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    Buchmeinung zu M.C. Beaton – Agatha Raisin und der tote Auftragskiller


    „Agatha Raisin und der tote Auftragskiller“ ist ein Kriminalroman von M.C. Beaton, der 2020 bei Bastei Lübbe in der Übersetzung von Sabine Schilasky erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Agatha Raisin and the Deadly Dance“ und ist 1993 erschienen.


    Zum Autor:

    M.C. Beaton ist eines der zahlreichen Pseudonyme der schottischen Autorin Marion Chesney. Nachdem sie lange Zeit als Theaterkritikerin und Journalistin für verschiedene britische Zeitungen tätig war, beschloss sie, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Mit ihren Krimi-Reihen feiert sie bis heute große Erfolge in über 17 Ländern. M.C. Beaton lebt abwechselnd in Paris und in den Cotswolds.


    Klappentext:

    Für Agatha Raisin ist es an der Zeit, ihre Tätigkeit als Amateur-Detektivin zur Profession zu machen, und sie eröffnet ihr eigenes Detektivbüro. Ihre neue Nachbarin Emma Comfrey bewirbt sich bei ihr als Sekretärin und wird, aufgrund ihres Durchsetzungsvermögens und detektivischen Geschicks, kurzerhand eingestellt. Der erste Fall des Detektivbüros ist eine vermisste Katze. Immerhin ein Anfang, aber mit viel Luft nach oben. Als dann eine junge Frau, die eine Todesdrohung erhalten hat, beschützt werden soll, ist Agatha endlich voll in ihrem Element. Damit nehmen allerdings auch so einige Verhängnisse ihren Lauf, die dafür sorgen, dass Agatha nicht nur in ein Fadenkreuz gerät ...


    Meine Meinung:

    Mir gefällt die Hauptfigur Agatha Raisin ganz besonders, weil sie eine Reihe unschöner Eigenschaften hat und man dennoch mit ihr fiebert. Mit Emma scheint erstmals eine ebenbürtige Gegnerin in ihrem Umfeld aufzutauchen. Die Schilderung der Gedanken der beiden Protagonistinnen ist unterhaltsam, aber sie ist auch entlarvend. Beide suchen nach Anerkennung und dabei sind ihnen viele Mittel recht. Es gibt mehrere Handlungsstränge, die auf fast schon absurde Weise ineinander greifen. Die Polizei spielt eine Nebenrolle und das Highlight in diesem Band war das Einfordern der Anerkennung für diverse Freundschaftsdienste. Ob Agatha aber den Wink mit dem Zaunpfahl auf Dauer berücksichtigt?

    Der Gegensatz zwischen dem Landleben und dem Leben in den Städten spielt eine Rolle und neue skurrile Figuren tauchen auf. Dann gibt es wieder knallharte Übeltäter und irgendwie muss sich Agatha ihrer erwehren. Der Schreibstil ist ansprechend, die Charaktere sind eher flach, aber doch auch interessant. Manche Entwicklung kann man nicht sinnvoll hinterfragen und doch ist der Unterhaltungsfaktor hoch.


    Fazit:

    Weder Figuren noch die Handlung genügen höheren Ansprüchen und doch ist der Mix ausgesprochen unterhaltsam. Deshalb vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B07ZQ8JLKF

    In diesem Abschnitt fallen mir die Gegensätze besonders ins Auge. Da ist die Feierorgie am Bodensee versus des Hungerns auf der schwäbischen Alp, die Postkartenidylle versus der Behandlung der Versehrten, die Kälte vieler Menschen versus der Wärme, die von den Hilfeleistenden ausgeht. Anton kommt der englischen Bildhauerin näher, deren Masken Schwerstversehrten ein Leben in der Öffentlichkeit ermöglicht. Sein spezieller Schützling Michel fällt einer perfiden Hundebombe zum Opfer. Ich warte schon auf die Folgen des Gaskrieges für die Lazarette.

    Alexander ist mit seinem Leben in Saus und Braus nicht mehr zufrieden und möchte etwas Meues machen. Mylo macht Druck und endlich vergrößert sich die Distanz zwischen Alexander und ihm. Ich denke, dass Mimi Alexander einige Denkanstöße gegeben hat, aber auch umgekehrt liefert er Mimi Bestätigung für ihre künstlerischen Fotografien.

    Nach dem Tod von Michel klingt an, welche Probleme auf die Soldaten nach dem Ende des Krieges zukommen werden. Und kümmern tut sich von offizieller Seite niemand.

    Buchmeinung zu Anne Stern – Fräulein Gold: Scheunenkinder


    „ Fräulein Gold: Scheunenkinder“ ist ein historischer Roman von Anne Stern, der 2020 im Rowohlt Verlag erschienen ist. Das leicht gekürzte Hörbuch wird von Anne Thalbach gelesen und ist 2020 im Argon Verlag erschienen.


    Zum Autor:

    Anne Stern wurde in Berlin geboren, wo sie auch heute mit ihrer Familie lebt. Nach dem Studium der Geschichte und Germanistik promovierte sie in deutscher Literaturwissenschaft und arbeitete als Lehrerin in der Lehrerbildung.

    Sprecher:

    Anna Thalbach stand bereits mit sieben Jahren das erste Mal für einen Kinofilm vor der Kamera. Seitdem arbeitet sie gleichermaßen erfolgreich für Theater, Film und Fernsehen. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme ist Anna Thalbach eine der gefragtesten Hörbuchsprecherinnen.

    Klappentext:

    Berlin, 1923. Hebamme Hulda Gold wird zu einer Geburt ins Scheunenviertel gerufen. Die jüdische Familie lebt nach ihren ganz eigenen, strengen Regeln, aber Hulda gewinnt das Vertrauen der jungen Mutter. Und als das Neugeborene nach wenigen Tagen verschwindet, wird sie unvermittelt in die rätselhafte Suche verstrickt. Denn wie kann ein Kind in dieser engen Gemeinschaft einfach so verschwinden? Bald zeigt sich, dass auch die Berliner Polizei nach Kinderhändlern fahndet. Kann Kommissar Karl North helfen, das Neugeborene zu finden? Als sich der Judenhass der Berliner Nazis in einem Pogrom entlädt, gerät Hulda selbst in höchste Gefahr.


    Meine Meinung:

    Wie schon der erste Band vermittelt auch dieses Buch viel Atmosphäre und zusammen mit der Sprecherin werden die Figuren lebendig. Die Charaktere sind mit vielen Grautönen gezeichnet und bieten deshalb auch viele Überraschungen. Berufsbedingt ist Hulda recht selbstständig und kommt viel in ihrem Viertel herum. Sie hat ein Auge für ihre Umwelt und führt selbst auch kein sorgloses Leben, aber es reicht immer noch und das ist mehr als bei vielen anderen Berlinern. Diesmal hat sie auch im Scheunenviertel zu tun, in dem die Not vieler Menschen mit osteuropäischer Abstammung noch großer ist, Als das Kind der von ihr betreuten Mutter verschwindet und niemand etwas unternimmt, wird Hulda aktiv. Wieder ermittelt auch ihr Bekannter, der Kommissar Karl North, in einem ähnlichen Fall. In privaten Dingen läuft es für Hulda eher durchwachsen. Sie und Karl führen eine unregelmäßige Beziehung mit etlichen Aufs und Abs, weil beide wohl eine feste Beziehung fürchten. Hulda findet in der Apothekerwitwe Elli eine neue Freundin, die sich vor allem über die zu gering geschätzte Rolle der Frauen austauschen. Auch der wachsende Einfluss der Braunhemden wird deutlich, nicht nur auf der Straße sondern auch im Hintergrund.

    Die Erzählung ist lebendig und vermittelt viel Atmosphäre. Sorgen und Nöte der Menschen kommen zu Wort, aber auch Momente der Freude. Hulda wirkt überaus sympathisch und fast bedauernd nimmt man die Entwicklung der persönlichen Verhältnisse zur Kenntnis. Fast alle Figuren sind tief gezeichnet mit vielen Grautönen und bieten Raum für überraschende Entwicklungen. Der Kosmos um Hulda Gold hat mich eingefangen.


    Fazit:

    Das Berlin der 20-er Jahre wird auch in diesem Buch lebendig und wieder dient ein Kriminalfall als Bindeglied. Spannende Figuren und eine interessante Handlung sorgen für einen Lese- und Hörgenuss. Die Vorleserin Anna Thalbach macht einen ausgezeichneten Job. Deshalb vergebe ich fünf von fünf Sternen (100 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus. Ich fiebere der Fortsetzung entgegen.


    ASIN/ISBN: 3839818133

    Es wird zeitweise dramatisch in diesem Abschnitt. Die Not der Hungernden wird deutlich als sich alle auf das verendete Schaf stürzen - eine beeindruckende Szene. Corinne ist während der Schwangerschaft manchmal etwas risikofreudig und tut alles für ihre Schafe. Erst nach der dramatischen Geburt achtet sie mehr auf sich und ihren Loup. Bernadette und Mimi sind am Rande dessen, was sie aushalten können und längst nicht alles, was sie tun, finden sie gut. Die Abwägung zwischen Verantwortung und Aufrichtigkeit ist im Krieg besonders schwierig. Auch Anton agiert aus Überzeugung und ich bin gespannt, ob es ihn gelingt, seinen Freund Johann zu retten. Bei der von Mylo organisierten Sightseeingtour zur Front fiel mir nichts mehr ein, so abstoßend fand ich das Verhalten. Aber vielleicht versteht er nun den Inhalt der Kriegsbilder mit grausigen Inhalten. Alexander wird sich wohl der Darstellung von Flugzeugen widmen.

    Das Auftreten der Geheimdienste tötet den reichlich vorhandenen Charme


    Buchmeinung zu Uta Seeburg – Der falsche Preuße


    „Der falsche Preuße“ ist ein Kriminalroman von Uta Seeburg, der 2020 bei Harper Collins erschienen ist.


    Zum Autor:

    Uta Seeburg ist Berlinerin und lebt in München, wo sie als Redakteurin bei einer Zeitschrift arbeitet. Die promovierte Literaturwissenschaftlerin wohnt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Haidhausen. »Der falsche Preuße« ist ihr erster Roman und Auftakt einer Krimireihe.


    Klappentext:

    München zur Jahrhundertwende. Es ist die Zeit der pferdegezogenen Trambahnen, der riesigen Bierpaläste und der gebratenen Kapaune. Und es ist der Beginn einer jungen Wissenschaft namens Kriminalistik. Wilhelm Freiherr von Gryszinski zieht von Preußen nach Bayern, um als Sonderermittler für die Königlich Bayerische Polizeidirektion tätig zu werden und den Beamten Errungenschaften wie den Fingerabdruck und die Spurensicherung am Tatort näherzubringen. Sein erster Fall: Ein stadtbekannter Bierbeschauer wird tot an der Isar gefunden – eingehüllt in einen kostbaren Federumhang, daneben der Abdruck eines Elefantenfußes. Gryszinski kommt bald einer Verschwörung nationalen Ausmaßes auf die Spur, die ihn vor eine unsägliche Wahl stellt: Ist er eher bereit, seine Ehre als bayerischer Beamter zu verletzen oder als preußischer Offizier?


    Meine Meinung:

    Zu Beginn hat mir das Buch gut gefallen mit seiner altertümlichen Sprach-und Schriftweise. Die Hauptfigur Wilhelm Freiherr von Gryszinski wirkt sympathisch und man glaubt ihm seine Rolle als Erneuerer der Polizeiarbeit. Dabei wirkt die Figur überaus glaubwürdig und kompetent. Es wird ein atmosphärisch dichtes Bild des Münchens jener Zeit geschaffen. Dann jedoch kommt die Komponente Geheimdienst ins Spiel und mein Lesevergnügen nahm rapide ab. Der Charakter der Geschichte ändert sich abrupt und Phantasie ersetzt bodenständige Polizeiarbeit. Vor allem verliert der Roman viel von seiner Glaubwürdigkeit und nicht nur die Hauptfigur verliert den Boden unter seinen Füßen.


    Fazit:

    Nach überzeugendem Beginn ändert sich die Geschichte mit der Komponente Geheimdienst grundlegend und verliert ihren Charme fast vollständig. Deshalb vergebe ich nur zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: 3959675372

    Verliert nach gutem Start die Glaubwürdigkeit


    Buchmeinung zu Doris Oetting – Kalte Liebe in Cuxhaven


    „Kalte Liebe in Cuxhaven“ ist ein Kriminalroman von Doris Oetting, der 2020 bei Prolibris erschienen ist.


    Zum Autor:

    Doris Oetting, Jahrgang 1970, lebt mit ihrem Mann in Minden, Nordrhein-Westfalen. Sie arbeitet in einer Werbeagentur, liebt das Reisen und natürlich Bücher. Mit ihrem Erstlingsroman "Am Größten aber ist die Liebe", der sich mit der Frage nach den wirklich wichtigen Dingen im Leben und den oft sehr verschlungenen Wegen zum Glück beschäftigt, verschafft sie ihren Lesern einen gefühlvollen und unterhaltsamen Ausflug vom Alltag.


    Klappentext:

    Sie will ihre Angst im Zaum halten, keine Verzweiflung aufkeimen lassen. Als die ersten Droh-SMS eintreffen, als sie mehr werden. Als sie merkt, jemand ist in ihrer Abwesenheit in ihrer Wohnung gewesen – in dem Nest, das sie sich nach einer gescheiterten Ehe in Cuxhaven geschaffen hat. Plötzlich erscheinen ihr die Menschen, die sie liebt, in einem anderen Licht. Es bleibt ihr eine alte Tante auf Neuwerk. Wird sie bei ihr Hilfe finden?


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich zu Beginn gefangen genommen. Sehr eindringlich werden die Gefühle und Empfindungen der Hauptfigur beschrieben. Der Prolog wirkt zudem überraschend und ungewöhnlich. Aber mit zunehmender Dauer wurde mir das Verhalten der Hauptfigur immer unerklärlicher und in keinster Weise mehr nachvollziehbar.

    Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven geschildert, meist aber aus der Sicht der gestalkten Nina. Auch der Stalker Marius kommt zu Wort. Es gibt klare Hinweise, aber Nina schweigt aus unerfindlichen Gründen und leidet still vor sich hin. Ein Besuch bei ihrer Tante liefert neue Ansätze, aber es bleibt beim Schweigen fast aller Beteiligten. Die Auflösung hat mich dann nicht mehr überrascht, aber eigentlich hatte ich mich schon gedanklich vom Buch verabschiedet. Das ist schade, weil mir der Einstieg gut gefallen hat.


    Fazit:

    Nach interessantem Start ging schnell die Nachvollziehbarkeit verloren und deshalb bewerte ich das Buch noch knapp mit zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten) und spreche keine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 3954752034

    Das Dorfleben steht im Vordergrund


    Buchmeinung zu Frank Friedrichs – Bandenkrieg in Vertikow


    „Bandenkrieg in Vertikow“ ist ein Kriminalroman von Frank Friedrichs, der 2020 bei DichtFest erschienen ist. Dies ist der vierte Band in dieser Reihe.


    Zum Autor:

    1969 wurde Frank Friedrichs in Hamburg geboren und ist bis zu seinem 38. Lebensjahr nicht weit von dort weggekommen. Seine Kindheit und Jugend hat er zwar streng genommen in Schleswig-Holstein verlebt - aber nur einen Steinwurf von der Hamburger Stadtgrenze entfernt. Wenn er so gut hätte werfen können.

    Mit 25 zog es ihn dann wieder in die Großstadt - um lange zu studieren (Germanistik, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, ein bisschen Psychologie, Alte Geschichte und Archäologie), ein Vokalensemble zu gründen, als Journalist und Arzthelfer zu arbeiten und den Mann fürs Leben kennenzulernen.

    2007 hat er dann endlich seinen Bestimmungsort gefunden: ein winziges Dorf in Mecklenburg. Und weiß seitdem, dass die Hamburger nicht einmal erahnen können, wie viel Himmel es um sie herum gibt ...


    Klappentext:

    Wieder liegt die Tat fast ein Jahr zurück: Ein scheinbar harmloser Unfall am Strand von Warnemünde droht der neuen Nachbarin Jutta Abramczyk zum Verhängnis zu werden. Überall im Dorf werden Gerüchte laut, sie habe ihren Mann ermordet. Kann Peer den Fall aufklären und Juttas Ansehen wiederherstellen?

    Das wäre mit Sicherheit einfacher, wenn nicht in Vertikow wieder ein Haufen Dinge geschehen würde, die ihn ablenken ...


    Meine Meinung:

    Dieses Buch enthält Krimielemente, ist aber eher ein Roman über das Dorfleben in Vertikow. Peer, die Hauptfigur und Ich-Erzähler, sitzt im Rollstuhl, arbeitet halbtags und war im früheren Leben Organist. Er ist im Dorf angesehen und kümmert sich, wenn man ihn um Hilfe bittet. Der Mann der neuen Nachbarin ist vor einem Jahr zu Tode gekommen und es kommen Gerüchte auf. So wird Peer aktiv, aber erst nach einer (zu) langen Vorlaufphase. Die Figuren der Dorfbewohner sind liebevoll gezeichnet und wirken durch die Bank sympathisch, auch wenn sie die ein oder andere Macke oder auch ein Problem haben. Es gibt ein paar Störungen, die durch Auswärtige verursacht werden, aber die die Dorfbewohner in den Griff bekommen. Peer ermittelt mit dem ihm eigenen Ehrgeiz und hat seine eigenen Regeln. Auch geht er erhebliche Risiken ein und gerät so selbst in Gefahr. Trotzdem hatte ich das Gefühl, das das Dorfleben im Vordergrund steht und der Kriminalfall eher Beiwerk ist. Der Fall wird aber vollständig und verständlich aufgeklärt. Der Spannungsbogen leidet an den vielen Nebenhandlungen und bleibt somit übersichtlich. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und vermittelt neben der dörflichen Atmosphäre die Liebe zum dörflichen Schauplatz und seinen Bewohnern. Auch die Schilderung einiger Begebenheiten aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers birgt Überraschungen.


    Fazit:

    Mir hat das Buch angenehme und unterhaltsame Lesestunden beschert, aber es ist kein Kriminalroman. Trotzdem vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde warmherziger Geschichten aus.


    ASIN/ISBN: B08DL32ZF6

    Auf Seite 126 werden Panzer erwähnt, die es damals noch nicht gab. Auch die Erwähnung der verbrannten Erde beim Marsch durch Belgien kann ich zu dem Zeitpunkt nicht teilen, sehe es aber als Beschreibung von Kriegsgräueln an, mit denen die Soldaten mehr oder weniger unvorbereitet konfrontiert werden. Auch der Einzug der kompletten wehrhaften Männerriege zu Beginn des Krieges scheint mir der dichterischen Freiheit entsprungen.

    Aus heutiger Sicht ist die Kriegsbegeisterung der Bevölkerung kaum nachzuvollziehen, aber sie gab es tatsächlich. Dabei ist dann der Krieg von 1870/71 bereits in Vergessenheit geraten. Man könnte fast an eine erfolgreiche Werbekampagne glauben. Kriegsgegner haben die Macht der Medien erst viel später für sich entdeckt.

    Der nette Anton will unbedingt mit in den Krieg ziehen und er wird voll von den Gräueln erwischt. Beeindruckend seine Fähigkeit, den Menschen und gerade den Sterbenden beizustehen.

    Im Dorf wird Bernardette zur Bürgermeisterin ernannt und nimmt sich auch dieser Herausforderung an. Überhaupt wird das Übersichherauswachsen der verbliebenen Frauen sehr anschaulich dargestellt. In der Not finden auch Corinne und Bernadette wieder näher zueinander, wie es der Wunsch von Wolfram gewesen ist. Beeindruckend sie Beschreibung des Zwiespalts von Mimi, die zum Überleben der Druckerei wider ihren Ansichten handeln muss. Und es ist der Adventskalender, der ein bisschen Geld einbringt. Aber die Situation der Menschen verschlechtert sich zusehends. Aber gerade dies fördert auch den Zusammenhalt der Menschen.

    Die Episode um die französische Verräterin nur aufgrund ihrer Herkunft ist ein deutliches Zeichen für all die wirren Gedanken, die manche Menschen befallen. Im Buch "Eine Liebe zwischen den Fronten" von Maria W. Peter fällt ein angesehener Geschäftsmann dem rasenden Mob zum Opfer. Menschen können schon ziemlich unmenschlich handeln. Aber hier kann die Bürgermeisterin es mit ihrem beherzten Auftreten zumindest vorerst im Keim ersticken.

    Dann mach ich mal den Anfang. Habe gestern den ersten Leseabschnitt am Stück gelesen, was schon mal ein gutes Zeichen ist. Es ist meine erste Begegnung mit einem Werk der Autorin. Deshalb habe ich auch die Vorgänger nicht gelesen, bin aber ohne Probleme in die Geschichte herein gekommen. Es gibt gleich geballte Frauenpower und ein bisschen Drama. Gefühlsmäßig empfand ich es manchmal etwas überzogen. Anton liebt Mimi und umgekehrt ist es auch so, aber beide wollen den aktuellen Status nicht gefährden. Die Schafsbaronin wirkt verbittert und hasst Caroline. Bernadette führt aber ein nicht mehr ganz kleines Unternehmen recht erfolgreich. Nach dem Betrug des Druckereileiters will es Mimi mit der Führung der Druckerei versuchen. Da hätte ich gerne etwas mehr zu gelesen. In den Gesprächen mit dem Major wird deutlich, dass dunkle Wolken aufziehen, auch wenn die Heftigkeit der kommenden Probleme wohl niemandem bewusst ist. Überraschenderweise ist es der Künstler, der mir die interessanteste Figur zu werden verspricht. Die starken Frauen sind sicher gerade für diese Zeit ungewöhnlich erfolgreich und selbstständig, wirken mir aber doch sehr geradlinig.

    Nun bin ich auch durch und der letzte Abschnitt hat mir weniger gefallen, weil es für mich zu rührselig war. Eddie und Ruth vernachlässigen für ihre Liebe ihre Pflichten und lassen Freunde im Regen stehen. Eddie hatte sich ja schon einmal Ärger eingehandelt, als er unerlaubt zu Ruth gegangen war. Bei Ruth passt es aber nicht, dass sie ihr Kosmetikstudio wochenlang ignoriert und noch nicht einmal Rachel informiert. Insgesamt hat mich dieser Band auch weniger gefesselt wie die Vorgänger.

    Nun ist es vorbei. Die Kriminalfälle werden mehr und mehr zur Nebensache. Das Ende hat mich überrascht. So recht kann ich mir Bertram nicht als alleinerziehenden Vater vorstellen. Es geht so in Richtung Hakan Nesser, dessen Geschichten ich oft begeistert folge ohne das viel passiert. Auch diese Geschichte ist einfach gut erzählt und bezieht ihren Reiz aus der Entwicklung der Figuren.

    Tenbrink hat ein Date mit der forschen Wirtin und ist beim Gassi gehen mit Locke ganz Ohr. Bertram ist neben der Spur und das Abschalten der Geräte trifft ihn mehr als ich erwartet habe. Die Rheinländer bietet an, Ella in ihre Obhut zu nehmen. Für den Samenspender ein lukratives Angebot. Der Fall ist immer noch unklar, denn alle Verdächtige scheinen es nicht gewesen zu sein.

    In den USA entwickelt sich das Geschehen für die Meyers positiv. Ruth und Rachel schaffen die Prüfung zur firmenbezogenen Kosmetikerin und finden eine neue Stelle. Natürlich ist es wieder eine jüdische Familie und Ruth tut etwas für Melly. Ruth kann sich bei der neuen Arbeitsstelle voll einbringen. Auch in Sachen Liebe tut sich etwas. Rachel plant, Andrew zu heiraten und die Beziehung zwischen Ruth und Eddie wird intensiver.

    In Deutschland geht es weit trostloser zu, wie wir ja wissen sollten. Trotzdem wirkt das permanente Anziehen der Schrauben aus der Sicht einer betroffenen Familie eindringlicher. Das Verhalten der Familie Aretz ist bewundernswert aber natürlich auch sehr riskant.

    Tenbrink grübelt wieder mehr über seine Ehe und schon sind die Aussetzer wieder stärker. Auch Bertram leidet heftig. Die Mutter so gut wie tot und wer kümmert sich dann um Ella. Das Abschalten der Geräte ist eine harte Entscheidung, die meine Mutter bei meinem Vater treffen musste. Und wenn es dann noch eine Weile dauert kommen schlimme Gedanken.

    Im Fall selber gibt es einen weiteren Toten und neue Ermittlungsansätze. Ich stehe aber immer noch im Nebel.

    Es entwickelt sich. Heinrich sammelt Informationen auf dem Friedhof, Maik ist um seine Ex-Geliebte erstaunlich besorgt und die Bauernfamilien sind alle irgendwie verwandt. Heini hat alles erzählt und schweigt nun für immer. Peggy bekommt die schlechte Laune von Maik ab und ist dann mal wieder weg. Ich mag die Gespräche Heinrichs, sei es auf dem Friedhof oder sei es mit den Jugendlichen auf Schatzsuche. Da kommt Atmosphäre rüber. Heinrich bleibt der mit mehr Feingefühl, während Maik oft zum Holzhammer greift. Falltechnisch steh ich noch im dichten Nebel.