Beiträge von Aurian

    An dieses Buch darf man nicht mit den falschen Erwartungen rangehen. Es hat zwar ein fantastisches Element (das Binden der Bücher) ist aber in meinen Augen eher ein Liebesroman.


    Die Geschichte spielt in einer Welt, in der es besondere Bücher gibt, die von vielen Menschen als böse betrachtet werden. Bücher, die echte Erinnerungen von Menschen beinhalten, wozu nur besondere Buchbinder die Fähigkeit haben. Emmett wächst zwar in einfachen Verhältnissen auf dem Land auf, trägt aber diese Fähigkeit in sich und tritt eine Lehre bei der Buchbinderin Seredith an. Ihm ist nicht bewusst, was für ein besonderer Mensch sie ist, bis es zu spät ist und sein Leben erneut komplett auf den Kopf gestellt wird, indem er auf andere Buchbinder und deren Kunden trifft.


    Schon nach ein paar Seiten war ich fasziniert von dieser Geschichte und wollte unbedingt mehr erfahren, über diese Welt, in der Bücher böse sein sollen und Buchbinder die Macht haben, Lehrlinge einzufordern.

    Ich gehe bewusst nicht näher auf das Binden dieser besonderen Bücher ein, denn das macht einen Teil des Reizes der Geschichte aus, nach und nach zu entdecken, was das genau bedeutet und welche Auswirkungen und Auswüchse dies nach sich zieht.


    Immer wenn ein neues ungeheuerliches Detail aufgedeckt wird, ist das Buch sehr spannend. Dann ist die Atmosphäre oft geheimnisvoll und manchmal richtig düster, dramatisch und bedrückend, vor allem wenn es darum geht wie verdorben und grausam ein skrupelloser Mensch sein kann. Hier hat mich die Autorin oft mit ihren tollen Ideen und unerwarteten Wendungen überrascht.


    Daneben nimmt die Liebesgeschichte einen Großteil der Handlung ein. Die Autorin gibt ihr die Zeit, sich langsam zu entwickeln. Dadurch gibt es immer wieder sehr ruhige Abschnitte. Doch wer mich kennt, weiß, dass ich ruhige und besondere Geschichten mag, wenn sie gut erzählt sind und es schaffen, mich in ihren Bann zu ziehen. Diesem Roman ist das voll und ganz gelungen.


    Fazit: Eine dramatische Liebesgeschichte in einer Welt, in der Erinnerungen in Bücher gebannt werden können.


    9 von 10 Eulen

    Amazon


    512 Seiten

    Fischer Krüger Verlag

    ET: 26.10.2017

    OT: Björnstad


    1. Teil der Reihe um Björnstad.


    Kurzbeschreibung laut Amazon:

    Wer glaubt noch an Björnstadt? Es liegt viel zu weit hinter den dunklen Wäldern im Norden. Doch die Menschen hier halten zusammen. Und sie teilen eine Leidenschaft, die sie wieder mit Stolz erfüllen könnte. Die den Rest der Welt an Björnstadt erinnern könnte. Vielleicht sogar Arbeitsplätze bringen, eine Zukunft. Deshalb liegen alle Träume und Hoffnungen nun auf den Schultern ein paar junger Björnstädter. Noch ahnt keiner in der Stadt, dass sich ihre Gemeinschaft über Nacht für immer verändern wird.


    Als mir das Buch von Jellybooks zum Lesen angeboten wurde, habe ich erst gezögert. Will ich ein Buch über eine Stadt lesen, in der Eishockey das Wichtigste im Leben seiner Bewohner ist? Zum Glück habe ich mich doch für das Buch entschieden, denn es erzählt so viel mehr als die Kurzbeschreibung erwarten lässt.


    Zu Beginn lernt man viele der Bewohner von Björnstadt kennen und erfährt wie ihre Beziehung zum Eishockey ist. Im Verlauf der Handlung erlebt man die Geschichte immer wieder aus dem Blickwinkel dieser Menschen, die in ihren Ansichten und Reaktionen so verschieden sind und dadurch ein komplexes Gesamtbild vermitteln.

    Im Mittelpunkt steht Peter, der Sportdirektor des Eishockeyclubs, mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Er ist in Björnstadt aufgewachsen und war zu seiner Zeit der Star des Ortes, der es sogar bis nach Kanada in die dortige Liga geschafft hat.


    Für Björnstadt ist Eishockey nicht nur ein Spiel. Nein, die Menschen lieben diesen Sport, der das Leben und die sozialen Strukturen ihrer Gemeinschaft prägt. Der Autor schafft es ganz wunderbar deutlich zu machen wie unterschiedlich die Beziehung Einzelner zu diesem Sport ist und was er für sie bedeutet.


    Umso dramatischer sind die Reaktionen als ein schlimmes Ereignis die Menschen vor die Wahl stellt. Ist ihre Loyalität dem Club und seinen Spielern gegenüber so stark, dass sie auch jegliche Moral und ihr Rechtsempfinden ignorieren?

    Hier wird die ganz eigene Dynamik von eingeschworenen Gemeinschaften in kleinen Orten deutlich.


    Anfangs habe ich das Buch einfach nur gerne gelesen und interessiert die einzelnen Menschen und Familien kennengelernt. So nach und nach hat mich die Geschichte immer mehr in ihren Bann gezogen und ich habe genauso wie die Zuschauer in der Geschichte bei den Wettkämpfen mitgefiebert.

    Doch als sich der Schwerpunkt der Geschichte durch ein unerwartetes Ereignis verlagert, wurde das Leseerlebnis unglaublich intensiv und emotional.


    Man muss die Fortsetzung nicht unbedingt lesen, denn das Ende könnte man durchaus so stehen lassen. Doch da ich wissen will, wie es weitergeht, warte ich sehnsüchtig auf Band 2.


    Fazit: Eine packende und sehr emotionale Geschichte, die noch lange nachhallt.


    10 begeisterte Eulen

    Amazon


    355 Seiten

    Beltz & Gelberg Verlag

    ET: 13.2.2019

    OT: Sadie


    Die packende Geschichte und der ungewöhnliche Erzählstil haben mich in ihren Bann gezogen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen.


    Es beginnt mit dem Podcast, der nach und nach schildert, wie der Reporter West McCray von Sadies Geschichte und ihrem spurlosen Verschwinden erfährt. Er folgt Sadies Spuren und trifft unterwegs Menschen, die ihr begegnet sind. Diese Gespräche werden im Interview-Stil geschildert, so wie sie später als Podcast gesendet werden.


    Parallel dazu springt die Handlung immer wieder direkt zu Sadie und man erfährt aus ihrer Sicht, wie sie sich auf die Suche nach Keith, dem Mörder ihrer 13jährigen Schwester Mattie macht. Mattie war Sadies Lebensinhalt und sie lässt keine Zweifel offen, dass sie Keith töten wird, wenn sie ihn gefunden hat.


    Und so steuern die beiden Handlungsebenen im zeitlichen Abstand von fünf Monaten auf das gleiche Ziel zu – jemanden zu finden, der spurlos verschwunden ist.


    Die Geschichte, die sich nach und nach vor dem Leser ausbreitet, erzählt u.a. von Sadies schwieriger Kindheit. Sadie wirkt auf den ersten Blick recht rau und ruppig, doch die Liebe zu ihrer Schwester und ihr Stottern lassen sie weicher wirken, als sie selbst zugeben würde.


    Immer wieder gibt es Andeutungen, die auf bedrückende und schlimme Geschehen in der Vergangenheit und der Gegenwart hinweisen und die Autorin schafft es spielend, dass diese Andeutungen reichen um in mir die gleiche Wut zu schüren, die auch in Sadie schwelt.


    Obwohl mich das Ende überrascht hat und ich zuerst nicht wusste, wie ich damit umgehen soll, finde ich es sehr passend, denn es gibt einfach Themen, zu denen ein weichgespültes Ende nicht passt.


    Diese spannende und mitreißende Geschichte hat mich berührt und gefesselt und ich werde sie so schnell nicht vergessen.


    9 von 10 Punkten

    Amazon


    448 Seiten

    LYX Verlag

    ET: 31. Januar 2019

    OT: All in


    Band zwei der All-in-Duett Reihe


    Wer Band 1 gelesen hat, der weiß eigentlich genau, um was es in diesem Buch hauptsächlich geht, nämlich um Kacey und Theo.

    Doch bevor die beiden ein Paar werden können, müssen sie ihre Trauer und die Widerstände ihres Umfeldes überwinden.


    Kacey kommt mit Jonas Tod nicht klar. Sie erträgt es nicht mehr in Las Vegas, wo sie alles an ihn erinnert und zieht nach New Orleans. Doch auch der Umzug hilft ihr nicht mit ihrer Trauer und Einsamkeit klarzukommen und sie betäubt den Schmerz mit Alkohol, bis sie ohne ihn ihre Tage nicht mehr übersteht.

    Als Theo davon Wind bekommt lässt er alles stehen und liegen, um ihr beizustehen, so wie er es Jonah versprochen hat. Für Theo ist das alles andere als leicht, denn er liebt Kacey und weiß nicht, wie er das mit seinem Gewissen in Einklang bringen soll. Trotzdem ist er für sie da, genauso wie für seine Eltern.

    Immer wieder stellt er sein eigenes Leben und seine Wünsche hinten an und unterdrückt seine Trauer und seine Gefühle. Wie lange kann das gutgehen?


    Die Handlung verläuft in etwa so, wie ich es erwartet habe. Trotzdem wollte ich das Buch unbedingt lesen. Zum einen weil die Autorin einen angenehmen Schreibstil hat und zum anderen, weil ich unbeendete Geschichten nicht mag.

    Sie erzählt von Trauer, Familie, Freundschaft und Liebe und im Fokus stehen immer Kacey und Theo, die ihre Geschichte abwechselnd aus ihrer Perspektive erzählen.

    Ich hatte große und berührende Emotionen erwartet, doch der Funke ist nicht auf mich übergesprungen. Versteht mich nicht falsch, die Geschichte hat viele schöne und auch traurige Momente, doch mich hat es nicht richtig gepackt und mitgerissen.

    Dennoch habe ich das Buch gerne gelesen, weil es für mich die Geschichte abrundet und weil es schön war den Figuren aus Band 1 wieder zu begegnen.


    Von mir gibt es 8 Eulen

    Amazon

    • 368 Seiten
    • Piper Schicksalsvoll
    • ET: 11. Januar 2019
    • OT: The Peculiar Miracles of Antoinette Martin

    Das ist die Art von besonderer Geschichte, wie ich sie mag. Sie hat eine ganz eigene Stimmung - leicht surreal - mit Menschen, die besonders sind, so besonders, dass sie für andere nicht normal sind. Sie haben ihre eigene Welt, in der sie versinken. Für Lily sind es Zahlen und für Antoinette ist es die Natur, die für sie wie Musik klingt. Wenn sie Misstöne hört, gleicht sie diese aus, was für Mensch und Pflanze Heilung bedeutet, Antoinette aber viel Kraft kostet. Deshalb will sich ihre todkranke Mutter auch nicht von ihr helfen lassen, sondern bittet ihre Schwester Lily auf die heimische Blumenfarm zurückzukehren. Doch Lily hat selbst eine bipolare Störung und weiß nicht, ob sie der Herausforderung gewachsen ist und dabei ist dies nicht das einzige Problem, dem sie sich bei ihrer Rückkehr stellen müsste.

    Die Handlung wird aus der Sicht von Antoinette, ihrer Mutter Rose und deren Schwester Lily erzählt. Dadurch entsteht ein mehrdimensionales Bild des Geschehens und ich konnte die Personen und ihre Beziehungen zueinander besser verstehen und nachvollziehen.


    Grace, die Tochter der Autorin, war das Vorbild für Antoinette. Man merkt, dass es Stephanie Knipper wichtig ist, die Geschichte auch aus Antoinettes Sicht zu schildern, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie sie sich fühlt, was in ihr vorgeht und dass sie genauso vielschichtig und intelligent ist, wie jeder andere Mensch. Es geht hier weniger um medizinisch genaue Details, sondern mehr um das Leben mit einem Kind mit besonderen Bedürfnissen.


    Durch Antoinettes besondere Gabe bekommt das Buch einen märchenhaften Charakter und dürfte in die Kategorie magischer Realismus fallen. Doch es geht nicht nur um Antoinette, sondern auch Lily hat mit ihren ganz eigenen Problemen zu kämpfen, wodurch die Handlung etwas mehr in der Realität verankert wird.


    Dies ist Stephanie Knippers erstes Buch und ihre Art Geschichten zu erzählen und ihr Schreibstil haben mir sehr gut gefallen.


    9 von 10 Eulen

    Das Buch ist mir aufgefallen, als es 2012 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis stand.


    Da ich meistens reine Unterhaltungsliteratur lese, war ich gespannt, ob das Buch überhaupt etwas für mich ist und tatsächlich hatte ich Anlaufschwierigkeiten. Dadurch dass die Autorin in einem kurzen Satz oft eine wichtige Aussage auf den Punkt bringt, habe ich manche Sätze mehrfach gelesen und auf mich wirken lassen. Ich hatte das Gefühl, der Autorin und ihrer Sprache nicht gerecht zu werden, wenn ich das Buch einfach so schnell weglese.


    Doch irgendwann wurde die präzise Sprache von den Ereignissen in den Hintergrund gedrängt. Zum ersten Mal habe ich von „Hikikomori“ gehört, ein Phänomen in Japan, bei dem vor allem junge Menschen ihr Zimmer nicht mehr verlassen, weil sie das Gefühl haben, den Erwartungen der Gesellschaft und ihrer Familie nicht mehr gerecht zu werden. Sie verweigern sich und ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück, oft Monate oder Jahre.


    Taguchi ist ein solcher Hikikomori und als er sich nach über zwei Jahren wieder vor die Tür traut, trifft er auf einer Parkbank einen älteren Mann mit Anzug und Krawatte. Die beiden sitzen sich von da an täglich schweigend gegenüber, bis sie eines Tages ins Gespräch kommen. Da es einfacher ist, sich einem völlig Fremden anzuvertrauen, erzählen sie sich gegenseitig von den Dingen, die sie aus der Bahn geworfen haben und zeichnen dabei ein Bild des heutigen Japans, ein Land, in dem das gesellschaftliche Ansehen von größter Wichtigkeit ist. Doch hinter der Fassade der lächelnden Gesichter lauern manchmal Abgründe, Grausamkeit, Verzweiflung, Sehnsucht und vieles mehr.


    Immer wieder habe ich während des Lesens die Lektüre unterbrochen um zu googeln und mehr über die Auswüchse von sozialen Fehlentwicklungen in Japan zu erfahren.


    Am Ende habe ich tief bewegt das Buch zugeschlagen und über die Kunst der Autorin gestaunt, mit wenigen Worten und einer präzisen Sprache viel auszudrücken und auf 136 Seiten mehr zu erzählen als so mach anderer Autor in einem dicken Buch.


    10 von 10 Eulen

    Amazon


    352 Seiten

    HarperCollins Verlag

    ET: 4.1.2019

    OT: A Part of Me and You


    Eine Geschichte für alle, die emotionale und berührende Geschichten lieben und an die Macht des Schicksals glauben.


    Shelley hat vor 3 Jahren ihre 3jährige Tochter verloren. Sie kommt mit dem Schmerz und der Trauer einfach nicht klar, findet nicht zurück ins Leben. Als sie am Strand spazieren geht, trifft sie ein junges Mädchen, dass in Tränen aufgelöst im Regen sitzt. Die 15jährige Rosie macht in Killara in Irland Urlaub mit ihrer todkranken Mutter Juliette und ihre traurige Geschichte ist das erste was seit langem wieder das Herz von Shelley berührt.

    Juliette hingegen verzweifelt bei dem Gedanken, dass sie ihre geliebte Tochter bald alleine zurücklassen muss und möchte in diesem Urlaub ein paar unvergessliche Erinnerungen für Rosie schaffen. Doch das ist nicht der einzige Grund für diese Reise.


    Die Traurigkeit und Verzweiflung der beiden Frauen wird sehr eindringlich und intensiv geschildert. Juliette und Shelley erzählen abwechselnd aus ihrer Sicht das Geschehen, wie sie sich fühlen und welche Gedanken ihnen durch den Kopf gehen. Sie sind beide Mütter, die mit ihren ganz eigenen Ängsten fertig werden müssen. Besonders Juliette hat mir sehr gut gefallen, denn trotz ihrer Diagnose zeigt sie eine bewundernswerte Stärke. Sie gibt anderen Kraft, obwohl sie eigentlich den Halt viel nötiger hätte.


    Die Geschichte zeigt wie grausam das Schicksal sein kann und wie selbstverständlich man das alltägliche Glück hinnimmt, bis es einem genommen wird. Doch zum Glück geht es im Leben und auch in diesem Buch immer wieder irgendwann bergauf, wenn man es zulässt.

    Bis auf ein paar kleine Längen habe ich das Buch gerne gelesen, vor allem, weil es mir bewusst gemacht hat, wie glücklich ich mich schätzen kann.

    8 von 10 Eulen

    Amazon


    352 Seiten

    Aufbau Taschenbuch Verlag

    ET: 7. Dezember 2018

    OT: Sea of Memories



    Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. 2014 lebt Ella in einem Seniorenheim. Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit und damit ihre Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, bittet sie ihre Enkelin Kendra diese für sie aufzuschreiben. Und so wechselt die Handlung ins Jahr 1937 als die 17jährige Ella zum ersten Mal Christophe begegnet.

    Es ist eine unbeschwerte Zeit und es scheint klar zu sein, wie die Zukunft aussieht. Doch niemand hat mit dem 2. Weltkrieg gerechnet, der nicht nur die Zukunftspläne der beiden auf den Kopf stellt. Und so erfährt Kendra, wie es ihrer Großmutter während des Krieges erging und weit darüber hinaus.


    Immer wieder hatte ich das Gefühl zu wissen, wie die Handlung in etwa verlaufen wird und vor allem warum. Die Autorin hatte jedoch ganz andere Ideen und hat mich mehr als einmal überrascht. Es ist die Geschichte einer starken jungen Frau, die in schwierigen Zeiten schwere Entscheidungen treffen muss und die dabei eine ungeahnte Stärke zeigt, egal welche Steine das Schicksal ihr in den Weg legt.


    Von Anfang an hat mich das Buch in seinen Bann gezogen, denn die Handlung ist spannend, emotional und ab und zu auch dramatisch. Aber vor allem die Sprache der Autorin hat mit gefallen, die oft bildhaft und atmosphärisch das Geschilderte spürbar macht, wodurch auch die ruhigeren Abschnitte sehr schön zu lesen sind.


    Fazit: Die schöne und lesenswerte Geschichte einer starken Frau, in der es um die erste große Liebe, Familie und Loyalität geht.


    9 von 10 Eulen

    Amazon


    304 Seiten

    Bastei Lübbe

    ET: 30. November 2018

    978-3785726303

    OT: Every Note Played


    Der 45jährige Starpianist Richard erkrankt an ALS. Sie raubt ihm seine Passion das Klavierspiel und nach und nach noch mehr. Detailliert wird aus seiner Sicht beschrieben wie die Krankheit fortschreitet und wie er das immer entsetzter verfolgt. Der Rollstuhl, der bereits in seiner Wohnung steht, ist wie ein Mahnmal, dass ihn daran erinnert, wie seine Zukunft aussieht. Aber auch diese wird nicht allzu lange andauern, denn ALS ist unheilbar und seine restliche Lebensdauer begrenzt.


    Den Gegenpart bildet seine Frau Karina. Sie hat eine Karriere als Jazzpianistin aufgegeben, um für ihre Familie da zu sein. Während Richard zum gefeierten Star wird, verkümmert sie immer mehr in der Provinz und widmet sich voll und ganz der gemeinsamen Tochter Grace. Auch nach der Scheidung kann sie ihre Freiheit nicht genießen und lebt weiter wie bisher, ihren Groll gegen Richard hegend.


    Es ist faszinierend zu lesen, wie sich diese beiden Menschen, die nur noch die gemeinsame Vergangenheit verbindet, begegnen. Es wird abwechselnd aus ihren Perspektiven erzählt und es ist nur menschlich, dass sich jeder selbst so sieht, als ob er im recht wäre, als ob er der Betrogene ist. Karina wird von ihrem katholischen Glauben gelenkt. Ob das schon immer der Fall war? Ich bezweifle das, denn in der Vergangenheit scheint etwas vorgefallen zu sein, was nicht nur Richard anzulasten ist.


    In fast schon sachlichem Ton schildert die Autorin aus Richards Sicht, wie die Krankheit immer mehr seinen Körper übernimmt. Er wütet nicht, schreit nicht seine Wut hinaus. Nein, er ist entsetzt und oft auch beschämt, weil er so hilfsbedürftig ist. Und als ihm die Erfolge als Pianist verwehrt bleiben, wird ihm bewusst, welche wichtigen Dinge und Personen in seinem Leben, er achtlos zur Seite geschoben hat.


    Er hat nur noch einen Wunsch, Frieden zu schließen mit seiner Vergangenheit und auch Karina realisiert, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt um zu vergeben und um Verzeihung zu bitten. Aus ihrer Sicht erlebt man auch, was ALS für die Angehörigen eines Erkrankten bedeutet.


    Bisher wusste ich nur wenig über ALS. Durch diese Geschichte wurde mir bewusst, was die Diagnose für die Betroffenen bedeutet und obwohl der Verlauf der Krankheit nie reißerisch ausgeschlachtet wird, ist mir das Lesen nicht leichtgefallen. Es ist eine traurige und bedrückende Geschichte, die mir sehr zu schaffen macht.


    Im Nachwort geht die Autorin darauf ein, wie sie auf die Krankheit aufmerksam wurde, welche Menschen mit ALS ihre Erfahrungen mit ihr teilten und wie wichtig es ihr ist, die Forschung nach Heilmethoden zu unterstützen. Alle im Nachwort genannten ALS-Patienten sind inzwischen verstorben. Das führt vor Augen, dass es sich hier zwar um eine fiktive Geschichte handelt, die erschreckend realistisch ist.


    Fazit: Die traurige Geschichte eines an ALS erkrankten Pianisten.


    8 von 10 Eulenpunkte

    Amazon


    544 Seiten

    LYX Verlag

    ET: 30.11.2018

    OT: Dear Life


    Dear Life ist ein Programm, das Menschen wieder zurück ins Leben helfen soll. Menschen, die Probleme haben etwas hinter sich zu lassen, die trauern, unter Depressionen leiden und einfach die Freude am Leben verloren haben.

    In dieser Gruppe begegnen sich Holly, Daisy, Carter und Jace. Jeder von ihnen hat mit einem anderen Problem zu kämpfen und sie gehen mit sehr unterschiedlichen Einstellungen und Erwartungen zu den Treffen, wo sie sich neuen Aufgaben stellen müssen und ein Team bilden sollen, dass sich gegenseitig unterstützt.

    Ob jeder von ihnen zurück ins Leben findet?


    Es war die Grundidee von Dear Life, die mich neugierig auf das Buch gemacht hat. Doch diese Gruppe spielt zwar zwischendurch immer wieder mal eine Rolle, aber hauptsächlich geht es um die vier Hauptpersonen, ihr tägliches Leben, ihre Probleme und Gedanken. Die Autorin geht hier sehr ausführlich auf jeden Einzelnen ein, sodass man ein gutes Bild von jedem bekommt.


    So unterschiedlich wie die persönlichen Probleme hat die Autorin auch den Charakter der vier Protagonisten angelegt. Deshalb dauert es auch etwas, bis aus ihnen ein Team wird. Vor allem Carters ruppige Art und Daisys naive Lebenssicht haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht und die sehr emotionale Handlung etwas aufgelockert.


    Das Buch macht deutlich, dass durchaus Mut dazugehört sich seinen Problemen zu stellen und Hilfe zu suchen. Es ist in Ordnung wütend und verzweifelt zu sein, doch irgendwann sollte man sich dem Leben wieder öffnen. Man kann sich bei diesem Schritt zwar an die Hand nehmen lassen, doch muss man ihn am Ende doch selbst gehen.


    Die Handlung ist perfekt für Leserinnen, die gerne in emotionale und romantische Geschichten eintauchen, in denen die Männer zwar eine raue Schale aber einen sehr weichen Kern haben und dabei natürlich wahnsinnig gut aussehen.


    Fazit: Eine gefühlvolle Geschichte mit Herz und Humor.


    8 von 10 Eulen

    Amazon


    288 Seiten

    Aufbau Taschenbuch Verlag

    ET: 7.12.2018

    ISBN 978-3746634302


    Hinter „Anna Pfeffer“ steckt ein Autorinnenduo, dass auch unter dem Pseudonym „Rose Snow“ Bücher veröffentlicht. Und so ist „Unter uns nur Wolken“ die Neuauflage einer Ausgabe von 2016, die unter dem zweiten Pseudonym aufgelegt wurde.


    Inhalt

    Toms Großvater Florian hat Alzheimer. Deshalb muss er betreut werden, wenn Tom in seiner Bar arbeitet. Doch Florian kann ein richtig gemeines Ekel sein und vertreibt alle Pflegekräfte. Tom weiß genau, was sein Opa da treibt und ist verzweifelt, denn er möchte unbedingt für Florian da sein, schafft das aber nicht alleine.

    Dann taucht Ani auf und bewirbt sich um den Job. Sie braucht ihn unbedingt, denn sie steht ohne Wohnung da, weil sie ihren untreuen Freund verlassen hat. Florian versucht natürlich auch sie zu vertreiben und ist dabei wirklich kreativ und hinterhältig. Wird es ihm gelingen Ani in die Flucht zu schlagen, ohne Rücksicht darauf, dass sie Toms letzte Hoffnung ist?


    Meine Eindrücke

    Aufgrund der Kurzbeschreibung habe ich mir eine unterhaltsame Geschichte mit Herz und Humor erhofft und genau das habe ich auch bekommen. Florian ist ein verbitterter alter Mann, der an seiner Schwäche und dem Tod seiner geliebten Frau verzweifelt, denn die Krankheit hat ihn noch nicht völlig im Griff und er weiß meistens ganz genau was er tut und was ihm fehlt. Anfangs ist das oft noch recht lustig, bis einem das Lachen im Hals stecken bleibt, wenn er ohne jegliches Mitgefühl seine grausamen Spielchen treibt. Doch immer wieder lässt ihn sein Gedächtnis im Stich und zurück bleibt ein trauriger und einsamer Mensch.


    Es geht hier aber nicht nur um Florian, sondern auch um Ani und Tom, die ihre ganz eigenen Probleme haben. Jeder von Ihnen braucht auf seine Art und Weise Unterstützung und Hilfe.


    Mit viel Herzenswärme und Humor erzählt die Autorin die Geschichte dieser drei vom Leben geprüften Menschen. Die Story verliert nie ihre Leichtigkeit und lässt doch ahnen was Alzheimer für einen Menschen und sein Umfeld bedeutet.


    Diese schöne und unterhaltsame Geschichte habe ich gerne gelesen und dank des angenehm leichten Schreibstils der Autorin sind die Seiten nur so dahingeflogen.


    Von mir gibt es gute 8 von 10 Eulenpunkte

    Amazon


    199 Seiten (lt. Amazon)

    ET: 6.12.2018

    LYX Verlag


    „Verborgene Magie“ beinhaltet fünf Kurzgeschichten und ist zur Zeit nur als eBook erhältlich.


    Die fünf Geschichten sind sehr unterschiedlich und nur in „Ein fragwürdiger Klient“ spielt Kate die Hauptrolle. Da ich Saiman schon immer faszinierend fand, war diese Story für mich auch das Highlight.


    Erstaunt hat mich, dass ich „Magische Prüfungen“ schon kannte, denn sie wurde bereits in einem Buch der Reihe als Bonusgeschichte veröffentlicht. Da dies aber schon einige Zeit her ist, habe ich sie gerne noch einmal gelesen.


    Die restlichen Geschichten spielen zwar auch in Kates Welt, aber nicht in ihrem direkten Umfeld. Trotzdem sind sie nicht weniger interessant. Wie gewohnt gibt es Action, Emotionen, Humor und besondere magische Begabungen und Phänomene.


    Lediglich „Die Vergeltungsklausel“ hat mich nicht ganz überzeugt, aber das ist natürlich Geschmackssache.

    Die anderen Geschichten haben mir so gut gefallen, dass ich es richtig schade fand, dass sie so kurz sind.


    Insgesamt hat mich diese Sammlung an Kurzgeschichten gut unterhalten und mir ein paar interessante neue Eindrücke beschert.


    Von mir gibt es 8 von 10 Eulen

    ISBN 978-3426523209

    464 Seiten

    ET: 3.12.2018

    OT: Dear Banjo


    Für ihre Geschichte hat sich die Autorin ein tolles Setting einfallen lassen: Eine Rinderfarm im australischen Outback. Dort ist Willow, genannt Banjo, aufgewachsen und war unzertrennlich mit ihrem besten Freund Tom. Bis er eines Tages etwas tut, was sie ihm nicht verzeihen kann. Deshalb geht sie alleine auf die Universität nach Perth um dort nachhaltige Landwirtschaft zu studieren, während er Zuhause auf der Farm seiner Eltern bleibt.

    10 Jahre später kehrt sie auf die Farm zurück, um die Leitung zu übernehmen und ihren kranken Vater zu entlasten. Doch wie wird es sein Tom nach dieser langen Zeit wiederzusehen?


    Die Idee einer nachhaltigen Landwirtschaft mit dem Ziel einer biozertifizierten Rinderzucht hat mir gut gefallen und trifft den Nerv der Zeit. Obwohl es schon witzig ist, dass Willow als Vegetarierin eine Rinderfarm leitet. Doch irgendwie passt es auch wieder, denn schließlich ist sie dort aufgewachsen und es ist ihr wichtig, dass die Tiere gut behandelt werden. Deshalb führt sie nach und nach neue Methoden ein, die weniger schmerzhaft und nicht stressig für die Rinder sind.


    Dass das in einer von Männern dominierten Branche nicht gut ankommt ist klar und so ist es mehr als realistisch, dass sie gegen einige Widerstände auf der Farm anzukämpfen hat.

    Dazu kommt noch die Sorge um ihren Vater, von dem sie alle Aufregungen fern halten will, um sein Herz zu schonen.


    Für emotionale Momente sorgt die Handlung rund um Willow und Tom. Die Liebesgeschichte ist sehr schön und unterhaltsam geschrieben, auch wenn ich Banjos Wut über Toms Verhalten nicht ganz nachvollziehen kann. Aber gut, wer weiß schon wie sich eine 18jährige junge Frau verhält, die sich von ihrem besten Freund verraten fühlt?

    Tom ist das perfekte Gegenstück zu Willow. Während sie Probleme mit Gefühlen hat, gleicht er das mit viel Verständnis und romantischen Gesten aus. Nur einen Wunsch kann er ihr nicht erfüllen...


    Auch wenn bald klar ist, wie die Geschichte verlaufen wird, habe ich sie sehr gerne gelesen. Es ist die ideale Lektüre zum Abschalten und ganz nebenbei bekommt man einen groben Einblick in biozertifizierte Rinderzucht.


    „Outback Dreams. Soweit die Liebe reicht“ Ist der erste Band einer Reihe um Willow und ihre Schwestern. Im nächsten Buch wird es um Free gehen, die jüngste der drei Schwestern.


    Von mir gibt es 8 von 10 Eulen :)

    ISBN 978-3736308190


    LYX Verlag

    432 Seiten

    ET: 26.10.2018

    OT: Full Tilt


    Kacey Dawson wurde schon als Teenager von ihrem Vater aus dem lieblosen Zuhause geworfen. Als sie Teil der Band Rapid Confession wird, gehört sie endlich irgendwo dazu. Doch der kometenhafte Aufstieg der Band stillt nicht ihre Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung. Ihre Einsamkeit betäubt sie mit Alkohol und Drogen. Nach einem ihrer Exzesse wacht sie morgens mit einem schlimmen Kater auf der Couch des jungen Chauffeurs Jonah Fletcher auf, der ihre Band am Vorabend im Auftrag eines Limousinenservices gefahren hat.

    Jonah ist sofort von Kacey fasziniert und erkennt, dass sie auf einem selbstzerstörerischen Trip ist, der nicht gut enden kann. Deshalb bietet er ihr für ein paar Tage eine Auszeit in seiner Wohnung an. Doch mehr als Freundschaft will er ihr nicht geben, denn Jonah hat seine ganz eigenen Probleme...


    Kaceys Verletzlichkeit und Verlorenheit hat mich von Anfang an berührt. Es hat mich richtig wütend und traurig gemacht, wenn geschildert wurde, wie gerne Kacey einfach nur von ihren Eltern geliebt worden wäre, so wie sie ist. Deshalb ist es kein Wunder, dass sie Jonahs freundlichem und herzlichem Wesen nicht widerstehen kann. Er gibt weiter, was er in seinem liebevollen Elternhaus erfahren hat. Doch seine Familie hat mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen, denn Jonah ist schwer krank.


    Trotz ihrer unterschiedlichen Kindheit sind die beiden sich sehr ähnlich. Für sie ist es die erste wirklich tiefe Liebe ihres Lebens, die sie miteinander verbindet. Außerdem sind beide ganz besondere Künstler. Während Kacey eine Vollblutmusikerin ist, hat Jonah ein einmaliges Talent für die Kunst der Glasbläserei. Sein großes Idol ist Dale Chihuly. Erst fand ich das nicht so spektakulär, aber Dale Chihuly gibt es tatsächlich und nachdem ich seine Kunstwerke im Internet gefunden hatte, war ich mehr als begeistert, was man aus Glas alles zaubern kann.


    Die Geschichte von Kacey und Jonah ist eine schöne und bittersüße Liebesgeschichte, die mich sehr berührt hat. Sie hat nicht nur zwei liebenswerte Hauptfiguren, sondern auch die Nebenfiguren sind mir ans Herz gewachsen, allen voran Theo, der Bruder von Jonah. Er wirkt immer so grimmig und abweisend. Dennoch ist er immer und jederzeit für seinen Bruder da, um ihm auch in schwierigen Zeiten zur Seite zu stehen.


    Die Autorin hat es geschafft die Emotionen, egal ob Freud oder Leid, spürbar zu machen und so ist es nicht verwunderlich, dass am Ende reichlich Tränen geflossen sind. Wer bei diesem Buch nicht weint, hat kein Herz ;-)


    Wer gerne herzzerreißende Liebesgeschichten liest, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Ende Januar 2019 erscheint die Fortsetzung, die jetzt schon auf meiner Wunschliste steht.


    9 von 10 Eulen