Fragen an Ralf H. Dorweiler

  • Wie kamst Du auf die Idee, Simon und Ulf einen Esel mit auf die Reise zu schicken? War das eher der Zufall der dichterischen Freiheit? Mir wäre da wahrscheinlich eher ein Lastenpferd eigefallen, weil ja Esel vom Wesen zwar sehr liebenswert, aber doch sehr speziell sind..(gehen nicht mit jedem überall hin, etc..) Oder waren die Esel/Maultiere der Bundeswehr in Mittenwald bzw. Bad Reichenhall ideengebend?

  • Gibt es eigentlich einen speziellen Grund dafür das Friedrich seine Frau immer "Vögelchen" nennt oder ist das eher Zufall? Es war mir an der Stelle aufgefallen, da die Bezeichnung doch nicht so häufig vorkommt und ich an Friedrich II. denken musste, der ja ein großer Vogelliebhaber war und sogar ein Buch über Falknerei geschrieben hat.

    :lesend Ulrike Schweikert; Das Siegel des Templers

    :lesend Tad Williams; Das Herz der verlorenen Dinge (Hörbuch)

  • Wie kamst Du auf die Idee, Simon und Ulf einen Esel mit auf die Reise zu schicken? War das eher der Zufall der dichterischen Freiheit? Mir wäre da wahrscheinlich eher ein Lastenpferd eigefallen, weil ja Esel vom Wesen zwar sehr liebenswert, aber doch sehr speziell sind..(gehen nicht mit jedem überall hin, etc..) Oder waren die Esel/Maultiere der Bundeswehr in Mittenwald bzw. Bad Reichenhall ideengebend?

    Danke für die Frage! Dass ein Esel Simon auf der Reise begleiten sollte, stand für mich von Anfang an fest. Gute, genügsame Lasttiere mit einer langen Nutzungsgeschichte, trittsicher und mit ihrem teils liebenswerten, teils störrischen Wesen ist es auch lohnenswert, über sie zu erzählen. Ein Lastenpferd hätte nicht gepasst, weil das Simons Wunsch nach einem Ross zu nahe gekommen wäre. Simon muss ja gerade zu Beginn des Buchs erstmal auf den Boden der Tatsachen gebracht werden, und da fand ich den Esel sehr passend. Tatsächlich kam Ulf als Figur erst über Lilli dazu. Der Besitzer des Esels, der dem Helden zur Seite gestellt wird. Das brachte zudem den großen Vorteil, dass sich die lange Reise zu Beginn des Romans interessanter gestalten ließ. Simon hat so einen Gesprächspartner. Ab und zu ein paar Dialoge lockern die Beschreibungen von Wegen und Routen dann doch auf. Und dann ist das Verhältnis der beiden ja auch nicht konfliktfrei und ohne Vergangenheit, so dass man sich emotional über das Anfreunden der beiden freut.

  • Gibt es eigentlich einen speziellen Grund dafür das Friedrich seine Frau immer "Vögelchen" nennt oder ist das eher Zufall? Es war mir an der Stelle aufgefallen, da die Bezeichnung doch nicht so häufig vorkommt und ich an Friedrich II. denken musste, der ja ein großer Vogelliebhaber war und sogar ein Buch über Falknerei geschrieben hat.

    Danke für die interessante Frage... Tatsächlich hatte ich mir kurz über den Kosenamen Gedanken gemacht. Dieser sollte die Zerbrechlichkeit Eleonores ausdrücken. Zuerst hatte ich verschiedene Singvogelarten durchdacht, aber ich fand, dass Friedrich Eleonore ja viel zu wenig kannte, um den "richtigen" Vogelnamen für sie zu wissen. Darum ließ ich seinen Kosenamen allgemeiner, eben Vögelchen.

  • Eine Frage hätte ich: ist die Route von Simon und Ulf eine historisch belegte Strecke für Händler in dieser Zeit? Ich hatte nämlich mal im Internet geschaut und nix gefunden.....:wave

    Hallo Luckynils,


    ich war bei meinen Recherchen überrascht, wie häufig die Alpen tatsächlich überquert wurden im Spätmittelalter. Ja, die beschriebene Route bis zum und über den Gotthard wurde zu der Zeit gerne genommen. Im Jahr 1500 wurden etwa 170 Tonnen Waren über den Gotthard transportiert. Das ist für den Transport mit Eseln und Ochsenschlitten schon eine ziemliche Menge, wenn natürlich auch nach heutigen Maßstäben nichts. Aber es gab auch noch eine Menge anderer Routen, die genommen wurden.


    Herzliche Grüße,

    Ralf

  • Danke für die Info!! Ich finde, es wirklich unglaublich, wie die Leute es damals geschafft, haben, diese beschwerlichen Routen zu überwinden! Zumal sie ja was die Kleidung angeht nichts hatten, was sie gegen diese harten Witterungsverhältnisse hätte schützen können!

  • Danke für die Info!! Ich finde, es wirklich unglaublich, wie die Leute es damals geschafft, haben, diese beschwerlichen Routen zu überwinden! Zumal sie ja was die Kleidung angeht nichts hatten, was sie gegen diese harten Witterungsverhältnisse hätte schützen können!

    Liebe Luckynils,


    ja, das muss unglaublich beschwerlich gewesen sein. Wobei ich glaube, dass die damalige Kleidung gar nicht soooo ungeeignet war. Simon und Ulf sind etwas "underdressed", aber ich denke, dass die Menschen vor Ort schon Naturmaterialien so bearbeiten konnten, dass sie ihren Ansprüchen gerecht wurden. Ansonsten hat konnte man wahrscheinlich auch einfach ein bisschen mehr aushalten, als wir das heute gewohnt sind.


    Der Bischof Dietrich von Cuba schrieb in seinem Rechnungsbuch am 16. März 1473 über die Überquerung des Gotthard: „.. ueber den Gothart schentlichen bosen wegk, als ich en alle myn leptage (nicht) gewandelt byn.“ Was für ihn sehr grausam gewesen sein muss, dürfte für die Säumer tägliche Routine gewesen sein...


    Herzliche Grüße, Ralf