Beiträge von Sonnenschein12

    Mein Buch ist ja mit Verspätung angekommen und ich hatte in den letzten Tagen nicht so viel Zeit zum Lesen - aber zu meiner verspäteten Rückmeldung hat sicherlich auch beigeragen, dass ich soooo vieles bei Wikipedia nachgelesen habe....

    Ein ganz erstaunliches Buch, eigentlich habe ich es nicht so mit Reisebeschreibungen aus vergangenen Jahrhunderten (obwohl ich natürlich die "Vermessung der Welt" kenne), hier hatte mich eher Prinzessin Therese interessiert.... Aber was soll ich sagen: ich bin in null-komma-nix in Brasilien angekommen, habe am Leben in Belem teilgenommen, habe mit dem Pater und Therese an Deck gesessen und dem "Nachtkonzert" gelauscht! - ich bin wirklich begeistert von der Eindrücklichkeit der Beschreibungen, ich sehe alles direkt vor mir...

    Es sieht ja fast so aus, als habe sich leider in Brasilien nicht viel verändert in den letzten 150 Jahren, das ganze Dörfer mit europäischen (Kinder-)Krankheiten infiziert werden, damit die Menschen sterben, wusste ich nicht und hat mich doch ganz schön geschockt. Aber heute werden ja gerade am Amazonas riesige Flächen abgefackelt, damit Gen-Mais (oder war es etwas anderes?) angebaut werden können...

    Ich hatte mal eine brasilianische Kollegin, zu der ich auch heute noch relativ guten Kontakt habe, ich glaube, ich werde mit ihr mal telefonieren... Mich würde auch interessieren, was sie zu der gerade laufenden Wahl in Brasilien sagt...

    Die Haltung der Europäer (hier denke ich besonders an den Konsul) ist ja wirklich erstaunlich und auch ziemlich erschreckend. Ich liebe ja auch Königsberger Klopse, aber nicht gerade ein Essen, was mir zu tropischen Verhältnissen einfallen würde. Und dann seine Haltung zur indigenen Bevölkerung - aber so war es damals halt: die "Weißen" waren eben die "besseren" Menschen... Schon allein die Frage, ob sie ihr nicht einen Angestellten "ausleihen" sollten....!!! Auch die Oberin in der Missionsstation war ja auch in ihren Vorurteilen behaftet...

    Da haben mir Schwester Elisabeth und der Pater (sehr schöne Gedanken!) viel besser gefallen...

    Doch, mir gefällt das Buch (bisher) wirklich ausgezeichnet!

    Da wir uns hier in einer LR befinden und ich der Meinung bin, dass man hier offen und ehrlich sein sollte, werde ich genau dies nun sein und hoffe, dass HannaCaspian mir meine Meinung zum letzten Abschnitt nicht übel nimmt.

    Bitte verzeiht mir, dass ich hier so "hart" vorgehe, aber ich kann mich nur wiederholen: Eine LR soll die ehrliche Meinung des Lesers widerspiegeln.

    Ich bin zwar nicht die Autorin, aber eine Mitleserin: obwohl ich nicht Deiner Meinung bin (dazu später noch etwas), finde ich genau wie Du, dass es bei Leserunden gerade das Interessante ist, dass jede/r seine Meinung offen und ehrlich sagt - deshalb mag ich solche Beiträge wie Deinen lieber, als z.B. "Ich bin gut in die Geschichte reingekommen, die Hauptperson ist sehr sympathisch, ich bin gespannt, wie es weitergeht, bla, bla, bla" oder einfach eine Nacherzählung des Gelesenen... Ich finde; bei Leserunden wird deutlich (oder sollte) deutlich werden, wie das Buch empfunden wird - und das bringt mir mehr, als wenn ich es im stillen Kämmerlein lese. An Beiträgen wie Deinen kann ich überprüfen: warum sehe ich es anders? >Habe ich vielleicht etwas übersehen? Also kurz: es gibt mir Stoff zum Nachdenken... Ich finde es super, dass Du Deine Meinung geschrieben hast!!!

    Mir hat gerade die Verknüpfung des Geschehens im Schloss (konsequent aus der Sicht der Bediensteten - wir wissen ja nicht, was der Fürst gedacht hat) und den politischen Ereignissen besonders gut gefallen. Ohne diesen geschichtlichen Aspekt (ich habe zwischenzeitlich etwas nachgelesen: es war ein ziemlich komplexer Skandal, der viele unterschiedliche Ebenen betroffen hat) wäre mir vielleicht das Buch etwas "zu wenig" gewesen...

    Und mich haben Adelheid, Hedda und Viktor mit ihren vollkommen unterschiedlichen Hintergründen schon sehr berührt, ich empfand sie interessant in ihrer jeweiligen unterschiedlichen "Problemlösungsstrategie" (bloß dass Adelheid jetzt auf Rache sinnt, war mir etwas "too much" - aber das habe ich auch geschrieben) und begrüße es, dass jetzt etwas das zarte Pflänzchen der Solidarität aufkeimt.

    Ich hoffe, Du verstehst meinen Beitrag nicht als Kritik, sondern eben als Antwort mit meiner Sichtweise...

    Ich brauche das Buch (wahrscheinlich) auch nicht, denn ich habe es wie Swansea bei Vorablesen für Punkte eingetauscht (zum ersten Mal, deshalb bin ich nicht so sicher, ob alles klappt). Aber ich würde gern trotzdem hier die Leserunde mitmachen, zumal ich ja auch am 11.11. zu einer Lesung gehe. Ich hoffe, ich kann die Termine bei Vorablesen so ziiiieeehen, dass es alles kompatibel ist... Und am 16.11. fahre ich in den Urlaub...

    Aber ich glaube, diesmal dann erst, wenn die nächsten beiden Teile erschienen sind.

    Ich mag das lange warten zwischen Trilogien, in denen die Bücher insich nicht jeweils abgeschlossen sind, nicht.

    Da können wir mal sehen, wie unterschiedlich das Leseverhalten ist: ich würde niemals sofort die Bücher hintereinanderweg lesen... Ich brauche immer eine Pause dazwischen, auch weil ich Sorge habe, ich könne mich von einem Autor /Autorin "überlesen"

    Opitz wird in seiner ganzen Lumperei klar, der Fürst weiß davon und tut nichts. Weshalb? Ich vermute, daßOpitz von den Leidenschaften des Fürsten weiß und ihn damit erpreßt.

    Vielleicht muss er ihn gar nicht mal direkt "erpressen", ich glaube schon, dass es reicht, dass der Fürst weiß, dass Opitz es auch weiß...

    Mag sein, daß es ein paar wenige Lichtblicke gab, die waren aber so klein, daß die das Negative für mich nicht Relativieren bzw Abmildern konnten.

    Ach, ich fand die "Lichtblicke" gar nicht so klein (aber zugegeben, dass ist persönliche Ansichtssache),

    • z.B. Hedda fand ich von Anfang an sehr positiv (mit ihren Diebstählen habe ich zwar etwas "gefremdelt", aber letztendlich kann ich es akzeptieren und verstehen - und der Hinweis mit dem "fringsen" hat dazu beigetragen...
    • Adelheid gewinnt an Selbstbewusstsein und nimmt nicht mehr alles als "gottgegeben" hin, sondern denkt auch daran, dass sie auch ein Stück vom Glück haben möchte...
    • Constanze setzt sich auch für ihre Rechte ein und gewinnt den Kampf - und wird mit einer interessanten Stelle "belohnt"...
    • So langsam kommt es auch unter den Hausangestellten zu einer gewissen Solidarität...

    Mehr fallen mir im Augenblick spontan nicht ein, aber mich hat das Buch nicht so "runtergezogen", sondern ich den Blickpunkt auf die Angestellten äußerst interessant...

    Es geschehen noch Zeichen und Wunder: auch ich habe das Buch jetzt beendet...

    Mir hat das Buch gut gefallen, dabei besonders, dass es so konsequent nur aus der Sicht der Angestellten geschrieben ist... Das informative Nachwort rundete die Geschichte noch einmal gut ab! Im Nachwort ist mir besonders ein Satz aufgefallen: "Gelebte Sexualität zwischen Frauen interessierte niemanden, denn den Frauen wurde ja keine eigene Sexualität zugesprochen." (S.424) Ja, das stimmt, ich habe mich schon häufiger gefragt, warum immer so "ein Mordstheater" um den § 175 (bei Männern) gemacht wurde - aber stimmt natürlich: Frauen waren nicht so wichtig und ihre Sexualität auch nicht... Danke für die logische Erklärung!

    Ich habe es hier schon häufiger geschrieben: ich ahnte / wusste schon immer, dass das Dasein als Angestellte bei einem Fürst , Graf etc. auf dem Land kein "Zuckerschlecken" war (woher ich diese Sicherheit hatte, weiß ich selbst auch nicht, ich besichtige gern Schösser, vielleicht wurde es dort bei einer Besichtigung mal erwähnt?), deshalb fand ich es immer nur sehr realistisch dargestellt... Wie gesagt, die Zeit der Leibeigenschaft war noch nicht sooo lange vorbei.

    Heftig - und richtig mitgenommen - hat mich die Szene um die Geburt der jüngsten Schwester / Tod der Mutter - na klar, ich hätte es Dank der "Geisterbeschwörung" ja auch schon vorhersagen können, aber puuuh... Wobei ich hier Adelheids Schritte nicht so richtig nachvollziehen konnte: sie sagt zu ihrem Vater sehr richtig, dass sie gerade jetzt die Fürstin nicht nach einem Arzt fragen kann (da würde mich überhaupt interessieren, ob der Fürst tatsächlich für einen Arzt hätte sorgen müssen?), dann marschiert sie direkt zur Fürstin (unsichtbar sollte sie eigentlich bleiben...) und legt eine fast melodramatisch anmutenden Szene hin. Gut, Adelheid war verzweifelt, am Ende, vor Trauer fast nicht mehr bei Sinnen, aber das? Und ja, es ist mir auch klar, dass sie diese Szene als "Nährboden" für ihre Rachegefühle benötigt - aber auch da ist mir dieses "Rachegelüst" für Adelheid fast schon übertrieben - sie ist dank Hedda "aufgewacht", sieht den Reichtum nicht mehr als "gottgegeben" an, will ihr Stück vom Glück... alles richtig, aber gleich "Rache"? So richtig sauer sollte sie auch auf ihren Vater sein, der ja nun die Familie total allein lässt...

    Noch eine Frage treibt mich um: wir haben immer noch nicht erfahren, warum der Fürst eigentlich wollte, dass Adelheid eingestellt wird? Oder habe ich da etwas überlesen?

    Über die Harden-Eulenburg-Affäre muss ich mich unbedingt noch etwas ausführlicher informieren...

    Das Buch hört zwar leider genau da auf, wo es spannend wird: zum ersten Mal zeigt sich ein zartes Pflänzchen der Solidarität zwischen den Angestellten (zumindest Hedda, Viktor und auch Adelheid zum Teil), aber so ein "Cliffhanger" war ja bei einer Trilogie fast zu erwarten... Auch mit Opitz habe ich noch eine Rechnung offen... Aber vermutlich hat er den Fürsten wegen seiner Homosexualität "fest im Griff"... Nein, ich wusste, dass es eine Trilogie ist und ahnte, dass es dann aufhört, wenn es spannend wird...


    Ich muss leider los, später mehr...

    Zumindest Opitz könnte aber ein Auge darauf haben. Irgendwie habe ich mich in den Strukturen der Bediensteten nicht zurecht gefunden.

    Ja, ich glaube, von der "gedachten" Struktur sollte es wohl Opitz sein - vielleicht in Absprache mit der Mamsell? Aber Opitz "kocht" ja sein eigenes Süppchen (ich glaube, "Unzucht mit Abhängigen" nannte man es - wenn es denn jemals zur Anzeige kommen würde....) und ist sowieso etwas "out of order" (Alkohol). .. Ich frage mich, ob und wann es mal der Fürstenfamilie auffallen könnte... Also, m.E. braucht sich keiner Hilfe von Opitz zu erhoffen, dann schon eher von Viktor, der aber nun leider (noch) nicht in der Position ist...