Beiträge von wampy

    Der Aufstieg der UFA in unruhigen Zeiten


    Buchmeinung zu Peter Prange – Der Traumpalast: Im Bann der Bilder


    „Der Traumpalast: Im Bann der Bilder“ ist ein Roman von Peter Prange, der 2021 bei Fischer Scherz erschienen ist.


    Zum Autor:

    Bestsellerautor Peter Prange ist der große Erzähler der deutschen Geschichte. Als Autor aus Leidenschaft gelingt es ihm, die eigene Begeisterung für seine Themen auf Leser und Zuhörer zu übertragen. Die Gesamtauflage seiner Werke beträgt weit über drei Millionen. ›Der Traumpalast‹ ist sein vierter großer Deutschland-Roman. Die Vorläufer sind Bestseller, etwa sein Roman in zwei Bänden, ›Eine Familie in Deutschland‹. ›Das Bernstein-Amulett‹ wurde erfolgreich verfilmt, der TV-Mehrteiler zu ›Unsere wunderbaren Jahre‹ begeisterte ein Millionenpublikum. Der Autor lebt mit seiner Frau in Tübingen.


    Klappentext:

    Berlin, Anfang der zwanziger Jahre: Ein neues Lebensgefühl bricht sich Bahn - Freiheit! Es ist die Vision von glanzvollen Stars, spektakulären Großfilmen und glitzernden Kinopalästen, die Tino, Bankier und Lebemann, an der gerade gegründeten Ufa begeistert. Er riskiert alles, um mit der deutschen Traumfabrik Hollywood Paroli zu bieten. Rahel will als Journalistin Wege gehen, die Frauen bisher verschlossen waren. Als die zwei einander begegnen, ahnen sie nicht, welche Wende ihr Leben dadurch nimmt. Denn bald stellt sich ihnen die alles entscheidende Frage: Wie weit darf Freiheit gehen? In der Politik, in der Kunst – und in der Liebe.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch zerfällt für mich in zwei Ebenen. Einerseits wird eindrucksvoll die Historie um den Aufstieg der UFA, den Wettstreit zwischen den Wirtschaftsmagnaten Hugenberg und von Stauß und den politischen Entwicklungen in der jungen Weimarer Republik lebendig. Diese Ebene hat mir ausgesprochen gut gefallen, weil die Geschichte lebendig wurde mit ihren Hintergründen und den Auswirkungen auf die Menschen. Mit vielen kleinen Episoden wird die historische Dimension akkurat wiedergegeben. Gleichzeitig werden Gefühle der Beteiligten spürbar. In der zweiten Ebene wird die Beziehung der fiktiven Figuren Tino Reichenbach und Rahel Rosenberg und ihrer Umgebung thematisiert. Beide Figuren sind mit Ecken und Kanten gezeichnet und sorgen für reichlich Spannung. Beide sind mir kaum sympathisch erschienen, da sie eine Übereinkunft getroffen haben, die sehr extrem ist und ihre Liebe auf eine harte Probe stellt. Meiner Meinung nach übertreibt es der Autor mit der Konsequenz, die gerade Rahel fast ohne Rücksicht auf Verluste betreibt. Die Verbindung historischer und fiktiver Figuren hat mir gefallen, da sie den Zeitgeist und die Haltung und die Ansichten der historischen Figuren verdeutlicht.

    Trotz eines fehlenden Sympathieträgers hat mich diese Erzählung in weiten Teilen gefesselt und für etliche anregende Lesestunden gesorgt.


    Fazit:

    Mich haben die historischen Elemente weit mehr als die Liebesbeziehung zwischen Tino und Rahel überzeugt. Trotzdem war mein Lesevergnügen groß und ich bewerte das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten). Für Geschichtsinteressierte spreche ich eine Leseempfehlung aus.

    Solider Cosy Crime mit einigen ungewöhnlichen Themen


    Buchmeinung zu Andrea Instone – Der Salon des Todes


    „Der Salon des Todes“ ist ein Kriminalroman von Andrea Instone, der 2017 in Eigenregie erschienen ist. Dies ist der zweite Fall für Fräulein Schumacher.


    Zum Autor:

    Andrea Instone kam im Winter 1968 in Bonn zur Welt und ist nach Ausflügen in alle vier Himmelsrichtungen gerne dorthin zurück gekehrt. Hier lebt sie mit zwei Söhnen, zwei Hunden, zwei Katzen, jedoch nur einem Mann.


    Klappentext:

    Als Emma Schumacher im Winter 1926 ihre erste Arbeitsstelle als Stenotypistin eines Schönheitssalons antritt, möchte sie wie andere junge Frauen auch, vor allem eines: unabhängig sein. Dann aber geschieht ein schrecklicher Unfall und sie hält eine Tote in den Armen. Ein Unfall? Oder doch Mord? Gemeinsam mit ihrem englischen Freund James macht sie sich daran, den geheimnisvollen Fall aufzuklären!


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat eine Reihe von typischen Merkmalen eines Cosy-Krimis, überrascht aber an der ein oder anderen Stelle mit ungewohntem Inhalt und Themen. Emma Schumacher, die Hauptfigur, ist wohlbehütet aufgewachsen und tritt ihren ersten Job in einem Schönheitssalon an. Sie ist mit James, Sohn eines englischen Verlegers, befreundet, weiß aber nicht, ob es die große Liebe ist. Dann wird sie Zeuge eines Todesfalls nach einer elektrischen Behandlung im Schönheitssalon.

    Emma und die Polizei nehmen die Ermittlungen auf.

    Emmas Tante Sybil sorgt dafür, dass Emma nicht unvorbereitet auf die mögliche Ehe ist. Während der Chefermittler Simon Wertheim Ruhe und Kompetenz ausstrahlt, ist sein Assistent Siegfried Mertens nicht ganz unvoreingenommen bei den Ermittlungen tätig. Siegfried ist national eingestellt und von den politischen Agitatoren angetan. Er äüßert sich schon manchmal fremdenfeindlich. Die Figuren sind meist nicht sonderlich tief gezeichnet, geben aber durch ihr Äüßeres und ihr Auftreten ein anschauliches Bild der damaligen Zeit ab. Etliche Befragte und Verdächtige verbergen etwas und die Geheimnisse müssen mühsam gelüftet werden. Gerade bei der Beschreibung der Gefühlswelten übertreibt die Autorin manchmal und sorgt für humorige Situationen. Emma wirkt trotz der Überzeichnungen in Gefühlsdingen sympathisch, auch weil sie konsequent ihren Weg geht. Viele Figuren haben ihre Eigenheiten und kleine Macken und wirken so lebendig. Am Ende führen solide Polizeiarbeit und Emmas mutiges Vorgehen zur Lösung des Falles. Die Spannung leidet manchmal unter den ausführlichen Nebenhandlungen, zieht aber zum Ende merklich an.


    Fazit:

    Ein historisch angehauchter Kriminalroman mit Stärken und Schwächen, der vor allem durch die ungewöhnlichen Nebenthemen punktet. Deshalb bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde des Cosy Crime aus.


    ASIN/ISBN: B0764MY84R

    Acht Kriminalgeschichten zum Entspannen


    Buchmeinung zu Elfi Sinn – Sophie und die Krimifrauen vom alten Bahnhof -3 -


    „Sophie und die Krimifrauen vom alten Bahnhof -3 -“ ist eine Sammlung von acht Kriminalgeschichten von Elfi Sinn, der 2021 bei Books on Demand erschienen ist.


    Zum Autor:

    Elfi Sinn, geboren 1947, Kindergärtnerin und Diplom-Gesellschaftswissenschaftlerin, hat mehr als 20 Jahre als Heilpraktikerin psychotherapeutisch in eigener Praxis gearbeitet, seit 2017 im Ruhestand. Zahlreiche Veröffentlichungen zu psychologischen und gesundheitlichen Problemen in Fachjournalen und Frauenzeitschriften. 2017 erschien ihr erstes Buch Der Club der kleinen Millionäre - Coole Kids und der clevere Umgang mit Geld.


    Klappentext:

    Sophie, die junge Privatdetektivin, kann nach der Elternzeit ihre besonderen Fähigkeiten wieder stärker nutzen, um diejenigen glücklich zu machen, denen wertvoller Schmuck, wichtige Erinnerungsstücke oder andere geliebte Kostbarkeiten gestohlen wurden.

    Meine Meinung:

    Dieses Buch enthält acht Kurzgeschichten, die ich jeweils in einer Viertelstunde gelesen habe. Die Figuren sind einfach gehalten und die Ermittler durchweg liebenswürdig. Der Schreibstil vermittelt ein Wohlgefühl und die Seiten fließen nur so dahin. Sieben Ruheständlerinnen haben einen Krimiklub gegründet, der sich regelmäßig trifft und Vergehen im Umkreis untersucht. Sophie, Tochter eines Krimiklubmitglieds, betreibt eine Detektei, die sich auf Wiederbeschaffung verschwundener Gegenstände spezialisiert hat. Sie wird gelegentlich von den Klubmitgliedern unterstützt. Eine Kindergruppe samt Haushunden und die Partner der Ruheständlerinnen arbeiten bei Bedarf mit an der Lösung der Kriminalfälle. Die Fälle selber decken ein breites Spektrum ab (Alles außer Gewaltverbrechen), sind aber dem Format bedingt nicht sonderlich komplex. Die Teammitglieder können ihre Fähigkeiten einbringen und sind mit ganzem Herzen bei der Sache. Es sind Geschichten, bei denen man sich angenehm und leicht unterhalten kann.


    Fazit:

    Alle acht Geschichten sind Wohlfühlfälle für die Seele und kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch. Deshalb bewerte ich die Storysammlung mit vier von fünf Sternen (75 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 3754348116

    Entwickelte sich zu einem Jahreshighlight


    Buchmeinung zu Andreas Wagner – Herrgottsacker


    „Herrgottsacker“ ist ein Kriminalroman von Andreas Wagner, der 2021 im Emons Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Andreas Wagner ist Winzer, Historiker und Autor. Nach dem Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Bohemistik in Leipzig und an der Karls-Universität in Prag hat er 2003 zusammen mit seinen beiden Brüdern das Familienweingut seiner Vorfahren in der Nähe von Mainz übernommen. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.


    Klappentext:

    Ein verstörendes Verbrechen in Rheinhessen Unter einer verlassenen Gartenlaube bei Mainz werden menschliche Knochen gefunden. Zunächst deutet alles darauf hin, dass sie aus einem der Gräber des nahen Friedhofs stammen. Doch dann verdichten sich die Hinweise auf einen Mord, der erst wenige Jahre zurückliegt – und niemand scheint den Toten zu vermissen. Kriminalhauptkommissar Harro Betz und seine Kollegen stehen vor einer harten Probe. Wie sollen sie ein Verbrechen aufklären, dessen Opfer gar nicht zu existieren scheint?


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist bisher die größte positive Überraschung des Jahres. Dies liegt vor allem an der Figurenzeichnung und dem gelungenen Mix aus Krimi- und Nebenhandlungen. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt und im Laufe der Zeit schält sich Ravi Bingenheimer als Hauptfigur heraus. Er ist in Ceylon geboren und wurde von einem deutschen Ehepaar adoptiert. Ravi hegt mittlerweile Zweifel am Ablauf der Adoption. Sein Chef Harro Betz hat mehr als ein Alkoholproblem. Sein Kollege Tobias Schmahl, junger Familienvater mit zwei Kindern, hat private Probleme. Trotz aller persönlichen Probleme funktionieren die drei Kriminalbeamten als Team, auch wenn sie bei den Problemen ihrer Kollegen nicht in die Tiefe gehen. Ihr aktueller Fall ist ein Leichenfund eines Jungen bei Abrissarbeiten. Schnell zeigt sich, dass vieles anders ist als es auf den ersten Blick aussieht. Zudem erfährt der Leser von einem unbekannten Rächer, dessen Gedanken und Treiben einige Abschnitte gewidmet sind.

    Der Grundton des Romans ist dunkel und eigentlich war mir nur Ravi sympathisch. Er sorgt auch für positive Momente und eine Portion Humor. Bei seinen Kollegen habe ich einen baldigen Zusammenbruch befürchtet. Regionales Flair ist insbesondere über den Weinbau gegeben. Der Autor schildert realistische Polizeiarbeit und doch steigt die Spannung kontinuierlich. Aber auch die Belastung der Kriminalbeamten bleibt ein Thema.

    Viele der Nebenfiguren haben graue Flecken und einige Spuren erwiesen sich als falsch. Doch am Ende kommt meist die Wahrheit ans Licht und die Täter werden bestraft.


    Fazit:

    Mich hat dieser Kriminalroman um die Mainzer Kriminalbeamten voll und ganz überzeugt. Die Figurenzeichnung war herausragend und der Mix aus Kriminalfall und Nebenhandlungen stimmte. Deshalb bewerte ich das Werk mit fünf von fünf Sternen (100 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus. Gespannt warte ich auf eine Fortsetzung.

    Ein historischer Abenteuerroman mit einer überzeugenden Hauptfigur


    Buchmeinung zu Stefan Maiwald – Der Spion des Dogen


    „Der Spion des Dogen“ ist ein Historischer Roman von Stefan Maiwald, der 2016 bei dtv erschienen ist. Dies ist der Auftakt der Serie um Davide Venier.


    Zum Autor:

    Stefan Maiwald, geboren 1971, ist mit einer Italienerin verheiratet, lebt mit seiner Familie in Italien und schreibt u. a. für ›GQ‹, ›Freundin‹, ›Merian‹, das ›SZ-Magazin‹ und das ›Golf Journal‹.


    Klappentext:

    Venedig 1568. Eine boshafte Intrige bringt den angesehenen, lebenslustigen Geschäftsmann Davide Venier über Nacht um sein Vermögen und in die berüchtigten Bleikammern, das Gefängnis der Serenissima. Doch eines Tages erhält er ein überraschendes Angebot: Straferlass gegen Spionagedienste für den Dogen. Gleich der erste Auftrag könnte brisanter kaum sein: Rüstet sich das Osmanische Reich, Venedigs Erzfeind, für einen Krieg?


    Meine Meinung:

    Bei diesem Buch war mir lange nicht klar, ob ich es mag oder nicht. Mit Davide Venier hat es eine Hauptfigur mit vielen Grautönen, so wie ich sie mag. Ich fand ihn auch sympathisch, aber dann wurde er im Gefängnis zum Kampfkünstler. Seine ruhige Art gefällt mir gut, besonders hat es mir sein osmanischer Freund, den er im Gefängnis kennengelernt hat, angetan. Dieser agiert meist im Hintergrund, ist aber zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Etliche bekannte Persönlichkeiten bekommen einen Gastauftritt, der ihre Verbindung zu Venedig erläutert. Sehr gut gefallen haben mir die Erläuterungen zu Venedigs Politik und Machtstruktur. Auch die Handelsmacht und -politik, sowie die Interessen der Venedig feindlich gesinnten Mächten wurden betrachtet. Unschön fand ich die überaus negative Beschreibung der osmanischen Feinde, die als abgrundtiefe Bösewichte daherkommen. Der Schreibstil war gut verständlich, erforderte aber Aufmerksamkeit. Der Spannungsbogen verlief mit vielen Schwankungen und ließ immer wieder Zeit für erzählerische Einschübe. Über dem ganzen Roman schwebt aber die Macht einiger noch unbekannter Figuren, die Davide Venier für ihre Zwecke einsetzen. Mir tat Davide zu wenig, um diese zu enttarnen und sich aus ihrem Einfluss zu lösen.


    Fazit:

    Ein historischer Abenteuerroman mit Stärken in der Einbindung historischer Vorgänge und einer überzeugenden Hauptfigur. Gestört haben mich aber etliche Übertreibungen und Gewaltdarstellungen. Deshalb bewerte ich das Buch auch nur mit drei von fünf Sternen (65 von 100 Punkten), will aber die Fortsetzung lesen.


    ASIN/ISBN: B01LF5CR8G

    Eine sympathische Hauptfigur mit einem Touch Superfrau


    Buchmeinung zu Rhys Bowen – Flammen über San Francisco


    „Flammen über San Francisco“ ist ein Kriminalroman von Rhys Bowen, der 2021 im dp Verlag in der Übersetzung von Lennart Janson erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Time of Fog and Fire“ und ist 2016 erschienen.


    Zum Autor:

    Rhys Bowen wurde in Bath, England, geboren, studierte an der London University, heiratete in eine Familie mit historischen königlichen Verbindungen und verbringt nun ihre Zeit im Norden von Californien und Arizona. Zunächst schrieb sie Kinderbücher, doch auf einer Reise in ihre malerische walisische Heimat fand sie die Inspiration für ihre Constable-Evans-Krimis. Diese Kriminalgeschichten sind mittlerweile Kult und wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


    Klappentext:

    Molly Murphy Sullivans Ehemann Daniel, ein Police Captain im New York der Jahrhundertwende, hat unter dem neuen Polizeipräsidenten einen schweren Stand. Da kommt es ihm gerade recht, dass der Geheimdienst ihm einen Auftrag anbietet. Molly kann ihm keine Details über die Ermittlungen entlocken und er reist ab, ohne ihr zu sagen, wo er überhaupt eingesetzt wird. Noch unruhiger wird Molly, als sie einen seltsamen Brief von Daniel erhält, aus dem sie schließt, dass sie ihn in San Francisco aufsuchen soll. Er muss in furchtbaren Schwierigkeiten stecken, wenn er sie so um Hilfe bittet. Als Molly sich mit ihrem kleinen Sohn auf eine Reise quer durch das Land begibt, kann sie nicht ahnen, was sie erwartet, nur, dass es gefährlich wird – ja, es könnte sogar ihr Leben in Gefahr bringen …


    Meine Meinung:

    Im Mittelpunkt des Buches steht die selbstbewusste junge Mutter Molly Murphy, die ohne zu zögern ihrem Ehemann in San Francisco zu Hilfe eilt. Erwartet hätte ich, dass sie ihren Sohn in New York bei ihren Freundinnen zurücklässt, da die Reise lang und anstrengend ist und Molly nicht ahnt, was sie in San Francisco erwartet. Molly ist aufgeweckt, hartnäckig und sympathisch. Manchmal ist sie etwas arg risikofreudig. In San Francisco herrscht ein Riesentrubel um den geplanten Auftritt Enrico Carusos. Molly lernt einen Agenten der Met kennen, der die Anreise des Opernensembles organisiert. So erfährt man viel über die Probleme einer Reise zur damaligen Zeit und erhält einen ersten Eindruck von den chaotischen Zuständen in San Francisco. Als dann auch noch das große Erdbeben ausbricht hat Molly die Kontrolle verloren und es braucht all ihre Fähigkeiten und eine gehörige Portion Glück, um diesen Höllentrip heil zu überstehen. Und der Fall, der ihren Mann nach Kalifornien führte, harrt ja auch noch der Lösung.

    Viele der geschilderten Personen sind etwas ungewöhnlich für die damalige Zeit, weil sie aus dem gewohnten Rahmen fallen. Die Geschichte wird aus der Sicht Mollys erzählt und lebt von Gedanken und Gefühlen der Protagonistin. Der Schreibstil ist angenehm und die Seiten fließen nur so dahin. An manchen Stellen überzieht die Autorin bei der Beschreibung der Zustände in Kalifornien. Molly muss einiges erleiden, aber sie behält meist einen klaren Kopf und auch der Zufall ist meist auf ihrer Seite. Während in New York eine ruhige Atmosphäre mit vertrautem Umfeld herrscht, steht die Welt in San Francisco Kopf. Hier kann Molly zeigen, was in ihr steckt. Die Autorin hat ihr einen adäquaten Gegenpart gegönnt, der Molly alles abfordert. Es gibt eine Reihe von Nebenhandlungen und kleinen Episoden, die die raue Handlung auflockern und auch Mollys Fähigkeiten erstrahlen lassen. Es braucht seine Zeit, bis der Fall in Schwung kommt und die Spannung ansteigt und auf hohem Niveau verbleibt. Die Auflösung ist nachvollziehbar und vollständig. Zudem scheint Molly Gefallen an der Gefahr gefunden zu haben.


    Fazit:

    Dieser Kriminalroman lebt von seiner Hauptfigur, die sympathisch, aber auch etwas übernatürlich wirkt. Mir war es manchmal etwas zu viel Superfrau und deshalb bewerte ich das Werk mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B09FY9H36L

    Über Freundschaft von Smokey, Schani und Hias


    Buchmeinung zu Tanja Weber – Betongold


    „Betongold“ ist ein Kriminalroman von Tanja Weber, der 2021 im Hoffmann und Campe Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Tanja Weber, gebürtige Berlinerin, aber zur Schulzeit von den Eltern nach Bayern verschleppt. Abitur in Bayern, Studium der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft sowie Kunstwissenschaft wieder in Berlin. Tanja Weber hat als Theaterdramaturgin gearbeitet und war als Drehbuchautorin für zahlreiche TV-Produktionen tätig. Ihr erster Roman „Sommersaat“ erschien im Juli 2011 und wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Im Frühjahr 2013 erschien mit „Oberland“ der zweite Teil der Reihe um den Postboten Johannes Stifter. Unter dem Pseudonym Marie Matisek schreibt Tanja Weber Unterhaltungsromane, als Judith Arendt Krimis.

    Mit ihrer Familie lebt Tanja Weber im Umland von München.


    Klappentext:

    Josef Frey, genannt Smokey, hat sein Leben als Mordermittler verbracht, doch seit fünf Jahren ist er raus. Morbus Bechterew, eine unheilbare Rückenkrankheit, zwingt ihn, den Blick auf den Boden zu richten, goldenen Münchener Boden. Mithilfe von Cannabis und endlosen Spaziergängen durch die Stadt will er seinen Schmerzen entkommen. Bis sein alter Freund Schani, der sich zuletzt als Immobilienhai einen unrühmlichen Namen gemacht hat, mit dem Gesicht nach unten in einer Baugrube liegt. Auf der Suche nach der Wahrheit über den Tod des Freundes muss Smokey weiter durch München laufen, denn er weiß: Die Antwort liegt irgendwo da draußen, in den Straßen seiner schönen und grausamen Stadt.


    Meine Meinung:

    Das Besondere an diesem Buch ist der lockere Erzählton der Geschichte. Smokey, Schani und Hias sind seit Kindertagen befreundet und nun liegt der Schani tot in einer Baugrube. Smokey, Polizist im Frührentnerdasein wegen seines Rückenleidens, will wissen, warum sein alter Freund sterben musste. Verdächtige gibt es genug, denn Schani war ein rücksichtsloser Immobilienhai, allerdings manchmal mit Herz. Die Geschichte wird aus der Sicht Smokeys erzählt und dreht sich vorwiegend um Beziehungen und das Leben über all die Jahre im Münchener Stadtteil Giesing. Es gibt viele Nebenhandlungen und der Kriminalfall wird zeitweilig zur Nebensache. Trotzdem hat mich die Geschichte um die drei Freunde lange Zeit gefesselt. Smokey ist eine durch und durch sympathische Erscheinung, der versucht hinter die Fassaden zu schauen. Viele kleine Episoden und der humorige Grundton sorgen für ein entspanntes Lesen. Im Gegensatz zum humorigen Grundton steht die eher traurige Tristesse des Lebens in Giesing, das durch viele Probleme und Schicksalsschläge geprägt ist. Gegen Ende widmet sich die Autorin den Immobilienhaien und ihrem Umfeld. Seltsamerweise fand ich diesen Abschnitt weniger interessant. Übrigens wird der Todesfall vollständig geklärt.


    Fazit:

    Das Buch ist eher ein Beziehungs- als ein Kriminalroman, der von der Erzählkunst der Autorin und der sympathischen Hauptfigur lebt, mich aber lange Zeit gefesselt und gut unterhalten hat. Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus für die Freunde von Romanen im Stil von Hakan Nesser.


    ASIN/ISBN: 3455012140

    Bietet Potential für mehr


    Buchmeinung zu Ruth M. Fuchs – Tod eines Haderlumpen


    „Tod eines Haderlumpen“ ist ein Kriminalroman von Ruth M. Fuchs, der 2021 im Raposa Verlag erschienen ist. Dies ist der dritte Band um den Straubinger Hauptkommissar Quirin Kammermeier.


    Zum Autor:

    Ruth M. Fuchs kam von Straubing nach München, um Verwaltungswissenschaften zu studieren. Nach dem Diplom blieb sie und lebt inzwischen mit ihrem Ehemann in Karlsfeld. Ihren künstlerischen Ausdruck suchte sie zuerst in der bildenden Kunst. Sie modellierte Softskulpturen, die sie auf mehreren Ausstellungen in Deutschland und Österreich präsentierte. Als sie, eigentlich durch Zufall, die Herausgeberin des Magazins „Neues aus Anderwelt“ wurde, begann sie auch zu schreiben. Inzwischen hat sie das Modellieren hintangestellt und widmet sich ausschließlich der Tätigkeit als Schriftsteller.


    Klappentext:

    Quirin Kammermeier, Hauptkommissar aus Straubing, freut sich auf sein erstes gemeinsames Weihnachten mit seinem Freund Kurt im schwäbischen Tuttlingen. Da schreckt ihn ein Anruf seines Kollegen Rolf auf: Sabine, Quirins langjährige Kollegin und gute Freundin, steht unter Mordverdacht. Und es sieht gar nicht gut für sie aus.

    Sofort lässt Quirin alles stehen und liegen und fährt zurück nach Straubing, um ihr zu Hilfe zu eilen. Aber das ist gar nicht so einfach, denn offiziell darf er nicht ermitteln. So muss er auf recht unkonventionelle Methoden zurückgreifen, um vielleicht doch noch herauszufinden, wer der wahre Mörder ist. Und das bedeutet, dass er auch bereit sein muss, ein großes Risiko eingehen.


    Meine Meinung:

    In diesem Buch spielt die Hauptfigur Quirin Kammermeier eine dominante Rolle. Leider ist mir diese Figur zu eindimensional gut geraten. Er ist nahezu perfekt, ein begnadeter Gesprächsführer, ideenreich, herzensgut und scheut kein Risiko, seiner Kollegin Sabine zu Hilfe zu kommen. Auch die übrigen Figuren sind meist flach gezeichnet und können problemlos in gut oder schlecht unterteilt werden. Trotzdem liest sich das Buch leicht und locker, weil viele Perspektivwechsel für Abwechslung, Tempo und Spannung sorgen. Auch die mit bayrischen Ausdrücken untermalten Passagen sorgten für ein angenehmes Lesegefühl, Angenehm aufgefallen ist mir die Figur Christel, deren Zwiespalt bei der Zusammenarbeit mit Quirin gut herausgearbeitet wurde. Die Ermittlungen wurden glaubhaft und nachvollziehbar beschrieben und endeten in einem Showdown, bei dem der Klamauk die Oberhand gewann. Insgesamt habe ich gute Ansätze gesehen, aber manchmal übertrieb es die Autorin. Da wäre wie zum Beispiel beim Showdown weniger mehr gewesen.


    Fazit:

    Ein unterhaltsamer Kriminalroman mit Stärken gerade in leisen Passagen, bei dem ich mir gerne etwas mehr Tiefe in den Figuren und etwas weniger Klamauk gewünscht hätte. Deshalb bewerte ich das Buch mit drei von fünf Sternen (65 von 100 Punkten).

    Auch der fünfte Band hat mich begeistert


    Buchmeinung zu C. S. Harris – Die Gräber von Tanfield Hill


    „Die Gräber von Tanfield Hill“ ist ein historischer Kriminalroman von C. S. Harris, der 2021 im dp Verlag in der Übersetzung von Angelika Lauriel erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „What Remains of Heaven“ und ist 2009 erschienen. Dies ist der fünfte Band um Sebastian St Cyr.


    Zum Autor:

    C. S. Harris, auch bekannt als Candice Proctor und C. S. Graham, ist die USA-TODAY-Bestsellerautorin von mehr als zwei Dutzend Romanen, darunter die historische Krimi-Bestsellerserie rund um Sebastian St. Cyr. Als ehemalige Akademikerin mit einem Doktortitel in europäischer Geschichte hat Candice einen Großteil ihres Lebens im Ausland verbracht und in Spanien, Griechenland, England, Frankreich, Jordanien und Australien gelebt. Heute wohnt sie zusammen mit ihrem Ehemann, dem pensionierten Armeeoffizier Steven Harris, in New Orleans, Louisiana.


    Klappentext:

    London, 1812: Als der umstrittene Bischof von London erschlagen in einer alten Krypta neben der verwesten Leiche eines unbekannten Mannes gefunden wird, bittet der Erzbischof von Canterbury den jungen Adligen Sebastian St. Cyr um Hilfe. Dieser hat mittlerweile in den höchsten Kreisen Englands den Ruf eines verwegenen Ermittlers. Außerdem kennt er die Person, die den Bischof als letztes gesehen hat …

    Es ist ausgerechnet Miss Hero Jarvis, Tochter des gefährlichen Vetter des Prinzregenten, zu der Sebastian ein sehr angespanntes Verhältnis pflegt. Seine Suche nach dem Mörder führt ihn von den hintersten Winkeln Smithfields bis in die Machtkorridore von Whitehall und zwingt ihn, sich den gut gehüteten Geheimnissen der Vergangenheit seiner eigenen Familie zu stellen …


    Meine Meinung:

    Auch der fünfte Band aus dieser Serie hat mich bestens unterhalten. Als herausragend empfinde ich die Figurenzeichnung und das Setting dieser Reihe. Viele der Figuren sind komplex gezeichnet und haben dunkle Flecken. Typische Verhaltensweisen der besseren Kreise werden nachvollziehbar erläutert und man versteht, welchen Zwängen Count Devlin unterliegt. Die Hauptfigur ist eine gelungene Mischung aus Sherlock Holmes und James Bond. Auch wenn er über ein sehr gutes Gehör und ein sehr gutes Nachtsichtvermögen verfügt ist er kein Supermensch. Er weis sich aber zu wehren und schreckt auch vor tödlicher Gewaltanwendung nicht zurück. Das Ermittlerteam um den ehemaligen Straßenjungen Tom, dem überaus kompetenten Wundarzt Gibson und dem Untersuchungsrichter Sir Henry Lovejoy bildet ein solides Fundament für das Wirken von Sebastian St. Cyr. Eine interessante Rolle spielt Lord Jarvis, der im Hintergrund die Fäden im Staat zieht. Lord Jarvis ist überaus mächtig und versucht Vieles unter den Teppich zu kehren, wenn es ihm zu Pass kommt. Auch dieser Fall ist wieder komplex und behandelt gleich mehrere Tabuthemen. Im Laufe der Ermittlungen wird Sebastian St. Cyr bedroht und gerät in Lebensgefahr. Neue Informationen über die Vorgeschichte der Figuren spielen eine nicht unwesentliche Rolle und erläutern die Motive der beteiligten Personen. Eine zunehmend größere Rolle spielt Hero Jarvis, die selbstbewusst auftritt und konsequent ihre Ziele verfolgt, auch wenn es sie selbst in Gefahr bringt. Sie kreuzt immer wieder die Wege des Count Devlin und beide sind sich im Wesen ähnlich, zudem bringt sie neue Themen in die Handlung ein.

    Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt und auch die Gedanken der handelnden Personen werden deutlich. Auch wenn diverse Nebenhandlungen mit der Geschichte verquickt werden, bleibt die Spannung durchweg auf hohem Niveau. Der Schreibstil ist flüssig und eindringlich.


    Fazit:

    Auch der fünfte Fall für Count Devlin hat mich begeistert. Figurenzeichnung und Setting sind überragend. Deshalb vergebe ich fünf von fünf Sternen (95 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B09DZWRQW8

    Ein unterhaltsamer Krimi mit parodistischen Zügen


    Buchmeinung zu Elke Schwab – Kriminelle Intelligenz


    „Kriminelle Intelligenz“ ist ein Kriminalroman von Elke Schwab, der 2021 im Silibro Verlag erschienen ist. Dies ist der siebte Fall für das Ermittlerduo Baccus und Borg.


    Zum Autor:

    Nach vierzehn Jahren in Frankreich hat sich die mehrfach ausgezeichnete Autorin nun wieder im Saarland niedergelassen, wo sie schreibt und lebt, zusammen mit Ehemann samt Pferd und Katze. Elke Schwab wurde 1964 in Saarbrücken geboren und ist im Saarland aufgewachsen. Nach dem Gymnasium in Saarlouis arbeitete sie über zwanzig Jahre im Saarländischen Sozialministerium, Abteilung Altenpolitik. Schon als Kind schrieb sie über Abenteuer, als Jugendliche natürlich über Romanzen. Später entschied sie sich für Kriminalromane.


    Klappentext:

    Genau das tat er: Er lauerte seiner Beute auf. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass sein Angriff eine Reihe von strategischen Schachzügen beinhalten würde, womit er niemandem auch nur die geringste Chance ließ, zu entkommen. Das gehörte zu den Spielregeln, die er selbst bestimmte …

    Todesfälle durch selbstfahrende Autos der saarländischen Firma DynamoCars stellen die Kriminalkommissare Lukas Baccus und Theo Borg vor Rätsel. Doch je tiefer die beiden Kommissare in die Welt der Algorithmen und Künstlichen Intelligenz eindringen, umso mehr stellt sich ihnen die Frage, ob es schon so weit ist, dass autonome Maschinen das Töten von Menschen übernehmen …


    Meine Meinung:

    Bei diesem Buch war und bin ich mir nicht sicher, wie viel des Inhaltes als Parodie gemeint ist. Baccus und Borg sind schon spezielle Figuren mit einem Faible für Frauen und schnelle Vehikel. Sie harmonisieren gut miteinander und wirken manchmal etwas naiv. Allerdings sind ihr Chef und auch ihr Kollege Dieter Marx noch überspitzter dargestellt, während die weiblichen Mitarbeiter erstaunlich normal wirken. Hauptthema sind Todesfälle bei Testfahrten von selbstfahrenden Automobilen. Technische Aspekte werden verständlich erklärt und sind gut in die Handlung integriert. Die Figuren sind durch die Bank relativ flach gezeichnet, agieren aber meist nachvollziehbar. Immer wieder werden Gedanken des Täters eingeschoben und bereiten den Leser auf die nächsten Nackenschläge für die Ermittler vor. Der Täter wirkt in diesen Passagen etwas größenwahnsinnig, seine Identität bleibt aber verborgen. Viele Perspektivwechsel sorgen für ein hohes Tempo und hinreichend Spannung. Die teilweise recht gewalttätige Handlung wird regelmäßig durch Passagen mit trockenem Humor aufgelockert, besonders in den Gesprächen mit den früheren Bewohnern des Fabrikgeländes. Zum Ende gibt es einen passenden Showdown und eine vollständige Auflösung.


    Fazit:

    Mich hat dieser Kriminalroman mit mehr als einem Augenzwinkern sehr gut unterhalten, auch wenn die flach gezeichneten Figuren wenig Überraschungen boten. Deshalb bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B09DTJJRMQ

    Das Buch hat mir überhaupt nicht gefallen


    Buchmeinung zu Frank Neugebauer – Backdoor


    „Backdoor“ ist ein Kriminalroman von Frank Neugebauer, der 2021 bei BoD - Books on Demand erschienen ist.


    Zum Autor:

    Dipl.-Ing. (FH) Frank Neugebauer blickt auf eine langjährige Tätigkeit als Offizier der Bundeswehr zurück. Hier hat er über 25 Jahre auf dem Gebiet der IT-Sicherheit gearbeitet und war u.a. als IT-Sicherheitsbeauftragter verschiedene Dienststellen im In- und Ausland, Systems Engineer eines NATO-Hauptquartiers und Leiter eines Incident Response Teams eingesetzt. Als Mitglied des Computer Emergency Response Teams der Bundeswehr hat er maßgeblich an Schwachstellenanalyse in vielen Netzwerken der Bundeswehr mitgewirkt.


    Klappentext:

    Hauptmann Christoph Braun und sein Team werden in ein Bundeswehrkrankenhaus gerufen. Sie sollen einen mutmaßlichen Hackerangriff aufklären. Mit Hilfe der IT-Abteilung gelingt es Ihnen schon nach relativ kurzer Zeit, den Tätern auf die Spur zu kommen. Braun glaubt aber nicht, dass der Fall damit abgeschlossen ist. Auch gegen den Widerstand des Militärischen Abschirmdienstes versucht er, den Fall weiter aufzurollen.

    Was führen die Hacker im Schilde? Was haben Sie mit den erbeuteten Daten vor? Ist der Leiter der IT-Abteilung des Krankenhauses möglicherweise darin verwickelt?

    Bei einer Durchsuchung stößt das Team eher zufällig auf eine Spur, die sie dem eigentlichen Täter und seinem Motiv näherbringt.


    Meine Meinung:

    Weil ich in der IT-Branche tätig gewesen bin, war ich sehr auf das Buch gespannt. Es fing auch recht interessant an, aber dann begann das Buch, mir immer weniger zu gefallen. Es gab eine Unzahl inhaltlicher Wiederholungen, seien es Budgetfragen oder die Belastungen der Mitarbeiter durch Wochenendarbeit. Ebenso die wiederholten Probleme des Menschen, dessen Frau im Krankenhaus verstorben war. Richtig ärgerlich fand ich aber die Rolle der Frauen in diesem Buch. Bei einer derartigen Behandlung darf die geringe Anzahl weiblicher Kollegen niemand verwundern. Dann noch ein paar unnötige Sexszenen und ich war endgültig bedient. Erst auf den letzten fünfzig Seiten kam Spannung auf, aber das war mir zu wenig. Zuvor gelang es mir nicht, einen roten Faden in der Handlung zu entdecken. Wechselnde Perspektiven, mehrere Handlungsstränge und private Nebenhandlungen boten ungenutzte Ansätze, weil die Figuren durch die Bank sehr flach gezeichnet waren und keinerlei Überraschungen boten. Gewalttätige Radikale und eine Liebesgeschichte passten so gar nicht in die Geschichte. Auch wirkte keine der Figuren auf mich sympathisch.


    Fazit:

    Leider habe ich mich über den Inhalt eher geärgert als dass ich mich unterhalten gefühlt habe. Deshalb bewerte ich das Werk mit einem von fünf Sternen (20 von 100 Punkten) und spreche keine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: dp/B08YXVVBYS

    Ein Krimi, der mich begeistert hat


    Buchmeinung zu Roland Lange – Harzhunde


    „Harzhunde“ ist ein Kriminalroman von Roland Lange, der 2021 bei CW Niemeyer Buchverlage erschienen ist. Dies ist der zweite Fall um den Privatdetektiv Stefan Blume.


    Zum Autor:

    Roland Lange, Jahrgang 1954, lebt in der Nähe des Harzes in Katlenburg-Lindau. Er studierte in Hamburg Vermessungskunde und arbeitete als Vermessungsingenieur in den Katasterämtern in Göttingen und Osterode am Harz. Nebenher begann er zu schreiben: Romane, Liedtexte und Theaterstücke, seit 2010 auch Kriminalromane. 2014 beendete er seine Tätigkeit als Ingenieur und widmete sich ganz dem Schreiben. Roland Lange ist so etwas wie ein krimineller Botschafter des Harzes, denn auf seine Initiative fand 2011 das erste Mordsharz-Krimifestival statt. Seither gehört er zu den Organisatoren, die jedes Jahr im September hochkarätige deutsche und internationale Krimi-Autorinnen und -Autoren in den Harz einladen. Lange ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS), bei den 42er Autoren und im Syndikat, der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur.


    Klappentext:

    Was war das für eine Bestie? Das fragt sich Daniel Kranz, der nachts einem riesigen Wolf gegenübersteht. In letzter Sekunde entkommt er der Kreatur. War es Einbildung? Nein, die Risswunde an seiner Wade ist echt! Für Schafzüchter Thiele steht fest: Es sind Wölfe, die durch den Harz streifen und seine Tiere töten. Er macht die Wolfsexpertin Maria Hübner dafür verantwortlich. Privatdetektiv Stefan Blume steht Maria zur Seite.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist für mich die positive Überraschung dieses Lesejahres. Sowohl die Hauptfigur Stefan Blume als auch der Plot und die Erzählweise haben mich überzeugt. Stefan Blume ist ein ehemaliger Agent, der sich im Harz verkrochen hat und versucht, möglichst unauffällig zu leben. Ab und zu übernimmt er Detektivaufträge um sein Bankkonto zu entlasten. Als eine überwachte Person spurlos verschwindet ist sein Interesse geweckt. Als die Wolfsexpertin Maria Hübner in den Fokus von Wolfsgegner gerät, wendet auch sie sich an Stefan Blume.

    Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt und diverse Handlungsfäden machen es schwierig, einen roten Faden zu erkennen. Stefan Blume ist nicht der große Antreiber, aber er ist ein erfahrener und fleißiger Ermittler. Ein Gast in der Pension seiner Freundin Katja bereitet ihm zusätzlich Sorgen. Mir war die Figur Stefan Blume sympathisch, auch oder gerade weil sie sich nicht strikt an alle Gesetze gehalten hat. Zudem wuchs im Laufe der Zeit der Eindruck, dass er sich mit mächtigen Gegnern angelegt hat. Entwicklungen und Ereignisse werden meist durch Nebenfiguren angestoßen, die sie aber selten unter Kontrolle haben. So wirkt Stefan Blume oft wie ein Getriebener, der allerdings zu kämpfen bereit ist. Der Harz bietet eine wundervolle Kulisse für die Geschichte und der Autor nutzt seine Ortskenntnisse weidlich aus.

    Gerade die Gestaltung Nebenfiguren verleiht dem Krimi Authentizität und Glaubwürdigkeit. Der Spannungsbogen ist gekonnt gestaltet und bietet einige Spitzen. Die Geschichte gipfelt in einem passenden Showdown, bei dem Stefan Blume auf unerwartete Hilfe angewiesen ist.


    Fazit:

    Ein sehr gut konstruierter Krimi mit komplex gezeichneten Figuren, verzwickter Handlung und viel Harz-Athmosphäre, der mich blendend unterhalten hat. Gerne vergebe ich fünf von fünf Sternen (95 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B09DCVDHTJ

    Eine opulente Geschichte


    Buchmeinung zu Petra Schier – Das Kreuz des Pilgers


    „Das Kreuz des Pilgers“ ist ein historischer Roman von Petra Schier, der 2021 bei Harper Collins erschienen ist.


    Zum Autor:

    Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit Mann und Hund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur an der Fernuniversität Hagen, und seit 2003 arbeitet sie als freie Autorin.


    Klappentext:

    1379: Im Schutz einer Handelskarawane wollen Reinhild und ihr Gemahl in ihre Heimat Koblenz zurückkehren. Als sie von einer marodierenden Räuberbande überfallen werden, entgeht Reinhild nur knapp dem Tod, während für ihren Mann jede Hilfe zu spät kommt. Langsam erholt sie sich von den schrecklichen Ereignissen, doch sie weiß: Um ein Auskommen für sich und ihren Sohn zu haben, wird sie wieder heiraten müssen. Ein Gedanke, der ihr Angst macht. Trotzdem wird ihr immer klarer, dass es nur einen Mann gibt, der für sie in Frage kommt – auch wenn sie sicher ist, dass ihr Vater diese Verbindung niemals gutheißen wird.


    Meine Meinung:

    Im Mittelpunkt dieses Buches steht mit Reinhild eine junge Witwe, die einen gangbaren Weg für ihre weitere Zukunft finden muss. Weitere Hauptfiguren sind ihre Freunde aus gemeinsamen Jugendtagen Palmiro und Conlin. Jede von ihnen hütet gefährliche Geheimnisse, die ihre Zukunft bedrohen könnten. Diese drei Figuren sind komplex mit etlichen Grautönen gezeichnet. Zahlreiche weitere Figuren sind im sechsseitigen Personenverzeichnis gelistet, aber die Fülle an Personal sollte mögliche Leser nicht abschrecken. Einige der auftretenden Figuren sind aus anderen Büchern der Autorin bekannt und haben wie die hier noch junge Apothekertochter Adelina einen unterhaltsamen Gastauftritt. Doch werden auch viele ernste Themen angesprochen, die ich nur teilweise in einem historischen Roman erwartet hatte. Der Glaube an die Kraft von Reliquien, Agenten im Auftrag der Kirche, die Auswirkungen des Erbrechts auf die Nachgeborenen, Standesdenken, wirtschaftliche Abläufe, das alltägliche Leben im Mittelalter und die Liebe in vielen Variationen. Die aufwändige Recherche ist gelungen umgesetzt und führt zu einer jederzeit glaubhaften Handlung. Der Handlungsfaden ist dabei jederzeit spürbar. Allerdings ist die Fülle der Themen aufgrund der puren Anzahl schon grenzwertig.

    Der Schreibstil der Autorin ist leicht lesbar und vermittelt gleichzeitig Inhalte und Emotionen. Auch grausame und schwer verdauliche Geschehnisse sind enthalten, werden aber durch die umgebende Handlung abgemildert.

    Ein Nachwort der Autorin rundet das Werk ab.


    Fazit:

    Dieser Einstiegsband in einen neuen Mehrteiler überzeugt sowohl durch die Figurenzeichnung als auch die Handlung. Allerdings empfand ich die Fülle der Themen schon als grenzwertig. Trotzdem bewerte ich das Buch noch mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde komplexer historischer Romane aus.

    Manchmal etwas überzogen


    Buchmeinung zu Volker Dützer – Sturmtod


    „Sturmtod“ ist ein Kriminalroman von Volker Dützer, der 2021 im dp Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Volker Dützer, geboren 1964, lebt und arbeitet im Westerwald. Die Bandbreite seiner Romane reicht vom lupenreinen Kriminalroman über Science-Thriller bis zur Horror-Kurzgeschichte.


    Klappentext:

    Nachdem Jennifer Nowak bei einem Unfall ihren Verlobten verloren hat und seitdem durch Brandnarben entstellt ist, nimmt das Schicksal nun eine unerwartete Wendung. Sie erbt ein altes Haus auf den Klippen im abgelegenen Fischerdorf Pennack in Cornwall. Obwohl sie sich auf Anhieb wohl fühlt, versucht ein Unbekannter sie mit allen Mitteln zu vertreiben. Und bald entdeckt sie, dass das Haus und der verwilderte Garten ein schreckliches Geheimnis bergen. Während sie sich zusammen mit dem Außenseiter Travis Sayer auf die Suche nach Antworten macht, kommen sie einem gefährlichen Mörder immer näher. Doch auch Travis hat ein Geheimnis und bald weiß Jennifer nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Als ein Sturm heraufzieht, gerät sie in tödliche Gefahr …


    Meine Meinung:

    Der Einstieg in das Buch ist spannend und gelungen. Die beiden Hauptfiguren Jennifer Nowak und Travis Sayer sind jede auf ihre Art sympathisch. Beide sind gezeichnet und haben Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen. Beide lernen sich bei Jennifers geerbtem Haus kennen und beginnen es gegen viele Widerstände zu renovieren. Jennifer und Travis nähern sich an und entfernen sich dann doch wieder, weil Travis ihr seine Zeit im Gefängnis und vor allem den Grund dieses Aufenthalts verschweigt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Aufklärung der Familiengeschichte des Hauserbauers, der vor mehr als 100 Jahren unter mysteriösen Umständen verstarb.

    Die Figuren Jennifer und Travis sind komplex und bieten die ein oder andere Überraschung. Dies gilt auch für die Vorgänge in der Vergangenheit. Die weiteren Figuren sind leider meist deutlich als schwarz oder weiß gezeichnet. Die typische Atmosphäre Cornwalls habe ich nur selten empfunden, denn die mysteriösen Vorfälle um das Haus und der dort geschehenen Taten überdeckten diese. Irgendwie hatte ich manchmal das Gefühl, dass der Autor zu oft mit dem Holzhammer unterwegs war. Trotzdem war es spannend zu lesen und die dramatischen Ereignisse in der Sturmnacht waren beeindruckend. Dies wäre ein passender Abschluss gewesen, aber es ging noch weiter. Wieder wollte der Autor meiner Meinung nach zu viel.


    Fazit:

    Dieses Buch hat mit über weite Strecken dank des fesselnden Schreibstils und der interessanten Geschichten auf zwei Zeitebenen gut unterhalten. Leider gab es am Ende einen zusätzlichen Twist, der mir nicht gefallen hat. Deshalb bewerte ich das Buch auch nur mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten), spreche aber eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B09CDL82NB

    Eifersüchteleien statt Küstenkrimi


    Buchmeinung zu Zhara Herbst – Sprottenblut


    „Sprottenblut“ ist ein Kriminalroman von Zhara Herbst, der 2021 bei tredition erschienen ist.


    Zum Autor:

    Zhara Herbst, Jahrgang 1986, ist gebürtige Rostockerin. Ihr Psychologiestudium verschlug sie nach Kiel. Dort lebt sie immer noch und ist inzwischen eine echte Kieler Sprotte. Wenn sie sich nicht den Küstenwind um die Nase wehen lässt, arbeitet sie als Psychotherapeutin und Dozentin – oder feilt an ihrem nächsten Buch.


    Klappentext:

    Kriminaloberkommissar Pieter Anderson ist ein wahrer Meister im Verdrängen - bis im Kieler Schrevenpark die Leiche einer Frau gefunden wird und er dort auf Elisabeth Wagner trifft. Die unnahbare neue Kollegin ahnt nicht, dass sie Pieter mit den Geistern einer tragischen Vergangenheit konfrontiert. Sie will nur eins: sich wie gewohnt in ihre Arbeit stürzen, um der Einsamkeit ihrer vier Wände zu entgehen. Gemeinsam untersuchen die zwei ungleichen Ermittler eine Mordserie, die unerwartet ihrer beider Biographien betrifft, ihr Leben in Gefahr und völlig durcheinander bringt …


    Meine Meinung:

    Dieses Buch fing recht gut an, hat mich aber im weiteren Verlauf enttäuscht. Die hat gleich mehrere Gründe. Erstens firmiert es als Küstenkrimi, erweist sich aber als langwierige Liebesgeschichte. Zweitens haben mich die Figuren wenig überzeugt. Pieter und Elizabeth sind beide traumatisiert und erwecken mehr als einmal den Eindruck, als Polizisten wenig geeignet zu sein. Mir gefällt der Gedanke nicht, dass beide mit einer Schusswaffe unterwegs sind. Sie wirken völlig unglaubwürdig. Drittens wird die Liebesgeschichte immer wieder durch unverständliche Eifersuchtsanfälle in Rotation gehalten. Desweiteren waren einige Nebenfiguren ziemlich klischeehaft gehalten und die Auflösung kam aus dem Nichts.

    Aber es gibt auch positive Aspekte. Einige der Figuren der zweiten Reihe wie Tom, Lukas oder der krebskranke Hauptkommissar waren Figuren, die mich überzeugt haben. Auch der Schreibstil hat mich bei der Stange gehalten, denn ich habe das Buch zu Ende gelesen.


    Fazit:

    Trotz einiger guter Ansätze bleibt die unsägliche und unglaubwürdige Eifersuchtsgeschichte zwischen zwei traumatisierten Figuren das Hauptkriterium für meine Bewertung von zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten). Empfehlen kann ich das Buch nicht.


    ASIN/ISBN: B09771PYDC

    Verbrechen im Künstlermilieu


    Buchmeinung zu Luc Winger – Mord als Kunst: Der goldene Schnitt


    „Mord als Kunst: Der goldene Schnitt“ ist ein Kriminalroman von Luc Winger, der 2021 bei BoD – Books on Demand erschienen ist. Dies ist der zwölte Band in der Reihe Saint-Tropez Krimi.


    Zum Autor:

    Luc Winger lebt mit seiner Familie in einem kleinen hessischen Dorf. Mehrmals im Jahr verbringt er inspirierende Tage in der Provence. Seine Bücher schreibt er gerne im Sommer in freier Natur oder im Winter in seiner gemütlichen Hütte. Dazwischen geht er mit seinen zwei Hunden spazieren oder genießt die Zeit in seinem Garten.


    Klappentext:

    Der Maler Yves Honoré entzweit sich mit seiner Muse Pénélope und landet in den Armen der Amerikanerin Patricia. Das neue Glück währt nur kurz, denn seine Ex terrorisiert das Paar. Als auch noch der Verlobte von Patti aus den USA dazustößt, ist das Drama perfekt. Leidtragende ist die Freundin von Patti, denn sie verschwindet spurlos. Wurde sie Opfer der Tragödie, die sich zwischen den Liebenden abspielt? Commissaire Lucie Girard muss alle Register ziehen, um zwischen Lügen und Intrigen ihr Ziel zu erreichen.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch überzeugt atmosphärisch und durch einen gut konstruierten Kriminalfall. Die Figurenzeichnung hätte ich mir detaillierter gewünscht und etwas weniger Beziehungschaos hätte ich besser gefunden. Diesmal konnte mich auch die Ermittlerin Lucie Girard nicht wirklich überzeugen. Sie wirkte auch mich zu dominant, hatte immer den richtigen Riecher und ging unnötige Risiken ein. Ihre Kollegen kamen dadurch über Statistenrollen nicht hinaus. Manchmal waren die Beschreibungen recht drastisch, wurden aber durch humorvolle Passagen aufgelockert. Bedrückend fand ich das Leben in der Künsterkolonie, gerade für Neuzugänge.


    Fazit:

    Ein atmosphärisch starker Kriminalroman mit Schwächen in der Figurenzeichnung, der aber gut lesbar und unterhaltsam war. Drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten) lautet meine Bewertung. Allein für die Atmosphäre gebe ich eine Leseempfehlung.


    ASIN/ISBN: B09CL9SHQK

    Ein spannendes Hörerlebnis


    Buchmeinung zu Roman Klementovic – Wenn die Stille schreit


    „Wenn die Stille schreit“ ist ein Kurz-Thriller von Roman Klementovic, der 2021 bei GMEINER erschienen ist. Das ungekürzte Hörbuch wird von Kris Köhler gesprochen und ist 2021 bei steinbach sprechende bücher erschienen.


    Zum Autor:

    Roman Klementovic, 1982 geboren, lebt als freier Autor in Wien.

    Sprecher:

    Kris Köhler, 1980 geboren, ist hauptberuflicher Sprecher und Schauspieler. Er macht bei diesem Hörbuch einen ausgezeichneten Job.


    Klappentext:

    Während zwei entflohene Mörder die Gegend unsicher machen, fegt ein gewaltiger Schneesturm über das Land. Der Strom ist ausgefallen, viele Straßen sind nicht mehr passierbar. Tim erreicht erst kurz vor Mitternacht das abgelegene Landhaus, in dem er mit seiner Frau Natalie wohnt. Doch von dieser fehlt jede Spur. Dabei hat sie eben noch am Telefon beteuert, wach bleiben und auf ihn warten zu wollen. In völliger Dunkelheit begibt Tim sich auf die Suche nach ihr. Und macht bald eine verstörende Entdeckung …


    Meine Meinung:

    Über den Inhalt mag ich nichts erzählen, weil dann Spoiler fast unvermeidlich sind. Die Hauptperson Tim, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, wird beim Heimkommen unruhig, besorgt und dann zunehmend panisch. Diese Entwicklung beschreibt der Autor eindringlich und authentisch. Der Sprecher unterstützt dabei hervorragend. Die Spannung ist hoch und am Ende gibt es einen Showdown der besonderen Art, der stimmig wirkt.


    Fazit:

    Mich hat dieses Hörbuch sehr gut unterhalten und auch zum Nachdenken gebracht. Deshalb vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine klare Hörempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 3869746505

    Eine sympathische Ermittlerin kämpft sich durch


    Buchmeinung zu Sue Grafton – Dunkle Geschäfte: [H wie Hass]


    „Dunkle Geschäfte“ ist ein Kriminalroman von Sue Grafton, der 2014 bei Edel Elements in der Übersetzung von Cornelia Holfelder-von der Tann erschienen ist. Die deutsche Erstveröffentlichung erfolgte 1992 im Fischer Verlag. Der Titel der amerikanischen Originalausgabe lautet „H is for Homicide“ und ist 1991 erschienen.


    Zum Autor:

    Sue Grafton, geboren 1940 in Kentucky, gestorben 2017 in Kalifornien, schrieb Drehbücher, bevor sie ihren ersten Roman veröffentlichte. Inzwischen sind ihre Bücher um die witzige und eigenwillige Privatdetektivin Kinsey Millhone eine der erfolgreichsten amerikanischen Krimireihen überhaupt und werden in 26 Sprachen übersetzt. Sue Grafton war Präsidentin des Verbandes der "Mystery Writers of America" und lebte abwechselnd in Montecito, Kalifornien, und Louisville, Kentucky.


    Klappentext:

    Eigentlich ein Routinefall: Kinsey Millhone, zweimal geschiedene Expolizistin mit Mut und Einfühlungsvermögen, soll als Undercoveragentin einem Versicherungsbetrug auf die Spur kommen. Doch wie immer, wenn die eigenwillige Detektivin ermittelt, sind dramatische Verwicklungen nicht weit. Ein harmloses Abendessen endet mit einer Schießerei, Kinsey findet schließlich, nicht ganz freiwillig, in die Zentrale eines Betrugsunternehmens. Doch sie wäre nicht Kinsey Millhone, wüsste sie sich nicht mit Witz und Courage auch mitten im größten Versicherungsbetrug, der je in Südkalifornien aufgezogen wurde, zu helfen...


    Meine Meinung:

    Mitte der Achtziger bevölkerten die ersten weiblichen Vollzeitdetektive den Bücherkosmos: Carlotta Carlyle (Linda Barnes), V. I. Warshawski (Sara Paretsky) und eben Kinsey Millhone. Sie brachen in die Domäne der harten Jungs ein. Kinsey Millhone erblickte als letzte der drei Detektivinnen das Licht der Welt. In ihrem achten Fall ist sie als Detektivin etabliert und ermittelt im Versicherungsmilieu. Die leicht lesbare Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt und gibt auch einiges aus ihrer Gefühlswelt preis. Sie ist weicher als ihre männlichen Vorbilder, weniger spektakulär, aber sie nutzt auch sich bietende Gelegenheiten. Bei Gewaltaktionen hält sie sich nach Möglichkeit im Hintergrund. Sie hat einen trockenen Humor und wirkt auf mich sympathisch. Meist kann ich ihr Handeln nachvollziehen und hoffe auf ein gutes Ende. Viele der anderen Figuren sind wenig detailliert beschrieben und können schnell gut und böse zugeordnet werden, aber es gibt Ausnahmen, die die Handlung interessanter machen. Der Plot ist komplex und wird am Ende vollständig aufgelöst, auch wenn Kinsey, ihrer Art entsprechend, wenig dazu beiträgt.


    Fazit:

    Mich hat die Geschichte um die sympathische Ermittlerin gut unterhalten, auch wenn Kinsey Millhone oft zurückhaltend agiert. Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B00R5582FS

    Kommt langsam, aber gewaltig


    Buchmeinung zu A. K. Turner – Tote schweigen nie


    „Tote schweigen nie“ ist ein Kriminalroman von A. K. Turner, der 2021 bei Droemer in der Übersetzung von Marie-Luise Bezzenberger erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Body Language“ und ist 2021 erschienen.


    Zum Autor:

    A. K. Turner, die viele Jahre als Produzentin für die BBC arbeitete, entwickelte die Figur Cassie Raven, Assistentin der Rechtsmedizin, ursprünglich für eine BBC Radio-Sendung. Ihre erste Thrillertrilogie, die unter dem Pseudonym Anya Lipska erschienen ist, war so erfolgreich, dass Val McDermid die Autorin zum Harrogate Crime Festival einlud. A.K. Turner lebt in London.


    Klappentext:

    Als Assistentin der Rechtsmedizin ist die Londonerin Cassie Raven schräge Blicke gewöhnt. Möglicherweise ist auch ihr Gothic-Look mit zahlreichen Piercings und Tattoos nicht ganz unschuldig daran – ebenso wie ihre Überzeugung, dass die Toten mit uns sprechen, wenn wir nur ganz genau hinhören.

    Ebenso überzeugt ist Cassie davon, dass sie ohne die Hilfe von Mrs Edwards als Junkie unter einer Brücke gelandet wäre statt als Assistentin in der Rechtsmedizin. Umso größer ist ihr Schock, als sie einen Leichensack öffnet und in das Gesicht ihrer geliebten Mentorin blickt.

    Cassie ist sicher, dass Mrs Edwards ermordet wurde. Nur beweisen kann sie es nicht, denn eine kostspielige forensische Obduktion wurde bereits abgelehnt. Das macht ausgerechnet die unterkühlte DS Phyllida Flyte, die Cassie wegen einer verschwundenen Leiche auf dem Kieker hat, zu ihrer einzigen Option …


    Meine Meinung:

    Im Mittelpunkt dieses Buches stehen zwei Frauen, die man gut und gerne als Außenseiter bezeichnen kann. Cassie Raven fällt mit ihren Tattoos und Piercings sofort auf, während Phyllida Flyte immer wie aus dem Ei gepellt aussieht. Beide wirken sehr unterschiedlich und doch haben sie viel gemeinsam. Nach persönlichen Schicksalsschlägen finden sie in ihrem Beruf halt und beide üben ihren Beruf mit Leidenschaft und Überzeugung aus. Ihr erstes Zusammentreffen endet in offener Abneigung. Cassie war mir als etwas verrückte Person, die auch schon mal Grenzen überschreitet, schnell sympathisch, während es bei der überkorrekten Polizistin einige Zeit dauerte. Dies mag auch daran liegen, dass die meisten Kapitel aus der Sicht Cassies geschildert sind. Erst im weiteren Verlauf werden zunehmend Kapitel aus der Perspektive der Polizistin erzählt werden. Beide Frauen reflektieren ihre Erlebnisse und erkennen bald, dass sie ihre Ziele miteinander eher erreichen können. So beginnt ein Prozess der Annäherung zwischen Cassie und Phyllida, beginnend mit der Anerkennung der beruflichen Qualitäten und Leistungen. Natürlich gibt es Rückschläge und das Vertrauen ineinander ist ein zartes und gefährdetes Pflänzchen.

    Der Kriminalfall selber ist komplex und bietet einige Überraschungen. Das Tempo ist zu Beginn moderat und die Spannung entwickelt sich kontinuierlich. Phyllida und Cassie werden aufwendig als Figuren mit vielen Grautönen gezeichnet, während fast alle anderen Figuren nur skizziert werden. Der Erzählstil ist angenehm und überträgt auch Emotionen.


    Fazit:

    Die sich langsam und ruhig entwickelnde Geschichte der beiden so unterschiedlichen Hauptfiguren hat mich von Anfang an gefesselt. Dazu ist der Kriminalfall interessant und bietet einige Überraschungen. Deshalb bewerte ich das Buch mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.