Beiträge von buchregal123

    Der elfjährige Ruben lebt mit seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Da seine Mutter sogar zwei Jobs hat, damit sie über die Runden kommen, ist er viel allein. Beim Herumstromern fällt ihm ein Kästchen mit einer seltsamen Uhr in die Hände. Er untersucht sie und findet dabei heraus, dass die Uhr den Besitzer unsichtbar machen kann, wenn sie genau auf zwölf eingestellt wird. Aber der Schatten - ein böser Mann, der Rubens Heimatstadt beherrscht – schickt seine Späher aus, um die Uhr zu bekommen. Dabei sind seine Helfer nicht gerade zimperlich. Doch es gibt noch eine zweite Uhr und wenn man beide hat, wird man unsterblich.

    Dieses Buch ist er erste Teil einer zweiteiligen Reihe. Blöderweise hört die Geschichte mittendrin auf und lässt einen etwas ratlos zurück.

    Der Schreibstil lässt sich sehr gut lesen und die Handlung ist spannend. Dennoch konnte sie mich nicht so ganz fesseln.

    Der Schatten hat die Stadt im Griff, denn seine Späher treten immer zu viert auf und sind angsteinflößend. Sogar die Polizei wagt es nicht, ihnen entgegenzutreten. Ruben will natürlich mit dem unverhofften Fund erst einmal die Not zu Hause bessern, doch als er bemerkt, welche Fähigkeiten die Uhr hat, möchte er sie natürlich behalten. So richtig sympathisch ist er mir nicht. Aber ich war natürlich gespannt, wie Ruben mit der Situation fertig wird.

    Doch dann ist leider Schluss und ich muss nun warten, bis ich im nächsten Band meine Fragen hoffentlich beantwortet bekomme.

    Nicht ganz zufriedenstellend, aber trotzdem spannend.


    7/10

    Die Stadt Oslo ist 1942 von Nazis besetzt. Die Jüdin Esther hat sich dem Widerstand angeschlossen, doch sie wird verraten und kann gerade noch nach Schweden fliehen. Ihre Familie wird deportiert. Gerhard Falkum, der Mann ihrer Freundin Åse, flieht mit der Hilfe von Sverre ebenfalls nach Schweden. Er wird verdächtigt, seine Frau umgebracht zu haben, doch Gerhard bestreitet die Tat. All das beschäftigt Esther noch viele Jahre. Im Jahr 1967 taucht der totgeglaubte Gerhard wieder in Norwegen auf. Er will seine Tochter Turin ausfindig machen, die damals adoptiert wurde. Aber es ist viel Zeit vergangen und niemand ist begesitert von Gerhards Auftauchen.

    Im Jahr 2015 entdeckt Turid in der Zeitung ein Foto von einem Armband, das versteigert werden soll. Es ist das Armband ihrer Mutter, welches ihr 1967 gestohlen wurde und Turid möchte es unbedingt zurückhaben.

    Die Buchbeschreibung klang so vielversprechend, aber wirklich überzeugen konnte mich das Buch nicht. Die Geschichte spielt auf drei Zeitebenen und wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Eigentlich mag ich so etwas, aber hier habe ich mich etwas schwergetan, vielleicht weil mich die Geschichte nicht so gepackt hat. Nach und nach ergibt sich ein Bild, was damals geschehen ist.

    Die Charaktere hatten für mich nicht genügend Tiefe. Nur mit Esther konnte ich mitfühlen, die anderen kamen mir nicht nahe.

    Auch wenn die Geschichte Potential hatte, so kam dennoch keine Spannung auf und die Figuren blieben zum größten Teil blass. Auch die Fragen wurden nicht alle beantwortet. Schade!


    5/10

    Während in den USA der Tonfilm die Zuschauer in die Kinos bringt, setzt man in Deutschland immer noch auf den Stummfilm. Doch die politischen Verhältnisse ändern sich und die UFA soll die deutsche Filmbranche an die Spitze bringe. Karl Vollmöller will das unter allen Umständen schaffen. Dabei lässt er sich auf einen Balanceakt ein, dem mehr als einmal ein Absturz droht. Regie soll Josef von Sternberg führen, der auch bei dem Film „The Last Command“ Regie führte, für den Emil Jannings den Oscar erhalten hatte. Doch die beiden sind zerstritten. Vollmöller trickst und verspricht Jannings eine Filmrolle, die es genauso wenig geben wird, wie den Film. Aber auch das Drehbuch bereitet Schwierigkeiten. Dann braucht es auch noch eine Hauptdarstellerin. Einige Damen dürfen zu Probeaufnahmen antreten. Sternberg will Marlene Dietrich, die sich eigentlich als Revuegirl einen Namen gemacht hat, die aber nicht durch schauspielerisches Talent hervorgetreten ist.

    Ich habe vor nicht allzu langer Zeit einen Roman über Marlene Dietrich gelesen und daher war ich auch gleich an diesem Roman interessiert, der noch einmal eine ganz andere Perspektive auf die Entstehung des Films „Der blaue Engel“ wirft. Das Buch hat mich vom ersten Moment an so gepackt, dass ich es nur schwer wieder aus der Hand legen konnte. Man erlebt diesen Tanz auf dem Vulkan mit, der Berlin in den Zwanzigern erfasst hat. Die Nationalsozialisten machen sich immer breiter und bestimmen auch immer mehr das kulturelle Schaffen. An ihnen wäre fast noch im letzten Moment der Film gescheitert.

    Marlene Dietrich war eine beeindruckende Persönlichkeit, die macht was sie will und sich nicht verbiegen lässt. Aber sie hat auch Selbstzweifel und braucht manchmal eine starke Schulter zum Anlehnen. Sternberg will sie führen und muss dann doch feststellen, dass Marlene selbst weiß, wie sie die Rolle anlegen muss. Er lässt sie laufen. Ist es da ein Wunder, dass es Konflikte mit dem großen Emil Jannings gibt? Emil ist von sich sehr überzeugt und will niemanden neben sich dulden, der ihm Aufmerksamkeit entzieht. Mit Zuckerbrot und Peitsche wird er bei der Stange gehalten.

    Am Anfang eines jeden Kapitels gibt es einen Einblick in Politik und Zeitgeschehen.

    Es ist äußerst interessant mitzuerleben, wie geraden in den Zeiten des Umbruchs ein ganz besonderer Film entsteht. Das Buch hat mich gefesselt und ich kann es nur empfehlen.


    10/10

    Robert Hunter und Lucien Folter freundeten sich als Studenten an. Während Hunter sich als Profiler beim LAPD einen Namen machte, entschied sich Folter, den entgegengesetzten Weg zu gehen. Doch Hunter überführte seinen ehemaligen Freund und brachte ihn hinter Gitter. Doch nun ist der Killer aus der Sicherungsverwahrung entkommen und Hunter weiß, dass ihn Folter herausfordern wird. Wer wird bei diesem Kräftemessen gewinnen?

    Ich lese gerne Thriller und mir gefallen diese grausamen Bücher des Autors Chris Carter. Auch wenn ich nicht alle Bücher aus dieser Reihe gelesen habe, so wurde ich auch von diesem 10. Band wieder gefesselt.

    Robert Hunter hat seinem ehemaligen Studienkollegen Lucien Folter einiges zu verdanken, denn nur mit dessen Hilfe hat er Selbstbewusstsein entwickelt und sich dem Kampfsport zugewandt. Doch er konnte Lucien nicht davonkommen lassen, als der mordend durchs Land zog. Lucien ist intelligent und liebt die Gewalt, er fordert Robert alles ab. Aber auch Robert ist intelligent und er kann sich in Serienmörder gut hineindenken. Obwohl ich Hunter mag, ist er mir manchmal schon fast zu perfekt. Da sehen die Kollegen manchmal recht blass aus. Na gut, muss er wohl sein, wenn er Typen wie Folter fangen will. Aber ich mag auch Hunters Kollegen Carlos Garcia, der als Kollege und Freund wirklich toll ist.

    Auch in diesem Thriller gibt es jede Menge Opfer, die sehr grausam zu Tode kamen. Also Vorsicht, wenn man schwache Nerven hat.

    Die beiden Protagonisten schenken sich nichts und es gibt immer wieder überraschende Wendungen. Die Spannung ist vom Beginn an da und steigert sich stetig. Die psychologischen Tricks und Spielchen bringen eine ungeheure Dramatik.

    Ein packender und spannender Thriller.


    10/10

    Die alten Leute sind schon etwas realitätsfern, wenn sie glauben, dass ihnen nichts passiert, weil sie ja alt sind - andererseits denke ich, sie haben den Ersten Weltkrieg überstanden, und dass es nun noch viel, viel schlimmer wird, konnte sich damals einfach NIEMAND vorstellen.

    Die älteren Menschen haben schon so viel mitgemacht und wollen eigentlich nur ein ruhiges leben haben. Man sagt immer "einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr". Das spielt wohl neben der Hoffnung, dass es schon nicht so schlimm wird und nicht lange dauert, ebenfalls mit.

    Es ist keine leichte Zeit im Jahr 1917, als sich drei junge Frauen entschließen, eine Ausbildung zur Hebamme zu machen. Luisa, Edith und Margot kommen aus sehr unterschiedlichen Schichten, aber alle drei wollen ein selbstbestimmtes Leben führen und einen Beruf ausüben, der ihnen gefällt. Doch es ist Krieg und Leben und Sterben liegen oft dicht beieinander, das müssen auch die drei Frauen täglich erleben.

    Dieses Buch ist der Auftakt einer Trilogie. Der Schreibstil ist gut zu lesen und die Geschichte hat mich von Anfang an gepackt. Alles ist sehr realistisch beschrieben, so dass man einen guten Einblick in jene Zeit erhält. Auch die Charaktere sind sehr gut und authentisch ausgearbeitet.

    Margot kommt aus ärmlichen Verhältnissen und ihre Ausbildung wird von der Fürsorge ermöglicht. Sie hofft, ihre Mutter und die Geschwister finanziell unterstützen zu können. Luise wurde schon früh Waise und ist bei ihrer Großmutter in Ostpreußen aufgewachsen. Durch die örtliche Hebamme kam sie mit dem Beruf in Verbindung und möchte nun ebenfalls Hebamme werden. Nur Edith kommt aus besseren Verhältnissen, wo Frauen heiraten und keinen Beruf haben sollten. So muss sie diese Ausbildung gegen den Willen ihrer Eltern durchziehen. Die jungen Frauen freunde sich im Laufe der Zeit an. Die Not in den Kriegsjahren ist groß und die jungen Frauen müssen einige Schicksalsschläge verkraften, aber da sorgt dafür, dass sie sich entwickeln und ihren Weg gehen.

    Es ist eine Zeit, als die Sterblichkeit bei Säuglingen sehr hoch war und auch Mütter oft bei der Geburt starben. Neben der Geburtshilfe hatten Hebammen die Aufgabe, sich um Mutter und Kind zu kümmern.

    Mir hat diese Geschichte gut gefallen und ich bin schon gespannt, wie es weitergeht.

    9/10

    Erstmals kam ich mit dem Thema Edelweißpiraten in Berührung, als die Kölner Band „Bläck Fööss“ 1983 ihren Song „Edelweißpirate“ herausbrachte. Jugendliche zeigten ihren Widerstand gegen die NS-Herrschaft durch eine Edelweißanstecknadel. Sie wollten sich nicht in die offiziellen Gruppierungen zwingen lassen, wo alle indoktriniert werden. Natürlich sind sie unerwünscht. Die Gestapo hat ein Auge auf sie und es ist gefährlich, falls man entdeckt wird.

    1942: Die 16-jährige Lene Meister lebt mir ihrer Familie in Köln. Der Krieg hat die Menschen mürbe gemacht und dann gibt es auch noch die ersten Bombardierungen. Da lernt Lene Erich kennen und sie verliebt sich. Schon bald erkennt sie, was für ein gefährliches Spiel ihr Freund da treibt, der auch zu den Edelweißpiraten gehört.

    Der Autor erzählt diese Geschichte in Briefform. Lene korrespondiert mit ihrem Freund Erich, mit ihrer Freundin Rosi und ihren Brüdern Franz und Kalli. Der Schreibstil ist passend für Jugendliche und wirkt sehr authentisch. Auch muss die Jugendlichen vorsichtig sein, was sie schreiben, den die Briefe werden zensiert. Aber die Not macht erfinderisch und auch Lene weiß, wie sie es angehen muss.

    Durch diese Darstellung in Briefform ist man an den Personen sehr nahe dran und kann gut mit ihnen fühlen. Man erfährt viel über das Leben in Kriegszeiten. Kinder und Jugendliche können in jener Zeit nicht unbeschwert aufwachsen, sie müssen schnell erwachsen werden. Es sind ja auch fast noch Kinder, die an die Front müssen, wie Lenes Bruder.

    Es wird sehr realistisch aufgezeigt, wie schwer das Leben zu jener Zeit war und wie die Menschen gelitten haben. Mich hat dieses Buch sehr berührt.

    Ich kann das Buch nur empfehlen.

    Als Jacobo seinen Job verliert, bleibt ihm nichts anderes, als mit seiner Familie zurück in sein Heimatdorf Portocarrero zu ziehen. Es ist eine trostlose Gegend dort am Rande der Wüste und die Dorfbewohner sind abweisend. Dann passiert ein Überfall, bei dem Irene stirbt und Jacobo verwundet wird. Er fällt ins Koma und als er nach Monaten aufwacht, informiert ihn die Guardia Civil über die Ermittlungen. Sie haben den Täter und verdächtigen Jacobos vierzehnjährigen Tochter Miriam hinter dem allem zu stecken. Aber ist das wirklich so?

    Auch wenn man sich nicht wohlfühlt mit dieser bedrückenden Geschichte, so packt sie einen doch. Ich bin nun auch gespannt auf das Buch „Monteperdido“ von Agustín Martínez, das ich bisher noch nicht gelesen habe.

    Es ist ein spannender Thriller mit einer sehr düsteren und bedrückenden Atmosphäre. Die Charaktere sind sehr gut und glaubhaft gezeichnet, aber es gibt niemanden, der mir sympathisch ist und in den ich mich hineinversetzen konnte. Kann es einen Ort geben, in dem nur emotionslose und schreckliche Personen leben? Portocarrero scheint so ein Ort zu sein. Alle haben anscheinend etwas zu verbergen und jeder scheint Dreck am Stecken zu haben.

    Bei Jacobo und Irene geht schnell das Geld aus, als Jacobo seinen Job verliert. Da bleibt ihnen nur, in das staubige, heiße Portocarrero zu ziehen. Es ist ein Ort, an dem man sich nicht wohlfühlen kann. So abweisend wie die Umgebung sind auch die Bewohner. Doch wer steckt wirklich hinter diesem Überfall? Und Was ist das Motiv? Wie Jacobo ist auch Miriams Anwältin von der Unschuld Miriams überzeugt.

    Obwohl ich manchmal Zweifel hatte, war ich doch auf der richtigen Spur. Es ist ein ruhig verlaufender, aber umso abgründigerer Thriller.


    8/10

    Der Kölner Journalist Jan Römer beschäftigt sich mit ungeklärten Mordfällen. Nun hat er sich in ein Ferienhaus im Thüringer Wald zurückgezogen, um die Trennung von seiner Frau zu verarbeiten. Doch dann wird die ruhige und entspannende Zeit unterbrochen. Eine blutüberströmte Frau steht vor seiner Tür. Obwohl sie ängstlich wirkt, behauptet sie, nur gestolpert zu sein. Doch die Erwähnung des "Wald der Wölfe", in dem früher Morde passiert sind und die Toten mit einem Wolfzeichen auf der Stirn markiert waren, lässt Jan Römer aufhorchen. Am nächsten Tag ist die Frau verschwunden und Jan Römer beginnt zu recherchieren. Er entdeckt, dass die Geschichten mit den Morden weit in die deutsche Vergangenheit reichen und schon bald gerät er selbst in die Schusslinie.

    Ich hatte zuvor erst ein Buch aus der Reihe um den Journalisten Jan Römer gelesen, aber es ist auch kein Problem, die Bücher ohne Vorkenntnisse zu lesen. Der Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen.

    Jan Römer wird auch dieses Mal wieder von seiner sympathischen Kollegin Stefanie Schneider, genannt „Mütze“, unterstützt. Zum Team gesellen sich noch der draufgängerische Ex-Boxer Arslan und seine clevere Freundin Lena.

    Römer stellt bei den Recherchen fest, dass die Tote ihm einen falschen Namen genannt hat und dass die Geschichte des Waldes einige Jahrzehnte zurückreicht. Doch was ist von dem Gerede Realität und was sind nur Gerüchte? In der ehemaligen DDR wurde gerne vertuscht, wenn etwas nicht der Ideologie der Führung entsprach. Das Geschehen von damals hat nie geendet und die alten Seilschaften wollen natürlich nicht entdeckt werden. Es bleibt sehr lange verborgen, wer der Wolf ist, dessen Gedanken wir zwischendurch kennenlernen.

    Unterschiedliche Perspektiven und Zeitstränge sorgen für Spannung und am Ende nahm die Geschichte sogar noch mehr Fahrt auf.

    Mir hat dieser Krimi gut gefallen.


    8/10

    Bei meiner Mutter bin ich mir ziemlich sicher, dass sie keine Aussteuer hatte, weil sie selber aus einer eher unkonventionellen Familie kommt und meine Großmutter strikt gegen die Heirat mit meinem Vater war (O-Ton: Du kannst doch nicht den ersten Mann in deinem Leben gleich heiraten!)

    Meine Mutter hatte auch keine. Sie wurde in "Stellung" geschickt, weil der Vater wieder heiraten wollte und dann kam der Krieg.

    Meine Mutter (Jahrg. 1943) hatte auch keine klassische Aussteuer. Es war nicht so, dass sie von ihren Eltern ausgestattet wurde, dazu war ihr Vater viel zu modern. Ihre Großmutter hat ihr ab und an mal ein hübsches Handtuch geschenkt, das hat meine Oma später augenzwinkernd bei mir auch getan. Mom hat sich nach und nach von ihrem verdienten Geld Besteck, Geschirr, Handtücher etc. gekauft, bzw. natürlich mit meinem Vater auch zu späteren Geburtstagen/ Verlobung/ Hochzeit Dinge gezielt gewünscht.

    Meine Aussteur bestand aus Wäsche (viel zu viel), aber Geschirr, Besteck und solche Dinge haben ich dann später selbst gekauft. Sie wären meiner Mutter auch zu teuer gewesen ;-)


    Das war die Krux - seit ich 12 Jahre alt war, gab es nie mehr persönliche Geschenke, nur Aussteuer.

    Emma ist Ehefrau und Mutter – und sie hat ein Geheimnis. Sie glaubt, dass sie ihren Lehrer Luke, der sie missbrauchte, erschlagen und auf dem Grundstück der Eltern vergraben hat. Als ihr Mann Alex einen guten Job angeboten bekommt, will Emma so gar nicht umziehen. Das versteht Alex nicht. Emma gesteht ihm, was sie getan hat. Als Alex heimlich die Leiche ausgraben will, stellt er fest, dass es dort keine Leiche gibt. Dann fühlt sich Emma auch noch verfolgt. Bildet sie sich das alles ein oder ist alles wahr?

    Aus unterschiedlichen Perspektiven lernen wir diese Geschichte kennen und immer wieder gibt es Zeitsprünge. Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen.

    Die Personen sind gut und authentisch dargestellt, so dass man ihre Gedanken und Handlungen nachvollziehen konnte. Emma hat es nicht leicht. Ihre Mutter hat sie verlassen und ist nicht wiederaufgetaucht und ihr Vater hatte wenig Interesse an seiner Tochter. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich Emma in den jungen Lehrer Luke verliebte. Emmas Vergangenheit hat aber nicht nur Auswirkungen auf ihre Ehe, sondern auch auf ihre Beziehung zu ihrer Schwester.

    Von Anfang an hat man Zweifel. Was ist die Realität? Es gibt immer wieder Wendungen, die dafür sorgen, dass man im Unklaren bleibt. Wer von den Beteiligten sagt die Wahrheit, wer lügt? Dass Ende konnte dann auch noch überraschen.

    Ein spannender Psychothriller.


    8/10

    Karl ist ein blauäugiger "Held". Es war doch eigentlich klar, das man keine Menschen beauftragt, Sachen außer Landes zu bringen, die man selber nicht/nicht gut kennt.

    Wer weiß, wie man in der Zeit reagiert hätte. Er versucht es, es wäre ja auch verloren, wenn sie plötzlich ausreisen könnten.

    Wieso Karl mitten in der Nacht komplett bekleidet war, erschließt sich mir nicht. Hat er einen Tipp bekommen, hat er ungutes Gefühl gehabt, wenn ja, warum hat er den Schleuser nach einer Tasse Getränk nicht unverrichteter Dinge wieder raus begleitet?

    Vielleicht drücken ihn die Sorgen so sehr, dass er einfach nicht mehr schlafen kann. Oder er ahnte wirklich, dass er aufgeflogen ist.

    Das sich der Vater von Hans nicht meldet, ist für mich unerklärlich. Ist er nicht angekommen, hat er sich von seiner Familie losgesagt, hat er versucht, Kontakt aufzunehmen und die Briefe sind verloren gegangen?

    Ich denke, dass man seine Briefe abgefangen hat.

    Bei der anderen Großmutter, die aus einer Leinenweberstadt stammte, gab es auch nach ihrem Tod noch neue Bettlaken, Bezüge und Kopfkissen.

    Auch bei mir gibt es noch unbenutzte Wäsche aus meiner Aussteuer. Ich bin inzwischen Rentnerin. Als wir damals aus einer Wohnung in unser Haus zogen, ging es los: zu jedem Fest wie Weihnachten, Geburtstag usw. gab es etwas für die Aussteuer ... und nicht immer das, was mir gefiel.

    Meine weiße Bettwäsche habe ich nach der Hochzeit erst einmal eingefärbt. Die ist inzwischen verschlissen genauso wie die Handtücher. Aber ich habe noch neue Geschirrtücher, da ich so viel nicht brauchte wegen Spülmaschine. Auch die WG meiner Tochter habe ich schon eine ganze Menge weitergegeben, die waren dankbar.

    Was ich nicht nachvollziehen kann ist die Tatsache, das Martha so ein "Weichei" (Entschuldigung) ist. Die war im ersten Buch schon ein Madämchen und hat sich in eine Scheinwelt geflüchtet, und jetzt macht sie das immer noch bzw. sie zieht sich in einen Nervenzusammenbruch zurück. Was hätte die Welt denn gemacht, wenn alle sich darin zurückgezogen hätten? Manchmal hab ich mir beim Lesen gewünscht, das irgendwer ihr mal so richtig die Meinung geigt und sie nicht immer in Watte gepackt wird.

    Auch ich habe immer Schwierigkeiten damit, mit depressiven Menschen umzugehen. Es fällt mir schwer, das nachzuvollziehen. Aber es ist eine Krankheit und ich denke nicht, dass Martha etwas dagegen tun kann.

    Natürlich müssen wir auch heute immer wachsam bleiben, was in unserer Demokratie gerade passiert, aber den Unterschied zu damals sehe ich hauptsächlich in der freien Verfügbarkeit der Information aktuell. Damals war es für politische Gruppen einfacher der frustrierten Bevölkerung mit gezielter Propaganda die Juden als Gefahr für ihren schwer zu erlangenden Wohlstand darzustellen.

    Aber heute ist es noch viel leichter, Informationen sehr breit zu streuen. Das gilt besonders für falsche Infos. Was da teilweise im Netz abgeht, ist schon echt schlimm.

    Ich finde es bewundernswert wie Ruth sich schlägt und ich finde es unglaublich mutig, dass sie sich in England bewirbt. Ich kann sie auf der einen Seite verstehen, dass sie nach jeden Strohhalm greift, auf der anderen Seite hätte ich auch unglaubliche Angst alleine in dem Alter in ein fremdes Land zu gehen ohne die Familie.

    Ruth ist wirklich eine tolle junge Frau. In ihrem Alter hätte ich mich auch nicht getraut, aber das waren auch andere Zeiten, da tat ein Mädchen sowas einfach nicht. In Anbetracht der Situation in Deutschland ist es einfach vernünftig, was sie tut.

    In diesem Abschnitt fand ich auch Frau Aretz sehr mutg, mitfühlend und engagiert. Sie steht ihrem Mann in nichts nach.

    Josefine ist wirklich stark. Sie hat Rückgrat und will sich das auch nicht brechen lassen. Ich hoffe, dass der Familie Artze nichts passiert.

    Niemand wollte sich vorstellen, dass die dunklen Wolken über der Seidenstadt Krefeld noch dunkler werden könnten. Doch die Pogromnach belehrt die jüdische Bevölkerung eines Besseren. Bei der Familie Meyer tobt sich der Mob besonders heftig aus. Zum Glück hatten sich alle gerettet. Aber auch ihre Freunde sind betroffen. Trotzdem ist die Hilfsbereitschaft groß und viele helfen, dass Haus wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen. Auch die Familie Aretz unterstützt die Meyers. Karl hat sich zwar um ein Ausreisezertifikat nach Amerika gekümmert, da er aber so lange gehofft hat, alles würde sich einrenken, war er recht spät und nun wird es Jahre dauern, bis sie wirklich ausreisen können. Ruth trägt sich mit dem Gedanken, als Haushaltshilfe nach England zu gehen und von dort dafür zu sorgen, dass die Familie ausreisen kann. Doch dann wird Karl verhaftet. Was soll sie nur tun?


    Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten und die Autorin berichtet im Nachwort, wie sie dazu kam, sich mit Ruths Geschichte zu beschäftigen.


    Inzwischen ist einem die Familie Meyer und besonders Ruth so ans Herz gewachsen, dass man alle Ängste intensiv mit ihnen erlebt. Martha bricht unter der Belastung zusammen und auch Karl ist nicht gerade ein starker Mann, auch wenn er alles tut, damit sie sie versorgt sind. Ruth wächst über sich hinaus. Sie ist die Erste, die ins Haus geht und anfängt, dort Ordnung zu schaffen. Aber nur so kann sie das alles ertragen. Doch immer mehr kommen ihr Zweifel, ob sie einfach warten sollen, bis eine Ausreise möglich ist. Sie ergreift die Chance, die sie hat, auch wenn es ihr schier das Herz zerrreist. Es ist schön, dass es immer noch Menschen gibt, die das alles so nicht wollen und nicht wegsehen, sondern helfen. Ich finde es bewundernswert, wie viele Gefahren die Aretz auf sich nehmen, um den Meyers zu helfen. Auch auf der Reise erfährt Ruth immer wieder, dass da Menschen sind, die ihr selbstlos helfen.


    Mich hat auch das widerliche Spiel, das mit den Brüdern Merländer getrieben wurde, sehr erschüttert. Wie können sich Menschen nur so verhalten.


    Wie perfide das Vorgehen der Nazis ist, sieht man daran, dass bereits am Tag nach der Pogromnacht ein Reichsgesetz da ist, das die Juden verpflichtet, für die Schäden zu zahlen und alles innerhalb von 14 Tagen wiederherzurichten, damit das Straßenbild ordentlich ist.


    Es ist eine beklemmende Geschichte, die einem wirklich sehr nahe geht. Dieses sehr emotionales Buch dient hoffentlich als Warnung, dass so etwas nie wieder geschehen darf. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Band.


    10/10

    Martha hatte Depressionen. Ich habe habe auch Familienmitglieder mit dieser Krankheit und um ehrlich zu sein - ich verstehe die Krankheit nicht, sehe aber, dass es eine ebensolche ist (ich verstehe ja auch Krebs nicht ... oder Parkinson ...oder oder oder)
    So eine Karnkheit kommt ganz plötzlich, oft auch unerwartet (ihr/ihm geht es eigentlich doch gut, anderen geht es viel schlechter) - es hat eben nichts mit den äußeren Umständen zu tun, sondern mit den inneren, warum auch immer.

    Es ist auch für mich eine Krankheit, die ich nicht so wirklich fassen kann. Ich erkenne, dass es den Menschen nicht gut geht und kann doch so schlecht damit umgehen. Das bedauere ich zwar, aber irgendwie geht es nicht so, wie ich mir das wünschen würde.