Da bewerbe ich mich doch glatt. Die Autorin kenne ich noch nicht, aber die Kurzbeschreibung ist spannend. Mit "Die Hüterin der Spuren" von Thomas Perry habe ich mal etwas von der Thematik ähnliches gelesen, und war sehr angetan.
Beiträge von wampy
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Hallo Derek,
als Fan deiner Historischen Romane möchte ich wissen, ob du noch mal in dieses Genre zurückkehren willst.LG
Dieter -
Herzlichen Dank. Mein Buch habe ich gerade erhalten. Ich freue mich sehr auf die Leserunde!
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Buchmeinung zu Mona Frick – Mord am Ring: Kurzkrimi (Schäfers Ermittlungen 5)
„Mord am Ring“ ist ein Kurzkrimi von Mona Frick, der 2017 bei neobooks Self-Publishing erschienen ist.
Zum Autor:
Geboren ist Mona Frick 1968 als Tochter einer deutschen Mutter und eines arabischen Vaters in Eschwege in Hessen. Seit ihrer Kindheit lebt sie mit Begeisterung in Stuttgart. Beim Südwestrundfunk sammelt sie seit 1999 Erfahrungen mit Geschichten und Hörspielen. 2009 erschien ihr Debütroman "Sonne, Mond und Männer" beim Siriusverlag. Die Fortsetzung dazu "Liebe, Lust und Turbulenzen" erschien einige Jahre danach im Eigenverlag. Es folgten verschiedene Märchen als E-Book und Hörbuch. 2012 startete sie schließlich die augenzwinkernd erzählte Reihe Stuttgarter Regionalkrimis um den gewitzten, schwäbischen Oberkommissar Schäfer.Klappentext:
„Also, da hat sich mein junger Kollege einen feinen Streich erlaubt, bei dem Lärm hört` man ja sein eignes Wort ned!“
Der schwäbische Oberkommissar Schäfer soll Spaß haben und seinen Junggesellenabschied auf einem Rockfestival feiern. Hat er aber nicht. Wenigstens einer freut sich auf das Wochenende und vor allem auf den Auftritt von Billy Idol, und das ist sein guter Freund Horst Bromstetter. Der ist es auch, der einen Toten findet – mal wieder. Schäfer ist nun doch froh, hier zu sein, und weder windige Konzertveranstalter noch verdächtige Musiker können den schwäbischen Polizisten daran hindern, was er am besten kann: ermitteln ...
Meine Meinung:
Dieses Buch besticht durch die sympathisch gezeichneten Figuren, die mich sofort gefangen genommen haben. Der ältere Kommissar schwäbelt ohne Unterbrechung, ist grantig, aber trotzdem sehr sympathisch. Horst Bromstetter ist ein alter Bekannter, der für Schäfer mehr oder weniger zufällig die Leichen findet. Auch mit seinen jungen Kollegen kommt er gut zurecht, auch wenn sie manchmal doch etwas anders ticken, wie man an den geschenkten Konzertdaten sieht.
Thematisch geht es um Konzerte und um Bruderzwist. Zwei eineiige Zwillingsbrüder konkurrieren nicht nur als Leadsänger von Coverbands von Billy Idol. Beim neuen Rock-am-Ring-Festival tritt die siegreiche Coverband vor großem Publikum auf. Auch Schäfer und sein Freund Horst Bromstetter sind dort. Horst Bromstetter stolpert mal wieder über eine Leiche und Schäfer ist froh, nicht mehr der Rockmusik lauschen zu müssen. Aber er denkt an seinen Freund und gibt seine Karte an dessen Frau weiter.
Der Fall ist durchaus interessant und offenbart eine traurige Familiengeschichte, die einem tragischen Höhepunkt zusteuert.Fazit:
Ein kurzer Krimi aus dem Schwabenland, der augenzwinkernd mit viel Liebe zur Region und sympathischen Ermittlern erzählt wird. Diesmal kommt neben humorigen Passagen auch eine traurige Familiengeschichte vor, von der das ganze Dorf weiss, sich aber niemand einmischt. Ich vergebe gern vier von fünf Sternen oder 80 / 100 Punkten. Empfehlen kann ich den Kurzkrimi allen, die eine ruhige Geschichte mit viel Lokalkolorit mögen. -
Buchmeinung zu Nadin Hardwiger – An Tagen wie diesen
„An Tagen wie diesen “ ist eine Kurzgeschichte von Nadin Hardwiger, die 2017 bei booksnacks.de als Ebook erschienen ist.
Zum Autor:
Nadin Hardwiger wurde in Deutschland geboren, wuchs in Österreich auf und lebt heute mit ihrer eigenen Familie wieder in Deutschland. Sie arbeitet als Beraterin für ein IT-Unternehmen, doch die Sprache der Programmierung genügt ihr nicht. Begeistert stöbert sie nach Worten, ersinnt Figuren und webt Geschichten – am liebsten mit einem Glitzerkörnchen Magie und Glücks-Ende.
Klappentext:
Wenn euch das Glück auf die Schulter tippt
Liebe Mütter, kennt auch ihr diese ganz speziellen Tage, an denen das Glück euch nicht einfach nur so auf die Schulter tippt, sondern euch nach allen Regeln der Kunst umarmt?
Meine Meinung:
Ein Buch voller Schmalz zum Muttertag, für mich eigentlich weniger geeignet. Figuren der Handlung sind zwei Nachbarsfamilien, zum Einen eine Mutter mit einem kleinen Kind und zum Anderen ein junges Ehepaar, die in der Betreuung einer kleinen Katze aufgeht. Bei beiden Familien steht die Versorgung des jeweiligen “Babys” im Mittelpunkt. Anschaulich werden die Belastungen, die dabei auftreten, beschrieben. Nächtliches Aufstehen, andauernde Ruhelosigkeit, Lärm oder noch schlimmer kein Laut. Die Erwachsenen sind voll im Stress und doch glücklich mit ihrem jeweiligen Nachwuchs.Fazit:
Frau Hardwiger kann erzählen und die kleinen Episoden geben die Belastungen und auch das Glücksgefühl der Betroffenen anschaulich wieder. Sogar ich habe die Geschichte bis zum Ende gelesen, auch wenn das Thema nicht meins war. Dafür gibt es drei von fünf Sternen (60 / 100 Punkte) und eine Leseempfehlung für die, die der reichliche Schmalz nicht stört. -
Lisbeth und Michael sind zwei faszinierende Figuren. Da möchte ich unbedingt lesen, wie es mit ihnen weitergeht.
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Buchmeinung zu Bettina Kerwien – Mitternachtsnotar
„Mitternachtsnotar“ ist ein Kriminalroman von Bettina Kerwien, der 2017 im Jaron Verlag als Taschenbuch erschienen ist.
Zum Autor:
Bettina Kerwien, geb. 1967, studierte Amerikanistik und Publizistik an der FU Berlin. Nebenbei schrieb und fotografierte sie für verschiedene Zeitungen. Nach dem Abschluss gründete sie eine Werbeagentur, vermarktete Sportereignisse und gab eine Handball-Fachzeitschrift heraus. Seit 2004 ist sie als Geschäftsführerin in einem Stahlbauunternehmen mit dem Schwerpunkt Theatertechnik tätig und widmet sich in jeder freien Minute dem Schreiben von Spannungsliteratur. Bettina Kerwien lebt und arbeitet im grünen Norden Berlins.Klappentext:
Die Bewohner der idyllischen Reihenhaussiedlung „Am Rabennest“ in Reinickendorf sind auf hundertachtzig. Eine private Immobiliengesellschaft, die fest in der Hand der Familie Trasseur ist, hat ihre denkmalgeschützte Siedlung aufgekauft und will sie luxussanieren. Den Bestandsmietern wird mit horrenden Mieterhöhungen und Kündigung gedroht. Das löst ihren Protest aus. Doch dann hängt plötzlich der Hausmeister tot am Dachbalken. Hat er sich selbst umgebracht? Privatdetektiv Martin Sanders bezweifelt das. Der ehemalige Personenschützer mit dunkler Vergangenheit hat gerade sein eigenes Büro in Moabit eröffnet, als ihn sein Vater um Hilfe bittet. Der ist einer der Investoren der Immobiliengesellschaft und erhält seit einiger Zeit Drohbriefe, in denen er zum Sanierungsstopp aufgefordert wird. Auf einer Investorenparty, bei der die Siedlungsobjekte verkauft werden und der Mitternachtsnotar, das Familienoberhaupt der Trasseurs, die fragwürdigen Kaufverträge beurkundet, trifft Sanders die durchgeknallte Liberty Vale wieder. Sanders hat Libby bei seinem letzten Fall kennengelernt. Sie hat ihr Studium geschmissen, verdient sich ihren Lebensunterhalt als Escortlady und hat sich in Sanders verliebt. Als sie von Sanders' Auftrag erfährt und zufällig in den Besitz eines Beweismittels gelangt, will sie ihn informieren. Aber dann kommt der Mitternachtsnotar ums Leben, und auch Libby gerät in Gefahr …
Meine Meinung:
Das Buch ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, weil die Autorin einen eigenwilligen und anspruchsvollen Schreibstil pflegt. Dazu kommt eine melancholische Grundstimmung und mit Martin Sanders eine Hauptfigur, die auch nicht um Sympathie buhlt. Auch die weibliche Hauptfigur Liberty Vale agiert sehr eigen und eckt gerne mal an. Sie und Martin mögen einander, schrecken aber vor einer echten Bindung zurück. Beide sind problembeladen und wirken doch sympathisch. Beide sind auch recht komplex mit Stärken und Schwächen gezeichnet. Ihren Gegenspieler täten dagegen ein paar mehr Grautöne ganz gut. Während schwedische Autoren gerne mal das Wetter detailliert beschreiben, hat Frau Kerwien sehr akkurat die jeweilige Kleidung im Blick. Auch über die Kleidung kann man Stimmungen beschreiben. Mir hat das Buch vor allem in den ruhigen Passagen gut gefallen. Auch die Hauptfiguren machen Lust auf mehr. Leider gibt es aber auch einen wesentlichen Kritikpunkt. Es gibt einen Showdown, der nicht zu den Figuren passt. Martin Sanders agiert wie ein Supermann und zwar so, dass auch James Bond neidisch werden könnte. Dafür ist das Ende wieder angenehm realitätsnah.Fazit:
Das Buch gefällt durch die anspruchsvolle Sprache mit einigen kreativen Wortschöpfungen und den komplexen Hauptfiguren. Es wäre ein richtig guter Krimi geworden, wenn auch die Bösen etwas komplexer gestaltet worden wären und vor allem, wenn es diesen utopischen Showdown nicht gegeben hätte. So reicht es leider nur zu drei von fünf Sternen (60 / 100 Punkte). Trotzdem kann ich das Buch wegen der Sprache und den Hauptfiguren empfehlen. -
Buchmeinung zu Marlene Klaus – Gloria und die Londoner Liebschaften
„Gloria und die Londoner Liebschaften“ ist ein historischer Kriminalroman von Marlene Klaus, der 2017 bei Dryas als Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der dritte Band der Serie um Lady Gloria.
Zum Autor:
Marlene Klaus ist ausgebildete Buchhändlerin. Bevor sie sich als Autorin selbständig machte, jobbte sie als Taxifahrerin, Kellnerin, Postbotin und Bibliothekarin.Klappentext:
London 1889: Lady Gloria Wingfields Projekt eines Frauenbildungsvereins nimmt Formen an. Doch am Eröffnungsabend geschieht während der Feierlichkeiten ein Mord. Das sorgt einerseits für Aufmerksamkeit für den Verein, andererseits aber für jede Menge Ärger. Zusammen mit dem Journalisten Morris beginnt Gloria, Nachforschungen anzustellen. Was ihrem Freund Lord Lyndon gar nicht gefällt. Wie sich herausstellt, hat er seine Gründe.
Meine Meinung:
In diesem historischen Roman wird die Gleichberechtigung der Frau thematisiert. Im viktorianischen London ist gerade in den besseren Kreisen die Frau ein Anhängsel ihres Mannes. Lady Gloria geht das Problem von der Wurzel an und gründet einen Frauenbildungsverein. Der Autorin gelingt es vortrefflich die Rolle der Frau und ihre Entwicklungsmöglichkeiten zu schildern. Die Figurenzeichnung fällt dagegen leider ab. Die Figuren sind recht stereotyp und Gloria ist eher eine leidenschaftliche als eine talentierte Ermittlerin. Sie agiert sehr selbstbewußt und handelt im Stil einer modernen Frau. Zusätzlich zum Kriminalfall wird auch noch eine Liebesgeschichte erzählt, die der Spannung nicht gut tut. Die Geschichte ist leicht und angenehm zu lesen. Sehr gelungen sind die eingestreuten kleinen Geschichten wie der Fahrradkauf oder die Ruderbootfahrt. Bei diesen Episoden wird die viktorianische Zeit lebendig. Dabei tritt der Kriminalfall in den Hintergrund und wird auch durch die amourösen Abenteuer Glorias doch arg vernachlässigt.Fazit:
Zusammenfassend hat das Buch seine Stärken in der Beschreibung der historischen Begebenheiten. Der Spagat zwischen Historie, Kriminalfall und Liebesabenteuer gelingt dagegen nicht überzeugend, der Kriminalfall wird zu sehr vernachlässigt. So vergebe ich drei von fünf Sternen (60 / 100 Punkte). -
Buchmeinung zu Katharina M. Mylius – Tödliches Blau
„Tödliches Blau“ ist ein Kriminalroman von Katharina M. Mylius, der 2017 im Dryas Verlag erschienen ist. Dies ist der vierte Fall für das Ermittlerduo Heidi Green und Frederick Collins, die bei der Kriminalpolizei in Oxford arbeiten.
Zum Autor:
Katharina M. Mylius wurde 1981 geboren und wuchs in Gleisweiler an der Südlichen Weinstraße auf. Ihre Ausbildung absolvierte sie teilweise in den USA und in Italien. Nach Abschluss ihres Studiums in Köln lebte und arbeitete sie unter anderem in Oxford, wo die Idee für ihre Krimis entstand. Privat ist sie eine leidenschaftliche Sängerin und Saxophonistin.Klappentext:
Der Trainer des Ruderclubs der Universität Oxford treibt tot in der Themse. Zunächst sieht es danach aus, als sei der Mann ertrunken. Doch dann verdichten sich die Hinweise, dass er hinterlistig ermordet wurde. Das Inspektoren-Duo Heidi Green und Frederick Collins ermittelt und findet heraus, dass sich der ehrgeizige Trainer mit seiner harschen Art viele Feinde gemacht hat. Dabei gerät ein Ruderer besonders ins Visier der Ermittler. Wenig später wird jedoch auch er tot aufgefunden...
Meine Meinung:
Meine erste Begegnung mit den beiden Inspektoren Heidi Green und Frederick Collins brachte keine großen Überraschungen. Ich hatte einen atmosphärisch starken Krimi mit viel Oxford-Flair und weenig Gewalt erwartet. Diese Erwartungen wurden erfüllt und die beiden Inspektoren wirken sehr sympathisch. Das Buch liest sich sehr angenehm und damit ist alles in Butter. Leider nein. Frederick stellt sich im Umgang mit Frauen recht naiv und tolpatschig an, aber seine Kollegin mutiert zur Superheldin. Sie betreut zwei kleine Kinder, arbeitet Vollzeit und findet auch noch Zeit, sich aktiv bei der Lösung der privaten Probleme ihres Kollegen einzubringen. Dazu noch ein Auftritt mit High Heels im Matsch. Das war mir dann doch zu viel. Hier wäre weniger sicher mehr gewesen.
Der Fall selber war durchaus interessant und nicht leicht zu durchschauen. Die Ermittlungen waren nachvollziehbar und zielorientiert. Zur Auflockerung dienten immer wieder humorvolle Einschübe. Bei der Charakterzeichnung fehlte mir bei den Hauptfiguren der ein oder andere Grauton, der bei den übrigen Figuren durchaus vorhanden war.Fazit:
In Summe überwiegen die positiven Eindrücke, doch das „Superweib“ hat mein Lesevergnügen doch erheblich gestört. Insgesamt vergebe ich knappe dreieinhalb von fünf Sternen (65 / 100 Punkte ). Wer sich nicht am „Superweib“ stört, bekommt einen lesenswerten Cozy mit viel Oxford-Flair. -
Buchmeinung zu Robert de Paca – Das Nizza-Netz
„Das Nizza-Netz“ ist ein Kriminalroman von Robert de Paca, der 2017 bei emons erschienen ist.
Zum Autor:
Robert de Paca lebt seit 1997 in Südfrankreich. Er kennt die Côte d’Azur nicht nur aus der Sicht eines Angestellten der Luxushotellerie und Gastronomie, sondern auch durch seine Tätigkeit als Berater und freiberuflicher Übersetzer.Klappentext:
Sonne, Socca & Spione – mediterrane Schattenwirtschaft an der Côte d’Azur.
Nicolas und Nathalie betreiben in Nizza einen exklusiven Rundumservice für Luxusreisende. Als einer ihrer engsten Freunde unter mysteriösen Umständen verschwindet, beginnen sie fieberhaft nach Hinweisen zu suchen. Hinter der Fassade des mondänen Urlaubsortes stoßen sie dabei nicht nur auf ein gefährliches Netz aus Korruption und Intrigen – sondern auch auf ein dunkles Geheimnis aus Nicolas’ Vergangenheit . . .
Meine Meinung:
Die beiden Hauptfiguren Nathalie und Nicolas sind ein Paar und sehr sympathisch gezeichnet. Sie ermitteln zunächst im Fall eines befreundeten Musikers, der entführt worden ist. Bei der Suche nach Anhaltspunkten wird Nizza in vielen Details beschrieben und das südländische Flair der Stadt wird deutlich. Etwas überraschend hat der Fall auch Berührungspunkte mit geheimdienstlichen Vorgängen. Ein weiterer Schwerpunkt der Geschichte ist die Selbstbedienungsmentalität einiger lokaler Politikergrössen. Gerade hier fehlten mir Grautöne. Interessant war die Beschreibung der Ausnutzung wohl vorhandener Gesetzeslücken zur Gewinnmaximierung. Es zeigt, wie schwer es ist, gut gemeinte Gesetzesinitiativen wasserdicht zu verabschieden.
Unter den fehlenden Grautönen leidet auch der Spannungsbogen, denn es bieten sich kaum Alternativen, weil alle sehr berechenbar vorgehen. Auch die Polizei agiert sehr zurückhaltend, weil Beweise fehlen und weil die Macht der Politiker doch sehr abschreckend wirkt.
Die Stärken des Autors liegen eindeutig in der atmosphärischen Beschreibung und der flüssigen Lesbarkeit des Buches. Als Bonus gibt es noch ein paar Rezepte für lokale Spezialitäten. Auch die Lösung des Falles und die „Bestrafung“ der Übeltäter kann positiv erwähnt werden.Fazit:
Neben Stärken in der atmosphärischen Gestaltung und der guten Lesbarkeit gibt es leider auch deutliche Kritikpunkte. Der Figurenzeichnung fehlten fast komplett Grautöne, das dunkle Geheimnis aus Nicolas Vergangenheit war eher grau und die Passagen mit dem Geheimdienst wirkten aufgesetzt. Insgesamt vergebe ich drei von fünf Sternen (60 / 100 Punkte). Wer atmosphärisch starke Krimis mag, ist hier gut aufgehoben. -
Buchmeinung zu Anke Dietrich – Ramses - Bezwinger der Neun Bogen
„Ramses - Bezwinger der Neun Bogen“ ist ein Historischer Roman von Anke Dietrich, der 2017 bei
CreateSpace Independent Publishing Platform als Ebook erschienen ist. Dies ist der dritte Band der Serie um Ramses II.Zum Autor:
Schon in jungen Jahren war Anke Dietrich von alten Kulturen fasziniert. Seit 2001 gehört ihre Liebe dem alten Land am Nil mit seiner unglaublichen 3000-jährigen Geschichte, seinen Pharaonen und Göttern, den grandiosen Bauwerken und der Mystik, die dieses Land umgibt und der sie sich einfach nicht entziehen kann. Entstanden sind daraus zwei Mehrteiler sowie drei Einzelbücher.Klappentext:
Jahr 1279 v.Chr., 27. Tag des 3. Monats in der Jahreszeit der Ernte An diesem Tag tritt Ramses die Nachfolge seines Vaters an. Zu Beginn seiner Regentschaft widmet er sich seiner Liebe zum Bauen. Er lässt Tempel verschönern und neue Heiligtümer errichten. Seine Bauten sollen von seiner Größe und Macht zeugen und den Göttern gefallen. Erst vier Jahre später wendet er sich den Fremdländern zu, um verloren gegangene Provinzen zurückzuerobern und den Einflussbereich Ägyptens zu vergrößern. Als er den Fürsten von Amurru zwingt, ihm die Treue zu schwören, verstößt er gegen den Vertrag, den Sethos mit dem Reich Hatti geschlossen hat, und beschwört damit den Zorn des hethitischen Großkönigs herauf. Dieser schickt umgehend eine Kriegserklärung nach Memphis, in der steht, dass im Jahr darauf die Götter in der Ebene von Kadesch entscheiden sollen, wem sie ihre Gunst gewähren. Sowohl für Ramses als auch für Muwatalli endet dieses Aufeinandertreffen beinahe in einer Niederlage.Meine Meinung:
Die Autorin verzichtet weitgehend auf eine von fiktiven Figuren getragene Abenteuerhandlung. Stattdessen widmet sie sich ausführlich der Baukunst und dem „normalen“ Leben des Pharaos. Dies geht zu Lasten der Spannung, aber dafür erhält der Leser einen tieferen Einblick in das tägliche Leben der Herrscherfamilie. Kriegerische Elemente kommen zwar auch vor, werden aber angenehm zurückhaltend beschrieben. So ist die Betrachtung der kriegerischen Auseinandersetzungen bei Kadesch zwischen Ägyptern und Hethitern überraschend anders als in anderen Werken, die sich mit dieser Schlacht befassen. Auch auf Intrigen zur Erhöhung der Spannung wird verzichtet. So muß der Leser durch andere Elemente bei der Stange gehalten werden. Dies gelingt der Autorin durch eine spannende Beschreibung der Entwicklung der Kinder des Pharaos und durch die Schilderung von Problemen, die bei der Erstellung der Bauwerke auftreten. Gro0es Augenmerk wird auf die Weltoffenheit der Ägypter und ihre Fähigkeit zur Integration fremder Menschen gelegt. Auch die Bedeutung der Religion und die Auswirkung auf das Leben werden ausführlich betrachtet. Ägypter handeln in vielen Bereichen sehr modern und auch die Kunst von Ramses, die richtigen Berater und vertrauenswürdige Vertreter zu ernennen, wird gewürdigt. Die Sprache ist angemessen und leicht verständlich, allein bei Ortsnamen wird zwischen verschiedensprachlichen Bezeichnungen gewechselt. Ich habe eine Landkarte zur besseren Darstellung vermißt. In einem Nachwort werden fiktive und reale Personen zugeordnet und vor allem wird erläutert, welche Anpassungen historischer Ereignisse vorgenommen wurden. Ein Glossar rundet den guten Gesamteindruck des Buches ab.Fazit:
Der weitgehende Verzicht auf Abenteuer und Intrigen wird durch die interessante Darstellung des Lebens im ägyptischen Herrscherhaus ersetzt. Sehr ausführlich werden Religion und Baukunst betrachtet. Sehr deutlich werden die Anforderungen, die an einen erfolgreichen Herrscher gestellt werden, betrachtet und wie Ramses diese Anforderungen erfüllt. Auch seine Zweifel bezüglich seiner Fähigkeiten kommen klar zum Ausdruck. Trotzdem war mir die Geschichte manchmal zu sehr „Friede, Freude, Eierkuchen“. Die Figuren sind fast alle sehr positiv gehalten und ein paar Grautöne wären schön gewesen. Insgesamt überwiegen jedoch die positiven Aspekte und ich vergebe vier von fünf Sternen (75 / 100 Punkte). -
Ich bin sehr an der Leserunde interessiert, kenne aber von Derek Meister bisher nur seine Mittelalterromane, die mir sehr gefallen haben.
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Buchmeinung zu Katrin Schön – Abgeschlagen
„Abgeschlagen“ ist ein Kriminalroman von Katrin Schön, der 2017 bei Midnight als Ebook erschienen ist.
Zum Autor:
Katrin Schön, geboren 1975 in Offenbach/Main, wuchs im hessischen Dörfchen Hochstadt auf. Ihr komödiantisches Talent entdeckte die gelernte Bankkauffrau schon früh im hiesigen Karnevalsverein, wo sie bereits als Teenager vor allem die Lokalpolitik mit spitzer Feder aufs Korn nahm. Nach ihrem Studium der Publizistik in Bochum arbeitete die heute 42jährige als Fachjournalistin in Hamburg, bevor sie ein Angebot als Pressesprecherin annahm und ihren Lebensmittelpunkt nach Köln verlegte, wo sie seit zehn Jahren zu Hause ist und aktuell als Projektmanagerin arbeitet.Klappentext:
Endlich hat sich Kriminalkommissar Sebastian Loch ein Herz gefasst und führt Lissie Sommer zum Essen aus. Gerade sitzen die beiden so richtig romantisch auf der Terrasse des Edelrestaurants des lokalen Golfclubs, da werden sie Zeugen einer heftigen Auseinandersetzung zwischen zwei Golfern. Und kurz darauf findet Lissie sich nicht in enger Umarmung, sondern an einem Tatort wieder. Eines der Clubmitglieder wurde ermordet. Niedergeschlagen mit dem 7er Eisen, um genau zu sein. Klar, dass Lissie sich da nicht raushalten kann, sie ist ja quasi persönlich betroffen. Gemeinsam mit Sebastian nimmt sie die Ermittlungen auf…
Meine Meinung:
Dies ist die hessische Variante der bekannten humoristischen Bayernkrimis. Ganz im Stile eines Cozys gibt es erst einen Mord und mehrere Verdächtige. Die Hobbyermittlerin Lissie Sommer ist sympathisch, noch dazu in den Kommissar verliebt und leitet ein Ausflugslokal. Sie ist als Ermittlerin mehr bemüht denn talentiert, nutzt aber jede Gelegenheit, um mit „Gott und der Welt“ über den Fall zu reden und , wenn es sein muss, auch über die Beteiligten zu tratschen. Dabei erfährt sie natürlich Dinge, die man so nicht der Polizei erzählt. Als weiteres Unikum taucht ein Privatdetektiv auf, der so hemmungslos überzeichnet ist, dass es schon wieder Spass macht. Der Kommissar ermittelt weitgehend seriös, auch wenn sich die oft unfreiwillige Zusammenarbeit mit Lissie als herausfordernd und nicht immer einfach darstellt. Lissie ist leider recht risikofreudig und gerät schon mal in die Bredouille. Grautöne bei der Figurenzeichnung sind selten und vieles wirkt auf Klamauk und Humor gebürstet. Das Buch liest sich aber leicht und der Fall wird vollständig aufgelöst. Auch die Atmosphäre eines hessischen Dorfes mit aufstrebendem Golfplatz ist gut getroffen.Fazit:
Das Buch lebt von der Hauptfigur und punktet mit Atmosphäre und mit Leidenschaft. Die Figuren sind liebevoll aber nicht vielschichtig gezeichnet. Manchmal wird die Logik dem Klamauk geopfert. Das Buch ist nett zu lesen, aber auch nicht mehr. Von mir gibt es drei von fünf Sternen (65 / 100 Punkte). Wer leichte und nette Unterhaltung sucht, kommt auf seine Kosten. -
Da möchte ich auch mitmachen. Generell mag ich historische Romane und den Autor wollte ich schon lange mal ausprobieren.
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Buchmeinung zu Rebecca Gable – Die fremde Königin
„Die fremde Königin“ erschien 2017 bei Bastei Lübbe als Hardcover. Es ist der zweite Band in der Serie um Otto den Großen.
Klappentext:
"Könige sind wie Gaukler. Sie blenden die Untertanen mit ihrem Mummenschanz, damit die nicht merken, dass das Reich auseinanderfällt"
Anno Domini 951: Der junge Gaidemar, ein Bastard vornehmer, aber unbekannter Herkunft und Panzerreiter in König Ottos Reiterlegion, erhält einen gefährlichen Auftrag: Er soll die italienische Königin Adelheid aus der Gefangenschaft in Garda befreien. Auf ihrer Flucht verliebt er sich in Adelheid, aber sie heiratet König Otto.
Dennoch steigt Gaidemar zum Vertrauten der Königin auf und erringt mit Otto auf dem Lechfeld den Sieg über die Ungarn. Schließlich verlobt er sich mit der Tochter eines mächtigen Slawenfürsten, und der Makel seiner Geburt scheint endgültig getilgt. Doch Adelheid und Gaidemar ahnen nicht, dass ihr gefährlichster Feind noch lange nicht besiegt ist, und als sie mit Otto zur Kaiserkrönung nach Rom aufbrechen, droht ihnen dies zum Verhängnis zu werden ...Meine Meinung:
Dieser historische Roman hat viele Komponenten eines Abenteuerromans. Es gibt den aufrechten, aber gebeutelten Helden, Liebesgeschichten, liebenswerte und sympathische Figuren, aber auch intrigierende Fieslinge, Kampfszenen, Gefangenschaft, Flucht und Tod. Es gibt aufrechte Kämpfer, die auf der falschen Seite stehen, Versöhnungen und Trennungen, Freundschaften und Feinschaften, ehrenhaftes und weniger ehrenhaftes Verhalten. Und es gibt die historisch belegten Vorgaben, die Eingang in diese Geschichte gefunden haben. Ein dickes Plus für dieses Buch sind die beiden Hauptprotagonisten, der fiktive Bastard Gaidemar und die historisch belegte junge Königin Adelheid. Beide müssen einiges aushalten, können aber auch ordentlich austeilen. Gaidemar ist ein Panzerreiter mit großem Herzen un unglaublich starkem Ehrgefühl, der von vielen wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt wird. Adelheid hingegen erweist sich nach anfänglichen Problemen als starke und machtbewußte Herrscherin, die großen Einfluß auf die Entscheidungen ihres Gatten Otto zu nehmen weiß. Die Machtorientiertheit ist ein, wenn nicht gar der wesentliche Charakterzug. Sie ist ein recht modern anmutender Charakter. Gaidemar ist eher klassisch angelegt, aber auch mit Charakterzügen ausgestattet, die zur Zeit passen, aber aus heutiger Sicht eher befremdlich wirken. Sein Verhältnis zur Gewalt ist manchmal verstörend und er scheut sich nicht, zu foltern und zu töten. Da ihm aber auch viel Leid zugefügt wird, ist er für mich der Held der Geschichte gewesen, nicht der strahlende weiße Ritter, aber ein edler Recke mit kleinen Fehlern. Überhaupt liegt eine der Stärken der Autorin in der Figurenzeichnung. Kaum eine Figur ist eindimensional, viele sind komplex und alle handeln nachvollziehbar. Dazu trägt die geschickte Auswahl der geschilderten Szenen, die immerhin einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren abdecken, ganz wesentlich bei. Ohne das es besonders auffällt, werden historische Ereignisse eingebunden. Auch das alltägliche Leben wird geschildert ohne den Handlungsfluss zu stören. Auch politische Entscheidungen und Entwicklungen werden nachvollziehbar erläutert. Historisch belegte und fiktive Erzählstränge ergänzen sich und auch humorvolle Einschübe erhöhen das Lesevergnügen. Ebenso stagnieren die Figuren nicht, sondern entwickeln sich glaubhaft weiter. Ein ausführliches Personenregister und ein umfangreiches Nachwort, in dem Historie und Fiktion deutlich getrennt werden, stehen für den positiven Gesamteindruck. Ein kleiner Wermutstropfen war der Abschluss des Romans für mich. Er war für mich zu sehr bollywoodartig, aber sei es drum.
Fazit:
Frau Gable hat einen spannenden und fesselnden historischen Roman abgeliefert, der durch eine komplexe Geschichte und starke und glaubhafte Charakterzeichnungen gefällt. Von mir gibt es fünf Sterne (90/ 100 Punkte) und eine klare Leseempfehlung für die Freunde abenteuerlich angehauchter historischer Romane. -
„Die Mädchen von Strathclydde“ ist ein Kurz-Kriminalroman von Denzil Meyrick, der 2017 in der Übersetzung von Peter Friedrich bei Harper Collins erschienen ist. Der Originaltitel ist „Two One Three“.
Zum Autor:
Denzil Meyrick wurde in Glasgow geboren und wuchs an der schottischen Küste in Campbeltown auf. Nach einem Politikstudium arbeitete er als Polizist, freier Journalist und Geschäftsführer einer Whisky-Destille.Klappentext:
Glasgow, 1986: Constable Jim Daley ist in seinem zweiten Jahr als Streifenpolizist bei der Starthclyde Police. Von der traurigen Berühmtheit Glasgows als Mord-Hauptstadt Europas bekommt er nur wenig mit: Betrunkene Obdachlose, eingeschlagene Schaufenster und rachsüchtige Vorgesetzte bestimmen seinen Dienstalltag. Dies ändert sich schlagartig, als er eine tote Prostituierte auffindet und daraufhin mit DC Brian Scott einen Serienmörder jagt …
Meine Meinung:
In diesem Kurzkrimi lernen wir den Police Constable Jim Daley kennen, der seine ersten Einsätze als Streifenpolizist in Strathclyde verbringt. "zwo Eins Drei" ist seine Kennung im Funkverkehr der örtlichen Polizei. Als er bei einem seiner Einsätze eine junge tote Frau findet, bietet sich ihm die Gelegenheit, mit der Kriminalpolizei zusammen zu arbeiten.
Die Spannung des Krimis bleibt auf einem überschaubaren Niveau, aber die Atmosphäre hebt diesen Krimi aus der Masse heraus. Jim Daley ist ein Jungspund, der noch viel zu lernen hat, dies aber in einem feindlichen Umfeld zu tun hat. Seine Vorgesetzten wollen einen folgsamen Streifenpolizisten, während Jim Daley wie die meisten seiner Kollegen zur Kriminalpolizei wechseln möchte. Als sich ihm eine kleine Chance dazu bietet, greift er mit beiden Händen zu.
Die Grundstimmung ist trübe, der Ortsteil hat seinen besten Tage hinter sich, seine Vorgesetzten sind auch keine Zierde der Polizei. Er lernt DC Brian Scott kennen und arbeitet mit ihm zusammen. Bald schimmert sein Talent für Ermittlungen durch und DCI Burns holt ihn zur Kripo. Daley wird als ruhiger und besonnener Mensch dargestellt, der seine Kontakte und seinen Verstand zu nutzen weiss. Aber er hat noch viel zu lernen, um ein Kriminalbeamter zu werden, der sich in den Strassen Glasgows durchsetzen kann. Daley wirkt sympathisch und engagiert, wie nur wenige seiner Kollegen.
Fazit:
Der erste Fall für Jim Daley lebt von der Atmosphäre, Spannung und Charakterzeichnung sind wegen der Kürze der Romans nicht sehr ausgeprägt. Trotzdem fand ich die Hauptfigur sympathisch und interessant. Von mir gibt es drei von fünf Sternen (60 / 100 Punkte) und eine Leseempfehlung für Freunde ruhiger, aber atmosphärisch starker Krimis. -
Buchmeinung zu Remy Eyssen – Gefährlicher Lavendel
„Gefährliccher Lavendel“ ist ein Kriminalroman von Remy Eyssen, der 2017 bei Ullstein erschienen ist. Dies ist der dritte Fall für den deutschen Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter, der nun in der Provence arbeitet und im kleinen Städtchen Le Lavandou wohnt.
Zum Autor:
Remy Eyssen (Jahrgang 1955), geboren in Frankfurt am Main, arbeitete zunächst als Redakteur bei der Münchner Abendzeitung, später als freier Autor für Tageszeitungen und Magazine. Anfang der 90er Jahre entstanden die ersten Drehbücher. Bis heute folgten zahlreiche TV-Serien und Filme für alle großen deutschen Fernsehsender im Genre Krimi und Thriller.Klappentext:
Der Frühling in Le Lavandou ist warm und verheißt einen herrlichen Sommer. Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter fühlt sich längst als echter Südfranzose und verbringt gemeinsam mit Isabelle viel Zeit auf seinem Weinberg. Doch die Idylle wird getrübt, als Leon zwei brutal zugerichtete Leichen obduzieren muss. Staatsanwaltschaft und Kommissarin haben schnell einen Verdächtigen zur Hand, doch Leon ist skeptisch und beginnt selbst zu ermitteln. Er kommt einer jahrzehntealten Geschichte auf die Spur und steht plötzlich vor der Frage, ob es gerechte Rache gibt. Da braut sich über der ausgetrockneten Erde der Provence ein apokalyptisches Gewitter zusammen, und Leon darf keine Zeit verlieren...
Meine Meinung:
Wie im Vorgängerband gibt es viele kurze Kapitel und die Erzählperspektive wechselt fast immer bei einem Kapitelwechsel. Die meisten Figuren sind knapp und ein wenig stereotyp gezeichnet. Einzig den Hauptfiguren Dr. Ritter, die stellvertretende Polizeichefin des Ortes und ihre pubertierende Tochter Lilou sind intensiver gezeichnet, aber auch hier gibt es wenig Ecken und Kanten. Alle drei sind sympathisch und man kann nicht anders, als sie zu mögen, auch wenn es diesmal eine Reihe von Störungen im ungetrübten Familienidyll gibt. Man betrachtet die Geschichte aber auch aus der Perspektive des Täters und der der Opfer. Dies nutzt der Autor, um die Geschichte voran zu treiben und die Spannung zu erhöhen, aber auch um sie stellenweise etwas zurückzufahren. Generell ist aber die Grundstimmung deutlich dunkler als in den Vorgängern. Leon ist mittlerweile als Einheimischer akzeptiert und trifft sich regelmäßig mit seinen Freunden zum Kaffee und zum Boule. Manchmal darf es auch schon ein Wein sein, auch schon zu früherer Stunde. In diesen Szenen schimmert der Humor des Autors durch. Und natürlich ist Leon ein Womanizer, was sich in dieser Folge aber auch als Problem erweist. Die meisten Polizisten agieren etwas beschränkt und die Sprache ist recht einfach aber klar und deutlich. Und trotz dieser Kritikpunkte hat mir das Buch gut gefallen. Remy Eyssen hat eine Mischung gefunden, die mich überzeugt hat. Leon Ritter ist ein Mensch, der gefällt und der vieles hat, was man auch haben möchte. Dazu eine Landschaft, wie man sie sich wünscht, eine kleine Liebesgeschichte und ein paar weniger appetitliche Nebenhandlungen. Die Nebenhandlungen sind in dieser Folge auch dunkler als in den Vorgängern, dazu kommt es auch auch zu einer Naturkatastrophe. Das war dann schon hart an der Grenze. Hier wäre weniger Nebenhandlung sicherlich mehr Lesevergnügen gewesen.
Fazit:
Dieses Buch bietet einige Ansatzpunkte zur Kritik, aber dem Autor ist immer noch eine überzeugende Mischung gelungen. Die Stärken liegen in der Atmosphäre und den gelungenen und sympathischen Figuren. Ich fand das Buch etwas schwächer als den Vorgänger, bewerte es aber noch mit fünf Sternen (90 / 100 Punkten). Auch gibt es eine klare Leseempfehlung für Krimifreunde. -
Buchmeinung zu Matteo Strukul – Medici – Die Macht des Geldes
„Medici – Die Macht des Geldes“ ist ein Historischer Roman von Matteo Strukul, der 2017 bei Goldmann in der Übersetzung von Christine Heinzius und Ingrid Exo erschienen ist. Die Originalausgabe erschien 2016 unter dem Titel „I Medici. Una dinastia al potere“.
Zum Autor:
Matteo Strukul wurde 1973 in Padua geboren. Er hat Jura studiert und in Europäischem Recht promoviert. Er gehört zu den neuen Stimmen der italienischen Literatur und hat sich bisher vor allem als Autor von Thrillern einen Namen gemacht, die für die wichtigen italienischen Literaturpreise nominiert wurden. Strukul lebt mit seiner Frau Silvia abwechselnd in Padua, Berlin und Transsilvanien.
Klappentext:
Morde, Intrigen, Verschwörungen: die Medici und ihr blutiger Weg zur Macht.
Florenz im Februar 1429: Als der Bankier Giovanni de‘ Medici stirbt, hinterlässt er ein enormes Vermögen und ein hervorragend funktionierendes Netzwerk. Seine Söhne Cosimo und Lorenzo sollen gemeinsam die Leitung von Familie und Geschäft übernehmen. „Politisch nüchtern, im eigenen Leben maßvoll zurückhaltend, aber entschlossen im Handeln“ – das sind die fundamentalen Verhaltensregeln, die Giovanni seinen Söhnen sterbend aufträgt. Doch so einfach lässt sich sein letzter Wunsch nicht erfüllen, denn Giovanni hatte mächtige Feinde. Vor allem der verschlagene und blutrünstige Rinaldo degli Albizzi kennt nur ein Ziel: die Vorherrschaft in Florenz zu übernehmen. Und dafür ist ihm jedes Mittel recht ...
Meine Meinung:
Als ich die Vorankündigung zu diesem Buch gelesen habe, war ich voller Hoffnung, ein tolles Buch über ein interessantes Thema zu erhalten. Doch dem war leider nicht so. Zuerst fiel mir auf, dass es kein Personenverzeichnis gibt, so daß historische Personen nicht eindeutig von fiktiven Personen unterschieden werden können. Dann hatte der Autor auch kein Glück oder Talent bei der Auswahl der Szenen, die Eingang in dieses Buch gefunden haben. Auch die Figurenzeichnung ist generell nicht ausgeprägt, die Medici und ihre Verbündeten sind generell weiß und ihre Gegenspieler schwarz charakterisiert. Grautöne finden sich so gut wie gar nicht. Diese beiden Punkte führen dazu, dass sich weder Spannung noch Lesefluss eingestellt haben. In manchen Teilen las es sich wie eine Hofberichterstattung. Dazu hatte ich den Eindruck, dass wichtige vorhandene Informationen dem Leser vorenthalten worden sind, wie man durch einfaches Googlen leicht herausfinden kann (Beispiel: Begründung für den Sturm Rinaldos und seiner Getreuen auf den Palazzo ist gegeben. Nur so wird auch erklärlich, warum die Verteidiger vorbereitet waren). Dem Ganzem wurde durch die ausführliche Schilderung von Sexszenen die Krone aufgesetzt. Auch die Sprache war sehr einfach und hat mich nicht überzeugt. Dabei ist durchaus zu spüren, dass der Autor eine umfangreiche Recherche betrieben hat, aber die Umsetzung im Buch ist nicht gelungen.
Fazit:
Dieses Buch ist bisher die Enttäuschung des Jahres für mich. Die Auswahl der beschriebenen Szenen und die Charakterisierung der Figuren ist dem Autor nicht gelungen. Bei mir kam zu keiner Zeit Lesefreude auf. Ich habe das Buch nur zu Ende gelesen, weil ich es im Rahmen einer Leserunde erhalten habe. Deshalb kann ich das Buch nur mit einem von fünf Sternen (20 / 100 Punkten) bewerten und keine Leseempfehlung aussprechen. -
Buchmeinung zu Alex Winter – Verwischte Spuren
„Verwischte Spuren“ ist ein Kriminalroman von Alex Winter, der 2017 bei bookshouse als eBook und als Taschenbuch erschienen ist.Zum Autor:
Alex Winter, geboren 1960 in Zürich/Schweiz, absolvierte die Kunstgewerbeschule in Zürich. Er arbeitete zunächst als Dekorationsgestalter, später in verschiedenen Berufen im In- und Ausland. Seit 1980 unternimmt er immer wieder mehrjährige Reisen, die ihn vor allem nach Australien, Neuseeland und in die Südsee führen. Alex Winter lebt heute mit seiner Frau im Zürcher Oberland.
Klappentext:
»Vor ihm stand ein junger, groß gewachsener Aborigine. Seine schwarzen Augen funkelten wie die einer wütenden Schlange. In seiner rechten Hand hielt er ein großes Jagdmesser, dessen blitzende Klinge Johns Bauch berührte.« Wer ist der geheimnisvolle Unbekannte ohne Erinnerung, den die Farmertochter Sally Storer schwer verletzt am Ufer des Warburton Creeks entdeckt und gesund pflegt? Warum nur ließ sie sich von ihm überreden, auf die Farm ihrer Familie zurückzukehren, um sich ihren Dämonen zu stellen? Immerhin wird Sally von der Polizei und der Familie ihres verschwundenen Mannes Jesse für dessen Mörderin gehalten. Während Sally von allen Seiten immer mehr unter Druck gerät, erweist sich John Rivers, wie sie »ihren« Unbekannten nennt, als Felsen in der Brandung. Doch John entpuppt sich nicht nur als guter Freund, sondern auch als cleverer Ermittler. Zu clever, wie zu ihren Leidwesen nicht nur Sally, Jesses Familie und die offenbar noch in einen weiteren Vermisstenfall involvierten Paakantyi-Aborigines feststellen müssen …
Meine Meinung:
Dies ist mein zweites Buch aus der Serie um den weißen Aborigine Daryl Simmons. Daryl hat sein Gedächtnis verloren und wird mehr tot als lebendig von einer Farmersfrau gefunden und gerettet. Weil er in einem Fluss gefunden wurde, wird er von seiner Retterin John Rivers genannt. Auch ohne den vorhergehenden Fall zu kennen, hatte ich keine Probleme in die Geschichte zu finden. Daryl / John hat alles, was mit seiner Person zu tun hat vergessen. Im Laufe der Geschichte kehren einige Erinnerungen zurück und John überrascht mit ungeahnten Fähigkeiten. Er befürchtet aber auch, dass seine Weste dunkle Flecken oder gar mehr aufweist. So hat er kein Vertrauen zur Polizei und versucht die Geheimnisse um seine Retterin alleine zu lösen.
Ich habe die Hauptfigur von Anfang an in mein Herz geschlossen. Er ist nicht unbedingt nett, aber er strahlt eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus. Er hat mehr von einem Eingeboren als von einem Weißen und kann die Handlungen der Aborigines oft besser verstehen und nachvollziehen als die der Farmer und der Polizisten. Dazu ist er ein aufmerksamer Beobachter und kann sehr gut zuhören, so daß viele Personen oft ungewollt ihr Wissen mit ihm teilen. So nebenbei erfährt man ähnlich zu Hillerman einiges über Stammesrituale und Eigenheiten der Eingeborenen. Zusätzlich wird auch viel Wissen über das oft harte Leben der Farmer und der Stockmen, den australischen Cowboys, vermittelt.
Die Krimihandlung selber kommt nur langsam in Schwung. Trotzdem war ich von Anfang an von diesem Buch gefesselt. Der Autor legt großen Wert auf die Beschreibung von Landschaften, Stimmungen, Beziehungen und Leuten. Meist sind es die Beobachtungen und Schlüsse der Hauptfigur, die die Handlung vorantreiben. Ein zusätzliches Moment erzeugen die zurückkehrenden Erinnerungen Johns und seine persönlichen Beziehungen zu den Aborigines und vor allem zu seiner Retterin Sally. Die Figurenzeichnung ist ausgeprägt und alle Figuren haben Stärken und Schwächen, auch wenn das Hauptaugenmerk auf John und Sally liegt. Es ist selbstverständlich, dass kulturelle Eigenarten der Aborigines bei der Auflösung eine große Rolle spielen und es John ist, der diese auch zu deuten weiß. Zusätzlich gibt es auch einige wenige Actionszenen, die sehr gut an die äußerlichen Rahmenbedingungen des Outbacks angepaßt sind, aber der Fokus liegt eindeutig auf den ruhigeren Abschnitten. Auch die Auflösung und das Ende des Romans haben mir sehr gut gefallen.
Fazit:
Daryl Simmons / John Rivers hat mich auch in diesem Band überzeugt. Dazu kommt die Charakterisierung der Figuren in vielen Grautönen, so dass die Figuren auch glaubhaft und echt wirken. Wer ruhige Krimis mag, ist hier richtig. Und Informationen über die Kultur der Aborigines und das Leben auf den Farmen im Outback gibt es kostenlos dazu. Von mir gibt es fünf von fünf Sternen (95 / 100 Punkten) und eine klare Leseempfehlung. -
Ich habe mich nun auch zum Ende durchgekämpft und fand tatsächlich, dass das Buch zum Ende hin etwas erträglicher geworden ist. Aber immer noch scheinen mir die Schwerpunkte des Autors nicht nachvollziehbar ausgewählt zu sein. Diesmal wird sehr ausführlich beschrieben, wie Laura den Körper ihres geliebten Söldners in Empfang nimmt und ihn aufbereitet. So weit, so gut, aber was hat das mit den Medici zu tun. Ich gebe zwar zu, dass die Szenen ohne Auftritt der Medici lebhafter wirkten als jene, in denen die Medici beteiligt waren. Das liegt aber vor allem daran, wie sehr der Autor die Medici zu erheben versucht. Hierzu passt die Schlussszene, als der nette Opa Cosimo mit seinem Enkel spricht. Einzig die Absicht, dass dieser Enkel im Folgeband im Mittelpunkt stehen soll, gibt der Szene einen Sinn - der einer Staffelstabübergabe. Und diese permanente Schwarz-Weiß-Malerei bei der Figurenzeichnung ist nervtötend. Nun will Laura noch jede Menge hasserfüllter Kinder zeugen, die das Leben der Medici zur Hölle machen sollen. Wieder ein Beispiel für diese Zeichnung. Der ach so gute Cosimo lässt Reinhardts Leiche Laura zukommen und diese reagiert mit einem neuen Anfall von Hass.
Wenn ich das Buch nicht in einer Leserunde gelesen hätte, wäre das Ende für mich schon viel früher gekommen. Neben der miserablen Charakterzeichnung, missfiel mir auch die Auswahl der geschilderten Szenen und, was noch schlimmer ist, bei mir entstand der Eindruck, dass die historischen Daten teilweise verfälscht oder zumindest unvollständig dargestellt wurden.