Beiträge von Sonnenschein12

    Mir war es auch wichtig, mit diesem Mythos der SS zu brechen, dass es eine große, verschworene "Verbrecherbande" war, wie man heute so gern kolportiert

    Das war mir in der Tat nicht bewusst, der Unterschied der einzelnen "Abteilungen" (und der damit verbundenen unterschiedlichen Motivationen, dort einzutreten) war mir bisher nicht bekannt... Wie schon erwähnt: auch von den Reisemarken hatte ich noch nichts gehört...

    Denn wenn der Überlebt hat Frederike einen Feind fürs Leben.

    Daran habe ich auch schon gedacht...


    Aber noch etwas anderes ist mir eingefallen: Hermanns Vater hat ja schon klar geäußert, dass ihm Friederike vielleicht mal "einen Gefallen erweisen" müsste... Ich weiß nicht, ob man 1941 schon daran gedacht haben könnte, dass der Krieg vielleicht verloren gehen könnte - aber sicherlich wird er bei Friederike 1945 anklopfen, um von ihr eine Bestätigung für den sog. "Persilschein" zu bekommen....

    Nachdem ich es geschafft hatte, mir den Schluss des Buches etwas "aufzuheben", kam es, wie es kommen musste: einmal angefangen, konnte ich leider nicht mehr aufhören, es war schon fast ein Uhr morgens, als ich das Buch gestern (heute) endlich befriedigt zuklappen konnte!!! Es hat mir wieder großartig gefallen, auch das Nachwort war wieder einmal sehr informativ.

    Ich weiß nicht, ob ich an Friederikes Stelle das Gespräch mit Gustav so "kaltblütig" hätte durchziehen können, sie hatte ja alles im Kopf: den Zeitplan, wo sie sitzen muss, was sie fragen / sagen muss / darf usw. Und dabei noch eine Rolle spielen... Und das alles auf sich - mehr oder weniger - allein gestellt, denn Hilfe durfte sie nichz erwarten...

    Etwas zusammengezuckt bin ich - genau wie Friederike - dass Gustav erst unter Folter gestanden hat, aber wahrscheinlich wäre alles andere unrealistisch... Mein Mitleid (ich denke immer noch häufig an Friederikes Definition im letzten Buch von "Mitleid" und "Mitgefühl") hält sich in Grenzen, dazu hat Gustav aus puren Eigennutz Friederike zu übel denunzieren wollen, aber schon etwas dramatisch, dass er für einen Mord bestraft wird, den er gar nicht begangen hat? Na ja, aber seine SS-Kollegen hat er ja auch hinter's Licht geführt... Aber auch hier ist mein Mitleid schnell aufgebraucht...

    Zu Karla: ich habe bisher noch nicht noch einmal nachgelesen, warum es bei ihr zu der Diagnose bekommen war, dass sie "schwachsinnig" sei - aber kann es nicht einfach so sein, dass sie durch den sexuellen Missbrauch durch ihren Vater (er hatte sie doch schon mit 14 an Männer "vermittelt"? Wer weiß, was davor schon gelaufen ist?) das promiskuitive Verhalten entwickelt hat. Denn so ein Verhalten ist ja auch häufig ein Symptom für sexuelle Gewalterfahrungen in der Kindheit. Und im Gespräch mit Friedeike sagt Karla ja selbst, dass sie immer gedacht habe, sie müsse "lieb" zu den Männern sein... Deshalb denke ich, es ist bestimmt richtig, wenn sie auf Gut Mohlenberg bleibt, Friederike und Fräulein Wermut werden es schon richten...

    Bis 1957 sind es noch 16 Jahre - ob wir Fräulein Wermut noch begegnen werden? Ich mag sie so gern....

    Ich bin wieder ganz begeistert von diesem Buch und freue mich schon auf den nächsten Band!

    Übrigens ist das Cover meines Romans "Die verstummte Liebe" ein Familienfoto aus Hamburg 1941 - zu Weihnachten, als draußen schon Verdunkelung angesagt war.

    Unter diesem Aspekt habe ich mir das Cover gleich noch einmal angesehen... Das Buch steht aber noch ungelesen in meinem Regal - sozusagen als "Bonbon" für schlechte Zeiten .... Aber ich meine, bei den drei Bänden ("Im Lautlosen", "Die Stimmlosen" und eben die "Verstummte Liebe") sind Familienfotos auf dem Cover, oder?

    Ich denke, man muss immer unterscheiden, ob man Beweggründe versteht oder ob man sie gutheißt. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

    Erklärungen zu suchen ist übrigens nicht dazu da, um Täter zu entschuldigen, sondern um zu analysieren, warum Menschen zu Tätern werden und durch gezieltes frühes Eingreifen zu verhindern, dass aus verstörten Kindern überhaupt Täter werden können. Es geht dann nicht mehr um den Täter, sondern um andere Menschen am Scheideweg, denen man helfen muss.

    Dein erster und Dein letzter Satz Deiner wirklich sehr guten und sehr ausführlichen Erklärung stehen nur beispielhaft für einen Gedankenansatz da, über den ich noch ausführlich nachdenken muss. Besonders Dein "Erklärungen zu suchen ist übrigens nicht dazu da, um Täter zu entschuldigen......" hat einen Nerv bei mir getroffen. Ich bin Sozialpädagogin und versuche deshalb manchmal im Privatleben zu erklären, warum manche Menschen eben so (Täter*in) geworden sind und werde häufig mit dem Argument konfrontiert, ich wolle immer alles nur entschuldigen...

    Bildet ihr euch wirklich ein der Gedanke über die Vernichtung lebensunwerten Lebens sei aus unserer Gesellschaft verschwunden?

    Ich stimme vollkommen mit Dir überein, dass es noch viel zu viele Vorurteile gegenüber Menschen mit Einschränkungen (ach, und mir fällt gerade das "offizielle" Wort nicht ein...) gibt, dass ihnen wissentlich und manchmal vielleicht auch aus Unwissenheit Steine in den Weg gelegt werden, dass notwendige Betreuung nicht bezahlt wird usw., usw. - aber das HOFFE ich von ganzen Herzen: dass der Gedanke an Vernichtung lebensunwerten Lebens aus den allermeisten Köpfen verschwunden ist!!!! Wahrscheinlich nicht aus allen Köpfen, aber ich glaube, wir sind auf einem guten Weg... Manchmal braucht es eben einen langen Atem, um die Gesellschaft zu verändern....

    Wie gefällt dir denn Karla? Hätte sie, wenn Markmann normaler Beamter geblieben wäre, zu ihm gepasst?

    Soviel weiß ich ja noch nicht über Karla - und ich bin mittlerweile genug "Melanie-Metzenthin-erfahren" , dass ich ganz stark eine andere Diagnose erwarte, als sie bisher gestellt wurde! Bei ihr habe ich auch große Hoffnungen, dass sie durch eine entsprechende Therapie ihr Leben "in den Griff" bekommen kann. Anders als Ingrid sehe ich Karla (noch) nicht in der Rolle der liebevollen Mutter für drei kleine Kinder unter 6 Jahren.... Mir gefällt eher der Gedanke, dass sie entweder auf Gut Mohlenberg bleibt oder tatsächlich bei Fräulein Wermut "in Stellung geht", um über ihre traumatischen Erlebnisse hinwegzukommen und ihren eigenen Lebensweg zu finden... Das hat aber nichts mit der Frage zu tun, ob Joachim Markmann SS-Angehöriger ist oder "normaler " Kriminalbeamter...

    Die Heterogenität der SS, die alles andere als eine nette, sich immer einige Kameradschaft war, wie es immer so gern kolportiert wird, ist das, worauf Friederike setzt.

    Sicher gab es da auch Neid und Missgunst untereinander, aber reicht das aus? Denn es ist doch so, dass Gustav Hannes Piel nicht umgebracht hat, zwar haben Friederike und Wolfgang die Brieftasche von ihm in seinem Haus versteckt, aber wird man ihn deshalb des Mordes überführen? Er hat seine Frau betrogen, sicherlich im nationalsozialistischen Gedankengut sehr befremdlich, aber er hat es ja für einen "guten Zweck" getan - um Gut Mohlenberg "von dem Auswurf zu befreien" (S. 256). Reicht Friederikes Satz: "Wir können davon ausgehen, dass seine Absichten nicht mit den Werten des SS übereinstimmen." (S271)?, um ihm Bereicherung nachzusagen?

    Kannst du ihn auch ein bisschen verstehen, warum er so geworden ist, oder ist da nur Abscheu?

    Puh, eine sehr schwierige Frage... Ein kleinen Ansatz der Beantwortung gibt Friederike selbst auf S. 256 /257 (ist zu lang, um es zu zitieren!), er hat sich ja im Studium auch um Geisteskranke bemüht und über Behandlungsmöglichkeiten promoviert, aber immer stärker festgestellt, "dass sie eine Last für die Umwelt wären und er schloss sich den Befürwortern des Gnadentods für unheilbare Irren an." (S. 255).

    Vielleicht sollte ich die Frage so beantworten: ohne das nationalsozialistische Gedankengut über "unwertes" Leben, hätte vielleicht aus ihm etwas werden können, das entsprach aber eben genau seinen eigenen Grundgedanken. Da kann man jetzt überlegen: was war zuerst da: Huhn oder Ei?

    Ich weiß nicht, wie damals die Ausbildung zum Psychiater war (alles was ich weiß, habe ich bei Richard Hellmers Ausbildung erfahren... grins), aber so ein schwer traumatisches Erlebnis in der Kindheit würde doch heute bearbeitet werden (müssen)?

    Ich stehe voll auf Friederikes Seite, deshalb lehne ich (mit meinem bisherigen Wissen) Gustav und seine Handlungsweisen ab! Gut, ich weiß, warum er so geworden sein könnte, aber für ein wirkliches Verständnis ist das zu wenig...

    Oh, das ist ja alles noch viel Schlimmer als ich geahnt oder befürchtet habe... Ich hatte ja von vornherein ein gewisses Misstrauen gegenüber Gustav geäußert, aber sooo berechnend - nee, das hätte ich mir nicht vorstellen können... Arme Friederike - denn natürlich hätte ich ihr gern eine neue Liebe gewünscht!!!

    Zwischendurch hatte ich zwar immer mal kurz wieder Hoffnung, dass es vielleicht ein ganz großes Missverständnis wäre, aber diese Hoffnung wurde mit jeder neuen Erkenntnis erbarmungslos zerschlagen...

    Wie gut, dass Fräulein Wermut Friederike zur Seite steht, eine wirklich schön "tragende" Rolle für sie (ich fand es nett zu lesen, dass sie sich auch in Dein Herz geschlichen hat, Melanie_M ), die sie sicherlich gut ausfüllt!

    Dann ist Sturmbannführer Dr. Gustav Brehm also der Arzt aus dem Prolog? Und wollte sich in Friederikes Herz einschleichen, um Gut Mohlenberg von den "Verrückten zu säubern" (und so ganz nebenbei ein gut florierendes Gestüt zu übernahmen?) - ja, genau so stelle ich mir die "bösen" SS-Männer vor... Pfui Teufel, was für ein A...

    Ich kann Friederikes Rachegedanken gut nachvollziehen, sie hat gefühlsmäßig mein volles Verständnis - und sie scheint ihn ja auch sehr überlegt umzusetzen, aber , aber... reicht das, um ihn "fertigzumachen"? Denn immerhin herrscht der Nationalsozialismus, "wird eine Krähe der anderen ein Auge ausstechen"? Reicht der Einfluss von Ingrids Schwiegervater aus, um Zweifel zu säen? (By the way: richtig niedlich fand ich, dass Ingrid Joachim Markmann mit Karla verkuppeln wollte...). Ich muss ehrlich sagen, wenn ich nicht wüsste, dass es einen 4.Gut-Mohlenberg -Band gäbe (und damit Friederike anscheinend den Nationalsozialismus "gut" überstanden hat) würde ich mir ernsthaft Sorgen machen, so auf dem Rachefeldzug gefällt sie mir gar nicht (obwohl - wie gesagt - ich ihre Gefühle absolut nachvollziehen kann...) - vielleicht ist es gut, dass sie Fräulein Wermut, Wolfgang, Adnan und auch ihren Vater beratend zur Seite hat, so können sie sie vielleicht vor vollkommen unüberlegten Schritten abhalten...

    Da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als weiterzulesen - wohl bewusst, dass es leider schon der letzten Leseabschnitt ist...

    Aber wieder eine gute Geschichte. Und wieder ein Mord. Naja, musste ja wohl einer von der SS sein, damit es so richtig spannend wird um das Gute Mohlenberg.

    Ja, die Geschichte gefällt mir auch sehr gut, sehr spannend - und sie bleibt es auch... Damit komme ich nämlich zu einem kleinen Problem: ich bin schon ziemlich weit im 3. Leseabschnitt, deshalb habe ich jetzt etwas Schwierigkeiten, mit Dir "unbefangen" zu diskutieren, aus Angst aus Versehen doch etwas zu verraten...

    aber auch, wenn man irgendwo eingeladen war, wo es Kuchen etc. gab, dann haben die Besucher oft entsprechende Fett- oder Zuckermarken da gelassen

    Also auch, wenn man bei Freunden zum Kaffeetrinkern eingeladen war?

    Näheres dazu verrät auch Wikipedia ganz gut in der Zusammenfassung https://de.wikipedia.org/wiki/Dienstgradangleichung

    Ausgesprochen interessant, schon wieder eine Sache, die ich nicht wusste... Mich hatte beim Lesen schon das Wort "Dienstgradangleichung" fasziniert - aber nicht nur das Wort, jetzt wird auch der Gedanke, der dahintersteckt, deutlich und zeigt. dass die Deutschen wirklich wahre Meister in der Bürokratie waren - und sind? (was für ein komplizierter Satz, da habe ich jetzt mal den Überblick über meine Kommas verloren....) alles muss genau geregelt werden!

    Mit einem gewissen Grinsen muss ich feststellen, dass die Züge anscheinend früher - trotz Krieg - pünktlicher als heutzutage sind :augenreib... Mehrmals wird es erwähnt...

    Und ich habe mich sooo gefreut, wieder etwas von Fräulein Wermut zu hören, war sie doch eine meiner Lieblingsfiguren! Und ja, ich denke, sie ist auch zum richtigen Zeitpunkt auf Mohlenberg eingetroffen, denn so einiges läuft da durcheinander... nein, falsch, aber es gibt so einiges an "Gemenschel" und Friederike allein könnte damit überfordert sein- es wäre schön, wenn sie mal ganz egoistisch sein könnte und nur an sich denken - aber das wird leider wohl nicht möglich sein Wir wissen nicht, wie sich Karla weiterhin entwickelt, in welche Richtung ihr "distanzloses Wesen" geht, sie hat die SS mehr oder weniger auf dem Hof (als ob Ingrid Ströbel als SS-Gattin nicht schon gereicht hätte), Adnan fühlt sich unglücklich und ist deshalb mies gelaunt , Gustav Brehm gibt Rätsel auf - also genug, um sich Gedanken zu machen...

    Bei Gustav Brehm ist mir erstaunliches passiert: nachdem ich gelesen habe, dass es für Gustav wichtig sei, dass ihn die SS nicht zu Gesicht bekommt, stieg er plötzlich in meiner Betrachtungsweise, so etwa unter dem Motto: "Der Feind meines Feines ist mein Freund"... Na, dann bin ich mal ganz neugierig auf seine Geschichte (obwohl er gerade deshalb auch ein Spion sein könnte - so ganz lasse ich ihn noch nicht vom Haken...)

    >Auch bin ich gespannt, wie sich Karla weiterhin entwickelt, da vertraue ich voll und ganz auf Friederikes therapeutische Fähigkeiten (und die ihres Vaters), dass da noch etwas ganz anderes zum Vorschein kommt... Und ansonsten sind wir ja mal wieder in einen richtigen Mordfall gelandet - dazu habe ich noch keinerlei Theorie...

    Und SS Hauptsturmführer Markmann? Hm, hm, er scheint jedenfalls keiner von den ganz "scharfen" zu sein, aber da werde ich wohl noch etwas abwarten...

    Von den "Reisemarken" hatte ich auch noch nie gehört, es ist doch immer wieder interessant, was man noch so alles neues hört. Übrigens fand ich Friederikes Bedingung, dass Fräulein Wermut sich im Vorweg um eine entsprechenden Unterkunft für Karla kümmern müsse, falls es auf Gut Mohlenberg nicht klappen sollte, vollkommen gerechtfertigt... Ich finde, diese Bedingungen sollten heute auch von Einrichtungen an entsprechende Ämter und Behörden gestellt werden, denn es kommt absolut nicht selten vor, dass Menschen einfach in irgendwelchen Einrichtungen "hängen" bleiben, bei denen die Einrichtungen vollkommen überfordert sind - weder gut für die betreuten Menschen noch für die Einrichtungen (zwar politisch nicht so weitreichende Folgen wie im Nationalsozialismus, aber trotzdem bitter!).

    So, jetzt gehe ich, Gustav Brehms Vorleben (hoffentlich) kennenzulernen...

    Manchmal habe ich zwar den Eindruck, dass er nicht alles von sich erzählt. Aber doch genug, dass ich hoffe, er ist einer von den Guten. Man wird ja da skeptisch, wenn man viele Bücher aus der Zeit liest. Aber im Augenblick vertraue ich auf Friederickes Menschenkenntnis.

    Ich glaube, ich bin ihm gegenüber deutlich misstrauischer... Eigentlich vertraue ich auch auf Friederikes Menschenkenntnis, aber mit "Schmetterlingen im Bauch" ist das so eine Sache...

    der hatte dann keinen Grund, bei Friederike um Hilfe zu ersuchen.

    Ja, das ist natürlich ein Argument...

    Tatsächlich war es aber so, dass die NSDAP kurz nach ihrer "Machtergreifung" einen Aufnahmestopp hatte. Sie wollten verhindern, dass zu viele Leute als Nutznießer eintreten.

    Oh, davon wusste ich bisher noch nichts... Man lernt doch immer noch etwas Neues...

    Vorher ging das mit dem Eintritt nur, wenn man Beziehungen hatte.

    Man musste Menschen finden, die bestätigten, dass man die "richtige" nationalsozialistische Ideologie vertrat? Oder Geldspenden an die Partei?

    PS.: Die Frage hat sich durch Deinen Wikipedia-Artikel weiter unten erledigt...