Wasser für die Elefanten - Sara Gruen

  • Mit Zirkus konnte ich noch nie etwas anfangen, und wenn ich mir die Inhaltszusammenfassung richtig durchgelesen hätte im Vorfeld, dann hätte es dieses Buch vielleicht nie in mein Bücherregal geschafft.
    Das wäre ein Verlust gewesen, denn das Buch hat mich angenehm überrascht. Wenn irgendwie jeder, den man kennt, ein bestimmtes Buch liest, dann macht mich das eher ein wenig skeptisch.


    Aber dieser Roman ist in sich schlüssig, spielt mit zeitlichen Perspektivwechseln, wobei jede Perspektive für sich lesenswert ist und mein Interesse gebunden hat. Ich habe keine Längen gefunden, keine.
    Jacobs Leben als alter Mann im Altersheim hätte schon allein einen lesenswerten Roman ausgemacht, werfen diese Passagen doch mal ein ganz anderes Licht auf das Alter im Widerstreit zwischen Hilfebedürftigkeit und einem immer weiter entgleitender Eigenständigkeit und Würde.


    Alles in allem ein gutes Buch (trotz Zirkus :grin), gut recherchiert und flüssig zu lesen.


    Von mir 8 Punkte

  • Ich stimme Clare zu - ganz ganz tolles Buch!! Zwar anders als erwartet, viel Ernster und 'tiefer', aber auf eine gute Weise und das Ende hat mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Ein gefühlvolles Buch, das ich jedem ans Herz lege.


    Nur in einem muss ich widersprechen.. das Zirkusthema hat mich von Anfang an begeistert!


    10 von 10 Punkten!

    Above all, send the bees love. Every little thing wants to be loved. - The Secret Life of Bees

  • Der 93-jährige Jacob Jankowski lebt in einem Altersheim. In dieses wurde er von seinen Kindern untergebracht, nachdem seine Frau starb und er selbst sich bei einem Sturz die Hüfte brach. Geistig ist er noch voll auf der Höhe, nur sein Körper spielt nicht mehr so mit, wie er es gern hätte. In dem Heim ist ein Tag wie der andere. Doch eines Tages wird in Sichtweite ein Zirkus aufgebaut und Jacob erinnert sich an seine Vergangenheit, denn er selbst ist jahrelang mit einem Zirkus durch Amerika gereist.


    Bis zu seinem 23. Lebensjahr führte Jacob ein sehr behütetes Leben. Als einziges Kind seiner Eltern hatte er eine glückliche Kindheit und es stand für ihn nie zur Debatte, dass er einen anderen Beruf ergreifen wollte als sein Vater: Veterinär. Auf der Universität läuft es, trotz Wirtschaftskrise, sehr gut für ihn, die Studiengebühren sind gezahlt und es fehlt nur noch eine Prüfung zu seinem Abschluss. Es ist das schicksalhafte Jahr 1931, das sein Leben für immer verändern soll. Kurz vor der Abschlussprüfung sterben Jacobs Eltern bei einem Autounfall und Jacob steht völlig mittellos da, denn seine Eltern konnten ihm, wider erwartend nichts hinterlassen. Sein Elternhaus und die Praxis seines Vaters sind an eine Bank verloren, bei der die Hypothek für seine Studiengebühren lief. Jacob, der nicht weiß, wo er hin soll und was er mit dem Rest seines Lebens anfangen soll, springt einfach auf einen vorbeifahrenden Zug.


    Dass es sich bei dem Zug um einen fahrenden Zirkus handelt, merkt Jacob recht schnell. Mit Hilfe von Camel, der sich in jenem bewussten Waggon aufhält, bekommt er tatsächlich Arbeit als Tierarzt beim Zirkus. Jetzt betritt Jacob eine ihm neue und völlig unbekannte Welt. Schnell lebt er sich ein und merkt, wer seine Freunde und Verbündeten sind und wem er aus dem Weg gehen muss, um ein ruhiges Leben beim Zirkus zu führen. Bereits am ersten Tag sieht er Marlena, eine Artistin und verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Marlena ist verheiratet und was das bedeutet, eröffnet sich Jacob schneller, als ihm lieb ist. Und dennoch, er kann Marlena nicht fern bleiben und auch sie scheint, obwohl sie verheiratet ist, ihm gegenüber Gefühle zu hegen. Doch kann das gut gehen, zwei Liebende, die nicht sein dürfen auf so engem Raum? Können sie ihre Gefühle gegenüber den anderen verbergen und was passiert, wenn Marlenas Ehemann davon erfährt?



    Was für eine ergreifende Geschichte! Der Plot wurde sehr detailliert und gefühlvoll erarbeitet, ich war einfach nur hingerissen. Besonders gut haben mir die fließenden Übergänge von Gegenwart und Vergangenheit gefallen, sie waren gleitend, nicht abrupt, wie es häufig der Fall ist. Die Figuren wurden allesamt facettenreich und tiefgründig in Szene gesetzt, ich war von jeder einzelnen, ob gut oder böse fasziniert und begeistert. Den Schreibstil empfand ich als sehr angenehm zu lesen, sodass ich das Buch am Stück gelesen habe - es hatte mich einfach gepackt und nicht mehr losgelassen. Hier hat mir besonders gut gefallen, dass das Buch ausschließlich aus der Sicht Jacobs erzählt wird. Ich musste mich hier nicht auf irgendwelche anderen Sichtweisen einstellen, sondern konnte einfach in die Geschichte eintauchen und mit ihr schwimmen. Abschließend kann ich sagen, dass es sich hier um ein sehr einfühlsames Buch handelt, dass mir wundervolle Lesestunden bereitet hat und von dem ich mir vorstellen könnte, es durchaus noch einmal zu lesen.

  • Ich bin mit mehr Erwarten an das Buch rangegangen und wurde doch ein wenig enttäuscht. :-( Da es dieses Buch doch auf die Bestsellerlisten geschafft hat, habe ich mir ein wenig mehr Spannung gewünscht. Das was im Film (welchen ich zwischenzeitlich gesehen habe) zu wenig war, war im Buch gut wiedergegeben und was im Buch fehlte, kam im Film gut rüber. Ich frage mich noch immer, warum man Onkel Al im Film gleich mal ganz weggelassen hat und August der Oberste war!?
    Auch die "Freundschaft" zwischen den einzelnen Protagonisten geht im Film ziemlich unter. In dem Buch hat es mir an vielen Stellen / Passagen an Spannung gefehlt, manchmal hatte ich das Gefühl, die Autorin hat eine doch gute und spannende Situation nicht recht wiedergeben können, weil sie die falschen Worte gewählt hat.


    Insgesamt hat das Buch durch ein nicht erwartendes Ende begeistern können.
    Ich vergebe 6 von 10 Eulenpunkte für das Buch. Es ist ein wenig besser wie Mittelmaß, aber doch nicht so, dass ich es unbedingt nochmals lesen muss.

  • Im Rahmen eines Lieblingsbuchevents, bei dem jeder Teilnehmer drei Buchtipps bekommt, stand „Wasser für die Elefanten“ auf der Liste der mir vorgeschlagenen Bücher. Da die beiden anderen Bücher mich noch weniger angesprochen hatten, machte ich mich eher skeptisch als voller Vorfreude an die Lektüre von Sara Gruens Werk. Und nun musste ich schweren Herzens die letzte Seite umblättern und Jacob und Co. wieder verlassen.


    Bereits der Prolog hat mich auf einfühlsame Weise abgeholt und mich dann in der Hauptgeschichte mit auf eine intensive und spannende Reise in die Welt des Zirkus zur Zeit der grossen Depression mitgenommen. Jacob, der sich in der Rahmenhandlung als über 90jähriger an seine Zeit beim Zirkus erinnert, stand mir von Anfang an so nah, wie es nicht viele Protagonisten schaffen. Er ist liebenswürdig und vor allem mit den Tieren sehr behutsam. Gleichzeitig zeigt er uns Lesern auch seine Ecken und Kanten, was ihn so menschlich und greifbar macht. Auch wenn die Figuren teilweise recht klischeehaft und in erster Linie schwarz-weiss gezeichnet sind, erscheinen sie erstaunlicherweise lebendig und realistisch. Wie sehr habe ich mit Jacob und Marlena gestaunt, gelacht, geliebt und gelitten und habe gelernt, wie schwer das damalige Leben der Artisten und Zirkushelfern war, die Abend für Abend den Zuschauern Freude, Staunen und Illusionen schenkten.


    Ich will hier jedoch nicht zu viel von der Geschichte verraten. Es liegt mir jedoch am Herzen eine klare Leseempfehlung auszusprechen und kann verkünden, dass der „Lieblingsbuchevent“ bei mir ein voller Erfolg war. Ohne diesen Buchvorschlag wäre mir tatsächlich ein wunderbar berührendes Buch entgangen.

  • Ich habe das Buch nun auch endlich gelesen - und bin maßlos begeistert...


    Ich habe die Geschichte innerhalb von 3 Tagen zu Ende gelesen. Eine wirklich rührende und wunderschöne Geschichte - die nicht nur um Rosie, den Elefanten geht, sondern die auch über die damals furchtbaren Verhältnisse eines Wanderzirkusses erzählt. Außerdem geht es um Freundschaft, Liebe, Zusammenhalt und auch um das Altern...
    Sehr gut gefallen haben mir auch die Zeitwechsel zwischen dem 90-jährigen und dem 23-jährigen Jacob. Ein Protagonist, der mir sehr ans Herz gewachsen ist, mit seiner eigenwilligen Art.


    Bevor ich den Film schaue, wollte ich unbedingt erst das Buch lesen und bin nicht enttäuscht worden.


    Eine klare Leseempfehlung von mir - ich vergebe die volle Punktzahl!

    Einige Bücher soll man schmecken, andere verschlucken und einige wenige kauen und verdauen.

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