrechnen müssen, wer der beste, bewussteste und schon immer oppositionelle Mensch war in diesen Zeiten.


    Sie haben dafür gesorgt, dass wir auch zur Jugendweihe gingen trotz Konfirmation, damit wir Abitur machen konnten. Auch das mag man falsch finden, aber sie haben sich so entschieden. Sie wollten das Beste und machten es so, wie sie es eben konnten.

    Das sehe ich auch so. :wave

    Der Arzt in der Botschaft hat großartig reagiert, die Ärzte im Krankenhaus dagegen weniger gut. Zum Glück ist alles gut ausgegangen.

    Wir haben Dr. Platini zum "Fest der Freiheit" in Prag widergetroffen, und er konnte sich noch ganz genau an die Vorfälle damals erinnern. Meine Frau hat das tief ergriffen und ich habe auf einmal geheult wie ein Schlosshund, weil ich endlich dem Mann die Hand schütteln konnte, der meiner Tochter vielleicht das Leben gerettet hat.

    Aus der damaligen Sicht aber mMn nicht sinnvoll und ein Kampf gegen Windmühlen. Warum mit dem Kopf gegen die Wand, wenn die Wand nie nie nie weichen wird?

    Da könntest du auch Fragen, warum nicht jeder in Sizilien Mitglied der Mafia ist, obwohl es doch so schön bequem wäre. Viele kämpfen gegen sie, auch wenn es sich um ein Gefecht gegen Windmühlenflügel handelt.

    Für mich war die SED eine verbrecherische Organisation ähnlich der Mafia. Mord, Totschlag, Freiheitsberaubung, Kindesentführung, Raub, Diebstahl - gehörte alles zum Repertoire der Genossen. Dort mitzumachen gegen meine innerste Überzeugung hätte mich zerbrochen.

    Im Westen wurde die DDR eigentlich nie anders gesehen als hier beschrieben. Mich hat ab meinem 13. Lebensjahr, also seit 1983, immer die Frage beschäftigt, wie das Alltagsleben in einer Diktatur wohl ist und auf welcher Seite ich aufgrund der Agitation wohl gelandet wäre?


    Warum ist Marcus nicht einfach in die Partei eingetreten? Mehr Chancen, weniger Drängelei und nur etwas weniger Geld? Dass das Land irgendwann mal zusammenbricht, war ja bis Oktober 1989 nicht zu erwarten.


    Mac P. Lorne Die Kapitel mit den ZK-Mitgliedern sind doch reine Fiktion, oder? Protokolle wird es dazu doch wohl kaum geben.

    Doch, die gibt es und einige konnte ich auch einsehen. Aber so in etwa ist das abgelaufen. Die Entscheidung, die Reiter nicht nach Moskau zu schicken, hat Oberst Heinrich, damals Chefrichter der DDR, mal stockbesoffen so ausgeplaudert. Das mit dem Interview ist ebenso belegt wie Honeckers Satz, den er eigenhändig in der Staatsoper unter den Artikel gesetzt hat.

    Wären Deine Chancen darauf größer gewesen, wenn Deine Familie parteitreu gewesen wäre?

    Nein, ich denke nicht. Das war denen egal, die haben so gut wie jeden gezogen, um ihn mindestens 18 Monate in die Mangel zu nehmen. Wie man sich vorstellen konnte, durch diese Schikanen "allseitig gebildete sozialistische Persönlichkeiten" zu formen wird mir allerdings ewig ein Rätsel bleiben.

    Gab es denn auch sogenannte T-Gruppen?

    Hier gab es ja die sogenannte Untauglichkeit, mit der man dann nicht eingezogen werden konnte.

    Ich glaub, das begehrt T5 oder T6 hieß das, soweit ich mich erinnere.

    Da hofften ja doch einige drauf, da es eben nicht so ganz einfach war, Zivildienst statt Bundeswehr zu machen.

    Ich hatte auch auf die Untauglichkeitsbescheinigung gehofft, aber das war ein Wort mit X. :) Heute kann man drüber lachen, damals allerdings nicht.