Beiträge von buchregal123

    ASIN/ISBN: 3404192516


    John Benthien weiß, dass er sich seine Strafversetzung selbst zuzuschreiben hat, aber mit dem Posten in Friedrichstadt ist er unterfordert. Doch dann wird er von einem Nachbarn gerufen, weil bei den Riewerts etwas nicht stimmt. Dort findet er seine Nachbarin Erna Wiebe mit einem Jagdgewehr, die einen Mann in Schach hält, der vor zwei Toten steht. Es handelt sich um seinen Vermieter Laas Riewerts und dessen Frau Mette, die einer Freikirche angehört haben und der Verdächtige ist Mettes Schwager Cornelis Mohr. Für die Ermittlungen ist John nicht zuständig. Der Fall wird seiner Ex und ehemaligen Kollegin Lilly Velasco übertragen, die mit ihrem Kollegen Tommy Fitzen und Staatsanwältin Sanna Harmstorf nach Friedrichstadt kommt. Nach einem Unwetter wird in Johns Garten dann die Leiche einer Frau gefunden.


    Dies ist der zehnte Band aus der Reihe um John Benthien. Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und die Kapitelüberschriften zeigen die jeweilige Person an. Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen und der kleine Ort Friedrichstadt mit seiner Umgebung ist sehr atmosphärisch dargestellt.


    John Benthien ist ein sehr guter Ermittler, was er schon oft bewiesen hat. Doch nun soll er unbedingt aus dem Fall herausgehalten werden. Aber seine ehemaligen Kollegen wissen seine Fähigkeiten zu schätzen und sie merken gleich, dass er eine Hilfe sein kann. Tommy hat sowieso nichts gegen Johns Unterstützung und auch Lilly zögert zwar, lässt ihn dann aber gewähren. Nur Sanna darf nichts davon wissen, aber die hat ihre eigenen Probleme. John ist neben diesem Fall aber auch noch privat eingespannt, denn seine Ziehtochter Celine zieht ihr Ding durch und sein Vater Ben hat gesundheitliche Probleme.


    Bei den Ermittlungen führen Spuren zu der Freikirche, doch haben die strenggläubigen Mitglieder wirklich etwas damit zu tun? Am Abend des Mordes hat John nämlich noch verdächtige Beobachtungen vor dem Haus der Riewerts gemacht und auch Pfarrer Christensen scheint mehr zu wissen, als er sagt.


    Der Fall löst sich am Ende schlüssig auf, aber die Entwicklungen in Flensburg am Schluss haben mich nicht überzeugt.


    Es ist ein spannender Fall, der leider einigen Ungereimtheiten aufweist. Dennoch hat mich dieser Krimi gut unterhalten.


    8/10

    Lis wurde der Boden unter den Füßen weggerissen. Sie hat sich einfach in den Zug gesetzt und ist geflohen. Dabei plagen sie Schuldgefühle. Anna hat den Hof von ihren Eltern übernommen und baut dort gegen alle Ratschläge alte Apfelsorten an. Sie produziert sortenreine Apfelsäfte und versucht, dabei etwas Besonderes zu schaffen. Auf dem Heimweg liest sie Lis auf und nimmt sie mit zu sich. Dabei stellt sie keine Fragen, sondern spannt Lis einfach in die Arbeit auf dem Hof ein. Mit der Zeit freunden sich die Frauen an, doch es dauert bis sich beide öffnen können.


    Der Roman von Nicole Wellemin erzählt von zwei starken Frauen, die ihre Wunden und Schuldgefühle mit sich herumtragen und Zeit brauchen, um sich davon frei zu machen. Dabei nimmt sie uns mit auf den Apfelhof in den Bergen von Südtirol, der ein reales Vorbild hat. Ich habe viel über Äpfel und den Anbau mit all seinen Schwierigkeiten gelernt.


    Dieser Roman beginnt mit einem bedrückenden Prolog. Lene, die Großmutter von Anna, behandelt ihre Tochter Gisela hart und lieblos. Immer wieder gib es zwischendurch Rückblenden, die von Lene und ihrem Mann Elias erzählen. Am Ende kann man Lene besser verstehen, aber gutheißen kann man ihr Verhalten nicht.


    Auch Anna hat zu ihrer Mutter ein distanziertes Verhältnis, denn viel geredet wurde in ihrer Familie nicht. Dabei ist gerade das Unausgesprochene so wichtig. Sie ist früh von zu Hause weg und dann zurückgekommen, um den Hof zu übernehmen und nach ihren eigenen Vorstellungen zu führen. In Lis findet sie eine Freundin, der sie sich nach einer Weile öffnen kann.


    Lis hat etwas erlebt, vor dem sie nur noch fliehen wollte. Sie hat alle Verbindungen abgebrochen und ist eher zufällig in Südtirol gelandet. Für sie ist es ein Glück, dass sie Anna getroffen hat, denn Anna spürt, wie verletzt Lis ist und Lis ist froh, dass sie sich nicht erklären muss. Sie übernimmt Arbeiten, die sie in ihrem privilegierten Leben zuvor noch nie machen musste. Dabei hat sie Zeit zum Nachdenken. Mit Thea vom Dorfladen und mit Anna entsteht mit der Zeit eine Freundschaft, die ihr hilft, wieder zu sich selbst zu finden.


    Mich hat dieses Buch von Anfang an gepackt und ich konnte mich gut in die Frauen hineinversetzen.


    Ich kann diesen wundervollen Roman nur empfehlen.


    10/10

    Für sie hätte es etwas geändert, wenn sie stopp gesagt hätte.. Mit ihrem Selbstwertgefühl. Und wer weiß, was es noch geändert hätte.

    Ja vielleicht, es hätte aber auch sein können, dass ihr ganzes Leben ihr um die Ohren fliegt, wenn sie Mannie deswegen angeht.

    Mit so einer extremen Enthüllung hatte ich gar nicht gerechnet. War mir fast zu heftig. Es sprengt für mich fast den Rahmen der Geschichte, da es noch mal ein ganz neues "Fass" für mich aufmachte.

    Aber es musste etwas Heftiges sein, so wie sich das bis zu Anna durchgezogen hat.

    Und sie gibt sichschuld am Tod der Eltern, weil sie ihre Mutter ermutigte, endlicheinmal die Stimme zu erheben.

    Das ist tragisch, aber sie hat keine Schuld. Doch in solchen Situationen können das alle sagen, aber bei einem selbst bleibt dieses Schuldgefühl. Schlimm ist, wenn es sich durch ein ganzes Leben zieht.

    Die Story schreitet voran, aber manweiß trotzdem noch nicht viel mehr

    Spannend!

    Hauptkommissar Groth wird in seine alte Heimatstadt geschickt, um den dortigen Kollegen die westdeutsche Polizeiarbeit zu vermitteln. Schon bald gibt es einen Toten und es war kein Unfall. Bei den Ermittlungen stoßen die Polizisten auf einen ungeklärten Fall, der schon viele Jahre zurückliegt.

    Dieser Krimi verläuft eher ruhig und unaufgeregt, nichtsdestotrotz ist es eine spannende Geschichte, die uns auch in die schwierige Zeit nach dem Mauerfall führt. Das Misstrauen in dieser Zeit ist spürbar. Groth soll den Kollegen zeigen, was westdeutsche Polizeiarbeit ist. Das kommt nicht gut an, denn die Mecklenburger Kollegen wissen, dass sie ihren Job können. Doch dieser Fall, zu dem sich dann noch ein Cold Case gesellt, bringt sie zusammen, denn alle haben das Interesse, die Fälle zu lösen. Sie lassen sich auch nicht durch Anordnungen von oben aufhalten.

    Groth war viele Jahre im Westen und muss nun in seine alte Heimatstadt zurück. Dabei hat er genug mit sich selbst zu tun, denn er trauert um seine Tochter. Doch er ist ein guter Polizist, der auch seinem Baugefühl folgt und der seine Fälle unbedingt lösen möchte. Aber es gibt auch andere, die ein Verlust zu beklagen haben und trauern.

    Die Autorin Susanne Tägder erzählt authentisch und eindringlich und auch die Personen sind glaubhaft dargestellt. Die Geschichte basiert auf einem wahren Fall.

    Ein interessanter und spannender Krimi mit zeitgeschichtlichem Hintergrund.


    10/10

    Gussie liegt im Bonner Johannes-Hospital und weiß, dass ihr Leben zu Ende geht. Sie erinnert sich an die Zeit mit Konrad Adenauer. Sie lernte ihn im Haus ihrer Eltern kennen und heiratete den fast zwanzig Jahre älteren, verwitweten Kölner Bürgermeister mit drei Kindern. Mit ihm bekommt sie fünf Kinder, doch der Erstgeborene stirbt kurz nach der Geburt, was sie ein Leben lang nicht verwunden hat. Sie steht ihrem Mann zur Seite, ganz besonders in den politisch schwierigen Zeiten nach Hitlers Machtübernahme. Ihrem Mann verhilft sie zur Flucht, nachdem man ihn verhaftet hat, und dann verrät sie ihn, um ihre Kinder zu schützen.


    Es ist ein wunderbarer Roman über eine starke Frau, der einen berührt und manchmal fassungslos macht, der mich aber auf jeden Fall gefesselt hat, obwohl ich gar nicht einmal so viel Neues erfahren habe. Der Schreibstil von Christoph Wortberg ist sehr angenehm zu lesen, er fängt die Atmosphäre jener Zeit sehr gut ein. Zu Beginn jeden Kapitels finden wir Auszüge aus der Korrespondenz zwischen Gussie und ihrem Vater.


    Auguste Zinsser kommt aus gut bürgerlichem Haus und hat ein inniges Verhältnis zu ihrem Vater. Auch wenn ihr abgeraten wird, so heiratet sie den viel älteren Konrad Adenauer. Sie liebt den verschlossenen Mann, ist seinen Kindern aus erster Ehe eine gute Mutter und muss dann unter den Politischen Verhältnissen so viel ertragen. Doch immer steht die lebensfrohe Frau zu ihrem Mann, der seine Überzeugungen hat und nicht von ihnen ablässt. Glücklicherweise haben sie Freunde, welche die gleichen Überzeugungen haben und ihnen zur Seite stehen. Aber die Nazis lassen sie nicht in Ruhe und Gussie muss eine Entscheidung treffen, die über ihre Kräfte geht.


    Ich habe diese starke Frau bewundert, die zwar manchmal innerlich zerrrissen ist und oft Angst hat, aber trotzdem zu ihrem Mann steht und für ihre Familie kämpft. Doch ihre Gegner kennen keine Skrupel und keine Menschlichkeit.


    Ein großartiger Roman, den ich nur empfehlen kann.


    10/10

    Monstern kann man nicht ansehen, dass sie Monster sind. Julius war so freundlich, dass es für Lene am Ende nicht mehr so schlimm war. Und dann war er weg. Lene erfährt die Wahrheit aus der Zeitung. Sie betrachtet Gisela als Brut des Bösen und hat kein Verständnis für ihre wissbegierige Tochter. Ich kann Lenes Verhalten jetzt eher nachvollziehen, gutheißen kann ich es aber nicht, denn sie hat sich auf den Vorschlag ihres Mannes eingelassen. Gisela hat von Anfang an gelernt, dass man über viele Dinge nicht sprechen darf, schon gar nicht über Gefühle. Sie kann Anna gegenüber ihre Zuneigung daher nur durch kleine Gesten zeigen.


    Anna kann ihre Schuldgefühle hinter sich lassen. Sie hat eine Schuld getragen, die eigentlich nichts mit ihr zu tun hat.


    Aber auch Lis ist nun soweit, dass sie sich wieder selbst gefunden hat. Wie sie dann alles regelt, finde ich gut. Dazu gehörte Mut.


    Ein tolles Buch, eine schöne Leserunde – vielen Dank dafür und für die Begleitung der Runde!

    Das Buch gefällt mir weiterhin wahnsinnig gut.

    Das kann ich nur bestätigen

    Sie ist so eine starke junge Frau, die versucht sich durchzukämpfen und das Beste draus zu machen. Ich finde, der Prolog macht jetzt immer mehr Sinn, je länger ich lese und ihre Geschichte erfahre.

    Ja, sie ist stark und schafft alles, aber sie ist auch schwach, denn sie steht nicht zu ihrem Tun, sondern lastet es später ihrer Tochter an.

    Ich rechne auch immer damit dass die Ladenbesitzerin was in der Zeitung liest.

    Hat sie bestimmt schon, aber sie ist auch eine Freundin, die Lis die Zeit einräumt, die sie braucht.

    Gerade Karotten waren in meinen Anfangsjahren schwierig. So mickrige krumme Dinger.

    Sie sind bei mir immer toll gewachsen, leider mochten auch die Viecher sie gerne, denn sie waren immer angefressen.

    Aber vielleicht bekommt ja Lene noch mehr Nichten und Neffen und eine/einer von denen könnte dann erben.

    Ich glaube, dass in der damaligen Zeit der "Anhang" der Frau nicht so akzeptiert wurde, als dass sie erben konnten. Es sollte doch immer alles in der Familie bleiben und da gehörten die Neffen und Nichten der Frau nun mal nicht dazu.

    Anna hat ihre Freunde zur Verkostung eingeladen und Lis ist nach einigem Zögern dabei. Mir hat gut gefallen, wie ehrlich alle ihre Meinung gesagt haben.


    Der Mann aus Theas Laden, der Eindruck auf Lis gemacht hat, begegnet ihr bei dieser Veranstaltung wieder. Das Verhalten von Lis in Valentins Hotel kann ich nicht wirklich nachvollziehen, aber sie ist ja immer noch verletzt und nicht wirklich bei sich. Anna hat die Furcht in Lis gespürt. Später ist Lis verzweifelt, weil sie sich selbst nicht wiedererkannt hat.


    Anna nimmt Kontakt zu ihrem Freund auf. Es gibt ihn also und ihre Beziehung scheint ungewöhnlich, aber auch eng. Beide brauchen ihre Freiheit und können sie dem anderen auch gönnen.


    Elisabeth weiß, dass sie sich nicht immer verkriechen kann, aber sie fühlt sich wohl hier bei Anna. Mit Elisabeth lerne ich immer mehr über Äpfel.


    Es hat ein wenig gedauert bis Lis den Mut findet, Valentin wieder gegenüber zu treten. Valentin macht es ihr aber auch leicht.


    Aber auch Anna springt über ihren Schatten, als sie sich mit Weichmann in Verbindung setzt.


    Langsam beginnen beide Frauen sich ein wenig zu öffnen. Lis weiß nicht, wer sie ist, wenn sie sich von ihrem Mann trennt. Sie muss sich erst noch finden, bevor sie ein neues Leben beginnen kann. Aber zumindest macht sie den ersten Schritt, als sie Saskia kontaktiert.


    Elias bringt Flüchtende über die Berge. Lene hat immer alles alleine geschafft und er geht davon aus, dass sie seine Hilfe nicht braucht. Dann bringt er Julius, der nach Argentinien will, mit nach Hause und setzt so eine unheilvolle Geschichte in Gang.

    Gut gefallen hat mir z.B. auch, dass nochmal erwähnt wurde, dass Thea die Zeitungen versteckt und Lis vermutet, dass Thea ahnt wer sie eigentlich ist.

    Das fand ich auch sehr toll. Sie hat die Verletzungen gesehen und wollte, dass Lis zur Ruhe kommt und nicht noch weitere Verletzungen dazukommen.

    Aber wie man es von den Eltern kennt, so gibt man es weiter, denke ich.

    Oder macht es bewusst genau anders, weil es einem selbst nicht gutgetan hat.

    Dieses Buch führt uns in die Anfangszeit der Pandemie und spielt in New York. Die namenlose Erzählerin kümmert sich um den Papagei ihrer Freundin in deren Wohnung. Dort trifft sie eines Tages auf einen jungen Mann, der psychisch nicht stabil ist und aus dem gleichen Grund da ist wie sie. Nichts verbindet die beiden Personen, welche die Umstände in dieser Wohnung mit dem Papagei zusammengebracht haben.

    Die Autorin Sigrid Nunez springt in ihrer Geschichte, die eigentlich gar keine ist, von Gedanken zu Gedanken und von einer Erinnerung zur nächsten. Auch wenn die Personen in einer Wohnung zusammentreffen, so dauert es doch eine ganze Zeit, bis eine Annäherung stattfindet. Es werden die unterschiedlichsten Themen behandelt, wie Gesellschaft und Politik, psychische Krankheiten und Alter, die Umwelt und einiges mehr, das alles aber immer nur bruchstückhaft. Immer wieder geht es auch um Literatur und die Kunst des Schreibens, was mit vielen Zitaten unterlegt ist. Diese Gedanken und Gespräche sind nachdenklich und tiefgründig, auch wenn immer wieder Humor durchscheint.

    Der Roman lässt sich nicht einfach weglesen, der Schreibstil ist anspruchsvoll, aber gut zu lesen. Dennoch konnte mich diese Erzählung nicht wirklich überzeugen, da mir der rote Faden fehlte.

    Es ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss.


    4/10