Beiträge von Googol

    Grundkonstellation hier: ein alternder Kritiker kann nicht schlafen und erspinnt sich eines Nachts eine Geschichte, die in einer Alternativwelt spielt, in der in den USA nach der Wahl von George W. Bush im Jahr 2000 ein Bürgerkrieg ausbricht. Die Hauptfigur dieser Welt hat eine Aufgabe: genau diesen Kritiker zu töten, denn nur so kann der Krieg beendet werden.

    Ich habe schon einiges von Zoran Zivkovic gelesen (überwiegend auf Englisch) und für seine Verhältnisse handelt sich bei den 223 Seiten starken Das letzte Buch schon fast um einen Wälzer. Irgendwo zwischen Italo Calvino und Carlos Ruiz Zafon zu verorten (etwas näher an Calvino allerdings). Auch an bestimme Passagen aus Daniel Kehlmanns Ruhm fühlte ich mich erinnert (die Szenen, in der ein Autor mit seiner Figur über ihr fiktionales Fortleben verhandelt).


    Ich mag solche Geschichten, allerdings mutet Zivkovic dem Leser - ich denke bewusst - schon sehr stereotype Charaktere zu. Man merkt ihnen ihre Fiktionalität schon an. Der Roman funktioniert trotzdem für mich überwiegend, nur beim Inspektor Lukic hat er vielleicht etwas übertrieben. Er betont immer wieder seine für Kriminalisten untypische Belesenheit. Es hätte mir gereicht, wenn das einfach nur gezeigt, und nicht behauptet worden wäre. Auch die Nähe zum Autoren ist zu nah (wenn auch hier wohl auch beabsichtigt), wenn er Lukic immer wieder erklären lässt, dass auch Genre-Literatur ernstzunehmende Literatur ist. Dazu muss man wissen, dass Zivkovic vor allem in Science Fiction-Kreisen bekannt ist.


    Trotzdem: die Beschreibung des Buchladens und seiner "Patienten" ist köstlich und der Roman ist voller kleiner genialer Ideen. Und das Ende fand ich tatsächlich konsequent. Der Roman ist von Anfang als Metafiktion angelegt und entsprechend entwickelt er sich.

    Dieses hier:


    Kurzbeschreibung


    Ein mysteriöser Vorfall führt den Journalisten Andrew Westley auf die Spur zweier Bühnenmagier, die sich Ende des 19. Jahrhunderts mit allen Mitteln bekämpft haben. Die Auswirkungen dieses Kampfes sind noch hundert Jahre danach zu spüren – denn einer der beiden Zauberer besaß offenbar tatsächlich magische Fähigkeiten. Nur welcher? Und was ist aus seinen Nachkommen geworden?

    amazon.de:


    Das Schöne an Chuck Palahniuks Büchern ist: In ihnen findet jeder etwas, das er anstößig findet. Der Autor von Fight Club und zwei weiteren Romanen schreibt mit erfrischender Rücksichtslosigkeit, und seine Einfälle sind so gut, dass man problemlos Buchtitel daraus machen kann: Der Simulant heißt im Original Choke, weil die Hauptfigur Victor Mancini sein Geld damit verdient, in überteuerten Restaurants publikumswirksam zu ersticken -- bis ein hilfsbereiter Mensch auftaucht, ihn rettet und ihn aus lauter Dankbarkeit für die Gelegenheit zu einer solchen Heldentat mit Geld überhäuft.
    Und Victor benötigt dieses Geld dringend: Er muss seine Mutter unterhalten, die in einer psychiatrischen Klinik dahinsiecht. Von ihr hat er eine ganze Menge dysfunktionaler Charaktereigenschaften geerbt, darunter eine hemmungslose Gier nach Sex, die er nach Therapiesitzungen der Anonymen Sexabhängigen mit seinen Leidensgenossinnen auslebt. Dass es dabei nicht unbedingt romantisch und nicht wenig erotisch zugeht, dürfte Palahniuk-Leser kaum wundern.

    Sehr zu empfehlen:


    Kurzbeschreibung


    Das Manchester der nahen Zukunft: eine Stadt aus Chrom und Glas, in der alle auf der Suche sind nach dem absoluten Kick, der Dimensionsdroge 'Vurt'. Scribbles Schwester Desdemona wurde dank Vurt in eine andere Realität katapultiert, und Scribble setzt alles daran, sie zurückzuholen. Doch dafür braucht er selbst eine Dosis der Droge, die in Form einer Feder gehandelt wird. Allerdings kann sie nur mit etwas ganz Besonderem erkauft werden..

    Ich finde die Preisverleihungen eigentlich sehr gut. Gelegenheit für mehr Reflektion und Interviews gibt es ja eine Nachberichterstattung und anscheinend gibt es um 21 Uhr noch eine Pressekonferenz im Internet:


    http://www.berlinale.de/de/vis…live-streaming/index.html


    Mal wieder habe ich keinen der ausgezeichneten Filme gesehen, aber HOW I ENDED THIS SUMMER und BAL machen einen guten Eindruck. Den Preis für Polanski finde ich überraschend und der Film CATERPILLAR (silberner Bär für Darstellerin) muss schrecklich sein.


    Ich habe aber KYOTO STORY von Yoji Yamada gesehen, der den Ehrenpreis bekommen hat und werde mir morgen die Wiederholung des Abschlussfilms OTOUTO von ihm auch noch ansehen. Bin gespannt.

    Zitat

    Original von Bouquineur
    Als ich gestern ihre Erklärung gelesen habe, dachte ich nur: Was für eine Schwätzerin.


    Vielleicht hatte sie im Netz gerade keine kürzere Erklärung gefunden, die sie zur Entschuldigung kopieren konnte. :lache


    Ich glaube, einige von den Eulen sind nur schon eine Weile im Netz unterwegs.
    Link zur Definition, die nichts mit Märchenwesen zu tun hat.


    In diesem konkreten Fall: diese Idee hat eine Form, die unmöglich ernst gemeint sein kann.

    Zitat

    Original von Ronja
    Interessante Stellungnahme von Hegemann und der Ullstein Verlegerin zum Plagiatsvorwurf. Link


    Daraus:

    Zitat

    Original von Helene Hegemann
    Originalität gibt’s sowieso nicht, nur Echtheit.


    Dieser Poesiealbumspruch widerspricht nun meiner Auffassung von Literatur auf eine so grundlegende Weise, dass ich das Buch sicherlich nicht lesen werde.

    Zitat

    Original von beowulf
    Ich bin etwas verwirrt- Fried und Mangold taten doch so, als wäre das ein Erstling und man würde die Autorin mit dem Hype überfordern- und die hat schon den Max-Ophüls - Preis? Ein Klick auf die Homepage des Preises zeigt jedenfalls, dass es dort keinen Topedo im Jahre 2009 als Preisträger gab... Oder habe ich im Halbschlaf da was durcheinandergebracht?


    Das stimmt schon. Sie hat auch schon als Schauspielerin im Episodenfilm Deutschland 09 mitgespielt. Letztes Jahr auf der Berlinale gesehen. In dem Kurzfilm von Nicolette Krebitz spielt sie sich selber und trifft auf Susan Sonntag (gespielt von Jasmin Tabatabai) und Ulrike Meinhoff. Sie ist also wirklich kein ungeschriebenes Blatt und nimmt schon länger sichtbar und durchaus selbstbewusst am öffentlichen Kulturleben teil.

    Zitat

    Original von Magic
    Herzlichen Dank. Ich werde es auf jeden Fall versuchen.
    Hast Du dort schon etwas verlegt und gute Erfahrungen gemacht?


    Magic


    Nein, ich kenne die Verlage nur als Leser und bin allgemein an der SF&F-Literaturszene in Deutschland interessiert. Der eine Verlag ist etwas kleiner, macht für mich aber einen professionellen Eindruck, und der andere hat eine lange Tradition (Hobbit Presse).

    Zitat

    Original von LeseMann


    Natürlich tun sie das nicht!!!
    Es ist für sie ein neuer Markt und Ihre Produkte haben einen Namen.
    Wenn die Kunden darauf "reinfallen", dann ist es doch nicht die Schuld von denen ;-)


    Habe ich auch nicht behauptet. Ich bewundere die Marketing-Strategie (und tippe diesen Beitrag übrigens auf einem MacBook).


    Für mich gibt es für Firmen zwei Möglichkeiten, in den E-Book-Markt einzusteigen. Sich mit der bestehenden Technologie zu beschäftigen und basierend auf diesen Erkenntnissen und Standards und ein paar eigenen Ideen ein Produkt auf den Markt zu bringen.


    Oder quasi bei Null anzufangen und so zu tun als hätte man gerade den ersten E-Book-Reader erfunden (was jetzt Apple getan hat). Auf eine ähnliche Weise ist das iPad auch gleichzeitig den Netbook-Markt ab. Natürlich ist das legitim. Es ist auch faszinierend und führt zu interessanten Produkten, ist aber ein ganz klein wenig arrogant.

    Prinzipiell stimme ich mit LeseMann überein, dass es wesentliche Unterschiede zwischen EBook-Readers und Tablet-PCs gibt, nur scheint mir, dass Apple sich nicht wirklich darum kümmert. Das ipad wird u.a. als E-Book-Reader beworben und wenn sich Steve Jobs in seinem Sessel mit dem ipad lümmelt und die New York Times liest dann verschwinden nun einmal die Grenzen zwischen Browsen und Lesen. Ich habe gelesen, dass die großen amerikanischen Verlage bereits angekündigt haben, das ipad zu unterstützen bzw. das verwendete ePub-Format. Ich schätze mal, dass man demnächst diese Bücher auch (oder nur?) über den Apple Store käuflich erwerben kann.


    Auf der anderen Seite scheint die Börse bisher nicht darauf hereinzufallen. Der Aktienkurs von Amazon, mit dem Kindle wohl der Marktführer im E-Book-Bereich, ist sogar leicht gestiegen.

    Zitat

    Original von Tom


    Dann schnapp Dir doch einfach mal ein paar Bücher von Kurt Vonnegut und untersuch jeden einzelnen Satz auf diese Prämisse. :grin


    Das habe ich gerade eben kurz auf die Schnelle gemacht und ich behaupte, dass seine Sätze diese Prämisse zu etwa 42,0815% erfüllen, womit er immer noch weit über dem Durchschnitt liegt. Leider hat sein Altersgeschwafel seinen Schnitt versaut.


    Zitat

    Original von Tom


    Und außerdem wäre es nett, wenn Du mir, sagen wir: fünf Romane nennen könntest, deren Handlung sich nicht in drei oder vier Sätzen zusammenfassen ließe.


    Das wird mir kaum gelingen, aber mein Punkt war eigentlich: kann man nicht erwarten, dass eine Geschichte in ihrer Entwicklung (also über die in drei oder vier Sätzen zusammenfassbare Prämisse) eine gewisse konsequente Abfolge von Handlungs- und Charakterentwicklung darstellt. Man kann das als Creative-Writing-Quatsch abtun, aber sollte eine Szene nicht eine entsprechende Funktion haben und jede Szene vielleicht auch so etwas wie eine kleine Geschichte darstellen? Insofern könnten z.B. auch Gewaltszenen eine Funktion haben oder eben nicht. Wäre das nicht enttäuschend wenn man aus einem Roman eine Seite nach der anderen herausreißen könnte, und der Geschichte würde das überhaupt nicht schaden?

    Zitat

    Original von Tom
    Ein ganz erstaunlicher Thread. :wow


    Hier ist häufiger davon gesprochen worden, dass die Dinge in ein Buch gehören, die zur Geschichte gehören. Verblüffend.
    Was "gehört" zur Geschichte?


    Um mal Kurt Vonnegut zu zitieren:


    Zitat

    Every sentence must do one of two things -- reveal character or advance the action.


    Link


    Man kann sicherlich darüber streiten, aber mir persönlich wäre ja eine Geschichte, die sich mit vier Sätzen zusammenfassen lässt und deren Rest eine mehr oder wenig kunstvolle Aneinanderreihung von Nebensächlichkeiten und Geschwafel ist, viel zu wenig.