'Die Pest' - Kapitel 5

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  • Jetzt ist auch Tarrou nach kurzen,vergeblichen Kampf an der Pest gestorben.
    Die Szenen sind aber packend geschrieben, Tarrous Gefasstheit, sein Wille zu kämpfen, wenn möglich. Aber die Pest lässt ihm keine Chance.

    Zitat

    "Rieux hatte nur noch nunmehr eine leblose Masse vor sich, aus der das Lächeln verchwunden war"

    Seite 189


    Schlimm auch für Rieux, dass er seinen Nachbarn und Freund, der ihm nahestand, verliert.


    Es fällt mir schwer, in dem Roman ein Werk des Widerstands zu sehen, vielmehr verbreitet er ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, auch wenn die Pest am ausklingen ist.
    Stellvertretend zum Beispiel ein Satz wie: "

    Zitat

    Die Nacht, die folgte, war nicht die Nacht des Kampfes, sondern des Schweigens."


    Camus und seine Hauptfigur schüren keine Illusionen:

    Zitat

    "Alles, was der Mensch im Spiel der Pest und des Lebesn gewinnen konnte, waren Erkenntnisse und Erinnerungen"

  • Ich bin noch nicht ganz durch, aber Tarrous Tod erschüttert mich schon. Die Pest geht langsam, und es wird weiter gestorben. Für Rieux kommen jetzt erst die wirklichen Verluste.


    Den ganzen Roman über hielt sie sich im Hintergrund - Rieux' Mutter , die jetzt noch eine Art Auftritt bekommt, die noch mal ihre unauffällige Menschlichkeit und selbstverständliche Güte zeigen kann.

  • Ja, Rieux Mutter ist gut gestaltet, schade, dass ihre Rolle im Roman klein ist.
    Das ganze Buch hatte ich mich außerdem darauf gefreut, dass Dr. Rieux und seine Frau sich am Ende endlich wiedertreffen, da bekommt er am Ende der Pestzeit ein Telegramm, das seine Frau gestorben ist. Absurd!


    In diesem letzten Abschnitt gibt sich Dr. Rieux auch endlich als der Erzähler zu erkennen, und erläutert glaubhaft, warum ihn seine Arbeit als Arzt ihn in die Position eines Erzählers versetzt.


    Erschütternd, dass Cottard um sich schießt. Er ist als Außenseiter wohl einer der wenigen, für den das Ende der Pest gleichzeitig sein persönliches Ende bedeutet. Eine tragische Gestalt auch er. Ich erinnere mich, dass er in der Verfilmung beeindruckend von Raul Julia gespielt wurde, da kam die ganze innere Zerrissenheit der Figur zum tragen.


    Kapitel 5 hat mir auch literarisch am Besten gefallen. Am Anfang des Romans hatte ich Probleme, aber jetzt bereue ich nicht mehr, den Roman aufgrund der Leserunde nochmals gelesen zu haben.

  • Dass Rieux' Frau gestorben ist, hat mich auch schockiert, denn damit hätte ich nicht gerechnet. Ich habe eher an ein, wenigstens kleines, Happyend am Ende des Romans gefreut.
    Überhaupt ist der Roman voll mit tragischen Figuren. Triumph der Menschlichkeit über die Seuche und ihre Begleiterscheinungen - aber um welchen Preis...


    Es geht mir auch wie dir: Ich habe es nicht bereut, das Buch gelesen zu haben, obwohl ich zugeben muss, dass ich zwischendurch immer mal mit mir kämpfen musste und dem manchmal schon recht trockenen Stil.

  • Der Tod von Rieux' Frau hat auch mich überrascht. Wie war es im wirklichen Leben Camus ? Hat er seine Frau nach dem Krieg wiedergesehen oder ist sie gestorben ? Das muß ich doch gleich mal nachlesen.


    Tarrous Tod hat mir auch sehr leid getan. Zumal er und Rieux so etwas wie Freunde geworden sind. Leider hatten sie keine Gelegenheit mehr, ihre Freundschaft zu vertiefen und ich hatte gehofft, daß Tarrou nach Beendigung der Pest in Oran bleiben würde.


    Für mich hat sich der letzte Abschnitt jedoch etwas gezogen, ich mußte mich sehr konzentrieren, um am Ball zu bleiben. Ich bin aber sehr froh, daß ich das Buch gelesen habe. Ob ich noch mal etwas von Albert Camus lesen werde ? Hmmm ..... wenn es etwas wäre, das nicht ganz so düster ist, dann mit Sicherheit.

  • Zitat

    Original von -Christine-
    ...
    Für mich hat sich der letzte Abschnitt jedoch etwas gezogen, ich mußte mich sehr konzentrieren, um am Ball zu bleiben. Ich bin aber sehr froh, daß ich das Buch gelesen habe. Ob ich noch mal etwas von Albert Camus lesen werde ? Hmmm ..... wenn es etwas wäre, das nicht ganz so düster ist, dann mit Sicherheit.


    Ich habe die ersten 4 Kapitel hintereinander gelesen, Kapitel 5 blieb etwas länger liegen. Die Pest ist vorbei, und irgendwie war es erstmal wie bei einem Ballon, aus dem die Luft herausgelassen worden ist.


    Ich habe "Der erste Mensch" von Camus noch hier liegen und will es, in einigem Abstand , noch lesen.

  • Dieser Abschnitt gefällt mir wohl am besten. Die Krankheit scheint zu verschwinden und Hoffnung keimt auf. Und dann doch noch einmal Tote – jetzt schlimmer, denn es stirbt ein guter Freund und die Ehefrau.


    Lesen wir Cottards Tagebuch? Irgendwie verstehe ich das nicht wirklich, :help denn später erfahren wir, dass Rieux der Verfasser ist. Und auch was Camus oder Rieux damit bezwecken wollte, dass er sich nicht outete.


    Die Tore werden geöffnet, Menschenmassen strömen hindurch. Parallel dazu könnte man die Kriegsheimkehrer erkennen. Den Pestkranken soll ein Denkmal gesetzt werden, zu dem noch lange Zeit die Menschen pilgern können. Vielleicht soll auch dies ein „Synonym“ sein.

  • Zitat

    Original von Clare
    ... Ich habe es nicht bereut, das Buch gelesen zu haben, obwohl ich zugeben muss, dass ich zwischendurch immer mal mit mir kämpfen musste und dem manchmal schon recht trockenen Stil.


    Auch ich bereue es nicht, hätte es aber ohne LR nicht durchgestanden. Ich fand den Stil gar nicht so trocken, vielmehr störte mich der Sog nach unten, den das Buch auf mich ausübte.

  • Zitat

    Original von Clare
    Die Pest ist vorbei, und irgendwie war es erstmal wie bei einem Ballon, aus dem die Luft herausgelassen worden ist.


    Genau so hatte ich das auch empfunden. Vielleicht fiel mir das Ende deshalb etwas schwerer zu lesen.

  • Zitat

    Original von Patricia_k34


    Auch ich bereue es nicht, hätte es aber ohne LR nicht durchgestanden. Ich fand den Stil gar nicht so trocken, vielmehr störte mich der Sog nach unten, den das Buch auf mich ausübte.


    Auch dafür sind Leserunden da, und zusammen ist es manchmal einfach leichter.

  • Zitat

    Original von -Christine-:


    Der Tod von Rieux' Frau hat auch mich überrascht. Wie war es im wirklichen Leben Camus ? Hat er seine Frau nach dem Krieg wiedergesehen oder ist sie gestorben ? Das muß ich doch gleich mal nachlesen.


    Tarrous Tod hat mir auch sehr leid getan. Zumal er und Rieux so etwas wie Freunde geworden sind. Leider hatten sie keine Gelegenheit mehr, ihre Freundschaft zu vertiefen und ich hatte gehofft, daß Tarrou nach Beendigung der Pest in Oran bleiben würde.


    :write


    Hätte ich nicht an dieser Leserunde teilgenommen, dann hätte ich das Buch schon längst abgebrochen. Der Erzählstil war mir einfach zu trocken.

  • Zitat

    Original von Vivian


    Hätte ich nicht an dieser Leserunde teilgenommen, dann hätte ich das Buch schon längst abgebrochen. Der Erzählstil war mir einfach zu trocken.


    Dieser Chronologie- Stil war für mich anfangs auch etwas gewöhnungsbedürftig, und stellenweise musste ich mich auch durchbeißen, aber letztendlich hat mich das Buch dann doch gepackt. Auch wenn mich im letzten Kapitel auch einiges gestört hat. Vielleicht macht das manchmal auch den Reiz eines Buches aus, dass man sich daran reiben kann/ muss.


    Eine Leserunde macht es leichter, denke ich auch :wave

  • 5. Kapitel:
    39 Seiten. Tarrou, der Freund des Arztes stirbt, die Pest hört auf und die Tore werden wieder geöffnet. Und Cottard wird schlußendlich noch verhaftet.



    Gesamteindruck:
    Eigentlich geht es bei diesem Buch nicht um die Pest. Sonst wären viel mehr die Auswirkungen, wie zB die Nahrungsknappheit beschrieben worden.
    es geht vielmehr um seelische Zustände.


    Mein Kommentar:
    24. Albert Camus: Die Pest (274 Seiten, in einem größeren Band)
    Ein Buch, weniger über die Pest, als über seelische Zustände. Hätte ich es nicht im Rahmen einer Leserunde gelesen, hätte ich es wahrscheinlich abgebrochen.
    Note: 5

    Wenn mein Kopf auf ein Buch trifft, klingt es hohl. Das muß nicht immer am Buch liegen...
    (Georg Christoph Lichtenberg)

  • Zitat

    Original von HeikeArizona
    ...
    Mein Kommentar:
    24. Albert Camus: Die Pest (274 Seiten, in einem größeren Band)
    Ein Buch, weniger über die Pest, als über seelische Zustände. Hätte ich es nicht im Rahmen einer Leserunde gelesen, hätte ich es wahrscheinlich abgebrochen.
    Note: 5


    So schlecht fandest du das Buch :wow
    Dann hat dir die Leserunde ja durch geholfen.
    Ich habe das Buch vor ca. 20 Jahren schon mal gelesen, und habe irgendwann in diesem Jahr festgestellt, dass ich kaum Erinnerungen daran hatte. Damals habe ich es gelesen, weil man es "einfach gelesen haben muss" nach der Meinung meines damaligen Buchgebers.
    Beim Re-Read habe ich das Buch ganz anders aufgenommen und war, bis auf ein paar Stellen an denen ich mich durchkämpfen musste, schon beeindruckt vom Buch.
    So unerschiedlich ist das...

  • Huhu!


    Hin und wieder lese ich auch gern was Philosophisches, aber dieses Buch ist mMn nur stinklangweilig.
    Ich müßte mit Absicht etwas hineininterpretieren, was ich nicht lese.


    Diese Geschichte hätte man auch so schreiben können, daß der Leser mitfühlt, mitleidet, die Probleme miterlebt, aber nicht so...


    Für mich war die Geschichte nur öde!


    Camus ist damit für mich erledigt. Werde mal schauen, was von ihm noch bei mir herumsubbt und die Bücher aussortieren.


    Für alle Leserunden, bei denen ich mitlese bin ich dankbar.
    Meist sind es ja Bücher, die schon lange bei mir rumsubben und auf die ich normalerweise keine Lust habe.
    Irgendwann ist bestimmt noch ein Schatz dabei, der nur daruf wartet, gehoben zu werden :wave

    Wenn mein Kopf auf ein Buch trifft, klingt es hohl. Das muß nicht immer am Buch liegen...
    (Georg Christoph Lichtenberg)

  • Also ich hab mich jetzt durchgequält und bin froh, dass es "vorbei" ist.


    Das Ende - vor allem der Tod von Rieux Frau hat mich schockiert und dieses Mal richtig traurig gemacht. Sie ist aber nicht an der Pest gestorben oder?


    Alles in allem war es richtig das Buch zu Ende zu lesen. Es war einzigartig die Hauptfiguren bzw. die Stadt nicht zu mögen und mit einer gewissen Distanz die Handlung zu sehen. Normalerweise mag ich ja die Figuren und will nicht, dass ihnen was schlimmes passiert, aber hier war ich unbeteiligt und unberührt.


    Wahrscheinlich ist dieser Abstand von Camus auch erwünscht. Man betrachtet ein grausliges Szenario von aussen und ist froh, dass es andere trifft. Irgendwie ist man fasziniert (wie bei einem Autounfall) und ist aber froh, dass es andere trifft.


    Ich werde das Buch heute wieder zurück geben und mir was ganz kitschig romantisches als nächstes reinziehen, damit ich wieder ein Feeling habe!! :)

    Who is Keyser Soze?


    (\__/)
    (o ,o)
    (>_<) <- This is Bunny.


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  • Zitat

    Original von sollhaben
    ...
    Das Ende - vor allem der Tod von Rieux Frau hat mich schockiert und dieses Mal richtig traurig gemacht. Sie ist aber nicht an der Pest gestorben oder?


    Rieux' Frau ist nicht an der Pest gestorben, sondern im Sanatorium. Besonders schlimm fand ich, dass Rieux es erst später erfährt, als sie längst gestorben ist. Diesen Tod fand ich persönlich unnötig, denn er bringt weder die Geschichte noch kann jemand daran wachsen. Es ist einfach nur unnötig.

  • Zitat

    Original von Clare


    Rieux' Frau ist nicht an der Pest gestorben, sondern im Sanatorium. Besonders schlimm fand ich, dass Rieux es erst später erfährt, als sie längst gestorben ist. Diesen Tod fand ich persönlich unnötig, denn er bringt weder die Geschichte noch kann jemand daran wachsen. Es ist einfach nur unnötig.


    Mir scheint, als wollte Camus hiermit nochmal etwas unterstreichen. Anfangs drehten sich die Gedanken von Rieux noch oft um seine Ehefrau, und dann wird ja mehrfach angedeutet, dass es zunehmend weniger wird und er zum Ende hin überhaupt nicht mehr an sie denkt. Die unüberbrückbare Distanz zwischen ihnen, das Vergessen seinerseits, die aussichtslose Lage angesichts der Pest. Für mich hatte ihr Tod etwas Unvermeidliches, so als musste es so kommen, weil Rieux sie bzw. die Hoffnung an ein Wiedersehen aufgegeben hatte.


    Ebenso mein Eindruck bei Tarrou. Tage vor seiner Erkrankung wird geschildert, wie er einen müden, abgekämpften Eindruck machte, als hatte auch er sich ein wenig aufgegeben...gerade wenn man bedenkt, wie wenige Menschen zum Schluss noch an der Pest starben, und dass es dann ausgerechnet noch Tarrou erwischt, der ja zuvor tagtäglich mit Opfern der Pest zu tun hatte und entsprechend gefährdet war...naja, vielleicht interpretiere ich da auch zu viel rein.


    Ansonsten hat mir der Abschluss ziemlich gut gefallen, vor allem der finale Teil, in dem Rieux seine Autorschaft offenbart und erklärt, dass er mit dieser Erzählung/Bericht gegen das Vergessen anschreiben wollte. Ich war schon die ganze Zeit über gespannt, wie sich diese Geheimnistuerei auflösen wird. Und Camus hat das ziemlich gekonnt gelöst. Insgesamt ein starker Abschluss eines allemal lesenswerten Romans.

    Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.
    - Wittgenstein -

  • Zitat

    Original von Voland


    Mir scheint, als wollte Camus hiermit nochmal etwas unterstreichen. Anfangs drehten sich die Gedanken von Rieux noch oft um seine Ehefrau, und dann wird ja mehrfach angedeutet, dass es zunehmend weniger wird und er zum Ende hin überhaupt nicht mehr an sie denkt. Die unüberbrückbare Distanz zwischen ihnen, das Vergessen seinerseits, die aussichtslose Lage angesichts der Pest. Für mich hatte ihr Tod etwas Unvermeidliches, so als musste es so kommen, weil Rieux sie bzw. die Hoffnung an ein Wiedersehen aufgegeben hatte.


    Wenn es so erklärt wird, dann leuchtet es mir auch ein. So ist der Tod der Frau Rieux zu akzeptieren.


    Zitat

    Ebenso mein Eindruck bei Tarrou. Tage vor seiner Erkrankung wird geschildert, wie er einen müden, abgekämpften Eindruck machte, als hatte auch er sich ein wenig aufgegeben...gerade wenn man bedenkt, wie wenige Menschen zum Schluss noch an der Pest starben, und dass es dann ausgerechnet noch Tarrou erwischt, der ja zuvor tagtäglich mit Opfern der Pest zu tun hatte und entsprechend gefährdet war...naja, vielleicht interpretiere ich da auch zu viel rein.


    Ich denke nicht, dass du zu viel hinein interpretierst. Ich hatte beim Lesen des Romans immer wieder den Eindruck, dass Camus einen Gedanken, den er deutlich machen wollte, bei mehreren Personen oder in verschiedenen Ebenen umsetzte.


    Zitat

    Ansonsten hat mir der Abschluss ziemlich gut gefallen, vor allem der finale Teil, in dem Rieux seine Autorschaft offenbart und erklärt, dass er mit dieser Erzählung/Bericht gegen das Vergessen anschreiben wollte. Ich war schon die ganze Zeit über gespannt, wie sich diese Geheimnistuerei auflösen wird. Und Camus hat das ziemlich gekonnt gelöst. Insgesamt ein starker Abschluss eines allemal lesenswerten Romans.


    Das würde ich so :write