'Die Kastellanin' - 3. Teil "Aufbruch ins Ungewisse"


  • Oh ja, so etwas habe ich selbst schon erlebt ... :grin


    Liebe Grüße
    Solas :wave

  • Nun bin ich mit dem dritten Teil auch durch.


    Ich muß Solas recht geben, die Szene mit der Toilette konnte ich mir richtig bildhaft vorstellen.
    Furchtbar, mit voller Blase dann auch noch zur Audienz zur müssen. :-]


    Eva gefällt mir auch besonders gut. Ein interessanter Charakter.
    Ich hoffe, sie hat noch einige Auftritte und hilft Marie vielleicht weiter. Mal abwarten.
    Beim "kleinen" Junker weiß ich noch nicht so recht, wie er mir gefällt, da muß ich noch mal ein bißchen weiterlesen.


    Und nun muß ich mich schnell an den vierten Teil machen.
    Das Buch macht süchtig :-]

  • Liebe Johanna,


    was volle Blasen betrifft, so gibt es eine Anekdote über Ludwig XIV.. Wenn der Herr auf Reisen war, richtete sich alles nach ihm. Als er einmal während des ganzen Tages die Kutsche nicht halten ließ, soll eine Hofdame, die ihn begleiten durfte, buchstäblich in Ohnmacht gefallen sein, weil es undenkbar war, dem König zu sagen, dass er eine Pause einlegen soll, damit die Dame sich erleichtern konnte. An den jeweiligen Etappenzielen setzte dann immer ein Run auf die entsprechenden Örtlichkeiten und andere Möglichkeiten, etwas loszuwerden, ein.


    Eva wird dich bis zum Ende des Romans begleiten und auch Junker Heribert hat seinen Teil mit beizutragen.


    Liebe Grüße
    Gheron :wave

  • Ok, mal eine kleine Zwischenbilanz, nach Kapitel 3:


    Woher kommt eigentlich der Ausdruck "zu Paaren treiben", den ich jetzt schon häufiger im Buch gelesen habe?


    Die Berichte über Sigismunds unentschlossene Haltung und das Gefühl der Ohnmacht im Lager gegenüber den marodierenden Hussiten habt ihr fein hinbekommen. Auch die Tatsache, dass die Marketenderinnen keine andere Chance hatten, als beim Tross zu bleiben, macht klar, dass sie dem Kaiser ziemlich hilflos ausgeliefert sind.


    Obwohl Marie weiß, dass ihre Tochter bei Eva gut aufgehoben ist, wundert mich doch ihre ruhige Haltung, dass sie nicht weiß, ob und wann sie ihr Kind wieder sehen wird. Auch, dass sie es so gleichmütig hinnimmt, dass ihr der anvertraute Michi so entgleitet, macht mich nachdenklich. Mal sehen, wie sich das noch entwickelt. Mir ist schon klar, dass man unser heutiges Verhalten zu unseren Kindern überhaupt nicht mit dem Leben im 15. Jahrhundert vergleichen kann, aber etwas mehr Ruhelosigkeit in diesem Bereich hätte ich Marie doch zugetraut.


    Noch eine Frage zu Marie:
    Bei der Geburt ihrer Tochter muss sie ca. 33 Jahre alt gewesen sein und damit für die damalige Zeit doch fast schon in einem Alter, in dem sie den Strapazen einer Wanderung durch einen teuflischen Wintersturm kurz vor der Entbindung und ihre Wanderschaft mit einem Säugling nicht mehr so gewachsen war, wie zu ihrer Zeit als Wanderhure. Dafür ist sie noch erstaunlich fit und scheinbar alterslos. Vor allem im Gegensatz zu den übrigen Frauen scheint sie eine ziemliche Ausnahmeerscheinung zu sein.


    Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht, vor allem, was dem Hettenheimer nach der scheußlichen Vergewaltigung noch bevorsteht. So, wie ich euch beiden einschätze, wird es für ihn noch besonders unangenehm. Ach ja, und die Kunigunde taucht hoffentlich auch nicht ungestraft ab. ;-)


    Ich werde jetzt mal gespannt weiterlesen und schauen, was aus Anni und Marie wird. :-)

  • Hallo Idgie,


    zu Paaren treiben bedeutet, ein feindliches Heer so zusammen zu schlagen, dass dessen Krieger sich nicht mehr geordnet zurückziehen, sondern höchstens noch in Kleinstgruppen, sprich paarweise fliehen können.


    Auf Kaiser Sigismunds Probleme wird auch im dritten Teil der Marie-Romane eingegangen werden. Er ist nämlich auch König von Ungarn und muss dieses Land gegen die Türken verteidigen, und die haben durchaus mitbekommen, dass er in Böhmen große Schwierigkeiten hat. In der Kastellanin ist es so, dass er von den Reichsfürsten kaum Unterstützung erhält, und wenn, dann nur gegen die Gewährung horrender Privilegien.


    Gemäß der damaligen Ansicht hatte er mit dem Aufstand im eigenen Land selbst fertig zu werden, oder entsprechend zu zahlen, wenn man ihm half. Sigismund versuchte sich den Forderungen der hohen Herren dadurch zu entziehen, dass er sich mehr an die minderen Reichstände, sprich den Reichsstädten, Reichsrittern und reichsfreien Abteien anlehnte. Die halfen ihm aus Ehrfurcht vor dem Kaiser auch, gerieten dabei aber teilweise in arge Schulden, die ihre Position gegen die umwohnenden Territorialherren schwächte.


    Wir sind durchaus der Ansicht, dass Marie sich Sorgen um Trudi macht. Nur muss sie zusehen, dass sie selbst überlebt. Dadurch treten die Gedanken an Trudi ein wenig in den Hintergrund. Wie du schon sagtest, sie wusste ihre Tochter bei der schwarzen Eva in guter Hut, sofern es ihnen gelungen war, den Hussiten zu entkommen.


    Sie nimmt auch Michis halbstarkes Verhalten nicht so einfach hin, sondern schimpft ihn tüchtig aus, mit dem Ergebnis, dass er sich noch seltener sehen lässt. Es war für ihn eben interessanter, den Söldnern und Rittern zuzuhören und deren Waffen und Ausrüstung zu bewundern, als Maries Ochsen zu füttern. So eine Phase haben viele Jungen in dem Alter.


    Im dritten Teil wird Marie von einem, der es wissen muss, als hart wie Stahl bezeichnet, was zeigt, dass sie auch da einiges durchmachen wird müssen. Ihr Alter hast du gut geschätzt, doch man darf nicht vergessen, dass Marie bis auf die Wanderjahre mit Hiltrud ein gutes Leben führen konnte und so gesund war, wie man bei guter Kost ohne zu prassen nur sein konnte. Einzelne Menschen wurden auch damals schon alt, auch Frauen. Nur der Schnitt war eben weitaus geringer als heute. Doch wurde der auch durch Kindersterblichkeit und den Tod im Kindbett niedrig gehalten.


    Elisabeth I. von England wurde z.B. 70 Jahre alt. Das mag heute als gering erscheinen, aber mit dem verglichen hatte Marie noch ihr halbes Leben vor sich.


    Was Falko von Hettenheim betrifft, so wird seine Strafe dich wahrscheinlich ein wenig enttäuschen. Wir wollten hier jedoch keine übertrieben wirkende Rache.


    Liebe Grüße
    Gheron :wave

  • Hallo Gheron,
    vielen Dank für deine ausführliche Antwort. :-)


    Ich meinte weniger Michis Abwesenheit im Lager. Das ist ja klar, dass der Junge lieber bei den Rittern und Knappen hockt, statt Marie bei den Ochsen zu helfen. Sonst wäre er in seinem Alter ja fast ein Heiliger. Jetzt, wo Marie selbst mehr oder weniger gefangen bei den Hussiten feststitzt und nicht weiß, was aus ihrer Tochter und ihrem Patenkind geworden ist, da scheint es bis zu der Stelle, an der ich jetzt bin so, als würde sie nicht allzusehr mit deren Schicksal hadern. Es ist nicht so, als hättet ihr sie etwas katschnäuzig beschrieben. Sie musste bei den Hussitenfrauen irgendwie über die Runden kommen und es bringt sie nicht groß weiter, sich zu sehr um die Kinder zu sorgen. Ich habe in diesem Zusammenhang nur überlegt, wie das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern zur damaligen Zeit war. Sicherlich nicht so emotional wie heute. Angesichts der Tatsache, dass die Sterblichkeit einfach höher war und man nie sicher sein konnte, dass man seine Kinder großziehen kann, erklärt sich möglicherweise die einigermaßen ruhige Art Maries.

  • Hallo Idgie,


    es ist nicht so, dass Marie ihrer Tochter halbwegs gleichgültig gegenüber stand. Das Gegenteil war der Fall, hatte sie doch nicht mehr erwartet, noch ein Kind zu bekommen. Ihre Gedanken weilten immer einmal wieder bei Trudi, aber auch bei Michel. Wir sind unserer Ansicht nach auch auf beides eingegangen. Allerdings ist es so, dass man als Autor gewichten und Wiederholungen vermeiden muss. Es hätte dem Roman nicht gut getan, wenn Marie alle paar Seiten tränenreich an Trudi gedacht hätte. Sicher galten ihre Gedanken immer mal wieder ihrer Tochter. Für uns war es jedoch wichtiger zu beschreiben, wie Marie alles daran setzt, um in dieser Situation zu überleben. Nur so hatte sie überhaupt eine Chance, Trudi wieder zu finden, von Michel ganz abgesehen.


    Damit wünsche ich dir mit dem Buch noch viel Spaß.


    Liebe Grüße
    Gheron :wave

  • Hallo Gheron,
    kann es sein, dass du ein paar "nicht" in meinem posting überlesen hast? ;-) Ihr habt die Marie schon treffend und gut beschrieben. Das sollte keine Charakterkritik sein.


    Was den Spaß betrifft, der ist nun seit gestern vorbei, denn ich bin mit der Kastellanin durch und der Abschied ist mir nicht grad leicht gefallen.


    Du hattest ja etwas weiter oben gemutmaßt, dass ich über das Ende Falkos etwas enttäuscht sein könnte. Bin ich nicht. Ich fand, ihr habt das sehr elegant gelöst, ihn einfach so umkippen zu lassen. Das hat mir weit besser gefallen, als wenn Michel ihn hätte erschlagen müssen. So hat er seine gerechte Strafe bekommen und Michel steht nicht wie ein rachsüchtiger Henker da. :-)

  • Hallo Idgie,


    es freut mich, dass dir Falkos Ende gefallen hat. Es war übrigens sehr logisch. Gestern wurde in RTLII in Welt der Wunder ein Bericht über Ritter gesendet und da wurde das, was wir schon aus den Sachbüchern kennen, auch dem breiten Publikum nahe gebracht. Ritterrüstungen waren äußerst unbequem und es haperte an der Sauerstoffversorgung, da durch die kleinen Seeschlitze des Visiers zu wenig Luft ausgetauscht wurde. Die Herren kippten vor allem bei Hitze oft um. Denkt man, dass Falko von Hettenheim auch noch nervös und angespannt war und sich in den letzten Wochen ein wenig gehen hat lassen, brauchte es keine Schwertwunde, um ihn zu töten.
    Wir wollten Michel auch nicht als den wüsten Rächer darstellen.


    Liebe Grüße
    Gheron :wave

  • Ich glaub die Tatsache, dass ich mich jetzt wieder zu Wort melde, spricht für sich und ich brauch nicht mehr extra zu erwähnen wie gut mir das Buch gefällt.


    Was mich anfangs ein wenig verwundert hat war, dass die Wachen von Pfalzgraf Ludwig Marie einfach an der Tür lauschen lassen.


    In diesem Teil haben mir wieder besonders gut die neuen Personen gefallen. Die Charaktere wirken alle sehr abgerundet und glaubhaft, die ganze Geschichte wird dadurch sehr lebendig.


    Die Entwicklung von Marie von der Wanderhure zur Kastellanin ist auch sehr gut gelungen. Früher hätte sie vielleicht noch eher versucht die Rachegelüste vom Sohn, der seinen Vater rächen will [Name ist mir jetzt entfallen], zu schüren, jetzt verwendet sie subtilere Mittel um sich zu rächen.


    Wobei sicher noch einiges auf sie zukommen wird, nachdem Falko von Hettenheim sie nun entdeckt hat.


    Die Handlung um Michel kam in diesem Teil etwas kurz. Aber auch auf Burg Falkenhaim tut sich einiges.


    Bin schon sehr gespannt wie es weiter geht. Aber jetzt werde ich erstmal schlafen gehen und später auf der Zugfahrt weiterlesen.

  • Zitat

    Was mich anfangs ein wenig verwundert hat war, dass die Wachen von Pfalzgraf Ludwig Marie einfach an der Tür lauschen lassen.



    Die Alternative wäre gewesen, Marie zu packen und wegzzuschleppen, eine Handlung, die sich bei einer Edeldame wenig ziemt. Hätte Marie allerdings länger gelauscht, hätten die Wachen sie angesprochen und höflich gebeten, doch besser zu verschwinden.


    Liebe Grüße


    Gheron :wave

  • im 3. Teil passiert ja einiges, das meiste wurde hier auch kommentiert.


    Interessant fand ich den Begriff "Kriegsfurie" (S. 283) ... ohne dass die Kriegsfurie hier durchzog und alles vernichtete." Da kann ich mir diesen Begriff so richtig anschaulich vorstellen.


    Überhaupt bin ich immer mitten im Geschehen, es liest sich klasse.


    Und dank der Leserunde komme ich auf Dinge, die mir so evtl. nicht aufgefallen wären, z.B. Heribert von Seibelstorff als Spiegel der jungen Marie, rachsüchtig und nicht davon abzubringen.


    Als Marie auf Falko traf, hab ich schon schlimmes befürchtet, sollte sich ja auch bewahrheiten. So ein Fiesling. :fetch


    Schön, dass Marie in der schwarzen Eva eine ihr freundlich gesinnte Person trifft. :-)