Beiträge von Sonnenschein12

    Dies in einer Rezension als negativen Punkt zu werten, finde ich schon sehr seltsam.

    Den früheren Umgang mit Homosexualität, mit Frauen oder anderen Ländern und Kulturen zu verschweigen oder im Nachhinein schön zu reden, ist in meinen Augen auch irgendwie respektlos. Als würde man vor der Geschichte die Augen verschließen.

    Ja, ich finde es auch immer richtig und wichtig, es genauso zu beschreiben, wie es zu der damaligen Zeit empfunden wurde...

    Deshalb vermute ich, die Mamsell hat durchaus, wenn nicht die Befugnis, aber doch Mitspracherecht, wer wo eingesetzt wird. Und sie könnte da schon zumindest Empfehlungen aussprechen, wenn doch jemand offensichtlich untauglich für seine Arbeit ist.

    Hm, ich glaube nicht... Denkt doch mal an den Anfang des Buches: die Mamsell war doch vollkommen entsetzt, dass Adelheid überhaupt eingestellt wird....

    wenn ich so arm bin und um mich herum so viel Luxus und Geld und Dünkel herrschten. Ich weiß nicht, ob ich da standhaft bleiben könnte. Bin da ganz ehrlich

    Ich glaube, das ist ein wichtiger Aspekt - bei genauem Nachdenken: stimmt, ich glaube, ich auch nicht... und sie macht es ja nicht für irgendwelchen Schnick-schnack, sondern für ihre Überfahrt nach Amerika! Na, dann will ich mal ganz fest die Daumen drücken, dass es nicht auffliegt....

    Aber auch von Hugo habe ich einen ersten guten Eindruck erhalten. Ich war mir nicht so sicher, ob er wirklich ein guter Kerl ist, aber zumindest bisher scheint es so zu sein.

    Da stimme ich vollkommen mit Dir überein...

    Wie abwertend und hässlich derweil von allen über Homosexualität geredet wird, trifft mich aber immer mitten ins Herz.

    Da habe ich auch gedacht: wie gut, dass wir heute anders darüber denken... so richtig ist die ganze Aufregung aus unserer heutigen Sicht nicht nachzuvollziehen, aber klar, ich weiß, dass es damals der allergrößte Skandal war, als "175-er" gebrandmarkt zu werden...

    Aber fürchterlich - das verwöhnte Gör verlangt da doch tatsächlich, daß Constanze ihren Ruf, ihre Zukunft und ihr Geld für sie aufgibt?

    Wie borniert war sie eigentlich. Das ist ja selbst für eine Komteß schon unmöglich.

    Das fand ich auch unerhört und nicht zu glauben... aber so war es eben mit den "Herrschaften"...

    Auch Hedda gefällt mir immer besser - schon ihrer Einstellung wegen - von wegen vorgeschriebene Ordnung.

    Macht und Glld - das hat sie richtig erkannt und unterrichtet auch Adelheid darüber.

    Da war ich auch begeistert...

    Und Opitz wird immer mehr zum Scheusal - was maßt der sich an, den Brief von Vikotor lesen zu wollen. Selbst wenn es ein Angebot gerwesen wäre, was geht den ollen Opitz das an.

    Stimmt, das hatte ich ganz vergessen... Ich stimme mit Dir überein, dass Opitz mal in seine Schranken gewiesen werden sollte - aber von wem?

    Ich habe nicht soooo lange an diesem Abschnitt gelesen, aber wir hatten Besuch und ich bin kaum in die Nähe meines Laptops gekommen... und um ein Leseabschnitt zu kommentieren brauche ich schon etwas Zeit und Ruhe... Ich war auch schon sehr versucht, dann doch weiterzulesen, aber habe es mir verboten, weil man dann doch manchmal durcheinander kommt....

    Das mit Constanze war ja fast ein kleiner Krimi, vor dem letzten Pfandleihgeschäft hatte ich schon fast die Hoffnung aufgegeben, aber siehe da: Wunder geschehen immer wieder... Das hat mich richtig gefreut, dass Augusta dann doch letztendlich überführt wurde, den Ring versetzt zu haben. Das Mädel hat sich wirklich keinen schlechteren Moment für ihre Eskapaden aussuchen können, von mir bekommt sie keinerlei Verständnis für ihre Aktion - verzogenes Gör! Und dann noch Constanze die ganze Schuld in die Schuhe schieben wollen (na ja, nicht wollen, sie haben es ja definitiv getan), sie habe nicht genügend darauf geachtet... ts,ts,ts - und die Eltern waschen ihre Hände in Unschuld...

    Über das Angebot des Privatdetektivs bin ich äußerst misstrauisch, es hört sich fast zu gut an, um wahr zu sein... Da hätte ja Constanze tatsächlich das große Los gezogen, aber, aber... Erstaunt war ich darüber, dass eine der Einschränkungen war, die ältere Dame sei "Jüdin" und deshalb wollen nicht alle bei ihr arbeiten... Ich glaube ja, dass die Recherche stimmt, aber ist 1907 das Judentum schon so mit einem Makel verbunden? So von meinem Gefühl her, dachte ich es hätte später angefangen... Aber es ist schon richtig, schon viel früher wurden die Juden in anderen Ländern ausgegrenzt, verfolgt und ermordet...

    Bei der "Geisterbeschwörung" ist es mir eiskalt den Rücken runtergelaufen, obwohl ich an "so'n Zeug" nicht glaube (und ich auch keine Vorstellung habe, wer aus dem Schloss von der erneuten Schwangerschaft von Adelheids Mutter wissen könnte), habe ich ein ganz schlechtes Gefühl für die Geburt...

    Hedda gefällt mir immer besser und ich bin fast bereit, ihr ihre Diebstähle zu verzeihen... Ich finde, bei ihrer Lebensgeschichte hat sie das Recht, mal ein ganz großes Stück Kuchen abzubekommen... Am liebsten würde ich ihr die Überfahrt finanzieren... Aber ich als Mensch der heutigen Zeit weiß ich auch, dass in Amerika nicht alles Gold ist, was glänzt... Die Einwanderer haben es auch ganz schön schwer und mühselig gehabt und nicht jede/r hat sein Glück gefunden... Ich finde es gut, dass sie jetzt Adelheid etwas "unter ihre Fittiche" nimmt und ihr die Realitäten des Lebens beibringt... Und natürlich finde ich ihre politische Meinung vollkommen richtig, aber weiß leider auch, dass sie noch sehr lange warten muss, bis sich in Deutschland etwas verändern wird...

    Ich weiß nicht, ob ich nachher noch dazu komme, mir die Kommentare meiner Vorrednerinnen durchzulesen, ansonsten morgen... Aber nun habe ich erstmal geschrieben und kann weiterlesen...

    Oh, oh, Asche auf mein Haupt - ich hatte die Rezension vollkommen vergessen, es tut mir wirklich ganz doll leid... Aber dafür werde ich sie im Laufe des heutigen Nachmittags auf diversen Foren einstellen (u.a. auf Amazon!)


    Warum wurde Susanna von Hohenmarschen-Klamroth ermordet?


    Nach „Haie unter dem Eis“ war „Todeslied“ mein zweiter Krimi von H. Dieter Neumann um die TV-Journalistin Kira Lund. Beide Bände sind unabhängig voneinander zu lesen, wobei ich bei Serien immer empfehle, nach Möglichkeit die Reihenfolge einzuhalten – mir bringt es Spaß, die Entwicklungen der Protagonisten zu verfolgen.

    Die im Titel der Rezension erwähnte Susanna von Hohenmarschen-Klamroth (ich finde den Namen so imposant, ich muss ihn einfach noch einmal erwähnen!) ist der „strahlende Stern des Chores (…), eine Siebenunddreißigjährige mit langjähriger klassischer Gesangsausbildung“ (S. 15), die vor der Generalprobe eines wichtigen Konzertes in Sonderburg/Dänemark spurlos verschwindet. Zwei Wochen später wird ihre Leiche gefunden.

    Auf Wunsch ihres Chefs bricht Kira Lund ihren Segelurlaub ab (wie praktisch, da sie sowieso gerade in Dänemark ist...), um gemeinsam mit ihrem Kollegen Tim Scholler (Scholli genannt) über die Ermittlungen im TV-Magazin „Unser Land am Abend“ zu berichten. Dabei kommt ihr sicherlich zugute, dass sie die ermittelnde Polizistin Helene Christ kennt und sich zwischen beiden langsam eine Freundschaft entwickelt.

    Verdächtige gibt es in Hülle und Fülle: der Kammerchor entpuppt sich als wahres Wespennest der Eifersüchteleien, Neid, wilden Spekulationen, Intrigen, Denunziationen...Auch erfahren wir – vor Kira und der Polizei – einiges über den Ehemann, dass ihn in gar keinem guten Licht erscheinen lässt...

    Ja, als Leser*innen sind wir echt gefordert, den Spreu vom Weizen zu trennen – aber mehr wird hier nicht verraten! Nur als Abschluss: ich konnte das Buch befriedigt zuklappen, alle losen Enden wurden zu einem festen Tau zusammen gespleißt (um mich auch mal in der Segler-Sprache auszudrücken – hoffentlich richtig!)), alle Puzzleteile waren logisch und ordentlich an ihren Platz gerutscht!

    Zwischen der Spannung gönnt uns der Autor aber auch immer wieder schöne Entspannungsmomente (Entschleunigen und Luft holen ist angesagt), z.B. „Kein Land in Sicht. Kein Laut zu hören außer dem stetigen Zischen des Wassers am Rumpf und dem Gurgeln der Hecksee. (....) Auch hinter dem Boot sah sie nur blaugrünes Wasser, gesprenkelt mit einigen weißen Segeln.“ (S. 26). Kira liebt „Nordfriesland, dass im äußersten Nordwesten Schleswig-Holsteins lag und direkt an die Nordsee mit ihrem einzigartigen Wattenmeer grenzte.“ (S. 123)

    Und noch eine Besonderheit aus Schleswig-Holstein erfahren wir quasi „nebenbei“: wir bekommen einen Einblick über die historische Entstehungsgeschichte der dänischen Minderheit („dänische Südschleswiger“). Für den Südschleswigschen Wählerverband -SSW- gilt ja auch als einzige Partei in Deutschland nicht die Fünfprozentklausel, deshalb haben sie aktuell (2021) auch wieder einen Abgeordneten in Berlin.

    Also: außer einem guten, logischen und nachvollziehbaren Krimi wieder etwas dazugelernt... Schon „Haie unter dem Eis“ hat mir gut gefallen, aber „Todeslied“ fand ich sogar noch besser, eine klare Steigerung – deshalb für diejenigen Menschen, die gute Krimis mit norddeutschem Flair lieben: eine absolute Empfehlung!

    Anita Berber, ganz anders als ihr Ruf...


    Ich kenne bereits einige Bücher von Joan Weng, aber mit ihrem Roman „Die rote Tänzerin“ hat sie einen vollkommen neuen Weg eingeschlagen: es ist ein Roman - keine Roman-Biografie, denn die intensive Recherche ist zwar deutlich spürbar, aber Autorin vermischt die historischen Fakten mit Fiktion „Wie es hätte sein können“ und überlässt es uns Leser*innen, unsere eigenen Schlüsse zu ziehen. Das Buch ist zwar fokussiert auf die Tage, die Anita Berber mit Otto Dix verbracht hat, der ihr (und auch sich) mit dem Bild „Bildnis der Tänzerin Anita Berber“ ein Denkmal setzte, aber wir erfahren auch viel über das Leben, die Gedanken, die Gefühle, Sorgen usw. der „Femme Fatale“ der 1920-er Jahre.

    Ich lese gern historische (Kriminal-)Romane und hatte immer den Eindruck, dass in jedem Buch, dass in dieser Zeit spielt, Anita Berber mit mindestens einem Satz erwähnt wird, ich bin förmlich über sie „gestolpert“, meist als skandalumwitterte Nackttänzerin, exzessiv drogenabhängig, die keinerlei Hemmungen kannte.

    Joan Weng nimmt einen anderen Weg: sie zeigt uns eine sehr verletzliche und einsame Frau. Sie schreibt im ausgezeichneten und informativen Nachwort: “Und je mehr Monographien ich über die Berber las, desto mehr faszinierte sie mich - ihr wilder Lebenshunger, ihre Verletzlichkeit und auch ihr früher Tod waren für mich immer sinnbildlich für die junge Weimarer Republik.“ (S. 247). Sie beschreibt Anita Berber als sehr intelligente Frau, die zumindest zeitweise – wenn sie keine Drogen konsumiert hatte – einen klaren Blick auf sich und ihre Handlungsweisen hatte.

    Eigentlich träumte „die Berber“ von einem bürgerlichen Leben, mit Mann, Kindern und einem Garten voller Tulpen – obwohl sie realistisch reflektiert, dass ihr das wohl nie gelungen wäre. Sondern „Tanzen wollte sie, tanzen und fliegen und fallen und taumeln, um die Qual ihrer Seele zu heilen oder wenigstens zu lindern.“ (S. 196). Oder auch „Sie war die Inflationsprinzessin, und die Inflation war vorbei, jetzt war sie wertlos wie ein Hunderttausendmarkschein.“ (S. 205)

    Joan Wengs Roman ist sehr eindrücklich und empathisch, der mich in seinen Bann gezogen hat und nachhaltig beeindruckt hat. Sie lässt vieles offen, so z.B. die Art der Beziehung zwischen Anita Berber und Susi Warnowski oder was „wirklich“ zwischen Anita und Otto Dix geschah...Darüber müssen wir Leser*innen uns selbst eine Meinung bilden... wie bei einem Blumenstrauß: wir bekommen Anhaltspunkte präsentiert - besonders im oben erwähnten Nachwort – aber die Wahl müssen wir selbst treffen!

    Auch von Otto Dix, seinen Hintergründen, seinen Dämonen, seiner Lebensgeschichte erfahren wir „nebenbei“ viel – und ich muss gestehen, am Ende des Buches war er mir sympathischer als zu Beginn, aber ich werde wohl nie ein Fan seiner Bilder... Aber durch ihn lernen wir die Düsseldorfer Galeristin Johanna Ey kennen, von ihr hatte ich noch nie gehört – und sie hat mich neugierig gemacht...

    Es ist kein Buch, dass ich gut hintereinander „weg-lesen“ konnte (wie sonst die Bücher von Joan Weng), aber die Faszination der Autorin für diese Frau hat mich in die Geschichte einbezogen. Ich habe den Menschen hinter der „skandalösen Berber“ erlebt, eine einsame und verletzliche junge Frau. Ein vollkommen anderer Blickwinkel – und aus diesem Grund kann und will ich diesem Buch einen großen Erfolg wünschen und spreche ausdrücklich eine Leseempfehlung aus!

    So, mich gibt es auch noch - diesmal hinke ich ja wirklich hinterher - aber macht nichts, eine muss ja die Letzte sein... Aber es liegt keineswegs am Buch, dass zieht mich immer wieder in seinen Bann...

    Ich bin froh, dass wir nun die "Gründe für die Degradierung" wissen - ich hatte ja immer befürchtet, dass es mit Heddas Diebstählen (bei aller Sympathie für Hedda - das kann doch nicht gutgehen!!!) zu tun haben könnte... Aber sehr bitter für Adelheid - und einfach ungerecht, dass Budde nichts passiert... Mir hat gut gefallen (im Sinn von sehr interessant), wie Adelheid die fehlenden 3,60 Mark gleich in Lebensmittel umsetzt, so habe ich einen Überblick über die damaligen Preise bekommen - und Viktor zahlt für eine Zeitung 50 Pfennig, wohl eine Wochenzeitung?

    Insgesamt wird anhand dieses Buches sehr, sehr deutlich, dass das Leben damals kein "Zuckerschlecken" war, zumindest nicht bei der arbeitenden Bevölkerung (ich habe mal vor längerer Zeit ein Buch über Fabrikarbeiterinnen gelesen, die waren ja auch ihrem Vorarbeiter vollkommen hilflos ausgeliefert "Friss oder stirb"). Die Schilderung der Arbeit im Waschhaus fand ich beeindruckend und dachte bei mir: "Und ich stelle einfach die Waschmaschine an..." und Adelheid wünscht sich, dass ihre Mutter dort Arbeit fände...

    Der Hauptmann von Köpenick: seitdem ich vor vielen Jahren mal eine Stadtführung in Köpenick gemacht habe, wusste ich, dass es ihn - und genau die geschilderte Situation - tatsächlich gegeben hat, vielleicht mit kleinen Abweichungen zum Film mit Heinz Rühmann, an den ich sofort denken muss...Aber was ich nicht wusste: dass die "Affäre" tatsächlich im ganzen "Reich" bekannt geworden ist...

    Der "Eulenburg-Harden-Skandal" beginnt, so ganz klar ist mir aber noch nicht, wer gegen wen und warum intrigiert hat... Klar, die Fakten liegen auf der Hand (und Adelheid hat ja selbst gesehen, dass irgendjemand (der Fürst?) nachts ein Zimmer verlassen hat, wo er nicht hätte sein dürfen...Und klar, damals ein "175-er" zu sein gehörte wohl damals zu den schwersten Vorwürfen, die man als Mann erleiden konnte - na, auch da ist es gut, dass sich die Zeiten verändert haben...

    Zu den Personen: ich habe mich gefragt, womit Opitz die Mamsell so unter Druck setzen kann, dass sie zwar Hedda versteht, aber ihr keinerlei Hilfe anbietet? Denn die gleiche Mamsell ist ja Adelheid gegenüber bedeutend zugänglicher - na ja, aber Budde (der ja wohl in Opitz Ressort fällt,) erhält keine Degradierung - Grund?). Aber trotzdem hat die Mamsell bei mir einige Pluspunkte erworben...

    Hedda mag ich immer noch (obwohl ich ihren Diebstählen sehr kritisch gegenüber stehe), aber aus der Liaison mit dem Stallburschen wird es wohl nichts, nachdem sie von der Herkunft der Pralinen gehört hat - aber sie war ja auch schon vorher skeptisch...

    Constanze ist mir auch sympathisch, ich habe so etwas den Verdacht, dass ihr Verlobter evtl. mit dem Herrn Harden (dem Auslöser des Skandals) zu tun haben könnte, aber vielleicht ist das nur "Spökenkiekerei" - wie wir Norddeutsche sagen...

    So, jetzt ist es arg spät geworden: ich gehe ins Bett, Eure Beiträge lese ich morgen!