Beiträge von Sindolino

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    Wie in der Beschreibung oben steht:

    "Hier könnt ihr Joan Fragen stellen, die nicht das Buch der aktuellen Leserunde "Die Frauen vom Savignyplatz" betreffen."

    Meine Anmerkungen hier betreffen Figuren/Personen, die nicht Teil des Buches sind und nicht Teil der Handlung sind.

    Wie ich oben schreibe: "da ich gerne mehr über Diss erfahren wollen würde.", stelle ich hier Fragen, die die Diss von Joan betreffen.

    Weil wir in dem anderen Thread über Clara Immerwahr gesprochen haben, muss ich hier anbringen, weil es mich gerade so nachdenklich macht ...

    Du schreibst, dass für Frauen Bildung ein Mittel war, um dem Warenschicksal zu entgehen.

    Ich kenne das Buch von Vicki Baum nicht, aber an anderer Stelle sagst Du ja, dass Helene, als Bespiel für eine rein fiktive Romanfigur, in den Armen ihres Professors landet. Das weitere Schicksal kenne ich nicht.

    Als realhistorische Figur haben wir dann Clara Immerwahr, die dann den Freitod wählt.

    Was bringt der Frau dann die Bildung? Ist Bildung wirklich ein Mittel zur Emanzipation? Am Ende ist die Frau trotz aller Bildung doch nur wieder Ware (= Opfer?) des Mannes?

    Ach herrje ... wenn ich das jetzt weiterspinne: Könnte man das Ganze auf das Motiv der Frau als Hure und Heilige, beide Beispiele natürlich ganz überspitzt, übertragen?

    Hier ist auch ein guter Bericht - kurzes Video von 3sat - das auf die Rolle von Haber eingeht:

    http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=44380.

    Diese Ambivalenz zwischen Fürsorge, wie Du sie gut in Bezug auf Willi beschreibst - Haber ist ja enttäuscht, dass Willi nicht zum mündlichen Examen angetreten ist, gibt ihm aber dann eine zweite Chance, was in der wissenschaftlichen Welt nicht immer so ist - und wie sie im Bericht auf die jüdischen Wurzeln von Haber selbst und seine Versuche, seine jüdischen Mitarbeiter zu Beginn der NS-Zeit noch zu schützen, und seiner so fatalen Rolle im 1. Weltkrieg und für mich wesentlich schlimmer, dass er dies nie eingestanden hat und sogar noch weitere Experimente durchgeführt hat, wird hier thematisiert.

    Ich kann es verstehen, dass der Historiker sagt, man dürfte nicht vergessen lassen, dass Haber auch ein Verfolgter war und welche Beschützerrolle er dann im NS-Regime einnahm, aber ich bin mir gerade sehr unschlüssig, ob das diese Unmenge von Toten im 1. Weltkrieg aufrechnet. Ist hier überhaupt ein Aufrechnen möglich?

    Ich muss sagen, obwohl das nicht wirklich Thema des Buches ist, hast Du mit der Nennung der Habers, wenn man sich das mal genauer vor Augen führt, sehr viel Stoff zum Nachdenken gegeben.



    Ich bin selbst mehr zufällig auf Clara Immerwahr gestoßen, aber mich lässt sie und ihr Schicksal auch nicht mehr recht los. Ich hof ja, dass nach 2 Frau Einstein Romanen diesen Sommer uns der nächste vielleicht zwei Clara Immerwahr Romane von ähnlicher Qualität liefert.


    Ob es ihr so recht ist, mit ihrem Mann gemeinsam begraben zu sein?

    Ich weiß nicht, ob ihr Sohn daran so gut getan hat. Und was für ein Mann ... Nach dem Tod der Frau macht er noch weiter. Ich finde das echt so erschreckend. Aber eher irritiert mich die öffentliche Wahrnehmung und auch Ehrung von Fritz Haber.

    Tolle Ausführungen auch im Glossar, den ich mir gerne etwas ausführlicher gewünscht hätte, und im Nachwort.

    By the way werde ich mich nun mal ans Googeln einiger Personen machen, mal schauen, was sich da noch so ergibt.

    Aber ehrlich finde ich diese englischen Wörter nicht so toll, da bin ich doch eher und auch gerne altmodisch :grin

    Herr Nicki Wassermann ist mir nicht gerade sympathisch, aber soviel Auftritt hat er ja zum Glück nicht.

    Die Lesung aus seinem Buch oder die Szene der Lesung hat mir aber gut gefallen, weil hier auch angesprochen wird, dass zur damaligen Zeit auch der Kriminalroman noch in den Kinderschuhen gesteckt hat. Es wird ja auch dann S.S. van Dine genannt.

    Das finde ich sehr spannend, da ich mir so beim Lesen die Frage gestellt habe, was hat man damals so gelesen? Vieles, was für uns heutzutage total selbstverständlich ist, also auch die Quantität an Genres, war damals nicht da oder hatte sich so noch nicht durchgesetzt und war verpönnt.

    Und auf Seite 265 kommt es ja:

    "Mein Mann duldet nicht, dass ich Romane lese. Er meint, da käme ich nur auf dumme Ideen und wenn ich lesen wollte, sollte ich die Bibel nehmen."

    Nun bin ich langsam auf der Zielgeraden ...

    Komme aber gerade langsamer vorwärts, da ich gleichzeitig viel nachschaue,

    Ich kenne mich in dieser Zeit doch eher wenig aus, daher bin ich echt dankbar, durch die Lektüre viele neue Aspekte zu erfahren.

    Ich finde es gut, dass realhistorische Figuren mit in die Geschichte eingebunden werden wie z.B. der Dokotrvater von Willi, Fritz Haber, und nun auch die Nennung seiner Frau, Clara Haber geb. Immerwahr. Gerade letztere - stand sie eigentlich Vorbild für die Frauenfigur bei Vicky Baum, die studierte Chemikerin? - und ihre Geschichte hat mich gerade mächtig schlucken lassen. Ich denke eine wichtige Frage: Was kann Wissenschaft und inwiefern muss Wissenschaft moralisch sein? Ich bin gerade echt am Überlegen, wie ich es finden soll, dass Fritz Haber trotz seiner Rolle im 1. Weltkrieg noch so viele Ehrungen bekommen hat und auch noch den Nobelpreis ...

    Ich lege das mal


    "Im Grund eine literaturwissenschaftliche Motivanalyse zum Thema "Frauenschönheit" basierend auf der Theorie, dass Schönheit in den 20er Jahre erstmals für jede/n käuflich zu erwerben ist, woraus sich dann besonders bei Vicki Baum (Pariser Platz 13), Irmgard Keun (Das kunstseidene Mädchen) und Stefan Zweig (Marie Antoinette) ein Warencharakter der Frau ergibt, der allein mit dem Mittel der Bildung (Vicki Baum "stud chem. Helene Wilfuer") zu umgehen ist - da wären wir dann auch wieder dabei, dass Frauen seichte Bücher lesen (müssen), weil ihnen die Bildung für anspruchsvollere fehlt und es keine weiblichen Autoren gibt, etc.. Die Beispiele die Vicky anführt - der Kükentisch im Romanischen - sind historisch."


    "Jein, mein Thema ist die weibliche Schönheit in der Literatur der Weimarer Republik gewesen, Schönheit und Mode als Weg zur Emanzipation. Ich hab mich zwar auch mit Triviallitertur beschäftigt - Vicki Baum, Feutchtwanger - aber der Schwerpunkt lag mehr auf den "Klassikern" der Zeit Roth, Remarque, Zweig, Tergit, etc."


    in diesen Thread, da ich gerne mehr über Diss erfahren wollen würde.


    Lag die Entscheidung, die Analyse vorwiegend anhand der Klassiker vorzunehmen bei Dir oder bei der Betreuung?

    Gibt es überhaupt schon genauere Auseinandersetzungen zu der leichteren Literatur oder Frauenliteratur dieser Zeit?

    Den Einbezug von Stefan Zweig (Marie Antoinette) verstehe ich nicht ganz, da hier ja eine andere Epoche den Hintergrund bildet und die Frauenfigur aus einer ganz anderen Gesellschaftsschicht stammt. Ich möchte aber keineswegs absprechen, dass Marie Antoinette als Ware gedient hat, denn in der Heiratspolitik Felix Austria nube war sie als Tochter von Maria Theresia nämlich nichts anderes, wobei die Mutter selbst Frau die Verkäuferin war.