'Frauen und Töchter' - Seiten 247 - 337

  • Wobei Gaskell eigentlich im Grunde genommen auch nicht so viel anderes macht... Aber sorry, soll keine Kritik an ihr sein; ich finde das Buch ja auch recht interessant.

    Als "Schwatzen und Klatschen" würde ich das Buch nun nicht bezeichnen. Gaskell schreibt über die Welt um 1830, oder wie es im Nachwort meiner Ausgabe heißt (S. 852):

    „’Eine alltägliche Geschichte’ lautet der bezeichnende Untertitel des Romans. Er handelt von Menschen und ihren Beziehungen, von Liebe und Tod, von Kümmernissen und Hoffnungen, kurz, vom Leben schlechthin - (...)“

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • :) Das war auch im Wesentlichen scherzhaft von mir gemeint, mir gefällt Gaskells Stil ja auch deutlich besser als der der meisten heutigen Romane; wobei ein gewisser Zusammenhang zwischen Romanen generell und "Klatschen" wohl nicht 100%-ig widerlegt werden kann.


    "Ja, was man so von den Heldinnen aus der Geschichte hört... Ich bin zum großen, raschen Handstreich fähig, zu einer Anstrengung, der die Entspannung folgt, aber stetige, alltägliche Güte geht über meine Kräfte. Ich muss ein moralisches Känguruh sein."


    Da kann man ja gespannt sein, was im weiteren Handlungsverlauf von Cynthia noch kommt. Ihre Schlagfertigkeit ist jedenfalls schon mal unterhaltsam:


    "Molly und ich wissen erst nach Ostern, wie man sich auf einer Kartengesellschaft benimmt."



    Mrs. Gisbon kann Osbornes Aussagen sehr schön interpretieren:


    "Hast du gehört, wie er sagte, er wolle seinen Vater jetzt nicht allein lassen, werde sich aber freier fühlen, sobald sein Bruder Roger aus Cambridge zurück sei? Genausogut hätte er sagen können: 'Wenn Sie mich dann zum Essen einladen, komme ich sehr gern.' "


    Sie selbst ist im gleichen Atemzug aber ebenfalls subtil wie ein Vorschlaghammer:


    "Und dich, Molly, mein Liebchen, werde ich auch nicht vergessen, das weißt du. Nach einiger Zeit, wenn Roger Hamley seine Pflicht erfüllt hat (…), laden wir auch ihn zu einem ruhigen, kleinen Dinner ein."

  • Mit Cynthia geht es gleich schlagfertig weiter:


    "Ich verbürge mich dafür, dass Molly sich nicht in einen Kirschbaum setzt, und Molly passt auf, dass ich nicht undamenhaft die Treppe hinaufsteige. Ich werde so lammfromm hinaufschreiten, als wäre ich soeben in die Gesellschaft eingeführt worden und schon auf dem Osterball gewesen."


    Molly dagegen wird etwas widersprüchlich gezeichnet, finde ich:


    "Molly, die Gewissenhaftigkeit und Sauberkeit in Person"

    "Ihr rebellisches Herz bäumte sich auf" (Abschnitt 3)

    "...antwortete Molly lebhaft und mit einem Gran Bosheit im Hinterkopf"


    Mr. Gibson hat mit seinem Gähnanfall eine fast unbesiegbare Waffe:


    "Aber ich möchte den Mann sehen, der bleibt, wenn ich einen Gähnanfall habe. (…) Freut mich, dass ich ihm ins Gesicht gegähnt habe." (…)

    "Wenn du deinen Mund so weit aufgerissen hast, Papa, wie du es manchmal tust, würde ich das nicht nur einen 'Wink' nennen", meinte Molly. "Und wenn du bei seinem nächsten Besuch einen Chor von Gähnern brauchst, schließe ich mich gern an. Du auch, Cynthia?" :schnarch :schnarch :schnarch