Beiträge von wampy

    Buchmeinung zu Peter James – So gut wie tot


    „So gut wie tot“ ist ein Kriminalroman von Peter James, der 2009 im Scherz Verlag erschienen ist. Meine Rezension bezieht sich auf die gekürzte Hörbuchfassung, die ebenfalls 2009 beim Argon Verlag erschienen ist und von Hans Jürgen Stockerl gesprochen wird. Der vierte Fall für DSI Roy Grace spielt hauptsächlich im Jahr 2007 in Brighton.


    Klappentext:
    Zwei Frauenleichen, die eine wird in einem Abwasserkanal in der Nähe von Brighton gefunden, die andere aus einem schlammigen Fluss in Australien gezogen. Und doch hatten beide Frauen etwas gemeinsam: Sie waren mit ein und demselben Mann verheiratet. Ronnie Wilson, ein Kleinkrimineller aus Brighton, kam bei den Anschlägen im September 2001 in New York ums Leben. Während Detective Superintendent Roy Grace sich auf die Suche nach einem Toten macht, lebt in Brighton eine junge Frau in Todesangst. Auch sie verbindet etwas mit Ronnie Wilson.


    Meine Meinung:
    Im vierten Fall für Superintendent Roy Grace wird die Geschichte aus vielerlei Perspektiven betrachtet. Dabei wechseln Zeitpunkt und Hauptakteur des öfteren. Ronnie Wilson, ein britischer Kleingauner, hat am 11. September 2001 einen Termin im Empire State Building und die Geschehnisse um diesen Aufenthalt bilden einen Schwerpunkt, während die Ereignisse um Leichenfunde in Brighton und in einem australischen Fluss im Jahr 2007 einen zweiten Schwerpunkt bilden. Der dritte Erzählstrang dreht sich um eine junge Frau, die sich auf der Flucht vor einem Verfolger befindet und feststellen muss, das der Verfolger immer näher kommt. Im weiteren Verlauf verknüpft der Autor diese Stränge zu einer interessanten Geschichte. In weiten Teilen lässt der Autor der Geschichte Zeit, sich zu entwickeln. Dies geht leider zu Lasten der Spannung. Auch auf unnötige Gewaltdarstellungen und Actionelemente verzichtet der Autor. In der Folge rückt der Kampf zwischen der Frau und ihrem Verfolger in den Fokus, die Arbeit der Polizisten rückt dadurch in den Hintergrund. So fiebert man eher mit der jungen Frau mit und Roy Grace bleibt irgendwie verschwommen. Sehr gut hat mir die Entwicklung der Dinge zum Abschluss der Geschichte gefallen. Hier zeigt der Autor Humor und Einfallsreichtum, die mir vorher leider fehlten.


    Zum Sprecher:
    Hans Jürgen Stockerl überzeugt als Sprecher. Er lebt die Rolle des Erzählers aus und gibt den Figuren ihren jeweiligen Charakter. Sein Vortrag hat sicherlich vier Sterne verdient.


    Fazit:
    Die Geschichte hat ein überzeugendes Ende, aber auch einige Längen vor allem zu Beginn. Roy Grace bleibt lange Zeit blass und die Handlung wirkt nicht stringent genug. Der Erzähler hat mich mehr als die Geschichte überzeugt. Auch wenn ich noch einiges Potential beim Autor sehe, so gebe ich nur drei Sterne, wobei der vierte nicht weit entfernt ist. Wer ruhige und solide Krimikost mag, ist bei Peter James gut bedient.

    Buchmeinung zu Jan Seghers – Partitur des Todes


    „Partitur des Todes“ ist ein Krimi von Jan Seghers, der 2008 im Wunderlich Verlag erschienen ist. Meine Rezension bezieht sich auf die Taschenbuchausgabe, die 2009 im Rowohlt Verlag erschienen ist.


    Klappentext:
    Sechzig Jahre lang wollte Georg Hofmann alles vergessen: seine Kindheit, seine Eltern, sein Land. Doch dann wird auf einem kleinen Schloss bei Paris ein geheimnisvoller, alter Umschlag entdeckt. Darauf ein Name und als Absender das Wort: Auschwitz. Wenige Tage später geschieht in Frankfurt ein grauenhaftes Verbrechen. Fünf Leichen werden auf einem Boot am Mainufer gefunden. Eine junge Journalistin verschwindet in den Wäldern des Taunus. Und ein Mann taucht auf, den alle für tot gehalten haben. Während Hauptkommissar Marthaler fieberhaft ermittelt, erfährt er von seiner Freundin Tereza eine Neuigkeit, die sein Leben gründlich verändern wird …



    Meine Meinung:
    Hauptkommissar Marthaler hat es mit einem fünffachen Mord zu tun. Gleichzeitig tritt seine neue Chefin ihren Job an. Marthaler eckt bei jeder Gelegenheit an, egal mit wem er es zu tun hat. Seine Kanten und sein Spürsinn machen ihn sympathisch, aber als Kollege und Freund macht er Probleme. So findet er keine Gelegenheit, sich mit seiner Freundin auszusprechen, die ihm etwas wichtiges mitzuteilen hat. Generell gibt es viele Nebenhandlungen und Erzählstränge, die nicht unbedingt die Handlung voranbringen. Darunter leidet ein wenig die Spannung, aber die Geschichte wirkt dadurch echter. Auch ist das Team nicht vor Fehlern gefeit und man spürt den wachsenden Druck, der auf den Ermittlern lastet und auf die Stimmung drückt. Gefallen haben mir viele Kleinigkeiten, die der Autor bei der Schilderung von Begegnungen oder Gesprächen einfließen läßt. Auch die Geschichte um den Superbullen, der zur Unterstützung zugeteilt wurde, ist gelungen. Andererseits läßt der Autor auch keine Gelegenheit aus, Kritik am Polizeiapparat zu üben. Diese wirkt sich aber negativ auf den Spannungsbogen aus.


    Fazit:
    Dieser Fall hat mich nicht überzeugt. Es gab einfach zu viele Nebenschauplätze, die sich insgesamt negativ auf die Spannung ausgewirkt haben. Auch die Verbrechen wirkten irgendwie überdimensioniert. Die Stärken des Autors mit seiner kantigen Hauptfigur und ihrem unorthodoxen Verhalten kommen dadurch nicht so gut zur Geltung. Meine Wertung lautet drei Sterne, auch wenn das Potential für mehr vorhanden ist.

    Buchmeinung zu Jörg Maurer - Hochsaison


    „Hochsaison“ ist ein Krimi von Jörg Maurer, der 2010 im Fischer Taschenbuchverlag erschienen ist. Meine Rezension bezieht sich auf die gekürzte Lesung durch den Autor, die 2010 auf 4 CD bei Argon erschienen ist.


    Klappentext:
    Sterben, wo andere Urlaub machen.
    Beim Neujahrsspringen in einem alpenländischen Kurort stürzt ein Skispringer schwer und das, wo Olympia-Funktionäre zur Vergabe zukünftiger Winterspiele zuschauen. Wurde der Springer etwa beschossen? Kommissar Jennerwein ermittelt bei Schützenvereinen und Olympia-Konkurrenten. Als ausgerechnet in einem Gipfelbuch per Bekennerbrief weitere Anschläge angedroht werden, kocht die Empörung im Ort hoch: Jennerwein muss den Täter fassen, sonst ist die Hochsaison in Gefahr.


    Meine Meinung:
    Im zweiten Teil der Serie um Kommissar Jennerwein hat der satirische Anteil deutlich zugenommen. Beim Neujahrsskispringen ist ein dänischer Skispringer abgestürzt. War es ein bedauerlicher Unfall oder ein heimtückischer Anschlag? Neben der bevorzugt unglücklich agierenden Staatsgewalt mischen Chinesen, ein österreichischer Problemlöser der Mafia, ein erpresserischer Trittbettfahrer und natürlich bayrische Provinzler mit. Dabei entwickelt sich ein verwirrendes Szenario, bei dem der eigentliche Kriminalfall in eine Nebenrolle gedrängt wird. Jörg Maurer schießt ganze Breitseiten auf die Tourismusbranche samt Eventveranstaltern ab. Auch Olympia und die Prominenz werden nicht geschont. Dies geschieht durchaus humorvoll. Trotzdem hat mir dieses Buch nicht gefallen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass der Autor sich nicht zwischen Satire oder Groteske und Krimi entscheiden mochte. So ist es weder Fleisch noch Fisch geworden – leider.


    Zum Sprecher:
    Jörg Maurer ist einer der wenigen Autoren, die ihr Buch lesen können, ohne das es dabei verliert. Sein Beruf als Musikkabarettist macht sich positiv bemerkbar. Ich könnte ihn mir auch als Vorleser für andere Autoren vorstellen.


    Fazit:
    Jörg Maurer ist ein erfolgreicher Kabarettist. Bei diesem Buch stimmt das Mischungsverhältnis zwischen Krimi und Satire nicht mehr. Deshalb gebe ich nur zwei Sterne, obwohl sich etliche Bonmots im Buchinnern verstecken. :-(

    Buchmeinung zu Ursula Poznanski - Fünf


    „Fünf“ ist ein Kriminalroman von Ursula Poznanski, der 2012 bei Wunderlich erschienen ist.


    Klappentext:
    Thanks for the Hunt …Du bist fündig geworden. Rätselaufgaben, deren Lösung Koordinaten sind. In Plastikbehälter verpackte Leichenteile. Zeugen, die nach der Befragung sterben. Es ist eine blutige Version des Geocaching, eine grausige Jagd, auf die sich die Salzburger Ermittlerin Beatrice Kaspary einlassen muss. Der Fall scheint unlösbar. Und plötzlich wird sie selbst zur Beute …



    Meine Meinung:
    Ein dickes Plus für die Grundidee des Buches. Auch das Thema Geocaching war für mich neu und wurde im Buch fast schon liebevoll erläutert. Meine Lieblingsfigur ist der zweite Ermittler Florin Wenninger geworden – einfach weil er „nur“ normal war. Beatrice Kaspary, die eigentliche Hauptfigur, befindet sich im Kampf mit ihrem Exmann um die beiden gemeinsamen Kinder. Sie wird von ihrem Mann mit nächtlichen Anrufen terrorisiert und ist nicht in der Lage, etwas dagegen zu tun. Zusätzlich weckt der Fall in ihr traumatische Erinnerungen an eine Begebenheit aus ihrer Zeit als junge Erwachsene. Daneben tritt sie noch in Kontakt mit dem Owner, wie der Täter bei den LKA-Beamten genannt wird. Dieses belastende Umfeld ging mir zunehmend auf den Keks und trübte mein Lesevergnügen erheblich. Ein weiterer Kritikpunkt ist die ausführliche Beschreibung blutrünstiger Situationen, derer es nicht bedurft hätte. Dabei kann die Autorin einiges positive in die Waagschale werfen. Sie erzählt die Geschichte aus wechselnden Perspektiven, hat einen guten Spannungsbogen und hat ein gutes Gespür für die Sprache. Das Hauptplus ist aber die Grundidee, die ich aber aus Spoilergründen nicht näher erläutern will.


    Fazit:
    Ursula Poznanski hat Potential, kann es aber bei diesem Buch, ihrem ersten, noch nicht komplett abrufen. Bei mir trübte die dominante Darstellung ihrer privaten Probleme das Lesevergnügen doch erheblich. So kann ich nur drei von fünf Sternen vergeben.


    7 Punkte

    Buchmeinung zu Greg Iles – 24 Stunden


    „24 Stunden“ ist ein Kriminalroman von Greg Iles, der 2002 bei Bastei Lübbet erschienen ist. Meine Rezension bezieht sich auf die ungekürzte Hörbuchfassung, die 2012 von Uve Teschner für Audible eingelesen wurde.


    Klappentext:
    24 Stunden - so lange dauern in der Regel die perfekt geplanten Entführungen eines Kidnapper-Trios. Die schockierten Eltern zahlen das geforderte Lösegeld, und die geraubten Kinder gelangen wohlbehalten nach Hause. Doch im Fall der kleinen Abby Jennings verläuft nichts nach Plan: Denn das entführte Mädchen benötigt dringend ein lebensnotwendiges Medikament, und ihre Eltern gehören nicht zu der Sorte von Menschen, die sich widerstandslos geschlagen geben. Die Jagd nach den Kidnappern wird zu einem Kampf auf Leben und Tod...


    Meine Meinung:
    Greg Iles ist derzeit einer meiner Lieblingsautoren. Nachdem mir @E.R.O.S. Schon sehr gut gefallen hat, waren meine Erwartungen an 24 Stunden schon hoch, aber sie wurden noch übertroffen. Die einfache aber bestechende Grundidee führt zu einer Beschränkung von Zeit und Ort. Vater, Mutter und Kind hat es mit jeweils einem Kidnapper an unterschiedliche Orte (Hotel, Wohnhaus und Unterschlupf im Wald) verschlagen. An jedem dieser Orte entbrennt ein Zweikampf zwischen Opfer und Entführer, bei dem die „Opfer“ einigen Einfallsreichtum beweisen. Durch die Beschränkung auf wenige Personen kann der Autor alle handelnden Personen ausführlich beschreiben. Dabei vermeidet er aber eine Schwarzweißmalerei. Die Figuren zeigen Tiefe und im weiteren Verlauf zeigt sich die Intelligenz des Anführers der Kidnapper. Greg Iles hält die Spannung durchgehend auf einem hohen Level, die gegen Ende noch einmal zulegt. Dabei verzichtet der Autor auf blutrünstige Szenen und man kann die Handlungen aller Personen nachvollziehen. Jeder handelt aus seiner Sicht logisch. Leichte Abstriche gibt es für den typisch amerikanischen und filmreifen Showdown.
    Greg Iles beherrscht sein Handwerk. Die häufigen Schauplatzwechsel sind fast immer mit einem Cliffhanger verbunden und die Sprache ist einfach, aber präzise und prägnant. Im Prolog wird der erfolgreiche Abschluß der letzten Entführung geschildert. Dabei entsteht der Eindruck, dass es doch gar nicht so schlimm ist. Dieser Eindruck wird im weiteren Verlauf grundlegend erschüttert. Überhaupt lebt das Buch von der Abfolge ruhiger fast harmonischer Sequenzen, die dann ansatzlos zu Konfrontationen führen.


    Der Sprecher
    Uve Teschner ist nach meinem Empfinden die Idealbesetzung.


    Fazit:
    Dieser Roman hat mich von Anfang an gefangen genommen. Ich habe mit den Eltern und der Tochter gezittert, aber auch mit den Entführern gefiebert. Am Ende war es etwas überzogen, aber das störte mich nicht sehr. Dieses Buch ist ein faszinierender Thriller mit einigen typisch amerikanischen Elementen. Ich gebe dem Buch fünf von fünf Sternen und kann es uneingeschränkt empfehlen.

    Buchmeinung zu Fred Vargas – Im Schatten des Palazzo Farnese


    „Im Schatten des Palazzo Farnese“ ist ein Kriminalroman von Fred Vargas, der 2003 im Aufbau-Verlag als Taschenbuch erschienen ist. Das Original ist bereits 1994 erschienen. Meine Besprechung bezieht sich auf die gekürzte Hörbuchfassung, die 2010 bei Der Audio Verlag erschienen ist.


    Klappentext:
    Auf dem europäischen Kunstmarkt taucht eine unbekannte Zeichnung von Michelangelo auf. Wurde sie aus den Archiven des Vatikans gestohlen? In Rom wollen die drei exzentrischen französischen Studenten Claudius, Tiberius und Nero das Rätsel lösen. Als Claudius’ Vater vor dem Palazzo Farnese durch einen Gifttrunk umgebracht wird, entwickelt sich das harmlose Ratespiel zu einer nervenaufreibenden Verbrecherjagd.


    Die Sprecherin:
    Suzanne von Borsody ist eine bekannte Schauspielerin, die eine einwandfreie Lesung abgeliefert hat.


    Meine Meinung:
    Bei diesem Frühwerk von Fred Vargas gibt es bereits ein Reihe von Elementen, die für ihre späteren Werke kennzeichnend waren. Es gibt exzentrische Figuren wie die drei „Kaiser“, den Bischof und den unorthodoxen Ermittler. Die Ausgangslage ist vertrackt, wenn nicht gar verworren. Außer dem römischen Kriminalinspektor stecken alle in einem undurchsichtigen Beziehungsgeflecht – Sogar der zweite Ermittler, ein Franzose, der politischen Schaden vermeiden soll, war mit der Femme fatale liiert. Die Dialoge wirken hölzern und irgendwie fehlt der Plan, der der ganzen Geschichte zu Grunde liegen sollte. Fast alle Personen handeln aus schwer nachvollziehbaren Motiven und im Laufe der Ermittlung gerät fast jeder von ihnen unter Verdacht. Mich hat die Geschichte zu keiner Zeit gefangen genommen.


    Fazit:
    Die Geschichte ist in Form und Inhalt nicht überzeugend. Allein der guten Sprecherin ist es zu verdanken, das es zu zwei von fünf Sternen reicht.

    Buchmeinung zu Lindsey Davis – Mord im Atrium


    „Mord im Atrium“ ist ein historischer Roman von Lindsey Davis, der 2011 bei Knaur als Taschenbuch erschienen ist. Die englische Originalausgabe erschien 2007 unter dem Titel „Saturnalia“ bei Century.


    Klappentext:
    Die römischen Saturnalien sind eine Zeit wilder Feste und die ideale Gelegenheit, eine berüchtigte Feindin des Reiches im Triumphzug vorzuführen und den Göttern zu opfern. Doch der Gefangenen gelingt es zu fliehen. Ein Fall für unseren Freund Marcus Didius Falco, der sich einmal mehr seinem Erzrivalen gegenübersieht.


    Meine Meinung:
    Dieses Buch ist bereits der 18. Fall für Marcus Didius Falco, den ersten Detektiv der Weltgeschichte, wie es auf dem Buchrücken heißt. Die Geschichte spielt im Dezember des Jahres 76 n. Chr..
    Das Buch beginnt mit einem dreiseitigen Personenregistern, Auszügen aus den Stammbäumen des Protagonisten und seiner Ehefrau, zwei Kartenausschnitten und einem Auszug aus dem Eid des Hippocrates. Schon bei den Stammbäumen fällt der humorige Ansatz des Buches auf. Sie beginnen mit „Generationen kauziger Kleinbauern“ (Falco) bzw. „Generationen von Unbekannten“ gefolgt von „Eine Generation von Senatoren“ (Falcos Ehefrau). Dieser humoristisch geprägte Unterton begleitet den Leser während des gesamten Buches. Der eigentliche Fall dreht sich um eine entflohene germanische Priesterin und Stammesführerin. Mit ihrer Wiederauffindung werden Falco und sein Erzfeind Anacrites, der Oberspion, beauftragt. Bei den nachfolgenden Verwicklungen wußte ich manchmal nicht, ob es sich nicht vielleicht doch um eine Parodie handelt. Einerseits erfährt man doch einiges über die Saturnalien und dem Treiben in Rom zu dieser Zeit, andererseits wirkt die ganze Romangestaltung überfrachtet. Positiv ist, das Falco ein normaler Sterblicher ist und die wirkungsvolle Unterstützung seiner Ehefrau erfährt. Negativ fällt auf, das sein Gegenspieler total überzeichnet beinahe als Volltrottel beschrieben wird. Auch das ganze Beziehungsgeflecht wirkt gekünstelt.


    Fazit:
    Trotz eines durchaus reizvollen Kriminalfalls wollte sich bei mir nicht die rechte Begeisterung einstellen. Im direkten Vergleich zur SPQR-Reihe von John Maddox Roberts zieht Marcus Didius Falco klar den kürzeren. Dies liegt vor allem am gewollt humorvollen Grundton. Es reicht deshalb auch nur gerade noch zu drei von fünf Sternen.

    Buchmeinung zu Heidrun Hurst – Der Beginn eines neuen Tages


    „Der Beginn eines neuen Tages“ ist ein historischer Roman von Heidrun Hurst, der 2015 bei mediaKern als Taschenbuch erschienen ist. Es ist der abschließende Band der Trilogie um die Kinder des Bergmanns.


    Klappentext:
    Inmitten der zermürbenden Gefechte des Dreißigjährigen Krieges erhält Jakob die Nachricht, dass Elisabeth geheiratet hat. Magdalena sieht endlich ihre Chance gekommen, den jungen Söldner für sich zu gewinnen. Bei einer günstigen Gelegenheit gelingt den fünf Freunden die Flucht. Nach einigen Umwegen erreichen sie Straßburg, wo Jakob seine Schwester Bärbel wiedertrifft. Diese stellt ihm eine Frage, woraufhin sich Jakob entscheiden muss: Elisabeth oder Magdalena? Die Wahl ist für Jakob klar, doch kurz vor dem Ziel holt ihn seine Vergangenheit ein: Sein Schicksal scheint endgültig besiegelt.


    Cover:
    Das Cover ist sehr gelungen und passt sehr gut zum Buch. Es wirkt einfach und erinnert mich an eine Schmuckzierleiste.


    Meine Meinung:
    Dieses Buch kann auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände problemlos gelesen werden, trotzdem würde ich empfehlen, die Trilogie in Erscheinungsreihenfolge zu geniessen.
    Im Abschluss der Trilogie zeigt die Autorin wiederum ihre Stärken. Wie kaum eine andere Autorin hat sie ein Talent für die Auswahl und Beschreibung alltäglich wirkender Szenen, die trotzdem das Leben und Leid der Personen prägnant und eindrucksvoll kennzeichnen. Man hat den Eindruck, live vor Ort zu sein und spürt die Härte, mit der die Menschen vom Hunger und vom Krieg getroffen wurde. Die alltägliche Gefahren sind immer gegenwärtig, die nicht nur den Soldaten, sondern auch der Zivilbevölkerung drohen. Bezeichnend ist die Darstellung, das die Soldaten nicht für ehre Ziele kämpfen, sondern nur noch, um zu überleben. Und wenn es sich ergibt werden auch die Seiten gewechselt. Auch für die Bevölkerung ist vollkommen unwichtig, welche Truppen die Vorräte klauen und die Leute terrorisieren. Das Leid ist für die Menschen immer gleich.
    Am Buchende gibt es eine Liste der Worterklärungen, ein Quellenverzeichnis und ein Nachwort, in dem Geschichte und Historie zusammengeführt werden. Durch die pure Nennung von Kennzahlen (Geburten, Hochzeiten und Todesfälle) wird hier unmißverständlich deutlich, wie der 30-jährige Krieg im Umfeld von Straßburg gewirkt hat.
    Leider hat dieses Buch für mich einen dicken Minuspunkt und das ist das Ende, dass jedem Bollywoodfilm Ehre erweisen würde.


    Fazit:
    Mir hat das Buch bis kurz vor Ende wunderbar gefallen, aber das Ende ist definitiv nicht meins. Trotzdem reicht es locker für vier von fünf Sternen. Wer das Ende mag, wird ein unvergleichliches Leseerlebnis geschenkt bekommen!

    Buchmeinung zu Jeffery Deaver – Carte Blanche


    „Carte Blanche“ ist ein Krimi von Jeffery Deaver, der 2012 bei Blanvalet erschienen ist. Meine Rezension bezieht sich auf die gekürzte Hörbuchfassung, die 2012 von Dietmar Wunder für Random House Audio eingelesen wurde.


    Klappentext:
    James Bond genießt einen romantischen Abend mit einer hinreißend schönen Frau. Da erreicht ihn ein dringender Alarm: Ein Lauschposten hat eine verschlüsselte Botschaft abgefangen, die einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag ankündigt. Es wird mit Tausenden von Todesopfern gerechnet. Britische Sicherheitsinteressen sind unmittelbar betroffen. Die höchsten Regierungsstellen wissen, dass nur noch James Bond die drohende Katastrophe abwenden kann. Doch will er diese Mission erfüllen, darf er sich an keine Regel halten. Und so erhält 007 eine Carte Blanche.



    Meine Meinung:
    Jeffery Deaver schreibt einen modernen James Bond – das klingt interessant. Beim Lesen erkennt man seinen Bond wieder. Er ist der Doppelnullagent mit einzigartigen Fähigkeiten und der gewohnten technischen Unterstützung. Und er ist ein Frauenheld geblieben, auch wenn er es etwas ruhiger angehen läßt. Insgesamt ist er etwas reflektierter, scheut aber kein Risiko, wenn es erforderlich. So weit, so gut, aber es gibt für mich ein großes Aber. Wenn ich den wunderbar vortragenden Dietmar Wunder höre, dann ist es nicht James Bond, sondern Lincoln Rhyme. Vielleicht hätte man diesen Effekt verhindern können, wenn der Verlag einen anderen Vorleser gewählt hätte. So habe ich immer vergeblich auf Amelia Sachs gewartet.


    Fazit:
    Rein technisch ist Jeffery Deaver der moderne Bond gut gelungen, aber das Hörbuch litt für mich unter dem Lincoln Rhyme Effekt. So fällt mir eine Bewertung schwer. Dietmar Wunder hat fünf Sterne verdient, aber für das Hörbuch kann ich nur drei von fünf Sternen oder 65 von 100 Punkten vergeben.

    Buchmeinung zu James Lee Burke - Neonregen


    „Neonregen“ ist ein Krimi von James Lee Burke, der 1991 bei Ullstein erschienen ist. Meine Rezension bezieht sich auf die e-book-Version, die 2014 bei EDEL eBooks erschienen ist.


    Klappentext:
    Die Warnung kommt aus der Todeszelle. »Passen Sie auf«, sagt kurz vor seiner Exekution ein Mafia-Killer dem Polizisten Dave Robicheaux von der Mordkommission in New Orleans, »die Kolumbianer wollen Ihren Kopf.« Und prompt muß Robicheaux wieder an das tote Negermädchen denken, das er jüngst aus einem Tümpel gezogen hat.


    Meine Meinung:
    Der Auftakt der Serie um Dave Robicheaux war für mich ein Erdbeben. Streak, wie Dave Robicheaux wegen seiner hellen Haarsträhne von Kollegen genannt wird, ist ein vielschichtiger und nicht immer sympathischer Polizist bei der Mordkommission in New Orleans. Er ist trockener Alkoholiker und Vietnamveteran, setzt schon mal mehr Gewalt ein als nötig, hat mit Clete einen Partner, der vielleicht noch ein bißchen verrückter als er selber ist und verbringt seine Freizeit gerne beim Angeln in den Sümpfen. Er ist also ein tougher Polizist ist einer dreckigen und korrupten Stadt. Alles nicht wirklich neu, aber wie James Lee Burke diese Sachverhalte in Worte fasst, das ist großes Kino. Man hat das Gefühl direkt dabei zu sein, man spürt die schwüle Hitze und ist versucht, nach den Fliegen und Mücken zu schlagen. Bei den Landschaftsbeschreibungen wird der Autor im besten Sinne poetisch. Und nur wenige Seiten später brennt er ein Actionfeuerwerk ab, dass seinesgleichen sucht. Ähnlich ist es mit der Figur Dave Robicheaux. Er ist knallharter Cop und ist trotzdem verletzlich und wenn es nicht mehr anders geht, dann greift er zur Flasche und versackt völlig. Wie eine echte hardboiled Figur, läßt er sich nicht einschüchtern oder unterkriegen und tut das, was nach seiner Meinung getan werden muß – komme, was da wolle. Es ist dieser Spagat zwischen harten Actionszenen und poetischen Landschaftsbeschreibungen, die niemand so gekonnt verbindet wie James Lee Burke.


    Fazit:
    Der Serienauftakt hat mich zum Fan von James Lee Burke und Dave Robicheaux gemacht. Trotzdem kann das Buch nicht jedem empfohlen werden. Empfindsame Personen werden bei den genreüblichen harten Szenen sicher nicht zufrieden gestellt werden. Aber wen dies nicht stört, der wird in den Genuß eines herausragenden Kriminalromans kommen. Von mir gibt es die volle Punktzahl!

    Buchmeinung zu Alex Winter – Ein Gespür für Mord
    „Ein Gespür für Mord“ ist ein Kriminalroman von Alex Winter, der 2005 im Knaur Verlag erschienen ist. Das e-book erschien 2013 bei bookshouse.


    Klappentext:


    Als Daryl an die Uferböschung trat, fuhr ihm ein eisiger Schauder über den Rücken. Der Pigeon Pool strahlte etwas Unheimliches, fast Bedrohliches aus. Seine dunkle, olivgrüne Oberfläche lag absolut glatt vor ihm. Kein Sonnenstrahl schien hindurchzudringen.


    Auf einer abgelegenen Rinderfarm im Westen Australiens verschwindet ein Pilot spurlos. Seine Kleider, die man am Ufer eines düsteren Teichs nahe der Farm entdeckt, sind der einzige Hinweis. Ist er ertrunken? Wurde er Opfer des großen, einäugigen Krokodils, das in dem Billabong Gewässer lebt? Oder war es Mord?


    Detective Daryl Simmons steht vor einem Rätsel. Nur mithilfe des besonderen Wissens, das er einem Aborigine-Lehrmeister verdankt, kann er schließlich Licht in das Dunkel dieses Falles bringen …



    Meine Meinung:
    Als Fan der Ethno-Krimis von Tony Hillerman wurde mein Interesse an diesem Krimi durch den Klappentext geweckt. Ein Krimi, bei dem die Kultur der australischen Ureinwohner eine wesentliche Rolle spielen soll – das musste ich mir mal ansehen. Erste Überraschung: Der Autor ist ein Schweizer, der aber einige Jahre in Australien gelebt hat. Und tatsächlich bringt das Wissen über die Kultur und das Verhalten der Ureinwohner den Polizisten Daryl Simmons auf die richtige Spur. Daryl Simmons ist ein Weißer, der am Rande eines Reservats aufgewachsen ist. Sein Interesse an der Kultur der Aborigines führte dazu, dass er die Initiierungsrituale eines Stammes durchlaufen hat. Er ist ein Naturbursche, der in der Stadt nicht zurecht kommt. Sein Vorgesetzter schickt ihn auf eine Undercovermission ins Outback. Als Hubschrauberpilot getarnt soll er auf einer Rinderfarm ermitteln.
    Ich habe Daryl Simmons von Anfang an in mein Herz geschlossen. Er ist nicht unbedingt nett, aber er strahlt eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus. Er hat es nicht eilig, denn insbesondere das Verständnis von Zeit unterscheidet sich gewaltig. Dazu ist er ein aufmerksamer Beobachter und kann viele Personen überzeugen, ihr Wissen mit ihm zu teilen. So nebenbei erfährt man ähnlich zu Hillerman einiges über Stammesrituale. Auch das Ende des Romans passt vortrefflich zu Australien. Aber ganz sicher ist Daryl Simmons kein pflegeleichter Untergebener. Trotzdem scheint sein Chef seine Qualitäten zu schätzen und er hofft sicherlich, dass er Daryl nach seinen Wünschen formen kann.
    Die Krimihandlung selber kommt nur langsam in Schwung. Es bleibt viel Zeit, das Leben auf einer Farm im Outback zu beschreiben. Dabei wirken die als Saisonarbeiter verdingten Aborigines wie traurige Gestalten. Ähnlich wie bei den Indianern ist es auch in Australien nicht gelungen, die Eingeborenen angemessen zu integrieren.
    Fazit:
    Daryl Simmons ist eine Entdeckung gewesen. Sicherlich sind die Möglichkeiten noch nicht ausgereizt. Wer ruhige Krimis mag, ist hier richtig. Und Informationen über die Kultur der Aborigines gibt es kostenlos dazu.

    Buchmeinung zu Tom Finnek – Vor dem Abgrund
    „Vor dem Abgrund“ ist ein historischer Roman von Tom Finnek, der 2013 im Bastei Lübbe Verlag erschienen ist. Das Taschenbuch ist 2015 erschienen.


    Klappentext:


    Im Herbst 1888 kommen zwei junge Menschen ins Londoner East End, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die verarmte Celia Brooks versucht verzweifelt, ihren Vater zu finden. Der Hotelierssohn Rupert Ingram will hingegen seine Pflichten im sündigen Treiben vergessen. Doch im East End hat alles seinen Preis, Antworten ebenso wie das Vergessen.
    Und während die Huren ihre Dienste feilbieten und ein Mörder namens Jack the Ripper in den Schatten lauert, stoßen Celia und Rupert auf Geheimnisse, die ihr Leben für immer verändern ...


    Meine Meinung:
    Ich habe diesen letzten Teil der London-Trilogie ohne Kenntnis der ersten beiden Bände gelesen und hatte keinerlei Verständnisprobleme.
    Schon das Titelbild macht Lust, sich mit dem London dieser Zeit zu befassen.
    Die sechszehnjährige Celia Brooks macht sich nach dem Tod ihrer Mutter auf nach London, um ihren Vater zu suchen. Dies ist im London von 1888 eine schwierige und gefährliche Aufgabe. Auf ihrem Weg lernt sie einige zum Teil skurrile Personen kennen. Sie lernt das harte und trostlose Leben verarmter Bevölkerungsteile kennen. Mit Unterstützung der sich gerade etablierenden Heilsarmee gelingt es ihr, die ersten Tage in London zu überstehen. Die andere Hauptfigur ist der Hotelierssohn Rupert Ingram, der ohne rechtes Lebensziel ein ungewöhnliches Doppelleben führt. Etliche Nächte schlägt er sich als verkleiderter Rabauke im East End um die Ohren. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Geschichte ist die Story der Überlebenden der Mignonette, die ihr Überleben nur durch Kannibalismus sichern konnten. Zusammen mit der Entwicklung der beiden Hauptfiguren nimmt eine spannende Geschichte ihren Lauf, die jede Menge Ansatzpunkte zum Nachdenken bietet. Die Hauptfiguren sind nicht sonderlich sympathisch dargestellt. Trotzdem fiebert man irgendwie mit. Man erlebt ihre Entwicklung mit und erhält zusätzlich einen umfassenden Eindruck vom Leben in dieser Zeit, das der Autor in schnörkelloser Form darstellt. In Teilen ist es eher ein Sittengemälde als ein Roman.
    Eine Karte des East End, ein Personenregister und umfangreiche Anmerkungen des Autors runden das Buch ab.


    Fazit:
    Dieses Buch ist spannend und faszinierend, aber zum ganz großen Wurf fehlt doch etwas. Es kann jedem empfohlen werden, der sich für die Geschichte Londons interessiert.
    8,5 von 10 Eulenpunkten

    Buchmeinung zu Ulf Schiewe – Der Schwur des Normannen


    „Der Schwur des Normannen“ erschien 2015 als Taschenbuch im Knaur Verlag.


    Klappentext:


    Süditalien 1054: Gerlaine, die Geliebte des jungen Normannen Gilbert, ist von Sklavenjägern entführt wurden. Die einzige Spur führt mitten in Feindesland nach Sizilien, dem Reich der Sarazenen. Nur zwei seiner Gefährten sind bereit, ihm zu folgen. Bald schon geraten sie in höchste Gefahr Machtkämpfe zwischen Berberfürsten, tödliche Anschläge arabischer Gotteskrieger und die Heimtücke des berüchtigten schwarzen Emirs bedrohen sie.


    Meine Meinung:
    Auch im nunmehr dritten Teil der Serie um Gilbert gelingt es dem Autor, eine spannende und fesselnde Geschichte zu erzählen. Er erfährt, dass er Vater geworden ist und das seine große Liebe Gerlaine von Sklavenjägern verschleppt wurde. Ohne großes Nachdenken macht sich Gilbert auf die Suche. Mit ein paar Vertrauten und seinem Hund Loki nimmt er die Suche in Sizilien auf. Wie immer erleidet er den ein oder anderen Rückschlag, findet aber auch die ein oder andere unerwartete Unterstützung. Wie bei den beiden Vorgängerromanen verknüpft Ulf Schiewe gekonnt fiktive und historische Elemente. Besonders beeindruckt hat mich die Entwicklung Gilberts von einem willfähigen Werkzeug zu einem unabhängigen Mann, der sich so seine Gedanken macht und sein Tun reflektiert. Hinzu kommt der bildhafte Schreibstil des Autors, der dem Leser das Gefühl gibt, sich vor Ort zu befinden und im Geschehen eingebunden zu sein. Es ist diese Mischung zwischen den den sehr spannenden Abenteuerelementen und den ruhigen Elementen mit Reflektion oder Informationsvermittlung, die dieses Buch so faszinierend macht. Obwohl Gilbert längst nicht alles richtig macht und auch die ein oder andere Charakterschwäche hat, ist er der Sympathieträger schlechthin. Vielleicht auch wegen seiner Schwächen fiebert man mit ihm.
    Eine Landkarte, ein Personenregister und Anmerkungen des Autors zu seiner Interpretation der historischen Fakten runden das Buch ab.


    Fazit:
    Zusammenfassend kann ich nur sagen, das mich dieses Buch noch mehr als die ersten Bände beeindruckt hat. Ich hatte das Gefühl live dabei zu sein und habe viel von einem mir unbekanntem Stück Geschichte erfahren. Ich freue mich schon auf den angekündigten vierten Teil. Die Kenntnis der Vorgängerromane ist für das Verständnis des Buches nicht erforderlich. Wer aber die Entwicklung Gilberts in vollen Zügen genießen will, der sollte die Romane in Erscheinungsfolge lesen.

    Buchmeinung zu Dan Brown – Inferno


    „Inferno“ ist ein Krimi von Dan Brown, der 2013 bei Bastei Lübbe erschienen ist. Meine Rezension bezieht sich auf die gekürzte Lesung durch Wolfgang Pampel, die 2013 auf 6 CD bei Lübbe Audio erschienen ist.


    Klappentext:
    Der Symbolforscher aus Harvard wird in Italien mit Geheimnissen, Rätseln und einer Verschwörung konfrontiert, die ihre Wurzeln in einem der berühmtesten und dunkelsten Meisterwerke der Literatur haben: Dantes »Göttlicher Komödie«. Und je intensiver Robert Langdon die immer gefährlicher werdende Spur verfolgt, umso deutlicher zeichnet sich die bedrohliche Erkenntnis ab, was Dantes Werk für die Gegenwart und Zukunft bereithält.

    Meine Meinung:
    Im nunmehr vierten Teil der Serie um den Symbolforscher Robert Langdon wird wieder ein sehr verschachteltes Szenario aufgeworfen. Die übliche unterstützende Frau an seiner Seite ist diesmal eine italienische Ärztin mit erstaunlichen Talenten und Fähigkeiten. Um die Sache noch etwas schwieriger zu gestalten, leidet der Professor an Gedächtnisverlust. Und da sind wir bei dem Punkt, der mich an diesem Buch so stört. Alles ist analog zu den Vorgängern – nur noch ein wenig überdrehter. Für mich war es zuviel. Zwar versteht es Dan Brown, die Handlung spannend und durchaus interessant zu gestalten, doch dagegen läuft die Erkenntnis, dass es alles schon mal bei diesem Autor gab. Die Unterschiede zu den Vorgängern sind nicht wirklich zu erkennen. Auch der Abschluß konnte mich nicht überzeugen.
    Zum Sprecher:
    Wolfgang Pampel hat eine überzeugende Leistung geboten. Er versteht es, den einzelnen Figuren ein Gesicht zu geben.


    Fazit:
    Dieser vierte Teil ist nach meiner Ansicht der schwächste der gesamten Reihe. Es fehlt etwas neues im immergleichen Rezept – es schmeckt mittlerweile fad. Mehr als 2 von 5 Sternen oder 50 von 100 Punkten sind nicht drin. Trotzdem kann das Buch für Neueinsteiger durchaus interessant sein.

    Buchmeinung zu Chris Carter – Der Kruzifix-Killer


    „Der Kruzifix-Killer“ ist ein Krimi von Chris Carter, der 2009 im Ullstein Verlag erschienen ist. Meine Rezension bezieht sich auf die gekürzte Lesung durch Achim Buch, die 2009 auf 4 CD bei Hörbuch Hamburg erschienen ist.


    Kurzbeschreibung (Klappentext der CD)


    Los Angeles: Die Leiche einer wunderschönen Frau wird gefunden, zu Tode gequält und bestialisch verstümmelt. Keinerlei Spuren. Bis auf ein in den Nacken geritztes Kreuz, ein Teufelsmal: das Erkennungszeichen eines hingerichteten Serienmörders. Detective und Profiler Robert Hunter wird schnell klar, dass der Kruzifix-Killer lebt. Er mordet auf spektakuläre Weise weiter und ist den Ermittlern immer einen Schritt voraus.


    Meine Meinung:


    Selten hat mich ein Buch so wenig gefangengenommen wie dieses. Es entstand in keinster Weise eine Beziehung zur Hauptfigur. Alle Figuren wirken leblos und sind durch die Bank sehr flach dargestellt. Die Greuelszenen sind einfach an mir vorbeigelaufen – sie waren nicht einmal abstoßend. Spannung kam in kleinen Dosen bei den Actionszenen auf, ansonsten dümpelte die Handlung so vor sich hin. Es wirkte wie eine Aneinanderreihung von Szenen aus einem Thrillerbaukasten. Vieles kam mir bekannt vor – und es hatte mir dort besser gefallen. Robert Hunter irrt von vermeintlichem Höhepunkt zum nächsten Höhepunkt, ohne das die steuernde Hand des Autors erkennbar ist. Er ist der Superheld, dem alle anderen Polizisten zuarbeiten dürfen. Er leistet unmenschliches bei der Befreiung einer Geisel, das es schon lächerlich wirkt. Und das Vorgehen bei der Überführung des Täters setzt dem Ganzen die Krone auf.


    Zum Sprecher:


    Achim Buch hat seine Sache gut gemacht. Jederzeit waren die handelnden Personen zu erkennen und auch gut zu verstehen.


    Fazit:


    Dies ist sicherlich eines der schlechtesten Bücher, die ich je gehört oder gelesen habe. Aus meiner Sicht kann man es nur seinen ärgsten Feinden empfehlen!

    „Man erntet, was man sät“ ist ein Auswandererkrimi von Kai Blum, der 2014 bei Booquel als Taschenbuch erschienen ist. Es ist der zweite Teil der Auswanderersaga um die Familie Sievers in Nord-Dakota.
    Zu Beginn dieses zweiten Bandes gibt es eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse im ersten Band, die für das Verständnis voll und ganz ausreicht.
    In diesem Band nimmt der Krimianteil einen größeren Umfang ein, was dem Buch aber nach meiner Ansicht nicht unbedingt gut tut. Wie schon im ersten Teil liegen die Stärken des Autors in der Beschreibung des alltäglichen Lebens der Dorfgemeinschaft. Die einfache, aber präzise und direkte Sprache ermöglicht ein angenehmes Lesen. Dabei lässt der Autor unauffällig wieder viele Informationen über die Auswanderer einfließen. Bedrückend ist die Erfahrung vieler Auswanderer, nach ersten Siedlungserfolgen doch noch zu scheitern, und dies in vielen Fällen schuldlos. Die Entwicklung der Siedlungen hängt von vielen Faktoren ab, auf die die Siedler keinen Einfluß haben. Insgesamt eine lebhafte Schilderung mit einem eher störenden Kriminalfall.

    „Hoffnung ist ein weites Feld“ ist ein historischer Roman von Kai Blum, der 2013 im Booquel Verlag als Taschenbuch erschienen ist. Als Zugabe ist der Code für eine kostenlose E-Book-Version enthalten.
    Die Geschichte spielt im Jahr 1881 im kleinen Dorf Himmelsfeld in Nord-Dakota. Die Auswandererfamilie Sievers aus Mecklenburg hat hier ein Stück Land in der weiten Prärie zugewiesen bekommen und versucht nun, die Grundlagen für eine dauerhafte Besiedlung zu schaffen.
    Dem Autor gelingt es sehr gut, die Motivation der Siedler wie auch ihre Hoffnungen und Probleme zu schildern. So ganz nebenbei habe ich eine Menge über die rechtlichen Grundlagen dieser Besiedlung erfahren. Besonders eindringlich empfand ich die Schilderung der Naturgewalten wie zum Beispiel eines Blizzard, die die Siedler völlig unvorbereitet trafen und viele Opfer forderten. Die Sprache ist schnörkellos und direkt und passt sehr gut. Ja und dann gibt es noch einen Mord, den das Buch nicht gebraucht hätte und der mehr stört als nutzt. Die Stärken des Buches liegen in der Schilderung des alltäglichen Überlebenskampfes der Siedler und der Beschreibung der Entwicklung des Ortes. Meine Wertung 80 von 100 Punkten.

    „Sturmwolken am Horizont“ ist ein historischer Roman von Elisabeth Büchle, der 2013 bei Lübbe als Hardcover erschienen ist. Es ist der zweite Band der dreiteiligen Meindorff-Saga. Dieser Roman ist auch ohne Kenntnis des ersten Bandes „Himmel über fremdem Land“ gut verständlich. Trotzdem empfehle ich nach Möglichkeit den ersten Band vorweg zu lesen.
    Wieder stehen die Söhne der Meindorff-Familie und die van Campen Schwestern im Mittelpunkt der Geschichte. Dieser Teil der Trilogie spielt in den ersten Jahren des ersten Weltkriegs. Ein Schwerpunkt liegt diesmal in St. Petersburg, wo Anki van Campen als Kindermädchen in einer russischen Offiziersfamilie tätig ist. Sie verliebt sich dort in den Arzt Robert Busch und begegnet auch Rasputin. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem Berliner Part der Geschichte. Die Meindorff-Söhne sind in den Krieg gezogen, das Familienoberhaupt schwächelt und Demy übernimmt die Verantwortung für den Haushalt. Die Weiterentwicklung der Figuren hat mich sehr beeindruckt. In schon aus dem ersten Band gewohnter Weise beleuchtet die Autorin diverse Themen, ohne das die eigentliche Geschichte darunter leidet. Durch viele Perspektivwechsel wird die Spannung noch erhöht und man liest immer weiter. Auch Nebenfiguren sind mit viel Aufwand und Akribie gekennzeichnet und die Handlung nimmt manchen unerwarteten Pfad. Ein absoluter Sympathieträger sind Anki und Demy van Campen, die sich als sehr junge aber auch sehr starke Frauen erweisen. Allein noch offen bleibt die Frage, wer Demys Herz erobern wird. Ich warte schon voller Ungeduld auf die Lektüre des abschließenden Bandes „Hoffnung eines neuen Tages“. Das van Campen Universum lässt mich nicht mehr los!

    „Hoffnung eines neuen Tages“ ist ein historischer Roman von Elisabeth Büchle, der 2014 bei Lübbe als Hardcover erschienen ist. Dies ist der dritte und abschließende Teil der Meindorff-Saga. Auch hier gilt: man kann das Buch auch lesen und verstehen, ohne die Vorgänger gelesen zu haben, aber besser ist es, die Serie komplett in der richtigen Reihenfolge zu genießen.
    Der Klappentext trifft diesmal zu:
    Während der Erste Weltkrieg seinen unheilvollen Lauf nimmt, versucht die junge Demy in Berlin weiter unermüdlich, sich und ihre Schützlinge durch die schwere Zeit zu bringen. Als sie unter der Last zusammenbricht, steht ihr Philippe Meindorff unverhofft zur Seite. Doch dann erhält die Familie eine niederschmetternde Nachricht, die alles erneut ins Wanken bringt ... Anki und Robert geraten in Petrograd in die Unruhen der Februarrevolution und müssen mit den vier Fürstenkindern fliehen. Bei dem fast aussichtslosen Versuch, nach Berlin zu entkommen, wird die Schicksals- gemeinschaft auseinandergerissen. Wird das nahe Kriegsende alle wieder zusammenführen? Der dritte und letzte Teil der großen Meindorff -Saga.
    Wer den van Campens und den Meindorffs noch nicht verfallen war, den wird es diesmal erwischen. Elisabeth Büchle beschreibt in ihrem unvergleichlichen Stil den Fortgang dieser Familiensaga. Wieder werden die Protagonisten nicht geschont und der Leser kann nur hoffen, das es zu einem glücklichen Ende führen wird. Wieder sind die Figuren liebevoll und mit viel Sorgfalt gezeichnet, der Handlungsfaden ist verwickelt und doch findet die Autorin Gelegenheit, das ein oder andere Thema in die Handlung zu integrieren. Auch dieser dritte Teil hält zumindest das Niveau seiner Vorgänger, vielleicht sogar ein wenig mehr. Für mich zählt die Meindorff-Saga zu den besten Büchern, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Wer diese Bücher nicht liest, verpasst etwas!

    „Der letzte Paladin“ ist ein historischer Roman von Richard Dübell, der 2013 bei Lübbe als Hardcover erschienen ist. Das Buchcover zeigt einen Tisch oder einen Altar in einer Burg oder einer Kirche und ist sehr dunkel gehalten.


    Richard Dübell gibt in diesem Buch seine Interpretation des Rolandliedes.
    Die Mauren werden von König Karl im Jahr 777 auf dem Reichstag in Paderborn erwartet. Dort soll auch die Zahl der Paladine von neun auf zwölf aufgestockt werden. Dazu werden Roland, der Neffe des Königs, und Remi, Rolands bester Freund, gehören.
    Der Autor hat erneut einen spannenden historischen Roman geschrieben, der sich an das Rolandslied anlehnt. Doch er beschreibt die Zeitverhältnisse umfassender und tiefgründiger. Dabei stehen der Reichstag in Paderborn und der fränkische Kriegszug gegen die Mauren im Mittelpunkt. Diese historischen Ereignisse sind eingebettet in eine Dreiecksgeschichte. Zwei Männer kämpfen um Amiras Liebe: Roland, der von Karl zu ihrem Bräutigam bestimmt wurde, und Afdza Asdaq, ein Maure.
    Die Protagonisten wurden umfassend charakterisiert. Roland ist jung, ungestüm und intelligent. Im Kampf ist er immer für eine Überraschung gut. Afdza umgibt die Aura des Geheimnisvollen. Amira muss sich zwischen Liebe und Pflicht entscheiden. Das ist insofern schwierig, da sie zwar Afdza liebt, Roland ihr aber auch nicht gleichgültig ist. Allen ist gemeinsam, dass sie sowohl mit ihren Stärken als auch Schwächen dargestellt werden.
    Der Roman wird auch der historischen Person des Königs gerecht. Es wird deutlich, dass man sich in einer Zeit des Umbruchs befindet. Die alten Riten verblassen, die Hinwendung zum Papsttum bestimmt zunehmend die Entscheidungen.
    Die Handlung zeugt von exakter Recherche des Autors. Das zeigt sich bei der Beschreibung der Schlachten und der politischen Ränkespiele, aber auch bei der Darstellung der unterschiedlichen Strategie und Hierarchien im maurischen und fränkischen Heer.
    Eine besondere Würze erhält die Geschichte dadurch, dass immer wieder auf Ereignisse der Vergangenheit angespielt wird, die bis in die Gegenwart nachwirken. Die Verwandtschaftsverhältnisse sind nicht leicht zu durchschauen, geben aber der Handlung immer neue Impulse. Gewollt verwendet der Autor Motive aus der griechischen Sagenwelt, sei es das trojanische Pferd oder ein schwieriges Vater-Sohn-Verhältnis. Auch nutzt er die Möglichkeit, Geschehnisse in den Familien in aufeinanderfolgenden Generationen in gleicher Art und Weise auftreten zu lassen.
    Freundschaft, Liebe, Eifersucht, Machtgier, Hass, Intrige – all das gibt der Handlung ihren Reiz.
    Das Buch lässt sich zügig lesen und hat mich schnell in seinen Bann gezogen. Eine beigefügte Karte, die Übersetzung der historischen Namen der Orte in ihre heutigen und die Erklärung historischer Titel unterstützen das Lesevergnügen. Ein umfangreiches Nachwort legt die wichtigsten Zusammenhänge dar.
    Das Buch hat mir sehr gut gefallen. 95/100