Präsens, Vergangenheit, Ich oder Er?

  • Hallo, ich bin ein totaler Anfänger was an Geschichten schreiben angeht. Ich habe viele Ideen, die ich umsetzen möchte, nur an der Art und Weise habe ich Zweifel und möchte ohne viel Aufwand starten. Und zwar geht darum:

    Ich möchte ein erotisches Roman/Geschichte schreiben, wo 2 Hauptfiguren eine große Rolle spielen. Der Part der Hauptfiguren werden immer geändert, in dem der Name obendrüber steht und dann in Ich-Perspektive die Geschichte phasenweise erzählt wird - jeweils abwechselnd.

    1. Soll ich in Präsens schreiben?
    So klingt besser, aber wenn ich nochmal durchlese, kriege ich einen „Ich-bin-lange-gewöhnt-in-Präteritum-zu-lesen“-Anfall trotz moderner (also aktuell) Zeit und keine Fantasy-Geschichte.


    2. Macht Ich-Perspektive bei wechselnden Part Sinn oder doch in Erzähler-Perspektive mit Er, Sie, Es?
    Weil ich befürchte, dass es Verwirrungen kommt wenn jeweils der Part mit Ich-Form gewechselt wird.

    LG ladyx

  • Präsens vs. Präteritum: beides legitime Erzählperspektiven. Die Vergangenheitsform ist sicherlich die konventionellere Erzählperspektive unabhängig vom Genre. Die Gegenwartsform hat nichts damit zu tun, ob eine Geschichte in der Gegenwart spielt (wenn ich deine Überlegung da richtig verstehe), und ich halte die Form für wesentlich schwieriger, kann aber funktionieren. Beispiel: After Dark von Haruki Murakami.


    Mehrere Ich-Erzähler ist auch eine sehr übliche Erzählform. Beispiel: Gillian Flynn. Verwirrungen gibt es hauptsächlich dann wenn sich die mehreren Ich-Erzähler zu ähnlich anhören. Idealerweise sollte man als Leser an der Erzählstimme erkennnen können wer gerade erzählt (auch ohne Namen der Figur in der Überschrift).

  • Mmh, also ich verstehe unter Erzählperspektive nicht die Zeitform, die für die Erzählung gewählt wird, also Präsens, Präteritum oder meinetwegen auch Futur II, sondern die Sicht, aus der erzählt wird, im Englischen "point of view". Man unterscheidet den Ich-Erzähler (die Hauptperson ist zugleich Erzähler), personale Erzähler (es wird aus der Sicht einer Figur geschrieben, aber Erzähler und Figur stimmen nicht überein) und auktoriale Erzähler, das sind allwissende Erzähler, die gottgleich über der Handlung schweben und mehr als die einzelnen Figuren wissen - und ggf. sogar bereits die Zukunft kennen. Mehr dazu hier.


    Der Tempus, also die Zeitform einer Geschichte, ist nicht nur eine stilistische Entscheidung, denn die Tempora (Vergangenheit, Gegenwart, sehr selten: Zukunft) haben auch unterschiedliche Wirkungen. Im Präteritum zu erzählen, vermittelt (auch unbewusst) das Gefühl eines rückblickenden Erzählers, der die Geschichte wahrscheinlich überlebt hat, während Erzählungen im Präsens ein stärkeres Gefühl des Miterlebens vermitteln können, aber stärker dazu gezwungen sind, in ihrer Zeitform konsistent zu bleiben.


    Allerdings, bei allem Respekt, liebe lady_x. Dein Posting lässt nicht gerade auf erzählerisches Talent schließen.

  • lady_x Versuch dich doch erst einmal an Fanfiction. Da kannst du dich ausprobieren, und dein Plot passt da ganz wunderbar. Deine Leser werden dir dann schon Feedback geben. Und wähle die Zeitform, in der du dich wohler fühlst, aber dann bitte konsequent durchhalten.


    Und noch ein Tipp: Korrekturleser sind ein Geschenk, wenn man nicht so sattelfest in der Rechtschreibung ist oder zu Flüchtigkeitsfehlern neigt - such dir welche! Das geht im Freundeskreis, aber auch in diversen Foren, Facebookgruppen und Autorenseiten. Hier natürlich auch.

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis

  • Welcher Plot? :/

    Das hier (ja, nicht wirklich ein Plot):

    Zitat

    Ich möchte ein erotisches Roman/Geschichte schreiben, wo 2 Hauptfiguren eine große Rolle spielen. Der Part der Hauptfiguren werden immer geändert, in dem der Name obendrüber steht und dann in Ich-Perspektive die Geschichte phasenweise erzählt wird - jeweils abwechselnd.

    Findet sich in Fanfiction häufiger...

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis

  • Ist aber kein Plot. Ist irgendwie ... äh, keine Ahnung. Zwei Hauptfiguren, die "große Rollen spielen" (was eine übliche Eigenschaft von Hauptfiguren ist). Die Perspektive wechselt jeweils von einer zur anderen, wenn ich das richtig verstehe, kühne Idee. Jedenfalls: Nix Plot. Ein sehr grober Plot ist sowas: Sie/er will ihn/sie, aber er/sie will eine/n andere/n, aber am Ende kriegen sie sich doch, weil er/sie ein/e Idiot/in war, das aber rechtzeitig erkennen konnte (weil: Katharsis). Ein feinerer Plot füllt ihn/sie mit Eigenschaften, ergänzt um Hintergründe und formuliert ein Subthema. Das, was lady_x da erklärt hat, hat mit Inhalten jedenfalls nichts zu tun. Und ich glaube, das ist irgendwie Verarsche.

  • Ich war vielleicht etwas ungenau in meiner Verwendung des Begriffes Erzählperspektive und hätte eher allgemeiner von Erzählform sprechen sollen. Aber sind personale und zeitliche Perspektive nicht die wesentliche erzählerischen Entscheidungen, die ein Autor trifft?


    Und überhaupt, kann man den Faktor Zeit wirklich komplett aus der Erzählperspektive herausfriemeln? Ist es für eine Erzählperspektive nicht wesentlich aus welcher, auch zeitlichen, Situation heraus erzählt wird? Passiert etwas gerade während des Erzählens? Wird etwas aus der Zukunft der Erzählzeit heraus erzählt? Ist der Erzähler vielleicht alt, die Figur ein Kind etc. etc.

  • Hallo, Googol.


    Der Faktor Zeit spielt auf vielen Erzählebenen eine Rolle, wobei der Tempus vor allem darüber entscheidet, ob es im Moment passiert, wovon erzählt wird, oder ob es bereits passiert ist. Während ein Erzähler, der im Präsens berichtet, die gegenwärtigen Geschehnisse um Rückblenden ergänzen kann, kann ein Erzähler, der Vergangenheitsformen verwendet, aus Sicht dieser Vergangenheiten ggf. in die Gegenwart springen, also aus der Zukunft dieser Vergangenheit heraus werten ("Karsten ahnte noch nicht, was ihm geschehen würde."). Und, klar, das hat auch Einfluss auf die Figuren - ein Ich-Erzähler, der in der Vergangenheitsform erzählt, ist zugleich der Mensch, der diese Erlebnisse hinter sich gebracht und eine Folge dieser Erlebnisse ist, während ein Präsens-Erzähler vor den Augen der Leser reift. Deshalb geht man natürlich auch nicht willkürlich vor. Jedes Stilmittel hat dramaturgische Konsequenzen, und keine davon steht für sich alleine, da hast Du absolut recht.