Beiträge von buchregal123

    Eddie und Ruth vernachlässigen für ihre Liebe ihre Pflichten und lassen Freunde im Regen stehen. Eddie hatte sich ja schon einmal Ärger eingehandelt, als er unerlaubt zu Ruth gegangen war. Bei Ruth passt es aber nicht, dass sie ihr Kosmetikstudio wochenlang ignoriert und noch nicht einmal Rachel informiert.

    Aber bei Ruth hängt ja das Lebensglück davon ab. Das Kosmetikstudio ist ihr wichtig, aber Eddie ist wichtiger. Daher verstehe ich ihr Handeln schon.

    Kalmann hat sich selbst zum Sheriff von Raufarhöfn ernannt. Seine Tage sind ausgefüllt, denn entweder geht er auf die Jagd oder er legt seine Köder aus, um Haie zu fangen, die er dann zu Gammelhai verarbeitet. Doch dann überrollen ihn die Ereignisse, als er beim Jagen eine Blutlache entdeckt. Zufällig ist gerade auch Róbert McKenzie, der König von Raufarhöfn, spurlos verschwunden.

    Diese Geschichte wird aus der Sicht von Kalmann erzählt, einem behinderten jungen Mann, der alleine in dem kleinen Ort lebt. Alles was er über die Natur, das Meer und Gammelhai weiß, hat er von seinem Großvater gelernt, der nun dement in einem Heim lebt. Dass er ein bisschen anders ist als die meisten Menschen, ist für ihn „kein Grund zur Sorge". Kalmanns Mutter schaut sporadisch vorbei, um Ordnung zu schaffen. Der Vater hat ihm eine Mauser, einen Sheriffstern und einen Cowboyhut gegeben, sich aber sonst nicht um seinen Sohn gekümmert.

    Nachdem Kalmann das Blut entdeckt hat, wollen plötzlich alle etwas von ihm. Die Polizei hat Fragen, die Medien bringen ihn in die Öffentlichkeit und die Dorfbewohner wollen auch so manches wissen. Zum Glück kann Kalmann auf dem Meer seinen Kopf entleeren und das ist wichtig, denn ihm geht so manches durch den Kopf. Eigentlich ist Kalmann ein einsamer Mensch, der sich nach einer Frau und Kindern sehnt. Er ist mal naiv und mal gewitzt und seine Sicht auf die Welt ist etwas speziell, oft sogar tiefgründig. Ich mochte ihn ganz gern, auch wenn er durchaus gewalttätig werden kann. Auch die anderen Figuren haben alle ihre Eigenheiten.

    Diese Geschichte ist unterhaltsam, aber auch etwas weitschweifig. Doch ich wollte auch wissen, wie es weitergeht und mit dem Ausgang hatte ich so wirklich nicht gerechnet.

    Joachim B. Schmidt erzählt in diesem Buch die ungewöhnliche Geschichte eines ganz besonderen Helden.


    9/10

    Dieses Buch ist der erste Band einer Trilogie und erzählt die Geschichte von vier Frauen in den Jahren des Wirtschaftswunders. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege. Obwohl sie sehr unterschiedlich sind, wollen sie alle in diesen Zeiten ihren Weg gehen und glücklich werden.

    Luise Dahlmann will ihren Traum von einem Lebensmittelgeschäft verwirklichen. Dafür braucht sie allerdings die Zustimmung ihres Ehemanns, der sie machen lässt. Mit viel Einsatz gelingt es ihr, den Laden zu eröffnen. Annabel von Thaler Ist Ehefrau eines Arztes, fühlt sich aber in dieser Rolle nicht glücklich. Die aus Schlesien Vertriebene Marie Wagner möchte mit Pferden arbeiten, doch auf dem Gestüt will man keine Bereiterin. Daher nimmt sie eine Arbeit auf dem Hof von Luises Bruder an. Helga Knaup kommt aus gutem Haus. Sie will sich nicht verheiraten lassen, sondern auf eigenen Füßen stehen und eine Ausbildung als Krankenschwester zu machen.

    Erzählt wird diese Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven, so dass man die Frauen mit ihren Denkweisen gut kennenlernt. Alle Charaktere waren authentisch und vielschichtig dargestellt. Obwohl nicht immer alles glatt läuft, fehlen mir doch die größeren Probleme, die der Geschichte Spannung verschafft hätte. Manche Gedanken und Handlungen konnte ich nicht so recht nachvollziehen. Auch war mir doch vieles zu detailliert dargestellt, so dass sich für mich Längen ergaben. Auch war alles ziemlich vorhersehbar.

    Die Auswirkungen des Krieges sind noch zu spüren, aber es geht stetig bergauf. Es ist eine Zeit, in der es jungen Frauen nicht möglich war, selbstbestimmt ihre Entscheidungen zu treffen. Sie waren ab hängig von ihren Eltern und später von ihrem Ehemann. Wollten sie arbeiten, brauchten sie die Zustimmung.

    Eigentlich lese ich gerne Bücher aus dieser Zeit, aber dieser Roman konnte mich nicht so recht packen. Mir fehlte da der Tiefgang.


    6/10

    Nachdem ich die Vorgängerbände „Galgenhügel“, „Totenbauer“ und „Schuldacker“ gelesen habe, musste ich natürlich wissen, wie es mit Heinrich Tenbrink und Maik Bertram weitergeht.

    Heinrich ist inzwischen pensioniert und fühlt sich so ganz wohl. Doch dann ist der Schaddebuer Friedhelm Harking im Rauchland gestorben. Man hat ihm den Schädel eingeschlagen und Zeugen haben einen Mann gesehen, der Harking aus dem Kotten gezogen hat und weggerannt ist. Schon bald hat die Polizei Schultewolter festgenommen, der aber nur mit Heinrich reden will. So ist Tenbrink wieder mittendrin in den Ermittlungen und sein Stöbereinsatz sagt ihm auch zu.

    Dieser Krimi aus dem Münsterland lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Auch die Handlungsorte sind gut beschrieben und das winterliche Venn wirkt etwas gespenstisch. Die Grenze zu den Niederlanden ist nah. So lernen wir nicht nur ein wenig Münsterländer Dialekt kennen, sondern auch gleich noch ein wenig Niederländisch.

    Die Charaktere sind wieder sehr individuell und eigenwillig dargestellt. Heinrich Tenbrink und Maik Bertram leben zusammen in einer WG, was sich gut eingespielt hat. Immer noch grübelt Heinrich über die Vergangenheit nach, die ihn sehr beschäftigt. Obwohl er seinen Ruhestand genießt, stürzt er sich auch gerne wieder in die Ermittlung, die er auf eine sehr spezielle Art führt. Maik hat andere private Sorgen, die ihn umtreiben und so muss er am Ende eine Entscheidung treffen. Es gibt eine Reihe von Verdächtigen und jeder hat mit jedem zu tun. Doch wenn auch viele einen Groll auf den Schaddebuer hatten, so ist es doch gar nicht so einfach, den Schuldigen auszumachen. Schön ist es, dass auch Jan Bonnema von der Polizei jenseits der Grenze wieder dabei ist.

    Eine ganze Reihe von Wendungen haben dafür gesorgt, dass es undurchschaubar und spannend bleibt und das Ende durchaus überraschend ist.

    Mir hat dieser unterhaltsame und spannende Münsterland-Krimi wieder sehr gut gefallen.


    10/10

    Als die Lage in Deutschland für die jüdischen Familien immer schlimmer wurde, haben die Meyers so darauf gehofft, dass sie nach Amerika reisen dürfen. Aber Karl hatte zu lange gezögert und dann hing alles von Ruth ab. Nach einem kurzen Aufenthalt in England, sind die Meyers nun auf dem Weg nach Amerika. Die Hoffnung, dass sie dort zur Ruhe kommen können, war groß, doch schon bald stellt sich Ernüchterung ein. Auf der Überfahrt hat sich Karl übers Ohr hauen lassen und es ist auch nicht leicht, in Chicago Fuß zu fassen, obwohl die Freunde der Meyers alles vorbereitet haben. Aber Ruth und Karl finden sehr schnell eine Arbeit, trotzdem müssen sie den Gürtel enger schnallen. Außerdem machen sie sich Sorgen um die Zurückgebliebenen in Deutschland. Zudem kommt auch in Amerika der Krieg wieder näher. Ruth lernt Eddie kennen, der Soldat ist und schon bald eingezogen wird. Werden Ruth und Eddie eine gemeinsame Zukunft haben?

    Seit dem ersten Band habe ich die Familie Meyer begleitet und sie sind mir ans Herz gewachsen. Ich habe mich mit ihnen gesorgt und mit ihnen gehofft. Besonders nahe geht einem diese Geschichte, da sie auf Tatsachen beruht. Im Nachwort erfahren wir, was Realität und was Fiktion ist. Der Epilog verrät zudem, wie es mit den verschiedenen Personen weitergegangen ist. Auch dieses Mal wurde ich wieder von der Geschichte gefesselt.

    Ruth hat so viele Ängste, aber immer wieder muss sie Stärke zeigen, weil ihre Familie so viele Hoffnungen in sie setzt. Ich hätte ihr gewünscht, dass sie ihren Schulabschluss machen kann und ein etwas unbeschwertes Leben in Amerika hat. Doch sie muss Geld verdienen, damit die Familie ihren Lebensunterhalt bestreiten kann, denn Karls Verdienst reicht nicht. Karl trifft zwar viele Entscheidungen, aber er ist kein starker Mann und das belastet ihn. Martha dagegen macht eine unerwartete Entwicklung durch. Von ihrer Depression ist nichts mehr zu spüren. Als Ruth Eddie trifft, ist sie gar nicht so von ihm begeistert. Doch Eddie lässt sich nicht abschütteln. Er kann ganz schön penetrant sein, da bekommen auch Karl und Martha zu spüren. Aber das ist gut, denn Ruth und Eddie sind wohl füreinander bestimmt.

    In Deutschland kümmert sich Aretz weiter um die zurückgebliebenen Familienmitglieder, obwohl es wirklich gefährlich für ihn werden könnte. Er und seine Familie sind wirklich liebe mitfühlende Menschen.

    Dieser Roman um die Familie Meyer ist spannend und sehr emotional. Man kann gar nicht anders, als mitzufühlen bei all dem Schrecklichen, dass der Familie widerfahren ist. Leider müssen wir heute miterleben, dass die Menschen aus der Vergangenheit nichts gelernt haben, denn es gibt einiges, dass ich zurzeit sehr erschreckend finde.

    Nicht nur für dieses Buch, sondern für die komplette Reihe kann ich nur meine absolute Leseempfehlung aussprechen.


    10/10

    Karl hat mich wieder und wieder überrascht. Mal sehr verständnisvoll und dann wieder stur. Gut dass auch Eddie stur sein konnte

    Dass er mal so und mal so reagiert, kann ich mir nur so erklären, dass er selbst den Boden unter den Füßen verloren hat und nicht mehr recht weiß, was richtig und gut ist. Er ist eigentlich ein sehr liebevoller Mensch, doch manchmal könnte ich ihn...

    So, ich bin durch, werde aber noch in den anderen Threads etwas schreiben. Mich hat das Ende wirklich sehr berührt und ich hatte Tränen in den Augen. Irgendwie schade, dass die Reihe zu Ende ist.

    Ich finde es auch schade, denn die Meyers sind einem doch sehr ans herz gewachsen.

    Zurzeit ist mal wieder der Wurm drin. Daher habe ich gar nicht so viel Zeit, wie ich brauchen könnte.


    Nun aber:


    Ruth und Eddie kommen sich immer näher. Es hat mir gefallen, dass sich Karl auf Ruths Seite gegen Martha gestellt hat, in dem er sie daran erinnert hat, wie es bei ihnen war. Trotzdem haben die Liebenden noch mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Als sie heiraten wollten, gibt es dann doch wieder Probleme. Ruth kann angeblich nicht alleine reisen und Martha vermisst die Hochzeitsfeier. Es ist schön, dass sich Ruth dieses Mal doch durchsetzt. Doch dann bleibt der Zug im Nirgendwo stehen. Ruth muss da wirklich verzweifeln. Doch es klappt dann ja doch noch mit der Hochzeit und Kurt trifft sie auch noch mal. Was für ein Zufall.


    Durch den Epilog erfahren wir, wie es mit den Personen weitergeht. Dass die Verwandten in Deutschland keine Zukunft hatten, war mir schon klar, aber traurig ist es doch. Schade auch, dass die Aretz für ihre Freundlichkeit nicht noch belohnt wurden, sondern so ein tragisches Ende hatten.

    In den USA entwickelt sich das Geschehen für die Meyers positiv. Ruth und Rachel schaffen die Prüfung zur firmenbezogenen Kosmetikerin und finden eine neue Stelle. Natürlich ist es wieder eine jüdische Familie und Ruth tut etwas für Melly.

    Nach allem, was der Familie Meyer in Amerika widerfährt, bleiben sie immer in jüdischen Kreisen. Da ist mir unsere Forderung nach Integration hier in Deutschland in den Sinn gekommen. Es ist verständlich, wenn man sich in den gewohnten Kreisen bewegt, das gibt Sicherheit, aber es verhindert aber auch ein Stück weit die Integration.

    So gerne ich Rachel auch mag, aber die Liebesgeschichte zu Andrew finde ich ja fast nervig. Sie ist aus meiner Perspektive sehr naiv, aber auf der anderen Seiten war das wohl damals einfach so.

    Ich glaube schon, dass das ganz normal war, denn häufig hieß es doch: Ein Mädchen braucht keinen Beruf zu lernen, die heiratet doch. Das hat sich wohl auch bei Rachel festgesetzt, die in einer Ehe wohl das Ziel ihres Lebens sieht.

    Nun ist es also doch möglich, Ruths Mutter fängt halbtags bei Sweet Cherry an und hat Spaß daran. Was für ein Angebot, damit Karl die Zusage zur EG-Wohnung gibt.

    Es ist schon seltsam, dass Karl nicht wollte, dass seine Frau arbeitet und dass Martha es vorher nicht in Betracht gezogen hat. Wenn das Geld nicht reicht, hat die Frau zu Hause zu bleiben, aber die Kinder müssebn zum Unterhalt beitragen. Das war wohl die übliche Vorstellung damals.

    Endlich erfahren wir, wie es den Zurückgebliebenen in Krefeld ergeht. Leider hat die Familie in Chicago nicht das Glück, eine Nachricht zu erhalten. Für sie bleibt die Ungewissheit.


    Ich hatte schon gedacht, dass es in Krefeld ein schlimmes Ende nehmen würde. Omi will selbst bestimmen und setzt ihrem Leben ein Ende. Hans und seine Mutter werden einfach so aus der Arbeit herausgerissen und bekommen den Bescheid, wann sie sich zum Abtransport einzufinden haben. Emilie hat ihren Starrsinn behalten. Aber dann müssen auch Valentin und sie zum Abtransport. Die Familie Aretz hat so viele Risiken auf sich genommen, indem sie die Meyers unterstützt haben. Dass Aretz die beiden Alten dann zum Zug bringt, ist wirklich gewagt. Aber er ist auch kaltschnäuzig genug. Auch Merländer muss Krefeld verlassen.


    Rachel und Ruth sind wirklich Freundinnen. Ohne Ruth hätte Rachel ihre Prüfung wohl nicht angetreten und schon gar nicht bestanden. Aber auch mit bestandener Prüfung ist es nicht so einfach, einen Job zu bekommen. Bei Herbert Wilson bietet sich ihnen dann aber eine ganz besondere Chance. Wie die zwei dann Mellie herausgeputzt haben, finde ich schön. Ich hatte schon Angst, dass Herbert wütend wird, aber er ist wirklich ein lieber Kerl, der stolz auf seine Frau ist.

    Ich kann Ruth gut verstehen, dass sie sich eigentlich nicht verlieben will, ist doch noch soviel unsicher.

    Doch die Liebe kommt und lässt sich nicht einfach beiseite schieben. Das wird Ruth auch noch sehen.

    Hui, Eddy scheint es auch ziemlich auf Ruth abgesehen zu haben und auch wenn sie sich abweisend zeigt, so ganz kalt lässt er sie nicht. Das wird sicherlich noch gewaltig knistern zwischen den beiden.

    Aber Ruth wird es ihm nicht einfach machen. Sie hat mir ihrer Ausbildung etwas angefangen, das sie bestimmt nicht wegen einer Liebelei sausen lässt.

    Besonders gut gefallen hat mir, dass Martha eine kleine Anstellung gefunden hat und sie da so aufblüht. Ich denke immer wieder, dass jeder kleine Job gut für das eigene Selbstwertgefühl ist.

    Das finde ich auch schön, aber Karl war ja wieder einmal nicht begeistert, als sie diese Möglichkeit erwähnte. Er kann halt nicht aus seiner Haut.

    Ruth hat aber wirklich Glück. Sie verliert ihre Stelle durch ein Missverständnis und hat auch gleich wieder eine neue. Rachel wird eine wirkliche Freundin, denke ich. Die Mädchen aus der Näherei waren zwar nett, aber Freundinnen waren sie offensichtlich nicht.


    Dann kommt durch Rachels Tante auch noch die Anregung, die Ausbildung bei Elizabeth Arden zu machen. Da mutet sich Ruth doch wieder viel zu. Verblüfft hat mich die Reaktion der Eltern, die nichts dagegen haben.


    Geschickt wie Martha das mit dem Umzug gedeichselt hat. Sie weiß Karl zu nehmen.


    Ruth lernt Eddie kennen und findet ihn unmöglich. Eddie aber zeigt sich beharrlich, bei ihm war es wohl Liebe auf den ersten Blick.

    Mit 19 Jahren und lässt sich noch alles vorschreiben. Wohin sie geht, mit wem, wann.

    Sie war noch nicht volljährig und konnte nichts entscheiden ohne die Zustimmung der Eltern. So ähnlich ging es mir in meiner Jugend auch noch. Es gab viele Vorschriften und wenig Freiheit.

    Könnte der Vater nicht mehr verdienen?

    Wie sollte er das machen. Die Möglichkeiten für ihn sind begrenzt. Sprache, Alter und wahrscheinlich auch genügend Arbeitssuchende, denn es sind ja viele geflüchtet.

    Was gekauft wurde, wurde auch sofort bezahlt, auch nicht auf Raten.

    Die Einstellung habe ich heute noch. Was ich mir nicht leisten kann, wird nicht angeschafft. Die einzige Ausnahme ist eine Hypothek, weil wohl niemand ein Haus gleich bezahlen kann.

    Das Chanukka-Fest war wirklich schön. Leider wurde gar nicht beschrieben, wie die Familienmitglieder auf Ruths Geschenke reagiert haben. Das fand ich ziemlich schade. Oder hat Ruth das Schenken sein gelassen, weil der Vater so darauf gepocht hat?

    Das hat mir auch gefehlt, dass nicht erwähnt wurde, was mit Ruths liebevoll hergestellten Geschenken geworden ist.

    In meinen Augen haben die Meyers viele unnötige Wertgegenstände, die häufig mit Erinnerungen verbunden sind.

    Sie haben wirklich vieles nach Amerika geschafft, aber ich bezweifele, dass es für jemand anders von Wert wäre.

    Manchmal möchte ich Karl nur schütteln. Da verbietet er Ruth diese Möglichkeit, nach allem, was sie dafür geleistet hat. Ich denke er ist stolz auf sie, warum zeigt er es dann nicht? Die Familie braucht das Geld, das Ruth verdient. Doch dann wäre es nur fair, das auch auszusprechen. Ruth ist fast erwachsen und hat so viel für die Familie getan, da sollte man sie entsprechend behandeln. Mir tut Ruth leid, vor allem, weil sie die Entscheidung so hinnimmt. Sie ist wütend, aber sie stellt es nicht in Frage, weil sie ihre Eltern liebt und ein starker Zusammenhalt in der Familie da ist. Dann sieht es auch so aus, als wäre Ruth auch noch ihren Job los und alles durch ein Missverständnis.

    Und trotzdem liegt gerade bei den jüdischen Freunden auch immer die Sorge um die zurückgebliebenen in der Luft.

    Das ist schrecklich, nicht zu wissen, was mit den Lieben ist. Sie stellen sich wahrscheinlich immer das Schlimmste vor und hoffen, dass es doch anders ist.

    Aber auch Ruth hat eine tolle Anstellung gefunden und ich kann mir gut vorstellen, dass sie etwas aus der Näherei macht.

    Ich finde nicht, dass es eine tolle Stelle ist und sie wird Ruth bestimmt nicht zufrieden machen. Solche Fließbandarbeit ist öde und dennoch anstrengend, denn es muss immer schneller gehen und Stückzahlen höher. Aber die Familie ist wohl auch auf den Verdienst von Ruth angewiesen. Sie hat keine Wahl.

    Karl wird mit einer moderneren Welt konfrontiert und damit kommt er so gut wie gar nicht zurecht. Es ist sehr schade zu lesen, wie er in seinen (ver)alteten Ansichten gefangen ist. Auch seine rigorose Haltung bzgl. Schminken...

    Ich glaube, dass sein Selbstwertgefühl so gelitten hat, dass er auf seine Weise zeigen muss, dass er der Herr im Haus ist.

    Bisschen geärgert hat mich schon, wie sorglos Martha einkaufen geht, weil Karl aber bestimmt auch nicht vorher mit ihr gesprochen hat über das Budget und die wirklich notwendigen Dingefestlegt.

    Martha hat gehandelt, wie sie immer gehandelt hat. Nur früher mussten sie nicht rechnen. Ich vermute auch, dass Karl über die wirklichen finanziellen Verhältnisse nicht geredet hat. Aber das hätte er seiner Familie gegenüber tun sollen. Aber Martha hat auch wenig Fingerspitzengefühl gezeigt.

    Die Familie ist in Chicago angekommen und richtet sich ein. Dabei kommen natürlich viele Erinnerungen hoch und ich stelle mir vor, dass es nicht einfach ist, denn die Sorge um die Zurückgebliebenen kann man ja nicht abschütteln.


    Ilse und Ruth teilen sich ein Zimmer und nähern sich auch sonst an. Man spürt auch, dass Ruth schon so viel Verantwortung tragen musste und Ilse dagegen immer behütet wurde als die Kleine. Sie ist oft so unbedarft.


    Karl findet eine Arbeit als Vertreter für Besen, obwohl er ja noch Schwierigkeiten mit der Sprache hat. Aber er ist ein Verkäufer durch und durch, der wird das schaffen. Aber er hat auch viel von seinem Selbstvertrauen verloren. Er möchte seiner Familie alles bieten, doch das wird kaum möglich sein.


    Auch Ruth findet eine Arbeit. Es ist schade, dass sie nicht die Möglichkeit hat, einen Schulabschluss zu erwerben. Sie hadert oft mit sich und hat natürlich auch Ängste. Doch alle gehen davon aus, dass sie so stark ist. Aber man hat ihr ja nie eine Wahl gelassen. Zum Glück wird sie bei der Arbeit freundlich aufgenommen. Marcella ist ziemlich offen, doch ich glaube nicht, dass sie wirklich eine Freundin für Ruth sein könnte, der Ruth alles anvertrauen kann. Ich sehe sie eher als freundliche Arbeitskollegin. Ich glaube auch kaum, dass Ruth auf Dauer mit der Arbeit, die doch sehr einseitig ist, glücklich wird.

    Dass sie aber auch auf 2 Betrüger reinfallen zeugt von ihrer Unbedarftheit und dem Glauben an die Menschen.

    Karl war immer ein Mensch, der anderen wohlgesonnen war und es auch von ihnen angenommen hat. Das mag naiv sein, aber es entspricht seinem Charakter. Nun kommen noch die in letzter Zeit gemachten Erfahrungen dazu, die verunsichern und ängstlich machen. Da kann so etwas passieren. Doch es hätte ihm nicht gleich ein zweites Mal passieren dürfen. Ich glaube, dass er durch die Erlebnisse in Deutschland vollkommen den Boden unter den Füßen verloren hat, auch wenn er für seine Familie stark sein will.

    Ich habe das Buch ja schon vor ein paar Tagen gelesen und ich muß sagen, als Fan der Reihe waren mir es fast zu viele Wiederholungen - bis ca. 20 % (beim ebook) und erst dann ging es richtig los.

    Ich finde dass nicht schlimm, denn seit dem letzten Buch ist ja ein Weilchen vergangen. Außerdem soll es ja auch Leser geben, die - aus welchen Gründen auch immer - die Vorgänger nicht kennen.

    Martha hat mich sehr beeindruckt, sie hat sich jetzt gefühlt doch viel besser im Griff als noch in der Zeit in Deutschland.

    Ich fand auch, dass Martha viel Stärke gezeigt hat, hoffe aber, dass sie nicht wieder in ein Loch fällt, falls sich weitere Schwierigkeiten ergeben.

    Überall musste sie sich umschauen, ob nicht irgendwo ein Nazi lauert und nun fühlt man sich sicher und dann ist man bestimmt ziemlich anfällig.

    Erschreckend, wenn man mit diesen Ängsten leben muss.

    Wie abweisend Irene ist, fand ich traurig. Für eine Nacht würde ich immer Leute, die in Not sind, aufnehmen.

    Irene hat einerseits die Schuoldgefühle, die ihr im Weg stehen, andererseits hat sie wohl Angst, dass es länger werden könnte. Auch erscheint mir ihr neuer Mann etwas bestimmend. Das ist zwar keine Entschuldigung für ihr Verhalten, aber vielleicht eine Erklärung.

    Die Anreise nach Chicago war ja wirklich beschwerlich, aber zum Glück haben sie außer Betrügern auch Menschen getroffen, die ihnen geholfen haben.

    Solche Begegnungen braucht man aber auch, denn sonst würde man wirklich verzweifeln.