Beiträge von buchregal123

    Von den unangenehmen Veränderungen, die sich in den letzten Jahren zunehmend in Berlin ausgebreitet haben, ist plötzlich nicht mehr viel zu spüren, denn Deutschland will sich mit der Olympiade positiv in der Welt darstellen. Man befürchtet allerdings, dass die Kommunisten die Spiele sabotieren könnten. Daher muss der Todesfall im olympischen Dorf unbedingt ein natürlicher Tod sein, damit die Welt nur Positives sieht. Rath wird vom LKA abgezogen und soll für den SD in dieser Richtung unauffällig ermitteln, damit niemand die Todesursache anzweifeln kann. Aber Gereon Rath ist nun einmal wie er ist, er geht seine eigenen Wege, dabei muss er vorsichtig sein, denn Obersturmbannführer Sebastian Tornow wartet nur darauf, dass Rath einen Fehler macht. Während Gereon seine Ermittlungen führt, zieht Charly wieder zu ihrer Freundin Greta, denn sie ist wütend, weil Gereon gegen ihren Willen amerikanische Olympiatouristen aufgenommen hat. Ein Zeuge mit kommunistischer Vergangenheit wird festgenommen, obwohl Rath von seiner Unschuld überzeugt ist. Dann geschieht noch ein weiterer Mord und bald zeigt sich, dass der letzte Fall noch sein Nachspiel hat. Gereon befürchtet schon, dass Marlow wieder in der Stadt ist. Es wird immer enger für Rath. Wird er heil aus der Sache herauskommen? Ich hatte schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung der Rath-Reihe gewartet und auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht. Volker Kutscher geling es immer wieder mich zu packen. Beim Lesen konnte ich gut nachvollziehen, wie man sich fühlen muss, wenn man kein freund des Systems ist und immer ganz vorsichtig sein muss, weil man denunziert werden könnte. Rath hat immer versucht unter dem Radas der Nazis zu bleiben, doch dass ist nun nicht mehr möglich. Auch der Berliner Pflanze Charly fällt es immer schwerer, in diesem Deutschland zu leben, in dem Recht und Gesetz keine Bedeutung mehr haben. Obwohl die Raths in diesen Zeiten mehr den je zusammenhalten sollten, haben sie immer noch Geheimnisse voreinander. Mir aber hat Fritze leidgetan, der den Boden unter den Füßen verloren hat. Er, der Junge von der Straße, war stolz darauf, die weiße Uniform des Jugendehrendienstes zu tragen. Bei den Raths hat er sich wohl gefühlt, doch dann hat ihn das Jugendamt in die Familie von HJ-Führer Rademann gesteckt. Doch dann verliert er das Vertrauen in alles, was ihm wichtig war. Dieser Wechsel zwischen Olympia-Euphorie und den Machenschaften, die im Hintergrund laufen, war schon erschreckend. Aber es war auch spannend zu erleben, wie Rath in seinem Fall weiterermittelt, obwohl die Leine, an die man ihn hält, immer kürzer wird. Dann hat es auch noch jemand auf sein Leben abgesehen. Am Ende wird es sehr dramatisch und für mich bleiben eine Menge Fragen offen. Leider wird es wohl wieder lange zwei Jahre dauern, bis ich hierauf Antworten bekomme. Ein großartiger, gut recherchierter Kriminalroman, der mich wieder von Anfang an gefesselt hat.

    10/10


    ASIN/ISBN:

    ASIN/ISBN: 3492070590

    Am Abend wurde Rockstar Brad Galloway auf der Berliner Waldbühne noch von seinen Fans gefeiert, am nächsten Tag ist er tot. Er wird im Gästehaus der Polizei ausgeblutet und ans Bett gefesselt aufgefunden. LKA-Ermittler Tom Babylon wird zu dem Fall hinzugezogen. Am Fundort der Leiche sieht er etwas, dass ihn an seine Frau erinnert. Doch was hat sie mit dem Rockstar zu tun? Und was wollte die mysteriöse Frau von Galloway, die ihm auf der Bühne einen Umschlag gab? Mit der Psychologin Sita Johanns zusammen macht er sich an die Ermittlungen. Er ahnt noch nicht, wie persönlich die Sache für ihn wird.

    Schon die Vorgängerbände "Schlüssel 17" und "Zimmer 19" haben mich gefesselt und so war ich auch auf dieses Buch gespannt. Ich wurde nicht enttäuscht.

    Der Schreibstil ist gut zu lesen und sehr fesselnd. Es gibt verschiedene Handlungsstränge, die sich erst mit der Zeit zusammenfügen. Auch springt die Geschichte immer wieder zurück in die Vergangenheit.

    Die Charaktere sind sehr gut und vielschichtig beschrieben. Tom Babylon ist ein Kommissar, an dem man sich reiben kann, trotzdem mag ich ihn. Das Verschwinden seiner Schwester Viola vor vielen Jahren lässt ihn einfach nicht los. Er will wissen, was damals geschehen ist. Aber auch seine Fälle will er unbedingt lösen und geht dabei nicht immer regelkonform vor. Als er das erste Mal mit der Psychologin Sita Johanns zusammenarbeiten musste, war er nicht erbaut, aber inzwischen bilden sie ein gutes Team. Auch die sympathische Sita hat eine problematische Vergangenheit. Toms Frau macht sich sehr verdächtig und Tom damit das Leben schwer.

    Die Spannung ist durchgängig hoch, da es immer wieder unerwartete Wendungen gibt. Zum Ende aber gibt es einen wahrlichen Showdown.

    Dieser spannende Thriller hat mich wieder gepackt und ich bin schon auf den nächsten Band gespannt.


    10/10

    Berlin 1913: Mitten in der Stadt gibt es das Kaufhaus Lichtenstein, das ein großes Sortiment unter einem Dach bereithält. Aber nicht nur die Ware ist vielfältig, es gibt auch ganz verschiedenen Menschen in diesem Warenhaus. Selbst unter den Besitzern gibt es große Unterschiede. Für Ludwig, den jüngeren Bruder, soll alles bleiben wie es ist, während Jacob das Lichtenstein weiterentwickeln will und seine ehrgeizigen Pläne auch umsetzt. Doch dann steht das Haus in Flammen und die Existenz aller ist bedroht.

    Der Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen. Man bekommt einen guten Einblick in das Leben jener Zeit.

    Die vielen Personen sind alle sehr individuell gestaltet. Die Brüder Lichtenstein führen das Kaufhaus gemeinsam. Doch Ludwig gefällt das nicht und so versucht er alles, um seinen Bruder auszubremsen. Die Näherin Thea hat ein Auge auf Ludwig Lichtenstein geworfen und das Ladenmädchen Hedi steigt schnell auf, da sie Talent hat.

    Als die Lage schwierig wird, sind alle gefordert und die Angestellten stehen ihren Chefs bei, weil es ein Zusammengehörigkeitsgefühl gibt. Daneben haben aber auch alle ihr ganz persönliches Schicksal.

    Eigentlich lese ich sehr gerne Geschichten aus dieser Zeit, doch dieser Roman konnte mich nicht so packen, wie ich es erwartet hatte. Die Charaktere kamen mir nicht wirklich nahe, die Zeitsprünge waren mir oft zu groß und es gab auch einige Längen.

    Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde.


    6/10

    Marie Curie ist eine bemerkenswerte Person, denn welche Frau bekam schon zu ihrer Zeit die Möglichkeit zu studieren und dann auch noch Forschungen zu betreiben. Diese Romanbiografie beschäftigt sich mit dieser ungewöhnlichen Frau, die zwei Nobelpreise erhielt – 1903 für Physik und 1911 für Chemie.

    Schon als Kind wollte Marie der Enge in Polen, das von Russland besetzt war, entfliehen. Sie ist e3in intelligentes und wissbegieriges Mädchen. Es gelingt ihr tatsächlich wegzukommen, weil sie eine kämpferische Person ist, die weiß, was sie will. Sie studiert an der Sorbonne in Paris, wo sie auch ihren Mann kennenlernt. Gemeinsam forschen sie und erzielen Erfolge. Aber sie verspürt auch Gegenwind. Man verweigert ihr die Aufnahme in die „Académie des sciences“ und feindet sie als Frau, als Jüdin und als Ausländerin an. Im Ersten Weltkrieg arbeitet sie als Radiologin hinter der Front und engagiert sich später für den Völkerbund. Sie hat viel geleistet und wurde am Ende ein Opfer der von ihr entdeckten radioaktiven Elemente.

    Die Geschichte wird aus der Perspektive von Marie erzählt. Zufällig begegnet Marie zwei Frauen und unterhält sich mit ihnen. Die Erinnerungen kommen hoch und sie erzählt aus ihrem bewegten Leben.

    Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Maries Leben ist spannend und ungewöhnlich für eine Frau ihrer Zeit.

    Eine fesselnde Erzählung über eine ganz besondere Frau, deren Namen wohl jeder schon einmal gehört hat.


    10/10

    Janus treibt ein böses Spiel mit seinen Opfern. Er holt sie betäubt aus ihrem Zuhause und schließt sie in einen kalten dunklen Raum ein. Er will spielen und die Spielregeln bestimmt er. Es gilt Rätsel zu lösen und nur wer gewinnt, kann dem Albtraum entkommen, denn man spielt nicht alleine.

    Die Teilnehmer eines wissenschaftlichen Escape-Room-Experiments hatten sich das sicherlich ganz anders vorgestellt. Sie hatten sich freiwillig gemeldet im Gegensatz zu Psychologiestudentin Hannah, die entführt wurde und nicht weiß, was ihr geschehen ist. Als der erste Teilnehmer tot ist, ahnen die anderen, dass es um ihr Leben geht. Derweil sucht die Polizei fieberhaft nach den verschwundenen Teilnehmern des Experimentes.

    Die Reihe von Lorenz Stassen um den Anwalt Nicholas Meller habe ich verschlungen, daher war ich gespannt auf dieses Buch. Es war spannend, aber ich fand es teilweise auch sehr brutal.

    Das Experiment verlangte sehr unterschiedliche Personen, die jeweils bestimmte Charakterzüge aufweisen sollten. Diese hatten die Teilnehmer des Spiels dann auch, mir aber waren sie oft zu klischeehaft dargestellt. Ich fand niemanden von ihnen sympathisch, nur mit Hannah konnte ich mitfühlen. Aber auch der Kommissar war mir sympathisch. Je länger das Spiel dauert, umso grausamer wird es. Ich kann also nur jeden warnen, der so etwas nicht mag.

    Abwechseln können wir die Polizei bei ihrer Ermittlungsarbeit begleiten, um dann wieder die Schrecken im Escape-Room mitzuerleben.

    Dieser Thriller war nicht so ganz mein Ding, ich habe es nicht gerne so horrorhaft. Trotzdem wird man beim Lesen gepackt, denn man will wissen, wie es ausgeht.


    8/10

    Der Journalist und Autor Michael Landorff fühlt sich auf der Münchener Schickeria-Party von Gregory Winter fehl am Platz, denn er kennt niemanden. Der Gastgeber feiert den lukrativen Verkauf seines Unternehmens. Am nächsten Morgen wird Michaels Gespräch mit seiner neuen Agentin Melissa Warttemberg von Kommissar Kroning unterbrochen, der ihnen mitteilt, dass Winter brutal ermordet wurde. Landorff beschließt der Sache nachzugehen und trifft dabei die professionelle Pokerspielerin Alex Buschmann, die ebenfalls auf der Party war und niemanden kannte. Gemeinsam wollen sie der Sache auf den Grund gehen. Dabei wird es lebensgefährlich und sie wissen nicht, wem sie trauen können.

    Dies ist nicht mein erstes Buch von Gerd Schilddorfer. Ich mag den Schreibstil, der gut zu lesen ist und manchmal recht sarkastisch.

    Es geht relativ ruhig los, bei einer Party, auf der jeder jeden kennt, nur der Protagonist kennt niemanden. Doch schon bald geht es spannend weiter, denn der Gastgeber der Party stirbt einen ganz fiesen Tod, er wurde gefoltert und dann an der Heizung gefesselt verbrannt. Doch es bleibt nicht bei diesem einen Toten und auch Landorff kommt einmal davon. Aber ob er auch weiterhin Glück hat?

    Die Charaktere sind gut und authentisch beschrieben. Bei Landorff läuft es als Autor nicht so gut und Melissa macht sich zu seiner Agentin und ihn zu einem neuen Menschen: Michel de Gilles. Der Tod Winters bringt aber eher den Journalisten Landorff in Fahrt, der sich nichtsahnend in ein gefährliches Netz aus Wirtschaftsinteressen, Geheimdienstaktivitäten und politischen Interessen begibt. Alex Buschmann unterstützt ihn und trifft dabei auf ihren Vater, mit dem sie eigentlich nichts zu tun haben will. Auch sie ahnt nicht, was auf sie zukommt, aber mit ihrem fotografischen Gedächtnis ist sie ganz hilfreich. Bei den Ermittlungen muss Michael auf alte Freunde zurückgreifen, doch wem kann er wirklich trauen?

    Die Geschichte dreht sich um KI und Drohnen. Das Potenzial hierbei ist groß und die Entwicklungen sind rasant. Natürlich werden da politische und militärische Begehrlichkeiten geweckt und die Akteure sind bei der Durchsetzung ihrer Interessen nicht gerade zimperlich.

    Die Spannung nimmt stetig zu und am Ende kommt es zu einem dramatischen Showdown.

    Mir hat dieser unterhaltsame und fesselnde Thriller sehr gut gefallen.


    10/10

    Die Olanders sind eine glückliche Familie, bis die Tragödie geschieht. Jäh wird ihr Glück durch ein schreckliches Unglück zerstört. Wie kann man damit umgehen. Jeder von ihnen tut es auf seine eigene Art, aber jeder von ihnen hat auch Schuldgefühle. Mehr und mehr bricht die Familie auseinander.

    Sehr einfühlsam beschreibt die Autorin Shilpi Somaya Gowda, wie die Familie mit ihrer Trauer umgeht. Wir können jeden von ihnen dabei begleiten und seine Gefühle erfahren. Alle ziehen sich zunehmen zurück, zurück in die eigene kleine Welt.

    Es ist eine Geschichte, die einem wirklich unter die Haut geht. Jedem kann ein solcher Schicksalsschlag widerfahren und niemand weiß zuvor, wie er damit umgeht. Jaya findet zurück zu ihren indischen Wurzeln. Die Religion und Meditation sollen ihr dabei helfen, den Schmerz zu verwinden. Keith verdrängt das Ganze, indem er immer mehr arbeitet und Vergessen bei anderen Frauen sucht. Ihre Tochter Karina bleibt dabei alleine und niemand spürt, wie sie leidet und welche Schuldgefühle sie plagen. Dabei sehnt sie sich nach Zuwendung und sucht sie ihren eigenen schmerzhaften Weg.

    Ich konnte mich in jedes Familienmitglied hineinversetzen, da die Autorin jeden Charakter sehr feinfühlig und intensiv beschrieben hat. Auch wenn ich Verständnis hatte, so war ich auch oft wütend, weil sie so auf sich selbst bezogen waren und die anderen in der Familie darüber vergessen haben.

    Ich wollte wissen, ob es für diese trauernden Menschen ein Weg gibt, wieder zueinander zu finden.

    Es ist ein packender und sehr berührender Roman, für den ich nur ein Leseempfehlung aussprechen kann.


    9/10

    Nachdem das Attentat von Stauffenberg gegen Hitler fehlschlagen ist, ändert sich das Leben von Fey von Hassell dramatisch. Ihre zwei und vier Jahre alten Söhne werden von der SS entführt und in einem Waisenhaus in Wiesenhof untergebracht. Während die am Attentat beteiligen Personen zum Tode verurteilt werden, werden ihre Angehörigen festgenommen und kommen ins KZ. Auch Fey gehört dazu, da ihr Vater Ulrich von Hassell an dem Attentat beteiligt war. Sie wird am Ende des Krieges befreit. Doch was ist aus ihren Kindern geworden?

    Catherine Bailey erzählt eine bewegende und dramatische Geschichte, aber sie tut es auf eine sachliche und etwas trockene Art, so dass ich immer ein wenig distanziert blieb. Aber vielleicht ist es nur so möglich, das Schreckliche auszuhalten. Es ist eine Geschichte, die auf Tatsachen beruht. Mit der Unterstützung von Fey von Hassells Familie konnte die Autorin anhand von Dokumenten diese Geschichte aufschreiben.

    Fey von Hassells Vater ist Diplomat. Sie ist verheiratet mit dem italienischen Adlige Detalmo Pirzio-Biroli und lebt in der Nähe von Venedig. Ihr Mann ist im italienischen Widerstand. Nach dem missglückten Attentat ändert sich Ihr Leben drastisch. Ihre Söhne Corrado und Roberto werden nach der Entführung ins Waisenhaus gebracht und sie erhalten neue Identitäten. Sie sollen auf Befehl von Himmler später von linientreuen Familien adoptiert werden. So ging es vielen Kindern und ihren Familien.

    Es ist menschenverachtend, wie die Nazis die Menschen für ihre Zwecke missbrauchten haben. Nach Belieben haben sie Familien auseinandergerissen. Je mehr der Untergang des Reiches zu erkennen war, umso verzweifelter und furchtbarer wurden die Aktionen des Regimes. Bewundernswert ist es, dass es Menschen gab, die diesem Wahnsinn ein Ende setzen wollten, ungeachtet der Risiken, die das für sie und ihre Familien mit sich brachten.

    Dieses Buch ist ein erschütterndes Zeitzeugnis über eine dunkle, furchtbare Epoche. Empfehlenswert, wenn auch nicht leicht zu lesen.


    8/10

    Aber eine ganz andere Frage treibt mich um. Was bezweckt Christel eigentlich dabei? Es kam mir schon so vor, als ob sie irgendeinen Plan damit verfolgt. Aber welchen?

    Christel wird von ihrem Lover bedrängt und sie will die Sache auf ihre Weise machen. Sie wird wohl auch noch ein schlechtes Gewissen haben, dass sie mit Antons Geld abgehauen ist. Vielleicht will sie so eine Art Wiedergutmachung und Mimi soll ihr dabei helfen.

    Das Wiedersehen der Beiden war sehr emotional und schön, aber sobald Anton sich eingewöhnt hatte, merkt man, wie keiner der Beiden sich wirklich in den anderen hineinversetzen kann. Keiner kann über seinen Schatten springen und fühlt sich vom anderen missverstanden.

    Ganz ehrlich, nach allem was geschehen ist: Kann man sich als "Nichtbeteiligter" in die Lage des anderen hineinversetzen? Selbst wenn man zuhört und es versucht, wird es ungeheuer schwer. Mimi hat ihre Kämpfe während des Krieges austragen müssen und Anton sowieso. Wie sollen die beiden nachvollziehen und begreifen, was der andere erlebt hat und wie die Gefühle bei allem waren. Ich glaube, das hat nichts mit über Schatten springen zu tun. Was geschehen ist, ist so unbegreiflich und erschreckend, dass man eigentlich nur noch vergessen und nach vorne sehen will.

    Schon im ersten Buch hat mir die junge Hebamme Hulda Gold gut gefallen und daher wollte ich natürlich wissen, wie es ihr weiter ergeht.

    Hulda ist eine selbständige Hebamme, die den Frauen helfen will. Dafür nimmt sie jede Strapaze auf sich. Dieses Mal führt sie ihre Arbeit ins arme Berliner Scheunenviertel, wo sie sich um eine junge werdende Mutter in einer jüdischen Familie kümmern soll. Tamar ist eine junge Armenierin, die in die Familie eingeheiratet hat, aber nicht akzeptiert ist. Kurz nach der Geburt verschwindet das von der Familie nicht gewünschte Kind. Das kommt Hulda Gold sehr merkwürdig vor. Als Huld dann erfährt, dass die Polizei hinter Kinderhändlern her ist, kann sie es nicht lassen, selber Nachforschungen anzustellen und bringt sich damit selbst in Gefahr.

    Die Geschichte ist interessant und spannend und der Schreibstil wirklich packend. Dieser Roman führt uns in eine Zeit, in der in Berlin große Not herrscht und das Geld von Tag zu Tag weniger wert ist. Die politische Lage ist instabil und der Hass auf die Juden nimmt zu.

    Hulda Gold ist eine sehr selbständige junge Frau, die ihre Unabhängigkeit genießt. Sie hat einen wachen Blick für ihre Umgebung und ein großes Herz. Auch wenn die Familien, die sie betreut, Probleme haben zu bezahlten, so lässt sie die Frauen doch nicht im Stich. Immer noch ist ihre Beziehung zu Kommissar Karl North nicht so richtig klar. Ich habe mich gefreut, dass viele Bekannte aus dem ersten Band wieder dabei waren. Doch es gibt auch neue Personen in dieser Geschichte. Neben Hulda mag ich den Zeitungsverkäufer Bert besonders gerne. Aber alle Charaktere sind lebendig und authentisch dargestellt.

    Auch dieses Buch hat mich wieder gefesselt und ich bin gespannt auf den nächsten Band.


    10/10

    Bernadette kommt an ihre Grenzen. Sie bricht zusammen. Und endlich zeigen alle, wie dankbar sie ihr sind, unterstützen sie. Sie gehört nun dazu. Die Geste mit den Kartoffeln von den Frauen, war unglaublich schön.

    Ich glaube, dass Bernadette sich zuvor oft das Leben schwer gemacht hat mit ihrer recht kühlen Art. Sie wollte immer Selbständigkeit und Stärke zeigen. Erst als sie schwach wird, können die anderen sie als eine der ihren akzeptieren.

    Und Corinne? So schön, dass Raffa wieder auftaucht. Ich wünsche mir, dass aus beiden ein Paar wird. Aber wird sie bleiben?

    Corinne betrachtet die Schwäbische Alb inzwischen als ihre Heimat. Ich glaube, dass sie nicht weggeht, außer wenn Raffa sie wirklich sehr bedrängt. Aber mal sehen.

    Und zum Schluss taucht Christel wieder auf. Wird Mimi nach Amerika reisen? Wird Anton mitkommen?

    Natürlich wird Mimi reisen. Doch bei Anton bin ich mir da nicht so sicher. Aber eigentlich müssten Christel und Anton sich aussprechen, sonst würde mir das Ende nicht passen. Sie müssen ja nicht dicke Freunde werden, aber ihren Zwist klären.

    Gustav Mahler ist auf seiner letzten Reise unterwegs. Es ist die Überfahrt von New York nach Europa zurück. Er hat große Erfolge gehabt und ist berühmt, aber sein Leben war nicht einfach. Als Erwachsener hat er immer wieder mit Krankheiten zu kämpfen gehabt und von seinen vielen Kindern sind eine Reihe verstorben. Besonders der Tod seiner geliebten kleinen Tochter hat ihm zugesetzt. Nun ist er an Deck des Schiffes, erträgt die Schmerzen und hängt seinen Erinnerungen nach.

    Dieser Roman ist mein erstes Buch von Robert Seethaler. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, doch mich konnte die Geschichte nicht so richtig packen. Die Zeiten wechseln ständig und ich wusste manchmal nicht, in welcher Zeit sich Mahler mit seinen Gedanken gerade befand, zumal er manchmal glaubt, etwas zu sehen, was er gar nicht sehen kann wie seine verstorbene Tochter. Mahler setzte bei seiner Arbeit hohe Maßstäbe an und machte es Orchestern und Sängern, mit denen er arbeitete, nicht leicht. Oft war er ungeduldig und streitsüchtig. Seine Vorstellungen setzte er auch bei seiner großen Liebe Alma durch, denn er wollte keine Konkurrenz in der Familie. Gustav Mahler war also nicht unbedingt ein sympathischer Mensch, dafür war er ein zu schwieriger Charakter und seine Art zu befremdlich.

    Dieses Buch ist für Musikfreunde bestimmt ein Muss, ich hatte mir mehr erwartet, denn vieles war mir zu oberflächlich. Einige Male habe ich in anderen Quellen nach mehr Informationen gesucht.

    Interessante Lektüre über einen einsamen alten Mann, der wohl ahnt, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt.


    6/10

    Kurzbeschreibung:

    Münsingen, 1914. Mimi und Anton sind inzwischen Geschäftspartner geworden, die sich erfolgreich auf der Schwäbischen Alb etabliert haben. Während auch Mimis Freunde Bernadette, Corinne und Alexander voller Tatendrang sind, verschärft sich das politische Klima in Deutschland zunehmend. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges zerstört jäh ihre Träume, und auf einmal ist nichts mehr, wie es war. Während die Männer an die Front ziehen müssen, ist in Münsingen die Stunde der Frauen gekommen, die das verwalten, was die Männer hinterlassen haben. So werden Corinne und Mimi gar zum einzigen Rettungsanker für ihr Dorf, und ein weiteres Mal ist der starke Zusammenhalt zwischen den Frauen gefragt. In dieser dunklen Zeit erkennt nicht nur Mimi, was zählt im Leben und für wen ihr Herz wirklich schlägt ...

    1. Am Anfang des Weges

    2. Zeit der Entscheidung

    3. Die Welt von morgen

    4. Die Stunde der Sehnsucht



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    Ich begleite Mimi Reventlow nun schon seit 1905, als sie sich gegen eine Ehe und für eine ungewisse Zukunft als Wanderfotografin entschieden hat. Doch die Zeiten ändern sich und immer wieder musste Mimi neue Wege einschlagen. Mit Anton zusammen hat sie in Münsingen auf der Schwäbischen Alb eine Druckerei übernommen. Am Ende des letzten Bandes gab es dort einen Brand und ich hatte mir schon Sorgen gemacht, dass sie wieder einmal neu anfangen muss. Doch zum Glück konnte es weitergehen. Aber dann verändert der Ausbruch des Ersten Weltkrieges wieder einmal alles. Die Männer werden eingezogen oder melden sich freiwillig und die Frauen müssen sehen wie sie zurechtkommen, was zunehmend schwieriger wird. Aber die Frauen von Münsingen wachsen über sich hinaus und leisten Unmögliches. Dabei hilft es, dass sie zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen.

    Dies ist nun der vorletzte Band der Saga um die Fotografin Mimi Reventlow. Einerseits warte ich schon sehnsüchtig auf den letzten Band, andererseits bin ich traurig, dass dann die Geschichte um Mimi endet. Die Charaktere sind mir im Laufe der Zeit sehr ans Herz gewachsen.

    Mimi ist eine starke und selbstbewusste Frau, die immer wieder neue Wege geht und sich durch Rückschläge nicht verunsichern lässt. Anton ist ihr schon seit langem ein guter Freund. Gemeinsam haben sie viel erreicht, nur ihre Gefühle füreinander haben sie nicht erkannt. Auch Mimis Freundinnen Bernadette und Corinne mochte ich sehr gerne. Gemeinsam finden sie Wege, wenn auch keine ungefährlichen, um den Bewohnern von Münsingen zu helfen.

    Wir erfahren aber auch, wie die künstlerische Laufbahn von Alexander verläuft, der seinerzeit mit ungewöhnlichen Mitteln und Hilfe seiner Freunde den Zugang zur Kunstakademie erkämpft hat. Doch seine Ambitionen werden von seinem Gönner Mylo immer wieder wegen wirtschaftlicher Aspekte gebremst. Ich mochte Alexander anfangs so gerne, aber nun ist er mir nicht mehr so sympathisch und ich möchte, dass er wieder der nette Junge wird. Wird Paon, wie er sich nun nennt, jemals seine Gefühle in seinen Bildern ausdrücken können?

    Aber es gibt noch so viele andere Figuren, die die Autorin Petra Durst-Benning liebevoll und menschlich gestaltet hat.

    Die Zeiten in Münsingen sind sehr schwer, aber noch was die Männer auf den Schlachtfeldern und in den Schützengräben ertragen müssen, ist fürchterlich. Sie sind mit so viel Enthusiasmus in den Krieg gezogen und dachten, dass es schnell vorbei ist, doch dann müssen sie schreckliche Jahre ertragen, die ihr Leben für immer verändern, sofern sie es nicht sowieso verlieren.

    Ich liebe diese Buchreihe mit den authentischen Protagonisten und bin sehr gespannt, wie es weitergeht.


    10/10


    ASIN/ISBN: 3764506652

    Wirklich eine großartige Idee, weil die Kriegsverletzungen im Ersten Weltkrieg durch diese modernen Waffen wirklich grausam und vor allem vollkommen neuartig waren. Da mussten auch Mediziner über sich hinaus wachsen.

    Das Thema plastische Chirurgie ist mir beim Lesen irgendwann schon mal untergekommen und mir ist der Name Jacques Joseph da in Erinnerung geblieben. Interessant finde ich auch:

    https://www.dgpraec.de/pressem…rletzten-seit-100-jahren/

    Eine starke Frau, und sie und Anton geben sich in dieser Zeit Halt und Nähe. Trotzdem vergißt er Mimi nicht. Theresia ist ja auch verheiratet. Ich denke, dass sich beide in dieser Zeit Kraft geben. Ich glaube nicht, dass da Liebe im Spiel ist, sondern einfach nur das Gefühl, dass da jemand nah ist.

    Es ist den beiden wichtig, für einen Augenblick, den Krieg vergessen zu können. Das hilft dabei, dann wieder in die Schrecken zurückzukehren.

    Das könnte die Beziehung auch schnell wieder beenden. Ich denke, man sollte die Heimkehrer darüber sprechen lassen, was sie erlebt haben, sie sollten es auch nicht in sich hineinfressen oder gar schönreden.

    Aber oft wollen die Menschen das Erlebte einfach vergessen und in die Zukunft sehen. Zu der Zeit gab es so etwas wie Therapie ja nicht und ich denke, dass die Familie damit überfordert ist.


    Natürlich kann man nicht vergessen und dieses Schweigen hat ja auch für die kommenden Generationen Folgen (s. Nebelkinder).

    Kann man aus "Geliebter" und "mon amour" nun darauf schließen, dass Alexander und Mylo ein Liebespaar waren? Das hätte ich dann aber auch gerne ein bisschen deutlicher gelesen.

    Davon war ich schon länger ausgegangen.

    Doch schon bald darauf gibt es Ärger im Paradies, weil Mimi Alexander alias Paon beherbergt und ihr dieser bei der Gestaltung der Adventskalender geholfen hat. Anton hat nicht vergessen, wie schäbig ihn sein einstiger Freund bei seinem Besuch in Stuttgart behandelt hat.

    Es war ja auch nicht freundlich, was Alexander Anton an den Kopf geworfen hat. Das konnte Anton nicht vergessen. Aber dafür kann ja Mimi nichts, denn sie weiß ja auch nicht, was vorgefallen war.

    Corinne ist am packen, denn sie will zur Winterweide aufbrechen. Sie lässt ihren Sohn und ihren alten Hütehund zurück bei ihren Schwiegereltern, vermisst beide jetzt schon. Sie ist einsam, denkt voller Wehmut an Wolfram, als es klopft. Als sie öffnet, staunt sie nicht schlecht, steht doch ihr Jugendfreund Raffa vor der Türe. Sollte es für die beiden ein Happy End geben?

    Ich gönne Corinne eine neue Liebe und denke, dass Raffa der richtige dafür ist. Natürlich wird sie Wolfram darüber nicht vergessen.

    Seien wir ehrlich - hat jemand von euch noch an sie gedacht?

    Ja, ich habe mich schon lange gefragt, wann sie wieder auftaucht.

    Mimi hat schlechte Erfahrungen mit den Kriegsgefangenen, daher will sie deren Hilfe nicht. Aber Bernadette ist froh, weil sie ja fast niemanden mehr hat. Ich finde das Verhalten der Gefangenen aber wirklich schlimm. Die Menschen hungern sowieso schon, nun wird ihnen das zukünftige bescheidene Essen genommen. Das Bernadette verzweifelt kann ich gut verstehen. Umso schöner finde ich es, dass die Frauen aus dem Dorf, ihr nun etwas zurückgeben wollen.

    Bernadette hat sich in den letzten Jahren wirklich zu viel zugemutet, sie bricht förmlich zusammen. Aber sie hat ja Freundinnen, die für sie da sind.

    Anton erlebt noch einmal Schreckliches nach Kriegsende, als er sieht, was aus dem blühenden Land von Anfang des Krieges geworden ist. Doch er hat überlebt, ist nicht verletzt, außer den Wunden an seiner Seele. Die Engländerin hat recht. Die Lieben zu Hause verstehen nicht, was der Krieg an der Front bedeutet. Aber auch die Heimkehrer können wohl nicht nachvollziehen, wie schwer es die Frauen hatten. Ich hoffe, dass die Beziehung von Anton und Mimi, die endlich ihre Gefühle eingestehen, nicht daran zerbricht.

    Endlich ist auch Lutz bereit, über seine Liebe zu Bernadette zu sprechen. Wurde aber auch Zeit.

    Wer Mylo wirklich ist, habe ich ja immer geahnt. Doch nun kommt es zufällig heraus. Alexander ist enttäuscht, weil Mylo nicht ehrlich war. Endlich vollzieht er die Trennung, die schon längst überfällig war.

    Johann Merkle hat sich auch wieder aufgerafft und kämpft wie eh und je.

    Nun taucht auch Christel wieder auf. Ihr geht es gut, vor allem, weil sie die Männer zu nehmen weiß. Nun soll Mimi sie also fotografieren. Bin gespannt, wenn Christel und Anton aufeinandertreffen.

    Handarbeitsrunde + Schwarzschlachten, die Frauen bringen sich in Gefahr, haben aber auch eine gute Ablenkung gefunden. Ich denke, dass es wahrscheinlich viel in der Art im Krieg gab.

    Ich glaube, dass den Frauen das Beisammensein zumindest genauso gut tut wie das Päckchen am Ende.

    Kriegsversehrte werden weggeschlossen, weil ihr Anblick demotivierend wäre? Kann mir noch schlechter werden? Ich kann verstehen, dass manche, vor allem wenn ihr Gesicht schwer betroffen ist, Bedenken haben, ihren Lieben unter die Augen zu treten, und nicht jeder wird damit umgehen können.

    Ich glaube aber auch, dass viele Gesichtsverletzte sich auch lieber verstecken, weil sie selbst mit ihrer Verletzung nicht zurecht kommen.

    Alexander scheint Mylo nach und nach zu durchschauen? Schön, dass er Mimi besucht hat, und noch einen anderen Blick auf die Kriegszeiten bekommt. Ob er nun andere Gemälde schaffen wird? Ob er bald seine Familie besuchen wird? Ich denke schon, dass das Alexander in irgendeiner Form beeindruckt haben wird.

    Es ist zwar das erste Mal, dass sich Alexander zur Wehr setzt, aber ich bin überzeugt, dass er noch eine Weile braucht, bis er sich von Mylo lösen kann.

    Und der Plan gelingt, der Büttel kommt vorbei, bemerkt aber nicht, was im Geheimen vor sich geht.

    Ich kann solche Typen so gar nicht ab. Umso mehr freut es mich, dass er überlistet wurde.

    Der Krieg wird immer schlimmer und Anton ist inzwischen auch ziemlich niedergeschlagen. Trotzdem versucht er mit seinen Mitteln den Verletzten zu helfen. Seine Gehhilfen sind besser als die, welche den Soldaten sonst zur Verfügung stehen. Besonders der junge Michel hat es Anton angetan. Er will ihm helfen, dass er wieder seinen Job verrichten kann, wenn er in der Heimat ist. Doch der heimtückische Bombenanschlag macht alles zunichte. Anton informiert sich bei der englischen Bildhauerin, wie sie den Verletzten hilft. Er ist fasziniert. Die Umstände des Krieges bringt die beiden näher zusammen. Trotzdem denkt Anton qan Mimi.

    Auch auf der Alp wird das Leben immer schwerer. Doch die Handarbeitskreise sind ein Erfolg. Bernadette tut ihr Möglichstes, um den Menschen zu helfen. In Corinne hat sie eine tolle Hilfe und Lutz drückt beide Augen zu. Immer noch halten Lutz und Bernadette ihre Gefühle zurück.

    Ganz anders verläuft das Leben von Alexander. Ihm mangelt es an nichts, außer dass er von Mylo angetrieben und manipuliert wird. Doch als der überreizt, nimmt Alexander Mimis Angebot an. Ich hoffe, dass Mimis klare Ansprache auch wirklich bei Alexander angekommen ist.

    Auch in der Heimat wird es immer schwieriger, die Menschen hungern. Dass Corinne anfängt Schafe zu schlachten, um dem entgegenzuwirken, ist schön, aber auch mutig, ich hoffe sehr, dass sie sich nicht irgendwann doch noch dafür verantworten muss.

    Das hoffe ich auch, aber wenn alle zusammenhalten, müsste es doch gehen.

    Für alle keine einfache Zeit. Schockiert war ich, wie die Dorfbewohner sich über das tote Schaf hergemacht haben. Ohne Scham. Ohne schlechtes Gewissen. Wie furchtbar muss der Hunger sein.

    Warum sollten sie sich schämen? Sie haben Hunger und das Tier war doch schon tot.

    Eine Bekannte hat mit 19 als Beifahrerin ihren rechten Arm verloren, das Ganze liegt vielleicht 15 Jahre zurück. Sie hat den Umgang mit ihr nach dem Unfall, nach kurzem Krankenhausaufenthalt in die Reha auch sehr brutal beschrieben. Sie solle sich schnell abfinden und umlernen, den linken Arm trainieren.

    So etwas ist natürlich schrecklich, aber was sollen Ärzte und Pflegepersonal machen. Dem Verletzten hilft kein Mitleid, sondern er/sie muss sich mit der Realität auseinandersetzen und damit umgehen lernen.

    Wie gut, dass Bernadette und Mimi eine Lösung suchen, wie der hungernden Bevölkerung geholfen werden kann.

    Hoffentlich wissen die das auch zu schätzen. Nicht dass jemand sie noch anschwärzt.

    Auf Bernadettes Hof gab es ein schönes Weihnachtsfest. Es wird nicht lange dauern, bis die Not schlimmer wird.

    Aber auch die Soldaten feiern auf eine ganz besondere Art Weihnachten. Wäre es nicht schön, wenn sie den Wahnsinn beenden würden und nach Hause gingen?

    Johann Merkle kommt verletzt ins Lazarett. Er, der immer große Worte geschwungen hat, zeigt sich nun von einer mimosenhaften Seite. Natürlich hat er den Arm verloren, aber es gibt doch Kameraden, die es viel härter trifft.

    Corinne ist wirklich stark. Ich finde es toll, wie sie sich trotz ihrer Schwangerschaft um die Tiere kümmert. Kurz bevor sie zu Hause ist, muss sie ihr Kind auf der Straße gebären. Zum Glück geht alles gut, weil Bernadette und Mimi schnell reagiert haben.

    Aber die Schlachtereien von Corinne sind gefährlich. Sie hilft den Menschen damit, aber es gibt auch Missmut. Ich finde es toll, dass Bernadette sie deckt und sogar unterstützt.

    Auch in der Druckerei wird es schwieriger. Mimi merkt auch, dass ihre gestellten Fotografien am Leben vorbeigehen. Sie will etwas ändern. Bin schon gespannt, ob das was wird.

    Mylo lotst Alexander an die Front, damit er den Krieg authentisch darstellen kann, aber zu viel Authentizität soll er nicht mitbekommen.