Heidi Rehn - Das doppelte Gesicht: Ein Fall für Emil Graf

  • ASIN/ISBN: 3746637074


    Herausgeber : Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (8. Dezember 2020)

    Sprache: : Deutsch

    Taschenbuch : 352 Seiten

    ISBN-10 : 3746637074

    ISBN-13 : 978-3746637075


    Inhaltsangabe:


    München, August 1945. Der Krieg ist zu Ende, die Stadt versinkt im Chaos. Die Reporterin Billa Löwenfeld, eine aus dem Exil zurückgekehrte Jüdin, soll den Kriegsheimkehrer Viktor von Dietlitz interviewen – und findet ihn erschossen auf. Der junge und noch unerfahrene Ermittler Emil Graf soll den vermeintlichen Routinefall aufklären. Schon bald geschehen zwei weitere Morde nach demselben Muster. Und Emil findet heraus, dass ausgerechnet Billa die gesuchte Verbindung zwischen den drei Opfern sein könnte …


    Autoreninfo:


    Geboren und aufgewachsen im romantischen Mittelrheintal kam Heidi Rehn zum Studium nach München. Und blieb aus Liebe dort hängen, auch wenn ihr der Blick auf den Rhein und überhaupt einen vernünftigen Fluss sehr abgeht. Sie arbeitete als Dozentin an der Uni, PR-Beraterin in einer Agentur, freie Journalistin und Texterin. Pünktlich zur Jahrtausendwende erschien ihr erster Roman. Mit dem „Haus der schönen Dinge“ (Knaur 2017) über eine fiktive jüdische Kauf- und Warenhausdynastie zwischen Kaiserzeit und Reichspogromnacht gelang ihr der Sprung auf die Bestsellerliste. 2014 erhielt sie den „Goldenen Homer“ für den besten historischen Gesellschafts- und Beziehungsroman.


    Meine Meinung:


    Titel: Gelungener Startband einer Krimireihe...


    Frau Rehn konnte mich bereits mit zahlreichen Büchern begeistern, einen Krimi hatte ich bis dato noch nicht von ihr gelesen. Gespannt begann ich zu lesen, um mich im Nachkriegs-München wiederzufinden.


    Nach dem überstandenen Krieg herrschen immer noch Unruhen in München. Als Kriegsheimkehrer auf seltsame Weise sterben, soll der junge Ermittler Emil Graf diese Fälle untersuchen. Als Zeugin stolpert ihm die amerikanische Reporterin Billa in den Weg. Was steckt hinter den Fällen? Und warum verliert Emil beinahe immer seine Sprache, wenn Billa in seiner Gegenwart ist?


    Richtig gut gelungen ist, dass man sich das zerstörte München bildlich vorstellen kann. Jeder hat die schrecklichen Taten an Menschen im Kopf, wenn er an Krieg denkt, nie aber die zerstörten Häuser und Kulturgüter. Man wandelt regeltrecht durch die Häuserschluchten mit einer Gänsehaut.


    Sehr interessant fand ich es mal über eine amerikanisch besetzte Zone zu lesen und auch über das Schicksal von Displaced Persons mehr zu erfahren.


    Der Fall an sich weist genug Puzzleteile auf, dass man als Leser gern miträtselt, was eigentlich dahinter steckt. Es gibt zahlreiche Überraschungen und man tappt des Öfteren im Dunkeln.


    Emil Graf ist einfach ein Schatz als Hauptfigur. Seine schüchterne Art hat mir sehr gefallen. Und dennoch weiß er sich durchzusetzen, kann er als Ermittler doch auch Erfolge verzeichnen.


    Billa Löwenfeld ist das genaue Gegenteil zu Emil. Mit ihr konnte ich mich gut identifizieren, weil sie sehr temperamentvoll ist und auch mal über die Stränge schlägt. Ich mochte, dass sie sich um andere kümmert und nicht nachgibt, wenn sie etwas herausfinden möchte.


    Das Knistern zwischen Emil und Billa ist immer mal wieder zu spüren, steht aber nie im Fokus, so dass keiner Angst haben muss, dass es irgendwann kitschig wird. Es ist die perfekte Dosis Liebe in rauen Zeiten.


    Die Auflösung des Falls habe ich lange nicht erahnt und fand sie schlüssig und nachvollziehbar.


    Fazit: Ein guter erster Band, der zu begeistern weiß. Ich freue mich jetzt schon auf mehr Stoff von den Beiden. Unbedingt lesen!


    Bewertung: 10/ 10 Eulenpunkten

  • München, August 1945: Als die Journalistin Billa Löwenfeld Viktor von Dietlitz interviewen möchte, findet sie ihn tot vor, erschossen. Der Neuling in der Mordkommission, Emil Graf, soll in dem Fall ermitteln, und hat es bald mit zwei weitere Todesfällen zu tun, alle drei Männer wurden unter ähnlichen Umständen ermordet, offenbar von einem Serientäter.


    Deutschland, kurz nach dem 2. Weltkrieg – die Menschen hatten es nicht leicht, zum einen lag auf ihnen der Schatten des nationalsozialistischen Regimes, zum anderen galt es Land und Leben wieder aufzubauen. Beide Protagonisten haben in dieser Beziehung ihr eigenes Päckchen zu tragen, Billa, die als Jüdin Deutschland sieben Jahre zuvor in Richtung USA verlassen hatte, und nun mit den Streitkräften zurückkehrt, Emil, der mit seinen Erlebnissen im Krieg hadert und familiäre Beziehungen zu Systemtreuen hat, und nun im Zuge des Wiederaufbaus der Müncchner Kriminalpolizei durch die US-Sicherheitskräfte, einen Job hat, den er noch nicht ganz ausfüllen kann, aber sein möglichstes geben möchte.


    Als Leser ist man ganz schnell mitten in der Geschichte angelangt. Die Autorin erzählt atmosphärisch und bildhaft, man kann mit den, gut gezeichneten, Charakteren mitfühlen (auch wenn mir die beiden Protagonisten ein bisschen zu oft erröten), und hat schnell eigene Spuren im Kriminalfall aufgenommen.


    Heidi Rehn greift einige für die Zeit spezielle Themen auf, so das der „displaced persons“, u. a. sind dies die Zwangarbeiter, die nun in ihre Länder zurück sollen, was aber nicht in jedem Fall einfach oder überhaupt gewollt ist. Einer dieser Personen, Pjotr, hat seine eigene Rolle in der Geschichte. Dieses Thema, muss ich sagen, war mir in dieser Problematik gar nicht bewusst, umso wichtiger, dass es erwähnt wird. Insgesamt ist mit der Krimihandlung viel historischer und auch persönlicher Background verwoben, was mir sehr gut gefällt.


    Die Auflösung, auch das muss ich sagen, hat mich nicht ganz zufriedengestellt, ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, hier hätte mir vielleicht ein Rückblick geholfen, der eine bestimmte Motivation, die letztlich ausschlaggebend war, näher beleuchtet – ich muss hier ein bisschen drumherumschreiben, um nicht zu spoilern. Es ist nicht die Motivation des Täters, die ich nicht nachvollziehen kann, sondern die, die überhaupt zu der Situation geführt hat, dass der Täter zum Täter wird. Jedenfalls bin ich mit dieser Auflösung wenig zufrieden.


    Dennoch habe ich den Roman gerne gelesen und freue mich, dass es der Auftakt einer Reihe ist und es mehr von Emil und hoffentlich auch Billa geben wird. Ich bin gespannt auf die weiteren Fälle.


    Der Roman, der in der Zeit kurz nach Kriegsende spielt, bietet eine Menge historischen Background und zwei Protagonisten, die man gerne wiedertreffen möchte, was auch möglich sein wird, da es sich um den ersten Band einer neuen Reihe handelt. Leider hat mich die Auflösung nicht so überzeugen können, weswegen ich letztlich „nur“ 8 Punkte vergebe. Eine Leseempfehlung für Fans historischer Kriminalromane spreche ich aber uneingeschränkt aus.

  • ein wirklich packender Krimi

    München im zerstörten Nachkriegdeutschland wird zum Schauplatz verschiedener Serienmorde. Zu einem dieser Morde wird der junge Kripoanwärter Emil Graf gerufen, an er auf die Reporterin Billa trifft, die rein zufällig über die Leiche eines Kriegsheimkehrers gestolpert ist. Beide ahnen zu diesem Zeitpunkt nicht das eben jener Kriegsheimkehrer nur den Auftakt einer ganzen Reihe von Mordfällen bildet. Denn kurz darauf tauchen weiter zwei Ermordete auf, die auf die gleiche Art und Weise ums Leben gekommen sind. Erschwerend hinzu kommt das alle unbeschädigt aus dem Krieg heimgekehrt sind. Doch dann ergibt sich aus diesem Chaos ein Bild dem Emil nachgeht. Gerade noch rechtzeitig zieht er die richtigen Schlüsse, denn plötzlich ist Billa in Lebensgefahr. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn auch der Mörder hat noch eine Rechnung offen.


    Die Autorin hat mit ihren Krimi, der im Nachkriegsdeutschland in München spielt, einen grandiosen und spannenden Krimi vorgelegt. Er ist nicht nur richtig gut recherchiert sondern sie hat der Story und den Protagonisten richtig Leben eingehaucht.


    Die Handlung wird durch immer wieder wechselnde Erzählperspektiven dominiert, was hier aber keineswegs störend wirkt. Als Leser kommt man so wesentlich schneller in die Handlung und versteht wieso die Figuren so handeln und auch warum. Besonders schön ist das die geschichtlichen Besonderheiten sinnvoll in die Handlung integriert sind ohne das man sich als Leser dabei fühlt in einer Geschichtsstunde gelandet zu sein. So lernt man ganz nebenbei Sachen und Gegebenheiten über das Nachkriegsdeutschland, die man so noch nicht wusste. Ich habe mich jedenfalls kein einziges mal beim Lesen gelangweilt.


    Durch die wechselnde Erzählperspektive kommen einen die verschiedenen Figuren unglaublich nahe. Obwohl ich hier sagen muss das der Kripoanwärter Emil Graf hier am meisten von sich preisgibt. So erfährt man nach und nach in welcher Zwickmühle er steckt. Ihm macht nicht nur die eigene Vorgeschichte zu schaffen nein auch die seines Bruders. Und dann das er immer unter den Augen der Besatzungsmächte hier der Amis ermittelt. Positiv ganz klar er lernt von seinen Vorgesetzten viel und lernt die Menschen lesen und die richtigen Fragen zu stellen. Billa bleibt bis zum Schluss nicht wirklich greifbar, immer wieder rinnt sie einen durch die Finger.


    Fazit: Dieser Krimi ist für jeden Krimifan ein wahres Fest. Die Handlung spannend und packend die Figuren nicht nur gut beschrieben sondern auch gut ausgearbeitet kommt man ihnen unglaublich nahe und fiebert mit ihnen. Ich gebe für diesen wirklich gelungenen Krimi eine klare Leseempfehlung. Ein Top Krimi. <3<3<3<3<3


  • Heidi Rehns neustes Buch ist ein Kimi der besonderen Art. Auf der einen Seite bleibt die Autorin ihrer Linie treu und beschreitet dennoch neue Wege, die sie auf jeden Fall weiterverfolgen sollte.

    Das Cover wird dem Roman absolut gerecht. Es zeigt die Stadt München, alles liegt in Schutt und Asche. Es ist düster und die Menschen müssen mit dem Vorlieb nehmen, was sie vorfinden. Der Roman beginnt am 15. August 1945, Maria Himmelfahrt, in Bayern ein Feiertag. Und genau an diesem Tag geschieht der erste Mord. Emil Graf ein Jude aus Breslau, der Aufgrund göttlicher Fügung von einem GI zur Polizei nach München gebracht wird, in die Stadt seiner Studienjahre, wird mit der Aufklärung des Falls beauftragt. Am Tatort begegnet er Billa Löwenfeld einer amerikanisch-jüdischen Reporterin, die mit dem Opfer ein Interview für eine amerikanische Zeitung führen wollte.

    Doch als zwei weitere Morde geschehen muss Emil erkennen, dass Billa mehr weiß, als sie zugibt und etwas zum Hintergrund der Morde beitragen kann. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

    Neben den der guten Ausarbeitung der Protagonisten hat mir vor allen Dingen das Flair gefallen. München erwacht zum Leben, man bewegt sich mit den Figuren durch München. Ein wahres Gemälde, welches die Autorin in Buchform an ihre Herzens-Stadt geschrieben hat. Emil und Billa sind zwei sympathische Figuren, welche mich überzeugen konnten. Besonders Emil mit seiner hintergründigen, bedachten und ehrlichen Art hat es mir sehr angetan.

    Der Roman wird chronologisch erzählt, hauptsächlich aus den Blickwinkeln von Emil und Billa. Der Leser hat lange keine Ahnung, welches das Motiv der Morde ist und wer der Mörder sein könnte. Mich hat die Autorin lange in die Irre geführt.

    Besonders erwähnenswert ist die Sprache, neben der gewohnt liebevollen Sprache, welche nicht nur zur gegebenen Zeit das Münchner Platt einstreut, um den Roman authentischer wirken zu lassen. Sondern durch seine präzise und sehr ausgefeilte Sprache besticht.

    Ein Roman der mehr ist als ein Krimi, er ist ein Sittengemälde und setzt sich auch mit den unbeliebten Themen der Epoche auseinander. So geht es zum Beispiel um die Displaced Persons nach dem zweiten Weltkrieg und ihre Stellung innerhalb in der Gesellschaft.

    Den Roman lege ich allen ans Herz, die eine Zeitreise in das München im Sommer 1945 antreten möchten, die ganz und gar in eine Geschichte eintauchen möchten.

    Volle Leseempfehlung nicht nur für Krimi-Fans!

    Ich bedanke mich sehr bei Heidi Rehn für die spannenden Lesestunden und hoffe sehr, das dies nicht Emil Grafs letzter Fall war.

    9/10 P.