Beiträge von Marie Lacrosse

    Eventuell gibt es auch wieder Freiexemplare für Kaffeehaus 2, das muss allerdings noch mit dem Verlag abgeklärt werden.

    Dass diejenigen, die wieder mitlesen möchten, Freiexemplare bekommen, möchte ich auf jeden Fall dem Verlag dringend ans Herz legen. Ich telefoniere hoffentlich in der nächsten Woche (diese Woche bin ich noch auf Leipzig liest extra :)) darüber mit der zuständigen Presse-Verantwortlichen.

    Nur Sisis großer Beliebtheit beim Volk, ihrem liberalen Einfluss auf Franz Joseph und ihrer Fürsprache für die ungarische Sache ist es zu verdanken, dass das Land nicht auseinander bricht.

    meines Wissens war Sisi aufgrund ihrer Schüchternheit und der Tatsache, dass sie sich schon sehr früh ihren repräsentativen Pflichten entzog, zwar bewundert, aber nicht unbedingt beim Volk beliebt. Einfluss auf Franz Josef im Sinne von Liberalität übte sie auch nicht, nimmt man ihr einziges bekanntes politisches Engagement für die ungarische Sache als Ausnahme.

    Wie kann das sein? MIch würde mal interessieren, ob das tatsächlich so war oder ob da viel Fiktion drin steckt.


    Helene kann ich überhaupt nicht verstehen. Sie verschließt die Augen vor allem, was offensichtlich vor ihr liegt. Und sagt in einem Kapitel noch, dass sowas nicht vorkommt im Adel. Spätestens als Mary Stephanie gegenüber stand, hätte sie doch was verstehen müssen.

    ad 1: nach der Biografie von Mary, die ich zugrundegelegt habe, sowie auch nach der Biografie von Marie Luise Larisch hat sich Mary im wesentlichen so verhalten, wie ich es beschrieben habe.


    ad2: und so leid mir ihre Mutter Helene tut, die später auch noch ihre beiden anderen Kinder verlor und selbst einsam und verarmt nach dem Ersten Weltkrieg in Wien starb, Mary war ihre Lieblingstochter und sie hat sie nach Strich und Faden verzogen; auch viele Zitate von Hanna entsprechen meinen Quellen; der Biograf von Mary Hermann Swistun kommt übrigens aus ihrer eigenen Familie.


    Mehr zu meiner Beurteilung der Biografien findet ihr im Nachwort.

    Noch sind Richard und Amalie nur verlobt. Kann man sowas noch lösen oder kommt das einer Annullierung gleich?

    Hier antworte ich dann gleich auch noch auf den Beitrag von SiCollier:

    zunächst zur Verbindlichkeit einer Verlobung: Sie war in Hochadelskreisen sehr hoch. Ein Eheversprechen nicht einzuhalten, wurde in der Regel mit Ausgrenzung des oder der Betroffenen geächtet. Das war noch nicht sehr viel besser als im Mittelalter, wo ein Eheversprechen einer Eheschließung in der Verbindlichkeit nahezu ähnlich war.

    Kirchenrechtlich gab es natürlich keine Scheidung. Aber erstaunlicherweise hatte Österreich zivilrechtlich das fortschrittlichste Scheidungsrecht in Europa überhaupt. Dazu sage ich jetzt allerdings nicht sehr viel mehr, außer, dass es grundsätzlich juristisch möglich war, eine Ehe auch aufzulösen. Ob der Kaiser, dessen Einverständnis man im Hochadel dazu einholen sollte, um seine Hoffähigkeit nicht zu verlieren, die Scheidung billigte, steht danach auf einem anderen Blatt. Und auch Geschiedene, insbesondere Frauen, mussten mit gesellschaftlicher Missachtung rechnen.

    Aber ich will ja noch nicht zu viel verraten.

    Eine Ehe zu annullieren, war ebenfalls grundsätzlich möglich, wenn man dem Papst ausreichende Gründe dafür vorlegte. Da Stefanie Rudolf keinen Thronfolger mehr gebären konnte (was allerdings seine eigene Schuld war), hätte die Sache tatsächlich auch anders ausgehen können, da man trotz der berühmten Kaiserin Maria Theresia im ausgehenden 19. Jahrhundert im Habsburgerreichnicht unbedingt einen weiblichen Thronfolger vorsah.

    Die Idee ist am Geburtstag meines Mannes im Jahr 2018 in Speyer entstanden. Dort haben wir seinen damaligen Geburtstag verbracht. Eigentlich hatte ich bereits als Anschlussprojekt für meine Weingut-Trilogie die Fluchtgeschichte meiner Schwiegermutter eingereicht. Meine Schwiegermutter floh gegen Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem besetzten Mähren nach Deutschland und erlebte auf ihrer Flucht wahrscheinlich sehr furchtbare Dinge.

    Als ich für dieses Projekt recherchierte, wurde mir sehr klar, dass es sich dabei um ein sehr düsteres Kapitel handelt (die Geschichte von Mary und Rudolf ist dagegen harmlos). Also beschloss ich zunächst, mich auf die Nachkriegsperiode zu konzentrieren. Die war aber auch nicht viel besser (Trümmer, Flüchtlingselend usw.).

    Gerade war außerdem Bd. 1 der Schokoladenvilla von meiner lieben Kollegin Maria Nicolai erschienen. Mein Mann und ich landeten schließlich in einem wunderbaren Café in Speyer mit einem herrlichen Kuchenbuffet. Und ich begann zu klagen: warum soll ich eigentlich jetzt eine so düstere Geschichte schreiben? Ich könnte doch auch etwas schreiben, wo Genuss eine Rolle spielt.

    Schnell war die Idee entstanden, ein Wiener Kaffeehaus als roten Faden durch mein nächstes Projekt zu nehmen. Aber ich brauchte natürlich einen historischen Hintergrund. Vage erinnerte ich mich an den Selbstmord des Kronprinzen Rudolf gemeinsam mit seiner Geliebten, die ich bis dato allerdings nur als kitschige Liebesgeschichte kannte. Als mein Mann dann noch im Café die Geschichte zu googeln begann, stellte sich jedoch heraus, dass es neuere Erkenntnisse gab und alles andere als eine romantische Liebesaffäre hinter dem Selbstmord steckte.

    Das weckte sofort mein Interesse als Psychologin. Und schon meine ersten Recherchen faszinierten mich. Also beschrieb ich im Rahmen der lit.Love, dem großen Lesefestival von Random House, zu dem ich 2018 als Gast geladen war, die Idee meiner Goldmann-Verantwortlichen. Sie ist nicht nur Wien-Fan, sondern war sofort von dieser Idee begeistert, zumal man mit seiner Nachkriegsgeschichte recht unglücklich war. Sofort rief sie die damalige Verlagsleiterin hinzu, die ebenfalls begeistert reagierte und den Slogan prägte „Torten statt Trümmer“.

    Anfangs wollte ich nur einen Zweiteiler schreiben, zu dem ich dann ein Exposé einreichte. Schon drei Wochen später kam es zum Vertragsabschluss. Und nach meiner ersten Recherche-Reise stellte ich dann fest, dass ich sogar genügend Material für einen dritten Band hatte.:)

    Was mich interessieren würde ist, ob die Präsentation der Debütantinnen (S. 541ff) mit dem Skandal, den Mary Vetsera verursachte, wirklich stattgefunden hat oder nur hierim Roman zu finden ist.

    Kronprinzessin Stephanie wurden tatsächlich die anwesenden Damen auf dem Empfang vorgestellt. Dass Mary ihr den Hofknicks verweigert hat, fand ich nur in einer Quelle, habe mich aber dramaturgisch dafür entschieden, die Szene so zu schreiben.

    Stimmt. Und das bedeutet auch, dass wir noch weniger vom Kaffeehaus lesen werden. Der Titel hat mich wirklich aufs Glatteis geführt mit meinen Vorstellungen, welchen Rahmen die Geschichte haben könnte.

    Sorry, aber wie ich schon sagte, in meinen Romanen geht es zumindest nie im Kern um die Geschehnisse an fiktiven Schauplätzen. Ich habe daraus gelernt, dass ich besser einen kurzen Einführungstext für Bd. 1 geschrieben hätte, um darauf hinzuweisen, dass das Kaffeehaus nur der Rahmen für die zeitgeschichtlichen Ereignisse ist.

    Ich habe mich eben zu sehr darauf verlassen, dass Leser*innen das aus meiner Weingut-Trilogie ja schon kennen. Aber man wird eben so alt wie eine Kuh..... :)


    PS Und in Band 2 geht es von allen 3 Bänden tatsächlich am wenigsten um das Kaffeehaus, schon mal vorweg gesagt. Das steht dafür im Mittelpunkt von Bd. 3

    Ja, da hat er sich was vorgemacht. Traurig, wie man die tote Mary behandelt hat. Und wie ihre Mutter darunter leiden musste, das man sie ohne Sarg und Beerdigung einfach verscharrte.

    Ich nehme an, dieser Transport in der Kutsche ist wirklich so passiert? Das fand ich wirklich schrecklich.

    Es war genauso, wie ich es nachgestellt habe. Nur war natürlich anstatt Richard ein zweiter Onkel Marys dabei!

    Richard hat keine Sekunde darüber nachgedacht, was so ein Arrangement für Sophie und ihre Familie bedeutet hätte. Wie all die hohen Herren hat er es nur aus seiner Warte gesehen. Die Frau liebt ihn, da ist sie doch glücklich, wenn er ihr zugetan ist, ihr womöglich Geld zum Leben gibt und ihr hi und da einen Besuch abstattet mit kleinen netten Geschenken für glückliche Schäferstündchen. Aber dass das sicherlich früher oder später die Runde gemacht hätte, dass Sophies Ansehen für alle Zeiten vernichtet wäre, sie nie mehr einen anständigen Mann heiraten könnte. Das Gerede, die Verachtung, ihr zerstörtes Leben. Das hat er überhaupt nicht bedacht.

    Ich lasse Richard reagieren (hier noch) wie einen typischen Mann seiner Zeit. Die meisten Ehen im Hochadel waren arrangiert, also "hielten" sich die meisten Männer eben Mätressen. Wie Kronprinz Rudolf und Kaiser Wilhelm II.

    Die Beerdigung von Mary ist wirklich traurig. Wie unfair da mit den beiden umgegangen wird, ist schon der Wahnsinn. Während Rudolf ein richtiges Begräbnis mit allem drum und dran bekomme, muss Marys Familie sich mit so einem anonymen Begräbnis abfinden. Dass die beiden nicht zusammen vergraben werden, war ja eigentlich von vornherein klar. Aber das Mary dann so begraben wird fand es schon sehr traurig, vor allem da sie kann sich eigentlich keinen Selbstmord begangen hat.

    Dieser Teil meiner Recherche hat mich auch am meisten erschüttert! Zumal ich dann ja auch leibhaftig an Marys Grab stand!

    Auch diesen Abschnitt habe ich zwar quasi inhaliert, weil er einfach spannend geschrieben war, gleichzeitig hat es mich genervt, dass es fast nur um Mary und Rudolph ging. Mich hätten Sophie und das Kaffeehaus viel mehr interessiert als ein durchgeknallter Kronprinz mit lieblosen Eltern und ein verzogener Groupie-Teenager.

    Verstehe ich aus Deiner Warte. Aber ich würde nie drei Bände über das Leben in einem Kaffeehaus schreiben! Die Mayerling-Affäre ist das historische Leitmotiv von Band 1. Im Schwerpunkt um das Kaffeehaus und damit natürlich um das Kaffeehaus-Ambiente im ausgehenden 19. Jh. geht es erst in Band 3.

    Vielleicht hat das Ganze mit seiner Mutter zu tun. Zum einen sein Verhältnis zu ihr, sein ewiger Kampf um Anerkennung, das Gefühl nie genug zu sein, alleine zu sein... und deswegen das Bedürfnis mit einer Frau zusammen das Leben zu beenden, die ihn verehrt/ liebt. Gegebenenfalls auch der Gedankengang, seiner Mutter zu signalisieren, dass es eine Frau gibt, die ihn so sehr liebt, dass sie für ihn in den Tod geht, im Gegensatz zu Sisi, die nicht mal genug Liebe für ihn hatte im Leben.

    Ich denke, um das geliebt werden ging es ihm, ob er selber dabei die Person liebte, war dabei völlig irrelevant.

    Deine Gedanken finde ich sehr interessant! Aus meinen Quellen kann ich sie leider nicht bestätigen. Seiner Mutter eins auswischen, wäre eine unbewusste Handlung Rudolfs gewesen. Denn er schrieb ihr ja, im Gegensatz zu seinem Vater, einen Abschiedsbrief, der leider im Original nicht mehr existiert. Aber es sind Passagen daraus bekannt (wobei man natürlich nicht genau weiß, wie korrekt sie wiedergegeben wurden). Auf jeden Fall ist darin nicht von Kritik an Sisi die Rede (also à la: Du hast mich nie so geliebt wie Mary).

    Aber auf jeden Fall steht sein Wunsch drin, neben Mary in Alland begraben zu werden, obwohl er natürlich hätte wissen müssen, dass das nie geschehen wird.

    Wie dem auch immer sei, er hat eine verblendete 17jährige mit in den Tod gerissen! Das kann ich ihm nicht verzeihen!

    Ich hatte das mehr darauf bezogen, dass er Angst hatte, dass Rudolf Mary mit Syphilis infizieren könnte. Klar, die Jungfernschaft spielt mit eine Rolle, aber die Krankheit ist quasi der Tod.

    Beides spielt eine Rolle! Eine unverheiratete Komtess zu entjungfern, galt selbst bei den schlimmsten "Hurenböcken" als Tabu. Und natürlich macht sich Richard auch Sorgen, dass Rudolf Mary anstecken könnte.


    A propos: Ein bürgerliches Madl zu entjungefrn, war nur ein Kavaliersdelikt!:(