'Der Untertan' - Seiten 362 - Ende

  • Ich habe von den beiden anderen Büchern noch nie gehört. Motiviert, sie zu lesen, bin ich zurzeit auch nicht. Bis auf weiteres war mir der Untertan intellektuell genug. Jetzt freue ich mich auf ein paar entspannende Bücher. ;)

    Ich habe nach Ende der Lektüre auch was lockeres gebraucht. Aber das ist normal. Mit Diederich kann sich wohl keiner so recht anfreunden hier. Und auch in seiner Stadt hat er keine Freunde. Nur Zweckgemeinschaften, ach ja und Saufgemeinschaften. ein armseliges Leben eigentlich.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • So, diesmal habe ich auch ziemlich lange gebraucht. Lag aber nicht am Buch, sondern daran, dass ich vorgestern Abgabetermin für meinen neuen Roman beim Verlag hatte und nur zwischendurch mal kurze Passagen vom "Untertan" lesen konnte.


    Was soll ich noch sagen, was hier nicht schon vielfach gesagt wurde?

    Vielleicht erst einmal etwas Kritisches: Mir kam es so vor, als zöge sich die Geschichte doch arg hin auf den letzten hundert Seiten. Natürlich passiert ständig irgendetwas, aber eigentlich nichts wirklich Neues, eher immer dasselbe in anderen Szenen. Mir schien es, als sei die Botschaft, die Heinrich Mann im Kleid eines Entwicklungsromans vermitteln will - zweifellos eine fundamental wichtige und für ihre Zeit überaus mutige - nach etwa der Hälfte des Buches "auserzählt". Es kommen keine neuen, überraschenden Aspekte hinzu, weder, was das Bild betrifft, das sich der Leser vom miesen Charakter des Protagonisten schon längst gemacht hat, noch, was die Beschreibung des ekelhaft korrupten, dummen und ideologisch vernagelten Treibens der sogenannten besseren Gesellschaft im deutschen Kaiserreich angeht. Insofern fand ich es leidlich mühsam, mich bis zum Ende durchzukämpfen.


    Das aber ändert natürlich nichts an der Bedeutung dieses Romans, weder im Hinblick auf seine literarische Brillanz, noch als frühes Menetekel für das Grauen, das allzu bald kommen sollte. Es gibt wohl kein anderes Werk in der deutschen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts, das dermaßen treffsicher und demaskierend all das vorführt, was damals wie heute Ursprung und Auslöser aller Kriege war und ist. "Der Untertan" ist somit weit mehr als das mutige Sittenbild einer Gesellschaft, die wenig später begeistert in die Hölle des 1. Weltkriegs gezogen ist - und die halbe Welt mit ihr - und die danach, wie wir lernen mussten, auch nichts dazugelernt hat. Es ist ein Buch, das man auch heute aufmerksam lesen sollte, wenn man etwas über Verblendung, über die unausrottbare menschliche Dummheit wissen will, welche allen Kriegen vorangeht, aber auch in unseren Zeiten Mehrheiten für gefährlichen politischen Irrwitz (wie beispielsweise den Brexit) ermöglicht.

  • Vielleicht haben die Leute damals einfach länger gebraucht bis sie wussten wie der Hase läuft. Wiederholungen sind dazu da, das Gelernte zu verfestigen. Und wenn man beim zweiten und dritten Auftritt und Schachzug nichts gelernt hat, dann vielleicht beim fünften und sechsten.

    Aber sonst fand ich auch, es zog sich manchmal. Trotzdem habe ich ihn schneller als gedacht ausgelesen, den Roman. Nun ja, eine Leserunde wollte möglichst pünktlich begonnen werden.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Quasi mit Hängen und Würgen habe ich den Schluss des Buches nun doch noch geschafft. Die politischen Verwicklungen fand ich ziemlich anstrengend zu lesen und habe mir dann auch keine Mühe mehr gemacht, dieses Geklüngel zu verstehen.


    Dass Diederich mit seiner Rede im Gewitter baden ging, war ein kleiner Ausgleich zu dem was er anderen in seinem Wahn angetan hat. Kann man ihm auch noch den Tod des alten Buck anlasten?


    Seine Doppelmoral mit Käthchen und seiner Frau schreit auch zum Himmel . . . :hmm

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Tania Blixen: Nordische Nächte

    Babettes Fest (1950)

  • Ich weiß jetzt nicht, was ab Seite 362 geschah :) Ich erinnere mich nur, dass mir das Buch ganz schön nahe gegangen ist. Weitaus näher als der Film.