Beiträge von leselampe

    Kurzinhalt:

    Inmitten von Provinzleere, am Rande einer kaum frequentierten Landstraße, führt Herbert Szevko gemeinsam mit seiner resoluten Mutter eine alte Tenkstelle. Herbert ist lang, dünn, von mäßigem Verstande und Epileptiker. Eines Tages taucht im Dorf Hilde auf, im Gegensatz zu Herbert klein und dick, und lächelt sich in Herberts Herz. Sie arbeitet als Putzfrau im Hallenbad und Herbert trifft die Liebe wie ein Schlag. Er macht sich auf, Hilde zu erobern, ohne Plan, aber mit Erfolg. Genauso planlos geht es weiter. Herbert erschlägt das Dorfekel Greiner, als er Hilde vergewaltigen will, beide ergreifen die Flucht und schleppen dabei Herberts schwerkranke Mutter mit. Alles endet in einem grandiosen Showdown. Die Tankstelle mitsamt Herbert, Hilde und dem Fisch Georg fliegt in die Luft.


    Meine Meinung:

    Ich liebe Robert Seethaler. Seine Sprache ist so wunderbar leicht, einfach, humorvoll treffend und dabei voller Poesie und von einer großen Empathie für seine Figuren. Er braucht nicht die große Weltbühne, um großartige Literatur zu schreiben. Seine Bühne ist die Welt der kleine Leute, der Abgehängten, die sich tapfer dem Unausweichlichen stellen. Einfach wunderbar. Sonst kann ich dazu nichts sagen.


    Robert Seethaler

    Die weiteren Aussichten

    Verlag Kein & Aber

    ISBN: 9783036955254


    ASIN/ISBN: 3036959475

    So gesehen hast du natürlich Recht Mariion, natürlich steckt hinter diesen ganzen Wortkürzeln etwas Reales. Es ging mir hauptsächlich nur darum, wie unser Hirn funktioniert. Es kann nur zuordnen, was es bereits erkennt oder erlernt hat.Wenn ich noch nie mit einem Bus in Kontakt gekommen wäre, wüsste ich auch nicht, was das Wort bedeutet. Tja, unser Hirn ist zwar ein Riesencomputer, muss aber auch erst einmal mit den Daten gefüttert werden, die ihm unser Bauch (hören, sehen, riechen, schmecken, be-greifen, fühlen) übermittelt. Danke für deinen Like. :zwinker

    LG

    Leselampe

    Jetzt mal was anderes zu SuB. Immer wenn ich dieses Wort sehe macht mein Hirn sofort Bus draus. Wahrscheinlich, weil ein Bus etwas ist, was real ist, im Gegensatz zu SuB, das eigentlichkein Wort, sondern nur eine Aneinanderreihung von beliebigen Abkürzungen ist. Das bringt mich schon ins Grübeln im Bezug auf Realität, wenn ich unsere Sprache betrachte, die immer mehr auf beliebige Kürzel geschrumpft wird, die wahrscheinlich nur noch von der KI verstanden wird, die, im Gegensatz zum Hirn von der Realität abgekoppelt ist.

    Werd ich mir in der Bücherei bestellen. Das Alte Testament ist ja eine wahre Fundgrube an schillernden Charakteren. Spannender als mancher Thriller. Und ein Fundus an uralten Wahrheiten und Erfahrungen.

    Robert Seethaler - Jetzt wirds ernst


    Klappentext: Mit ungestümer Zärtlichkeit, entwaffnendem Humor und ganz dicht dran an seinen Figuren schildert Robert Seethaler den Werdegang eines Jungen aus einer kleinen Provinzstadt, der es auf Umwegen schafft, seinen Traum zu verwirklichen. Dabei erzählt er von Freundschaft, Mädchen, Sex, Geburt, Tod, dem Theater, schlechten Frisuren und pinkfarbenen Chevrolets. Dem ist wenig hinzuzufügen. Außer, dass man sich wundert, wie spannend das ganz normale Leben ist.


    Ich habe Robert Seethaler ziemlich spät entdeckt und er entwickelt sich zu einem meiner Lieblingsautoren. Seine Sprache erscheint manchmal unverblümt und ehrlich, aber nie ordinär. Seine Schilderungen sind voll mit prallem Leben und zärtlichem Einfühlungsvermögen bis hin zu schmerzlichem Mitleiden, dem ich mich als Leser einfach nicht entziehen kann.

    Großartig.

    Seltsamerweise kann ich mich gar nicht erinnern, in der Schule Böll gelesen zu haben. Diverse Erzählungen von Borchert, Romane von Musil und Anna Seghers, aber kein Böll.

    Vielleicht habe ich auch Erinnerungslücken.

    Böll ist ja auch ein konsequenter Sozi und Menschenfreund, der den Kölner Dom abreißen würde, um einen Menschen zu retten. So was war zu meiner Schulzeit - 60er und 70er - sehr suspekt. Wir haben ihn auch nicht gelesen.

    Ich meinte nicht AKK als Verteidigungsministerin sondern als Parteivorsitzende. Die Begeisterung, mit der sie in Seeon in den Verjüngungsvorschlag Söders einstimmte erinnerte mich an ihren ersten Auftritt mit Pompeji, bei dem sie sich so devot und unterwürfig gab, dass mir fast schlecht wurde. Und lustig ist natürlich ironisch gemeint, außer man findet, dass jemand, der sich über andere lustig macht, selber lustig ist.

    Ich kannte diese Ballade von Schiller noch nicht. Das Thema des Menschen, der die Natur (Gott, Schöpfer) erkennen will, um dann selbst zu sein wie Gott, ist ja des öfteren literarisch verarbeitet worden. Und nicht umsonst ist bei Naturvölkern das "Erkennen" eines Menschen (Foto, Namen) verbunden mit der Gewalt über ihn. Adam bekam Gewalt über die Dinge im Paradies, weil er ihnen einen Namen gab. Im Alten Testament spricht Gott auf die Frage nach seinem Namen "Ich bin der Ich bin". Jeder kann sich selbst ausmalen, was der Jüngling gesehen hat. Es spielt sich ja vor unserer Nase ab. Der Mensch geht an sich selbst zugrunde, weil er die Natur niemals beherrschen, sondern durch seine Gier nur zerstören kann.

    Gestern während der ARD-Nachrichten hat sich mir ein Bild gezeigt, das an Symbolkraft kaum zu überbieten ist. Annegret Kramp-Karrenbauer auf der CSU-Klausur, eingeklemmt zwischen zwei Baumstämmen (einer davon mit intelligenter Brille, der andere ohne) aus den bayerischen Urwäldern. Sie tat mir direkt leid. Aber selbst schuld. Die Bayern bieten sich als letzte Zuflucht für die lustige Annegret an. Und sie geht ihnen glatt auf den Leim. Annegret :gehbuegeln

    Rob Alef

    Immer schön gierig bleiben

    Rotbuch Verlag

    ISBN:978-3-86789-184-4




    Zum Autor: (Buchdeckel)

    Forb Alefs Geschichten spielen in einer bis zur Kenntlichkeit verfremdeten Welt, in der Detaillierte Recherchen und Phantastik, präzise Dialoge und eigenwillige Figuren voll satirischer Momente ihre ganz eigene Sogwirkung entfalten.


    Mein Eindruck:

    Ein spannender, höchst amüsanter Kriminalfall, in dem Fiktion und Wirklichkeit ganz selbstverständlich miteinander verwoben sind.

    Als auf einem Friedhof in Berlin eine geschminkte Frauenleiche gefunden wird, gehen die Ermittlungen ergebnislos in alle möglichen Richtungen. Schließlich entscheidet sich Hauptkommissar Pachulke, einen untergetauchten Rechtsmediziner einzubinden. Er hat eine Erfindung gemacht, mit der man das letzte Bild, das ein Mensch vor seinem Tod sieht, auf der Iris abbilden kann. Er wohnt im Kopf eines Denkmals für den unbekannten Soldaten, der von einem riesigen Plastiktütenberg schon fast zugedeckt ist. Früher war da mal der Treptower Park an der Spree, heute wohnen in dem Plastikberg Menschen, die keine Wohnung in der Stadt bekommen. Sie haben sich Höhlen gegraben. Für die Polizei ist die Gegend eine no-go-area. In aller Öffentlichkeit lädt hier das ganze Land Brandenburg seinen Plastikmüll ab. Erinnert frappierend an die Müllberge in der Dritten Welt und ist wahrscheinlich auch bewusst so gedacht. Die Jagd nach dem Mörder ist irrwitzig, höchst spannend und manchmal auch skurril, die Übergänge von Realität und Fiktion manchmal nicht auf das erste durchschaubar. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen. Höchst empfehlenswert für Liebhaber intelligenter Krimis.

    Florian Illies

    1913. Der Sommer des Jahrhunderts

    Verlag S. Fischer

    ISBN: 978-3-10--036801-0






    Ich habe dieses Buch in einem Buchregal am Wörthsee gefunden, in dem ich schon manche Perle entdeckt habe. Es ist kein eigentliches Sachbuch, kein Roman, keine Biografie, aber von allem etwas, verwoben zu einem grandiosen Gemälde, das sich spannend und höchst amüsant liest. Florian Illes studierte Kunstgeschichte und war Feuilletonchef verschiedener großer Zeitungen. Er schreibt flüssig und kurzweilig und verflicht geschichtliche Tatsachen mit den privaten Kalamitäten der Personen, die dieses Jahr prägten. Ich habe es in einem Rutsch gelesen.


    Dazu der Text auf der Rückseite:

    Virtuos entfaltet Florian Illies das Panorama eines unvergleichlichen Jahres, in dem unsere Gegenwart beginnt. In Literatur, Kunst und Musik werden die Extreme ausgereizt, als gäbe es kein Morgen. Proust sucht nach der verlorenen Zeit, Malewitsch malt ein Quadrat, Benn liebt Lasker-Schüler, Strawinsky feiert das Frühlingsopfer, Kirchner gibt der Metropole ein Gesicht, Kafka, Joyce und Musil trinken am selben Tag in Triest einen Cappuccino - und in München verkauft ein österreichischer Postkartenmaler namens Adolf Hitler seine biederen Stadtansichten.

    1913: Anfang und Ende, Triumph und Melancholie verschmelzen, alles wird Kunst. Nach diesem Sommer ist nichts mehr, wie es war. Wie kein anderer erweckt der elegante Stilist Florian Illies mit leisem Humor den Zauber eines Schlüsselmoments der Kulturgeschichte zum Leben.


    Dazu von mir:

    Unbedingt lesenswert. 10 Eulenpunkte

    Ich suche Bücher von Hans Hellmut Kirst. Vor allem Krimis. Er stammt noch aus dem gleichen Jahrhundert wie ich, dem 20. Vielleicht hat jemand einen Verwandten oder Bekannten, der ihn noch kennt. Gelesen habe ich "Alles hat seinen Preis" und "Gier nach Geld". Wunderbar spannend und gut geschrieben. Leider gibts die Bücher, glaube ich, nur noch antiquarisch.

    LG :adventskranzleselampe

    Hallo, Wolke,

    ich weiß gar nicht, was ich sagen (schreiben) soll. So dämlich kann auch ich mich nur anstellen. Ich kann anscheinend heute noch nicht richtig mit dem Forum umgehen. Ich habe zwar reingeschaut, ob ich auf mein Angebot eine Antwort kriege und habe nichts gefunden. Da hab ich angenommen, ihr braucht keine Geschichte mehr. Ich schäme mich fürchterlich und es tut mir auch schreicklich leid, aber das hilft auch nichts. Bis heute Abend spätestens habt ihr meine Geschichte. Ich muss nur was umschreiben. 1000 x Entschuldigung.

    Völlig zerknirscht

    Leselampe