Trag das Feuer weiter – Leila Slimani

  • Verlag Luchterhand, 2026

    448 Seiten


    OT: J'emporterai le feu

    Übersetzung: Amelie Thoma


    Kurzbeschreibung:

    Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit »brain fog«, einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt. Auf Anraten ihres Arztes reist sie nach Marokko, in das Land ihrer Kindheit, das sie als junge Frau verlassen hat. Als sie auf der Farm ihrer Großeltern in Meknès eintrifft, hat sie das Gefühl eine Fremde zu sein. Sie fragt sich, wer sie ohne die Erinnerungen an ihre Familie ist. Und taucht ein in ihre eigene Geschichte. Eine Geschichte, die auf ganz eigene Weise vom Kampf gegen gesellschaftliche Grenzen erzählt - und von dem Streben nach Freiheit.

    Rabat, 1980. Mia ist sechs Jahre alt, als ihre Schwester Ines geboren wird. Ihre Mutter ist Gynäkologin. Ihr Vater leitet eine Bank. Die beiden Schwestern könnten nicht unterschiedlicher sein. Mit stillem Befremden verfolgt Mia, wie mühelos sich Ines anpasst, und es braucht Jahre, bis die beiden Schwestern einander näherkommen. Als Mia zum Studium nach Paris zieht, ist es ein Aufbruch in die Freiheit: Zum ersten Mal kann sie dort ihre Homosexualität offen leben. Und es ist ein Versprechen an ihren Vater: das Feuer, das in ihrem Innern brennt, weiterzutragen. So wie Mathilde, ihre Großmutter, und Aisha, ihre Mutter, entscheidet sie sich für einen ganz eigenen Weg.


    Über die Autorin:

    Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Ihre Bücher sind internationale Bestseller. Slimani, 1981 in Rabat geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po. Für den Roman »Dann schlaf auch du« wurde ihr der renommierte Prix Goncourt zuerkannt. Zuletzt erschienen im Luchterhand Literaturverlag der persönliche Band »Der Duft der Blumen bei Nacht« sowie die beiden Romane »Das Land der Anderen« und »Schaut, wie wir tanzen«. Letztere sind Teile einer Romantrilogie, die auf der Geschichte von Leïla Slimanis eigener Familie beruht.


    Über die Übersetzerin:

    Amelie Thoma übersetzt Literatur aus dem Französischen, u. a. Texte von Marc Levy, Joël Dicker, Françoise Sagan und Simone de Beauvoir.


    Mein Eindruck:

    Leila Slimani hat mit ihrer Marokko-Trilogie eine ambitionierte Familien-Saga hingelegt.

    Ich war überrascht, dass ich in den dritten und letzten Teil so mühelos eintauchen konnte. Es war schwer, sich auch nur kurz vom Buch zu lösen.


    Eine neue Generation steht im Vordergrund, die Schwestern Mia und Ines, Töchter von Aichi und Mehdi. Auch andere Figuren der Trilogie, wie die Protagonisten des ersten Teils wirken weiterhin mit.

    Das Buch wird internationaler. Obwohl die meisten Abschnitte in Barat handeln, gibt es auch Passagen in Paris und New York.

    Die Schwestern Mia und Ines sind sehr unterschiedlich, suchen aber beide nach ihrer Identität.


    Ein langer Zeitraum, von 1980 bis 2022, wird abgedeckt.

    Man kann Leila Slimani zu diesem fantastischen Abschluß ihrer Trilogie nur gratulieren!


    ASIN/ISBN: 363087648X

  • Familie in Marokko


    Trage das Feuer weiter, ist das Ende einer Trilogie der Schriftstellerin Leïla Slimani.

    Die ersten beiden Bücher habe ich nicht gelesen, das macht aber nichts, den Roman kann man auch allein lesen.

    Es ist eine Geschichte, die an die Familie der Autorin angelehnt ist.

    Der Schauplatz ist Marokko.

    Es beginnt mit Mia, die Schriftstellerin ist und sich krank fühlt.

    Ihre Mutter ist Ärztin, ihr Vater arbeitet als Bankdirektor. Sie hat noch eine jünger Schwester, die sie nicht haben wollte. Da ist sie ziemlich rabiat.

    Dann gibt es noch Mathilde, die Großmutter, die aus dem Elsass stammt. Die Personen kommen immer wieder abwechselnd zu Wort.

    Mit waren die Sprünge zwischen den verschiedenen Abschnitten etwas zu abgehackt.

    Trotzdem liest sich das Buch gut. Man erfährt, wie die politische Lage in Marokko, gefährlich werden kann.

    Die Emotionen der Familie wurden gut umgesetzt und ich kann den Roman nur weiter empfehlen.

  • Projekt „Gemeinsam lesen mit FAZ und Thalia“: Neuer digitaler Buchclub startet mit Leïla Slimanis Roman.

    Zitat

    Die Leserunde zu „Trag das Feuer weiter“ von Leïla Slimani beginnt am 21. Januar 2026. Ab diesem Zeitpunkt sind alle eingeladen, das Buch gemeinsam zu lesen, Eindrücke zu teilen und Fragen zu diskutieren. Die Leserunde endet am 21. März 2026 mit einem exklusiven Abschlussevent


    https://bookcircle.thalia.de/d/169727-gemeinsam-lesen

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Frankreich im Jahr 2023: Mia Daoud, eine bekannte Schriftstellerin, hat nach einer Covid-Infektion mit „Brain Fog“ zu kämpfen. Sie kann sich nicht mehr richtig konzentrieren und hat keinen Zugriff auf ihre Erinnerungen. Nach dem entsprechenden Tipp eines Arztes reist sie nach Marokko. Dort ist sie aufgewachsen. Doch als junge Frau hat sie ihre frühere Heimat verlassen. Als sie nun auf der Farm ihrer Großeltern in Meknès ankommt, fühlt sie sich allerdings fremd…


    „Trag das Feuer weiter“ ist der dritte Teil der „Das Land der Anderen“-Trilogie von Leïla Slimani.


    Der Roman gliedert sich in zwei Teile, die von einem Pro- und einem Epilog eingerahmt und durch ein „Intermezzo“ getrennt werden. Die Handlung umspannt mehrere Jahrzehnte, beginnend 1980, und spielt in Frankreich und Marokko.


    Erzählt wird aus wechselnder Perspektive aus der Sicht verschiedener Personen. Die Sprache ist eindrücklich, atmosphärisch und pointiert, dabei zugleich wunderbar unprätentiös und dennoch mit einer leicht poetischen Note.


    Bei der Geschichte handelt es sich um den Abschluss einer französisch-marokkanischen Familiensaga, inspiriert von den Biografien der Großmutter und Mutter der Autorin. Der neue Roman schließt an „Das Land der Anderen“ und „Schaut, wie wir tanzen“ an. Es empfiehlt sich, die Trilogie in der korrekten Reihenfolge zu folgen. Dank eines Personenverzeichnisses mit Zusammenfassungen lässt sich der dritte Teil jedoch auch ohne Vorkenntnisse verstehen.


    Diesmal begleiten wir mit Mia, Mathildes Enkeltochter, hauptsächlich die dritte Generation der Familie. Mir hat es gefallen, dass eine queere Protagonistin im Vordergrund steht. Ihre Gedanken und Gefühle konnte ich gut nachvollziehen. Sie und die übrigen Hauptfiguren wirken authentisch und werden mit psychologischer Tiefe dargestellt.


    Auf der inhaltlichen Ebene dreht es sich vor allem um das Heranwachsen, die Suche nach Freiheit und der eigenen Identität. Welchen Einfluss haben unsere Erinnerungen und unsere familiären Wurzeln auf unser Sein? Welche Rolle spielt unsere Geschichte? Auch diesen Fragen geht der Roman nach.


    Auf den rund 450 Seiten bietet der Roman nicht nur eine glaubwürdige Handlung, sondern liefert auch Hintergrundwissen zu den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen in den vergangenen Jahrzehnten in Marokko. Darüber hinaus überzeugt die Geschichte immer wieder mit bewegenden Momenten.


    Die deutsche Ausgabe bleibt optisch wieder nah am französischen Original. Das Foto des Covermotivs wurde übernommen. Zudem wurde der Titel fast wortgetreu übersetzt („J‘emporterai le feu“).


    Mein Fazit:

    Mit „Trag das Feuer weiter“ gelingt Leïla Slimani ein würdiger und überzeugender Abschluss ihrer Familientrilogie. Eine Lektüre, die Unterhaltung und Anspruch auf gekonnte Weise verbindet.


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