'Der Glöckner von Notre-Dame' - 1. Buch

  • .....da bei mir keine Verzögerung eingetreten ist, fange ich schon mal an ;-).
    Bei mir war es so, daß ich am Wochenende kein neues Buch anfangen wollte und deshalb schon mal mit dem Glöckner begonnen habe....



    Ich muß gestehen, daß ich wenig von der Geschichte kenne. Einige fragmenthafte Bilder des Filmes mit Anthony Quinn und Gina Lollobrigida (aus meiner Kindheit) tauchen vor meinem Auge auf, aber ich kann sie nicht mehr in einen richtigen Zusammenhang bringen.
    Soviel zu meinen Vorkenntnissen zu dem Buch.




    Die erste Seite beginnt sehr vielversprechend.


    Es sind heute dreihundertundachtundvierzig Jahre, sechs Monate, neunzehn Tage her……….es ist dieser der sechste Januar 1482.
    Wir werden gleich darüber aufgeklärt, daß es sich hier um einen historischen Roman handelt. Das finde ich schon sehr interessant, denn bisher kenne ich nur ein paar wenige historische Romane, die in der jetzigen Zeit geschrieben wurden.



    Nach der vielversprechenden ersten Seite kam ich dann aber schlecht in die Geschichte hinein. Die genaue Beschreibung des Hauptsaals und die vielen Namen der Studenten haben mich etwas überfordert. Da half nur das erste Buch gleich noch ein zweites mal zu lesen. Dadurch bin ich dann sehr gut „reingekommen“.
    Mittlerweile gefällt mir die Sprache und auch Viktor Hugos Stil sehr gut.
    Ich mußte sehr oft innerlich schmunzeln, weil er die Menschen so treffend beschreibt, ohne dass es in langweilige Personenbeschreibungen ausartet. Sei es durch die frechen Zwischenrufe der Studenten, durch den Unmut des wartenden Volkes oder aber auch durch dieses Zwiegespräch:


    Ich sage Ihnen, mein Herr Nachbar, die Welt geht zu Ende! Solche Auswüchse der Schuljungenschaft hat man noch nie zuvor wahrgenommen! Die heillosen Erfindungen dieses Jahrhundert sind’s, die alles verderben…………vor allem die Buchdruckerkunst, diese aus Deutschland gekommene zweite Pest! Gibt’s kein Manuskript mehr, gibt’s auch kein Buch mehr! Der Buchdruck ertötet den Buchhandel!
    (Erinnert mich jetzt sehr an die heutigen Diskussionen ums internet, ebook und ähnliches ;-))


    Was ich im geschichtlichen Zusammenhang nicht so ganz verstehe, ist die Abneigung gegen die „Flämischen“. Kennt sich da von euch jemand aus?


    Pierre Gringoire wird als Mensch beschrieben, der immer den angenehmen Mittelweg wählt. So habe ich es zumindest verstanden. Das macht ihn in meinen Augen nicht gerade sympathisch.
    Aber dennoch tut er mir leid, als sein Stück beim Publikum nicht so ankommt wie erwartet.
    Es scheint mir so, als wolle Hugo uns hier zeigen wie schnell das Volk von einer Sache erst begeistert ist und sich dann ebenso schnell wieder etwas anderem zuwendet.
    Hier dargestellt durch die Szene mit dem Bettler.
    Die Unterbrechung des Stückes durch den Kardinal ist ein weiterer Tiefschlag für Gringoire.
    Außerdem wird in diesem Kapitel der Kardinal etwas näher beschrieben.
    Ich habe oft das Gefühl, als beschreibe Hugo uns die Figuren mit einem Augenzwinkern.
    Z. B. diese Stelle hier:


    ….Im übrigen war er (der Kardinal) ein guter Mensch. Er führte ein vergnügliches Kardinalsleben…….gab hübschen Dirnen lieber ein Almosen als alten Weibern….


    Endlich wird auch Quasimodo dem Leser vorgestellt. Der Beschreibung nach muß er wirklich außerordentlich häßlich und entstellt sein. Viel schlimmer noch, als ich es aus dem Film in Erinnerung habe.
    Dieser entstellte und etwas einfältige Kraftprotz wird also vom Volk zum Narrenpapst gewählt. Während das Volk auf seine Kosten Spaß hat, fühlt sich Quasimodo anscheinend zum ersten Mal in seinem Leben auf (aus seiner Sicht) positive Weise beachtet – und es gefällt ihm.


    Und zum guten Schluß taucht auch Esmeralda auf. Wir „sehen“ sie zwar noch nicht, aber die magische Wirkung beim Ruf ihres Namens entgeht uns nicht.
    Sie scheint etwas ganz Besonderes zu sein, wenn das Volk so darauf erpicht ist, sie zu sehen.


    Das erste Buch endet bei mir mit den Sätzen (von Gingoire gedacht):


    „……Aber der Teufel soll mich frikassieren, wenn ich verstehe, was sie mit ihrer Esmeralda sagen wollen! Was ist’s denn in erster Linie für ein Wort? Ägyptisch ist’s doch!“


    Mich hat natürlich nach diesem Satz auch interessiert, was Esmeralda bedeutet und habe gleich mal nachgeschaut: Smaragd oder Edelstein.


    Und das mit dem ägyptisch wird auch etwas verständlicher, wenn man sich bei wikipedia einmal den Beitrag zu den Zigeunern durchliest.


    Also nach meinen Anfangsschwierigkeiten bin ich mittlerweile richtig begeistert von diesem Buch.
    Ich hoffe, ich bleibe hier nicht allzulang allein :wave

  • oh, noch nicht viel los hier... ich bin jetzt beim Kardinal angelangt und möchte schon mal meine ersten Eindrücke loswerden. ich hab ein bißchen was zu jedem Kapitel geschrieben, ich glaube, ich brauche das, um das Buch zu verstehen:


    Der große Saal
    6. Januar 1482 Doppelfeier des Festes der Heiligen Drei Könige und des Narrentages
    Im großen Saal des Justizpalastes findet ein Mysterienspiel statt und die halbe Stadt hat sich dort versammelt. Die Menschen stehen und drängen und die Stimmung ist aufgeheizt, da das Spiel erst gegen Mittag beginnt, wenn die Gäste, die flämischen Gesandten inkl der Königin Margarete und des kardinals von Bourbon, eingetroffen sind. Die Unruhe wird noch verstärkt von einigen Studenten, die Wortführer spielen und einige Schmähreden führen.
    Pierre Gringoire
    Ist der ambitionierte Autor des aufgeführten Stückes und überwacht mit Eifer den Fortgang des Stückes vorantreiben möchte. Zwischendruch flirtet er mit einigen jungen Damen, ist aber empört, dass die seinem Stück nicht so recht folgen wollen.
    Der Herr Kardinal
    ist der erste der Gäste, der eintrifft. Er scheint beliebt beim Volk zu sein. Und natürlich wird das Stück erst einmal wieder unterbrochen, es wird unruhig, weil jeder einen möglichst guten Blick auf den Kardinal und sein Gefolge erhaschen will.


    Das Buch scheint nicht ganz einfach zu lesen zu sein. Mir war auch nicht klar, dass es sich nicht etwa um ein zeitgenössisches Buch aus der Zeit Victor Hugos handelt, sondern um einen historischen Roman. Ich hoffe, die Geschichte Frankreichs wird nicht zuuu wichtig für die Geschichte, damit kenne ich mich nämlich nicht so gut aus.
    Bisher finde ich die Sprache recht amüsant, aber man muss sich drauf einlassen und recht konzentriert lesen – einfach wird das wohl nicht.

  • interessant ist ja auch, wie unterschiedlich die Übersetzungen sind.


    Charlotte zitierte:

    Zitat

    Ich sage Ihnen, mein Herr Nachbar, die Welt geht zu Ende! Solche Auswüchse der Schuljungenschaft hat man noch nie zuvor wahrgenommen! Die heillosen Erfindungen dieses Jahrhundert sind’s, die alles verderben…………vor allem die Buchdruckerkunst, diese aus Deutschland gekommene zweite Pest! Gibt’s kein Manuskript mehr, gibt’s auch kein Buch mehr! Der Buchdruck ertötet den Buchhandel!


    bei mir sieht das wie folgt aus:
    "Ich sage Euch, mein Herr, der Antichrist ist nicht mehr fern. Wer hat je solche Zügellosigkeit der Studentenschaft gesehen? Das kommt alles von den verdammten Neuerungen und Erfindungen, glaubt es mir. Geschütze, Donnerbüchsen und vor allem diese deutsche Pest, die Buchdruckerkunst. Die bringt den Buchhandel in das Grab. Mit den Handschriften hören auch die Bücher auf. Das Ende der Welt steht vor der Tür!"


    diese Stelle hatte ich mir auch markiert, weil ich so bemerkenswert finde, dass Hugo vor über 100 Jahren diese Worte einem Buchhändler des 15. Jh. in den Mund legt. Und immer noch kann vom Büchersterben eigentlich keine Rede sein...

  • Hallo Queedin :wave


    Auch ich finde die verschiedenen Übersetzungen immer hochinteressant. Und ich hoffe, daß auch noch einige andere Mitleser ein paar interessante Sätze oder Abschnitte aus dem Buch hier zitieren werden.


    Besonders toll finde ich es, dass bartimaeus das Buch in Originalsprache liest. Vielleicht kommen wir so teilweise der bestmöglichsten Übersetzung etwas näher.
    Aber ich will ihn jetzt nicht unter Druck setzen ;-).


    Ich will versuchen meine nächsten Anmerkungen auch mit den entsprechenden Überschriften zu versehen, obwohl mir das schwer fallen wird...denn ich kann dir versichern, Queedin, dass das Buch immer "flüssiger" zu lesen sein wird.
    Also ich mußte mich heute enorm zurückhalten um nicht mit dem 4. Buch zu beginnen.


    Das Buch zieht mich bisher so in den Bann, dass ich es nicht verstehe, warum ich nicht viel öfter Klassiker lese.

  • Ich fange morgen früh an, aber ich habe schon festgestellt, dass die 9 Kapitel bei mir wohl nicht denen aus Charlottes Ausgabe entsprechen. Die letzten Sätze bzgl. Esmeraldas Namen kommen bei mir nämlich irgendwo im 2. Buch. Mist.

  • Ich bin fast durch mit den ersten drei Kapiteln und finde das Buch recht flüssig zu lesen. Leider sind die Beschreibungen dermaßen dicht, die Menschen vielfältig und gehäuft, dass ich ein wenig Mühe habe dabei zu bleiben, andererseits ist der unterschwellige Humor und die ironische Art des Autors durchaus fesselnd.


    Zuallererst habe ich den Eindruck, das Buch handelt eher von Paris und seinen Bürgern bzw. Einwohnern denn vom Glöckner, es braucht doch recht lange, bis er überhaupt auftritt. Im Einführungstext meines Buches steht dann auch etwas von "Liebeserklärung an die Stadt Paris". Man wird in die Stadt und von dort aus in den Saal hinein gezogen. Den Justizpalast selbst habe ich auch schon besucht, oder zumindest die Kapelle Ludwig des Heiligen. So fühlte ich mich vor Ort durchaus wohl. Die verschiedentlich erwähnten französischen Könige und Königinnen sind für mich schon interessant, sie geben mir einen Anlass, mich immer mal wieder über die verschiedenen Persönlichkeiten der französischen Geschichte schlau zu machen. Faramund, zum Beispiel, habe ich noch nie gehört.


    Hugo beobachtet seine Figuren sehr genau, vor allem das Volk, wie es schreit, schimpft, mault, genau wie heute. Die Themen sind die selben: Wetter, Menschen, Ereignisse.


    Die Sätze rund um die Buchdruckerkunst habe ich mir ebenfalls angestrichen:
    "Ihr könnt mir glauben, Meister, das ist das Ende der Welt, dergleichen Sittenverderbnis hat man bei der Schülerschaft noch nicht erlebt. Die verfluchten Erfindungen unsres Jahrhunderts sind es, die alles zugrunde richten, die Kanonen, die Feldschlangen, die Mörser und vor allem die Buchdruckerkunst, diese zweite Pest aus Deutschland. Keine Handschriften, keine Bücher mehr! Die Druckerei tötet den Buchhandel. Der Weltuntergang steht uns bevor." (S. 26)


    Erstaunlich, dass mit der Buchdruckerkunst der Buchhandel zu blühen begann. Und was ist eigentlich die erste Pest aus Deutschland gewesen?


    Aufgefallen ist mir noch, das Hugo nebenbei viel Geschichte einfließen lässt, ohne das es seine eigene Geschichte weiter beeinflusst. Auch breitet er sein Allgemeinwissen ganz nebenbei aus, dass man, wenn man möchte, gezwungen ist zu recherchieren, wer Agamemnon ist, oder Timanthes.


    Die Studenten und ihr lateinisches Geschwätz dagegen haben mich genervt.

  • Ja, die Sprache ist wirklich gewöhnungsbedürftig und ich muss mich auch sehr konzentrieren. Der ironische Unterton Hugos ist mir auch aufgefallen - und gefällt mir! Ich merke allerdings an meiner Ausgabe, dass sie offensichtlich tatsächlich gekürzt ist. In der oben zitierten Schimpftirade werden bei mir überhaupt keine Buchhändler erwähnt :lache


    Gringoire tut mir leid, da versucht einer sein (vermutlich mit Herzblut geschriebenes) Stück zum Besten zu geben, die Menge kann es kaum erwarten und dann kommt so ein Jemand und lässt die Leute Grimassen schneiden. Welcher sensible Dichter/Künstler wäre da nicht eingeschnappt?

  • Zitat

    Original von Liesbett


    Zuallererst habe ich den Eindruck, das Buch handelt eher von Paris und seinen Bürgern bzw. Einwohnern denn vom Glöckner, es braucht doch recht lange, bis er überhaupt auftritt. Im Einführungstext meines Buches steht dann auch etwas von "Liebeserklärung an die Stadt Paris".


    Der Originaltitel des Buches heißt auch nur Notre-Dame. Ich habe irgendwo gelesen, daß sich der deutsche Titel erst nach dem Film "Der Glöckner von Notre-Dame" so "eingebürgert" hat.
    In meinem Nachwort steht sinngemäß, daß V. Hugo durch den Roman versucht hat, die öffentliche Meinung Frankreichs auf den drohenden Verlust altehrwürdiger Kunstdenkmäler hinzuweisen.


    ...So entstand ein Meisterwerk welches nicht nur eine fesselnde Unterhaltungslektüre, sondern auch ein in gefälliger Form vorgetragenes Brevier ästhetischer und philosophischer Grundregeln wurde. Hugos Genie zeigte sich hierbei insbesondere in den Perspektiven, die er auf die Baukunst als ältestes Geschichtswerk der Menschheit und auf ihre Verdrängung durch die Buchdruckerkunst eröffnete...


    Zitat


    Erstaunlich, dass mit der Buchdruckerkunst der Buchhandel zu blühen begann. Und was ist eigentlich die erste Pest aus Deutschland gewesen?


    Das mit der "zweiten Pest" habe ich so verstanden, daß mit der ersten Pest DIE Pest gemeint ist, die mehr als ein Jahrhundert davor in Europa verbreitet war.
    Und die "Zweite Pest" kam dann eben aus Deutschland - durch die Erfindung des Buchdruckes.


    Zitat


    Die Studenten und ihr lateinisches Geschwätz dagegen haben mich genervt.


    Ich habe dieses Jahr Krieg und Frieden von Tolstoi gelesen. Da waren ganz Abschnitte in französischer Sprache geschrieben, deren Übersetzung dann auch noch zu meinem Leidwesen auf den letzten Seiten des Buches zu finden war. DAS hat genervt!! ;-)
    Dagegen sind diese paar lateinischen kurzen Sätze der Studenten hier gut erträglich, zumal bei mir die Übersetzung direkt als Fußnote auf der gleichen Seite steht.
    Und bei folgendem Wortspiel (4. Kapitel, bei mir auf Seite 44), fand ich es auch nicht unwesentlich, daß der lateinische Satz original übernommen wurde:
    "Ihre Eminenz", antwortete der Abt, "vergeuden Ihre Liebenswürdigkeiten an diese flämischen Rüffel. Margaritas ante porcos - "Sagen Sie vielmehr", erwiderte der Kardinal mit einem Lächeln, "Porcos ante Margaritam."


    Das erste bedeutet Perlen (margaritas) vor die Schweine.
    Das zweite: Schweine vor Margarethen.

  • So, ich bin zwar erst durch das erste Kapitel, da es ein wenig langsam bei mir noch vorangeht/-ging. Einmal durch begrenzte Zeit, dann, weil ich mich jetzt erstmal einlesen musste. Anfangs hat ich recht viele Vokabelprobleme, jetzt gibt sich das langsam - ich bin ein wenig erstaunt, was für völlig ungebräuchliche Sachen ich verstehen kann. Ein wenig kamen mir meine gerade im Erwerb befindlichen bruchstückhaften Lateinkenntnisse zugute, da versteht man Wörter wie "miséricorde" einfach über die Ähnlichkeit der Sprachen.


    Zitat

    Original von Charlotte
    Ich muß gestehen, daß ich wenig von der Geschichte kenne.


    Meine Kenntnisse beschränken sich auf rudimentäre Erinnerungen an eine Verfilmung und ein Disney-Ausmalbuch :lache


    Zitat

    Nach der vielversprechenden ersten Seite kam ich dann aber schlecht in die Geschichte hinein. Die genaue Beschreibung des Hauptsaals und die vielen Namen der Studenten haben mich etwas überfordert. Da half nur das erste Buch gleich noch ein zweites mal zu lesen. Dadurch bin ich dann sehr gut „reingekommen“.


    Ich bin jetzt nach dem ersten Kapitel schon schön drinnen, was an der sprachlich bedingten, intensiveren Lesart liegt. Das gefällt mir momentan sehr, vor allem, weil die Sprache so schön ist. Ein wenig altmodisch, aber immer ein wenig leicht-beschwingt ins Ironische :-] Und die Beschreibungen sind toll.


    Zitat

    Was ich im geschichtlichen Zusammenhang nicht so ganz verstehe, ist die Abneigung gegen die „Flämischen“. Kennt sich da von euch jemand aus?


    Nein, aber mir kam es bisher so vor, dass das auch ein wenig dadurch bedingt ist, dass die Menge auf die Mysterienspiele giert, und die "blöden Flamen" einfach zu spät kommen, weswegen es nicht losgehen kann...


    Zitat

    Original von Queedin
    Mir war auch nicht klar, dass es sich nicht etwa um ein zeitgenössisches Buch aus der Zeit Victor Hugos handelt, sondern um einen historischen Roman. Ich hoffe, die Geschichte Frankreichs wird nicht zuuu wichtig für die Geschichte, damit kenne ich mich nämlich nicht so gut aus.


    Das wusste ich auch nicht, aber meine Ausgabe auf französisch ist mit zahlreichen, teilweise auch für mich eher uninteressanten zeitlichen Einordnungen, Kommentaren zu Personen etc. gespickt, da kann ich notfalls nachlesen. Die 50 Seiten Einleitung samt Vorwort hab ich keck übersprungen :grin


    Zitat

    Bisher finde ich die Sprache recht amüsant, aber man muss sich drauf einlassen und recht konzentriert lesen – einfach wird das wohl nicht.


    Findet ihr die Sprache wirklich so kompliziert? Ich komm auf französisch erstaunlich gut voran, Shakespeare hat mir vor kurzem im Original wesentlich mehr Probleme bereitet ...
    Ich verlier mich richtig im Sprachfluss. Allein der Vergleich der Menge mit den ins Meer strömenden Wassermassen :-]


    Zitat

    Original von Charlotte
    Das Buch zieht mich bisher so in den Bann, dass ich es nicht verstehe, warum ich nicht viel öfter Klassiker lese.


    Ich muss mich dazu auch immer erst "aufraffen", ich fühl mich auch von der Fülle an lesenswerten Klassikern überfordert, aber wahrscheinlich sollte man einfach draufloslesen :-)


    Zitat

    Original von Charlotte


    Der Originaltitel des Buches heißt auch nur Notre-Dame. Ich habe irgendwo gelesen, daß sich der deutsche Titel erst nach dem Film "Der Glöckner von Notre-Dame" so "eingebürgert" hat.
    In meinem Nachwort steht sinngemäß, daß V. Hugo durch den Roman versucht hat, die öffentliche Meinung Frankreichs auf den drohenden Verlust altehrwürdiger Kunstdenkmäler hinzuweisen.


    Notre-Dame de Paris, um genau zu sein ;-) Und ich hab schon vermutet, dass die auf Esmeralda und den Glöckner zentrierte Version die vereinfachte Variante für die (Fernseh)Massen ist.
    Was das Nachwort betrifft, das wird ja schon am Anfang deutlich, als er sich über den Brand im Louvre "echauffiert", um dann zum einzig wahren Schloss zurückzukehren, dem zu der Zeit, in der sein Roman spielt. Das war auch so eine nette Szene.


    Nun zu den Übersetzungen:


    Zitat

    Original von Charlotte
    Ich sage Ihnen, mein Herr Nachbar, die Welt geht zu Ende! Solche Auswüchse der Schuljungenschaft hat man noch nie zuvor wahrgenommen! Die heillosen Erfindungen dieses Jahrhundert sind’s, die alles verderben…………vor allem die Buchdruckerkunst, diese aus Deutschland gekommene zweite Pest! Gibt’s kein Manuskript mehr, gibt’s auch kein Buch mehr! Der Buchdruck ertötet den Buchhandel!
    (Erinnert mich jetzt sehr an die heutigen Diskussionen ums internet, ebook und ähnliches ;-))


    Zitat

    Original von Liesbett
    Die Sätze rund um die Buchdruckerkunst habe ich mir ebenfalls angestrichen:
    "Ihr könnt mir glauben, Meister, das ist das Ende der Welt, dergleichen Sittenverderbnis hat man bei der Schülerschaft noch nicht erlebt. Die verfluchten Erfindungen unsres Jahrhunderts sind es, die alles zugrunde richten, die Kanonen, die Feldschlangen, die Mörser und vor allem die Buchdruckerkunst, diese zweite Pest aus Deutschland. Keine Handschriften, keine Bücher mehr! Die Druckerei tötet den Buchhandel. Der Weltuntergang steht uns bevor." (S. 26)


    Sehr unterschiedlich sind sie ja nicht, die Übersetzungen. Die zweite ist jedoch genauer, m.E. ein klein wenig näher am Text und nennt auch die erwähnten Waffen. Und sie gefällt mir besser, aber das ist wohl Geschmackssache. Interessant finde ich, dass "monsieur" ([mein] Herr) einmal mit "mein Herr Nachbar" und einmal mit "Meister wiedergegeben ist - und dass aus "cette autre peste d'Allemagne" (diese andere Pest aus Deutschland) eine "zweite" Pest gemacht wurde, für mich klingt das ganz anders.


    :wave barti

  • danke Barti für Deine Einsicht in die Originalversion!


    ich komme die Tage schlecht voran, weil ich irgendwie jeden Tag etwas anderes zu tun habe und immer sehr spät ins Bett komme. aber spätestens am Wochenende bin ich wieder stärker dabei und werde mich äußern :-)


    ich befürchte, meine Übersetzung ist nicht sonderlich gut gelungen. Da sind auch häufiger mal "moderne" Wörter dabei, die mich stocken lassen. So wird relativ am Anfang von "Zufahrtsstraßen" gesprochen. Gestern abend fiel mir noch etwas anderes auf, leider habe ich mir das nicht gemerkt.

  • Ui, deine Übersetzung hab ich unterschlagen, entschuldige Queedin. Ja, sie hat sich vom Text gelöst, vor allem der Antichrist wird überhaupt nicht im Original erwähnt - so wie du es schilderst, scheint sie zu modernisieren, aber den Sinn nicht zu verlieren. Die Zufahrtsstraßen kommen im Original auch vor, allerdings als elegante avenues, was im ursprünglichen Sinn auch Zufahrtsstraßen bedeutet (von ehem. Verb avenir: ankommen), allerdings viel schöner als das profane voie d'accès oder Zufahrtsstraße klingt.
    :gruebel Gibt es im Deutschen ein schöneres Wort für Zufahrtsstraße?

  • Als erstes, ich hatte auch den Film vor Augen und als zweites, barti meine volle Bewunderung, dieses Buch im Original zu lesen


    Anfangs bin ich wirklich schwer reingekommen - die Anhäufung von Namen, die im Großen Saal zugegen waren und architektonische Details von Paris...


    Aber mein Flehen wurde erhört, irgendwann kam der Punkt und die Geschichte kam ins Fließen und die Übersetzungen als Fußnote sind sehr hilfreich.


    Der Autor Gringoire hat bis jetzt mein Mitgefühl. Er hat offensichtlich mit Begeisterung dieses Stück geschrieben und es wird unterbrochen in der Aufführung, dann wird es ein zweites Mal begonnen und wird wieder abgebrochen, schlußendlich hört niemand mehr zu. Das trifft ihn hart, aber ich denke, wir werden von ihm noch mehr hören :gruebel


    Die Beschreibung von Quasimodo war schon sehr schauerlich, aus dem Film hatte ich ihn nicht ganz so schlimm in Erinnung und Esmeralda lernen wir erst noch kennen - hieraus wird der Leser richtig neugierig gemacht. Alle springen zum Fenster, um sie zu sehen, aber wir erfahren nicht sofort, was es mir ihr auf sich hat.


    "Aber der Teufel soll mich lebendig häuten, wenn ich verstehe, was sie mit ihrer Esmeralda sagen wollen! Was ist das vielleicht für ein Wort? Vielleicht ägyptisch?" mehr erfahren wir zum Schluß eigentlich nicht, oder habe ich etwas überlesen?


    Beim nächsten Abschnitt werde ich mich bemühen, mehr rauszuschreiben und zu zitieren

  • Auch mein Dank an Bartimaeus, die französisch orientierte Sichtweise macht das Werk noch interessanter.
    Ich habe bisher vergessen zu erwähnen, welches Buch ich lese. Es ist das 1996 herausgegebene Insel-Taschenbuch mit zeitgenössischen Illustrationen, die wirklich sehr schön sind, wenn auch Exmeralda nicht ganz so nach Zigeunerin aussieht, wie es der Realität vielleicht eher entspräche, sondern mehr nach runtem gesundem Bauernmädchen mit frischem Gesicht.


    Edit: Die ISBN funktioniert nicht. Ich gebe sie so an: 3458334815

  • Nachdem ich auch noch Ärger mit meinem PC und ein zweitägiges Lesetief trotz Ferien hatte, bin ich grad erst mit dem ersten Buch durch.


    Zitat

    Der Autor Gringoire hat bis jetzt mein Mitgefühl. Er hat offensichtlich mit Begeisterung dieses Stück geschrieben und es wird unterbrochen in der Aufführung, dann wird es ein zweites Mal begonnen und wird wieder abgebrochen, schlußendlich hört niemand mehr zu. Das trifft ihn hart, aber ich denke, wir werden von ihm noch mehr hören :gruebel


    Mein Mitgefühl hält sich in Grenzen. Auf mich wirkt der Typ selbstverliebt und furchtbar unsympathisch. Natürlich ist es schade für ihn, aber ich fand die Beschreibung des Maître Coppenole, dass es keine Kämpfe gibt, sondern nur das ätzende Mysterienspiel, in dem mit der Sprache gekämpft wird (das lässt ja auch nicht unbedingt auf hohe Qualitäten Gringoires schließen) ganz amüsant.


    Die Flamen sind mir noch ein kleines Rätsel, ich muss zugeben, dass all diese Namen und Zusammenhänge mir auch aufgrund der französischen Sprache noch ein wenig schleierhaft geblieben sind, aber ich werde schauen, wie es weitergeht. Den Wortwitz um Marguerite im Lateinischen fand ich sehr schön und hab ihn sogar verstehen können :-] An einem altmodischen frz. Zitat durfte ich dafür etwas länger rätseln, biss ich gemerkt habe, dass es aus einer Zeit stammt in der u und v noch ein Buchstabe waren...


    Quasimodo mag ich noch nicht beurteilen, irgendwie mag ich ihn nicht "nicht mögen", sondern will erst mehr wissen.


    Interessant finde ich eine Anmerkung zu eben dieser Szene zu Esmeralda:

    Zitat

    "Aber der Teufel soll mich lebendig häuten, wenn ich verstehe, was sie mit ihrer Esmeralda sagen wollen! Was ist das vielleicht für ein Wort? Vielleicht ägyptisch?"


    Im frz. steht das Wort égyptiaque, das eben nciht das frz. Wort für ägyptisch (das wäre égyptien ist, sondern unklar, zweideutig bleibt. Der Kommentator sieht darin auch die Anspielung auf das Wort "gypsy". Interessant.


    :wave barti


  • das ist interessant, Barti. Über genau das bin ich nämlich im zweiten Kapitel gestolpert. Wenn Du soweit bist, freue ich mich, wenn Du das Thema wieder aufnimmst (siehe mein Posting im zweiten Thread)


    :wave viele Grüße Queedin