Copy-Shop Deutschland

  • Hallo
    vor einigen Tagen machte jemand hier im Forum seinem Ärger Luft über die Flut von historischen Romanen, die alle nach demselben Schema gestrickt sind.
    Heute Abend las ich zufällig einen Artikel mit dem Titel "Copyshop Fernsehen".
    Es ist tatsächlich so, dass Produzenten (und auch Verleger?) zum finanziellen Erfolg "verdammt" sind. Niemand geht mehr ein Risiko ein, ein Blick über den großen Teich genügt und ein erfolgreicher angloamerikanischer Film wird einfach kopiert. (jüngstes Beispiel: Der Film "Gonger-Das Böse vergisst nie).
    Bands wie "Wir sind Helden" - eine Band mit eigenständigem Sound - mussten ihre erste CD selbst produzieren, weil sie keiner haben wollte. Als sich der Erfolg einstellte, wurden schnell zahlreiche Kopien auf den Markt geworfen. Nach Dan Browns "Sakrileg" gab es eine wahre Flut von Romanen, die irgendwas mit Maria Magdalena zu tun hatten. Mittlerweile kommt es den Leuten zu den Ohren raus.
    Ich habe bei der Verlagssuche für meinen ersten Roman ähnliche Erfahrungen gemacht. Das Thema war für viele Verlage nicht "mainstream" genug und sie wollten kein Risiko nicht eingehen, frei nach dem Motto: "Sie sind schon gut, aber schreiben Sie doch mal was wie der und der... (Die kleinen Verlage sind übrigens etwas experimentierfreudiger)
    Interessant ist, dass die Lesermeinungen, die mich erreichen, durchweg positiv sind und sich kein Leser Gedanken darüber macht, ob das Buch, welches er kauft, in irgendeine Schublade passt.
    Mich würde Eure Meinung dazu interessieren. Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wünscht Ihr Euch auch mal das eher "Ungewöhnliche"? - mehr Risikobereitschaft bei den Verlagen?
    Und ist es nicht so, dass die Verantwortlichen bei Verlagen, Plattenfirmen und Fernsehen mit Ihrem Verhalten das Entstehen von neuen Strömungen verhindern und damit letztendlich auch eine Kultur der Vielfalt?
    Gibt es z.B. in den USA einen anderen Umgang mit Newcomern und ist das vielleicht sogar ein typisch deutsches Phänomen?


    Dean

  • ... ach ja, dieses "nicht massentauglich" kenn ich... wäre "Gottes Weber" nicht ein Mann, sondern eine Nonne, würde es nihct im 19. Jahrhundert, sondern im Mittelalter spielen, nicht in Spanien und auf Kuba, sondern irgendwo in Köln, ja dann...
    Komisch nur, dass das Buch in Spanien gut läuft. :grin
    Ich hab mir von einem Agenten sagen lassen, ich solle mal einige Storyideen aufschreiben - alles mit Frau, historisch, armes Mädel, das sich woraus auch immer befreit. Daraus würden die Vrelage dann was auswählen, wozu sie ein Exposée haben wollen würden, welches dann gaaaaanz vielleicht der Masse zusagen könnte und erst dann sollte ich mit Schreiben beginnen.
    Nääää. Nicht mein Ding.
    Anders wars mit "Arbanor" - da gabs erst das Buch und dann den Verlag, der dran geglaubt hat. Und die Reaktionen der Leser sind, wie bei dean, auch positiv. Mir gings da auch nicht um große Auflagen, sondern am Spaß am Projekt - und den hatte und habe ich definitiv!
    Jetzt hab ich das unfassbare Glück, einen mutigen Menschen gefunden zu haben, der mir O-Ton sagte: "Schreib, was Dir gefällt und worauf Du Spaß hast, nur dann wirds gut". Zwei Projekte sind bei ihm in der Mache, Nummer eins gibts schon ab März. GEHT DOCH!
    Andererseits kann ich verstehen, wie Verlage finanziell ticken müssen, um nicht unterzugehen. Manche leisten sich dann auch von dem, was die Massenware einbringt, ein paar literarische Ausreißer - und das sind meist die wirklich guten Bücher.

  • Ich bin kein Autor, ich "verwalte" am anderen Ende der Nahrungskette nur die "Ergebnisse", und an diesem Ende sieht es oft genau so traurig aus. Irgend ein Thema ist plötzlich "In", und alle hecheln hinterher, ohne Sinn und Verstand werden hier vermeintlich massenkompatible Bücher auf den Markt geworfen, bis auch der letzte Leser absolut die Schnauze voll hat. Dann gibt es allerdings bereits den nächsten Hype.....
    Als Buchhändler stehe ich dieser Angelegenheit allerdings etwas zwigespalten gegenüber, immerhin verdienen wir an der Geschichte ohne großen Aufwand, andererseits ist so etwas nach kurzer Zeit einfach nur unglaublich langweilig.... "Ein Kilo Vampirschmachtfetzen....macht Drölfundzwanzig neunzig.....und der Nächste bitte....

  • Hallo Bodo,


    die "Masse" kann ja immer nur das konsumieren, was angeboten wird. Damit haben die Verlage etc. eigentlich ein steuerndes Element in der Hand. Aber so ist das nun mal: Hat ein Buch Erfolg, versuchen alle zu kopieren, wobei das noch lange nichts über die Qualität aussagt.
    Aber Du als Buchhändler könntest doch was für die Künste tun und den Erstlng eines hoffnungsvollen jungen Autors in Dein Programm aufnehmen. :-)
    Klick mal auf "Romane"


    Dean

  • Meistens muß ich meine Bücher bestellen, da sie selten in einem Buchladen vorhanden sind. Aber das ist o. k. und ich habe mich darauf eingestellt.


    Als ich letztens mal ganz spontan ein Buch kaufen wollte und bewußt in einem Buchladen (mittlerer Größe) gestöbert habe, fiel mir folgendes auf:


    Regale gab es für folgende Kriterien:


    - Freche-Frauen-Romane
    - Historische Romane
    - Krimis und Thriller
    - Neuerscheinungen
    - Kinder- und Jugendbücher
    - Sachbücher
    - Romane von A - Z


    Unter den Romanden von A - Z habe ich dann nach Klassikern gesucht und ca. 10 gefunden, von denen ich sechs schon besaß und die anderen vier haben mich nicht interessiert.


    Die geringe Auswahl gegenüber anderen Genren hat mich schon etwas geärgert.



    In Bezug auf das Fernsehen kann ich leider nur feststellen, daß wir den U.S.A. sehr nacheifern und die Qualität dadurch sinkt.

  • Ein bekannter Schriftsteller hat bereits vor vielen Jahren über Verleger gesagt, dass es diesen gleichgültig wäre, ob sie nun Semmeln verkaufen würden oder Bücher. Ihnen käme es allein auf den Gewinn an.


    Wenn man bedenkt, dass bereits bei einem mittleren Verlag etliche Dutzend Arbeitsplätze vom geschäftlichen Erfolg abhängen, kann man verstehen, weshalb vor allem Bücher gedruckt werden, die eine möglichst breite Leserschicht ansprechen. Da aber Verlage auch darauf angewiesen sind, neue Autoren zu gewinnen, gibt es immer Chancen, die größten natürlich in den beliebten Genres. Ein Autor, der bewusst außerhalb des Mainstream schreibt, geht damit auch das Risiko ein, dass die Zahl der Verlage, die an ihm interessiert sein könnten, arg gering ist. Ein Gang über die Buchmesse zeigt aber, dass es auch hier Möglichkeiten zur Veröffentlichung gibt. Dies vielleicht nicht bei einem der großen Verlage, aber es gibt ungezählte mittelständische und kleine Verlage, bei denen ein Autor bei entsprechender Qualität unterkommen kann. Eines der bekanntesten Beispiele ist hier die Bestsellerautorin Andrea Maria Schenkel mit Tannöd.


    Gheron

  • Zitat

    Original von Gheron
    Ein bekannter Schriftsteller hat bereits vor vielen Jahren über Verleger gesagt, dass es diesen gleichgültig wäre, ob sie nun Semmeln verkaufen würden oder Bücher. Ihnen käme es allein auf den Gewinn an.


    :write


    Ich bin ein aaaaltes Verlagswesen, und *das* glaub ich aufs Wort.

    Und was die Autofahrer denken,
    das würd’ die Marder furchtbar kränken.
    Ingo Baumgartner

  • Natürlich wollen wir alle Geld mit unserem Kram verdienen, und Bücher werden nicht (mehr) aus reiner Freude verlegt. Doch gibt es immer noch genug Bücher jenseits dieser Massenware, Bücher die zB. dem Lektor gut genug gefallen haben, um sie einfach auf dem Markt zu bringen, selbst wenn der Erfolg nicht garantiert ist oder man auf irgendeiner Welle mitschwimmen kann.
    Mir fällt da spontan ein Lektor bei Heyne ein, der Charlie Huston nach Deutschland gebracht hat. Diese Bücher sind weit davon entfernt, Bestseller zu werden, aber sie werden trotzdem weiter ausgeliefert, sehr zur Freude von Leuten wie mir.
    Man muß sie vielleicht genauer suchen oder das Glück haben, den "richtigen" Buchhändler zu fragen, aber gute Titel jenseits des Mainstream gibt es viele.

  • Zitat

    Original von Bodo
    Mir fällt da spontan ein Lektor bei Heyne ein, der Charlie Huston nach Deutschland gebracht hat. Diese Bücher sind weit davon entfernt, Bestseller zu werden, aber sie werden trotzdem weiter ausgeliefert, sehr zur Freude von Leuten wie mir.


    Für einen vermeintlichen Nicht-Mainstream Autoren betreibt der Verlag allerdings relativ viel Aufwand mit den Büchern von Charlie Huston. Lesereise zusammen mit Frank Goossen u.a. auf der Lit.Cologne.

  • Zitat

    Original von Googol


    Für einen vermeintlichen Nicht-Mainstream Autoren betreibt der Verlag allerdings relativ viel Aufwand mit den Büchern von Charlie Huston. Lesereise zusammen mit Frank Goossen u.a. auf der Lit.Cologne.


    Denkst Du die versuchen nicht jemandem Aufmerksamkeit zukommen zu lassen den sie unter Vertrag haben? Die machen nur ihren Job, sie versuchen ihren Autoren bekannt zu machen.
    Und er ist sicherlich keiner der gut verkäuflichen Autoren, Ihn langfristig hier zu etablieren ist echte Arbeit - vom Verlag und von uns Buchhändlern, denn "Massentauglich" ist Huston nicht, und wird er lange Zeit nicht sein.

  • Erstmal vielen Dank für die vielen Anmerkungen
    Dennoch hatte ich eigentlich etwas anderes im Sinn. Ich meinte keine Romane etc., die als Nischenprodukte zu weit von sog. Mainstream abweichen, sondern ein ideenloses Kopieren von erfolgreichen Themen.
    Als Beispiel:
    Bevor mein erster Roman veröffentlicht wurde, schaute ich mich in den Buchläden um und sprach mit Bchhändlern, was denn so läuft. Ich war mir bewußt, dass ich in einem bestimmten Themenfeld bleiben musste und auch wollte. (mein Genre ist Gänsehaut + Mysterythriller usw.)
    Ich stellte fest, dass es eine große Anzahl von Thrillern gibt, die sich mit Serrienmördern beschäftigt, der 897tausendste Hannibal Lecter eben. (Ein Buchhändler antwortete auf meine Frage, was am besten läuft: "Je, blutiger, desto besser."
    Ich wollte gerne etwas a la Dean Koontz schreiben und es sollte aus der Menge herausragen, etwas ungewöhnliches, aber dennoch "Mainstream". Ich stellte dann fest, dass alle Serientäter in diesen Thrillern Männer sind. Also machte ich als erstes aus meinem Killer eine Frau. Mit dem Ergebnis, dass etliche Verlage sagten: "Ja, das ist nicht schlecht, aber eine Frau als Killer? Ojeoje! Nein, schreiben Sie doch mal wie der und der und das und das!"
    Mir scheint, am liebsten will man den x-ten Aufguß einer bestimmten Story, eines erfolgreichen Films oder was weiß ich, und zwar möglichst genau so wie das Original, aber eben doch anders.
    Natürlich wollen alle mit einem Buch Geld verdienen - der Autor, der Verlag und der Händler. Aber ein gewisses Risiko gehört dazu, auch mal daneben zu hauen.
    Das Spannende dabei ist, dass im grund niemand weiß, welches Buch ein Bestseller wird und welches nicht. Hat es ein Buch geschafft, kann man sicher sein, dass zahllose Kopien folgen werden. Vielleicht ist das auch ganz natürlich...


    Dean

  • Das mit dem Mainstream und dem "Verlage wagen zu wenig" und dem "Publikum wird eine Auswahl mit der x-ten Nachahmung von y aufgedrückt" ist ja auch so mein Thema, das mich sowohl von Autorenseite als auch von Leserseite nervt.


    Gut, ich selbst schreibe recht Ungewöhnliches und will auch so was Ähnliches lesen, ich erwarte nicht unbedingt, dass ein Buchladen mir genau meinen Wunsch innerhalb meines Genres erfüllt. Aber ein wenig vielfältiger könnte die Auswahl da schon sein. Ein kleines bisschen mehr Risiko auch von Verlagen. Wie hier angesprochen, solche Änderungen wie Mann/Frau oder Mann/Nonne, also so was könnte ein Verlag schon wagen, find ich. Fällt mir von meinem subjektivem Erleben aus immer schwer zu glauben, dass das so verkaufsrelevant ist. Andrerseits... ich selbst ticke vielleicht ein wenig ähnlich, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. So will ich immer was lesen, was in einer neu erfundenen Welt spielt, auch wenn etwas, das in London spielt, genauso fantasievoll sein kann und was in einer rein erfundenen Welt langweilig gestaltet.


    Dieses Thema mit dem Mainstream und den "zu wenig wagen" hat mich ja auch im Rahmen meiner Umfrage "Zufriedenheit mit Romanen" beschäftigt (ich arbeite noch dran...). Haben übrigens 445 Leser teilgenommen.

  • Hier werden zwei Themen ein wenig vermischt. Die weiblichen Serienkiller zum Beispiel haben wenig damit zu tun, welchen Geschmack die Masse gerade zu haben glaubt. Es haben sich schon einige - auch durchaus erfolgreiche - Autoren mit dieser Verdrehung der Rollentypologie versucht, sind aber gescheitert. Das liegt möglicherweise auch daran, dass - vor allem besonders "blutrünstige" - weibliche Serienkiller einfach unrealistisch sind. Siehe auch hier:


    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Serienm%C3%B6rdern


    Man findet sehr wenige Frauen in dieser Liste, und wenn man sich die Biographien und Tathintergründe dieser wenigen Frauen anschaut, fallen sie deutlich aus der Typologie der Serienmörder heraus.


    Ich habe aber nicht ohne Grund "ein wenig vermischt" geschrieben. Tatsächlich will das Publikum derlei offenbar nicht. Gewalt ist eher Männersache. Auch "beliebte" Themen wie Kindesmissbrauch - hier gab es vor drei, vier Jahren fast inflationär viele Fernsehkrimis und Romane, die das thematisierten - werden vorzugsweise männlichen Tätern zugeordnet, was, statistisch gesehen, auch der Realität entspricht (was allerdings nicht bedeutet, dass die Krimis der Realität entsprechen).


    Das andere Thema, mit dem hier vermischt wird, ist das Epigonentum. Wenn ein Fernsehsender das Format "Casting-Show" für sich entdeckt und erfolgreich vermarktet (wobei anzumerken ist, dass die allermeisten Formate - mehr als 90 Prozent - auf importierten Ideen basieren), ziehen in kurzer Frist alle anderen Sender nach, selbst die öffentlich-rechtlichen. Das galt für "Daily Talks", "Gerichtsshows" und besagte "Casting-Shows"; derzeit ist Kochen in jeder denkbaren Form unglaublich populär. Verblüffenderweise zieht das Publikum mit oder drängt nachgerade darauf, mehr vom immer gleichen Scheiß zu sehen. Das liegt an einem Effekt, den man auch gut an sich selbst beobachten kann: Der Mensch neigt dazu, einer leichten Variation von Altbekanntem eher zugeneigt zu sein als etwas völlig Neuem. Bevor man Pansen in Honigsauce isst, probiert man lieber eine leicht veränderte Gewürzmischung für das Schnitzel aus, obwohl man schon zehntausend Mal Schnitzel gegessen hat.


    Der Buchmarkt gestaltet sich ähnlich. Menschen, die einen Hosenrollenroman ("Die Irgendwas") gelesen haben und mit dem Buch zufrieden waren, neigen bei der Auswahl der Folgelektüre dazu, auf Nummer sicher zu gehen, sofern entsprechende Angebote existieren - und davon gibt es viele, wenn die Trendsetter erfolgreich waren. Es ist längst nicht nur die Politik der Verlage, die Marktsituationen generiert. Auch das Kaufverhalten spielt hier eine erhebliche Rolle. Die Leser wollen Epigonen. Stephenie Meyer hat eine Lawine von Vampir-Liebesgeschichten ausgelöst. Die HdR-Verfilmung ließ die Mittelalter-Fantasy (abermals) boomen.


    Gleichzeitig ist es unglaublich schwer, gegen Trends anzugehen, das stimmt tatsächlich. Das hängt aber auch davon ab, welchen Verlag man wählt bzw. mit welchem Verlag man zusammenarbeitet. Häuser wie Diogenes, Suhrkamp oder Aufbau, die einen "literarischeren" Anspruch haben, versuchen sich durchaus hauptsächlich an Themen abseits des sehr vergänglichen Mainstreams. Andere Verlage, die mit einem deutlich größeren Personalstab und weit höheren Erstauflagen kalkulieren müssen, tun das nur ausnahmsweise. Aus Autorensicht stellt sich dann die Frage, mit welchem antizipierten Erfolg er zufrieden sein will und kann. Ein Schema-F-Thriller bei Heyne wird möglicherweise 50.000 Mal verkauft, aber eine ambitionierte Familiengeschichte, die Altersdemenz thematisiert und bei Suhrkamp erscheint, wird vielleicht schon innerhalb der Erstauflage von 5.000 Stück verrecken.

  • Tom


    Zum Thema Weibliche Serienkiller.
    Ich habe das als Beispiel gebracht, um zu verdeutlichen, was ich meinte. Deine Antwort ist mir da ein bißchen zu allgemein gehalten. Man muss natürlich immer die entsprechende Figur im Roman betrachten. Wenn die Figur ein sehr gutes Motiv hat und glaubhaft angelegt ist, funktionieren auch ungewöhnliche Konstellationen.


    Aber grundsätzlich möchte ich noch mal deutlich machen, was ich meine: Ein Schriftsteller, Filmemacher, Musiker hat Erfolg mit einem bestimmten Thema oder was auch immer. Sofort springen alle auf den Zug auf - verständlicherweise, jeder will Geld verdienen. Dagegen ist auch überhaupt nichts einzuwenden - auch Autoren wollen schließlich Geld verdienen. Aber kaum jemand ist bereit, als ERSTER zu sagen: "He, das machen wir!"
    Es zeigt sich, dass gerade aus dieser Bereitschaft Trends erst entstehen.
    Ich bemühe nochmal ein inzwischen etwas abgegriffenes Beispiel: J.K Rowling wurde x-fach abgelehnt, bis jemand den Mut hatte, das Ding zu machen.
    Außerdem würgt man damit ein Stück Kultur ab. Ich gehe mal rüber zu den Musikern: Wirklich große Bands, die eigenständigen Sound und Musik hervorgebracht haben, haben sich immer vom Mainstream ihrer Zeit abgehoben. Wenn heutzutage Plattenfirmen vom Song bis zu den Klamotten alles vorgeben, verzichten sie auf die Chance, Musik weiterzuentwickeln - und das ist wahrscheinlich auch gar nicht gewollt, Hauptsache, man hat alles unter Kontrolle.



    Dean

  • Also ich denke, daß sich wahrscheinlich viele an diesem Mainstream anhängen werden, logisch.


    Aber irgendjemand muß ja auch diesen Mainstream erstmal hervorrufen - und dieser jemand war dann eben zu seiner Zeit "Nicht-Mainstream".
    So ist das wohl immer - egal ob Buch, Fernsehen, Film, Musik etc.


    Viele werden wohl auch bei den "Nicht-Mainstream"-tauglichen Produkten oft auf der Strecke bleiben, aber von denen erfahren wir als Publikum/Käufer gewöhnlich nichts.


    Diejenigen, die im "Nicht-Mainstream" wirklich so gut sind, daß sie (erstmal einen Verlag oder ähnliches für sich) und dann auch noch den größten Teil des Publikums/Käufer gewinnen können, machen das das Rennen.


    So ist das meiner Meinung nach aber mit JEDEM Produkt.

  • dean :


    Zitat

    Aber kaum jemand ist bereit, als ERSTER zu sagen: "He, das machen wir!"


    Den Widerspruch siehst Du selbst, oder? ;-) Bei jedem Trend MUSS es einen ersten gegeben haben, der ihn ausgelöst hat. Sonst gäbe es den Trend nicht.


    Deine Einlassungen klingen, mit Verlaub, ein wenig nach "Mönsch, meine supertollen Ideen werden nicht publiziert, aber die Roche mit ihrem Analfissur-Mist sahnt ab." Nichts für ungut. ;-) Natürlich ist es mühevoller, mit einer Novität an den Markt zu gehen, aber das heißt keineswegs, dass es unmöglich ist.

  • Ergänzung: Das Allgäuer Autorenduo Klüpfel/Kobr hat mit der "Kluftinger"-Reihe einen Boom (Regionalkrimis) ausgelöst. Die Bücher sind zuerst bei einem kleinen Verlag in Memmingen erschienen, werden aber inzwischen bei Piper publiziert und sollen wohl verfilmt werden. Das Duo hat Regionalkrimis keineswegs erfunden, aber sie waren die ersten, die - vergleichsweise - extrem erfolgreich mit dem Konzept waren (auch J. K. Rowling hat übrigens nichts erfunden, ganz im Gegenteil). Ich weiß es nicht, halte es aber für möglich, dass sie bereits mit dem ersten Manuskript auch die Klinken bei großen Verlagen geputzt haben, um schließlich doch bei einem kleinen Verlag zu landen. Hier ist man neuen Konzepten gegenüber auch aufgeschlossener, vorausgesetzt, die Qualität stimmt (was ich bei K/K eher anzweifle, aber das ist ein anderes Thema). Dass sich große Verlage nicht auf neue Ideen stürzen, ist aus wirtschaftlicher Sicht absolut nachvollziehbar. Dafür aber sind sie sich nicht zu schade dafür, auf fahrende Züge aufzuspringen.

  • Diese "abseitigen", "nicht-mainstream-Bücher" gibt es immer und wird es immer geben! Sie liegen halt (für gewöhnlich) nicht in Stapeln auf den Bestseller-Tischen aus sondern verstecken sich in den entsprechenden Regalen. Diese Titel muß man suchen oder durch den Buchhändler suchen lassen - die meißten "von uns" ( :chen) haben je nach eigener Vorliebe das ein oder andere Schätzchen auf Lager und sind froh, dieses an einen interessierten Kunden verkaufen zu können.
    Auch bei den großen Verlagen findet man immer noch viel gutes jenseits des Mainstream, auch bei diesen Verlagen werden Autoren veröffentlicht, die keine Unmengen an Büchern verkaufen werden - was dem Verlag durchaus bewusst ist!
    Und: Nur durch das restlose Auslutschen irgend eines Trends ist ein Verlag erst dazu in der Lage diese Autoren weiterhin zu veröffentlichen - das Geld dazu bringt halt nur die Massenware ein.

  • Bodo : :write


    Zudem entsteht durch dieses abwartende Verhalten der größeren Verlage eine Nische, die kleinere Verlage für sich nutzen können. Der Münchener Blumenbar-Verlag hat das mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt.


    Die Risikobereitschaft muss aber eben nicht nur auf Verlagsseite gegeben sein - auch die Autoren müssen dazu bereit sein, das Risiko einzugehen, mit einem kleineren Verlag erfolgreich zu werden. Aber seit Deutschland pausenlos den Superstar sucht, glaubt ja jeder, dass der Einstieg in das Künstlergeschäft gleich ganz oben stattzufinden hat. :pille

  • Tom


    Ich sag' ja auch nicht, dass es unmöglich ist. ich hab's ja schließlich auch geschafft - auch wenn ich nicht sofort 5 Millionen Bücher verkaufe. Und der Rest kann ja noch kommen ;-)
    Außerdem geht's mir in der Diskussion nicht um mich persönlich oder was ich schreibe. De Begrff Mainstream erscheint mir hier auch ein wenig unklar. Was ist Mainstream? Was ist die Abweichung davon? Ich zumindest rede hier nicht von experimenteller Literatur oder Jazzrock für Abgehobene, sondern von Variationen des sog. Mainstreams. Es ist vielleicht nicht so einfach, da eine Grenze zu ziehen.
    Und zu den Trends: Die werden in der Regel nun mal von den Verantwortlichen in Verlagen und Plattenfirmen gemacht - anders geht's ja gar nicht. Ich kritisiere folgendes: (Anscheinend eine typisch deutsche Eigenart) Es gibt eine Anzahl Schubladen, in die einsortiert wird. Passt etwas nicht hundertprozentig in eine Schublade - weg damit.
    Das Schöne ist, dass alle die tollen Experten auch immer wieder irren. Vielleicht setz' ich ja den nächsten Trend. :-)


    Übrigens stammt der Begriff Copy-Shop Deutschland ja nicht von mir. ich bin darauf aufmerksam geworden, weil mittlerweile in mehreren Artikel branchenübergreifend die Rede davon war.


    Dean