Amoklauf in Ansbach

  • Zitat

    Original von Foer
    Gestern war ein Polizist im TV der meinte es gäbe nicht mehr Amokläufe. Nur die Medienpräzens habe zugenommen....


    Hier mal eine Liste:


    List der Amokläufe


    Dass die Medienpräsenz zunimmt, ist in einer vernetzten Welt wie der heutigen ja kein Wunder. Dennoch bin ich der Meinung, dass Amokläufe zunehmen. Kann gern als subjektiv abgetan werden, aber allein schon die Tatsache, dass etwas, was leichter zugänglich ist, auch leichter nachgemacht werden kann, kann niemand wirklich bestreiten. Ich möchte hier sicher nicht mit einer "Früher war alles besser"-Parole ankommen und ich bin nicht der Meinung, dass die Menschen früher besser waren, aber es ist klar, dass Jugendliche (und auch Erwachsene) früher nicht so einen leichten Zugang zu "Gewaltinhalten" hatten. Was aber jetzt bitte nicht als "Verbot für Killerspiele" verstanden werden soll. Nur ist der Aspekt, dass man heute einen Mitschüler zusammenschlägt, dies mit dem Handy aufnimmt und auf youtube präsentiert oder den Klassenkameraden rumschickt, sicher etwas, was es früher aufgrund der fehlenden Technik nicht gab.


    Und dass Eltern damit zeitweise auch überfordert sind, halte ich auch nicht für gerade unwahrscheinlich. Und ich kann von mir behaupten, dass ich zu meiner damaligen Schulzeit keine Angst hatte, in die Schule zu gehen. Was ich für die heutige Zeit nicht unbedingt unterschreiben würde.


    Guck dir doch selbst die Liste genau an, Foer, die bei Wiki steht (zumal ich mir nicht sicher wäre, dass dort auch wirklich alles stimmt und es nicht mehr gab). Und sieh dir die Amokläufe in Deutschland oder in Europa an. Ich glaube nicht, dass man sagen kann, dass die Anzahl gleich bleibt :gruebel



    Das von bertrande angesprochene Problem der Gewaltabhärtung halt ich auch für wichtig. Viele von uns lesen blutige Thriller, wo Menschen gefoltert werden. Aber ich gehe mal davon aus, dass keiner davon (hoffe ich doch) ein potentieller Amokläufer ist. Bei einem unglücklichen, hasserfüllten Menschen mag es anders aussehen. Allerdings sollte man sich vielleicht nicht fragen, wie man hasserfüllte Menschen davon abbringt, auf andere loszugehen (Stichwort Killerspieleverbot oder Waffenrecht), sondern eher, wie man dazu beitragen kann, dass die Anzahl an hasserfüllten Menschen sinkt.

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  • Zitat

    Original von Foer
    Ich habe doch gar keine eigene Aussage gemacht, sondern nur Wiki zitiert und eine Tazartikel verlinkt.


    Ich weiß. Hab ich was anderes behauptet? Ich hab nur gemeint, dass du diese Wiki-Liste genauer betrachtet sollst. Meiner Meinung nach spricht das nicht für Abnahme. Ich hab dich nur zitiert, weil der Post von dir kam, mehr nicht ;-)

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  • Es gibt Menschen, die sind und bleiben ihr Leben lang Aussenseiter, aufgrund von fehlender Sozialisation oder auch aufgrund ihres Charakters. Es sind Menschen, die wenige Freunde haben, weil sie entweder sehr introvertiert oder extrovertiert dominant sind, und keine Akzeptanz in der jeweiligen Gruppe finden.


    Rachegefühle haben wir wohl alle mal gespürt und wir sind auch nicht immer beliebt gewesen; sondern jeder hatte mal das Gefühl (besonders in der Pubertät) anders zu sein als alle anderen. Aber vielleicht hatten wir einen liebevollen Halt zuhause, ein relativ gesundes Selbstbewusstsein und konnten uns dann doch irgendwie geborgen fühlen und hatten vor allen Dingen Respekt vor dem Leben anderer. Was wir in unserem Gehirn ausmalten, diente als Ventil, sollte aber nie wirklich umgesetzt werden.


    Ich denke, wir werden nie vorhersagen können, welcher Mensch besonders gefährdet oder anfällig für solche Gewaltorgien ist und sie tatsächlich umsetzen möchte. Es gibt keinen Schutz vor Amokläufern.

  • Also wenn ich nach der Liste von Wikipedia gehe, dann haben die Amokläufe selbstverständlich zugenommen:


    Ich bin von 1970 bis 1981 zur Schule gegangen. In dieser Zeit (11 Jahre) fand ein Amoklauf statt.
    Mein jüngerer Sohn geht seit 1998 zur Schule. Während dieser Zeit (11 Jahre) fanden elf Amokläufe statt.
    Wenn das keine enorme Zunahme von Amokläufen ist, dann weiß ich es auch nicht mehr :help

  • Gummibärchen


    Ich hatte früher Angst in die Schule zu gehen. Ich war einer von denen die regelmäßig verdroschen worden sind. Klein, dick, arm und nicht in Deutschland geboren. Keine Markenklamotten und nicht immer die neuesten Musikcasetten. Das hat früher schon gereicht. Hätte es damals Handys gegeben dann wäre das ganze auch aufgenommen worden (so wie Du sagtest). Aber meine Mutter, die alleinerziehend war, hat mich wohl recht gut erzogen. Ich denke daran hapert es heutzutage eben. Man setzt Kinder in die Welt und hat keine Zeit oder Lust sich mit ihnen zu beschäftigen. Setzt sie vor den Fernseher oder vor den Computer und ist froh seine Ruhe zu haben. Ich habe mit 14 Jahren auch schon Spiele gespielt und Filme gesehen die erst ab 18 waren und tue es jetzt mit 34 auch noch. Laufe ich deswegen Amok? Nein. Hey, ich habe auch noch andere Hobbys. Wenn Eltern ihren Kindern kein soziales Umfeld vorleben können, von wem sollen sie dann lernen wie man sich Freunde sucht? Leider ist eben der berufliche Druck heutzutage so groß, deswegen mache ich jetzt nicht allen Eltern einen Vorwurf. Aber wenn ich Kinder haben will muß ich eben Prioritäten setzten oder die Politik in Deutschland muß sich ändern.
    Achja, gerade auch zu Deinem letzten Absatz gebe ich Dir voll und ganz Recht.

  • zugroaster : Mein "Angst in die Schule" bezog sich eher darauf, dass wohl die wenigsten von uns davon ausgingen/damit rechnen sollten/befürchten mussten, dass an der Schule jemand Amok läuft. Ich meinte damit nicht, dass niemand damals Probleme in der Schule hatte. Ich denke mal, das Ausmaß an sich hat etwas zugenommen. Klar ist man früher auch gemobbt worden - aber ich hab das Gefühl (das mag ja subjektiv sein, glaub aber eher nicht), dass es heute öfter kommt. Die Mittel sind einfach besser vorhanden, würd ich mal sagen. Wenn gestern eine mit ner Zwille (heißt das Teil so? Steinschleuder halt...) andere "angegriffen" hat, geht man heute zu Papa an den Waffenschrank oder bastelt (nach Anleitung im Internet am besten) Molotowcocktails. Allerdings - das betone ich gern nochmal: die Technik "auszuschalten" (Killerspiele verbieten) wird das Problem nicht lösen. Abgesehen davon, dass man die Technik nicht ausschalten kann.
    Aber wer weiß - vielleicht brauchen wir wirklich sowas wie einen richtigen Schlag in die Magengrube (anscheinend haben Erfurt und Winnenden nicht gereicht), bis das Umdenken kommt. Ich weiß es nicht :gruebel

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  • Gummibärchen : Ich bin im Internat mit dem Messer verletzt worden, also weniger Gewalt war das sicherlich nicht. Allerdings habe ich danach nicht das Jagdgewehr meines Grossvaters genommen, um mich zu rächen. Ich war gut in der Schule und habe mich eigentlich den anderen immer überlegen gefühlt; meine Rache bestand also eher darin, mein Leben erfolgreich zu gestalten und die anderen im Mittelmass ertrinken zu sehen.
    Die Fotos der Klassenkameraden nach 20 Jahren zu sehen, war sogar noch viel besser.


    Ich denke, weiss es aber nicht, dass diese amoklaufenden Schüler oft überhaupt keine Erfolgserlebnisse oder Unterstützung erfahren. Kann das sein? :gruebel

  • Oryx, das tut mir leid für dich. Das ändert nichts an meiner Meinung, was die Angst heute angeht. Kann jeder sehen, wie er möchte. Ich aber bin einfach davon überzeugt, dass man früher nicht solche Angst haben musste wie heute. Das heißt nicht, dass heute jeder Schüler mit Schweißausbrüchen in die Schule geht und früher alles besser war. Das heißt nur, dass die Gewalt in der Schule meiner Meinung nach größer geworden ist - auch in Bezug auf die "psychische" Gewalt.

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  • Ich habe meiner Mutter letztens das Buch "19 Minuten" von Jodie Picoult gegeben. Nachdem sie es gelesen hat, meinte sie, dass sie den Amokläufer auf einmal total gut verstehen könnte. Sie hätte auch tagelang über das Buch nachgedacht.


    Ich glaube allerdings auch, dass die Berichterstattung heutzutage viel viel grösser ist als vor Jahren noch. Ausserdem kann man ja im Internet - wenn man möchte - Anleitungen zum Amoklauf oder zum Bau von irgendwelchen Waffen finden. Das vereinfacht die Sache noch mal.


    Ausserdem denke ich, dass die Gleichgültigkeit der Elten gegenüber ihren Kindern immer mehr zunimmt. Das war schon damals bei den Eltern meiner Freunde immer so. Meine Eltern haben immer total viel mit uns unternommen und oft Gesellschaftsspiele gespielt und so. Die Eltern von ein paar meiner Freunde haben nichts mit denen gemacht. Die haben sich dann uns angeschlossen, aber es ist einfach nicht das gleiche, als wenn die eigenen Eltern etwas mit einem unternehmen.

  • Ich finde es immer wieder erschreckend, kann es aber teils "vestehen". Damit meine ich, dass ich teils die Handlungsweise nachvollziehen kann. Dem Menschen ist doch wirklich alles egal und sie wollen in dem Moment Rache, was danach kommt...darüber denken sie glaube ich gar nicht nach. Mit Selbsttötung endet es meist und insofern kann man jetzt vielleicht mal den Täter berichten lassen und daraus irgendwie lernen.
    Amokläufe gabs auch früher, aber durch die Medien wird es nochmal hochgepusht und ich denke jedes Mal irgendwie leicht unruhig, ob das jetzt Not tut... Das ist doch fast der klassische Werther-Effekt. Warum geht das durch die ganzen Medien? Es gibt zB. bei Schienensuizid eine "Sperre" (mir fällt grad kein besseres Wort ein), da sonst zu viele verzweifelte Menschen es gleich tun würden.
    Teils gebe ich halt irgendwie den Medien daran schuld, dass Leute auf die Idee kommen könnten oder sich bestätigt fühlen, was weiß ich.
    Dann wird Gewalt verharmlost, in dem Sinne, dass man (wie schon mal jemand schrieb..) heute alle möglichen Horrorfilme guckt und blutige Thriller, nicht so wie "früher" weggeblendet wurde. Natürlich wird man deswegen nicht zum Mörder, aber es stumpft ja irgendwie ab und das empfinde ich als gefährlich.

  • Auch aus den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gibt es Berichte über Jugendliche, die mal sehen wollte wie das so ist, wenn ein Mensch stirbt und darum einen Mord begangen haben (vor der Erfindung der Hochglanzfarbphotographie, des Fernsehens und des Internets, sogar vor FOX tönender Wochenschau und Radio in jedem Haushalt), nur wurde diese Information damals eben groß in Zeitungen in zwanzig Kilometer Umkreis berichtet und mit zunehmender Entfernung zum Tatort wurde die Zahl der Zeilen in den Artikeln geringer. Deshalb ist ja Goethes Werther als Massenphänomen aus dem Massenmedium Buch auch so ein prägnantes Beispiel.