Beiträge von leselampe

    Die App

    Psychothriller

    Arno Strobel

    ISBN 978-3-596-70355-5



    Inhalt:

    Mehrere Menschen verschwinden aus ihren Häusern, die mit einem neuartigen KI-System ausgestattet sind. Auch Linda, die mit Hendrik neu in ihr Smart Home einzieht, verschwindet eines nachts einfach spurlos. Nach und nach stellt sich heraus, dass jemand sich in das System einstehlen kann. Die App, die für Sicherheit sorgen soll, öffnet anscheinend selbständig Türen, damit die Entführer in die Häuser eindringen können. Eine etwas mysteriöse Frau, Alexandra, hilft Hendrik seine Frau zu finden. Sie steht in Kontakt mit Marvin, einer Hackergröße im Darknet. Daneben gibt es zwei Kommissare, die sich gegenseitig beschuldigen, nicht ganz sauber zu sein, aber sich hartnäckig weigern, nach den vermissten Personen zu suchen. Als Hendrik selbst auf dem Seziertisch eines wahnsinnigen Chirurgen landet, werden er und Linda im letzten Augenblick gerettet.


    Meine Meinung:

    Ich bin ziemlich enttäuscht. Die Geschichte selbst finde ich spannend. Aber was Strobel daraus gemacht hat, ist höchstens Thriller light. Die Figuren sind flach. Psychologisches Gespür kann ich nirgends entdecken. Keine der Figuren wird vor meinen Augen lebendig. Selbst die Person Hendriks besteht hauptsächlich aus Angst um seine Frau. Die Charaktere sind nur andeutungsweise gezeichnet. Am meisten hat mich der rührselige Epilog geärgert, in dem der Kopf der Verbrecherbande versucht, seinem Handeln ein moralisches Mäntelchen umzuhängen, und er um Verständnis für sein Verbrechen bittet. Ein guter Psychothriller muss unter die Haut gehen. Der hier tut das nicht. Zu einfach gestrickt. Einem gut geschriebenen Thriller macht es auch nichts aus, wenn man weiß, worum es geht. Und so finde ich die Bitte des Autors, doch nicht zu verraten, dass es hier um Organspende geht, ein bisschen komisch. Zumal sein Plädoyer für Organspende in Verbindung mit dem rührenden Bekennerbrief des Hauptschurken für mich ein kleines Geschmäckle hat.

    Ich bin durch einen Verriss der Verfilmung im Literaturcafe auf das Buch aufmerksam geworden. Noch selten hat mich ein Roman derart berührt und gefesselt. Jede der Figuren ist von der Autorin mit Herzblut gezeichnet. Und das wunderbare Gespür für Sprache hat mich einfach fasziniert. Das findet man nicht so oft. Muss man einfach lesen. Höchste Punktezahl.

    Warum soll das in Zukunft was kosten? Statt im Laden berät er halt übers Internet. Ich wäre zum Beispiel froh, wenn mir jemand wirklich gut geschriebene Bücher empfehlen könnte. Ich steh immer da wie der Ochs vorm Berg und kapituliere vor den Lobpreisungen der Verlage. Seit ich weiß, dass die Verlage Bonuszahlungen ausschütten, vertraue ich auch den Buchhändlern nicht so richtig. Schließlich müssen sie von ihrem Geschäft leben, was ich durchaus verstehe.

    Für diejenigen, denen es Spass macht, beim Spielen ihre grauen Gehirnzellen anzustrengen, habe ich genau das Richtige. "Maxma". Kennt noch niemand außer unserer Familie und unseren Bekannten, denn wir haben es selbst kreiert. Für zwei oder vier Spieler. Ein Spiel mit Zahlen, aber keine Angst! Man muss nicht rechnen (addieren und Dreier-Einmaleins sind das einzige, was man können sollte, geht aber auch ohne.).

    Es geht um Primzahlen (die beißen nicht). Das Prinzip ist wie bei Rummikub, ist aber nicht auf eine Zahlenreihe beschränkt. Nachdem mir das zu langweilig wurde, kam die Idee mit den Primzahlen.

    Jeder Spieler erhält eine Tabelle mit den Primzahlen von eins bis 999, dazu Spielsteine, mit denen er dreistellige Primzahlen auslegen kann. Um seine restlichen Steine loszuwerden, kann jeder Spieler die ausliegenden Zahlen zerlegen und für sich verwenden, muss jedoch immer wieder Primzahlen bilden. Es hört sich vielleicht jetzt sehr trocken an, ist aber sehr spannend. Allerdings ohne Bildchen, Figuren, Glückskarten usw. Leider haben es ämtliche Verlage als Rechenspiel eingeordnet, und rechnen will niemand. Es ist aber ein Kombinationsspiel und macht viel Spaß. Sogar meine Tochter, die Angst vor Mathe hat, fand es super. Wer in oder um München wohnt, (am Besten im Westen) der könnte mal zu uns kommen und sich das ansehen. Bis jetzt existiert nur ein Prototyp, den ich nicht aus der Hand geben will.

    Aus dem Klappentext:

    Der betuchte Frankfurter Großbürgersohn und der Seifensiedersprössling aus Greifswald, der Herr der Sprache und der Maler, der weder richtig reden noch richtig schreiben kann, der diplomatische Minister und der Habenichts ohne Manieren - Johann Wolfgang von Goethe und Caspar David Friedrich. Doch eines verbindet sie: Beide sind gebannt von der Erkundung der Wolken. Goethe als Forscher, der das Phänomen der Wolken wissenschaftlich katalogisieren will, Friedrich als Künstler, der in der Natur Gott sucht. Gegensätzlicher geht es wohl kaum. Und keiner geht auf den anderen zu.


    Meine Meinung:

    Ein gut geschriebenes, amüsant und auch spannend zu lesendes Buch. Was mich als erstes fasziniert hat, ist die Sprache der Autorin. Meisterhaft, progressiv und ungemein bunt. Die Handlung am Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhunterts ist spannend und interessant. Man erfährt manches über den Menschen Goethe, was ihm wenig Sympathie einbringen dürfte. Jedenfalls bei mir. Ich kann das Buch nur empfehlen. 9 von 10 Punkten.



    Lea Singer

    Anatomie der Wolken

    Büchergilde Gutenberg

    ISBN: 978-3-7632-6835-1

    Wolf Haas

    Das Wetter vor 15 Jahren

    Hoffmann und Campe

    ISBN: 978-3-455-40004-5


    Unter dem Eindruck seiner Brenner-Krimis und seines Romans "Junger Mann" habe ich unvoreingenommen einfach mit dem Lesen begonnen, dann aber nach hinten durchgeblättert und dann etwas gestutzt. Ein Roman, der eigentlich nicht als Roman existiert, sondern nur im Interview mit einer Literaturzeitung entsteht, bzw. im Kopf des Lesers entstehen soll. Auf Seite 50 habe ich abgebrochen. Als Experiment ungewöhnlich und von der Kritik hochgelobt, mit dem Wilhelm-Raabe-Preis ausgezeichnet, finde ich es irgendwie als Zumutung. Wahrscheinlich verstehe ich nichts von moderner Literatur, so wie mich auch die Kubisten oder die Schmierereien eines Baselitz nicht berühren. Und das soll Kunst und vor allem Literatur. Kann mir jemand sagen, ob es besser wird?


    ASIN/ISBN: 3455400043

    Inhaltsangabe:

    Quincy Miller, ein junger Afroamerikaner, soll seinen früheren Anwalt erschossen haben. Trotz fehlender Beweise wird er zu lebenslanger Haft verurteilt und sitzt seit 22 Jahren im Gefängnis. Er wendet sich an die gemeinnütiger Organisation Guardian Ministries, die es sich zur Aufgabe gemachthat, unschuldig Verurteilte zu rehabilitieren. Cullen Post, der dortige Anwalt, übernimmt seinen Fall und erreicht eine Wiederaufnahme des Verfahrens, das mit seinem Freispruch endet.


    Meine Meinung:

    John Grisham ist ein Routinier und weiß, wie er den Leser bei der Stange hält. Aber alles läuft sich einmal tot. Dieser Roman liest sich wie eine Blaupause seiner anderen Justizthriller. Ab dem zweiten Drittel läuft alles wie am Schnürchen für Cullen Post, außer einigen notwendigen Störungen, die sich natürlich auch auflösen. Und wie schon in seinen anderen Thrillern, taucht dann der dringend benötigte wohl gesinnte Richter auf, und alles wendet sich zum Guten. Ich wollte das Buch ab der Mitte nicht weiterlesen, aber dann versprach es, doch noch spannend zu werden. Leider endet es dann fast wie eine Schnulze. Zu viel Routine, zu wenig richtige Spannung. Nichts Neues. Enttäuschend.


    John Grisham

    Die Wächter

    Heyne Verlag

    ISBN: 978-3-453-27221-7


    ASIN/ISBN: 3453272218

    Die Zeuginnen von Margaret Atwood


    Inhalt:

    Die Erzählung ist in Nordamerika angesiedelt. Ein Teil der USA sind von einer pseudoreligionsfanatischen Militärdiktatur erobert worden und heißt nun Gilead. In Wirklichkeit geht es um die uneingeschränkte Macht unter Männern. Frauen sind nur Gebärmaschinen, Dienerinnen und Aufseherinnen. Sie sind von jeglicher Bildung hermetisch abgeschottet. Aber es gibt eine kleine Gruppe von Frauen, die Tanten, die am Aufbau dieser Diktatur mitgeholfen haben. Sie sorgen mit brutaler Härte gegen ihre Geschlechtsgenossinnen für absoluten Gehorsam. Besonders die ranghöchste der Tanten geht buchstäblich über Leichen, um ihr Ziel, die Vernichtung von Gilead zu erreichen. Denn der Keim für dessen Untergang wurde bereits bei seinem Aufbau gelegt. der Roman ist die Fortsetzung ihres Bestsellers "Der Report der Magd".


    Meine Meinung:

    Über den meisterhaften spannenden Schreibstil von Margaret Atwood braucht man nicht reden. Hier geht es nun zum Einen um den Untergang einer unmenschlichen Diktatur, zum Anderen um den derzeitigen Zustand der politischen und gesellschaftlichen Systeme. Gilead ist zwar Fiktion, aber in der Interaktion mit existierenden Staaten Amerikas doch sehr real. Kanada, die Heimat der Autorin, gehört natürlich zu den Guten, bei denen Flüchtlinge aufgenommen werden. Ich fühlte mich sofort an radikale Theokratien der großen Religionen, Islam, Christentum, und Judentum erinnert, an gegenwärtige Militärdiktaturen und deren Hassideologie. Psychologisch ist der Roman sehr geschickt aufgebaut. Er erzählt die Geschichte aus der jeweiligen Perspektive verschiedener Zeuginnen und zwingt den Leser dadurch sein einfaches Urteil über Recht und Unrecht über Bord zu werden. In der Figur Tante Lydias, einer Mitbegründerin Gileads, stellt sie sehr radikal die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Mittel, um ein Unrechtssystem zu stürzen. Wie kann ein Opfer selbst zum Folterer werden? Kann es jemals gerechtfertigt werden, am Aufbau eines Unrechtssystems mitzuwirken, um es dann stürzen zu können. Eine einfache Antwort darauf erhält der Leser nicht. Die gibt es nicht. Großartig.


    Margaret Atwood

    Die Zeuginnen

    Berlin Verlag

    ISBN: 978-3-8270-1404-7

    Nachdem mein Liebster für zwei Wochen nach Dänemark an die Nordsee gefahren ist, wärme ich mir nur einen übrig gebliebenen Pfannkuchen mit Spinat-Tomaten-Hackfleisch-Füllung auf. In der Pfanne, mit ein wenig Wasser drin auf kleiner Flamme. Durch den Dampf, der sich entwickelt, wird er wieder schön weich und frisch. Dazu grünen Salat.

    Kurzinhalt:

    Inmitten von Provinzleere, am Rande einer kaum frequentierten Landstraße, führt Herbert Szevko gemeinsam mit seiner resoluten Mutter eine alte Tenkstelle. Herbert ist lang, dünn, von mäßigem Verstande und Epileptiker. Eines Tages taucht im Dorf Hilde auf, im Gegensatz zu Herbert klein und dick, und lächelt sich in Herberts Herz. Sie arbeitet als Putzfrau im Hallenbad und Herbert trifft die Liebe wie ein Schlag. Er macht sich auf, Hilde zu erobern, ohne Plan, aber mit Erfolg. Genauso planlos geht es weiter. Herbert erschlägt das Dorfekel Greiner, als er Hilde vergewaltigen will, beide ergreifen die Flucht und schleppen dabei Herberts schwerkranke Mutter mit. Alles endet in einem grandiosen Showdown. Die Tankstelle mitsamt Herbert, Hilde und dem Fisch Georg fliegt in die Luft.


    Meine Meinung:

    Ich liebe Robert Seethaler. Seine Sprache ist so wunderbar leicht, einfach, humorvoll treffend und dabei voller Poesie und von einer großen Empathie für seine Figuren. Er braucht nicht die große Weltbühne, um großartige Literatur zu schreiben. Seine Bühne ist die Welt der kleine Leute, der Abgehängten, die sich tapfer dem Unausweichlichen stellen. Einfach wunderbar. Sonst kann ich dazu nichts sagen.


    Robert Seethaler

    Die weiteren Aussichten

    Verlag Kein & Aber

    ISBN: 9783036955254


    ASIN/ISBN: 3036959475

    So gesehen hast du natürlich Recht Mariion, natürlich steckt hinter diesen ganzen Wortkürzeln etwas Reales. Es ging mir hauptsächlich nur darum, wie unser Hirn funktioniert. Es kann nur zuordnen, was es bereits erkennt oder erlernt hat.Wenn ich noch nie mit einem Bus in Kontakt gekommen wäre, wüsste ich auch nicht, was das Wort bedeutet. Tja, unser Hirn ist zwar ein Riesencomputer, muss aber auch erst einmal mit den Daten gefüttert werden, die ihm unser Bauch (hören, sehen, riechen, schmecken, be-greifen, fühlen) übermittelt. Danke für deinen Like. :zwinker

    LG

    Leselampe

    Jetzt mal was anderes zu SuB. Immer wenn ich dieses Wort sehe macht mein Hirn sofort Bus draus. Wahrscheinlich, weil ein Bus etwas ist, was real ist, im Gegensatz zu SuB, das eigentlichkein Wort, sondern nur eine Aneinanderreihung von beliebigen Abkürzungen ist. Das bringt mich schon ins Grübeln im Bezug auf Realität, wenn ich unsere Sprache betrachte, die immer mehr auf beliebige Kürzel geschrumpft wird, die wahrscheinlich nur noch von der KI verstanden wird, die, im Gegensatz zum Hirn von der Realität abgekoppelt ist.

    Werd ich mir in der Bücherei bestellen. Das Alte Testament ist ja eine wahre Fundgrube an schillernden Charakteren. Spannender als mancher Thriller. Und ein Fundus an uralten Wahrheiten und Erfahrungen.