Beiträge von buchregal123

    Violet ist inzwischen 38 Jahre alt. Ihren Verlobten hat sie im ersten Weltkrieg verloren. Praktischerweise lebte sie bei ihrer verwitweten Mutter. Aber sie will auf eigenen Beinen stehen und nimmt einen Job als Schreibkraft in Winchester an. Doch das Leben ist nicht einfach, denn das Geld reicht vorne und hinten nicht. Auch das Alleinsein in der kleinen Wohnung ist nicht schön. Violet schließt sich einer Gruppe Frauen an, die Stickereien für die Kathedrale in Winchester anfertigen. Und dann gibt es da noch den Glöckner Arthur…

    Der Schreibstil ist sehr detailliert, aber angenehm zu lesen. Allerdings gibt es dadurch auch ein paar Längen. Die Geschichte hat mir, obwohl sie recht ruhig verläuft, von Anfang an gefallen.

    Die Charaktere sind lebendig und gut dargestellt. Violet hat lange mit ihrer Mutter, die immer verbitterter wird, zusammengelebt. Sie ist bescheiden und warmherzig. Nun aber will Violet ihr eigenes Leben gestalten. Das ist mutig von ihr, denn in jener Zeit ist sie noch vielen Konventionen unterworfen, doch sie wird dadurch aus selbstbewusster. Sie fühlt sich zu Arthur hingezogen, aber der ist verheiratet. Im Kreis der Stickerinnen findet sie Gesellschaft und Freundschaft. Jede der Frauen hat ihr Päckchen zu tragen, aber gemeinsam ist doch vieles leichter.

    Ein ruhiger Roman, den ich gerne gelesen habe.


    8/10

    FBI-Agent Maxwell Cho war mit seiner Hündin Kona auf einem Spaziergang durch die Shenandoah Mountains, als der Leichenspürhund anschlägt. Max entdeckt eine Grube, deren Boden mit Knochen übersät ist. Es sind menschliche Knochen und sie liegen dort etwa zwanzig Jahre. Die Neurowissenschaftlerin und FBI-Agentin Sayer Altair wird zu dem Fall hinzugezogen. Dann entdecken sie und ihr Team zwei Leichen, die nur wenige Tage alt sind. Noch kann sie nicht ahnen, dass sie es mit einer Mordserie zu tun bekommt.

    Ich habe den Vorgängerband „Todeskäfig“ noch nicht gelesen, aber er ist prompt auf meiner Wunschliste gelandet. Es wäre wohl besser gewesen, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

    Die Autorin schreibt gut verständlich, so dass sich dieser Thriller sehr flüssig lesen lässt. Auch wenn es zunächst trotz des schrecklichen Fundes noch etwas ruhig zugeht, so hat mich die Geschichte doch gleich gepackt. Aber sie entwickelt einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann.

    Auch die Charaktere gefallen mir gut, denn jeder ist ganz individuell gestaltet. Sayer Altair hat beim letzten Fall einiges abbekommen und dies ist ihr erster Fall nach ihrer schweren Verletzung. Es gibt eine ganze Reihe von Personen, die an diesen Ermittlungen mitarbeiten. Schön fand ich es, dass der Hundeführer Max mit von der Partie war.

    Sayer vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden einer Mutter mit ihrer Tochter und dem Leichenfund. Aber sie bekommt Gegenwind bei ihrer Arbeit. Politische Interessen sorgen dafür, dass ihre Ermittlungen gestört werden. Der Täter scheint ihr immer einen Schritt voraus zu sein.

    Immer wieder gibt es Wendungen, die die Spannung hochhalten und dafür sorgen, dass die Auflösung nicht vorhersehbar ist.

    Ein spannender Thriller, der mir gut gefallen hat und den ich nur empfehlen kann.


    10/10

    Charlie Lewis ist ein ganz durchschnittlicher Junge. Doch sein Leben verändert sich, als er Fran Fisher trifft. Er verliebt sich in sie. Für sie geht er sogar in eine Laienspieltruppe. Auf dem Spielplan steht „Rome und Julia“. Diese erste große Liebe geistert ihm auch nach zwanzig Jahren noch durch den Kopf.



    Es ist eine ruhig dahinfließende Geschichte, in der Charlie zwanzig Jahre später seinen Erinnerungen nachgeht. David Nicholls Schreibstil gefällt mir sehr gut. Es ist eine melancholische Geschichte, die dennoch immer komische Momente hat.



    Die erste große Liebe ist etwas ganz Besonderes. Selbst man sehr viel später zurückblickt, erscheint sie in einem verherrlichenden Licht. So geht es auch Charlie, der ein Leben hatte, dass keine besonderen Höhepunkte zu verzeichnen hatte. Selbst die Scheidung seiner Eltern verlief recht unspektakulär. Umso mehr haut ihn die Begegnung mit Fran aus den Schuhen und er betrachtet die Zeit selbst nach so vielen Jahren kurz vor seiner Hochzeit ziemlich verklärt. Soll er Fran noch einmal treffen? War sie vielleicht die wirklich wahre Liebe für ihn?



    Mir scheint, als wüsste Charlie nicht genau, ob die nächsten geplanten Schritte für ihn auch die richtigen sind. Ich kann mich nicht so ganz in ihn hineinversetzen, auch wenn wohl jeder mal darüber nachdenkt, was gewesen wäre, wenn…



    Für mich hätte einiges ruhig ein wenig gestrafft werden können. Trotzdem hat mir Charlie
    Rückblick gefallen, denn Nicholls erzählt wundervoll einfühlsam.


    8/10

    Ich frage mich, ob Hinnerk nicht doch etwas ahnt in dieser Richtung.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass er gar nichts mitbekommen und zumindest einen Verdacht hat.

    Vielleicht wird sie von dem KZ-Arzt irgendwie verraten, weil er es auf welche Weise auch immer herausfindet?

    Der Arzt will aber bestimmt nicht, dass herauskommt, was er getan hat. Mit Verrat schädigt er sich wahrscheinlich. Aber Erpressungversuche kann ich mir durchaus vorstellen.

    Nachdem ich „Der Spielmann“ gelesen hatte, musste ich natürlich auch die Fortsetzung lesen.

    Es sind Jahre vergangen seit der Magier Johann Georg Faustus aus Nürnberg geflohen ist. Er ist immer noch als Schausteller und Gaukler mit seiner Ziehtochter Greta und seinem Gefährten Karl Wagner unterwegs.

    Der Schreibstil des Autors gefällt mir gut. Die bildhaften Beschreibungen sorgen dafür, dass man die Bilder vor Augen hat.

    Die Charaktere sind alle sehr gut und lebendig beschrieben. Schon im Vorgängerband fand ich Johann Georg Faustus nicht besonders sympathisch, aber er nimmt die Menschen für sich ein und Herzöge, Grafen und Bischöfe suchen seinen Rat. Faustus glaubt an die dunklen Mächte. Seine gesundheitlichen Probleme schiebt er auf den Pakt, den er mit Tonio eingegangen ist. Daher will er Tonio finden, denn er erhofft sich durch das Auflösen des Paktes eine Heilung seiner Beschwerden. Die Charaktere sind alle interessant dargestellt.

    Oliver Pötzsch erzählt in seinen Romanen die Geschichte des Faust neu.

    Der Leser begleitet Faust durch die damalige Zeit und durch die unterschiedlichsten Orte. Historische Personen werden gut in die Geschichte eingeflochten. Auch die Lebensumstände und Machtverhältnisse werden anschaulich dargestellt.

    Auch wenn der Roman von Anfang an spannend ist, so gab es durch die ausführlichen Beschreibungen auch schon mal Längen. Trotzdem hat mir dieser Roman gut gefallen.

    Ein unterhaltsamer und spannender, aber etwas düsterer historischer Roman.


    8/10

    Die Frauen waren es, die in Kriegszeiten alles am Laufen hielten. Doch langsam kehren die Männer zurück und wollen das Ruder wieder übernehmen. Da können Konflikte nicht ausbleiben.

    Auch Ole Janssen ist so ein Mann. Die Seeperle in St. Peter ist seit Generationen im Besitz von Annis Familie, und nun möchte Anni frischen Wind in das Hotel bringen. Aber ihr Vater lässt nicht mit sich reden. Auch die junge Ärztin Helena hat es nach St. Peter verschlagen, wo sie neu anfangen und den Menschen helfen will. Edith begleitet Kinder aus Hessen, die zur Erholung an die Küste gekommen sind. Die Frauen freunden sich an. Sie alle wollen nur ein unabhängiges Leben führen, aber sie müssen noch an vielen Fronten kämpfen, um ihren Weg gehen zu können.

    Das Buch liest sich gut, aber manchmal ist mir die Beschreibung einfach zu detailliert. Einerseits sorgt das dafür, dass man alles genau vor Augen hat, aber es ist auch schon mal langatmig.

    Anni liebt ihre Seeperle und möchte, dass das Hotel, welches schon so lange im Besitz der Familie ist, eine Zukunft hat. Dazu sind Veränderungen notwendig, aber ich hatte manchmal auch den Eindruck, dass sie zwar Träume hatte, aber in der Praxis nicht so genau wusste, wie sie es anpacken sollte. Erst Hans, der sich als Verwundeter im zum Lazarett umfunktionierten Hotel mit Anni angefreundet hatte, schafft es Ole umzustimmen. Er ist es auch, der ständig die Initiative ergreift, die Anni dann aufnimmt. Auch in manchen anderen Dingen kommt mir Anni etwas naiv vor. Am Ende steht sie dann vor einer ungewissen Zukunft. Zum Glück hat Anni ihre Freundinnen, die auch beide ihre Vorgeschichte haben.

    Die Frauen haben es in den fünfziger Jahren nicht leicht. Erst mussten sie ihren Mann stehen, nun erwarten die Männer, dass sie zurück an den Herd gehen. Viele Frauen beugten sich den Entscheidungen ihrer Männer, aber die jüngeren unter ihnen wollen ihren eigenen selbstbestimmten Weg gehen. Besonders schlimm fand ich, dass mehr Wert auf die Meinung anderer Leute gelegt wird, als auf die eigenen Befindlichkeiten. Annis Freundin Rena hat mir daher sehr leidgetan.

    Es werden eine Menge Themen abgehandelt in dieser Geschichte, aber ich glaube, dass es für die damalige Zeit passt.

    Obwohl ich mir bei einige Personen etwas mehr Tiefe gewünscht hätte, habe ich dieses Buch gerne gelesen und ich bin gespannt, wie es mit Anni, Helena und Edith weitergeht.


    8/10

    Ich hoffe doch sehr, dass ihr das nicht nochmal auf die Füße fällt.

    Das kann auf Dauer nicht gutgehen.

    Sie hat doch bei Hans gesehen, wie der ihren Vater umgarnt hat. Sie könnte ja Hinnerk die Hotelsachen auch selber zeigen, anstatt sich Sorgen zu machen, dass ihr Vater nur Quatsch erzählt.

    Aber jeder Mensch ist nun mal anders. Der eine kann das, der andere nicht. Ich glaube auch nicht, dass sich Hinnerk von ihr einspannen lässt, egal wie vorsichtig sie vorgeht. Ich glaube nicht, dass der sich was sagen lässt.

    Ich bin gespannt, wie sie den Doktor denn dran kriegen wollen.

    Der Doktor ist so skrupellos, der wieder davon klommen.

    Alles läuft nicht gut für Anni. Die Ehe mit Hinnerk ist ein Fiasko, was ich schon befürchtet hatte. Ole ist tot. Annis Mutter überschreibt Hinnerk noch das Hotel, bevor auch sie stirbt. Hinnerk hat Schulden und nimmt eine Hypothek auf das Hotel auf. Er will sich scheiden lassen. Sein Spielerfreund beeinflusst ihn stark.


    Anni würde das ohne ihre Freundinnen wohl alles nicht durchstehen. Der Plan, um den Arzt zur Strecke zu bringen, ist gescheitert. Doch ich befürchte, dass er nachtragend ist. Aber Edith hat Robert gefunden. Die beiden treffen eine Vereinbarung, die zu beider Besten ist.


    Anni verlässt die Seeperle, aber sie wird ja wiederkommen und ich bin gespannt, wie es weitergeht.

    Also doch keine Abtreibung. Wie ich schon dachte, heiratet Anni nun doch Hinnerk. Eine Liebesheirat ist das nicht und ich glaube auch nicht, dass es gut geht. Schon die Bedingungen sind nicht optimal. Anni in der Seeperle und Hinnerk in der Pension seiner Eltern. Er hat wohl auch keine Ambitionen, die Pläne der Zusammenlegung umzusetzen. Aber Anni versucht auch gar nicht, Hinnerk dazu zu bewegen, sich in den Betrieb einzuarbeiten.


    Ole ist etwas von der Rolle, er lässt immer mehr nach und erzählt wirres Zeug. Eine Demenz?


    Nun erfahren wir also Helenes Vorgeschichte. Sie hat wirklich große Risiken auf sich genommen, um die Zwillinge zu schützen. Der Doktor wird aber wohl die Oberhand behalten, falls es hart auf hart kommt, denn er hat die nötige Skrupellosigkeit.

    Und manchmal habe ich auch den Eindruck, dass selbst die Frauen der Meinung waren, dass sie froh sein musstenn, wenn sie ein Mann genommen hat und sie dann versorgt waren. Dafür wurde jeder Preis bezahlt. Nach dem Krieg war das durch den Männermangel sicherlich noch schlimmer ausgeprägt

    Viele Frauen hatte ja auch keine Ausbildung und waren wirklich froh, wenn sie versorgt waren. Wäre ein Ehe zerbrochen, hätten sie als "alleinstehende" kaum eine Wohnung gefunden, einen Job hatten sie sowieso nicht und für vieles brauchte man die Unterschrift eines Mannes (sei es Vater, Vormund oder Ehemann). Man konnte ohne diese Unterschrift keinen Vertrag abschließen.

    Unter solchen Bedingungen überlegt man es sich, ob man ohne Mann sein will und macht sich unberechtigterweise klein.

    Mit Hans kann sie sowas ja eher nicht besprechen.

    Ich habe das Gefühl, als könnte man mit Hans alles besprechen, doch damals gab es halt Themen, die ein Frau dem Mann gegenüber niemals angesprochen hätte.

    Hinnerk ist auch ein ziemlicher Stoffel, so wie er einfach in ihr Zimmer platzt. Mich wundert es ja, dass Annis Eltern ihn einfach hochschicken.

    Hinnerk ist unmöglich und kein Mann für Anni. Doch scheinbar sind alle davon überzeugt, dass sie einfach zusammengehören.

    Ich bin gespannt auf die Geschichten von Edith und Helene, da steckt bestimmt noch mehr dahinter.

    Die haben bestimmt eine interessante Vorgeschichte und wahrscheinlich einige Wunden davongetragen.

    Die erwarten immer nur Respekt, egal was sie geleistet haben, sind aber nicht bereit Respekt zu zollen wenn andere, insbesondere Frauen, auch mal was leisten.

    Es wurde Respekt genannt, aber erwartet wurde von den Männern Unterwürfigkeit. Frauen leisten doch nichts - da fällt mir immer wieder ein "Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann..."

    Und was ist wohl mit Rena, wird die sich nochmal melden?

    Vielleicht verhindert ihr ach so toller Gemahl den Kontakt.

    Warum Anni da aber nicht gleich zur Polizei ist, habe ich nicht verstanden, die konnten doch sicher nicht so schnell von der Insel verschwinden?

    Das verstehe ich auch nicht. Anni macht ihre Sache ganz gut, aber ist auch oft naiv. Wenn Hans nicht da wäre, hätte wohl nicht alles so gut geklappt.

    Anni und Hinnerk ist so eine Beziehung, die eigentlich keine ist. Es war schon immer so, also wird das was. Aber so richtige Gefühle scheinen da nicht im Spiel zu sein. Ist es da ein Wunder, dass Anni die Beachtung von Friedrich so gefällt. Vor Verliebtheit sind die Fronten nicht abgesteckt worden. Sie haben wohl kaum über Privates geredet. Friedrich geht also eine Ehe mit Manon ein, die er nicht liebt. Wirklich nicht? Dann ist Anni auch noch schwanger. Abtreibung ist in jener Zeit nicht so einfach.


    Anni wird wohl Hinnerk heiraten, was meiner Meinung nach nicht gutgehen kann. Hinnerk ist einfach nicht der Richtige. Nach einer Hochzeit würde Anni bestimmt ihre erkämpfte Selbständigkeit verlieren, denn die gesetzlichen Regelungen waren nun mal nicht auf der Seite der Frauen.


    Zum Glück gewinnt Anni neue Freundinnen, nachdem Rena nun weg ist. Helene und Edith gefallen mir gut. Helene ist sympathisch, aber ich denke, sie hat auch eine Vorgeschichte hat. Edith kämpft für die Rechte der Frauen. Hat sie auch schlechte Erfahrungen hinter sich?


    Die Leute hauen einfach ab, ohne zu zahlen. Da hätte ich doch gleich die Polizei eingeschaltet. In dieser Sache kam mir Anni ein wenig naiv vor.

    Seit Mitte November gibt es bei uns nur Probleme, leider hatte neben allem anderen nun auch mein Rücken nicht mehr mitgespielt.

    Jetzt bin ich doch gespannt, wie es mit Anni und dem Hotel weitergeht. Ich hatte ja gehofft, dass sich vielleicht was mit Hans ergibt, aber ich denke Dora ist die bessere Lösung für ihn.

    Ich weiß nicht, ob Dora besser für ihn wäre. Anni hat ja Bedenken. Aber zwischen Hans und Anni ist es wirklich nur Freundschaft.

    Ja Renas Erlebnisse mit ihrem künftigen Mann sind wirklich alles andere als schön. Ich hätte gehofft, dass sie ihn nicht heiraten wird und das sie sich gegen ihre Mutter durchsetzt. Aber das schafft sie leider nicht. Und ich befürchte mal, dass sie in ihrer Ehe nicht sehr glücklich werden wird. Auch wenn sie anscheinend in eine sehr gute Familie mit viel Geld und Ansehen einheiratet. Aber sie liebt ihren Mann nicht und er ist brutal zu ihr. Da sehe ich leider keine glückliche Zukunft für die beiden.

    Ich kann Rena verstehen und auch wiederum nicht. Sie hat Angst, weil sie nicht gelernt hat und spürt daher eine Abhängigkeit, von wem auch immer. Sie traut sich nicht zu, alleine das Leben zu meistern, weil sie ja nicht gelernt hat. Dabei weiß sie genau, dass sie mit offenen Augen in ihr Unheil rennt.

    In ihrer Mutter und Isa hat sie sicher zwei gute Unterstützer.

    Bei Isa bin ich mir sicher, bei der Mutter aber ganz und gar nicht. Mir kommt es vor, als hätte die Mutter keine eigene Meinung.

    Aber der Druck, den die Mutter ausübt, ist einfach zu gross. Über die Mutter habe ich mich sehr geärgert. Als ich aber so darüber nachdachte, habe ich schon auch verstanden, dass die Mutter nicht anders konnte.

    Renas Mutter ist eine Frau, die die Meinung der anderen über alles stellt. Nur nicht unangenehm auffallen. Dabei vergisst sie ihre Tochter oder vielmehr erwartet sie, dass auch ihre Tochter sich so verhält. Dabei braucht Rena Trost und Mitgefühl. Doch davon ist bei der Mutter nicht zu spüren.

    Anni liebt die Seeperle. Die Frauen haben im Krieg alles am Laufen gehalten und dann ist Ole wieder da und will bestimmen. Aber so ging es zu jener Zeit halt. Von Frauen wurde viel gefordert, aber entscheiden durfte nur der Mann. Dabei erkennt Ole die Leistung von Anni in Gedanken an. Aber er kann nicht aus seiner Haut und die Freunde im Gasthaus bestärken ihn ja auch noch.

    Hinnerk ist nicht der richtige Mann für Anni. Da spürt man nicht wirklich Gefühle bei den beiden. Dagegen ist Hans ein wirklich patenter Kerl, der sich nicht unterkriegen lässt. Aber mit Anni verbindet ihn nur eine sehr gute Freundschaft. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die beiden ein Paar werden.

    Rena tut mir leid, aber sich in ihr Schicksal zu ergeben, das ist wohl der falsche Weg. Ich kann mich aber nur gut an die Zeiten erinnern, wo das Gerede der Leute wichtiger war, als die eigenen Befindlichkeiten. Renas Mutter ist auch so eine Frau. Eigentlich sollte sie Rena trösten und sich auf die Seite der Tochter schlagen.

    Aber auch die Schneiderin fand ich hart. Sie kann das Brautkleid nicht nähen, wenn Rena unzüchtig war. Echt jetzt!

    Das Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr kennen die meisten wohl von den Kluftinger-Krimis, von denen ich allerdings bisher noch keinen gelesen habe. Daher konnte ich vorbehaltlos an die Thriller herangehen.

    Cayenne und ihr Bruder Joshua leben in einer Gruppe außerhalb der Gesellschaft und ihr Anführer warnt immer vor Gefahren. Daher verlangt er von allen, dass sie in der Lage sind in der Natur zu überleben und sich notfalls wehren können. Deshalb drillt er sie mit Kampftechniken. Die siebzehnjährige Cayenne stellt das Alles immer mehr in Frage, doch dann wird sie angegriffen und muss um ihr Leben kämpfen.

    Der Schreibstil des Autorenduos ist angenehm zu lesen. Die Geschichte ist spannend und brutal. Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Von den Personen blieben einige recht blass. Nur in Cayenne konnte ich mich gut hineinversetzen.

    Ich weiß, dass es Prepper gibt, frage mich aber immer, wie man auf solche Gedanken kommt. Daher konnte ich mich auch in Stephan nicht hineinversetzen. Er fordert von Cayenne und Joshua sehr viel.

    Daneben gibt es noch einige Handlungsstränge und es dauert eine Weile, bis man die Zusammenhänge erkennt. Einiges wirkte auf mich etwas konstruiert.

    Es ist ein düsterer und spannender Thriller mit viel Gewalt.


    8/10

    Dieses Buch dreht sich um die Familie Stadler, die auf einem Bauernhof in Schlesien nahe der polnischen Grenze zu Hause ist. Für Laurenz dreht sich alles um Musik. Er verliebt sich auf den ersten Blick in Annemarie, die ein gefährliches Geheimnis mit sich herumträgt. Als der Bruder von Laurenz stirbt, bleibt dem inzwischen verheirateten Musiker nichts anderes übrig, als auf den Hof zurückzukehren. Mit der Zeit findet er immer mehr Gefallen daran, den Hof zu bewirtschaften. Aber die politischen Verhältnisse haben auch Einfluss auf das Leben in der Grenzregion. Die hochintelligente Tochter Kati gewinnt einen Mathematikwettbewerb und zieht so das Augenmerk auf die Familie. Annemarie versucht ihr Geheimnis zu wahren und die Familie zu schützen.

    Ich mag die Bücher von Hanni Münzer und auch dieses hat mir gut gefallen. Es zeigt realistisch die Verhältnisse in einer schwierigen Zeit. Selbst in so einem kleinen Dorf wie Petersdorf muss bestimmt die Politik, auch wenn man sich gerne heraushalten möchte. Es gibt Neid, Intrigen und Bespitzelung. Wem kann man noch trauen?

    Die Charaktere sind gut und individuell gestaltet. Jeder hat seine Eigenarten. Die Eltern von Laurenz machen Annemarie das Leben schwer. Seine Töchter sind so unterschiedlich; während Kati hochintelligent ist, leidet Franzi an einer seltenen Krankheit. Laurenz selbst hatte sich sein Leben eigentlich ganz anders vorgestellt, doch er ist glücklich mit seiner Familie. Aber Annemaries Geheimnis ist gefährlich, doch sie kämpft, um ihre Familie zu schützen. Gut gefallen hat mir die junge Lehrerin, die nur eines will und das ist, die Kinder neugierig zu machen und zu fördern.

    Eine interessante Familiengeschichte, die in einer schwierigen Zeit spielt.

    8/10