Ich, Maximilian, Kaiser der Welt von Peter Prange

  • Inhalt laut Amazon:
    Im MITTELALTER verwurzelt, stößt er das Tor zur RENAISSANCE auf: MAXIMILIAN I. VON HABSBURG - letzter Ritter des Abendlands, erster Kaiser der Neuzeit. Mitreißend schildert Bestseller-Autor Peter Prange den Mann, dessen Ideen und Taten Europa bis heute prägen und der doch ein Zerrissener ist - in der Liebe zu zwei ganz unterschiedlichen Frauen und im Zwiespalt zwischen Macht und Leidenschaft.


    Über den Autor:
    Peter Prange ist als Autor international erfolgreich. Er studierte Romanistik, Germanistik und Philosophie in Göttingen, Perugia und Paris. Nach der Promotion gewann er besonders mit seinen historischen Romanen eine große Leserschaft. Seine Werke haben eine internationale Gesamtauflage von über zweieinhalb Millionen verkaufter Exemplare erreicht und wurden in 24 Sprachen übersetzt. Mehrere Bücher wurden verfilmt bzw. werden zur Verfilmung vorbereitet. Der Autor lebt mit seiner Frau in Tübingen.


    Meine Meinung:
    Maximilian I. wurde 1459 geboren und war als Sohn des amtierenden Kaisers Friedrich III. von Geburt an Erzherzog von Österreich. Großgewachsen, kräftig, sportlich und blitzgescheit war er außerdem und die Rolle eines großen Kämpfers und Heerführers war ihm fast schon in die Wiege gelegt. In Peter Pranges opulentem Historienroman wird aber auch das Privatleben dieses sehr interessanten Mannes von Jugend an beleuchtet. Schon als Teenager entbrennt er in heißer Liebe zu einem hübschen Kammerfräulein namens Rosina und am liebsten würde er die selbige auch heiraten. Aber natürlich ist das einem Kaisersohn unmöglich. Die Staatsräson verlangt nach einer vorteilhafteren Verbindung und er muss sich aufmachen, um Marie von Burgund zu ehelichen, deren Herzogtum eines der reichsten und wichtigsten in ganz Europa ist. Maximilian verliert Rosina aus den Augen und verliebt sich überraschend und heftig in seine kluge junge Frau. Nach der Hochzeit entbrennt um Burgund ein langer blutiger Zwist mit dem französischen König. Maximilian scheint derjenige mit dem größeren Kriegsgeschick bis ihn ein schwerer Schicksalsschlag ereilt.


    Maximilian I., der junge Staatsmann, kämpft nicht nur gegen das schier übermächtige Frankreich sondern immer wieder gegen finanzielle Schwierigkeiten, politische Intrigen, Aufständische und rebellische Bürger. Hin und her gehen seine Kämpfe, auf und nieder das Siegesglück. Zwei Frauen und die Liebe zu ihnen bestimmen sein Leben ebenso, wie die Verpflichtungen seinem hartherzigen Vater gegenüber und der unbändige Wunsch danach, wie sein Vater zum Kaiser gekrönt zu werden.


    Peter Prange hat es verstanden mich von der ersten der fast 700 Seiten an zu packen. Ohne Längen schickte er mich durch ein halbes Jahrhundert europäischer Geschichte. Er mixt einen spannenden Cocktail aus Fiktion und Tatsachen, zeichnet dabei das pralle Leben seiner Charaktere glaubwürdig und facettenreich. Er lässt den jungen liebenswerten Jungspund Maxl zu einem reifen Vater und Staatsmann heranreifen, der nicht immer den richtigen Weg geht, um seinem großen Ziel näher zu kommen. Dennoch bleibt man ihm immer nah, fühlt mit ihm und gönnt ihm seine Erfolge und Höhenflüge.


    Die Figur des Maximilian kann auch deshalb glänzen, weil er starke Gegner und schillernde Nebenfiguren zur Seite hat, die die Spannung hochhalten und das Emotionskarusell des Lesers zum Kreiseln bringen. Das sehr detaillierte Nachwort zeigt ziemlich gut, wie intensiv hier recherchiert und Geschichte aufbereitet wurde.


    Ein überaus unterhaltsamer und gehaltvoller historischer Roman. Sicherlich eines meiner Jahreshighlights in diesem Genre.

  • Das Buch hat einen sehr eindringlichen starken Auftakt und macht uns – wenn auch auf dem Sterbebett – mit Max und Rosina bekannt. Man fühlt sich gleich mittendrin im Geschehen, so dass das Weiterlesen richtig Spaß macht. Peter Prange schafft mit seinem Buch, was den wenigsten Geschichtslehrern gelingt: die Verknüpfung zwischen Realität und Fiktion, die Geschichte einfach interessant macht. Zugegeben, einige Passagen sind doch schon sehr kriegsbeladen. Es muss unheimlich schwierig für die damalige Bevölkerung gewesen sein, immer wieder mit mordenden, plündernden Horden von Soldaten fertig werden zu müssen. Sicher mussten sie sich damals nicht vor Bomben und Kampffliegern fürchten, aber die Schneise aus Tod und Verwüstung, die immer wieder in ihre Länder geschlagen wurde, hatte es in sich. Auch für die Adligen war das Leben mit arrangierten Ehen und Beziehungen nicht einfach. Liebe war da nicht oft im Spiel. Umso schöner, dass sich aus Max’s erster Ehe eine liebevolle, wenn auch zu kurze, Beziehung entwickelte. Max lebte ein bewegtes, nicht immer glückliches Leben, auch sehr geprägt durch die schwierige Beziehung zu seinem Vater. Bei seinem eigenen Sohn machte er leider auch manchmal die gleichen Fehler. Alles in allem ein sehr beeindruckendes Werk von einen talentierten Autor. Ich bin schon gespannt, welches Thema Herr Prange das nächste Mal aufgreifen wird.

  • Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)
    Im MITTELALTER verwurzelt, stößt er das Tor zur RENAISSANCE auf: MAXIMILIAN I. VON HABSBURG - letzter Ritter des Abendlands, erster Kaiser der Neuzeit. Mitreißend schildert Bestseller-Autor Peter Prange den Mann, dessen Ideen und Taten Europa bis heute prägen und der doch ein Zerrissener ist - in der Liebe zu zwei ganz unterschiedlichen Frauen und im Zwiespalt zwischen Macht und Leidenschaft.
    Er wird einmal über halb Europa herrschen – doch als er seiner Lebensliebe Rosina von Krain begegnet, ist er noch ein „Bettelprinz“, der sich am verarmten Wiener Kaiserhof nach Ruhm und Ehre sehnt. Angetrieben von seiner Idee, das alte römisch-deutsche Kaiserreich wiederaufzurichten, wirbt er um Maria, die Erbin von Burgund. Fortan wird er ein Zerrissener sein in der Liebe zu zwei ganz unterschiedlichen Frauen und im Zwiespalt zwischen Kalkül und Gefühl. Als Herrscher stößt er in seinem Reich das Tor zur Neuzeit auf – aber um welchen Preis? Die dramatische Lebensgeschichte des Tat- und Prachtmenschen, des Liebhabers und Kunstfreundes Maximilian erzählt Erfolgsautor Peter Prange.


    Autor (Quelle: amazon)
    Peter Prange, geb. 1955, promovierte mit einer Arbeit zur Kultur- und Sittengeschichte der Aufklärung. Der Durchbruch gelang ihm mit dem deutsch-deutschen Roman "Das Bernstein-Amulett" (als Zweiteiler verfilmt für die ARD). Neben seiner Arbeit als Sachbuchautor (u.a. "WERTE") wurde er vor allem bekannt durch seine historischen Bestseller "Die Principessa", "Die Philosophin", "Die Rebellin" (Weltenbauer-Trilogie) sowie "Der letzte Harem", "Die Gottessucherin" und zuletzt "Himmelsdiebe". Auch international hat Peter Prange sich einen Namen gemacht. Seine Bücher wurden in 24 Sprachen übersetzt, mit einer internationalen Gesamtauflage von über 2,5 Millionen Exemplaren. Weitere Informationen zum Autor, seiner Biografie und seinen Büchern: peterprange.de


    Allgemeines
    Erscheinungstermin: 7.Oktober 2014 bei FISCHER Scherz, Hardcover 672 Seiten
    Gliederung:
    Prolog (1519), sechs Hauptteile mit übersichtlicher Kapitelunterteilung (1473 - 1493), Epilog (1530), Autorennachwort "Dichtung und Wahrheit" mit chronologischer Zeitleiste, Personenverzeichnis
    Der vordere Einband enthält einen Familienstammbaum der Habsburger, der hintere Einband eine Landkarte des spätmittelalterlichen/frühneuzeitlichen Europa
    Erzählung in der dritten Person, größtenteils aus der Perspektive der Titelfigur


    Zum Inhalt
    Beginnend mit seinem Tod im Jahre 1519 (Prolog) zeichnet der Roman in einem Rückblick das Leben Maximilians von Habsburg (1459 - 1519) von seiner Jugend als Sohn des Kaisers Friedrich III bis zu seiner eigenen Kaiserkrönung nach. Im Gegensatz zu seinem ruhigen, bedächtigen Vater ist Maximilian, "der letzte Ritter", vom Ideal der Ehre geprägt und führt in seinem Leben unzählige Feldzüge an. Vor allem gegen die Franzosen muss er immer wieder Krieg führen, denn die französischen Könige Ludwig XI ("die Spinne") und später dessen Sohn Karl VIII wollen sich zunächst Burgund, das Herzogtum von Maximilians früh verstorbener Ehefrau Marie einverleiben, welches Maximilian für seinen Sohn Philipp erhalten will. Auch in anderen Belangen lassen sie keine Gelegenheit aus, um gegen Maximilian zu intrigieren. Doch auch innerhalb des Herzogtums kommt es immer wieder zu Unruhen: Unter dem Strumpfwirker Jan von Coppenhole, der die Regentschaft Maximilians für seinen minderjährigen Sohn ablehnt, kommt es wiederholt zu Aufständen der Genter Bürger.
    Auch die privaten Verhältnisse des Protagonisten spielen eine große Rolle im Roman. Maximilian ist als junger Mann hin und her gerissen zwischen zwei geliebten Frauen, seiner Ehefrau Marie von Burgund und seiner Jugendliebe Rosina von Kraig, der er über die Jahre hinweg immer wieder begegnet. Ebenso ist das wechselvolle Verhältnis zu seinem Sohn Philipp für Maximilians Leben sehr bedeutsam...


    Beurteilung
    Es ist fast unmöglich, diesem komplexen Roman mit einer kurzen Inhaltsangabe gerecht zu werden. Der Autor hat akribisch recherchiert und eine gewaltige Menge an "Personal" aufgefahren. Diese Personen sind historisch verbürgt und es sind sehr interessante Charaktere darunter, wie z.B. Philippe de Commynes (Berater am burgundischen Hof Karls des Kühnen, der später zu Ludwig VI überlief) und der Hofnarr Kunz von der Rosen (Hofnarr, Intrigant und eine Art von Spion). Die Charakterisierung der Romanfiguren ist gelungen, es gibt keine Schwarz-Weiß-Malerei und ihre Handlungen bleiben nachvollziehbar. Wenngleich der Autor offenbar seinen Protagonisten ins Herz geschlossen hat, verschweigt er auch dessen weniger einnehmende Eigenschaften nicht.
    Der Roman ist mit seinen Hauptteilen samt weiterer Kapiteleinteilung übersichtlich gegliedert, durch den Habsburger Familienstammbaum, die Europakarte im hinteren Einband, das Personenverzeichnis und das Nachwort mit chronologischer Zeitleiste wird dem Leser das Verständnis dieser anspruchsvollen Lektüre erleichtert.
    Es gelingt dem Autor, auch dem Leser mit weniger geschichtlichen Vorkenntnissen die europäische Geschichte des ausgehenden 15. Jahrhunderts unterhaltsam nahezubringen, eine sehr interessante Zeit, in der das Mittelalter von der beginnenden Neuzeit abgelöst wird.
    Der Roman ist jedoch nicht nur sehr informativ, sondern auch in einem fesselnden Sprachstil erzählt. Im Gegensatz zu anderen Werken werden hier die Details der Feldzüge nicht so sehr vertieft, sodass es keine gefühlten Längen gibt. Dennoch sollte man die 672 Seiten nicht zu schnell herunterlesen, sondern sich Zeit nehmen, um die Fülle an Eindrücken verarbeiten zu können.


    Fazit
    Ein großartiger historischer Roman, ebenso informativ wie unterhaltsam!
    10 Punkte

  • Ich habe den Roman auch gelesen, und kann mich den begeisterten Rezensionen hier überhaupt nicht anschließen und sie in diesem Fall großteils auch nicht nachvollziehen. (So bedienen die Romanfiguren fast ausschließlich Klischees, aber selbst da habe ich schon Besseres, weil wenigstens Unterhaltsames erlebt.)


    Auf mich wirkt das Buch, gerade mit Blick auf die positiven Rezensionen (bei Amazon gibt es zurzeit bereits über 15 und keine unter 5 Sternen), sehr zwiespältig.


    Dabei ist der Roman wenigstens unterhaltsam (allerdings fällt er eindeutig in die Kategorie historischer Trivialroman, Niveau: Schundroman / Groschenroman), und die vielen historischen Abweichungen, die sich der Autor erlaubt hat, auch wenn ich über manche nicht wirklich glücklich bin, würde ich ihm eigentlich im Sinne von schriftstellerischer Freiheit zugestehen, wenn er wenigstens dramaturgisch etwas daraus gemacht hätte und wenn er auf das Nachwort überhaupt verzichtet hätte oder es wie andere Autoren/innen (z. B. Tanja Kinkel) wirklich dazu genutzt hätte, auf seine historischen Abweichungen etwas näher einzugehen.


    Nach welchen Kriterien hat er eigentlich seinen (historischen) Figuren ihre Rolle in seinem Buch (als Gutmensch, Schurke, Witzfigur, "reine Maid", "Wanderhure", antisemitische Karikatur etc.)/ zugeteilt? Welche Gründe hatte für das Zusammenlegen mehrerer historischer Figuren? Und mich hätte auch sehr interessiert, aus welchem Gründen er es unbedingt für notwendig gehalten hat von vielen historisch belegten Fakten abzuweichen. (Ich werde leider den Eindruck nicht los, dass diese Veränderungen gar keine vom Autor beabsichtigten Abweichungen sind, sondern einfach nur historische Fehler, die dem Autor passiert sind, weil er sich nun einmal mit dem Spätmittelalter und historischen Zeitepochen nicht auskennt.)


    Prange orientiert sich zwar an relativ vielen Geschehnissen, die historisch belegt sind (wie auch die Auflistung im Nachwort zeigt), bei ihrer Ausgestaltung oder Erwähnung weicht er jedoch in wesentlichen Details erheblich von den historisch belegten Fakten ab. Das hat in vielen Fällen zur Folge, dass historische Geschehnisse in Bezug auf ihre Bedeutung ins Gegenteil verkehrt werden, also sich so etwas wie eine "Verfälschung" der Fakten ergibt.
    Interessanterweise werden nun diese Abweichungen in der Auflistung im Nachwort nicht etwa angeführt, obwohl sich diese dazu angeboten hätte.


    Dazu nur ein signifikantes Beispiel von vielen: In der Auflistung der belegten Geschehnisse findet sich die Beinamputation von Kaiser Friedrich III., allerdings war Maximilian I. dabei anwesend, was im Buch nicht der Fall ist. Hier hätte doch z. B. ein Hinweis diesbezüglich eingebaut werden können, zudem diese Änderung doch keineswegs etwas ist, was Leser/innen verschwiegen werden muss. (Leser/innen, die nur absolute Faktentreue gelten lassen, sollten sich Pranges Roman gar nicht antun.)


    Ein weiteres Problem dieser Szene ergibt sich aus einer früheren Abweichung von den Fakten:
    Fakt: Kaiser Friedrich III. verbrachte seine letzten Lebensjahre in Linz, wo die Operation stattfand und wo er wenig später auch gestorben ist. (Ein Faktum, das im Gegensatz zu manch anderen auch auf den einschlägigen Websites korrekt wieder gegeben wird.)
    Pranges Romanversion: Friedrich III. ist nach der Rückeroberung von Wien wieder dorthin zurückkehrt. Daher muss Prange ihn für die Operation extra nach Linz bringen lassen, damit die historischen Fakten in seinem Roman zumindest in diesem Fall, wo sie wirklich jede/r Leser/in problemlos überprüfen kann, stimmen. Mal ehrlich, würde es uns in einem Gegenwartsroman wirklich überzeugen, wenn z. B. der deutsche Bundespräsident für eine unvermeidliche gefährliche Operation aus Berlin in ein kleines Nest in Bayern verlegt wird, was bedeutet, dass die Ärzte aus Berlin gleich miteingeflogen werden müssen. (Ich vermute einmal, wir würden wenigstens vom Autor erwarten, dass er das schlüssig begründet, den selbst im Zeitalter des Flugverkehrs dürfte eine solche Entscheidung nicht sehr sinnvoll wirken.)
    Da es für die Handlung selbst keine Rolle spielt, wo Pranges Friedrich III. seine letzten Lebensjahre verbracht hat, stellt sich die Frage, warum er hier die Fakten geändert hat. (In einem guten und gelungenen Roman sollten die Abweichungen viel die Handlung so viel bringen, dass sie sich vom schriftstellerischen Standpunkt von selbst rechtfertigen?)


    Das Hauptproblem jedoch - gerade durch das Nachwort und die Auflistung wird der Eindruck vermittelt, Prange hätte sich sehr genau an die historischen Fakten gehalten, was eben nicht der Fall ist. Wozu aber dann überhaupt ein Nachwort? Wäre es nicht der Sinn eines Vor- oder Nachworts, für Leser/innen den eigenen Umgang mit historischen Fakten zu zeigen?


    Zwar lässt Prange im Nachwort seine Leser/innen wissen, dass er leichte Veränderungen in der Chronologie vorgenommen hat, um die Handlung schlüssiger zu machen und so den Geist der zeitlichen Epoche, die er beschreibt, mit ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart besser umsetzen zu können.


    Beispiele dafür, hat er leider nicht angegeben, und ich hatte beim Lesen keineswegs den Eindruck, dass sich seine Abweichungen sich nur auf Kleinigkeiten beschränken. (Abgesehen davon, mehrere Kleinigkeiten ergeben in Summe kein Kleinigkeit).
    Ein paar Beispiele, wo Prange eindeutig die geschichtlichen Fakten geändert hat. (Oder sind ihm hier doch historische Fehler passiert?)
    Anne de Beaujeu z. B. wurde von ihrem Bruder König Charles VIII. nicht, wie im Roman behauptet, in ein Kloster abgeschoben, wo sie nun warten muss, ob sich noch ein Mann findet, der sie heiratet, als er selbst die Regierung übernahm. (Die historische Anne de Beaujeu war bereits zu jenem Zeitpunkt verheiratet, als sie die Regierung über Frankreich für ihren Bruder übernahm, auch wenn ihr Ehemann offensichtlich in ihrem Schatten agiert hat.)
    Die Herzogin von der Bretagne war (anders als im Roman) keineswegs genötigt, Charles VIII. zu heiraten, sondern ihr wurde durchaus erlaubt, zu ihrem "Ehemann" Maximilian zu reisen, allerdings hätte sie in diesem Fall ihr Land, die Bretagne aufgeben müssen. Der historischen Anne war offensichtlich ihre Bretagne wichtiger als der Habsburger Maximilian. Zudem dürfte der historische Charles keineswegs das Kretin gewesen sein, als der er im Roman rüberkommen, und die beiden scheinen auch eine ganz gute Ehe geführt zu haben.
    Kaiser Friedrich III. hat Wien nach 1483 nicht mehr betreten, erst als Toter kehrte er hierher zurück. (Siehe oben) Wenn er also im Roman nach der Rückeroberung der Stadt durch Maximilian und seinen Sohn Philipp dort wieder als Herrscher eingesetzt wird und sich in der Folge auch wieder in Wien aufhält, weicht Prange hier von den historischen Fakten ab. Außerdem nahm Matthias Corvinus die Stadt Wien nach einer längeren Belagerung erst 1485 ein. Friedrich musste also keineswegs bei Nacht und Nebel aus Wien ins "Reich" flüchten, wie im Roman behauptet wird.


    Zudem zeigt das letzte Beispiel auch ganz gut, dass Prange sich offensichtlich keineswegs wirklich genau mit der Sekundärliteratur zu seinem Roman befasst haben kann. Die Behauptung mit der Flucht aus Wien findet sich in einigen populärwissenschaftlichen Büchern, die nach wie vor den Buchmarkt dominieren, aber auf fragwürdigen Ergebnissen aufbaut, die im 19. Jahrhundert aufgekommen sind und in der seriösen Forschung der letzten fünfzig Jahre längst als Unsinn widerlegt wurden. Prange bleibt in seinem Nachwort jegliche Erklärung schuldig, warum er neuere Forschungsergebnisse letztlich nicht berücksichtigt hat. (Auch Wiesflecker, obwohl mit Recht zurzeit noch immer ein Standardwerk zu Maximilian I. und die einzige Literaturquelle, die Prange, der angeblich toll recherchiert hat, anführt, ist vor 1990 entstanden und somit klarerweise kein Werk auf neuestem Forschungsstand.) Da stellt sich doch die Frage, warum er die Probleme in Bezug auf die Sekundärliteratur und die Überlieferung nicht einmal ansatzweise in seinem Nachwort zur Sprache gebracht hat.


    Dass gewisse Änderungen für die Chronologie und den Handlungsablauf etwas bringen, diesen Eindruck hatte ich leider oft auch nicht. So fand ich z. B. die Geschehnisse um die Belagerung von Friedrichs Residenz durch Matthias Corvinus, bei der Maximilian durch den Kehrbach schwimmt, verwirrend, zudem sie etwa zeitgleich mit der Belagerung der Stadt Neuss durch Karl den Kühnen (ein historisches Geschehnis, bei Prange auf einen angeblichen Racheakt Karl des Kühnens am Kaiser für das Scheitern der Verhandlungen in Trier reduziert) stattfindet. Diese Belagerung von Friedrichs Residenz, wie sie Prange erzählt, ist eindeutig nicht historisch, sie fehlt auch bei der Auflistung im Nachwort. Dort findet sich allerdings auch keine Erwähnung, dass Friedrich III. bei der Belagerung von Neuss das Reichsheer dorthin führte und somit am Entsatz der Stadt beteiligt war, also zu diesem Zeitpunkt gar nicht persönlich in einer seiner Residenzen von Matthias Corvinus belagert werden konnte.
    Was diese fiktive Belagerung betrifft, dürfte Prange hier einige historische Geschehnisse, die sich vor und nach Neuss ereigneten, verwendet haben. Warum auch nicht, aber vermutlich wäre es besser gewesen, Neuss überhaupt wegzulassen, denn die Zusammenlegung von einigen Geschehnissen ergibt hier keine schlüssige, übersichtliche Handlung. (Ob es sich dabei um eine leichte Veränderung der Fakten handelt, stellt sich als weitere Frage?)


    Zudem finden sich im Roman noch eine ganze Reihe Anachronismen. Da zitiert z. B. eine Person eine Aussage von Kardinal Wolsey zu einem Zeitpunkt, wo dieser noch gar nicht Kardinal und auch noch nicht für Henry VIII. tätig war. Friedrich III. wird von allen möglichen Figuren als die "Schlafmütze" geschmäht, eine Bezeichnung, die sich erst bei preußischen Historikern im 19. Jahrhundert findet, und das "Du, glückliches Österreich, heirate", ein Ausspruch aus dem 17. Jahrhundert (der übrigens in der Legende nicht den Habsburgern, sondern Matthias Corvinus zugeschrieben wird), ist hier eine Maxime der Habsburger. Maximilian will Rosina zu seiner Maitresse en titre machen, diese Position einer Maitresse en titre am Hof gab es aber erst unter Ludwig XIV.


    Auch das Verhalten der Figuren wirkt keineswegs zeitkonform, so wird z. B. auf das damalige religiöse Empfinden der Menschen überhaupt nicht eingegangen. Rosina und Maximilian wirken eher wie Menschen von heute. Für sie ist z. B. nur wichtig, dass er sie wirklich liebt und sich offiziell zu ihr bekennt, er hat wiederum traut sich zunächst nicht, seiner Ehefrau, alles zu gestehen, weil er sie ebenfalls liebt, und deshalb nicht verletzen will. (Dass es im 15. Jahrhundert durchaus eine Beleidigung für Maria und ihre Familie bedeutet hätte, wenn Maximilian seine Geliebte an Marias Hof holt, besonders da sie eigentlich die Herrscherin ist, das scheint bei Prange keineswegs das Problem.) Weder Rosina noch Maximilian machen sich Gedanken darüber, dass ihre Beziehung für Kirche (und Gesellschaft) eine Sünde ist. Themen wie die Beichte, Besuch der Messe und Ähnliches kommen nicht vor. Rosinas Selbstmordversuch, aus damaliger christlicher Sicht eine schwere Sünde, scheint sie im Nachhinein nicht wirklich zu belasten. ...


    Pranges Buch ist vielleicht ein gut gemachter Unterhaltungsroman, was sicher nicht wenig ist. Warum aber in allen Rezensionen, die ich bisher zu dem Roman gelesen habe, immer wieder die Faktentreue und wie genau der Autor recherchiert hat, hervorgehoben wird, ist für mich nicht verständlich. Diesen Eindruck hatte ich beim Lesen überhaupt nicht, und durch das Nachwort, das die Faktentreue und das historische Wissen des Autors "bestätigen" will, rückt das Buch, obwohl es doch nur ein Roman ist, leider noch in die Nähe einer Geschichtsverfälschung.


    Fazit: als Unterhaltungsroman vielleicht noch akzeptabel, aber der (historische) Wissenswert wird eindeutig sehr überschätzt.


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    (Beitrag wurde nach einem ReRead im Juni 2015 leicht ergänzt.)

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    Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt. (Georg Christoph Lichtenberg)

    Dieser Beitrag wurde bereits 12 Mal editiert, zuletzt von Teresa ()

  • Ich lese diesen Roman derzeit, bin bei rund Seite 230.
    Den Schreibstil des Autors fine ich nicht außergewöhnlich, aber relativ einfach verständlich und auch unterhaltsam. :-]
    Ich hatte mir von diesem Roman (soweit ich das bis jetzt sagen kann) mehr Ereignisse erwartet, bei Seite 230 hat Maximilian gerade mal seine erste Frau geheiratet und war mit ihr im Bett, bis jetzt hatte er sich ja nur mit seiner Geliebten beschäftigt. :kiss
    Ich dachte der Roman beschäftigt sich mehr mit dem Leben und Wirken dieser historischen Persönlichkeit, bis jetzt aber ist er mehr mit seinen Liebschaften und einem ewigen Geldmangel sowie einem verkorksten Vater beschäftigt.
    Also mal sehen wie es weiter geht..... :pille


    LG Hedwig :lesend


  • Liebe Teresa, ich gehöre ja zu den von Dir zitierten Rezensenten, die die Faktentreue loben. Ich finde es sehr interessant, Deine Rezension zu lesen. Ich nehme mal an, dass Du entweder beruflich oder im Studium mit Geschichte zu tun hast/hattest oder Du bist ein richtiger Maximilian-Fan. So erkläre ich mir Deine fundierten Erklärungen und Beschreibungen der Abweichungen des Romans von den realen geschichtlichen Geschehnissen. Du hast also eigentlich ein Nachwort nach dem Nachwort geschrieben und mir noch mehr Wissenswertes geliefert und richtiggestellt, was Prange verändert hat. :anbet


    Schade, dass Du nicht in der Leserunde dabei warst, die ich zu diesem Buch in einem anderen Forum mitgemacht habe. Es wäre interessant gewesen, die Begründungen des Autors zu all dem zu hören.


    Für mich ändert sich allerdings nur wenig an meiner Meinung zur Qualität des Buches, da ich ja weder beim Lesen des Textes noch des Nachwortes genug Fachwissen hatte, um diese Abweichungen zu erkennen. Als einigermaßen geübter Histo-Leser ist mir von vorne herein bewusst, dass in einem fiktiven Roman die historischen Fakten immer mehr oder weniger von der Geschichte abweichen, vom Autor zurecht gebogen, interpretiert oder sogar weggelassen werden. Wichtig ist mir, dass der große Rahmen der Geschichte korrekt ist und dass das "Flair" der Zeit rüber kommt. Dazu gehören z.B. rechtliche Feinheiten und Rituale wie die der Stellvertreter-Hochzeit. Wer wo wann war von den historischen Personen, wann genau welche Gefechte geführt, welche Verträge geschlossen wurden, bleibt mir in Einzelheiten sowieso nicht mehr im Gedächtnis.


    Dass die Charaktere der Personen teilweise überzeichnet waren - wie z.B. Charles - war mir durchaus bewusst und finde ich auch legitim, um die Spannung und die Gefühle der Leser verstärken zu können. Die Geschichte benötigte wohl einfach einen eindeutig negativ besetzten Charakter; auch um Maximilian als den Helden darzustellen, der er in dieser Erzählung sein sollte. Im wahren Leben sind die Menschen ja noch vielschichtiger und komplizierter, als in einem Roman.


    Die sprachlichen Freiheiten des Autors wie z.B. Schlafmütze oder den Begriff Maitresse en titre finde ich legitim, denn zum einen weiß man ja nicht immer genau, welche anderen gleichbedeutenden Begriffe damals üblich waren und zum anderen wurde damit gut erklärt, was Maximilian für Vorstellungen von der Stellung seiner Freundin am Hofe hatte - auch wenn diese Bezeichnung erst später erfunden wurde.
    Über die Moralvorstellungen habe ich beim Lesen auch nachgegrübelt und fand sie überraschend locker. Da stimme ich Dir insoweit zu, dass ich es auch schade fand, dass gar nicht erwähnt wurde, was die Gesellschaft von all dem hielt. Dass Maximilian das alles nicht so eng gesehen hat, kann ich mir allerdings sehr gut vorstellen, denn sicherlich waren auch damals NICHT alle Menschen SEHR gläubig und es gab auch damals sicherlich Zweifler, Freigeister, heimliche Atheisten und jede andere Form von Glauben oder Nichtglauben. Und aus anderen Romanen z.B. von Sabine Weigand und Rebecca Gable weiß ich auch, dass manches lockerer war, als man es in Geschichtsbüchern liest; weit weniger dogmatisch. Die Menschen haben sich da nicht verändert. Es menschelte auch damals schon. :-)


    Deine berechtigte Frage danach, warum das Nachwort so unvollständig war, kann ich nicht beantworten. Die Vermutung liegt nahe, dass man darauf verzichten wollte es zu sehr aufzublähen, weil man bei einer Auflistung ALLER Abweichungen den unkundigen Leser u.U. etwas gelangweilt hätte. Dich und interessierte Leser wie mich natürlich nicht. Du hast also Recht mit Deinem Einwand, dass ein ausführliches Nachwort nicht geschadet hätte, auch um erkennen zu können, wo Prange bewusst etwas geändert hat und wo er der Phantasie freien Lauf gelassen hat.


    Also nochmals ein dickes Dankeschön für Deine Rezi und ich würde mich freuen, wenn Du dies immer wieder auch bei anderen Roman machst zu meiner Freude und Erhellung.


    Dennoch bleibe ich bei meinem Urteil, dass dieser Roman auf dem historischen Buchmarkt durchaus herausragt aus der Fülle der trivialen oder schlecht recherchierten Romane.

  • Ich maße mir natürlich nicht an darüber zu urteilen, ob die Erzählung in diesem Roman in allem den historischen Fakten entsprechen.
    Ich bin zwischenzeitlich weiter vorangekommen und finde den Roman nun gegen Ende sehr spannend. :anbet
    Trotzdem habe ich mich darüber gewundert, wie es denn sein kann, dass diese so berühmte historische Persönlichkeit so wenig Spielraum hatte, seine Macht durchzusetzen oder wie er sich derart von seinen Gefühlen leiten lassen konnte. :gruebel
    Man stelle sich vor, dass einem der viel geliebte Ehemann beim Reitausflug mitteilt, dass er auch noch eine andere Frau liebt und dass sollte man akzeptieren? :pille
    Ich weiß nicht, ob das so war, aber eines weiß ich sicher, keine Frau der Welt wäre damit einverstanden gewesen und hätte die Wünsche des Gatten dahingehend akzeptiert, nicht wenn man angeblich die so geliebte Ehefrau ist, das hat der Autor jedenfalls gut beschrieben, egal ob es nun stimmt oder nicht. :anbet
    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man Leuten wie dem Hofnarren oder dem Ratgeber des französischen Königs nicht auf die Schliche gekommen wäre bzw. diese beiden nicht schon längst "entsorgt" hätte, aber vielleicht war auch das so. :rolleyes


    Dieser Roman ist ja auch keine Biographie, sondern eben ein Roman, wie so viele im historischen Bereich. Ich finde den Roman wirklich gut gelungen, vor allem zeigt er eine für mich nicht bekannte Welt der Persönlichkeiten dieser Zeit. :anbet :write :-)


    LG Hedwig :lesend:wave

  • Achtung! einige SPOILER!
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    Liebe Hollyhollunder,


    danke für Deine Rückmeldung zu meinem Beitrag.


    Ich wusste gar nicht, dass es zu diesem Buch bereits eine Leserunde gegeben hat, allerdings hätte mich schon interessiert, die Meinung des Autors zu seinen Abweichungen zu erfahren.


    Mein Problem mit Peter Prange ist sicher, dass sich für mich hier zum ersten Mal (wegen seines Nachwortes) zwingend die Frage gestellt hat, inwieweit Abweichung von den historischen Fakten tatsächlich zulässig ist.


    Bevor ich Pranges "Maximilian"-Roman gelesen habe, war ich immer der Meinung, dass solche Abweichungen / Veränderungen bei einem Historischen Roman durchaus legitim sind, da es sich noch immer um einen Roman und kein Fachbuch handelt. Zudem war ich auch bereit, Autor/in zu zugestehen, dass Veränderungen (z. B. leichte Abweichungen von chronologischen Ablauf, Reduktion historisch belegter Figuren bzw. auch Zusammenlegung mehrerer Figuren) zur Verbesserung der Dramaturgie akzeptabel sind. Dort, wo es historisch "Lücken" oder unterschiedliche Sichtweisen gibt, hat Autor/in zudem ohnehin eine gewisse Freiheit, zudem auch ein Historischer Romane alle Voraussetzungen eines gelungenen Romans zu erfüllen hat.


    Ich erinnere mich noch gut z. B. an einen Roman wie "Desiree" von Annemarie Selinko, den ich als junges Mädchen gelesen habe. Hier gab es kein Nachwort und keine Klarstellung. Natürlich gab es da eine ganze Menge Dinge, die nicht historisch waren. Wenn z. B. die Titelheldin persönlich anwesend ist, als sich Napoleon mit Josephine offiziell verlobt, sich in der Folge in die Seine stürzen will und in letzter Minute von ihrem späteren Ehemann, den sie bei dieser Gelegenheit auch kennen lernt, gerettet wird, so werden wohl die meisten Leser/innen eine solche Szene zwar genießen, aber wohl kaum glauben, dass sich das alles genauso abgespielt haben wird. Trotzdem hatte ich durchaus den Eindruck, dass die dargestellte Zeitepoche einigermaßen gut getroffen ist und dass die Hauptfiguren eine gewisse Glaubwürdigkeit hatten, was ihre Historizität betraf.
    Nachdem ich den Roman fertig hatte, war ich übrigens sehr daran interessiert, mehr über die historische Desiree und ihren Napoleon zu erfahren, also auf in die Bücherei zur Fachliteratur. (Ich war übrigens sehr überrascht, als ich dabei entdeckt habe, dass sich die historische Desiree, nachdem ihr Ehemann schwedischer Thronfolger geworden war, tatsächlich noch Jahre lang in Paris aufgehalten hat, denn das hätte ich eigentlich auch weitgehend für eine Erfindung der Autorin gehalten.)


    Auch bei Prange gibt es eine ganze Reihe Szenen, bei denen wohl kaum Leser/in glauben wird, dass das wirklich so war. Allerdings gibt es halt auch eine ganze Reihe von einschneidenden Veränderungen, die nicht sofort auffallen und daher tatsächlich für historische Fakten gehalten werden können, obwohl sie vollkommen falsch sind.


    Bisher war ich immer der Meinung, dass Leser/in (und somit keineswegs Autor/in) Schuld ist, wenn sie alles, was in einem Historischen Romans vorkommt für bare Münze nimmt. Pranges Nachwort allerdings und seine dort zitierte Aussage (siehe oben) vermitteln aber den Eindruck, dass das, was er da berichtet, sich tatsächlich so abgespielt hat bzw. abgespielt haben könnte. Insofern liegt es in diesem Roman sicher nicht an Leser/in, wenn diese plötzlich eine ganze Reihe falscher Vorstellung von Zeit und Figuren hat.
    Insofern finde ich, dass Prange seinen Leser/innen gegenüber nicht ehrlich und vor allem unfair ist.


    Natürlich ist es schön, wenn sein Roman manche Leser/in dazu bringt, mehr über den historischen Maximilian I., der selbst wesentlich an seinem "Nachleben" beteiligt war (er dürfte der erste Habsburger gewesen sein, der das, was wir heute als Imagepflege oder Public Relations kennen, für seine Person erfolgreich betrieben hat) bzw. über die eine oder andere historische Figur erfahren will. Nur dürfte das Nachwort bei vielen Leser/innen den Eindruck vermitteln, dass in Pranges Roman ohnehin das Wesentliche über Maximilian erzählt wurde. (Und was die Nebenfiguren betrifft: Wer möchte nach der Lektüre z. B. wirklich mehr über den armen Charles VIII. oder seine ältere Schwester wissen? Möchte jemand wirklich nur herausfinden, dass der "Superschurke" Commynes in Wirklichkeit als Chronist und Diplomat bekannt ist, und wahrscheinlich gar kein Schurke war - parteiische Geschichtsschreibung ist schließlich kein Schurkenwerk! :chen)
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    Leider habe ich auch den Eindruck, dass das "Flair" keineswegs so überzeugend rüber kommt. Sicher, einige Themen kommen vor, wie die Stellvertreter-Hochzeit, Maximilian muss in Folge eines Gelübdes einige Wochen sexuelle Enthaltsamkeit üben und Ähnliches, aber auf mich wirken sie eher, wie Versatzstücke, die nur der Unterhaltung von Leser/in dienen, allerdings kaum der Darstellung einer Epoche.


    Das 15. und 16. Jahrhundert war eine Zeit des Übergangs, worauf auch bei der Bewerbung des Romans hingewiesen wird. Wo ist das in dem Roman durchgehend umgesetzt?
    Mein Eindruck: es hätten sich da eine ganze Reihe von Möglichkeiten angeboten (z. B. Maximilians Umfeld, das sicher sehr stark vom "Mittelalter" geprägt war, und Burgund, wo die "Renaissance" schon wesentliche Spuren hinterlassen hatte), aber Prange hat diese nicht wirklich genutzt. (Ich werde den Eindruck leider nicht los, dass es ihm da wichtiger war, die "Großartigkeit" seines Helden Maximilian noch dadurch zu steigern, dass er ihn halt aus Verhältnissen stammen lässt, die eindeutig zweifelhaft wirken.)
    Oft habe ich den Eindruck, dass Prange solche Möglichkeiten gerade deswegen zugunsten der Komik opfert. (Wobei ich finde, dass er oft dabei viel zu dick aufgetragen hat.)


    Manchmal ergab sich für mich eine unfreiwillige "Komik" auch dadurch, dass Veränderungen der historischen Fakten in der Romanhandlung diese ins gänzliche Gegenteil verkehren.
    Beispiel: Sigmund ist im Roman fast durchgehend in Gesellschaft von Maximilians Vater anzutreffen (sozusagen dort der Dauergast, wie es in einer Beschreibung / Rezension recht treffend heißt). Nachdem ich mich aber vor einiger Zeit ein wenig mit diesem relativ unbekannten Habsburger näher beschäftigt habe, weiß ich halt zufällig, dass der historische Sigmund nach Antritt seiner Herrschaft über Tirol und die Vorlande diese Situation nach Möglichkeit vermieden hat.
    Vielleicht auch ganz interessant, mit Blick auf die genaue Recherche, die Prange angeblich gemacht haben soll und seine Faktentreue, es gibt z. B. keinen historischen Beweis dafür, dass Sigmund Alkoholiker war, und was die Anerkennung von unehelichen Kindern betrifft, so scheint der histotische Sigmund zumindest darauf Wert gelegt zu haben, dass er als möglicher Vater tatsächlich in Frage gekommen wäre. Beide Veränderungen werden zudem nicht etwa für die Handlung selbst genutzt, sie sollen offensichtlich nur für eine negativ-komische "Charakteristik" dieser Figur (Witzfigur?) beitragen.
    (Zu Herzog Siegmund gibt es z. B. eine wissenschaftlich fundierte Biographie, die bereits vor etwa 25 Jahren entstanden ist. Daher lässt sich keineswegs hier als Entschuldigung anführen, dass der Autor diese Biographie nicht kennen konnte, weil sie halt erst vor kurzem erschienen ist. Da sie ihm bei einer fundierten Recherche für seinen Roman entgangen ist, lässt doch die Frage zu, wie genau und ausführlich er tatsächlich für seinen Roman recherchiert hat.)
    Doch gegen Veränderungen selbst ist nichts einzuwenden, da es ein Roman ist. Allerdings für historische Genauigkeit spricht das nicht gerade, und im Nachwort erfahren wir keineswegs, dass der Autor das mit Absicht geändert hat.


    Dort, wo sich Prange auch historische Fakten einbezieht, ergeben sich immer wieder Widersprüche zur Handlung, was die Notwendigkeit für eigenen "Erfindungen" bzw. "Veränderungen von Fakten" wenigstens zum Teil fragwüdig erscheinen lässt.

    Ein Beispiel:
    So sind Maximilians Entscheidungen vor seinem Tod historisch belegt, und damit gelingt Prange ein packender Einstieg in seine Geschichte. Was aber als einzelnes Detail (isoliert betrachtet) gelungen ist, erscheint mit Blick auf den Roman als Ganzes aufgesetzt, da der Maximilian im Roman eigentlich mit Religion (und Themen wie Sünde, Buße und Ähnliches) nichts am Hut hat. (Nicht einmal, wenn er in Nöten ist, kommt Pranges Maximilian erst einmal der Gedanke, dass das die Strafe Gottes für etwas sein könnte, was er begangen hat.)
    Das ist umso auffallender, als im Roman selbst einige Geschehnisse sich dafür sogar angeboten hätten, wie z. B. die Beziehung zu seiner Freundin Rosina (Verstoß gegen das 6. Gebot / Sex außerhalb der Ehe), die Ablehnung / Verachtung für seinen Vater (Verstoß gegen das 4. Gebot) und die Notwendigkeit, Entscheidung zu treffen, die zwar nicht in Ordnung sind, aber aus politischer Sicht notwendig scheinen / z. B. Verstöße gegen das 5. und 8. Gebot).


    Was die Verwendung von Begriffen wie z. B. die "Schlafmütze" (korrekt müsste es übrigens: „des heiligen Römischen Reiches Erzschlafmütze“, heißen) oder "Maitresse en titre" betrifft, sind das für mich keine sprachlichen Freiheiten des Autors, sondern Begriffe aus ganz anderen Zeitepochen, die daher in einem Roman, der ausdrücklich Wert auf Historizität legt, nichts suchen haben, da sie verfälschend sind. (Zumindest wäre hier eine Klärung Leser/in gegenüber nur fair gewesen.)
    In Bezug auf Friedrich III. hätte Prange statt der "Schlafmütze" überlieferte Aussagen von Zeitzeugen verwenden können. (Dazu gibt es sogar eine wissenschaftliche Arbeit von Brigitte Haller, immerhin aus den 1960er-Jahren.)


    Die "Maitresse en titre" wiederum gehört in die Barockzeit, wo Ludwig XIV. als erster Herrscher die Position seiner Maitresse zu einem offiziellen Teil des Hofes (sozusagen zu einem Hofamt machte) mit Funktionen / Aufgaben. Natürlich gab es zuvor auch Maitressen, aber ihre Rolle am Hof war allein von der Gunst des Herrschers abhängig, und es war auch seine Entscheidung, welche Rolle sie an seinem Hof einnehmen bzw. ob sie überhaupt am Hof in Erscheinung treten durften. Dieses Hofamt wurde in der Folge auch von Zeitgenossen Ludwigs XIV. übernommen, die Habsburger gehörten allerdings nicht zu diesen. (Maximilian hatte übrigens eine ganze Reihe von Maitressen, von denen allerdings nur die Namen bekannt sind. Eine öffentliche Rolle hat keine gespielt.)


    Im Roman darf Maximilian diese Idee mit der "Maitresse en titre" übrigens verwirklichen, wie z. B. die Anfangsszene und die Szene, als er "erwählter römischer Kaiser" durch den Papst wird, zeigen. Aber leider entsteht nicht etwa der Eindruck, dass Maximilian in diesem Punkt seiner Zeit "eben voraus war", denn auf die Idee mit der "Maitresse en titre" wird er z. B. erst von Sigmund gebracht, wodurch wiederum der Eindruck entsteht, dass es diese Position eben bereits gegeben hat. (Im Nachwort ist außerdem ausdrücklich an die Auflistung der historischen Fakten angehängt, dass Rosina Maximilians offizielle Maitresse wurde. Hier wird also etwas als Fakt präsentiert, für das es keine historischen Belege gibt. Rosina ist lediglich in der Zeit vor der Eheschließung mit Marie als Geliebte Maximilians historisch nachgewiesen.)


    Maria wiederum ist dagegen, dass Maximlian Rosina als seine Maitresse an den Hof holt, aus persönlichen Gründen. "Wir lieben uns schließlich." Dass Maximilians Plan im historischen Kontext auch eine schwere Beleidigung ihrer Person und Familie bedeutet hätte und nebenbei ihrem persönlichen Ansehen erheblich schaden würde, hat dagegen keine Relevanz. (Abgesehen davon, dass er in den Niederlanden nur Herrscher durch sie und nicht aus eigenem Recht ist, und seine Position von ihr abhängt.)


    Mit Blick auf das 15. Jahrhundert wäre es vermutlich glaubwürdiger gewesen, dass Maximilian mit Rosina eine "Ehe zur linken Hand" oder "zudritt" (evt. mit päpstlicher Dispens) überlegt, dass er sie tatsächlich mit einem anderen verheiraten will, um sie so in seinem Umfeld zu haben, oder dass beide eben eine Beziehung haben, über die offiziell nicht gesprochen werden darf, auch wenn alle davon wissen. Vielleicht hätte es auch gereicht, wenn Prange nur die Bezeichnung Maitresse verwendet hätte.


    ---


    Vielleicht wäre Pranges Roman gut für eine Diskussion geeignet, wieweit Abweichungen von historischen Fakten noch zulässig sind und inwieweit Autor/in seiner Leserschaft gegenüber "verpflichtet" ist, diesbezüglich für Transparenz zu sorgen.

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    Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt. (Georg Christoph Lichtenberg)

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  • Liebe Hedwig,


    Zitat

    Original von Hedwig50
    ...
    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man Leuten wie dem Hofnarren oder dem Ratgeber des französischen Königs nicht auf die Schliche gekommen wäre bzw. diese beiden nicht schon längst "entsorgt" hätte, aber vielleicht war auch das so. :rolleyes
    ...
    LG Hedwig :lesend:wave


    Dem Hofnarren und dem Ratgeber ist man historisch nicht auf die Schliche gekommen, aus einem einfachen Grund:


    Die Rolle des Ratgebers des französischen Königs,

    die er in Pranges Roman spielt, ist eine rein fiktive. Der historische Philippe de Commynes war Chronist (Historiker) und Diplomat, außerdem Ratgeber, zunächst in Diensten des Herzogs von Burgund, dann in Diensten von Ludwig XI. Er gilt als einer der Vorläufer der modernen Geschichtsschreibung. (Das einzige "Verbrechen", was ich in Bezug auf ihn finden konnte: seine Geschichtswerke sind durchaus nicht unparteiisch.)


    Marie starb bei einem Reitunfall, dafür,

    Kunz von der Rosen ist als Hofnarr Maximilians nachgewiesen
    Prange lässt ihn in seinem Roman offensichtlich als negative / zweifelhafte Gegenfigur zu Wolf von Polheim (bei Prange der treue Freund Maximilians) fungieren.
    Recht aufschlussreich finde ich außerdem, wie Prange das Motiv mit der Flucht Maximilians aus Brügge mit Hilfe einer Verkleidung eingesetzt hat.

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  • Ich hab schon viel vom Schriftsteller Peter Prange gehört aber noch kein Buch von ihm gelesen. Seine bemerkenswerten Erfolge im Buchmarkt und die eindrucksvollen Verkaufszahlen sind mir bekannt und ich hab mich vor der Lektüre darauf eingestellt, einen anspruchsvollen Historischen Roman zu lesen der die volle Konzentration erfordert. Die freien Tage über das Osterfest schienen mir genau die richtige Zeit zu sein, um mich ungestört dem opulenten Leben des mächtigen Maximilian I von Habsburg zu widmen. Rasch bemerkte ich, wie leichtfüssig sich seine Lebensgeschichte weglesen lässt. Keine überladenen Szenen die ein mehrfaches lesen notwenig machen sondern in einfacher, leicht verständlicher Sprache wird sein Werdegang von seiner Jugendzeit bis zum mächtigen König bzw. sogar Kaiser des Heiligen Römischen Reiches erzählt. Dieser eingängige Stil hat mich überrascht und ich weiss ganz ehrlich gesagt nicht, ob ich das nun gut finden soll oder ob hier gar eine leichte Enttäuschung meinerseits mitschwingt. Vom grossen Peter Prange einen leichten historischen Schmöker vorgesetzt zu bekommen hätte ich nun gewiss nicht erwartet.


    In der ersten Hälfte des Romans werden Jugendjahre Maximilians in aller Ausführlichkeit erzählt. Kurzweilig aber mir waren die ersten rund 250 Seiten mit zu viel Schwärmerei und Liebe angereichert. Die Mehrzahl der weiblichen Leserschaft wird dies wohl mit Freuden goutieren aber mir war es etwas zu viel liebliche Tändelei und Schmus. In der Folge reihen sich zahllose intrigante Ränkespiele und hinterlistige Machenschaften auf dem Weg zur Macht und erhalt derjenigen. Maximilians Leben wird nun geprägt vom nicht enden wollenden Kampf um die Krone und seine Regentschaft. Er schlägt zahllose Schlachten um das habsburgische und burgundische Erbe. Endlos lange Jahre der zermürbenden Kämpfe und stets wechselnde Bündnisse folgen und verwüsten Dörfer, Städte und Ländereien. Die stets klammen Kassen des Staatssäckels erinnern fatal an die heute Zeit der Staatsverschuldung. Am Schluss folgt ein gelungener Epilog der mich mit dem Buch und der Geschichte versöhnt hat.


    Ich greife die Kritik anderer Leser an der Historischen Korrektheit gewisser Fakten in diesem Roman auf. Ich bin als einfacher Leser und mangels Kenntnissen weit davon entfernt mich dazu zu äussern. Historische Romane sind immer eine Gratwanderung für den Verfasser. Hält man sich eng an die geschichtlichen Fakten und Begebenheiten leidet darunter die Leserlichkeit und die Lesefreude hält sich arg in Grenzen. Es braucht die Kraft der Imagination dort etwas zu erschaffen wo es für die Leserschaft von Nutzen ist oder etwas leicht abzuändern ohne zu fest in den Historischen Ablauf der authentischen Geschichtsschreibung einzugreifen. Ich für mich betrachte die Eckdaten von Maximilians Leben als korrekt und nehme Fehler, die für mich Details sind, zur Kenntnis. Dieses Buch gehört in die Kategorie Historischer Unterhaltungsroman und sollte nicht als Biografie angesehen werden.


    Peter Prange verwendet in diesem Buch das gängige Erfolgsschema für Historische Romane: Geschichtlich relevante Persönlichkeiten, mehrere Liebesgeschichten, hinterhältige Fieslinge und das alles vor Historischer Kulisse. Wer dies mag wird in den rund 650 Seiten fündig werden und spannende Lesestunden verbringen. Wertung: 8 Eulenpunkte

  • Eine Frage hätte ich da schon:


    Zitat

    Original von sapperlotVom grossen Peter Prange einen leichten historischen Schmöker vorgesetzt zu bekommen hätte ich nun gewiss nicht erwartet.


    Wie kommt Peter Prange zu der Ehre, dass Du ihn als den "großen Peter Prange" titulierst? Was hat er denn bisher so Besonderes geleistet, dass du ihn als "groß" würdigst?


    (Ich habe nicht den Eindruck, dass das groß sich auf seine Körpergröße bezieht.)

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  • Zitat

    Original von Teresa


    Wie kommt Peter Prange zu der Ehre, dass Du ihn als den "großen Peter Prange" titulierst? Was hat er denn bisher so Besonderes geleistet, dass du ihn als "groß" würdigst?


    Hab dein Posting erst jetzt gesehen. Sorry für die späte Reaktion meinerseits.


    Weil Peter Prange immerhin rund 2,5 Millionen Bücher verkauft hat und er im Gegensatz zu den meisten anderen Verfassern/-innen historischer Romane thematisch über Deutschland, Frankreich, Italien hinausgekommen ist. Weil ich keine Stimmen gehört habe, dass er seichte Romane à la Iny Lorentz schreibt und nicht zuletzt weil ich ihn aus dem Nichts heraus und ohne näher begründen zu können einfach so eingeschätzt dass er niveaumässig auf einem höheren Level schreibt als die Durchschnittsmasse der Historischen-Romane-Autoren/-innen. Manchmal legt man Schriftsteller/-innen ohne ein Werk zu kennen in eine Schublade und wird dann überrascht dass das Vorurteil nicht passend ist. Das ist mir schon öfters passiert und wird auch in Zukunft noch geschehen. Ist menschlich. :wave

  • Das ist mir auch schon öfter passiert, dass ich Bücher irgendwann einmal gekauft habe und dann stehen sie eben im Regal, mit viel Glück schaffen sie es dann doch noch von mir gelesen zu werden und dann kann es sein, dass ich wieder einmal eine/n wunderbare/n Autor/in für mich entdecke :-)
    oder umgekehrt, ich habe mir schon mehr als nur ein Buch gekauft und komme dann dahinter, dass es mir zu seicht :-( ist (z. b. die Bücher über die Hebamme von S. Ebert, das war so ein Fall :cry), in dem Fall bleibt dann nur, das oder diese Bücher zu verschenken :gruebel


    Mir hat der Roman von Peter Prange eigentlich gut gefallen, wenn ich das Leben dieser historischen Persönlichkeit aus dem Schulunterricht doch ein wenig anders in Erinnerung hatte und auch von diesem Autor schlummert ein weiteres Buch in einem meiner Regale :-) :wave


    Maximilian ruht in Wr. Neustadt in der ehemaligen Burgkapelle, heute ist es die Kaserne, kaum jemand pilgert dorthin, eigentlich ist es nicht einmal besonders bekannt, dass diese historische Persönlichkeit dort bestattet ist, eigentlich schade :-( :cry


    LG Hedwig :lesend :write

  • Zitat

    Original von sapperlotWeil Peter Prange immerhin rund 2,5 Millionen Bücher verkauft hat und er im Gegensatz zu den meisten anderen Verfassern/-innen historischer Romane thematisch über Deutschland, Frankreich, Italien hinausgekommen ist. Weil ich keine Stimmen gehört habe, dass er seichte Romane à la Iny Lorentz schreibt und nicht zuletzt weil ich ihn aus dem Nichts heraus und ohne näher begründen zu können einfach so eingeschätzt dass er niveaumässig auf einem höheren Level schreibt als die Durchschnittsmasse der Historischen-Romane-Autoren/-innen.


    Danke für deine Rückmeldung.


    Als ich nach dem "Bernstein-Amulett" (auf das ich durch die Verfilmung aufmerksam wurde, einer der seltenen Fälle, wo ich die Verfilmung eindeutig besser als den Roman fand) auf den "Maximlian-Roman" aufmerksam gemacht wurde und ihn dann gelesen habe, war ich mir noch keineswegs des Umstandes bewusst, dass Prange offensichtlich als deutscher Star-Autor des historischen / Historischen Romans gehandelt wird, und sogar international reüssiert hat.


    Zitat

    Original von Hedwig50Mir hat der Roman von Peter Prange eigentlich gut gefallen, wenn ich das Leben dieser historischen Persönlichkeit aus dem Schulunterricht doch ein wenig anders in Erinnerung hatte und auch von diesem Autor schlummert ein weiteres Buch in einem meiner Regale :-) :wave


    Ich fand Maximilian bei Prange als Charakter eigentlich recht langweilig. Mir fehlt hier das Individuelle, was einer Romanfigur eine gewisse Einmaligkeit gibt (selbst wenn sie mit ihrem historischen Vorbild nicht viel gemeinsam hat); und mir fehlen markante Eigenschaften, die der historische Maximilian tatsächlich gehabt haben dürfte, sodass ich das Gefühl habe, so könnte er tatsächlich gewesen sein.




    Die innere Zerrissenheit, die der Klappentext verspricht, wird (mein Eindruck) nur behauptet, ist aber in der Handlung nicht wirklich umgesetzt.


    Pranges Maximilian entspricht offensichtlich den zurzeit üblichen gängigen Vorstellung eines Helden. Wenn Prange den Roman als Geschichte über einen fiktiven Herrscher in einem Phantasiestaat publiziert hätte, hätte er für mich anmerken müssen, dass Kaiser Maximilian I. das Vorbild war, denn von selbst wäre ich da wirklich nicht draufgekommen.


    Allerdings habe ich diesen Kritikpunkt in Bezug auf die männliche Hauptfigur Maximilian bisher in meinen Kritiken nicht erwähnt, weil ich mir nicht sicher bin, ob es nicht ein subjektiver Kritikpunkt ist, und ich mich bei meinen Kritiken gewöhnlich auf Aspekte beschränke, die "objektiv" belegbar sind.


    Ich gehöre halt noch zu jener Generation, die Kaiser Maximilian im Unterrichtsstoff hatte, und der Maximilian aus meinem Geschichtsbuch war eindeutig eine viel interessantere und vielschichtigere Persönlichkeit als Pranges Held.
    Für die meisten Leser/innen des Romans dürfte der historische Maximilian dagegen ein Unbekannter sein, und für die wird daher die Romanfigur so ganz gelungen sein.


    Zitat

    [i]Maximilian ruht in Wr. Neustadt in der ehemaligen Burgkapelle, heute ist es die Kaserne, kaum jemand pilgert dorthin, eigentlich ist es nicht einmal besonders bekannt, dass diese historische Persönlichkeit dort bestattet ist, eigentlich schade :-( :cry


    Ich glaube, es ist auch gar nicht möglich, so einfach dorthin zu kommen.


    Abgesehen davon, wenn sich jemand das Grab von Maximilian ansehen will, wird er oder sie wohl eher nach Innsbruck in die Hofkirche ("Schwarzmander-Kirche") pilgern, wo sich sein Grabmonument befindet, das zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört. (Das Grabmonument, das erst nach Maximilians Tod fertig gestellt wurde, wurde in Innsbruck aufgestellt, da in der Burgkapelle in Wiener Neustadt der Platz dafür nicht ausgereicht hätte.)

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  • Also nach Wr. Neustadt kommt man zumindest als Niederösterreicher sehr einfach und so auch zu dem Grag, aber wie schon geschrieben, ist das nicht so bekannt, wie eben Innsbruck, daher besuchen fast nur Schulen den Standort Wr. Neustadt, rund 40 km südlich von Wien.


    Maximilian hatte ich vom Schulunterricht - liegt aber schon sehr lange zurück - eben wesentlich schillernder in Erinnerung, aber vielleicht hat Prange sein Leben realistischer beschrieben als der Geschichtsunterricht, ich bin kein Historiker und kann das daher nicht beurteilen, eines ist aber klar, alle diese Herrscher waren auf der ewigen Suche nach Geld und Macht und davon hat auch Prange geschrieben. :write
    LG Hedwig :lesend

  • Liebe Hedwig,


    hast du wirklich den Eindruck, dass Prange das Leben von Maximilian realistisch gezeichnet hat?


    Warum erfindet er dann für seinen Maximilian eine lebenslange Liebesbeziehung mit einer Frau namens Rosina, die den Namen einer Maximilian-Geliebten hat, deren Vita aber seine Erfindung ist?


    Warum gibt er seiner Rosina eine fiktive Lebensgeschichte,


    Warum hat er z. B. den Tod der Maria von Burgund noch zusätzlich dramatisiert, obwohl eigentlich die historischen Fakten bereits genug Dramatik haben und wirklich tragisch sind. Die historische Maria von Burgund hatte einen tödlichen Unfall, sie war zu diesem Zeitpunkt tatsächlich schwanger, und ihre Ehe mit Maximilian war zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch glücklich. (Auch wenn ich glaube, dass Thea Leitner in ihrem Buch "Habsburgs goldene Bräute" richtig liegen dürfte, wenn sie vermutet, dass Maria das Glück hatte, zu sterben, ehe Maximilian ihrer Müde wurde, also davon ausgeht, dass die Ehe der beiden, hätte sie länger gedauert, keineswegs für die Herzogin glücklich geblieben wäre.)

    Mir war das Ganze zu dick aufgetragen, Holzhammer eben, der aber auch dazu beträgt, dass die wirkliche Tragik keine Wirkung entfalten kann.


    Der historische Maximilian war z. B. jemand, der sich ausgezeichnet auf das, was wir heute Public Relations nennen, verstanden hat, und der auch an seiner eigenen Legende gebastelt hat. Das hätte Prange z. B. durchaus für seinen Roman übernehmen können, um seinem Protagonisten etwas mehr Individualität zu geben. Ich vermisse auch den Sarkasmus, den Maximilian nach den Briefen zu schließen, aus denen ich einige Auszüge kenne, gehabt haben dürfte.


    Nachdem Prange gerade bei den Neben- und Randfiguren offensichtlich keine Bedenken hat, Legenden statt Fakten zu verwenden, warum nicht auch diese nützen, um seine Hauptfiguren etwas interessanter zu machen. Vielleicht hätte es gar nicht geschadet, wenn Maximilian und Rosina eine Sexszene wenigstens als Höhepunkt einer gemeinsamen Bergbesteigung gehabt hätten

    . (Immerhin wird dem historischen Maximilian z. B. eine Besteigung des Traunsteins nachgesagt.)


    Ob die Herrscher wirklich alle nur hinter Macht und Geld her waren, das lässt sich nicht so verallgemeinern. Da spielten auch andere Komponenten mit. Eigentlich hätte Prange seinen Maximilian-Roman auch im Kaufmann-Milieu, um die Jahrhundertwende spielen lassen können, und das hätte vielleicht sogar vom Milieu her authentischer gewirkt, als sein 15. / 16. Jahrhundert.


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    Da Du Dich offensichtlich in Wiener Neustadt auskennst, noch eine Frage: Weißt du zufällig, ob für die Kaserne bzw. die Georgskirche bestimmte Öffnungszeiten zu berücksichtigen sind? Und ist das Grab dort leicht zu finden bzw. ist es überhaupt zugänglich?

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  • Hallo Teresa!


    Ich weiß viel zu wenig über Maximilian, daher kann ich nicht beurteilen, wie dick der Autor hier aufgetragen hat und ich weiß auch nicht, wieviel von seiner Erzählung stimmen kann.
    Wie geschrieben, habe ich vom Schulunterricht Maximilian wesentlich schillernder in Erinnerung.
    Er vor einigen Wochen war bei uns im ORF eine Doku über Maximilian, dabei wurde nicht so viel von den diveren Kriegen berichtet, sondern viel mehr über das kulturelle Wirken von Maximilian, also auch die diversen Bauten, welche er errichten ließ, z. B. in Graz, dieser Bericht hat schon mehr zu meiner Erinnerung an diesen Kaiser beigetragen........... ;-)


    Ich werde mich wegen Wr. Neustadt gerne erkundigen, habe einen Kollegen der wohnt dort gleich in der Nähe, der sollte das wissen, ich melde mich also gerne nochmals bei Dir :knuddel1


    LG Hedwig :write :lesend