Beiträge von buchregal123

    Freya Hansen versetzt es einen Schlag, als ihr Partner sie verlässt, und in ihrer Firma gibt es auch Ärger. Als ihre Schwester Grete sie dann informiert, dass die Mutter Wilhelmine nach einem Sturz im Krankenhaus liegt, macht sie sich von Berlin auf zurück in das kleine Dorf, wo sie aufgewachsen ist. Grete ist immer geblieben und liebt ihren Beruf als Vogelwartin. Früher einmal hatte sie Träume, wollte die Welt bereisen, doch eine Schwangerschaft hat das zunichte gemacht. Zu ihrer Tochter Anne hat sie ein schwieriges Verhältnis, da sie sich geweigert hat, den Namen des Vaters zu nennen. Doch auch Anne will bei ihrer Großmutter sein und kommt zurück in das alte Reetdachhaus der Hansens in der Elbmarsch. Die Stimmung ist ziemlich angespannt, denn alle haben ihre Geheimnisse und viel Unausgesprochenes steht zwischen den Frauen.

    Mir hat dieser ruhige, aber intensive Familienroman gut gefallen. Bisher kannte ich nur die Kriminalromane von Romy Fölck, doch auch mit „Die Rückkehr der Kraniche“ konnte sie mich absolut überzeugen. Die Atmosphäre der Elbmarschen und des Naturschutzgebietes sind sehr schön dargestellt.

    Die Charaktere sind authentisch beschrieben und können nur aus dem Norddeutschen kommen, wortkarg wie sie sind. Wilhelmine musste nach dem frühen Tod ihres Mannes die Töchter alleine aufziehen. Sie hat alles für Freya und Grete getan, doch Nähe konnte sie nicht zeigen. Im Dorf wurde über sie geredet und die Mädchen hatten es nicht leicht. Freya ist dann nach Berlin, wurde erfolgreiche Unternehmerin, doch etwas fehlt ihr im Leben. Grete ist wegen Anne geblieben und hat Wilhelmine unterstützt, die altersbedingt nicht mehr so konnte. Anne kommt der Großmutter näher als alle anderen.

    Es braucht Zeit, bis sich die Frauen öffnen können. Wird es ihnen möglich sein, die Wunden der Vergangenheit zu schließen?

    Ein wundervoller Roman, den ich nur empfehlen kann.


    10/10

    ASIN/ISBN: 3785728328


    Ein Schicksalsschlag hat Cassie aus der Bahn geworfen. Sie ist gerade noch in der Lage, ihre Tochter Birdie zu versorgen. Da erleidet ihre Großmutter Bobby einen Unfall und Cassies Mutter Anna drängt darauf, dass Cassie zu Bobby zieht. Das würde beiden helfen. Bobby hat nie über ihre Vergangenheit gesprochen, doch nun zeigt sie seltsame Verhaltensweisen. Außerdem spricht sie von einer Alina. Cassie hat diesen Namen noch nie gehört. Sie möchte ihrer Großmutter gerne helfen.


    Katja lebt mit ihrer Familie in dem kleinen Dorf Sonyaschnyky. Sie haben ihr Auskommen bis zu dem Tag, als Stalins Handlanger sie ins Kollektiv zwingen wollen. Ihr Besitz wird ihnen genommen und sie sollen für die Gemeinschaft arbeiten. Man nimmt ihnen erst ihr Land, ihr Vieh, ihre Ernte und die Saat, dann ihr Werkzeug und fordert immer höhere Steuern. Unvorstellbarer Hunger macht sich breit und das kleinste Vergehen wird entweder mit dem Tod oder durch Deportation nach Sibirien geahndet. Anfangs war Katja noch glücklich mit ihrem Pawlo, doch die Not wird immer schlimmer und immer mehr Menschen sterben. Auch Katja muss Verluste ertragen und bald weiß sie nicht mehr, wie sie weiterleben soll.


    Natürlich habe ich schon vom Holodomor gehört, doch es ist etwas anderes, wenn dieses Schreckliche am Schicksal von Menschen festgemacht wird. Auch wenn es in diesem Buch um fiktive Personen geht, so gab es doch ungeheuer viele Menschen, die das wirklich erlebt haben. Es ist schwer zu ertragen, wenn man darüber liest, und so habe ich das Buch auch öfter weglegen müssen.


    Auch Cassie hat ihr Päckchen zu tragen, doch neben dem Schicksal von Katja und ihrer Familie in der Ukraine ist dieser Teil des Romans eher etwas seicht.


    Trotzdem verbindet Katja und Cassie auch einiges. Beide müssen sie mit dem Verlust fertig werden und sich ins Leben zurückkämpfen; beide haben ein schlechtes Gewissen, dass sie ihr Leben weiterleben wollen. Ich konnte mit Katja und ihrer Familie fühlen, aber auch mit Cassie und ihrer Tochter. Bobby vergisst in der Gegenwart vieles, doch den Hunger und die Not von damals hat sie nicht vergessen und so versteckt sie wieder Lebensmittel. Es ist ihr aber nicht möglich, über das Erlebte zu sprechen und so bleibt nur ihr Tagebuch in ukrainischer Sprache, um Cassie von früher zu berichten.


    Ganz schrecklich fand ich es, dass die Menschen, mit den man in einer Gemeinschaft gelebt hat und befreundet war, sich dann plötzlich so schäbig verhalten haben, schlimmer noch als die Bolschewiki selbst. Schwer zu ertragen sind auch die Prallelen zur jetzigen Zeit, denn wieder wird den Menschen im Krieg alles genommen. Wieder schaut die Welt zu.


    Die Grausamkeiten in diesem Roman sind schwer zu ertragen und doch ist es wichtig, nicht zu vergessen. Ich kann diesen erschütternden Roman nur empfehlen.


    10/10

    ASIN/ISBN: 3751717595


    Das Willstätter Horrorhaus dient als Kulisse für den Film „Dunkle Gemäuer“. Doch nun herrscht Aufregung im Team, denn die Kamerafrau Mona Laurent ist seit drei Tagen verschwunden. Die Produktionsfirma beauftragt die Privatermittlerin Suzanne Griesbaum, die Kamerafrau wiederzufinden. Wenig später taucht sie dann auch wieder auf – als Leiche im Keller des ehemaligen Siechenhauses. Der Staatsanwalt Paul Conrad geht von einem Unfall aus, doch Suzanne und ihr Kollege Henry Marbach sind davon nicht überzeugt. Dann verschwindet auch noch der Hauptdarsteller Benni Koch.

    Ich habe den Vorgängerband „Kalte Lügen“ nicht gelesen, aber dieser Krimi lässt sich auch ohne Vorkenntnisse lesen. Der Schreibstil ist humorvoll und flüssig zu lesen. Mir ging es stellenweise etwas zu übertrieben zu.

    Suzanne ist eine Frau, die einen guten Job macht und sich sogar in Gefahr begibt, um ihren Auftrag zu erfüllen. Daher konnte ich nicht begreifen, wie pubertär sie sich in Bezug auf Liam verhält. Im Filmteam und dem Umfeld gibt es eine Reihe von eigenwilligen Persönlichkeiten und dabei waren auch jede Menge Verdächtiger. Hausmeister Winkler macht sich verdächtig und Monas Ehemann, der Zahnarzt Dr. Laurent, ist ein ganz widerlicher Typ. Aber auch bei Regisseur Danilo Petrow, Drehbuchautor Maximilian Bräcker, Hauptdarsteller Benni Koch und Monas Schwester Camille Roux gibt es durchaus Grund, sie auf die Liste der Verdächtigen zu setzen. Die Suche ist nicht einfach, so dass Henry undercover im Filmteam ermitteln muss. Das stellt ihn vor Herausforderungen, die andere lustig finden, er allerdings weniger.

    Auch wenn einiges doch ziemlich übertrieben dargestellt ist, so ist der Fall durchaus spannend, zumal es immer wieder Wendungen gibt, die einen zweifeln lassen, ob man noch auf dem richtigen Weg ist.


    7/10

    Die Freunde Jonathan, Derrick, Keith, Stephanie und Maeve treffen sich im Wochenendhaus von Jonathan in den Catskill Mountains, um seinen Junggesellenabschied zu feiern. Zehn Jahre zuvor nahm sich ihre Freundin Alice das Leben. Doch dann verschwinden Keith und Derrick und die Polizei findet ihren Wagen und darin eine Leiche mit einem zertrümmerten Gesicht. Hat das etwas mit der Vergangenheit zu tun? Detective Julia Scutt wird bei den Ermittlungen ebenfalls mit der Vergangenheit konfrontiert, denn ihre Schwester starb unter ähnlichen Bedingungen, während ihre Freundin verschwunden blieb.

    Die Autorin Kimberly McCreight hat mich mit ihrem Roman „Eine perfekte Ehe“ gefesselt und so war ich auch auf dieses Buch sehr gespannt. Die Geschichte ist wieder spannend und doch hat mich der Roman nicht so überzeugt wie seinerzeit „Eine perfekte Ehe“.

    Erzählt wird diese Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven und man fragt sich, welche Darstellung und Erinnerung der Wirklichkeit entspricht. Außerdem wird nicht chronologisch erzählt.

    Die Charaktere sind gut dargestellt, aber die Freunde waren mir nicht sympathisch. Sie waren zu College-Zeiten einmal gute Freunde, doch der Tod von Alice ist gekommen. Was ist damals wirklich geschehen? Alle haben ihre Geheimnisse und ihre Schwächen und unterschwellige Konflikte in der Gruppe kochen immer mehr hoch, was durch weitere Personen noch verstärkt wird. Aber auch für Julia ist es nicht ganz einfach, denn es scheint als würde zwischen ihrer Vergangenheit und der Geschichte zwischen den Freunden einen Zusammenhang geben.

    Die Freunde treffen sich zu einer Feier, doch von Anfang an herrscht eine düstere Atmosphäre. Man spürt, dass da etwa lauert, was an die Oberfläche will. So nach und nach setzen sich die einzelnen Teile zu einem Gesamtbild zusammen.

    Es ist eine spannende und packende Geschichte mit überraschenden Twists, doch das Ende konnte mich nicht überraschen.


    8/10

    ASIN/ISBN: 3764508086


    Die Olympischen Sommerspiele 1972 in München sollten heitere und unbeschwerte Spiele werden. Daher war die Polizei im olympischen Dorf auch nicht bewaffnet. Man wollte vergessen machen, unter welchen Umständen die letzten Olympischen Spiele in Deutschland stattgefunden hatten. Der Polizeipsychologe hatte eine Reihe von Szenarien aufgezeichnet, was passieren könnte. Doch die führenden Personen wischten diese Bedenken beiseite, nichts sollte die freudige und unbekümmerte Stimmung stören und so konnte das Schreckliche geschehen.


    Ich kann mich noch erinnern, wie erschüttert wir alle waren, nachdem wir erfahren haben, was dort geschehen war. Die Autorin Petra Mattfeldt greift dieses Thema auf und erzählt anhand von unterschiedlichen fiktiven Charakteren, die aber auf realen Personen beruhen, wie es zu dem Anschlag kommen konnte. Sie erzählt einfühlsam und packend.


    Die neunzehnjährige Bogenschützin Angelika Nowak aus Leipzig hat es geschafft. Sie darf dabei sein und ist von der Atmosphäre in München beeindruckt. Sie möchte so viel erleben, steht aber unter ständiger Kontrolle ihres Co-Trainers. Als sie den achtzehnjährigen Roman Gagarin, einen Ringer aus der israelischen Mannschaft, kennenlernt und sich mit ihm anfreundet, wird ihr der Umgang verboten. Angelika denkt plötzlich kritischer über das Leben in der DDR und überlegt, sich abzusetzen. Der Polizist Manfred Hofmann genießt die Zeit im Dorf, sorgt sich aber um die Sicherheit. Auch der Journalist Robert Goldmann, der die israelische Mannschaft betreut, eckt bei seinem Redakteur an, weil sein kritischer Artikel nicht zum gewünschten Image der Spiele passt. Der Palästinenser Djamal Rahman glaubt den Geschichten, die er gehört hat. Für sich selbst sieht er keine Zukunft und ist froh, dass er für eine besondere Aufgabe ausgewählt wurde, um seinem Land zu helfen. Er ist bereit, alles zu tun, was ihm gesagt wird.


    Dann geschieht das, was nie hätte passieren dürfen. Es ist erschreckend, wie unvorbereitet die Polizei damals von der Geiselnahme überrascht wurde. Man hatte es nicht sehen wollen und war der Sache dann nicht gewachsen. Dazu war man dann auch noch zu stolz, um die von Israel angebotene Hilfe anzunehmen. Durch das dilettantische Vorgehen kam es zur Katastrophe und viele Menschen starben.


    Erst nachdem das alles geschehen ist, hat man sich entschlossen, die GSG9 zu gründen, um für solche und ähnliche Fälle gerüstet zu sein.


    Es ist ein bewegender und erschütternder Roman, der einen so schnell nicht loslässt. Ich kann ihn nur empfehlen.


    10/10

    Es sind gut hundert Jahre vergangen, seit sich die Ammanleit von Deutschland nach Amerika aufmachten. Sie haben sich in der Gegen um Jacobstown eingerichtet. Leah Hochleitner möchte ihre Rumspringa abseits ihrer Gemeinschaft verbringen und hat Mühe ihren strengen Vater davon zu überzeugen, dass sie bei ihrer Tante Rachel in Jacobstown gut aufgehoben ist. Sie hilft dort im Laden und kann sich mit ihrer Freundin Grace, einer „Englischen“, treffen. So lernt sie Richard Bellamy und seine Schwester Lillian kennen und damit eine ganz andere Lebensweise. Leah verliebt sich in Richard. Doch wird ihre Liebe eine Chance haben?


    Dies ist der dritte und letzte Band aus der Reihe „Amish-Saga“. Das Leben dieser Glaubensgemeinschaft ist uns sehr fremd. Sie sind sehr gläubig und haben strenge Regeln. Man muss das nicht alles gut finden und doch gibt es einiges, was unserer heutigen Welt und Lebensweise ganz guttun würde. Auch innerhalb der Gemeinschaft gibt es Menschen, die aufgeschlossen sind und andere, welche die Worte der Bibel sehr streng auslegen. So kommt es immer wieder zu Konflikten.


    Für die „Englischen“, die sich erst in der Gegend angesiedelt haben nachdem die Amish das Land erschlossen hatten, ist die Lebensweise der Amish rückständig. Auch dass sie den Kriegsdienst aus religiösen Gründen verweigern, wird ihnen vorgeworfen. Richard ist von Leah fasziniert, gerade weil sie so anders ist als andere junge Frauen, die er kennt. Leah ist wissbegierig und will vor ihrer Taufe das Leben kennenlernen. Ihr gefällt es, modische Kleidung zu tragen und im Automobil zu fahren, aber ihr Glaube und die Regeln, die sie befolgen muss, sind ihr auch wichtig. Während ihr Vater sie möglichst schnell zurückholen möchte, bestärkt sie ihr Jugendfreund Joshua erst eine Entscheidung zu treffen, wenn sie dafür bereit ist.


    Der Autorin ist es sehr gut gelungen, uns die Regeln und die Lebensweise dieser Menschen nahe zu bringen, ohne das Leben in dieser Gemeinschaft zu verklären. Die Charaktere sind alle gut und authentisch dargestellt. Schwierig wird die Situation für die jungen Männer der Amish, als sie zum Wehrdienst eingezogen werden, denn sie wollen nicht kämpfen. Daher wird ihnen das Leben schwer gemacht und sie müssen viel ertragen.


    Dieser Roman wie auch die Vorgängerbände bieten ein ungemein packendes und informatives Leseerlebnis. Schade, dass dies der letzte Band aus der Reihe ist. Mich hat dieses Buch wieder begeistert.


    10/10

    Der Name Caroline Weldon sagte mir nichts, obwohl ihr Bild von Sitting Bull so bekannt ist. Geboren wurde die Protagonistin als Susanne Faesch. Ihre Mutter wanderte später wegen eines anderen Mannes mit ihr nach Amerika aus. Während sich der Fortschritt in New York bemerkbar macht, kämpfen die Ureinwohner auf der anderen Seite des Kontinents um ihr Überleben. Susanna reist mit ihrem Sohn nach Dakota, um Sitting Bull vor drohender Gefahr zu warnen. Dort entsteht dann auch das bekannte Gemälde von Sitting Bull.

    Alex Capus konnte mich mit diesem Roman wieder einmal begeistern. Der Schreibstil des Autors ist einfach toll. Ich habe die Geschichte von Susanna gerne gelesen, obwohl es sehr viel auch um ihre Familie und ihr Umfeld ging.

    Susanne ist eine selbstbewusste Frau, die einen starken Willen hat. Den gibt sie dann auch an ihren Sohn weiter. Sie ist noch recht klein, als sie dem wilden Mann der in Basel aus dem ans Ufer kommt, ein Auge mit dem Finger aussticht. Das muss sie geprägt habe, genauso wie die Trennung ihrer Mutter Maria, die Mann und Söhne wegen eines anderen Mannes verlässt und ihm nach Amerika folgt. Ihre künstlerische Begabung hat Susanna schon früh erkannt und ihr Geld damit verdient. Sie ist fasziniert von den Ureinwohnern und das Erbe ihrer Mutter ermöglicht es ihr mit ihrem Sohn Christie nach Dakota zu reisen und Sitting Bull zu treffen. Zu Sitting Bull hatte sie eine ganze besondere Beziehung und so entstand auch das Gemälde. Sie ist eine interessante, aber nicht sonderlich sympathische Frau und doch kam ich ihr nicht nahe, da mir die Motivation für ihr Handeln nicht deutlich wurde.

    Ich fand es interessant in die Zeit damals einzutauchen und den technischen Fortschritt mitzuerleben. Mich hat das Buch gut unterhalten.


    8/10

    Im London des 18. Jahrhunderts führt Nella ihre Apotheke. Sie will Frauen helfen, auch Frauen, die sich mit Gift aus ihren Nöten befreien wollen. Sie brauchen nur eine Nachricht zu verstecken. Doch als das Mädchen Eliza bei ihr auftaucht, setzt das eine Reihe von Ereignissen in Gang, die Nella in große Gefahr bringen.

    Fast zweihundert Jahre später stößt die Historikerin Caroline Parcewell, welche Abstand von ihrem fremdgehenden Mann braucht, in London auf die Spuren von Nella. Die Geschichte lässt sie nicht los und am Ende wird ihr Leben sich verändert haben.

    Dieser Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Zunächst hat mich das wundervolle Cover angezogen, obwohl ich sonst nicht so auf das Cover achte. Die Geschichte hat mich auch gut unterhalten, auch wenn ich finde, dass einiges nicht ganz so logisch war. Mir ist die Gegend in London bekannt und ich kann nicht glauben, dass dieses Grundstück so lange brach gelegen hat und der Bebauung entgangen ist. Sei’s drum.

    Caroline wollte ihren Hochzeitstag mit ihrem Mann in London verbringen. Sie ist eine Frau, die sich zu lange von ihm hat unterbuttern lassen. Als sie seinen Seitensprung entdeckt, trifft sie die Entscheidung, alleine nach London zu reisen, um Stand zu gewinnen. Als sie dort auf die Geschichte der Apothekerin stößt, macht ihr das Nachforschen ungeheuer viel Spaß und hilft ihr dabei, zu überlegen, wie ihre Zukunft aussehen soll. Ihr Mann will mit zur Schau getragenen Reue Caroline zurückholen.

    Die Geschichte um Nella ist interessant. Sie hat die Apotheke von ihrer Mutter übernommen. Doch dann passierte etwas, das sie auf ihre ungewöhnliche Geschäftsidee brachte. Sie hätte aber auf ihre unbehaglichen Gefühle achten sollen, denn plötzlich gerät sie in Gefahr. Auch die junge Eliza hat mir gefallen, die weiß, was sie will und eine treue Seele ist.

    Es hat mir Freude bereitet, dieses Buch zu lesen.


    8/10

    Dass die Familie im Mafia-Milieu über allem steht, wissen wir schon aus vielen anderen Büchern und Filmen. Doch in diesem Buch geht es weniger um die Männer das Clans, als um die Frauen, die loyal sein sollen, nicht alles wissen müssen, aber zu schweigen haben.

    Antonia und Sofia wachsen auf wie Schwestern und sind beste Freundinnen. Antonias Vater möchte irgendwann ein Leben außerhalb der „Familie“ führen. Doch das ist unmöglich, er verschwindet spurlos. Das hat Auswirkungen auf die Freundschaft der Frauen

    Die Geschichte liest sich gut, aber ich hätte in diesem Umfeld mehr Spannung erwartet.

    Die Charaktere sind gut gezeichnet. Man erlebt die Mädchen von Kindesbeinen an und wie sie sich entwickeln. Die beiden sind sehr unterschiedlich. Sie freunden sich an, auch weil sie gar keine Möglichkeit haben außerhalb der Familien Kontakte zu knüpfen. Sie wachsen behütet auf, spüren aber auch, dass es vieles gibt, was sie nicht begreifen und das ihnen niemand erklären wird. Es gibt Regeln, die man nicht in Frage stellt und an die man sich zu halten hat. Als junge Frauen träumen sie davon, dieses Leben hinter sich zu lassen, doch mit ihrer Heirat verfestigen sie die Situation.

    Ich war gespannt darauf, wie diese Geschichte sich entwickelt und wie sie ausgeht. Das Ende ist recht abrupt und hat mich etwas enttäuscht.

    So ganz wurden meine Erwartungen nicht erfüllt, aber dennoch ein interessanter Roman.


    6/10

    ASIN/ISBN: 3746639980


    Das pralle Leben von Berlin hat sich längst von „Unter den Linden“ zum „Kurfürsten Damm“ verlagert. Doch die Chocolaterie Sawade ist geblieben und auch für Elfie eine Zuflucht. Hier kann sie verbergen, dass sie anders ist als andere Menschen, denn ihr macht die Schwermut zu schaffen. In dem Laden ist auch hochbetagte Madame Conte aus der Bel étage Kundin. Eines Tages möchte Madame Elfie sprechen und so erfährt sie eine Geschichte über eine verbotene Liebe und eine ganz besondere Praline.


    Anne Stern hat mich wieder in das Berlin vergangener Jahre eintauchen lassen und dabei durfte ich ungewöhnliche Menschen kennenlernen. Der Schreibstil der Autorin hat mich wieder einmal überzeugt.


    Berlin zeigt sich während der Olympischen Spiele weltoffen und lebendig und überdeckt damit, dass längst dunkle Zeiten angebrochen sind. In der Nachbarschaft der Chocolaterie Sawade leben sehr unterschiedliche Menschen und man spürt ihre Angst, denn sie sind unerwünscht. Auch wenn man sich nicht näher kennt, so halten die Menschen doch zusammen. Elfie leidet unter ihrer Schwermut und hat abends nach Ladenschluss keine Kraft mehr. Sie wurde von ihrer Großmutter aufgezogen, die wenige Gefühle für ihre Enkelin, aber umso mehr Strenge zeigte. Die Verkäuferin Trude möchten dem jüdischen Buchhändler gerne helfen und jeder vermisst den Leierkastenmann, der verstorben ist. Der Barbesitzer Issa El Hamady ist von Elfie beeindruckt und hofft, dass seine Bar sich endlich mal wieder füllt. Das kleine Blumenmädchen ist der Polizei ein Dorn im Auge und Elfie hat Angst sich einzumischen. Dann gibt es da noch Madame Conte, die immer schwächer wird und ein Geheimnis hütet. Ich konnte mich in alle Personen hineinversetzen und ihre Ängste und Sorgen nachvollziehen.


    Es ist eine tiefgründige und eher ruhige Geschichte, die mir aber gut gefallen hat.


    8/10

    ASIN/ISBN: ‎3746637945


    Man redet immer von den Goldenen Zwanzigern und Tatsächlich hat Berlin seine schillernden Seiten, aber es gibt auch große Not und der Bevölkerung. Der Krieg hat seine Spuren hinterlassen und die politische Lage ist instabil. Die Brüder Sass betreiben in diesen Zeiten erfolgreich ihre illegalen Geschäfte. Doch dann geraten sie ins Visier der Polizei und erst als ihre verschollen geglaubte Tante Antonia wieder auftaucht, geht es wieder bergauf.


    Michael Jensen hat mich mit diesem historischen Krimi, der auf wahren Begebenheiten basiert, überzeugt. Der Roman zeigt die wahren Seiten in Berlin, die nicht so glamourös waren, wie es oft dargestellt wird. Tatsächlich ging es den Armen sehr schlecht. Dieses Elend versuchten unterschiedliche politische Gruppierungen für ihre Zwecke zu nutzen. Aber auch Gauner und Verbrecher nutzten diese Lage für ihre illegalen Geschäfte. Auch die Brüder Sass profitierten davon. Doch nach der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurde die Lage gefährlich für sie. Als Antonia wieder auftaucht, nimmt sie das Heft in die Hand und sorgt für einen Aufschwung. Dass ruft natürlich die Konkurrenz auf den Plan.


    Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und es gibt sehr viele wirklich unsympathische Personen. Da kommen die Mitglieder der Familie geradezu sympathisch herüber, obwohl sie ja eine Menge Dreck am Stecken haben.


    Interessant finde ich immer wieder, wie Polizeiarbeit zu jener Zeit funktionierte. Wenn man bedenkt, wie wissenschaftlich es heute bei den Ermittlungen zugeht, wundert man sich oft, wie sie damals ihre Fälle gelöst haben.


    Mir hat dieser spannende und interessante Krimi gut gefallen. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.


    8/10

    Für die drei Amish-Jungs wird es im Lager schrecklich. Blöde Bemerkungen sind eine Sache, aber was sie erdulden mussten ist sehr bösartig. Doch es gibt auch Menschen wie diesen einen Soldaten, die zwar nicht den Mut haben, sich gegen dieses Handeln zu stellen, aber auch nicht mitmachen. Er war wohl der, der das anonym gemeldet hat.


    Joshua und seine Freunde suchen in ihren Briefen an die Gemeinde um Rat, doch man lässt sie im Stich. Sie müssen ihre Gewissensentscheidungen selbst treffen. Ich finde es mutig, wie sie sich schlagen und dass sie ihre Peiniger nicht verraten. Man hätte sie gleich auf einen Hof schicken sollen, dort hätten sie Sinnvolles leisten können ohne gegen ihren Glauben zu verstoßen. Aber das war ja für die Strenggläubigen auch schon ein Vergehen.


    Die Spanische Grippe ist mir in letzter Zeit häufiger untergekommen, zuletzt noch bei Isabel Allendes „Violeta“. Sie hat so viele Opfer gefordert.


    Was mich wütend macht, dass über Menschen wie Esther nach dem Weggang nicht mehr geredet wird. Es ist, als hätten sie nie existiert.


    Leah hat mit Joshua wirklich einen tollen Partner an ihrer Seite. Sie hat auch Grace wieder getroffen, die auch ihr Glück mit Antonio gefunden hat, und die beiden Frauen bleiben Freundinnen. Die Wahl des neuen Bischofs hat mir auch gefallen und das Eli mit seinen Anhängern weggeht, ist für die Gemeinschaft kein Verlust.