Beiträge von wampy

    Buchmeinung zu Tom Finnek - Galgenhügel


    „Galgenhügel“ ist ein Kriminalroman von Tom Finnek, der 2017 bei beTHRILLED by Bastei Entertainment erschienen ist.


    Zum Autor:

    Tom Finnek (Pseudonym des Autors Mani Beckmann) wurde 1965 in Westfalen geboren und lebt als Filmjournalist, Drehbuchlektor und Schriftsteller in Berlin. Unter dem Namen Mani Beckmann erschienen neben einigen Berlin-Krimis seine historischen Moor-Romane, die im Münsterland angesiedelt sind (siehe Autorenseite Mani Beckmann). Unter dem Pseudonym Tom Finnek schreibt er seit 2009 historische London-Romane. Tom Finnek/Mani Beckmann ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.


    Klappentext:

    Ein nebelverhangener Herbstmorgen, ein kleines Dorf im Münsterland und ein historischer Galgen - an dem eine bekannte Schauspielerin hängt. Alles deutet auf Selbstmord hin. Doch Kommissar Tenbrink wird hellhörig, als er erfährt, dass die Schwester der Toten vor sechzehn Jahren an genau diesem Ort auf tragische Weise ums Leben kam. Ein bloßer Zufall? Tenbrink und sein junger Kollege Bertram glauben nicht an Zufälle. Irgendwo muss es eine Verbindung zwischen den beiden Todesfällen geben. Während ihrer Ermittlungen graben sie tief in der Vergangenheit der Dorfbewohner - was nicht allen im Ort gefällt. Und um ein altes Geheimnis zu schützen, schreckt jemand auch vor weiteren Morden nicht zurück.

    Meine Meinung:

    Die große Stärke dieses Romans ist die Figurenzeichnung. Tenbrink, altgedienter Kriminalbeamter mit einem Handicap, ist ein typisch westfälischer Sturkopf, der nach dem Tod seiner Frau recht zurückgezogen lebt. Sein junger Kollege Bertram war in eine Korruptionsaffäre verwickelt und ist eher unfreiwillig im Münsterland gelandet. Auch er lebt zurückgezogen, aber die Zusammenarbeit der beiden Ermittler funktioniert gut. Sie vertrauen einander und kommen gut miteinander aus. Tenbrinks Handicap ist sein gestörtes Kurzzeitgedächtnis und gemeinsam mit Bertram versucht er, dies zu verbergen. Aus Angst vor möglichen Diagnosen geht Tenbrink nicht zum Arzt, obwohl er merkt das die Aussetzer vermehrt und verstärkt auftreten. Darunter leidet auch die Zusammenarbeit mit Kollegen und mit der Staatsanwaltschaft. Sehr anschaulich ist die Atmosphäre in einem kleinen münsterländischen Dorf beschrieben und die Figuren passen hier hin. Die Kontakte zu den niederländischen Kollegen werden gepflegt und der kleine Dienstweg erspart bürokratische Tätigkeiten. So nebenbei werden auch einige touristische Attraktionen der Regionen in die Handlung eingebunden. Die Sprache ist mit plattdeutschen Passagen durchsetzt und schafft noch mehr Atmosphäre. Der Fall selber nimmt erst langsam Fahrt auf und wird dann sehr spannend. Der Showdown zum Abschluß war etwas überzogen aber spannend.


    Fazit:

    Der Krimi punktet mit seiner westfälischen Atmosphäre und der sehr gelungenen Figurenzeichnung. Die Figuren sind zumeist mit einiger Tiefe und in vielen Grautönen gezeichnet. Leichte Abzüge gibt es für den Showdown und die Sturheit Tenbrinks, nicht zum Arzt zu gehen. So bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (8 von 10 Eulenpunkten). Ich kann das Buch allen empfehlen, die einen ruhigen Krimi mit viel Atmosphäre und bodenständigen Figuren mögen.

    Buchmeinung zu Ulf Schiewe – Thors Hammer (Herrscher des Nordens)


    „Thors Hammer“ ist ein Historicher Roman von Ulf Schiewe, der 2017 bei Knaur erschienen ist. Dies ist der Auftakt zur Serie „Herrscher des Nordens“.


    Zum Autor:

    Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Er begann seine Berufskarriere als Software-Entwickler und war später in mehreren europäischen Ländern als Marketingmanager internationaler Softwarehersteller tätig. Ulf Schiewe war schon immer eine Leseratte, den spannende Geschichten in exotischer Umgebung faszinierten. Im Laufe der Jahre wuchs der Wunsch, selbst historische Romane zu schreiben. So entstand »Der Bastard von Tolosa«, sein erster Roman, dem inzwischen eine ganze Reihe weiterer, gut recherchierter und vor allem spannender Abenteuerromane folgten. Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München.


    Klappentext:

    Die Saga des Wikingerkönigs Harald Hardrada – seine Abenteuer und Kämpfe, seine Frauen und sein unbezwingbarer Ehrgeiz.

    AD 1027: Harald ist zwölf Jahre alt und jüngster Sohn aus edlem Hause. Er will Krieger werden und seinem Halbruder Olaf nacheifern, der Kriegsherr und König von Norwegen ist. Doch ein Aufstand der Jarls treibt Olaf aus dem Land. Harald bereitet sich auf den Tag vor, da sein Bruder mit einem Heer zurückkehrt. Drei Jahre später ist es so weit. Blutjung zieht Harald in den Krieg. Es kommt zur entscheidenden Schlacht von Stiklestad. Olaf stirbt, und Harald muss schwer verwundet fliehen. An seiner Seite die junge Sklavin Aila. Ihr gemeinsamer Weg führt nach Russland.

    Meine Meinung:

    Die Handlung wird aus der Sicht der Hauptfigur beschrieben und erzählt. Dadurch kann man die Gedanken und Gefühle Haralds vollständig verfolgen und auch nachvollziehen. Nachteilig ist dabei natürlich, dass Harald sehr positiv dargestellt wird und kaum negative Eigenschaften auftreten. Ich war sofort mittendrin und fieberte von Anfang an mit dem jungen Harald mit. Er strebt an, ein erfolgreicher Krieger zu werden und tut eine Menge dafür. Seine erste Schlacht bringt dann die große Ernüchterung. Sie geht verloren und Harald lernt die Schattenseiten dieser Tätigkeit kennen. Wie in späteren Situationen auch, reflektiert Harald das Erlebte und zieht seine Lehren. So erweist er sich als guter Anführer für seine Gefolgsleute und vermehrt Ansehen und Macht, indem er gegen offenkundige Missstände vorgeht. Er denkt langfristig und kann dies auch seinen Getreuen vermitteln. Auch das historische Umfeld wird sehr anschaulich beschrieben. Neben der Darstellung des täglichen Lebens werden auch politische Zusammenhänge erläutert, und dies ohne damit zu langweilen. Hauptsächlich sind es die Abenteuerepisoden, die für Spannung sorgen. Dabei verzichtet der Autor wohltuend auf übermäßige Gewaltdarstellungen. Auch in Liebesdingen sammelt er erste Erfahrungen und er ist zum Ende ein erfahrener Krieger und Anführer trotz seiner noch nicht einmal zwanzig Lebensjahre. Die Figuren sind durch die Bank relativ flach gehalten und könnten etwas mehr Tiefe vertragen. Die Sprache ist einfach und lässt sich flüssig lesen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz und sorgt für eine angenehme Auflockerung. Zusätzlich überrascht der Autor mit Ideen, die man nicht unbedingt zu dieser Zeit erwarten würde. So gibt es teambildende Maßnahmen zur Integration einer Gruppe ehemaliger Gegner.


    Fazit:

    Mir hat dieses Buch gut gefallen und ich bin Haralds Entwicklung gerne gefolgt. Einzig die Figurenzeichnung kann tiefer gestaltet werden. So vergebe ich vier von fünf Sternen (9 von 10 Eulenpunkten) und kann das Buch allen empfehlen, die einen spannenden Abenteuerroman mit historischen Elementen lesen mögen.

    Nun habe ich den ersten Abschnitt beendet und habe die Anmerkungen meiner Mitleser verarbeitet. Dies ist mein erstes Buch von Corinna Bomann und liegt nicht in meinem normalen Beuteschema. Es ist sehr gefühlsbetont und man leidet mit Anna von Anfang an mit. Mir gefällt die Beschreibung von Wenzel als realitätsnah und aus seiner Sicht ist die Ablehnung seines Heiratsantrages unverständlich. Anna ist mittellos, empfindet etwas für ihn und er bietet ihr eine sichere Zukunft. Auch Annas Gedanken zur Annahme des Angebots der englischen Königin kann ich nachvollziehen. Ihre Diskussionen mit ihrer Schwester finde ich sehr theatralisch. Ich glaube nicht, das Anna sich ein solches Verhalten allzu oft leisten kann.

    Das Buch liest sich flüssig und der Leser erhält auch einen recht genauen Eindruck von der Situation vieler Menschen zu Zeiten der industriellen Revolution. Viele Menschen verlieren ihren Job und ein soziales Netz gab es eben nicht, die Menschen waren auf die Unterstützung von Familie und Bekannten angewiesen. Es ist schon erstaunlich, dass Anna, Elisabeth und ihre Mutter ihr Leben vom Gehalt einer Hilfskraft führen können. Das fällt heute den Betroffenen zunehmend schwerer.

    Anna ist mit ihren sechszehn Jahren sehr emotional und auch sehr schnell verliebt. Wenzel ist wohl Geschichte, jetzt ist es der Engländer. Anna will ja auch heiraten, erkennt aber, das eine Heirat mit dem Verlust ihrer Selbstständigkeit verbunden ist. Natürlich gab es früher schon starke und selbstständige Frauen, aber dies war meist mit einer konkreten Aufgabe verbunden. So schmiss die Frau eines Kaufmanns den Laden vor Ort, wenn ihr Mann auf Handelsreise war.

    Nun hat sich das Tempo zum Ende dramatisch erhöht. Schön zu sehen, dass die kleine grenzübergreifende Zusammenarbeit auch ohne Tenbrink funktioniert. Bei den Aktionsteilen bin ich zwiegespalten - einerseits sind sie sehr spannend, aber andererseits kann ich mir Tenbrink nur schwer in dieser Rolle vorstellen. Bertran hat mich in diesem letzten Abschnitt voll und ganz überzeugt, während Tenbrink trotz seiner Aussetzer erstaunlich gut vorankommt. Dann seine Heldentat mit kaputtem Schädel und seine "Vertrautheit" mit der bösen Anne. Die Auflösung war stimmig, aber wie geht es mit Tenbrink weiter, Wird im Krankenhaus an seiner Vergesslichkeit gearbeitet? Seine Frage nach Karin hat mich fast geschockt. Mein Opa litt unter Demenz und die Zeitsprünge in seinem Gehirn sind mir vor allem in Erinnerung geblieben. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Charaktere, Atmosphäre, Sprache und Handlung waren überzeugend, allein Tenbrinks Aussetzer wurden mir zu viel. Ich hatte schon nicht mehr an eine Fortsetzung geglaubt. Bin gespannt, wie dies im angekündigten Folgefall gelöst wird.

    Vor versammelter Mannschaft bloß gestellt und vorgeführt zu werden ist schon heftig. Bei Bremer und der Staatsanwältin fehlen wohl noch Lehrgänge zur Personalführung. Aber der Bremer wird so derart unsympathisch dargestellt, dass ich ihn schon bemitleide. Tenbrink klinkt sich völlig aus und folgt seiner Intuition oder sind es doch nur Visionen, Sein Zustand verschlechtert sich rapide und so sehr, dass es sogar ihm auffällt. Aber er unternimmt weiterhin nichts. Das Marlijn nach Marten sucht kann nur bedeuten, dass Annes Partner nicht Marten ist, aber wer dann? Was Bertram sein Koks ist, ist Tenbrink sein Schnaps. Bei uns am Niederrhein gibt es den Schnaps aber erst nach dem Essen.

    Tenbrink und Bertram sind wahrlich keine Figuren von der Stange, aber manchmal tanzen sie doch arg aus der Reihe.

    Dem stimme ich fast vollständig zu, allein die Rolle der Staatsanwältin sehe ich anders. Über den Umgang mit Tenbrink kann man diskutieren, aber ihre Argumente stimmen. Bertram meint ja, dass es eine Folge der Vergesslichkeit ist, aber um so wichtiger ist es für Tenbrink, zum Arzt zu gehen. Sein Gefuhl arbeitet zwar ganz gut, aber in Verbindung mit den Aussetzern ist es eher gefährlich. Und natürlich hätte die Staatsanwältin vorher mit Tenbrink reden sollen, aber beide mögen sich nicht - halt beides Dickschädel. Auch Bertram frönt weiterhin seinem Kokskonsum. Da frage ich mich schon, woher er ihn bezieht.

    Es bleibt weiter spannend. Heinrich Tenbrink offenbart ein paar Ecken und Kanten. Er grummelt sich weiter durch und seine Zettelwirtschaft wird noch zum geflügelten Wort.

    Diese Erdnussautomaten kenne ich auch noch, auch in einigen Variationen ( z. B. gebrannte Mandeln). Auch die Dorfkneipe mit ihrer typischen Atmosphäre kommt mir seltsam bekannt vor. Aber zurück zu den Figuren. Eva und Ellen waren schon fast Ungeheuer, aber auch heute ist es oft unglaublich, wie unter den Schülern gemobbt wird, Mit den modernen Medien geht das alles noch viel "besser". Die Reaktion der Jungen kann ich nachvollziehen, auch wenn das Ausmaß des Schadens sicherlich nicht gewollt war. Ellens Schuldgefühle sind mir dagegen eher suspekt. Bei Ellen würde ich eher auf Rachemotive tippen. Der verschwundene Banker verleitet zu Spekulationen. Wenn er der Investor ist, dann ist auch seine Scheu, sich mit Anne in der Öffentlichkeit zu zeigen, verständlich. Annes schöne Fassade bekommt weitere Risse. Die Figur des Didi hat mir sehr gefallen. Er macht irgendwie sein eigenes Ding und hängt doch am Tropf der Kneipe. Schön und traurig zugleich.

    Rein falltechnisch habe ich noch keine Idee. Der Tod von Eva kann kein Mord gewesen sein, aber was sonst soll kein Unfall gewesen sein. Tenbrink und Bertram harmonieren gut miteinander und es fällt ihnen schwer, Geheimnisse voreinander zu verbergen. Als angenehm empfand ich die Beschreibung des Verhältnisses Bertrams mit der Staatsanwältin, Und natürlich hat sie die Initiative übernommen. Bertrams Situation finde ich traurig. Er lebt nun schon Jahre in Westfalen und hat immer noch so gut wie keine Kontakte. Auch bei Tenbrink scheint es nur eine überschaubare Anzahl an Kontakten zu geben. Aber da gibt es mildernde Umstände. Er scheint auch einige Sympathien für Anne zu haben. Seine Vergesslichkeit ist schon deutlich und er weiß es. Aber aus Furcht vor möglichen Diagnosen unternimmt er nichts - verständlich, aber nicht klug.

    Die Ermittler handeln für mich nachvollziehbar und menschlich und auch der Menschenschlag der Region spielt eine Rolle. Das gefällt mir. So Typen wie Hunter, Hole und Barrett sind nicht mein Ding.

    Anne könnte natürlich die Täterin sein, aber das ist mir zu naheliegend und hätte sie die Tat kräftemäßig allein geschafft?? Vielleicht mit einem Komplizen?? Kann ich mir nicht vorstellen..


    Mir gefallen die beiden Ermittler! Endlich mal normale Typen, die auch normal kommunizieren...

    Meist haben die Ermittler heute in Büchern eine schreckliche Vergangenheit und beherrschen nur noch unterirdische Prollsprüche. Das hier ist echt mal eine Wohltat!!:wave

    Mir gefallen die beiden Ermittler auch, aber auch hier haben beide eine Vergangenheit (Tod der Ehefrau, Korruptionsaffäre), aber es wird nicht permanent darüber geredet.

    Überlebende Zeugen des Unglücks haben ja berichtet, das Ellen immer wieder gerufen hat: "Das war kein Unfall"..Jeder geht davon aus, das sie den Flugzeugabsturz meinte. Ich glaube aber, dass sie den Unfall ihrer Schwester Eva vor 16 Jahren meinte.....aber wie genau passt das zusammen??:lesend

    Das sehe ich auch so.

    Nun bin ich auch so weit. Beim Prolog hat mir vor allem die Beschreibung der unterschiedlichen Verhaltensweisen gefallen. Auch wird deutlich, wie weit sich Ellen und ihr Mann auseinander gelebt haben. Und dann das Geheimnis. Wir werden es sicherlich noch erfahren. Die Technik, irgendetwas nur anzudeuten und die Ausschmückung dem Leser zu überlassen, gefällt mir und scheint auch in Krimis zunehmend Verwendung zu finden.

    Die Ermittler Tenbrink und Bertram sind mir sympathisch, obwohl noch nicht viel über sie bekannt ist. Dazu verstehe ich als Niederrheiner sogar weitgehend das westfälische Platt. Aber die Vergesslichkeit von Tenbrink ist mehr als eine kleine Einschränkung. Bertram hat da so eine Bemerkung gemacht, dass sie dadurch irgendwann ganz fürchterlich im Schlamassel landen könnten.

    Ich wohne ja auch auf dem Dorf, sogar ein bisschen außerhalb. Über Leute, die die Dorfgemeinschaft oder auch nur die Nachbarschaft verlassen, wird natürlich gesprochen und getratscht. Wenn die Schwiegermutter so über Ellen herzieht, wird es dafür einen Grund geben. Ellen hat ihr den Sohn genommen und entfremdet durch den Wegzug, und kleine Enkel sind auch nicht da. Das schmerzt!

    Buchmeinung zu Arturo Perez-Reverte – Der Preis, den man zahlt


    „Der Preis, den man zahlt“ ist ein Roman von Arturo Perez-Reverte, der 2017 in der Übersetzung von Petra Zickmann im Insel Verlag erschienen ist. Der spanische Originaltitel lautet „Falco“ und ist 2016 in Spanien erschienen.


    Zum Autor:

    Arturo Pérez-Reverte, geboren 1951 im spanischen Cartagena, ist einer der erfolgreichsten Autoren Spaniens. Sein Werk wurde in 41 Sprachen übersetzt, sein Roman Der Club Dumas ist ein Weltbestseller und wurde von Roman Polanski mit Johnny Depp in der Hauptrolle unter dem Titel Die neun Pforten verfilmt. Arturo Pérez-Reverte arbeitete 21 Jahre als Kriegsreporter. Seit 2003 ist er Mitglied der Real Academia Española.


    Klappentext:

    Der Spion Lorenzo Falcó ist charismatisch, mit allen Wässerchen gewaschen und steht vor der waghalsigsten Mission seines Lebens. Es ist das turbulente Jahr 1936, und er hat den Auftrag erhalten, im südspanischen Alicante einen hochrangigen politischen Gefangenen zu befreien und vor dem sicheren Tod zu retten, eine kriegsentscheidende Aktion. Falcó hat drei Mitstreiter, darunter die undurchsichtige Eva Rengel. Man ist sich nie zuvor begegnet, muss sich aber absolut aufeinander verlassen können. Und während sie sich immer weiter in eine scheinbar bodenlose Situation aus Grausamkeit und Täuschung verstricken, kommen Falcó und Eva sich nahe. Gefährlich nahe, denn schon sehr bald wird deutlich, dass alle Beteiligten ein Doppelspiel betreiben.

    Meine Meinung:

    Lorenzo Falco ist ein überzeugter Spion, aber nicht wegen seiner Überzeugungen, sondern wegen der Möglichkeiten, die ihm dieser Beruf bietet. Er ist ein Opportunist und moralische Hemmungen hat er nicht. Wenn es so sein soll, dann tötet er Menschen, weil es der Auftrag erfordert oder auch nur, weil diese zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Er arbeitet für die Nationalen im spanischen Bürgerkrieg, aber es könnte auch die andere Seite sein. Das interessiert ihn nicht besonders. Er ist ein Profi und fühlt sich den Idealisten, mit denen er es zu tun hat überlegen. Seine Sicht auf die Dinge ist schonungslos und doch nachvollziehbar. Die Idealisten auf beiden Seiten bringen Gefühle und Hass ins Spiel. Für jeden eigenen Toten, muss ein Anhänger der Gegenseite sterben. Dies ist für den kalten Profi sinnlos. Er weiß, dass sein Beruf jederzeit zu seinem Tod führen kann und er akzeptiert das. Für ihn ist sein Leitoffizier fast so etwas wie eine Vaterfigur, der man allerdings nicht immer vertrauen kann. Verrat gehört zum Job und es kann auch ihn jederzeit erwischen.

    Eine Stärke des Buches ist die atmosphärisch dichte Beschreibung der Zustände im bürgerkriegsgeplagten Spanien. Allgegenwärtig sind Leid und Tod und der Freund von gestern kann schon heute dein größter Feind sein. Falco ist wie gemacht, um in diesen Sumpf zu überleben. Er ist ein Scheusal und doch kann man ihn akzeptieren. Durch sein besonderes Verhältnis zu seinem Leitoffizier erhält man auch einen Einblick in die Angelegenheiten der Führungsoffizierre. Sie sind vielleicht noch verkommener wie die einfachen Spione und mit Eva ändert sich für Lorenzo Falco einiges.

    Dem Autor gelingt es bei mir sogar so etwas wie Sympathie für seine Hauptfigur zu wecken, auch wenn diese kurze Zeit später einer harten Prüfung unterzogen werden muss. Und tatsächlich handelt Lorenzo für mich nachvollziehbar. Man fiebert mit ihm mit und merkt, dass nicht Alles, war er tut, von ihm für gut gehalten wird. Sehr gefallen haben mir die Stellen, an denen Lorenzo über die Verhältnisse in Spanien nachdenkt und seine Sicht der Dinge offenbart. Auch gelingt es dem Autor Mechanismen zu beschreiben, die im Bürgerkrieg wohl nicht vermeidbar sind. Und der Autor zeigt, dass in einem Bürgerkrieg beide Seiten behaupten, die Guten zu sein und doch das Böse tun.

    Die Sprache ist einfach und klar, so als ob eine belanglose Geschichte erzählt wird. Die steht im Gegensatz zu den geschilderten Gräueltaten und passt doch vorzüglich.


    Fazit:

    Dieser Roman hat mich von Anfang an gefangen genommen. Die charismatische Hauptfigur, die atmosphärisch dichte Darstellung und die schonungslose Darstellung der Abläufe machen es zu einem Highlight. Ich vergebe fünf von fünf Sternen (10 von 10 Punkten) und spreche eine dicke Empfehlung für den historisch interessierten Leser aus.

    Buchmeinung zu Roxann Hill – Dunkel Land


    „Dunkel Land“ ist ein Kriminalroman von Roxann Hill, der 2017 bei HarperCollins erschienen ist.


    Zum Autor:

    Roxann Hill hat ihren Debütroman im Sommer 2012 veröffentlicht. Seitdem sind ihre Bücher regelmäßig auf den ersten Plätzen der E-Book-Charts sowie auf der BILD-Bestsellerliste zu finden, und wurden auch in weitere Sprachen übersetzt.


    Klappentext:

    Gut Wuthenow, ein altehrwürdiges Anwesen im Havelland; hier soll sich Verena Hofer die nächsten drei Monate um den Neffen der Hausherrin kümmern. Überrascht stellt sie fest, dass ihr Schützling der geniale wie arrogante Dr. Carl von Wuthenow ist. Der Kriminalist wurde erst kürzlich angeschossen und leidet seitdem unter Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. Carl lehnt den Plan seiner Tante strikt ab. Verena, die das Geld dringend braucht, geht einen Deal mit ihm ein: Er lässt sie ihren Job machen, sie hilft ihm bei der Ermittlungsarbeit. Und schon ihr erster Fall hat es in sich: Eine übel zugerichtete Leiche wird auf einem Berliner Bauplatz gefunden und die Spuren weisen in die rechte Szene …


    Meine Meinung:

    Dieses Buch lebt von und leidet an der Hauptfigur Verena. Diese ist zu Beginn schüchtern und verschlossen, nimmt im Laufe der Geschichte eine außergewöhnliche Entwicklung. Sie ist die dominante Figur, die dem angeschlagenen Kriminalisten Carl glatt an die Wand spielt. Mehr und mehr übernimmt sie die Führungsrolle bei den Ermittlungen und verzieht keine Miene bei Besuchen in der Pathologie und beim Bordellbetreiber. Die Geschichte wird aus Verenas Perspektive erzählt und der Leser ist ihren Gedanken immer ganz nah. Sie entwickelt Gefühle für Carl, wie auch umgekehrt, aber weder Carl noch Verena trauen sich, diese zu offenbaren.

    Die Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft wird immer besser, und auch hier zeigt Verena ungeahnte Fähigkeiten. Dabei schießt die Autorin schon mal übers Ziel hinaus, zum Beispiel wenn Verena und Carl einem Verwandten die Todesnachricht überbringen. Neben den Ermittlungen findet Verena noch Zeit und Muße, die Zustände auf Gut Wuthenow aufzubessern. Die Geschichte liest sich flüssig, enthält auch humorvolle und gefühlvolle Stellen. Allein die Figurenzeichnung ist unbefriedigend. Bis auf Verena sind alle Figuren sehr flach dargestellt und haben nur positive oder nur negative Eigenschaften. Der Fall selber ist durchaus nicht harmlos und leider wird er eher zufällig gelöst.


    Fazit:

    Dieses Buch hat Stärken in der Erzählweise, aber auch auffällige Schwächen in der Figurenzeichnung. Die Hauptfigur Verena ist mir zu sehr Superfrau, so dass meine Bewertung drei von fünf Sternen (6 von 10 Punkten) lautet.

    Buchmeinung zu Jo Nesbo – Durst


    „Durst“ ist ein Kriminalroman von Jo Nesbo, der 2017 in der Übersetzung von Günther Frauenlob bei Ullstein als Hardcover erschienen ist. Die norwegische Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel „Torst“. Dies ist der elfte Fall für Harry Hole.


    Zum Autor:

    Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Er gehört zu den renommiertesten und erfolgreichsten Krimiautoren weltweit. Sein Roman Der Schneemann wird von Martin Scorsese verfilmt. Jo Nesbø lebt in Oslo.


    Klappentext:

    Ein Serienkiller findet seine Opfer über die Dating-App Tinder. Die Osloer Polizei hat keine Spur. Der einzige Spezialist für Serientäter, Harry Hole, unterrichtet an der Polizeihochschule, weil er mehr Zeit für seine Frau Rakel und ihren Sohn Oleg haben möchte. Doch Holes alter Chef Mikael Bellmann setzt Hole unter Druck. Die schlimmsten Befürchtungen werden wahr, als tatsächlich eine weitere junge Frau verschwindet, ausgerechnet eine Kellnerin aus Holes Stammlokal. Und der Kommissar kann nicht länger die Augen davor verschließen, dass der Mörder für ihn kein Unbekannter ist.

    Meine Meinung:

    Dies ist mein zweiter Harry Hole und es hat mir Schwierigkeiten bereitet, das Buch zu Ende zu lesen. Der Einstieg fiel mir noch leicht und das Setting um den Täter, der seine weiblichen Opfer auf der Dating-Plattform Tinder findet, klang vielversprechend. Jo Nesbo ist ein erfahrener Autor, der sein Handwerk versteht und technisch saubere Romane schreibt. Dazu gehören viele Perspektivwechsel und fast zu jedem Kapitelende ein Cliffhanger. Und doch fand ich keinen richtigen Zugang zu den Figuren. Sie sind durch die Bank überzogen dargestellt und Harry Hole ist lange Zeit der normalste Mensch in diesem Buch. Weder zu ihm noch zu einer anderen Figur fand ich Zugang. Alle Figuren wirken klinisch steril und gekünstelt. Spannung kommt nur in kleinen Dosen auf und wird durch mehrere Nebenhandlungen immer wieder unterbrochen. Auch der Figurenzeichnung fehlt die Tiefe. Vieles wirkt stereotyp und nicht ausgegoren. Als ich glaubte, dass der Fall gelöst wäre und das Ende erreicht sei, gab es einen Twist und das Buch zog sich weiter hin. Beim nächsten Showdown war es dann besser und das Buch zu Ende. Dort zeigte sich, dass der Autor weitaus mehr kann, als er sonst gezeigt hat. Was mir vom Buch in Erinnerung bleiben wird, ist die Affenfalle. Das sagt schon viel.


    Fazit:

    Ich hatte viel erwartet und wurde sehr enttäuscht. Sowohl Handlung als auch Figurenzeichnung wurden dem großen Ruf des Autors nicht gerecht. Nur an wenigen Stellen schimmerte das Talent des Autors durch. So kann ich nur zwei von fünf Sternen (4 von 10 Punkten) vergeben.

    Diesen Abschnitt habe ich als sehr spannend empfunden, gerade weil keine Super-Lisbeth domonierte. Nun erfährt man vieles über die Untersuchungen an Zwillingen und es stellt sich die Frage, ab welchem Punkt die Untersuchungen kriminell werden.
    Das Zusammentreffen der Brüder mit Rakel geht voll in die Hose und beide Brüder sind in Rakels Hand. Auf Leo würde ich keinen Cent setzen, aber auch Dan hat schlechte Karten, aber er scheint ja Leos Position eingenommen zu haben. Leo ist von der Bildfläche verschwunden und wahrscheinlich tot. Beim Gespräch mit der trinkfreudigen Psychologin frage ich mich schon, wie sie trotz des Alkohols noch so sauber erklären kann.
    Um zum Abschluss des Leseabschnitts wird Lisbeth entführt. Aber aus den bisherigen Bänden wissen wir ja, dass das ein Fehler ist. Friede der Asche ihrer Entführer!

    Das Tempo legt weiter zu und die Story um die Zwillinge Leo und Dan ist angsteinflössend. Aber ich störe mich immer mehr an der Figur "Lisbeth Salander". Sie steckt die Schläge von einem deutlich schwereren Mann weg, als ob es kaum was wäre und dann donnert sie seinen Schädel ein paar mal auf den Tisch. Es ist mir einfach zu viel Superheldin. Und nebenbei hantiert sie noch im Internet. Sie kommt noch übertriebener rüber als in den Vorgängerbänden, während die Figuren um sie herum mehr und mehr verblassen oder sogar wegsterben. Das Thema ist sicherlich interessant und wichtig, aber dieses Superweib macht vieles kaputt.

    Nun nimmt die Geschichte Fahrt auf. Merkwürdigerweise gefallen mir die Teile bisher mehr, in denen Lisbeth nicht beteiligt ist.
    Für mich erfolgen die Wechsel teilweise zu schnell, so dass der Lesefluss schon beeinträchtigt wird. Insbesondere wenn zwei Begebenheiten sich gegenseitig unterbrechen, empfinde ich das als störend.
    Faria hat ein hartes Schicksal erlitten, aber das ihres Freundes ist noch schlimmer. Er hat seine Ansichten mit dem Leben bezahlt, während Faria unter dem Einfluss der Familie steht, die ihre Tochter / Schwester für ihr besseres Leben verschachern. Vielleicht gibt ihr Lisbeths Verhalten Kraft, sich mehr zur Wehr zu setzen.
    Die Vernetzung verschiedener krimineller Organisationen ist ja schon lange ein Thema, während die Vernetzung bei den Ermittlungsbehörden nicht so recht voran kommt. In den USA ist es zwischen den Behörden eher ein Konkurrenzkampf als Zusammenarbeit und ich vermute, dass es in Europa auch so ist. Und Daten sammeln bringt da auch nicht viel, es sei denn Lisbeth Salander macht es.
    Gespannt bin ich auf die Geschichte von Leo Mannheimer.

    Nun habe ich es doch noch geschafft, den ersten Abschnitt zu lesen. Irgendwie bin ich noch nicht in einen Fluss gekommen. Das Fräulein Salander finde ich so überzogen dargestellt, dass es schon fast weh tut. Natürlich war sie dies auch schon in den Vorgängerromanen, aber diesmal stört es mich. Legt sich ohne irgendwelche Hemmungen mit der Königin der Gefangenen an und ohne weitere Probleme liegt diese mehr als nur leicht angeschlagen im Krankenhaus. Schon seltsam, dass ihre Soldaten nicht eingegriffen haben. Auch der Herr Palmgren leidet so sehr, dass es kaum auszuhalten ist. Der Seitenhieb auf das überlastete Pflegepersonal muss wohl sein, und Michael Blomquist gibt den Frauenheld und kommt auch noch nicht in die Pötte. In meiner Erinnerung wechselten die Schauplätze nicht so schnell und so häufig wie in diesem Band. Diesmal finde ich die Wechsel zu häufig und sie schaden zumindest meinem Lesefluss. Auch der Finanzmensch ist angeschlagen und ich kann kaum glauben, dass er eine Spitzenfunktion in einem Topunternehmen der Finanzwelt inne hat. Mal schauen, wie es weiter geht.