Beiträge von Ritja

    Inhalt:


    „Lieber auf dem Diwan räkeln / Als am Haushaltsgeld zu mäkeln. / Lieber Tanz und Dollerei / Als die olle Kocherei! / In der Küche stehn beim Topf? / Ab mit diesem alten Zopf!“


    Deutschland in den 20er Jahren. Henriette Elisabeth Wuttke hält es nicht mehr aus in der bedrückenden Enge und Biederkeit der Provinz. Wie viele andere junge Frauen zieht es sie in die brodelnde Metropole Berlin. Hier wird aus der braven Lehrertochter die kecke Henny Walden, die sich alles traut. Ihr Ziel: Als Dichterin und Sängerin berühmt zu werden. Hennys unkomplizierter Charme verschafft ihr schnell Zugang zu den Künstlercliquen der Weimarer Republik. Immer wieder scheint das große Glück zum Greifen nah – doch stets kommt es anders, als Henny denkt…


    Spannend, bewegend und amüsant wie eine Kabarett-Revue: Das Porträt einer faszinierenden Frau, die fest entschlossen ist, im Leben nicht in der zweiten Reihe zu stehen.


    Meine Meinung:


    Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich absolut keine Ahnung hatte, wer Henny Walden ist. Aber die Zeit, in der die Geschichte spielt, hat mich interessiert und so beschloss ich Henny Walden, die vergessene Soubrette kennenzulernen.


    Das Kapitel zur Entstehung der Geschichte fand ich sehr hilfreich, da man sonst die Einschübe nicht so ganz versteht. Es muss ungeheuer schwierig gewesen sein, Henny Waldens Leben zu verfolgen. In Zeiten des Internets und des WWW ist es nicht schwer Informationen zu erhalten, aber in den 20er Jahren wurde noch alles handschriftlich dokumentiert. Zudem war sie nicht so bekannt, wie Marlene Dietrich oder Hans Albers, aber daran mag vielleicht auch der Reiz gelegen haben.


    Ich hatte ein paar Seiten gebraucht, um mit der wilden Henny (Henriette Wuttke) warm zu werden. Aber ich konnte ihre Sehnsucht nach der großen Welt in der großen Stadt Berlin nachvollziehen. Dort war in den 20ern das Zentrum der Kunst und Kultur und das pulsierende Leben. Während halb Deutschland noch an dem verlorenen Krieg denkt und sich damit lähmt, will Henriette berühmt werden. Sie will die Bühnen erobern und singen.
    Doch Berlin ist nicht nur groß, laut und bunt, sondern auch schnell, hart und fordernd. Henny hat Probleme sich über Wasser zu halten und muss sich mit kleinen Engagements in weniger berühmten Clubs zufrieden geben. Henny Walden hat selten viel Geld. Immer wieder muss sie umziehen und sich verkleinern oder auf neue Kleider verzichten. Sie wird zu einem Nachtmenschen und verkehrt in den Künstlerkreisen, jedoch nicht in denen von Albers, Dietrich & Co.. Sie muss vorsprechen und mit Niederlagen umgehen und verliert doch nie den Lebensmut. Auch die Liebe ist nicht das, was sie sich erhofft hat. Doch sie ist eine Kämpferin, die immer wieder aufsteht und an sich glaubt.


    Das Buch erzählt von Henny Walden und ihren "Kampf" um ein kleines Stück von der Berühmtseintorte. Es werden dabei die Verhältnisse in den 20iger Jahren so detailliert und lebensnah beschrieben, dass es einfach nur Spaß macht, in diese Zeit zu reisen. Silke Schütze zeigt aber nicht nur die goldene Seite, die Parties, die Kunst, die Kleider und die Unbeschwertheit nach einem harten Krieg, sondern auch den Überlebenskampf, wenn man keine Auftritte hat, den Hunger, den Geldmangel und den Abstieg.
    Immer wieder werden Lieder, Gedichte und kleine Eintragungen aus den Tagebüchern, von Briefen und Notizzetteln eingefügt und dies schafft ein authentischeres Bild von Henny Walden. Die Texte spiegeln die Zeit wieder und wie auch schon die Autorin erwähnte, muss man sich diese auch beim Lesen der Texte vor Augen halten, denn sonst wirken sie eigenartig oder kitschig. Für die damalige Zeit waren sie jedoch passend und teilweise mit einem Augenzwinkern.


    Insgesamt fand ich das Buch gut geschrieben und verständlich. Manchmal war es mir etwas zu träge, langatmig, dann zog die Autorin das Tempo wieder etwas mehr an. Manche Passagen hätten auch etwas kürzer sein können, aber das ist ein subjektives Empfinden.



    Ansonsten hat mir das Buch gut gefallen und ich bin gern mit Henny Walden in den 20ern gewesen.
    PS: Ganz zum Schluß lässt die Autorin noch eine kleine "Bombe" platzen.


    Edit: ISBN der Rowohlt-Ausgabe eingefügt. LG JaneDoe

    Eine Ralley als Aufhänger für eine so umfangreiche Geschichte war mal etwas Neues. Bisher kannte ich mich wenig mit Autos aus dieser Zeit 1925 aus, doch jetzt kann ich zumindest mit rudimentären Wissen glänzen. Die Autorin lässt die Ralley in Paris starten und stellt auf den ersten Seiten die ganzen wichtigen Teilnehmer der Ralley vor. Ich fand den Einstieg etwas langatmig und manchmal etwas zu sprunghaft, aber wenn man sich etwas eingelesen hatte, konnte man ihr besser folgen. Sie beschreibt ihre Figuren teilweise sehr detailiert, so dass man sich die Charaktere gut vorstellen kann. Natürlich hat sie auch tief in die Klischeekiste gegriffen, aber wer macht dies nicht?
    Zum Beispiel wirkte Alastair MacAlan wie ein Superheld. Macht fast alles richtig, sieht gut aus, ist höflich und zuvorkommend und immer auf der richtigen Seite. Auch Emmalou ist eine von den Guten in diesem Buch und auch sie benimmt sich häufig sehr ehrenhaft. Manchmal waren mir die Charaktere zu glatt und vorhersehbar. Fritz und Charlie dagegen haben mir gut gefallen. Berliner Schnauze und viel Herz. Fritz ist mit seiner Unbeholfenheit und seinem Straßenjungencharme gut gelungen. Sein Leben ist bisher nicht so glatt verlaufen, er leistet sich immer wieder kleine Schnitzer und schafft es mit seiner direkten, aber herzlichen Art den Leser zu packen. Er war in dieser Geschichte mein "Liebling". Fast jeder Charakter hat eine Vergangenheit, die noch Fragen offen hat. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr werden die Verbindungen der einzelnen Teilnehmer untereinander aufgedeckt. Für mich waren dies aber zuviele Zufälle, dass sie nun alle ausgerechnet an dieser Ralley teilnahmen. Interessant waren dagegen die Verstrickungen und verborgenen Probleme, die nun langsam an die Oberfläche kamen. Der erste Weltkrieg spielt hier eine wichtige Rolle. Jedoch fand ich den geschichtlichen Einsatz noch zu oberflächlich.
    Andrea Schacht hat ihre Geschichte in große und kleine Kapitel eingeteilt. Sie startet mit der Ausschreibung und geht dann die einzelnen Etappen durch. Jedes große Kapitel hat noch einmal viele kleinere Kapitel, die nicht sehr lang sind. Mit jedem Kapitel wird eine kleine Geschichte abgeschlossen und so liest sich das Buch sehr zügig. Es ist sehr gut geschrieben und schafft durch die vielen Details gut vorstellbare Bilder. Gelungen fand ich die Karte im Buch auf der man die einzelnen Etappen der Ralley verfolgen konnte. Auch die Covergestaltung ist schön, da schlicht und aussagekräftig. Insgesamt ist es eine gut zu lesende Geschichte mit ein paar geschichtlichen Elementen, die jedoch nur oberflächlich sind. Die Figuren sind teilweise sehr gut gelungen, andere leider nicht so sehr. Wer schon immer mal eine lange Geschichte rund um Autos, Liebe und Vergangenheit lesen möchte, kann bei diesem Buch gut zugreifen. Wer jedoch etwas mehr Tiefgang oder Geschichte erwarten, den wird das Buch etwas enttäuschen.
    Mir hat das Buch, trotz der obengenannten Kritikpunkte, gefallen. Für mich war es ein schöner Schmöker, der mir ein paar entspannte Stunden beschert hat.

    Anfangs hatte ich die Befürchtung es könnte eine Kopie von den Krimis von Jean-Luc Bannalec werden. Viele Details sind ähnlich und schaffen somit einen unwillkürlichen Vergleich. Jedoch hat sich die Befürchtung nicht bestätigt. Ja, es gibt so einige Parallelen, aber die Hauptfiguren sind doch recht unterschiedlich vom Charakter und auch die Umgebung und Atmosphäre ist eine andere.


    Mir hat der "neue" Kommissar Pierre Durand sehr gut gefallen. Er hat sich selbst ins Exil begeben (solange er noch die Wahl hatte, es selber auszusuchen) und somit ist er nicht ganz so sehr frustriert und deprimiert. Er genießt sein Leben in Sainte-Valerie und schafft sich ein neues Zuhause. Auch wenn er einen etwas übereifrigen Assistenten hat und auch sonst nicht viel in der Gemeinde los, mag er dieses Leben. Sein Glück mit den "örtlichen" Frauen ist leider nicht so stabil, aber er weiß damit umzugehen. Das Leben könnte nun ganz beschaulich weitergehen, wenn nicht ein ortsbekannter Casanova im Wein ertränkt wurden wäre. Nun gilt es einen Mord mit Rezept aufzuklären und das möglichst schnell. Bei Durand erwacht wieder das Jagdgen aus Pariser Zeiten und so untersucht er den Fall weit über seine Kompetenzen hinaus.


    Nebenher wächst ganz langsam eine andere Geschichte heran, die zwischen Pierre und Charlotte. Man spürt die Sympathie, die sie für einander haben. Auch die kleinen Episoden mit Luc, dem Assistenten, sind recht gut gelungen und machen die Geschichte lebendiger und humorvoller. Etwas übereifrig, etwas zu laut und irgendwie erinnert er mich an einen Welpen. Wenn er sich festgebissen hat, lässt er nicht mehr los.
    Doch nicht nur die Morde in Sainte-Valerie halten Pierre auf Trab, sondern auch die alten Geister aus Paris, die ihn verfolgen und behindern wollen.


    Ein gelungener Krimi mit Humor, Augenzwinkern, wenig Blut, aber Spannung und vielen kleinen Rästeln und einen sympathischen Kommissar, dem man das Beste wünscht und trotzdem auf den nächsten Mord hofft, damit er wieder in dieser wunderschönen Gegend ermitteln kann.

    Inhalt:


    Stockholm. Ein junger Mann wird taumelnd auf einer Eisenbahnbrücke aufgegriffen. Wie sich herausstellt, wurde er vor 13 Jahren - noch als Kind - gekidnappt. Der Serienmörder Jurek Walter hat ihn damals entführt. Der sitzt nun aber schon seit sieben Jahren in der Psychiatrie in Isolationshaft. Für Kommissar Joona Linna heißt das: Es muss einen Komplizen geben! Joona bittet eine Kollegin, sich in die Psychiatrie einweisen zu lassen, denn jemand muss das Vertrauen des Serienmörders gewinnen.


    Meine Meinung:


    Mein erstes Buch von Lars Kepler und schon bin ich infiziert. Es sind mal wieder die Schweden, die es mit hoher Sicherheit schaffen, Gänsehaut zu produzieren und den Leser atemlos lesen zu lassen. Obwohl ich die Vorgängerfälle des Joona Linna nicht kannte, fand ich mich sehr schnell in der Geschichte zurecht. Die Figuren sind so gut beschreiben und dargestellt, dass man sich ohne Probleme ein Bild schaffen kann. Die Spannung ist ab den ersten Seiten vorhanden und endet erst mit der letzten Seite, die zudem noch eine ganz eigene Überraschung enthält und den Leser somit schon an den nächsten Band findet.


    Die Geschichte wird nur ganz langsam aufgelöst und immer wieder muss man mit Wendungen und Tiefschlägen rechnen. Es geht dabei manchmal etwas zu brutal zu, jedoch sind diese Szenen nicht das Hauptaugenmerk der Geschichte. Durch die sehr kurzen Kapitel wird der Leser wie in einen Sog gezogen. Die Kapitel wechseln immer wieder die Perspektiven und so möchte man wissen, was denkt die- oder derjenige gerade. Weiß er oder sie, was der Mörder gerade plant? Und schon ist man im nächsten Kapitel. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil es mich fesselte. Die Spannung und die Gefahr in die sich die Ermittlerin begibt, ist fast spürbar. Die Zusammenhänge und die Vorgehensweise der Charaktere sind sehr gut und durchaus schlüssig beschrieben. Der Schreibstil ist schnörkellos und sehr gut, das Tempo der Geschichte ist hoch und schafft dadurch auch diese Atemlosigkeit beim Leser. Man spürt den Druck, der auf den Ermittlern liegt. Die Angst zu Versagen oder Zuspät zukommen und nichts mehr ausrichten zu können.


    Ein rundum gelungener Thriller aus Schweden und ich bin gespannt wie es mit Joona Linna weitergeht.


    Edit: ISBN geändert, damit das Buch auch im Verzeichnis auftaucht. LG JaneDoe

    Inhalt:


    Ein Mann droht, mit einem Sprengstoffgürtel bewaffnet den Kölner Dom in die Luft zu sprengen. Im Dom sitzt der nach einem Herzinfarkt dienstunfähiggeschriebene Kommissar Landgräf. Der Erpresser Roman Winter hat sich ihn als Vermittler ausgesucht. Landgräf weiß noch nicht, warum. Im Zuge der ersten Ermittlung taucht eine Frau bei der Polizei auf, die behauptet, die Frau des Erpressers zu sein, und gibt an, dass ihr Mann es absolut ernst meint. Die Lage spitzt sich dramatisch zu.


    Meine Meinung:
    Das Cover zeigt Köln und die Folgen einer Explosion. Beides hat mich nicht direkt angesprochen. Zu reißerisch, zu offensiv, zu laut. Aber nach den ersten Zeilen auf dem Cover war das Interesse geweckt. Vielleicht doch.


    Es war die richtige Entscheidung. Das, aus meiner Sicht, weniger gelungene Cover ignorieren und direkt in die aktionsreiche und schnelle Geschichte einsteigen. Rudi Jagusch fackelt nicht lange und steigt direkt laut und polternd ein. Er zögert nicht, er zaudert nicht und es gibt keine langen Erklärungen. Die Charaktere müssen sich direkt entfalten. Innerhalb der Geschichte werden Rückblicke eingefügt und für den Leser parat gehalten. Es gibt wenig Platz für Sentimentalität oder große Familiengeschichten, dafür lässt Rudi Jagusch seinen Nero böse durch den Dom springen und so manche Hektik auf der anderen Seite auslösen. Doch trotz der Gewalt und der Skrupellosigkeit zeigt auch Nero (Roman Winter) Nerven und menschliche Züge. Er ist zu hektisch, zu ungeduldig und scheinbar doch nicht optimal vorbereitet. Die vielen Facetten des Roman Winter machen den Charakter spannend und nicht vorhersehbar. Die Vergangenheit des Roman Winter wird von seiner Frau erzählt und so langsam werden aus den einzelnen Puzzelteilen ein großes Ganzen. Derweil kämpft die Polizei mit internen Kompetenzgerangel, schwierigen Ausgangssituationen und einem Kommissar, der eigentlich krankgeschrieben ist.


    Beide Hauptcharaktere, Roman Winter und Kommissar Landgräf sind gut gelungen und geben der Geschichte die Würze, auch das Tempo der Geschichte war sehr schnell und gut. Rudi Jagusch hat sich nur wenig mit Nebensächlichkeiten aufgehalten und dadurch das Tempo auch bis zum Schluss halten können.


    Spannend geschrieben, ein Tempo wie bei einem Sprint und interessante vielschichtige Charaktere machen dieses Buch lesenswert. Mein erstes Buch von Rudi Jagusch, aber sicherlich nicht mein letztes Buch von ihm.

    Gleich zu Anfang: Ich habe selten ein so gefühlvolles, aber nicht kitschiges, humorvolles und intensives Buch gelesen.


    Die Geschichte baut sich langsam auf und startet mit dem Leben von Alex. Er ist anders als die anderen Jungen in seinem Alter und das liegt nicht nur an dem Meteoiteneinschlag. Getroffen von einem großen Meteoitenstein muss er lange aussetzen und hat nun mit den Folgeschäden zu leben. Zusätzlich hat er mit seiner sehr fürsorglichen, aber auch eher unkonventionellen Mutter zu kämpfen. Er ist und bleibt ein Außenseiter mit einem speziellen Interesse an spannenden und anspruchsvollen Naturereignissen. Durch eine ungünstige Situation lernt Alex Mr. Peterson kennen. Mr. Peterson ist ebenso wie Alex ein Einzelgänger und wenig in der Gemeinschaft integriert. Doch aufgrund Alex Mutters müssen sie nun miteinander auskommen und entdecken über die Zeit gemeinsame Interessen und die Freundschaft für sich. Diese wird für beide im Laufe der Geschichte entscheidend und bedeutend werden.


    Das Buch ist so leicht und schön geschrieben, dass man förmlich in der Geschichte versinken kann. Die Hauptcharaktere sind allesamt warm und herzlich beschrieben, dass sogar die etwas verdrehte Ellie symphatisch ist. Sowohl die humorvollen als auch die traurigen und melancholischen Szenen sind so intensiv und beeindruckend ohne ins lächerliche oder kitschige zu rutschen. Selten war ich so nah am Wasser wie bei diesem Buch. Gavin Extence konnte die Stimmungen und Gefühle von Alex, der Mutter und vorallem Mr. Peterson so genau und treffend beschreiben, dass man das Gefühl bekam, dabei zu sein. Am Ende klappte ich das Buch zu und konnte trotzdem nicht aufhören darüber nachzudenken. Was bedeutet der Wunsch von Mr. Peterson? Ist es richtig oder falsch? Kann man dies überhaupt so genau sagen? Und was hätte ich an Alex Stelle getan?


    Ein rundum gelungenes und beeindruckendes Buch über ein trauriges Thema, aber auch über die Freundschaft und Liebe.

    Ein Buch mit einer bewegenden Geschichte über die Liebe, die Freundschaft und den Krieg.


    Die Haupterzähler (Ich-Erzähler) Ruth Becker und Ernst Toller beschreiben jeweils aus ihrer Sicht das Geschehen. Die Gefahren und das Risiko, welches sie eingehen, um die Menschen wachzurütteln und ihnen die Augen zu öffnen. Sie erkennen das Grauen und müssen es auch selbst erleben. Sie sehen und hören, was mit den Widerständlern, den Andersgesinnten, den Juden und politischen Gegnern passiert. Anfangs noch glaubten sie, wie viele, dass Hitler seine Machtbestrebungen nicht durchsetzen kann. Aber das Blatt wendet sich sehr schnell und sie müssen handeln. Ihre Flucht gelingt, aber sie werden trotzdem weiter beobachtet und verfolgt. Woher wissen die Nazis so viel von ihnen? Wie konnten sie bestimmte Verbindungen aufspüren? Gibt es einen Verräter unter ihnen? Kann man seinen eigenen Freunden und Bekannten nicht mehr trauen?


    Viele Ängste und noch mehr Frustration über die eigene Handlungsunfähigkeit macht der kleinen Gruppe zu schaffen. Sie müssen ihren Alltag in einem fremden Land bewältigen. Sie werden in Deutschland verfolgt und in London nur geduldet. Was passiert, wenn sie wieder zurück müssen? Wie lange dürfen sie bleiben? Und wie können sie den anderen Menschen helfen, wenn sie selber kaum noch etwas haben? Und dann schlägt doch der lange Arm der Nazis in London zu und zerreißt die Gruppe.


    Es kostet etwas Zeit und Ruhe, um sich in dieses Buch einzulesen, denn Anna Funder springt immer wieder von dem Hier und Jetzt in die Vergangenheit und zwischen den einzelnen Personen hin und her. Zur Erleichterung sind die Kapitel mit Überschriften versehen, so dass man zumindestens weiß, aus welcher Sicht gerade erzählt wird. Ist diese kleine Hürde überwunden, kann man sich auf eine sehr gute Geschichte freuen. Mit ihrem klaren und schnörkellosen Schreibstil fängt sie den Leser schnell ein. Anna Funder weiß, wie sie aus dem Leben der Ruth Blatt und ihrer eigenen Fantasie eine gelungene und ergreifende Geschichte macht. Aus diesem Grund (mit dem Wissen das die Geschichte biografische Züge hat) wird diese Geschichte umso bedrückender und man wird zum Nachdenken bewegt.

    Was für ein Spaß in der Heide mit Schnucke. Ein Regionalkrimi mit vielen Verwirrungen, einer guten Portion Misstrauen, einigen Missverständnissen und natürlich einem Mord.


    Hanna Petersen ist nicht die diplomatischste Kommissarin und so wird es für sie schwerer als gedacht - hier in Hasellöhne. Sie ist der "Ersatz" für den geliebten Karl. Dabei wollte sie nicht wirklich nach Hasellöhne in die Provinz, aber sie musste. Weg von der Liebesleiche, weg von der alten Arbeitsstelle, weg von dem Ärger und nun sitzt sie zwischen den Heideschnucken und den verstockten Dorfbewohnern und muss einen Mord an einem Hamburger Jagdteilnehmer aufklären. Was für ein Einstieg. Hanna ist noch gar nicht so richtig angekommen und sticht schon in ein Wespennest. Doch sie beißt sich durch. Mit ihrer direkten und schroffen Art stößt sie so manchen Dorfbewohner vor den Kopf und so muss gelegentlich der neue Mitarbeiter, ein germanischer Gott, die Wogen wieder etwas glätten.


    Brigitte Kanitz hat einen witzigen und charmanten Heidekrimi geschrieben. Die Figuren sind sehr gut getroffen. Sie hat Charaktere geschaffen, die man mag und mit denen man gern einen Mord aufklärt. Hanna ist laut, polternd, direkt und doch auch empfindsam, zuhörend und vorallem klug. Sie spürt, wenn sie belogen wird und hinterfragt sehr viel. Ich fand ihre Gespräche mit ihrer inneren Stimme immer wieder witzig. Man hatte das Gefühl, dass sie auch stets einen kleinen Kampf um das "Rechthaben" mit ihrer inneren Stimme führt. Ihre Vorliebe für potthässliche, sitzende Froschaugengäule macht sie noch mehr symphatisch und vorallem nahbar. Auch ihr falterndes Herz schafft eine Nähe, die sie sonst mit ihrer schroffen Art nicht immer hat.


    Aber auch die anderen Figuren wissen in diesem Buch zu überzeugen und man kann nur hoffen, dass Frau Kanitz noch einen weiteren Mord in der Heide aufklären möchte und somit die Kommissarin und ihre Dorfbewohner wieder in Action treten können.

    Inhalt:


    Ein kalter Dezembertag. Völlig in sich versunken, spielt Erik Winters Tochter am Strand. Da treibt plötzlich ein Toter im Wasser. Tagelang quälen die kleine Elsa Alpträume. An Heiligabend erhält Erik Winter eine DVD, mit der ihm der Killer einen weiteren Mord ankündigt. Hilflos muss Winter zusehen, wie das Böse in sein Leben eindringt.


    Meine Meinung:


    "Der letzte Winter" ist wie gewohnt beklemmend, kalt und dunkel. Doch diesmal hatte ich das Gefühl, dass Ake Edwardson noch eine Schippe obendrauf gelegt hat. Mir, persönlich, war es stellenweise schon zu viel Dunkelheit, Traurigkeit und Angst.


    Winter muss Morde an jungen Frauen aufklären. Das Besondere daran ist, dass die Männer während der Morde angeblich geschlafen haben. Oder doch nicht? Und was soll das Video? Welche Verbindungen gibt es zu Spanien und seiner Familie?


    Die Geschichte kommt nur langsam in Schwung und driftet leider auch phasenweise immer wieder ab. Es waren diesmal sehr viele Gedankeneinschübe und Grübeleien von Winter und seinen Kollegen dabei. Diese Gedankengänge unterbrachen teilweise die gerade in Schwung gekommene Geschichte und so zog sich der Fall diesmal erstaunlich lang. Interessant waren die Lösung und die Gründe für die Morde und vorallem die Verstrickungen der Familien. Auch die Entwicklung von Erik Winter und seiner Familie und die Geschichte rund um die neue Kollegin von Winter fand ich gut. Aber insgsamt hat mich dieser Ake Edwardson Fall nicht 100% überzeugt. Er kann es besser und ich hoffe auf den neusten Fall von Erik Winter.

    Inhalt:
    Zwei Zwillingsschwestern - die eine in London, die andere in einem kleinen kurdischen Dorf. Pembe und Jamila verbindet eine tiefe Liebe, und beide kämpfen sie gegen die Widrigkeiten des Lebens. Während Jamila in der Türkei als Hebamme hart arbeiten muss, wird von Pembe in London als Mutter dreier Kinder ein fester Charakter gefordert. Als Pembes Mann sie verlässt, ihre Kinder eigene Wege gehen und sie selbst eine neue Bekanntschaft macht, wird eine Kette von Ereignissen ausgelöst, an deren Ende ein erschütternder Mord steht. (Cover)


    Meine Meinung:
    Ich kannte Elif Shafak vor diesem Buch nicht. Jedoch konnte sie mich schon mit der Leseprobe einfangen und begeistern. Das Buch habe ich genossen und konnte es kaum aus der Hand legen. Shafak hat einen so wunderbaren Schreibstil, der einfach nur einlädt beizubleiben. Die Geschichte ist aus einem Guss ohne Störungen oder Ungereimtheiten (zumindest sind mir keine aufgefallen). Elif Shafak zieht mit ihrer Familiengeschichte den Leser in ihren Bann und verschafft ihm einen Platz als stiller Beobachter und Zuhörer. Man muss sich anfangs daran gewöhnen, dass die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird und vor allem zwischen den Jahren hin und her wechselt. Eine kleine Hilfestellung bieten hier die Kapitelüberschriften. Hat man sich erstmal daran gewöhnt, ist es nicht mehr schwer der Geschichte zu folgen.


    Elif Shafak greift ein Thema auf, welches in Europa eher auf Unverständnis und Entsetzen stößt. Häufig kann man die Gründe für eine solche Tat - Ehrenmord - nicht nachvollziehen. Es fehlt das Wissen über die Religion und das Leben der Menschen und genau hier setzt Elif Shafak an. Sie erzählt von einer Familie, die ihre Wurzeln in einem kurdischen Dorf haben. Die Familie zieht jedoch bald nach Istanbul und schon dort erfährt man von den vielen kleinen und großen Unterschieden und den Problemen unter Kurden und Türken.
    Pembe, ihr Mann und ihre Kinder (Iskender, Esma und Yunus) ziehen weiter nach London und erst hier werden die kulturellen Probleme so richtig sichtbar. Pembe versucht die Traditionen der Heimat mit in das pulsierende Leben von London mitzunehmen und stößt dabei immer wieder an Grenzen. Doch nicht nur ihre Kinder entwickeln sich weiter, auch sie bekommt die Chance das Leben neu zu entdecken mit Elias.


    Während dessen lebt und arbeitet Jamila, ihre Zwillingsschwester weiter in der alten Heimat als Hebamme und (er)lebt die Traditionen des Landes bewusst mit. Das unterschiedliche Leben der Schwestern und doch die enge Verbundenheit, die sie haben, machen das Buch noch interessanter. Elif Shafak schafft es den Spannungsbogen zu halten und immer wieder kleine Impulse zu setzen. Der Sohn von Pembe, Iskender, erzählt sehr eindrucksvoll aus seiner Sicht über das Leben in London, seiner Erziehung und seiner Einstellung zum Verhalten der Familienmitglieder. Er, der Sultan, wie ihn seine Mutter nannte, muss jedoch auch lernen, dass London nicht das Dorf am Euphrat ist.


    Elif Shafaks "Ehre" wird nicht mein letztes Buch von ihr sein, denn sie schreibt mit so viel Liebe zum Detail ihre Geschichte, dass man das Gefühl bekommt, sie hat sie selbst erlebt.


    Edit: Name der Autorin im Threadtitel ergänzt. LG JaneDoe

    Das Buchcover und der Titel des Buches haben mich sofort angesprochen. Wer ein Bücherfreund ist, den ziehen Bücherregale magisch an und wenn im Buchtitel noch das Wort Buchhandlung auftaucht, dann ist es fast schon Pflicht, das Buch zu lesen.


    Ich hatte mich auf das Buch gefreut und es ging auch ganz spannend und interessant los. Leider hielt sich diese Lesefreude nicht so lange. Die Geschichte verlor ihren Charme als die Computer und die Scanner die Macht übernahmen. Die Spannung verpuffte mit jedem weiteren "Google"-Wort und so zog sich das Lösen des Rätsels über die Seiten und schaffte es leider nicht mehr mich zu fesseln.


    Auch die Figuren waren mir zu sehr Nerd und zu sehr in ihrer eigenen Welt gefangen. Sie waren, für mich, zu oberflächlich und ohne Ecken und Kanten. Ich konnte keinen Bezug zu den Charakteren aufbauen und fand mich auch in ihrer Welt nicht wieder. Mir fehlte auch die versprochene Liebeserklärung an die Welt der Bücher. Ich fand sie leider nicht.


    Letztendlich war ich froh, als die Geschichte zu Ende war. Leider kein Buch über Bücher, deren Geheimnisse und spannenden Inhalt. Es wäre schön gewesen. Schade.

    Der Horror für jeden Menschen passiert der tauben Dana Halter. Ihre Identität wurde gestohlen und nun benutzt der Dieb sie, um sich ein schönes Leben damit zu finanzieren. Und Dana? Sie muss beweisen, dass sie nichts mit den Einkaufen, den Verträgen usw. zu tun hat. Sie verbringt Tage mit Grübeln und Zittern, mit der Wut und dem Zorn auf den Dieb. Mit ihrem Freund Bridger macht sie sich auf die Suche nach dem Phantom. Sie kommen ihm näher und doch entwischt er ihnen immer wieder. Er scheint stets einen Schritt voraus zu sein. Noch bevor sie ihn schnappen, hat er schon die Identität eines anderen angenommen.


    T.C.Boyle hat einen spannenden Thriller geschrieben, welcher sehr gut von Jan Josef Liefers vorgelesen wird. Er schafft es mit seiner Stimme die verschiedenen Charaktere so interessant herauszuarbeiten, dass man sich die Personen gut bildlich vorstellen kann. Die Geschichte gibt nur stückenweise ihre Geheimnisse preis und schafft damit eine gute Spannung. Immer wieder gibt es Rückblicke in das frühere Leben der Figuren. Diese Szenen machen sie dem Hörer greifbarer und man kann sich besser in sie hineinversetzen. Die Interpretation von Natalia, der russischen Verlobten von Peck, ist sehr gelungen. Es werden hier zwar alle Klischees erfüllt, jedoch wirkt sie symphatisch und sie schafft es, dem Hörer ein Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern. Dana Halter wirkt im Gegensatz zu ihr etwas hölzern und unbeholfen, doch dies wird sich ändern, denn durch die Jagd auf Peck verändert sie sich langsam und dies bekommt auch Bridger zu spüren und zu hören.


    Manchmal etwas übertrieben und laut, dann wieder leise Töne für die Seele machen diese Geschichte interessant. Schnell waren die 4 CDs gehört. Die Geschichte hatte alles, was man sich für einen guten Thriller wünscht.

    Ich hatte dieses Buch empfohlen bekommen und habe mich (leider) ewig davor gedrückt es zu lesen. Warum? Der Covertext hat mich glauben lassen, dass ich den Leidensweg der Vanessa lesen muss. Wie sie langsam verhungert und verdurstet und wie sie um ihr Leben kämpft. Das wäre mir zu hart gewesen. Nachdem ich mich nun aufgerafft und einfach mal losgelegt habe, wurde ich eines Besseren belehrt. Die Befürchtungen blieben aus, dafür las ich einen spannenden und interessant verstrickten Roman, der mir wieder gezeigt hat, wie gut Charlotte Link schreibt.


    Die Geschichte ist spannend, gut aufgebaut und teilweise undurchsichtig. Ich hatte trotzdem schnell einen Verdacht, wer es sein könnte, aber meine Argumente waren andere. Die Figuren sind greifbar und realistisch. Fast alle Figuren entwickeln sich in der Geschichte weiter und zeigen ihre verschiedenen Seiten. Teilweise überraschend, teilweise vorhersehbar, aber immer gut in die Geschichte eingepackt, werden Charaktere gezeigt, die man überall antreffen kann. Mit manchen Personen konnte man sich besser identifizieren, mit anderen Personen und deren Ansichten so gar nicht. Charlotte Link schaffte es, die Spannung sehr lange hoch zu halten. Erst am Ende (auf den letzten Seiten) wird es etwas langatmig. Sie verliert sich dann in zu viele Details und Einzelheiten, die sie sonst in der ganzen vorherigen Geschichte nicht so sehr ausgebaut hat.


    Insgesamt ist es aber eine spannende Geschichte mit vielen Verstrickungen und Überraschungen und interessanten Charakteren.

    Was für ein Spaß in der Heide mit Schnucke. Ein Regionalkrimi mit vielen Verwirrungen, einer guten Portion Misstrauen, einigen Missverständnissen und natürlich einem Mord.


    Hanna Petersen ist nicht die diplomatischste Kommissarin und so wird es für sie schwerer als gedacht - hier in Hasellöhne. Sie ist der "Ersatz" für den geliebten Karl. Dabei wollte sie nicht wirklich nach Hasellöhne in die Provinz, aber sie musste. Weg von der Liebesleiche, weg von der alten Arbeitsstelle, weg von dem Ärger und nun sitzt sie zwischen den Heideschnucken und den verstockten Dorfbewohnern und muss einen Mord an einem Hamburger Jagdteilnehmer aufklären. Was für ein Einstieg. Hanna ist noch gar nicht so richtig angekommen und sticht schon in ein Wespennest. Doch sie beißt sich durch. Mit ihrer direkten und schroffen Art stößt sie so manchen Dorfbewohner vor den Kopf und so muss gelegentlich der neue Mitarbeiter, ein germanischer Gott, die Wogen wieder etwas glätten.


    Brigitte Kanitz hat einen witzigen und charmanten Heidekrimi geschrieben. Die Figuren sind sehr gut getroffen. Sie hat Charaktere geschaffen, die man mag und mit denen man gern einen Mord aufklärt. Hanna ist laut, polternd, direkt und doch auch empfindsam, zuhörend und vorallem klug. Sie spürt, wenn sie belogen wird und hinterfragt sehr viel. Ich fand ihre Gespräche mit ihrer inneren Stimme immer wieder witzig. Man hatte das Gefühl, dass sie auch stets einen kleinen Kampf um das "Rechthaben" mit ihrer inneren Stimme führt. Ihre Vorliebe für potthässliche, sitzende Froschaugengäule macht sie noch mehr symphatisch und vorallem nahbar. Auch ihr falterndes Herz schafft eine Nähe, die sie sonst mit ihrer schroffen Art nicht immer hat.


    Aber auch die anderen Figuren wissen in diesem Buch zu überzeugen und man kann nur hoffen, dass Frau Kanitz noch einen weiteren Mord in der Heide aufklären möchte und somit die Kommissarin und ihre Dorfbewohner wieder in Action treten können.

    Elke Heidenreich und Bernd Schroeder zusammen in einem Buch verspricht kluge und witzige, traurige und bissige Dialoge, nachdenkliche Momente, erschreckend ehrliche Ansichten und Lesevergnügen.
    Auch diesmal haben sie es geschafft, die Ehe, die Liebe und die Wahrheit ohne Schnörkel klar darzustellen. Elke Heidenreich als die leidenschaftliche Lore, die es vor der Gemeinsamkeit mit ihrem Ehemann graut, weil sie nun beide zu Hause sein werden. Sich jeden Tag sehen, nicht mehr aus dem Weg gehen können und all seine Macken ertragen zu müssen. Vielleicht kommen noch neue hinzu und was hat sie überhaupt einmal an ihn geliebt. Harry (Bernd Schroeder) sieht es nicht ganz so dramatisch-aus männlicher Sicht. Doch auch er hadert mit sich, der Gemeinsamkeit und dem Leben. Beide müssen nun noch eine Hochzeit der eigenen Tochter hinter sich bringen. Die 3. Warum, wieso und was ist falsch gelaufen? Werden die Vorstellungen für ein gemeinsames Rentnerdasein sich erfüllen? Werden sie auf ihre letzten Jahre glücklich sein (oder wieder werden)?
    Das Buch wird einmal aus der Sicht der Lore und einmal aus der Sicht von Harry geschrieben. Es ist schon erstaunlich wie unterschiedlich (oder auch mnachmal nicht) die Geschlechter (selbst nach so vielen gemeinsamen Jahren) denken und fühlen. Man mag beide sehr gern und wünscht sich immer wieder, dass sie endlich miteinander reden würden. Das Ende stimmt traurig und nachdenklich und hinterlässt einen beklemmenden Moment. Gut so, einfach mal die eigene Beziehung überdenken und Fragen stellen. Manchmal hilft es.

    Ein, für mich, stark beklemmendes und schwer zu lesendes Buch, welches mit seinem Schreibstil und den Worten unter die Haut geht. Man ist mittendrin und leidet mit, ist entsetzt und genauso hilflos wie der Magistrat. Zwischendurch musste ich das Buch beiseite legen, um das Gelesene zu verarbeiten und die Bilder im Kopf zu ordnen. Es ist kein leichtes Buch, es erschüttert, auch wenn man weiß, dass es sich hier um eine fiktive Geschichte handelt. Denn die Parallelen zu bestimmten Ländern und deren Regierungen sind da und machen deutlich, dass in der Realität so manches beschriebene Verhalten leider doch stattfindet.

    Severin Boesherz hat alle Hände voll zu tun. Zu viele Leichen innerhalb zu kurzer Zeit bringen eine ganze Stadt (Berlin) in Aufregung. Wer tötet scheinbar wahllos und so grausam? Und was bedeuten die Zahlen, die immer wieder neben den Leichen auftauchen? Boesherz und sein Team müssen sich beeilen, wenn es nicht noch mehr Tote geben soll. Oder kommen sie schon zu spät?


    Severin Boesherz ist ein neuer Kommissar am deutschen Ermittlermarkt und unterscheidet sich doch um einiges von den bisherigen Ermittlern. Er ist schick, sehr schick und eitel. Achtet auf die Etikette (wenn es geht), liebt den Luxus und den Wein. Auch die Frauen und die Opernmusik weiß er zu schätzen. Und trotzdem hat er wieder etwas mit den anderen Kommissaren gemein. Er ist etwas eigen und zieht sich gern zurück und geht immer wieder seinen Weg ohne das Team und ohne Absprache. Bis es auch für ihn gefährlich wird.


    Vincent Kliesch schafft bereits nach nur wenigen Seiten eine gute Spannung, die auch bis zum Schluss anhält. Er gibt immer wieder kleine Puzzelteile frei und lässt so den Leser an der Suche teilhaben. Der Schreibstil ist gut zu lesen und man kann sehr gut in die Geschichte abtauchen. Manchmal waren mir die Art der Tötungen zu brutal, aber es passte dann doch immer wieder in diese Geschichte. Vorallem das Ende hat mich überrascht.


    Einen Stern bekommt er von mir abgezogen, weil ich die ständige Erwähnung und Beschreibung eines großen Autos und eines Weines nervig und vorallem unnötig fand. Fast hatte man das Gefühl er macht dafür Werbung.


    Insgesamt (ohne Werbung) fand ich den Thriller sehr gut und spannend und würde auch den zweiten Fall (den es hoffentlich geben wird) gern lesen.

    Olga muss ihre Taschen packen und Berlin schnellstmöglich verlassen. Denn Berlin ist für sie kein sicherer Ort mehr. Erst recht nicht, als sie einen Kollegen in Notwehr erschießt.
    Sie wird nach Kiel versetzt. Ausgerechnet. Denn aus dem hohen Norden stammt Olga Island (wie passend der Name) und eigentlich wollte sie so schnell nicht wieder zurück. Doch nun muss sie direkt in einem Mord ermitteln - keine Zeit für Umstellung und Eingewöhnung, für Kennenlernen und Wohnung suchen. Eine Pension muss reichen und schon startet sie in eine turbulente Woche mit wenig Schlaf, feuchten Leichen und noch weniger Spuren. Das Team läuft noch nicht reibungslos und als Neue muss sie erst noch ihren Weg finden.


    Auch die Autoren braucht ein paar Seiten, um "warm zu laufen", aber dann schreibt sie in einem flüssig zu lesenden Stil eine Geschichte rund um Kiel (wahrscheinlich gerade für Kieler interessant) und einem Mörder, der kaum Spuren oder Hinweise hinterlässt. Kein spektakulärer oder atemraubender Krimi, aber ein guter, solider "Schlechtwetter-Couchkrimi", der gut unterhält und nachts schlafen lässt ;-).

    Eine Frau beschwört die Liebe des Mannes noch einmal hervor, der nun im Koma liegt. Sie erzählt die Entstehung der Liebe und ihre Gefühle zu ihm aus ihrer Sicht und dreht und wendet alles in ihrer Liebe und Zuneigung zu ihm noch einmal um. Das ganze Buch handelt ausschließlich von ihnen und der Liebe zueinander.
    Ich muss zugeben, dass ich wohl für dieses Buch nicht die richtige Leserin war/bin. Mir war es teilweise zu viel und zu schwer (zu lastig?). Ich kam mit Roger Willemsens Gedanken nicht immer mit und konnte mich phasenweise auch nicht in die Person hineinversetzen. Teilweise empfand ich das Buch schleppend und ermüdend (und das bei Roger Willemsen!).
    Gern lese ich seine Bücher und fand auch seinen Schreibstil immer angenehm. Besonders sein Humor hat mir immer gefallen, aber diesmal hat die Chemie zwischen der Geschichte und mir leider nicht gestimmt.

    Ich habe schon einige schwedische Krimis gelesen und bisher bin ich kaum enttäuscht worden. Auch dieses Buch hat sich wieder gut lesen lassen und entsprach einen guten soldien schwedischen Krimi mit zerrissenen Personen wie Stina Forss, Balthasar Melchior Frost und andere, einer Suche gegen die Zeit und schwedischer Natur.
    Stina Forss wechselt nicht nur das Land (von Deutschland nach Schweden), sondern will auch ihr bisheriges Leben ändern. Sie weiß, sie muss ihren kranken Vater besuchen, doch bisher hat sie es noch nicht geschafft, weniger aus Zeitmangel, vielmehr aus Angst vor dem Wiedersehen. Ihre Beziehung in Deutschland hat sie beendet und doch folgt sie ihr auch bis in die südschwedische Provinz.
    Kaum ist sie angekommen, muss sie sich um einen Mord an einen alten Schmetterlingszüchter kümmern. Zusammen mit ihrer neuen Chefin Ingrid Nyström, die selbst gerade erst befördert worden ist, versucht sie den Mörder zu finden, denn der Schmetterlingszüchter wurde stark misshandelt. Was beide Frauen finden, verwirrt sie und bringt sie immer wieder in neue Sackgassen. Bis Stina auf eigene Faust nach Jerusalem fliegt und einige Entdeckungen macht, die den Fall in eine neue Richtung lenken.
    Die Geschichte an sich ist gut und auch sehr gut geschrieben, jedoch verlieren sich die Autoren manchmal zu sehr in Details und Naturbeschreibungen. Dadurch zog sich die Geschichte unnötig und wurde leicht langatmig. Insgesamt würde ich den beiden Autoren allerdings noch einmal eine "Chance" geben, denn die Geschichte war gut und schön verzwickt aufgebaut.